Das Rennen um den dümmsten Titel
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Das Rennen um den dümmsten Titel

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um zwei unterschiedliche Schlagzeilen zum selben Ereignis:

Michael Schumacher - Sein Sohn hat ein Wunder vollbracht
Neuer Schock - Michael Schumacher - Nicht auch noch sein Sohn! - Zerbricht er am Schicksal seines Vaters?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: In den Heften der Regenbogenpresse geht’s nicht nur um Promis, sondern auch um deren Familienangehörige. Mehr oder weniger ereignisreiche Geschehnisse werden als große Story verkauft — und gänzlich unterschiedlich interpretiert. Eine der führenden Schlagzeilen dieser Woche dreht sich um den 15-jährigen Sohn von Michael Schumacher, Mick Schumacher. Der ist jüngst beim Kartrennen um die Deutsche Juniorenmeisterschaft gestartet, was die Regenbogenpresse nicht so eindeutig deuten kann — oder will: Laut der “Neuen Post” hat Mick Schumacher “ein Wunder vollbracht”, “Die neue Frau” hingegen titelt: “Neuer Schock — Nicht auch noch sein Sohn!” Was da genau vorgefallen ist auf der Kartbahn, und warum die Regenbogenpresse daraus konträre Schlagzeilen bastelt, darüber kann ich sprechen mit Mats Schönauer, einem der beiden Köpfe hinter topfvollgold. Mats, was war da los auf der Jugend-Rennstrecke, wenn man die mal so nennen darf?

Mats: Tja, da war eigentlich nicht viel mehr los, als dass der Sohn von Michael Schumacher da gefahren ist. Und das interessiert die Medien offenbar brennend. Das war nicht nur Titelgeschichte bei der “Bild”-Zeitung, sondern auch schon seit Tagen in der Regenbogenpresse. Und zwar ist der Sohn von Michael Schumacher, der fährt Kartrennen, bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft Zweiter geworden. Das ist die ganze Geschichte. Interessant ist nicht nur, dass die Medien sich so darauf stürzen, sondern wie gegensätzlich sie das interpretieren. Du sagtest ja schon, die “Neue Post” schreibt: “Sein Sohn hat ein Wunder vollbracht”. Da denken die ganzen Omis wahrscheinlich: “Oh, der Sohn hat irgendwas gemacht, und jetzt geht es Michael Schumacher besser.” Da spielen die Redaktionen schon ganz bewusst mit dem Gesundheitszustand von Michael Schumacher und tun dann so, als hätten sie neue Informationen. In Wirklichkeit geht es in der Geschichte aber tatsächlich nur um dieses Kartrennen.

Also völlig unterschiedliche Geschichten. Man fragt sich, ob die Zeitungen das gleiche Rennen gesehen haben. Wie kommt es dazu, dass daraus diese völlig unterschiedlichen Headlines entstehen?

Die nehmen sich einfach eine Nachricht und drehen die dann so, wie es gerade passt. Die “Neue Post” wollte dann wahrscheinlich mit einer schönen Geschichte locken auf dem Cover und hat’s sich dann so zurecht gedreht, dass sie da was Positives titeln kann. Die Redaktion interpretiert jetzt einfach, dass der Sohn Zweiter geworden ist, als “Wunder”, oder vielmehr sieht sie es als hypothetisches Wunder, das noch kommen könnte. Die Mitarbeiter haben nämlich noch einen Arzt gefragt, und der sagt: Bei Komapatienten ist es immer von Vorteil, wenn es gute Nachrichten gibt, da könnte sich dann der Gesundheitszustand verbessern. Und diese Möglichkeit reicht dem Blatt schon, um daraus ein Wunder zu stricken. “Die neue Frau” und andere Hefte dachten sich: Da machen wir eine schlimme Nachricht raus. Die haben es so gedreht: “Nicht auch noch sein Sohn!” Die Redaktion suggeriert auf dem Titel, es gäbe eine ganz schlimme Nachricht, als sei der Sohn vielleicht auch verunglückt. Aber da geht’s dann einfach nur darum, dass er nur Zweiter geworden ist und dass beim Kartfahren ja sowieso viele Gefahren drohen. Die drehen sich die Geschichte so zurecht, wie sie es gerade mögen, und dann picken sie sich die Fakten raus und überdrehen sie solange, bis sie so eine Schlagzeile bringen können.

Es war auch noch etwas Anderes zu lesen: Er wurde “nur” Zweiter und er rastete aus. Was ist das denn für ein gefundenes Fressen?

