Das Tattoo der Pandora

Das Tattoo der Pandora

Manchmal macht es Florian Silbereisen der Regenbogenpresse besonders einfach, etwa, wenn er auf seiner Tournee mit nacktem Oberkörper ein Tattoo offenbart, das bisher tabu für die Presse war, weil er gegen Aufnahmen dieses Tattoos konsequent gerichtlich vorging.

Diese Daumenschrauben sind durch Silbereisens Auftritt nun gelöst. Bühne frei für “Drei Regenbogenheftchen — Drei Blickwinkel” und die Frage: Was hat Florian denn da geritten?

Da ist zunächst “Das neue Blatt”. Das haut direkt richtig auf die Panik-Pauke und dem Leser regelrechte “Schock-Fotos!” um die Ohren:

Schock-Fotos! Helene Fischer - Florians gemeiner Liebes-Verrat

Du liebes Lieschen, was macht der Florian denn da? Obenrum nackig und untenrum mit einer kurzen Lederhose bekleidet, so liegt Silbereisen flach und verführerisch da. Bestimmt ist ihm die Chipstüte unters Bett gerutscht streichelt er gerade eine Frau sanft mit den Fingern der linken Hand über den Oberkörper! Was für ein “gemeiner Liebes-Verrat” an Helene Fischer!

Dieser “Nacktauftritt” (der auf der Nacktskala in etwa auf gleicher Höhe mit einem PR-Ausritt von Wladimir Putin liegt) ist allerdings dann doch kein Paparazzi-Foto eines bayerischen Liebes-Rollenspiels, sondern eben die Szene eines Konzertes von Silbereisen auf seiner Tournee.

Trotzdem: Florian “wälzt sich [...] zwischen den Laken”, wird von einer “Tänzerin animiert”, als er gerade “Liegestütze macht”, und “genießt den Oben-ohne-Auftritt vor Publikum.” Totale Sex-Offensive von Silbereisen, glaubt man den Bildunterschriften von “Das neue Blatt”. Und ein Detail hat es den Schreibern natürlich angetan: das bisher verbotene Tattoo von, so sagt man jedenfalls, Helene Fischers Antlitz auf Florians linkem Oberarm.[Ein Foto von Silbereisens Tattoo]

Weil Silbereisen diesen “kleinen Schatz, der sie beide verbindet” nun nicht mehr “eifersüchtig” hütet, ist der Tattoo-Auftritt vielleicht eine “geheime Botschaft” der Eifersucht an Helene, so die Idee von “Das neue Blatt”:

Nach dem Motto: “Schau her, ich mache, was ich will, und komme bei Frauen gut an.”

Und du so, “Das neue Blatt”? Immer nach dem Motto “Schau her, ich mache, was ich will, und habe meine Glaskugel befragt”?

Während bei “Das neue Blatt” Silbereisen als übler Macho charakterisiert wird, stilisiert die “Neue Woche” den Auftritt vielsagend zur “pikante[n] Enthüllung” und “große[n] Überraschung” …

Helene Fischer & Florian Silbereisen - Pikante Enthüllung! Jetzt ist die große Überraschung perfekt

… und lockt den Leser wieder einmal mit der Hoffnung auf eine Hochzeit der beiden Schlagerstars. Natürlich stellt sich die Story im Innenteil etwas anders dar. Und es wird auch ein ganz anderer Grund für die Adams-Performance ausgemacht. Hier interpretiert man die ganze Sache als verzweifelten Kampf Silbereisens um die Zuneigung und Anerkennung seiner Holden.

Warum? Weil die “Neue Woche” weiß, wie der Show-Hase läuft und die richtigen Leute in der Szene kennt, etwa den legendenumwobenen “Kenner der Szene”. Und der sagt eben ganz klar:

“Er macht das nur, um mit Helene mitzuhalten.”

Fall abgeschlossen. Aber als guter Freund der Stars will das Blatt den armen Florian dann doch nicht vor den Scherben der zu Bruch gehenden Beziehung stehen lassen und weiß:

Für Helene ist Flori der Größte – und das muss er ihr auch nicht beweisen.

