Schlagzeilenbasteln (54)

Schlagzeilenbasteln (54)

Welche Nachricht könnte sich hinter dieser Schlagzeile verbergen?

Prinzessin Victoria - Furchtbare Erb-Krankheit? Sie hat Angst um Estelle

Vor knapp elfeinhalb Jahren erzählte Victoria bei einem Vortrag, dass sie, wie ihr Vater, eine Lese- und Rechtschreibschwäche habe. Außerdem kann sie sich nur schwer Gesichter merken und den richtigen Namen zuordnen. Die “Neue Freizeit” orakelt nun, Victoria müsse “befürchten, dass ihr Töchterchen unter der schlimmen Erbkrankheit leidet, wie sie selbst.”


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Wer zuletzt lacht

Wer zuletzt lacht

Wenn Sie ganz, ganz leise sind und mal genau hinhören, dann dürften Sie die Steine hören, die den Mitarbeitern der “Frau aktuell” vom Herzen fallen. Mit Inbrunst verbreiten sie auf ihrer Titelseite die frohe Kunde:

Klarstellung - Helene Fischer - Sie lacht!

Nanu? Das gleiche Foto hatte fünf Ausgaben früher doch noch eine ganz andere Titelzeile verpasst bekommen …

Helene Fischer - Bittere Tränen um ihre große Liebe - Wie soll es jetzt nur weitergehen?

Und schon damals hatten wir geschrieben, dass das Foto Helene Fischer nicht beim Weinen, sondern beim Lachen zeigt.

Das haben dann wohl auch die Rechercheure der “Frau aktuell” rausgefunden:

Auf dem frau aktuell-Titel Nummer 12 meinten wir, Helene Fischer (29) würde weinen und schrieben “Bittere Tränen um ihre große Liebe”. Dabei hatte es ihr Freund Florian Silbereisen (32) mal wieder geschafft, seine Liebste so zum Lachen zu bringen.

Hach ja, da kann man doch das pure Autoren-Glück zwischen den Zeilen lesen.


Die “Herzblatt-Geschichten” der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”, in denen Jörg Thomann jede Woche wunderbar über “das Witzigste, Wichtigste und Heftigste aus den deutschen Klatschblättern” schreibt, haben sich dieser Klarstellung ebenfalls gewidmet.


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Schlagzeilenbasteln (53)

Schlagzeilenbasteln (53)

Und weiter geht’s mit dem Regenbogen-Trainingslager!

Welche Schlagzeile könnte man aus folgender Nachricht basteln?

Prinzessin Diana hatte 17 Patenkinder. Eines davon ist Domenica, die Tochter einer guten Freundin von Diana. Domenica hat das Down-Syndrom, ist heute 18 Jahre alt, lebt bei ihren Eltern und bekommt hin und wieder Besuch von Prinz Harry.

Domenicas Mutter setzt sich öffentlich mit der Situation ihrer Tochter auseinander. Sie hat mal geschrieben: “Ich frage mich, was aus meiner Tochter wird, wenn ich irgendwann nicht mehr für sie da sein kann.”

Prinz Harry - Letzte Hoffnung! - Down-Syndrom: Ihr Leben liegt in seinen Händen

(“Freizeit Vergnügen”)


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Michael Schumacher
in der Regenbogenpresse

Michael Schumacher
in der Regenbogenpresse

Sie schauen gerade “Günther Jauch”? Das trifft sich gut.

Wir haben nämlich mal ein paar Links zum Thema Michael Schumacher zusammengestellt.

Hier können Sie nachlesen, wie die Regenbogenpresse kurz nach dem Unfall reagiert hat:

Hier geht es zu den Fortsetzungen:

Und hier haben wir neulich mal alle Schumi-Schlagzeilen, die wir bisher gefunden haben, dokumentiert:

Und wenn Sie sich fragen, was dieser Prinz Friso eigentlich mit der ganzen Sache zu tun hat:

Seit unserem letzten Schumi-Eintrag sind ein paar Tage vergangen. Die Regenbogenpresse hat derweil munter weitergeschossen. Das sind die Schlagzeilen, die wir allein in dieser Woche entdeckt haben:Michael Schumacher in der Regenbogenpresse

“Herzlos”. Das trifft es ganz gut.

PS: Nebenan im BILDblog können Sie nachlesen, wie die “Bild”-Zeitung über Michael Schumacher berichtet.