Ich habe das Rennen selbst nicht gesehen, deswegen weiß ich nicht, ob es stimmt. Aber “Die neue Frau” schreibt einfach, dass er sich darüber geärgert habe, dass er nur Zweiter geworden ist, was ja erstmal verständlich ist. Und dann soll es auch noch eine Rangelei gegeben haben. Das formuliert das Blatt aber auch schon so vage, dass ich es überhaupt nicht abkaufe. Selbst wenn er sich darüber geärgert hat, nur Zweiter geworden zu sein — man darf es nicht so überbewerten, wie die Hefte es tun. Es kam denen natürlich ganz gelegen, wenn es tatsächlich so passiert ist, weil sie daraus dann so etwas Negatives stricken konnten.

“Die neue Frau” hat ja sogar geschrieben, dass dieser Ausraster am schlechten Gesundheitszustand seines Vaters liegt. Stellt sich die Frage: Darf man als Familienangehöriger und als 15-jähriger Teenager eines Promis überhaupt noch normal — sprich emotional — durchs Leben spazieren?

Natürlich darf man das. Das Problem ist aber, dass dann an jeder Ecke Fotografen lauern, die das festhalten, und noch schlimmer: Dass die Regenbogenautoren in ihren Redaktionen sitzen und aus diesen Fotos und Videos solche Geschichten stricken. Ich finde, das ist eine große Unverschämtheit. Ich frage mich sowieso, welches Intresse die Öffentlichkeit daran hat, ob der Sohn von Michael Schumacher jetzt ein guter Rennfahrer ist oder nicht. Darüber kann man natürlich berichten, aber dass es dann solche großen Titelgeschichten werden, finde ich unangebracht — auch schon bei der “Bild”-Zeitung. Und wenn dann die Regenbogenpresse noch solche Geschichten daraus strickt und das so perfide verbindet mit dem Gesundheitszustand von Michael Schumacher und solche Gerüste sich strickt, wie das alles miteinander zusammenhängen könnten, und dann noch solche lockenden Schlagzeilen auf die Titelseiten packen, dann ist das eine ziemliche Frechheit. Aber es lässt sich momentan ja leider nicht groß ändern.

Und es hilft in diesem Fall offenbar auch nicht, dass der Sohn von Michael Schumacher unter dem Mädchennamen seiner Mutter fährt — also gar nicht als Schumacher startet.

Eben. Daran erkennt man schon, dass sie damit gar nicht in Verbindung gebracht werden wollen, aus welchen Gründen auch immer. Das gelingt leider nur mittelmäßig, wenn die Medien das einfach ignorieren und daraus große Titelgeschichten basteln.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

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Mit Kümmel im Catsuit
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Mit Kümmel im Catsuit

Die größten Verräter der Medienbranche sitzen in den Regenbogenredaktionen. Sie plaudern einfach alles aus, kein Geheimnis ist vor ihnen sicher.

Zum Beispiel verriet die “Freizeit direkt” mal die drei “privaten Geheimnisse” der Kanzlerin. Erstens: In ihrem Ferienhaus in der Uckermark hat Angela Merkel eigenhändig Blumen, Erdbeeren und Kartoffeln gepflanzt. Zweitens: Wenn Merkel grillt, dann Forelle und Steak. Und drittens: Bratwurst mag sie auch.

Bei Schauspielerin Saskia Vester ist das “Echo der Frau” sogar auf “fünf große Geheimnisse” gekommen: Vester hat beispielsweise keine Angst vor dem Zahnarzt, ihr Mann wäre ein Delfin, wenn sie ihn mit einem Tier vergleichen müsste, und ihre Katze Lui benimmt sich manchmal wie ein Hund.

Und jetzt holt die 89-Cent-Postille “Freizeit Stars” zum ganz großen Schlag aus! Zu Regenbogen-Liebling Helene Fischer hat das Blatt nämlich “sensationelle Geheimnisse” ausgegraben. Und zwar nicht zehn, nicht 20 – nein! “30 Gründe, warum die Sängerin so erfolgreich ist!”

Da wäre unter anderem “ihre große Vielseitigkeit”:

Sie trägt alles — vom Abendkleid bis zum Catsuit. Und Helene kann es auch tragen!

Oder dass Fischer dunkle Schokolade und Studentenfutter liebt. Und was mag sie nicht so gern?

“Der Geschmack von Koriander und Kümmel, daran gewöhne ich mich erst jetzt langsam”, verrät Helene.

Kein Wunder, dass die Schlagerprinzessin einen Chart-Hit nach dem anderen landet, bei diesem “Rezept für ihren Aufstieg”.

Der wichtigste der 30 Punkte ist für die “Freizeit Stars” aber anscheinend Geheimnis Nummer drei:

Manager Uwe Kanthak und ihre Texterin Kristina Bach sind der Motor hinter Helenes Karriere.

Denn daraus bastelt die Redaktion mit reichlich Chuzpe die Schlagzeile auf ihrem Cover:

Sollte es niemand wissen? Helene Fischer - Heimliche Familie ... und weitere sensationelle Geheimnisse der Sängerin

Das, liebe “Freizeit Stars”, ist dann ausnahmsweise mal kein Geheimnisverrat, sondern schlichtweg gelogen.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Helene Fischers Bankgeheimnis
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Helene Fischers Bankgeheimnis

Wie traurig das Dasein als Regenbogenmitarbeiter sein muss, stellt die Branchenvertreterin “Die Aktuelle” einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis.

