Der Tod in der Dauerschleife

Der Tod in der Dauerschleife

Achtung, aufgepasst! MärchenGeschichtsstunde mit der “Neue Post”:

Manche kennen ihn noch, den uralten Brauch der Frauen der holländischen Fischer. Wenn der Mann auf See verschollen war, nähte sich die Ehefrau unter Tränen aus einem seiner Hemden eine große Schleife an den Ärmel. Diese Schleife trug sie bei bedeutenden Anlässen, um zu zeigen, dass ihr Liebster immer in ihrem Herzen ist. Auch wenn er nie zu ihr zurückkehren würde…

Anlass für den Vortrag über niederländische Traditionen ist dieses Foto:

Mabel mit Kleid und Schleife

Mein Liebster ist in meinem Herzen, er ist immer bei mir, bedeutet Mabels große Schleife am Ärmel. Einst zierte sie Mabels Hochzeitskleid

Zwar hat Mabel ihren Liebsten nicht auf See verloren, doch auch sie ahnt, dass er niemals zu ihr zurückkehrt, nie wieder mit seinen Töchtern Luana (8) und Zaria (7) spielen wird.

Die “Neue Post” kann einfach nicht widerstehen. Mabel trägt an ihrem Kleid irgendeine Schleife und zack schreibt das Blatt das Ende ihres Mannes Prinz Friso herbei, der seit einem Ski-Unfall im Wachkoma liegt.

Wen juckt es da schon, dass die Schleife aus dem Stoff ihres Hochzeitskleides und nicht aus dem Stoff seines Hemdes hergestellt wurde — und somit gar nicht zur Tradition der Fischer-Frauen passt?

Wen juckt es, dass Mabel andauernd Schleifen an ihren Kleidern trägt? Selbst das Kleid, das sie bei der Hochzeit mit Friso trug, war voll mit Schleifen.

Und wen juckt es, dass es den Rat der Ärzte, von dem die “Neue Post” schreibt und “der den beiden [Mabel und Frisos Mutter Beatrix] das Herz bricht”, gar nicht gibt?

Die “Neue Post” juckt das alles jedenfalls nicht:

Beatrix & Mabel - Ihr bewegender Abschied von Friso

Wieder einmal schreckt eines dieser Schundblätter nicht davor zurück, für etwas Auflage den Tod eines Menschen zu suggerieren.

Die “Neue Post” macht das auf eine besonders eklige und hinterrückse Weise. Weil sie Mitgefühl heuchelt. Und weil sie diesen letzten Satz hier schreibt:

Schleifen der Liebe in einem Meer aus Tränen.

Wir sind kotzen.


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