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Ruhe im Regenbogen:
Ein bescheidener Vorschlag

Ruhe im Regenbogen:
Ein bescheidener Vorschlag

Von Torsten Dewi

Der Konflikt zwischen der Regenbogenpresse und den Medien, die kritisch über sie berichten, ist meist ein Konflikt der Wahrnehmung.

Brot und Butter der Klatschblätter ist die Unterstellung, die Irreführung. Die Chefredakteure, so sie sich denn äußern, widersprechen dem nicht einmal, sie verwenden nur andere Begriffe: Andeutung, Ausschmückung. Der Leser wird mit dem Versprechen auf die spektakuläre Geschichte A ins Heft gelockt, wo ihn dann die banale Geschichte B erwartet — der Irrtum ist gewollt und die Enttäuschung eingepreist.

Ein beliebtes Argument im Stil von “Das machen Blätter wie die BILD doch auch nicht anders!” verkennt die Mechanismen der Klatschpresse. Die BILD käme mitnichten damit durch, auf Seite 1 zu titeln “Bohlen schmeißt bei Supertalent hin!”, nur um dann auf Seite 3 zu enthüllen: “In der Generalprobe zur neuen Sendung wurde der Juror so wütend, dass er sogar seine Wasserflasche zu Boden warf”. Diese Form der hysterischen Dramatisierung ist die Domäne der Regenbogenpresse, die bevorzugt Begriffe wie “Frau”, “Gold”, “Freizeit” und “Aktuell” im Titel trägt.

Die Tatsache, dass sich die Leser auch nach 50 Jahren immer wieder davon locken lassen, zeigt laut Kritikern die Unbelehrbarkeit der Zielgruppe. Die Verteidiger der Yellowpress sehen darin lieber einen Beweis für das ungeschriebene Einverständnis von Produzent und Konsument: Wir liefern dir die Aufreger, solange du nicht zu genau hinschaust, ob sie wahr sind.

Damit lässt sich der Großteil der Klatschgeschichten als fragwürdig und oft albern abhaken. Wer’s nicht lesen will, muss es nicht kaufen. Wer’s lesen will, muss sich seine Lektüre nicht madig machen lassen.

Aber es ist unbestreitbar und auf dieser Webseite beeindruckend dokumentiert, dass die Regenbogenpresse regelmäßig die Grenze von der Irreführung zur glatten Lüge überschreitet, dass sie Persönlichkeitsrechte missachtet, Menschen verleumdet und öffentliche Pranger baut. Sie kam damit lange Zeit durch, weil sich die Macher und die Wächter in ihrer Einschätzung zu lange einig waren: Journalismus ist das nicht. Den Klatschgeschichten wurde die Wertigkeit und damit die Verantwortlichkeit von Kindergartenanekdoten überreizter Vierjähriger zugesprochen.

Das Caroline-Urteil war 1995 ein erster Schuss vor den Bug einer Branche, die bis dahin so ziemlich alles zusammen fabulieren durfte, was ihr gerade so einfiel. Immer mehr Stars verweigern sich mittlerweile der willkürlichen Märchenstunde in den bunten Blättern — Stefan Raab, Günther Jauch, Harald Schmidt, immer wieder auch Helene Fischer und Florian Silbereisen. Prominent sein bedeutet eben nicht ausgeliefert sein.

Die Regenbogenblätter wehren sich, so gut es geht — mit immer neuen Varianten von “der soll sich mal nicht so haben” und “unsere Leser wollen halt an seinem/ihrem Leben teilhaben, das ist doch nur menschlich”. Sie verteidigen, was nicht zu verteidigen ist, bis ihnen am Ende nur die Rechtfertigung bleibt “immerhin haben wir nicht gelogen — also nicht wirklich”.

Es ist dieses “immerhin haben wir nicht gelogen”, das in der Welt der Klatschpresse anscheinend jede Geschmacklosigkeit und Gehässigkeit neutralisiert. Und die Fälle, in denen die Lüge offensichtlich ist, in der Gerichte Strafen verhängen und fette Gegendarstellungen die Titelseiten verschandeln? Die werden von den Klatschblättern selber gerne als unglückliche Einzelfälle und journalistische Fehlschüsse in den Bereich der Kollateralschäden geschoben.

Ausnahmen, keine Methode.
Ausnahmen, keine Methode?

Dann sollte es auch kein Problem sein, diese bedauerlichen Ausnahmen einzudämmen, wenn nicht gar abzuschaffen.