In der Rubrik “Malheur” muss einer ihrer anonymen Knechte 52 Zeilen darüber zusammenkratzen, wie Helene Fischer sich auf eine Parkbank setzt und dann wieder aufsteht:

Dagegen ist selbst ein Superstar wie sie nicht gefeit: Sie will sich auf ihrer Tournee mal kurz entspannen, nimmt auf der Bank in der Sonne Platz — und dann sowas …

Ja, dann sowas:

War die Bank nass, war die etwa sogar frisch gestrichen?

Das Corpus Delicti, um das es hier geht, diese “Bank in der Sonne”, sieht übrigens stark so aus, als sei sie aus Kunststoff hergestellt. Eine weiße Kunststoffbank weiß anstreichen — das klingt fast genauso traurig wie das Schreiben über Helene Fischers großes Problem in der kleinen Pause:

Kleine Pause, große Probleme - Ganzseitenausriss des Artikels über Helene Fischers "Probleme" mit einer Parkbank


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Bergrettung auf der Landstraße
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Bergrettung auf der Landstraße

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um eine Wunderheilung:

Andrea Berg - Unfall-Drama auf der Landstraße - Ergreifend, wie sie das Mädchen ins Leben zurückholte

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Es war ja mal wieder viel los in der Yellow Press. Wir sprechen heute über Andrea Berg. Die hatte einen Horror-Unfall. Jetzt haben wir hier natürlich alle schon innegehalten und kurz überlegt: Wie geht’s ihr denn? Ist denn noch alles in Ordnung mit Andrea Berg?

Moritz: Ihr könnt wieder aufatmen. Andrea Berg ist nichs passiert und ich muss das auch unbedingt korrigieren, nicht dass das hier noch juristisch interessant wird: Andrea Berg hatte natürlich keinen Unfall. Die “Woche der Frau” behauptet zwar auf ihrer Titelseite: “Andrea Berg — Unfall- Drama auf der Landstraße — Ergreifend, wie sie das Mädchen ins Leben zurückholte”. Und wir dachten auch zuerst: Menschenskinder, vor der Haustür von Andrea Berg, großes “Unfall-Drama”, junge Dame verletzt und Andrea Berg hilft ihr jetzt mit Sofortmaßnahmen, Erste Hilfe und so weiter. Pustekuchen, natürlich überhaupt nicht. Wir befinden uns ja schließlich in der Welt der Regenbogenpresse. Dieses “Unfall-Drama”, das es gab, liegt schon drei Jahre zurück. Hat auch örtlich nichts mit Andrea Berg zu tun: Die junge Dame, 19 Jahre alt, die da von einer Autofahrerin auf ihrem Fahrrad angefahren wurde, kommt aus Leipzig. Ich vermute mal, das war dann auch da in der Ecke. Andrea Berg wohnt im Süden Deutschlands — also auch örtlich überhaupt kein Zusammenhang. Das Einzige, was Andrea Berg mit dieser jungen Dame zu tun hat, ist die Musik. Denn Nadine R., die diesen Unfall hatte, hört gerne Andrea Bergs Musik. Und diese Lieder von der Schlagerkönigin haben ihr dann geholfen, zurück ins Leben zu finden.

Klassische Geschichte, gab’s ja mit Dieter Bohlen, glaube ich, schon in zehnfacher Ausführung in den letzten Jahren. Was mich wirklich interessiert, auch aus journalistischer Sicht: Bei all dem Schrott, den die da zusammenschreiben — Wieso sind die so gut im Recherchieren, dass die noch Jahre später solche Querverbindungen finden, die kleinsten Fitzel, aus denen man doch noch eine Story drehen kann?

In diesem Fall ist das tatsächlich ganz interessant, denn es gibt hier eine Passage, die liest sich so: “Verriet die Leipzigerin drei Jahre nach dem schrecklichen Unfall ‘Woche der Frau’.” Das scheint also wirklich ein spezieller Fall zu sein, dass sich hier jemand an das Heft gewandt hat. So etwas findet eigentlich selten statt, dass die Regenbogenhefte mal mit Protagonisten sprechen. Die lesen dann eher auf einer Facebook-Seite: “Hier, ich hab’ Andrea Berg besucht, weil ich mal einen Unfall hatte und sie hat mich ins Leben zurückgeholt mit ihrer tollen Musik.” Und dann stricken sie sich da irgendetwas raus. Hier behauptet das Heft ja tatsächlich, dass es mit der Leipzigierin gesprochen hat. Ansonsten ist es wirklich ein großer kreativer Akt, diese Querverbindungen zu finden. Denn der Unfall an sich ist ja erstmal nichts, worüber ein Regenbogenheft berichten würde. Wenn da jemand aus dem normalen Leben einen Unfall hat, das ist nichts mit Prominenten, nichts mit Klatsch. Dieser kleine Fitzel, die Aussage: “Ich hab’ Andrea-Berg-Musik gehört”, da wird’s dann spannend. Das ist ein großer kreativer Prozess der Regenbogenhefte und der Leute, die dort arbeiten. Die müssen ja Woche für Woche aus so gut wie nichts eine große Titelgeschichte machen. Die beneiden wir um diesen Job nicht unbedingt.