Es bleibt nur zu hoffen, dass Florian Silbereisen diese Zeilen gelesen hat und von nun an darauf verzichtet, “betont sexy” mit “den Jungs von voXX-club” Helene Fischer Liebesbeweise über den Äther schicken zu wollen.

Auch “Die neue Frau” lässt ihre Lok auf der Sexy-Schiene fahren und entgleist dabei fast vor Aufregung:

Intime Fotos von Florian - Ist da wirklich Helene zu sehen?

Im Innenteil geht’s dann heiß weiter: “So sexy, so aufregend, so intim!”

Von den Krisen-Theorien der Kollegen hält das Blatt jedoch nichts und lässt schon mal die Hochzeitglocken läuten. Und wie reift so ein Entschluss bei „Die neue Frau“? Harte, wissenschaftlich-interdisziplinäre Arbeit!

Die Kunstwissenschaftler von “Die neue Frau” machen sich ran an den speckfreien Oberarm von Florian Silbereisen und stellen analytisch fest:

Die Nase fast ein wenig zu lang, das Gesicht zu oval. Eine kleine Panne des Tätowierers? Oder zeigt das Bild etwa eine ganz andere. (sic)

Hermeneutischen Fragen wird in Trash-Monologen ebenso nachgegangen:

Und: Warum sitzt ein Pfeil mitten im Herz? Einfach ein Symbol, wie sehr ihn oder sie Amors Pfeil mitten ins Herz getroffen hat? Oder spiegelt es etwa eine Tragik, die es in jeder Liebe geben kann? Fragen, die vielleicht auch Helene selbst unter die Haut gehen. [...] Ist es ihr etwa peinlich, dass ihr Freund sie so unter der Haut verewigt hat? Oder findet sie einfach selbst, dass das Bild ihr nicht unbedingt perfekt gleicht? Frauen sind da ja etwas empfindlicher.

Und Postkarten-poetisch geht es weiter:

Florian hat sich Insidern zufolge das Tattoo schon vor vier Jahren in einem bayerischen Studio stechen lassen — also nach nur zwei Jahren Beziehung mit seiner Helene. Fand sie diesen Zeitpunkt etwa viel zu früh, eine solch folgenschwere Entscheidung zu treffen? Ein Tattoo bleibt schließlich ein Leben lang, eine Liebe leider nicht.

(“Insider”, das sind für “Die neue Frau” übrigens die Leute von Bild.de.)

Doch warum nicht plötzlich in die komplette Gegenrichtung schwenken und alle vorangegangenen Mutmaßungen obsolet werden lassen?

Es kann gut sein, dass sich das nun alles geändert hat.

Und so kommt “Die neue Frau” schließlich zum verblüffenden Schluss, das Lüften des Tattoo-Geheimnisses sei nur der nächste Schritt in der Liebe zwischen Helene und Florian — der Vorbote der Hochzeit! Da kann man direkt in Weddingplanner-Phantasien abdriften:

Wer weiß, vielleicht lüften die beiden ja schon bald ein zweites, ganz privates Geheimnis. [...] Dann allerdings wird sich Florian bestimmt nicht so offenherzig, sondern eher im schwarzen Anzug mit weißem Hemd, Krawatte oder Fliege zeigen. Und Helene? Sie würde in einem Traum in Weiß sicher absolut hinreißend aussehen.

Ja, wer weiß das schon, was Florian Silbereisen da wieder geritten hat. Die im Dunklen stochernde Regenbogenpresse weiß es aber sicher nicht.

Einerseits könnte man jetzt auch mal Fünfe gerade sein lassen, das alles von der Sonnenseite sehen und erleichtert feststellen, die Regenbogenlandschaft liefere mit ihrer Masse an verschiedenen Blättern ein plurales Meinungsbild mit unterschiedlichsten Perspektiven auf das jeweilige Thema.

Andererseits ist es auch ein weiterer Beweis für die fakten- wie erkenntnisfreie Ausschlachtung eines an sich banalen Ereignisses wie einem Oben-ohne-Auftritt im Showbusiness, die mindestens zwei Menschen und ihr Privatleben angreift.


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