Alles Gute im Internet
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Alles Gute im Internet

Die Regenbogenpresse und das Internet pflegen nicht gerade eine innige Beziehung. Zwar durchforsten die Mitarbeiter der Hefte permanent die sozialen Medien auf ihrer Suche nach Aussagen von Prominenten, die sie aus dem Zusammenhang reißen, aufblasen und als Skandaldramaexklusivitäten verkaufen können. Aber nur wenige Blätter haben zum Beispiel eine eigene Facebook-Seite. Und die Webseiten der Verlage und Redaktionen sehen in der Regel so aus, als würde die Internet-AG des jeweils ortsansässigen Gymnasiums sie pflegen.

Auch der Alles Gute Verlag hat eine Homepage. Und die ist wie ein digitaler Mittelfinger, den das Wolfsburger Unternehmen all seinen Kritikern — also auch uns — entgegenstreckt: Redet doch, was ihr wollt, wir machen unser Ding und zeigen es stolz.

Screenshot der Homepage des Alles Gute Verlags

(Draufklicken für eine größere Version)

Kein Verlag, der auch nur ansatzweise das Ziel verfolgt, von der Welt da draußen etwas ernst genommen zu werden, würde so freimütig diese Collage von aktuellen Heften präsentieren.

Da gibt es zum Beispiel die Kombination der “Freizeit heute” und der “Freizeit Blitz”:

Screenshot der Titelseiten von "Freizeit heute" und "Freizeit Blitz"

Beide Blätter werben mit sehr ähnlichen Aufmacherfotos für sehr verschiedene Geschichten. Die Körper der Protagonsiten sind gleich, nur die Köpfe sind andere. Über diese, ähm, Bildkompositionen, die im Alles Gute Verlag fröhlich rumgereicht werden, haben wir vor einem Monat schon einmal geschrieben.

Ein Vergleich von “Freizeit Monat” und “Prima Woche” zeigt, dass beide Redaktionen die gleiche Titelstory bringen und sich nicht einmal die Mühe machen, ihre Copy-Paste-Arbeit unterschiedlich wirken zu lassen:

Screenshot der Titelseiten von "Freizeit Monat" und "Prima Woche"

Und dann sind da noch die “Freizeit Vergnügen”, “Meine Freizeit”, “Freizeit heute” und “Prima Woche”:

Männer, Party, Alkohol - Fürstin Charlène - Ihr heimliches Leben ohne Albert - Fürstin Charlène - Adoptions-Drama! Muss sie Alberts uneheliche Tochter zu sich nehmen? - Charlène von Monaco - Ehe-Drama - Schwere Vorwürfe von Alberts Ex-Geliebter - Charlène - Ehe-Drama - Fürst Albert macht ihr das Leben zur Hölle!

Die vier Hefte schreiben über Charlènes Leben ohne Albert sowie über Adoptions-und Ehe-Dramen der beiden, obwohl die Fürstin Monacos und ihr Ehemann bereits vor elf Tagen bekannt gegeben haben, dass sie ein Kind erwarten.

Aber so schrecklich schnelllebig wie im Internet geht es im Alles Gute Verlag eben nicht zu.


Nachtrag, 12. Juni 2014, 20:12 Uhr: Seit unserem Blogpost gestern ist ein bisschen was passiert auf der Homepage des Alles Gute Verlags. Zwei Titelseiten haben sich leicht verändert:

Screenshot der Titelseiten von "Freizeit Monat" und "Prima Woche" mit geschwärzten Titelschlagzeilen

Die zwei neu hochgeladenen Dateien haben von den IT-Spezis die schönen Namen “pw_2014-06_black.png” (“Prima Woche”) und “fm_2014-07_black.png” (“Freizeit Monat”) bekommen.

Die Schwärzungen haben allerdings nichts mit unserem Blogeintrag zu tun. Und der Alles Gute Verlag dürfte es auch nicht auf einmal peinlich finden, in zwei Heften die gleiche Geschichte zu bringen. Viel eher musste der Verlag die schwarzen Flächen auf den beiden Titelseiten anbringen. Es ist davon auszugehen, dass Helene Fischer und/oder Florian Silbereisen rechtlich gegen die Titelgeschichten vorgegangen sind.

Wir werten das mal als Zeichen, dass das Paar nicht heimlich längst verheiratet ist.


Vielen Dank an die Hinweisgeber!


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Kommentare:

  1. Abgesehen vom Inhalt ist auch das Layout immer komplett gleich, oder? Komposition, Farben – das spart sicherlich Arbeitskräfte aber wie schafft der Kunde es da, Zeitschriften auseinanderzuhalten? Naja, wenn der versehentlich das gleiche Heft mehrfach kauft kann es dem Verlag nur Recht sein.

  2. Aufschlussreich auch das Impressum: “Alles Gute Verlag Ltd.”
    Da war wohl nicht genug Geld für das Stammkapital einer deutschen GmbH da.

  3. Erstmal wurde zwischenzeitlich, also zwischen Eurem Screenshot und heute, das Cover der PrimaWoche und der FreizeitMonat “geschwärzt”, beide mit Fischer/Silbereisen-Cover…..;)

    Auch beachtlich ist, dass nicht nur die grafische Arbeit immer gleich aussieht, sondern die Logos der Zeitschriften, Goldene Blatt, Frau aktuell, Heim und Welt offenbar seit Jahrzehnten nicht verändet wurden, daher sehen diese Blätter auch immer so “altbacken” aus…

  4. @MisterJ – Danke für den Hinweis. Wir sind gerade dabei herauszufinden, was es mit den Schwärzungen auf sich hat.

  5. Oder gar 3-4 verschiedene Hefte gekauft werden, bei denen aber nur die Arbeit von 2en drinsteckt, weil der Rest verlagsintern doppelt verwurstet wird…

  6. Eigentlich setzen die doch nur um, was viele “Nachrichten”-Seiten im Netz machen: Unterschiedliche Titel zeigen und schauen, welcher am besten geklickt wird.
    Zudem wäre ich nicht verwundert, wenn Artikel in immer wieder leicht veränderter Form über längere Zeiträume durch alle Zeitschriften eines Verlages wandern.

    @topfvollgold: macht doch mal kurz ne Analyse sämtlicher Texte in einem Jahr von dem Verlag, dann hab ich morgen auf Arbeit was spannendes zu lesen

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