Ich fordere einen verpflichtenden Kodex für die Klatschpresse. Einen, der die Privatsphäre Prominenter schützt, verbindliche Regeln setzt und trotzdem genug Freiraum lässt für den saftigen Tratsch, der die willigen Leser zieht. Denn eins ist klar: Ein Kodex kann nur funktionieren, wenn er so gestaltet ist, dass beide Seiten mit ihm leben können. Einem Medium, das seine Existenz der manchmal geradezu parodistisch überzogenen Übertreibungen verdankt, kann man schlecht die überzogenen Übertreibungen verbieten. Zumal, auch wenn das nicht gerne offen ausgesprochen wird, das Gros der Stars und Sternchen die Berichterstattung in der Klatschpresse immer noch mit der Einstellung “only no news is bad news” willig füttert.

Diese Eckpunkte halte ich dabei für ziemlich offensichtlich.

1) Keine primären, sekundären oder tertiären Geschlechtsmerkmale mehr. Der Leser hat kein Anrecht auf Busenblitzer und “vergessene” Schlüpfer, ihr Informationswert ist null. Sie sind kein Grund, die Kamera zu zücken — sie sind ein Grund, die Kamera abzuschalten. Intimbereich und Busen sind automatisch Privatsphäre. Ausnahme: Nacktfotos, die Stars aus Gründen der Selbstvermarktung haben anfertigen lassen (Playboy, Werbung, etc.).

2) Keine Übernahmen von “Skandalfotos” als Ausriss. Es ist eine beliebte Methode, nackte oder schockierende Tatsachen abzubilden, indem man einfach die Titelseite der Konkurrenz abbildet und sich angesichts dieser “Enthüllung” empört zeigt. Künftig darf über solche Fotos nur noch in Textform berichtet werden.

3) Die Kinder Prominenter sind tabu. Bis 14 absolut, von 14 bis 18 darf nur im nicht privaten Kontext der Eltern (Roter Teppich, Dreharbeiten, Preisverleihungen) berichtet werden. Ausnahme: ausdrücklich von den Eltern gewollte Präsentation der Kinder (Homestory, Werbung, Schauspielerei).

4) Erweiterung des Begriffes “Privatsphäre”. Prominente sind weder bei Besuchen auf Privatgrundstücken zu fotografieren, auch nicht von der Straße aus, noch in Gebäuden hinter Glas (im Fitnessstudio, Restaurant, Gefängnis). Der Begriff Privatgrundstück umfasst dabei auch private Strände, Boote, etc.

5) Besonderer Schutz im Krankheits- und Todesfall. Spekulationen über verletzte, sieche oder greise Prominente sind zu unterlassen, den Bitten der Familien nach Privatsphäre ist Folge zu leisten. Insbesondere sind Begriffe wie “Wunder” und “Das Ende” zu vermeiden, die unabsehbare Auswirkungen auf Familie und Freunde haben können.

6) Fotomontagen auf dem Cover sind deutlich zu kennzeichnen. Nicht winzig am Heftrand, sondern durch klar lesbare Beschriftung. Während es in Ordnung ist, zwei Personen durch gekennzeichnete Fotomontage in einen durch den Artikel gedeckten Kontext zu setzen (“Drehen Helene Fischer und Otto Waalkes bald zusammen einen Film?”), ist die visuelle Behauptung zum Beispiel einer Geburt (Baby im Arm) unzulässig.

6.1.) Bilder müssen kontextualisiert werden. Wenn zum Beispiel eine Prominente weinend gezeigt wird und der Text einen Zusammenhang mit einer Familientragödie herstellt, dann muss die Bildunterschrift klar kennzeichnen, von wann und aus welchem Umfeld das Bild stammt. Dadurch wird verhindert, dass alte Bilder zur Authentifizierung eines aktuellen Dramas missbraucht werden.

7) Fremdproduzierte Texte müssen klar gekennzeichnet werden. Von Werbepartnern erstellte oder mit deren Hilfe verfasste “redaktionelle” Texte/Advertorials müssen in der Einleitung bereits als solche erkennbar sein. Ein winziger “Anzeige”-Stempel oder eine Zeile am Bildrand reichen nicht aus.