Du hast vorhin schon erwähnt: Man muss immer aufpassen, dass es juristisch nicht relevant wird. Ist das so ein Fall, wo jemand wie Andrea Berg dagegen vorgeht? Oder wissen die einfach: Damit muss ich jetzt leben, das lassen wir jetzt so links liegen und nächste Woche ist die Titelseite ja eh wieder vergessen?

Das ist ja grundsätzlich erstmal eine positive Geschichte über Andrea Berg: Ein “Unfall-Drama”, und sie hat geholfen. Das findet das Heft sogar noch “ergreifend, wie sie das Mädchen ins Leben zurückholte”. Nichtsdestotrotz: Auch in positiven Geschichten kann man falsche Tatsachen behaupten. Und da wird’s dann immer interessant. Die Gegendarstellungen, die wir finden, beispielsweise von Günther Jauch, der stark gegen diese Hefte vorgeht, beziehen sich immer nur auf falsche Tatsachenbehauptungen. Da reicht es, wenn ein Alter falsch genannt wird oder wenn gesagt wird: “Er hat für diesen Job Geld bekommen”, und er hat dafür gar nichts bekommen — dann ist das eine falsche Tatsachenbehauptung dieses Heftes. Im Fall von Andrea Berg — ich bin die Geschichte jetzt zwei-, dreimal durchgegangen — handelt es sich um einen sehr glattgebügelten Text. Ein Treffen gab es dann tatsächlich noch zwischen Andrea Berg und dem Mädchen. Die ist nämlich in dem Hotel von Andrea Berg mal vorbeigekommen, hat sich auch mit ihr getroffen und bedankt. Und die Aussagen, dass sie die Musik gerne gehört hat, werden wohl stimmen, denke ich. Deswegen gibt es da nicht viel juristisch zu machen gegen diesen Artikel von der “Woche der Frau”. Wenn Andrea Berg jetzt sagen würde: “Klar, das ist eine positive Geschichte über mich. Trotzdem habe ich keinen Bock, dass das Heft über mich berichtet, vor allem mit einem solchen irren Fantasiegebilde”, da wird sie sehr wahrscheinlich nicht viel gegen machen können.

Gibt diese Geschichte eigentlich genug für so eine Follow-up-Story nächste Woche her? Oder ist die jetzt tot?

Die junge Dame hat ja zum Glück ihren Unfall überlebt. Sie ist zwar noch auf einen Rollstuhl angewiesen, aber sie findet jetzt ins Leben zurück. Klar, wenn sie jetzt noch einmal Andrea Berg besucht und es ihr immer besser geht, dann kann es sicherlich mal passieren, dass da noch was kommt. Aber an sich ziehen die Hefte dann auch immer ganz gerne weiter zum nächsten Schlachtfeld.


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Stell Dir vor, es ist kein Krieg,
und nur “Die Aktuelle” geht hin
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Stell Dir vor, es ist kein Krieg,
und nur “Die Aktuelle” geht hin

Patronengürtel umschnallen! Gefechtshelme auf! Es herrscht …

Helmut Kohl - Krieg ums Erbe! Böse Beleidigungen! Anwälte eingeschaltet! Es ist alles so furchtbar würdelos!

Allerdings bekommt ausnahmsweise mal nicht Kohls Ehefrau Maike eins übergebraten, weil sie ja eh nur ans finanzielle Erbe des früheren Bundeskanzlers wolle. Die “Aktuelle”-Kriegsminister wühlen sich durchs Schlachtfeld einer ganz anderen Front: Es geht um das neue Buch des früheren Kohl-Ghostwriters Heribert Schwan und den darum entbrannten Streit.

Oder wie “Die Aktuelle” krawallt:

Damit verrät, demütigt, ja entmündigt er Helmut Kohl geradezu, der hilflos zusehen muss, wie alles, was ihm je etwas bedeutete, zerbricht. Das unwürdige Ende eines großen Staatsmannes.

Der würdelose Krieg um Kohls geistiges Erbe begann — die Anwälte sind eingeschaltet.

Ach, ihr Zinnsoldaten von “Die Aktuelle”, dass Kohl und seine Anwälte nun gerade gestern — also einen Tag vor Euer heute erschienenen Kampfpostille — in diesem “Krieg” klein beigegeben haben, passt irgendwie so gar nicht zum Namen Eures Blattes.

