Das Kilo-Killer-Komplott
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Das Kilo-Killer-Komplott

Schleichwerbung ist ein fester Bestandteil der Regenbogenpresse.

Das ist eine der vielen traurigen Erkenntnisse, die wir in den mehr als 100 Tagen topfvollgold-Arbeit erlangt haben. Wir hatten schon früh geahnt, dass wir in diesen Heften, die ja auch sonst im Grunde tun und lassen, was sie wollen, bei näherem Hinsehen Schleichwerbung finden würden. Doch das, was dort Woche für Woche in Abermillionen Zeitschriften getrieben wird, hatten wir nicht für möglich gehalten.

Das Ausmaß, in dem Dutzende Redaktionen in ihren Heften heimlich und hemmungslos Werbung machen, ist ein besorgniserregendes Sinnbild dafür, wie bedenkenlos einige deutsche Zeitschriftenverlage im Akkord gegen Regeln verstoßen und sich dabei die Taschen vollmachen können, ohne dass irgendwer auch nur ansatzweise etwas dagegen tut.

Schon häufiger haben wir gezeigt, wie der Deltapark Verlag im redaktionellen Bereich ohne jeden Anlass Produkte eines Kaugummi-Herstellers erwähnt. Die “Freizeit Revue” von Burda hat es eher mit Keksen und Käse-Würfeln. ConPart setzt auf Halbfettmargarine.

In den Regenbogenredaktionen der Funke-Gruppe (ehemals WAZ-Gruppe) scheint “das Geschäft mit der heimlichen Werbung” sogar “perfekt organisiert zu sein”, wie das Netzwerk Recherche im Rahmen einer Kurzstudie zum Thema “Journalismus und Korruption” jetzt festgestellt hat:

So finden sich in den Titeln [der WAZ-Women Group] Hunderte konkreter Empfehlungen für spezifische Markenartikel. Obwohl der Artikel dies nicht erfordert. […]

Hinzu kommen zahllose unmotiviert erscheinende Empfehlungen für rezeptfreie Mittel aus der Apotheke. Ob Schmerzgel, Mittel zur Förderung der Kollagenbildung oder Mittel mit Birkenextrakt, ständig tauchen Produkte namentlich auf. Versehen mit dem Hinweis, diese seien in der Apotheke erhältlich. […]

Empfehlungen, die angesichts von insgesamt 1,8 Millionen Lesern der WAZ-Woman-Group durchaus für höhere Verkaufszahlen bei den Unternehmen sorgen könnten. Und das nutzt man wohl, um Geschäfte in Schwung zu bringen. Ein Insider berichtet, dass die Anzeigenabteilung systematisch Einfluss auf Inhalte im Heft nehme. Sie teile Redaktionen mit, wen sie in welchem Umfang erwähnen sollen. Beschwerden wegen Schleichwerbung nehme man in Kauf.

Im Klambt-Verlag läuft es offenbar ganz ähnlich. Zumindest hat man sich in der Redaktion der “Woche der Frau” sichtlich Mühe gegeben, den Werbetext für einen “Kilo-Killer” so aussehen zu lassen, als wäre er ein ganz normaler Artikel:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel Turbo gegen zu viel Fett! Das Schlankmittel für Eilige!

(Klicken Sie auf das Bild für eine größere Version.)

In der “Frau Mit Herz” (Klambt) wurde die Werbung ebenfalls getarnt:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel-Turbo gegen zu viel Fett - Das Schlank-Mittel für Eilige

In der “7 Tage” (Klambt) auch:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel-Turbo gegen zu viel Fett! - Das Schlank-Mittel für Eilige!

In der “Heim und Welt” (Klambt) auch:Der neue Kilo-Killer - Bio-Stoffwechsel: Turbo gegen zu viel Fett!

Und in der “neuen Frau” (Klambt) auch:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel-Turbo gegen zu viel Fett! Das Schlank-Mittel für Eilige!

Fünfmal der gleiche PR-Text, fünfmal aufwendig ans Layout der anderen Artikel angepasst, fünfmal fehlt jegliche Kennzeichnung, dass es sich um Werbung handelt. Das kann kein Versehen sein.

Im Gegenteil: Je intensiver wir uns mit den Heften beschäftigen, desto mehr drängt sich der Eindruck auf, dass auch im Hause Klambt hinter der nicht kenntlich gemachten Werbung System steckt.

In der vorigen Woche warben die Klambt-Hefte in ähnlicher Form für ein Gel gegen Arthrose, in der Woche davor für eine Anti-Falten-Creme (von derselben Firma, die auch den “Kilo-Killer” vertreibt), in der Woche davor für einen medizinischen Nagellack. Keiner der manchmal über mehrere Seiten gehenden Texte ist als Werbung gekennzeichnet, oft kommen die Fotos direkt von den Herstellern.

Hinzu kommt, dass die Firmen, die den Nagellack beziehungsweise die Creme und den “Kilo-Killer” herstellen, auch reguläre Anzeigenkunden des Klambt-Verlags sind. Selbst für die getarnt beworbenen Produkte sind schon Anzeigen geschaltet worden.

Der medizinische Nagellack zum Beispiel, der in Ausgabe 26 in einem vermeintlich redaktionellen Beitrag beworben wird (“Nagelpilz: So schützen sie sich wirkungsvoll davor”), taucht in den Ausgaben 28, 29 und 30 wieder auf, in diesen Fällen aber als kenntlich gemachte Anzeige (“Stark gegen Nagelpilz”).

Es kommt sogar vor, dass in der gleichen Ausgabe zweimal für dasselbe Unternehmen geworben wird — sowohl per Anzeige als auch per Fake-Artikel. So geschehen vor etwa drei Wochen in der “Woche der Frau”. Auf Seite 15 findet sich diese Anzeige:So kriegen Sie die Falten klein!

Ein paar Seiten später stößt man dann auf diesen “Artikel”:So zaubern Sie Ihre Falten weg

Die Creme aus dem redaktionellen Teil und die aus der Anzeige sind vom gleichen Hersteller, Marke und Logo sind identisch, und selbst einer der Experten kommt in beiden Texten zu Wort.

So geht das Heft für Heft. Das Produkt, das in dieser Woche in einem “redaktionellen Beitrag” gelobt wird, erscheint zwei Ausgaben später — manchmal sogar noch im selben Heft — in einer ganz normalen Anzeige.

Eine ganzseitige Anzeige kostet beim Klambt-Verlag, wenn sie in allen fünf oben aufgelisteten Regenbogenheften sowie in der Frauenzeitschrift “Lea” erscheinen soll, fast 25.000 Euro. Wie viel ein Unternehmen hinblättern muss, um im redaktionellen Teil zu erscheinen, ist hingegen nicht bekannt.


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Kommentare:

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