8) Einführung einer Korrekturspalte. Illustrierte verpflichten sich, eine auffällig platzierte Korrekturspalte abzudrucken, die von Prominenten ohne die Hürden der Gegendarstellung in Anspruch genommen werden kann. Maßstab ist ein einfaches Votum der Schiedsstelle – siehe unten.

Zur Wahrung des journalistischen Anspruchs schlage ich außerdem die Bildung einer unabhängigen Schiedsstelle für das deutsche Pressewesen vor. Diese hat primär drei Aufgaben:

1) Die Schiedsstelle entscheidet mit einfacher Mehrheit, ob eine Klatschzeitschrift dem Ersuchen eines Prominenten nach Richtigstellung in der Korrekturspalte nachkommen muss. Ziel ist dabei weniger die Bloßstellung des Mediums als die Erziehung zur korrekten Berichterstattung. Die Menge der veröffentlichten Korrekturen wird dabei ein einfacher Maßstab für den kritischen Leser.

2) Die Schiedsstelle kuratiert eine Blacklist, in der sich Prominente eintragen lassen können, die gar keine persönliche Foto-Berichterstattung über ihre berufliche Präsenz hinaus wünschen. Die Presse hat sich der Blacklist zu beugen, ist aber berechtigt, diese anzufechten, wenn ein Prominenter sie selbst durch selektive Privatpräsenz in der Presse unterläuft.

2.1.) No Cover-Klausel. Prominente haben das Recht, unabhängig von der Blacklist die Verwendung ihrer Fotos auf den Titelseiten der Illustrierten zum Zwecke der Leserköderung abzulehnen.

3) Quelleneinsicht. Die Schiedsstelle erkennt den Quellenschutz als notwendige Grundlage journalistischer Arbeit an. Da sich Klatschzeitschriften allerdings notorisch auf offensichtlich erfundene “Freunde” und “Kenner” berufen, werden sie verpflichtet, im Konfliktfall ihre Quellen auf Nachfrage der Schiedsstelle zu melden, die dann entscheidet, ob eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vorliegt. Sollte das der Fall sein, kommt es zu einem personenunabhängigen Vermerk in der Korrekturspalte des entsprechenden Blattes. Die Schiedsstelle ist weder verpflichtet noch berechtigt, etwaige Quellen nach außen zu geben.

Noch mal: Alle diese Vorschläge beschneiden nicht das, was die Regenbogenpresse als ihr “Fleisch” betrachtet. Sie darf weiter tratschen, insinuieren, andeuten, unterstellen, fabulieren. Sie darf nur nicht mehr tun, was sie nach eigener Aussage sowieso nicht absichtlich tut: Lügen erfinden, Menschen in ihrer Privatsphäre belästigen, Leser hinters Licht führen.

Trotzdem ahne ich, dass kaum ein Chefredakteur diesen Kodex als Selbstverpflichtung unterschreiben oder gar umsetzen wird. Weil die Wahrheit und der Respekt bei diesen Blättern nicht nur hinderlich sind, sondern dem Geschäftsmodell zuwider laufen.


Torsten Dewi ist Drehbuchautor, Schriftsteller, Journalist und Blogger aus Leidenschaft. Er hat für Hyperland geschrieben und SPIEGEL online, für DWDL und den “Elektrischen Reporter”. Besondere Aufmerksamkeit erregte vor einigen Jahren sein Text zur Yellowpress “Klatsch me if you can”. Die Zeitschriftenbranche kennt er auf breiter Front von innen: Er hat jahrelang für den GONG-Verlag gearbeitet und steht derzeit in Speyer bei Klambt unter Vertrag.


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Ein Geschenk von Flori

Ein Geschenk von Flori

Auch Florian Silbereisen hat uns zum Geburtstag eine Freude gemacht!

Vermutlich weiß er gar nichts davon. Egal. Wir freuen uns trotzdem. Hierüber:Gegendarstellung - Sie schreiben in der "FREIZEIT erleben!" Nr. 2 | Februar 2014 unter der Überschrift "Eifert sie jetzt Ute Lemper nach?" in Bezug auf angebliche berufliche Pläne meiner Lebensgefährtin: "Eer stellte sie angeblich vor die Wahl und sagte: "Wenn Du an einer US-Karriere bastelst, dann haben wir definitiv keine gemeinsame Zukunft." Hierzu stelle ich fest: Diese Äußerung habe ich nicht getätigt. München, den 21. Februar 2014 Florian Silbereisen - Anmerkung der Redaktion: Florian Silbereisen hat recht.