Da hilft es auch nichts, dass Ihr ein vergleichsweise aktuelles Foto von der Frankfurter Buchmesse zum veralteten Text gepackt habt:

Kampfeslustig: Kohl (mit Maike) stellte auf der Frankfurter Buchmesse seine Sicht des Mauerfalls bis zur Wiedervereinigung als Neuausgabe vor

Der Mann, der diese Erinnerungen des “kampfeslustigen” Kohl als Ghostwriter aufgeschrieben hat, heißt Heribert Schwan und hockt Eurer Meinung nach im gegenüberliegenden Schützengraben.


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Krisen auf der Wiesn
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Krisen auf der Wiesn

Auf dem Oktoberfest werden ja bekanntlich mehr Ehen gebrochen als geschlossen, und das ist toll. Also — toll für die Regenbogenpresse. Denn wenn es eins gibt, worüber die Knallhefte noch lieber berichten als über Helene-Fischer-Zeugs, dann sind es Eheprobleme bei Promis. Und von denen tummeln sich auf der Wiesn nun mal besonders viele.

Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendeine Schlagernase zu tief in einem fremden Ausschnitt steckt oder eine Moderatorin besoffen über ihren Gatten lästert, ist auf dem Oktoberfest also deutlich höher als irgendwo sonst in Deutschland und in der weiten Welt.

Doch den bunten Blättern reicht auch schon viel weniger, um einem Promipaar eine Wiesn-bedingte Ehekrise anzudichten. Zum Beispiel den Beckers. Die waren auch auf dem Oktoberfest, und schon kreischt die “Neue Post” auf dem Cover:

Boris Becker - Trennungs-Drama!

Im Innern spricht sie gar von “Betrug” und der “Nacht, in der er seine Ehe verspielte”. Auch in der “Woche der Frau” ist von einer “dramatischen Nacht” die Rede, das Blatt sieht schon den “endgültigen Bruch” bei den Beckers kommen, und die “Freizeitwoche” stellt die (rein rhetorische) Frage:

Lilly und Boris Becker - Ist das das Ende?

Der Grund für das angebliche Drama: Lilly Becker verließ die Party angeblich früher, weil ihr Sohn angeblich krank geworden war und angeblich ins Krankenhaus musste. Und Boris, der Ehemann und Vater? Der ließ “sein eigenes Kind im Stich”, “feierte ohne seine Frau […] weiter und flirtete, was das Zeug hielt” — angeblich.

In der Tat postete “Bobbele” am ersten Wiesn-Wochenende im Internet ein Foto von sich mit drei jungen Frauen im Dirndl, was für die bunten Blätter nunmehr der endgültige Beweis ist: “Es scheint wirklich alles aus zu sein …”

So schließt die “Woche der Frau” dann auch mit den Worten: “Wir hoffen, dass sie sich versöhnen”. Und selbst wenn der Rest der Geschichte stimmt — das ist garantiert gelogen.


Dieser Text ist vorgestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Kleingedrucktes macht auch Mist
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Kleingedrucktes macht auch Mist

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um einen kleinen, aber ganz entscheidenden Zusatz in der Titelgeschichte von “Das Neue”:

Joachim Gauck und seine Daniela - Alle wünschen es sich so! Jetzt wird geheiratet!

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Heute wird’s romantisch …

Moritz: Nicht nur romantisch, sondern richtig romantisch! Es wird nämlich geheiratet. Das verspricht das Blatt “Das Neue” zumindest sehr groß auf der Titelseite — wirklich nicht zu übersehen. Wenn man dann aber mal genauer hinguckt und den Text liest, merkt man doch: Naja, so ganz stimmt das alles nicht.

Es wird ja öfter mal geheiratet in der Boulevardpresse. Wer soll denn diese Woche heiraten?

Mats: Dieses Mal geht’s um keinen Geringeren als den Bundespräsidenten höchstpersönlich, “Joachim Gauck und seine Daniela”, wie es heißt. Um die beiden geht’s, und da ist die große Titelschlagzeile “Jetzt wird geheiratet!” Grundlage für die Geschichte ist, dass man die beiden eine Zeit lang nicht zusammen gesehen hat — also Herr Gauck war dann auf den Terminen oft alleine unterwegs –, aber in letzter Zeit kommt Daniela Schadt, seine Lebensgefährtin, öfter mal wieder mit. Und das ist auch schon die Grundlage für die Schlagzeile.

Moritz: Jedem, der sich ein bisschen mit dem Bundespräsidenten und vor allem mit der Klatschpresse auskennt, müsste es jetzt eigentlich in den Ohren schrillen. Denn es ist doch bekannt: Joachim Gauck ist aktuell noch verheiratet, es gibt eine Frau Gauck. Die leben zwar nicht mehr zusammen, aber geschieden sind sie auch nicht. Und deswegen ist es in der Regenbogenpresse auch so eine große Überraschung, dass jetzt geheiratet wird.

