Auf der Flucht vor dem Wrestler
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Auf der Flucht vor dem Wrestler

Normalerweise wäre der Schweizer Antonio Cesaro kein Fall für die Regenbogenpresse. Als nicht-adeliger Profi-Wrestler rangiert er auf der Regenbogenskala wohl irgendwo zwischen Kampfhundezüchtern und Computerspieletestern. Trotzdem trifft man in diesen Tagen beim Streifzug durch die bunten Blätter zwischen den Schlagernasen und Königskindern immer wieder auf diesen Muskelmann.

Es ist nämlich so, dass der in einem Interview mit “Bild” erzählt hat, dass er gerne deutsche Musik höre. Auf Helene Fischer angesprochen, sagte er: “Helene Fischer natürlich auch. Ja, sie gefällt mir. Musik muss mir Spaß machen, egal ob es Schlager oder Hip Hop ist.”

Und als “Bild” fragte: “Hätte denn ihr Freund Florian Silbereisen eine Chance gegen dich, jetzt wo er ein fesches Sixpack hat?”, antwortete Cesaro: “Den würde ich locker umhauen! Keiner hat gegen mich eine Chance.” Was für eine Steilvorlage.

Das Boulevardblatt vollendete routiniert und gab dem Interview die Überschrift: “Wrestling-Superstar scharf auf unsere Helene”. Die “Frau mit Herz” stimmt sogleich mit ein und mahnt besorgt: “Flori, pass gut auf, dass er dir Helene nicht wegnimmt!” Schließlich sei der “gut gebaute Schweizer” ein “ernst zu nehmender Rivale”.

Die “Neue Post” findet die “Drohungen” des Wrestlers gar derart beunruhigend, dass sie dem Schlagerpärchen dazu rät, “einige Tage weit weg” zu verbringen, am besten auf Mallorca, da hätten die beiden ja eh schon ein Haus. “Flucht nach Mallorca?” fragt das Blatt darum auch konsequenterweise in der Überschrift, und wenn man denkt, irrer kann’s nicht mehr werden, zaubert die “Neue Post” schon die nächste Verrenkung aus dem Hut und verkündet auf dem Cover:Schock! - Helene Fischer - Bedroht von einem Irren

Da ist es dann wie beim Wrestling: Nichts ist so, wie es scheint, und Hauptsache, es knallt.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Kommentare:

  1. Es ist natürlich einfacher und spart “Ideenressourcen”, wenn man die Fantasien anderer Medien fürs eigene Medium nutzt.

  2. Apropos Helene Fischer. In der neuesten Ausgabe der “Neuen Welt” wird auf der Titelseite gross behauptet: Helene Fischer Liebessensation Wem ihr Herz wirklich gehört. Man glaubt es kaum. Ihr Herz gehört….. Florian Silbereisen. “Begründet” wird diese tolle Überschrift ganz zum Schluss des Artikels
    “Diese beiden widerstehen eben allen Versuchungen. Und das ist in der skandalträchtigen, unsteten Showbranche doch eine echte Liebes-Sensation!”
    Mit “Versuchungen” meint das Blatt vermeintliche Annäherungsversuche von Michael Bolton, Andreas Gabalier und dem unvermeidlichen Wrestler Antonio Cesaro.

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