Die “Freizeit erleben!” (SCG-Verlag) war vermutlich weniger erfreut über Floris Geschenk. Und so hat sie dieselbe Ausgabe gleich mal für eine ordentliche Retourkutsche genutzt:[Titelseite] Florian Silbereisen - Ist er noch er selbst? - Vom Milch-Bubi zum Macho: Was der radikale Imagewandel über seine Psyche verrät

In Kombination ein wunderbares Sinnbild für die Hemmungs- und Besinnungslosigkeit der Regenbogenpresse:Florian Silbereisen - Ist er noch er selbst [Die Gegendarstellung ist in den Artikel eingebettet.]


Vielen Dank an Petra S. für den Hinweis!


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Als die Regenbogenwelt
noch in Ordnung war

Als die Regenbogenwelt
noch in Ordnung war

Ein nicht ganz erst gemeinter Nachruf von Karla Kolumna*, einer erfolgreichen Regenbogenautorin

Es gab einmal eine Zeit. Eine Zeit, die hartgesottene Yellow-Journalisten noch heute wehmütig als die “goldene Zeit” bezeichnen. Eine Zeit, die noch gar nicht so lange her ist, gefühlt aber Lichtjahre zurückliegt. Eine Zeit, die Promis und Königs noch heute mit Schaudern erinnern und die dem einen oder anderen auch jetzt noch, Jahre später, das Blut in den Adern schockgefrieren lässt.

Es war die Zeit VOR Caroline. Ja, die Caroline. Die Prinzessin aus Monaco. Die, über die die Yellows damals so gerne berichteten und es bis heute eigentlich liebend gerne tun. Die monegassische Adelsprinzessin mit dem SEHR speziellen Männergeschmack. Besagte Caroline hatte irgendwann keine Lust mehr, ausgedachte Geschichten über sich zu lesen (und dieses Ungemach soll sich bei der Dame unerklärlicherweise schon Ende der Neunziger eingestellt haben …) und begann, mit einem Anwalt gegen diese Unwahrheiten gerichtlich vorzugehen. Diese Prozesse erstreckten sich über viele Monate, ach was: Jahre, und irgendwann gab es Urteile, die der “bösen” Yellow-Press ordentlich auf die Finger hauten. Sie verboten den “Kreativen Schreibern” das wahllose Ausdenken von Geschichten. 1995 fiel das erste entscheidende Urteil. Und dazu wollen wir kurz Wikipedia bemühen (Ja, sorry! WAS denn? Der moderne Journalist hat heute keine Zeit mehr für richtige Recherche. Da muss Wiki schon reichen …):

1. Das Recht auf Achtung der Privatsphäre zu dem auch das Recht, für sich allein zu sein, gehört, kann auch eine Person der Zeitgeschichte für sich in Anspruch nehmen.

2. Der Schutz der Privatsphäre, der sich auch auf die Veröffentlichung von Bildaufnahmen erstreckt, ist nicht auf den eigenen häuslichen Bereich beschränkt.

3. Außerhalb des eigenen Hauses kann eine schützenswerte Privatsphäre gegeben sein, wenn sich jemand in eine örtliche Abgeschiedenheit zurückgezogen hat, in der er objektiv erkennbar für sich allein sein will und in der er sich in der konkreten Situation im Vertrauen auf die Abgeschiedenheit so verhält, wie er es in der breiten Öffentlichkeit nicht tun würde.

In diesen Schutzbereich greift in unzulässiger Weise ein, wer Bilder veröffentlicht, die von dem Betroffenen in dieser Situation heimlich oder unter Ausnutzung einer Überrumpelung aufgenommen worden sind.

4. Im übrigen müssen absolute Personen der Zeitgeschichte die Veröffentlichung von Bildaufnahmen von sich hinnehmen, auch wenn diese sie nicht bei der Wahrnehmung einer öffentlichen Funktion zeigen, sondern ihr Privatleben im weiteren Sinne betreffen.

Die Yellow-Press ging natürlich dagegen vor, es wurde wieder geklagt, in Berufung gegangen, wieder in Berufung gegangen — egal. Das wirklich Entscheidende: Caroline hat die Yellow-Landschaft dann doch nachhaltig verändert.

Und obwohl es gar nicht das eine Caroline-Urteil gab und gibt, sondern einige mit diversen Spezifikationen, so spricht doch jeder der Beteiligten von “DEM” Urteil, nach “DEM” alles anders war.