Also wurde da wieder sehr intensiv recherchiert offenbar.

Moritz: Nee, das ist nämlich genau der Haken: recherchiert wurde gar nicht. Es gibt wirklich kein Anzeichen dafür und es ist auch nicht realistisch, dass jetzt geheiratet wird, denn erstmal muss ja eine Scheidung stattfinden…

Mats: Bis auf ein Anzeichen: Es gibt nämlich ein Foto, auf dem Joachim Gauck und Daniela Schadt Hand in Hand eine Treppe runter gehen. Das ist der größte Beweis für die Theorie, dass jetzt geheiratet wird.

Klar, natürlich.

Moritz: Ein ganz entscheidenden Zusatz haben wir übrigens noch gar nicht erwähnt und den hat “Das Neue” auch sehr bewusst gesetzt. Es prangt auf der Titelseite auch ein kleiner Satz, der sagt: “Alle wünschen es sich so!” Das erklärt dann auch, warum das Blatt so forsch behaupten kann, dass jetzt geheiratet wird. Egal, dass es gar keine Anzeichen gibt, sie sprechen ja nur von einem großen Wunsch, dass Daniela Schadt und Joachim Gauck jetzt endlich mal heiraten sollten. Das ist natürlich ein Freifahrtsschein für jegliche Spekulation und jegliches Gerücht, zu behaupten, dass sich jeder das so wünscht, und über diesen Wunsch dann zu berichten.

Die Regenbogenpresse ist sich also offenbar sicher, dass ganz Deutschland darauf wartet. Da stellt sich die Frage: Auf wie viele Hochzeiten warten die Deutschen gerade eigentlich so?

Moritz: Auf eine ganze Menge. Auf eine Menge Hochzeiten und auf eine Menge Babys. Diese Maßnahme der Regenbogenpresse, dieser kleine Trick, zu sagen: “Die Fans wünschen es sich so!”, “Ganz Monaco redet schon drüber!”, “Wann kann sie endlich diese Nachricht verkünden?” — das begegnet uns immer wieder bei der Arbeit mit den Heften und ist wirklich ein ganz, ganz billiger Trick, irgendeine wilde Schlagzeile zu legitimieren. Dementsprechend könnte jeder heiraten und jeder könnte sich scheiden lassen und jeder könnte ein Baby erwarten.

Mats: Und nicht nur heiraten oder Kinder bekommen. Das kann man ja mit allem machen. Das ist so, als würde die “Bild” groß auf die Titelseite schreiben: “In Berlin ist eine Atombombe explodiert” und dann einen kleinen Zusatz: “Aber es war nur im Film”. So macht es sich die Regenbogenpresse richtig einfach, indem sie eine ganz kleine Schlagzeile bringt, die die große Schlagzeile relativiert.

Da können einem die Kollegen ja fast leid tun. Gibt’s denn nicht genügend prominente Paare, die tatsächlich heiraten?

Moritz: Vielleicht gibt es nicht genügend prominente Paare, bei denen es so spannend wäre. Denn was auffällt bei Joachim Gauck: In den Leserbrief-Spalten dieser Hefte — also zum Beispiel “Die Aktuelle” druckt sehr gerne Leserbriefe — geht’s oft um Joachim Gauck und Daniela Schadt. Da echauffieren sich die Leute immer stark, dass sie überhaupt nicht seine Frau ist und eigentlich auch gar nicht seine Lebensgefährtin, sondern allerhöchstens eine Mätresse. Die sind überhaupt nicht einverstanden mit Gaucks Lebensgebilde, dass er irgendwo noch eine Frau hat und jetzt aber den Staat repräsentieren soll. Dementsprechend wäre diese Nachricht, dass tatsächlich geheiratetwird, wäre die große Erlösung für all diese Leserbriefschreiber. “Das Neue” dürfte sich also sehr bewusst Joachim Gauck für diese Schlagzeile ausgesucht.


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Verrenkung der Woche (10)
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Verrenkung der Woche (10)

Die letzte Verrenkung der Woche liegt schon eine Weile zurück. Hier nun neuer Stoff zum Mitraten. Also: Was mag sich hinter dieser Schlagzeile verbergen?

Neues Psycho-Drama - Flüchtet sie jetzt nach Deutschland?

Welche Steffi-Graf-Nachricht ist es, die “erschüttert bis ins Mark”? Sind es die “Meldungen über eine Krise zwischen ihr und Ehemann Andre Agassi”?
Nein!

Ist es Steffi Grafs “rührendes Statement auf facebook, das verriet, wie sehr sie ihre Tochter Jaz Elle (10) und ihren Sohn Jaden Gil (12) vermisst”?
Nein!

Ist es noch viel dämlicher?
Oh ja!

Und nun droht ein neues Psycho-Drama: Steffis Zuhause wird von Terroristen bedroht! Die Organisation Islamischer Staat (IS) ruft momentan ihre Anhänger dazu auf, Bombenanschläge auf die USA zu verüben. Im Visier sind amerikanische Großstädte — darunter auch Steffis Wahlheimat Las Vegas!


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Ein Zwilling kommt selten allein
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Ein Zwilling kommt selten allein

Zufälle gibt’s! Wenn es nach der Regenbogenpresse geht, werden demnächst nämlich gleich vier europäische Monarchien auf einmal mit Zwillingen beglückt. Die Niederlande zum Beispiel:

Maxma & Willem-Alexander - Zwillinge! Das Familie-Glück ist perfekt

Die “Neue Welt” spricht von einer “Sensation in Schweden”:

Sensation in Schweden - Kronprinzessin Victoria - Zwillinge! Es werden zwei Jungs

Und bei der “Freizeit Revue” ist gar nicht erst Kates überraschende Zwillings-schwangerschaft die zentrale Neuigkeit, sondern die damit verbundenen Probleme:

Herzogin Kate - Angst um ihre Zwillinge - Eine Krankheit gefährdet die ungeborenen Babys

Alles Schlagzeilen aus der vergangenen Woche. Wohlgemerkt: Lediglich bei Kate ist eine Schwangerschaft (allerdings ohne Zwillingsnachricht) offiziell bestätigt.

Dazu kommt noch Charlène von Monaco, deren doppeltes Kinderglück für die Regenbogenblätter sowieso schon seit Wochen feststeht, nachdem sich ihr Vater bei einem alten Schulfreund verplappert haben soll.

Und auch bei den anderen drei Adelsdamen ist die Faktenlage eindeutig: Die “temperamentvolle Regentin” Máxima wirke momentan “noch glücklicher” als sonst, Victoria habe sich jüngst “mit einem auffällig volleren Gesicht und einigen süßen Kilos mehr” gezeigt und zu Kate “sickerte” nicht nur einiges “aus Palast-Kreisen durch”, sondern:

Auch in den britischen Wettbüros stiegen die Wettquoten auf Rekordhöhe.

Dass “Wettquoten auf Rekordhöhe” die Unwahrscheinlichkeit eines Ereignisses widerspiegeln, spielt für die Buchmacher der “Freizeit Revue” offenbar keine Rolle.

In spätestens neun Monaten sollen also aus jeglichen europäischen Thronfolgerinnen und -inhaberinnen Zwillinge purzeln. Die Häufigkeit von Zwillingsgeburten ist je nach Land sehr unterschiedlich, im weltweiten Durchschnitt soll aber etwa jede 40. Geburt eine Zwillingsgeburt sein.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Máxima, Victoria, Kate und Charlène je zwei Kinder auf einen Streich zur Welt bringen, liegt demnach bei 0,000039 Prozent. Zufälle gibt‘s!


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.

Jörg Thomann von der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” ist ebenfalls auf die Zwillings-Flut in den Regenbogenblättern gestoßen und hat in der aktuellen Folge der “Herzblattgeschichten” darüber geschrieben.


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Laufendes Unheil
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Laufendes Unheil

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um eine “Sensationelle Prognose” in der “Freizeitwoche”:

Fernheilung? Michael Schumacher - Sensationelle Prognose - Kann dieser Arzt ihn wirklich ganz gesund machen?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Moritz, heute hast Du nicht weniger als ein Wunder mitgebracht. Was ist da los?

Tatsächlich ein großes Wunder. Die “Freizeitwoche”, ein Heft, das jede Woche auf dem Regenbogenmarkt erscheint, hat eine Wunderheilung bei Michael Schumacher ausmachen können. Sie steht noch nicht ganz fest, aber die Chancen stehen nicht schlecht und, ja, es könnte bald soweit sein, dass er komplett geheilt ist.

Daran Anteil hatte vor allen Dingen eine interessante Person, möchte ich mal sagen.

Der Artikel hat eine ganz zentrale Person, nämlich Dr. Wolfgang Krüll. Das ist jemand, den man so erstmal nicht kennt, aber die “Freizeitwoche” stellt ihn uns gerne vor. Denn Dr. Krüll ist in gewisser Weise ein Wunderheiler, indem er jeden Tag im Schnitt bis zu 50 Kilometer läuft, also eine längere Strecke als einen Marathon jeden Tag.

Wer kann, der kann …

Genau, der sieht auch fit aus auf dem Foto, ein drahtiger Typ. Und das Ganze nennt er den “‘Healing-Run’”, übersetzt also in etwa “Genesungslauf”. Dr. Krüll sagt selber, er setzt beim Laufen so viel Energie frei, die kann er ohne Probleme Michael Schumacher schicken. Und das hilft dann richtig beim Genesungsprozess des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters.