Einfach heruntergebrochen hieß das: Promis mussten keine Angst mehr vor Abschüssen auf privatem Gelände haben (also Paparazzi durch die Hecke in den Privatgarten knipsen lassen, war nicht mehr …), Adlige und Königs mussten sich nicht mehr willkürlich Schwangerschaften und Trennungen andichten lassen und die Verlage — ja, die mussten schwer umdenken.

Das Urteil zieht übrigens bis heute seine Fäden. Nicht ohne Grund streiten Yellows und auch “seriösere” People-Magazine wie “Bunte” bis heute erbittert vor Gericht, OB denn dieser Strand nun “privat” oder “öffentlich” war, oder ob der Promi seine neue Liebe wirklich “auf offener Straße” präsentiert hat, oder ob die Turteltäubchen doch heimlich mit der langen Linse im Hinterhof abgeschossen wurden. Achten Sie mal darauf: Zur rechtlichen Absicherung schreiben die Magazine dann schon gleich bei Veröffentlichung “Der Fotograf erwischte sie in der belebten Berliner Innenstadt” oder “am vollen Strand von Ibiza”. Stets folgend nur dem einen Ziel: IMMER schön den Eindruck erwecken, ALLES sei GANZ legal. ;-)

Und die Yellows? Die tun sich seitdem sehr schwer, wöchentlich ihre Seiten zu füllen. Weil: SO VIEL Neues gibt es über Royals & Co. ja nicht wirklich zu berichten. Und so kommt es immer wieder zu den herrlichen “Text-Wirklichkeits-Blüten”, die uns topfvollgold jede Woche so süffisant präsentiert.

Als die netten Jungs von topfvollgold mich, eine betagte Dame des Yellow-Journalismus, einmal am Telefon fragten, wie das denn früher so war mit den Yellows, begann ich zu erzählen. Ja, ich schwärmte förmlich von den “alten Zeiten”. Und erzählte ihnen eine lustige Geschichte, die irgendwie maßgeblich für diese Zeit war, und die man sich bis heute noch gerne in unseren Kreisen erzählt:

Ich arbeitete damals bei einem Verlag, der bis heute sehr stark in Yellows macht und schon damals ein ganz großer “Player” in dem Sektor war, wie man heute wohl sagen würde.

Auch Anne (Name geändert), die Tochter eines hohen Verlagsmitarbeiters, machte ihre Ausbildung damals bei uns im Hause. Heute arbeitet sie in einer Führungsposition in den Medien – damals war sie noch “kleine” Volontärin. Ja. Bei uns im Schmuddel. Und hatte, genau wie wir, irre viel Spaß am Erfinden von Geschichten. (Ja, Sie merken es, das war die Zeit VOR Caroline.)

Wir arbeiteten damals an einer Zeitschrift namens XYZ. Gibt es die eigentlich noch? Ich muss gleich mal googeln. Egal. Damals saßen wir also wieder in irgendeiner Konferenz zusammen und versuchten, das royale Sommerloch irgendwie zu überstehen. Die Deadline nahte, nein, sie stand eigentlich am gleichen Tag bevor, und wir hatten wieder einmal absolut keine zündende Idee für eine verkaufsträchtige Titelgeschichte.

“Irgendwas mit dem schwedischen König wäre toll”, meinte eine Kollegin. “Ja, der olle Schwerenöter v… bestimmt schon wieder fremd”, ergänzte eine andere. Sie merken: Die außerehelichen Eskapaden des Schwedenkönigs waren für uns schon damals ein SEHR beliebtes Thema. Doch das Durchschauen der aktuellen Abschüsse (König mit Familie im Südschweden-Urlaub — gähn!) brachte keine neue Erkenntnis.

Und dann, ja DANN hatte ein Kollege (oder war es unser damaliger Chefredakteur? Mir ist so …) die zündende Idee: “Schwedenkönig mit heimlicher Geliebter im Wald von Småland entdeckt!” – so oder so ähnlich sollte die Geschichte heißen. Und die Bilder dazu? Wurden einfach von uns selbst produziert. Hä? Ja!

Aus einem idyllischen deutschen Wald wurde kurzerhand der Schweden-Wald, aus einem Grafiker mit dunklem Haar König Carl Gustaf, ja, und Sie erraten es wahrscheinlich: aus unserer blonden Anne die heimliche Geliebte. Sie zögerte damals noch ein wenig vor Skrupel, aber die aufmunternden Worte unseres Chefredakteurs (“Anne! Jetzt hab’ dich nicht so! Das wird den Papa freuen, wenn er dich so sieht!”) taten das Nötige, und keine 15 Minuten später war das Team nebst Fotograf im Wald unterwegs. Anne und der Grafiker hielten Händchen, shakerten und simulierten Kuss und Umarmung, der Fotograf hielt mit unscharfer Blende und verschmierter Linse (sollte ja ein Abschuss sein!) von hinten drauf.

Die Story erschien — und war eine der bestverkauften Ausgaben ever. Ever, ever, würde die Sonja aus dem “RTL-Dschungel” wohl heute sagen. Ja, die Zeiten haben sich geändert. Gott sei Dank. Oder leider? Manchmal kann ich es gar nicht so genau sagen. Nur eines ist sicher: DAMALS war es insgesamt und irgendwie lustiger …


*Karla Kolumna (Name geändert) arbeitet seit vielen Jahren im Yellowbereich und ist heute Chefredakteurin eines erfolgreichen Titels in diesem Segment. Sie können sich also denken, dass wir ihre Ansichten nicht unbedingt teilen. Frau Kolumna bittet außerdem um den Hinweis, dass es sein kann, dass diese Geschichte (“die ja schon ein paar Jährchen her ist”) vielleicht doch in Nuancen anders war und das ein oder andere Detail nicht so ganz stimmt. Aber sie besteht darauf, dass sie sich so oder so ähnlich zugetragen hat, und wenn etwas nicht stimmt – “ja dann ist das eben so”. Das würde die Yellows ja sonst auch nicht stören.


PS: Da wir hier ja nicht mit Regenbogen-Methoden arbeiten wollen, haben wir den betreffenden Verlag gebeten, uns seine Version der Geschichte zu schildern. Und die geht so: Ein solches Foto sei “nicht existent”, außerdem habe die Tochter des Verlagsmitarbeiters “an keinerlei Fotoaufnahmen dieser oder ähnlicher Art jemals teilgenommen”.


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Prinz Charles und die tote Frau

Prinz Charles und die tote Frau

Wenn man lange genug sucht, findet man in jedem Keller eine Leiche. Zur Not muss man “Leiche” nur etwas großzügiger definieren. Oder “Keller”. Oder beides.

Die Leute von der Regenbogenpresse sind verdammt gut darin, Leichen, die keine sind, in Kellern zu finden, die ebenfalls keine sind. Die “Freizeitwoche” schreibt in ihrer aktuellen Ausgabe aber tatsächlich mal über eine echte Tote. Gefunden wurde die junge Frau in England. Und sie ist der “Freizeitwoche” deshalb eine große Geschichte wert, weil sie nicht irgendwo gefunden wurde, sondern auf dem Grundstück von — aufgepasst! — Prinz Charles.

“Mysteriös: Auf dem Grundstück von Prinz Charles (65) wurde ein verbrannter Leichnam entdeckt”, verkündet das Blatt und rätselt: “Wer ist die mysteriöse Tote auf seinem Anwesen?”

Nun muss man wissen, dass das “Grundstück” von Prinz Charles etwas größer ist als das eines durchschnittlich adeligen Briten. Als Sohn der Chefin kommt da gut was zusammen. Und so wurde die Tote auch nicht zwischen Charles’ Rasensprengern hinterm Buckingham Palace gefunden, sondern in einer Hügellandschaft in der englischen Grafschaft Devon.

Aber immerhin: Die Leiche ist echt. Jemand hatte die verbrannten Knochen der Frau zusammen mit Schmuck in ein Fell eingewickelt, war auf einen der höchsten Hügel gestiegen und hatte dort alles in einer kleinen Steinkiste vergraben. Das muss jetzt so ungefähr 4000 Jahre her sein. Wir befinden uns in der frühen Bronzezeit.

Eine recht betagte Tote also. Exhumiert wurden ihre Überreste erst vor ein paar Jahren von Archäologen. Das verrät die “Freizeitwoche” auch alles im Text. Auf dem Cover hat sich die Redaktion aber für eine Kurzversion ohne den ganzen Klimbim entschieden:

Prinz Charles - Schock-Fund - Mysteriöse Tote auf seinem Anwesen

Verkauft sich sicher auch besser als ein Museumsstück.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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