Also die Energien werden dann rübergesendet, wenn er läuft.

Ob das nun permanent geschieht, also direkt parallel rübergesendet wird, oder ob er sie während des Laufens sammelt und dann als eine Ladung schickt — das weiß ich nicht. So sehr geht der Artikel auch nicht ins Detail. Aber eine wichtige Voraussetzung hat Dr. Krüll schon geschaffen: Er hat auch Michael Schumacher Bescheid gesagt, dass er ihm diese Energie schicken wird. Denn das, sagt Krüll, ist eine wichtige Voraussetzung, dass derjenige, der die Energie gesendet bekommen soll, auch weiß, dass da was kommt, und das dann auch annehmen kann.

Kennen sich die beiden denn gut, Schumi und der Zauber-Arzt?

Nun ja, das kann ich von meiner Position aus schwer einschätzen. Der Zauber-Arzt selber sagt “ja”. Er meint auch, schon seit einer ganzen Weile Michael Schumacher zu kennen, als er nämlich mal beim “Westdeutschen Rundfunk” war. Da hat er den Nürburgring besucht und dort Schumi getroffen. Und er sagt, daraus habe sich “‘eine Art Freundschaft entwickelt’”. Das ist vielleicht etwas fragwürdig, weil er direkt im Anschluss erzählt, dass er sich ins Klinikum in Grenoble in gewisser Weise als Arzt einschleichen musste, um Schumi vom “Healing-Run” zu erzählen. Ein richtiger Freund, denke ich, dürfte auch so ans Krankenbett kommen. Aber Herr Krüll musste sich dort einschleichen. Also so ganz geheuer ist mir das nicht.

Gibt es denn irgendwelche Belege für diese innige und enge Freundschaft — ein Foto der beiden gemeinsam, ein Zitat von Schumi, irgendwas?

Weder noch. Also wenn es so etwas gibt, dann hat die “Freizeitwoche” es nicht dokumentiert. Nein, vermutlich gibt’s das nicht. Im Gegenteil: Auf mich wirkt die Beziehung sehr einseitig. Auch wenn man sich den Twitter-Account dieses Arztes mal anguckt. Da dokumentiert er nämlich den “Healing-Run” jeden Tag. Und das wirkt ansatzweise etwas fanatisch. Er malt auch Bilder für Michael und Corinna Schumacher, schreibt dann “ewige Liebe” und “Leidenschaft” drauf. Er scheint Michael Schumacher sehr zu verehren und freut sich dann wohl, mit seinem “Genesungslauf” einiges beitragen zu können, dass es Schumi bald besser geht.

Normalerweise besprechen wir hier oft Fälle, in denen unmittelbar jemandem geschadet wird, Lügen, Intrigen verbreitet, Gerüchte oder auch Sachen aus der Privatsphäre. Der Artikel ist schon besonders interessant, weil das hier nun alles nicht der Fall ist. Ist es deswegen vielleicht besonders perfide?

Wir finden immer, dass diese Lügengebilde der Regenbogenpresse direkt erstmal den Prominenten schaden, um die es da geht und über die falsche Sachen behauptet werden. In diesem Fall ist es jetzt nichts Rufschädigendes über Michael Schumacher. Man darf aber auch nicht vergessen, dass ein permanenter Betrug am Leser stattfindet, dass der Leser und die Leserin übers Ohr gehauen werden. Bei diesem Artikel muss man bedenken, dass die “Freizeitwoche” die Geschichte zur großen Titelgeschichte macht, “Sensationelle Prognose” rüberschreibt und der geneigten Leserin vermittelt: Hier, wir haben eine tolle Geschichte über Michael Schumacher, greif mal zu, kauf mal — und wieder ein bisschen was von der Rente weg. Das ist unserer Meinung nach wieder ein typischer Fall vom Betrug am Leser, den wir gern dokumentieren wollen.

Jetzt geht es Michael Schumacher zwar besser, aber noch lange nicht gut. Vor seinem Unfall, wie ist der denn so mit der Boulevardpresse umgegangen? War er eher ein schwieriger oder ein dankbarer Promi?

Ich vermute mal, aus Sicht der Boulevardpresse und der Regenbogenblätter: eher schwierig, weil sie früher nichts über ihn gebracht haben. Das ist ein Prominenter, der etwas zurückgezogener in der Schweiz lebt und da keine großen Skandale hat. Dementsprechend taugt er nicht für die großen Schlagzeilen. Wir haben in der Zeit, in der wir die Regenbogenpresse beobachtet haben, vor dem Ski-Unfall von Michael Schumacher ihn nie so richtig wahrgenommen. Er ist eigentlich erst mit seinem Unfall Ende Dezember in der Regenbogenpresse aufgetaucht.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s am Montag immer hier bei uns im Blog zum Nachhören.

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