Die Geissens, die ich rief (2)
23

Die Geissens, die ich rief (2)

Wer sich am Montagabend beim Fernsehen zu RTL2 verirrt, trifft auf eine Familie, die in Saus und Braus in Monaco lebt, die Eltern stets schlecht gekleidet, die zwei Töchter häufig im Bikini am Pool. Das ist die Familie Geiss, besser bekannt als “Die Geissens — eine schrecklich glamouröse Familie”. Die besonders schrecklich glamourösen Carmen und Robert Geiss sollen laut “Freizeit Spaß” nun auf einmal “Angst um ihre geliebten Töchter” haben:

Unbekannte haben unter den Namen der Promi-Sprösslinge Profile auf Instagram und Facebook eröffnet. Die Fotos wurden anscheinend geklaut

… schreibt das Regenbogenblatt und johlt auf seiner Titelseite:

Carmen & Robert Geiss - Familien-Tragödie - Ihre Töchter im Visier von Kriminellen

Die Fotos der zwölfjährigen Davina und der elfjährigen Shania, die Kriminelle irgendwo im Netz veröffentlicht haben sollen, veröffentlicht die “Freizeit Spaß” auch noch einmal:

Im Bikini am Pool oder mit Hotpants in der Hängematte — die zwei Mädchen posieren freizügig vor der Kamera.

Nun sind Foto- und Identitätsdiebstahl bereits ärgerlich genug. Doch da sei im Fall der Geiss-Kinder noch ein ganz anderes Problem: die Kommentare unter den Bildern. Da stehe zum Beispiel:

Fallst du ein freund hast kann der glück haben dich zu haben

Oder:

Wenn du whats app hast schreib mir wenn deine eltern dir das erlauben!!!

Orthografisch schon bedenklich, aber:

Vor allem ältere Männer schreiben Kommentare unter die Fotos, wollen Davina und Shania kennenlernen. Etwa Kriminelle, gar Pädophile?

Auf der Suche nach einer Antwort haben wir uns das ganze Wochenende durch reichlich Davina-und-Shania-Fakeprofile geklickt. Das Ergebnis: Ja, dort gibt es Bikinifotos, die irgendwo zusammengeklaubt wurden. Und ja, es gibt Leute, die nach den Handynummern der beiden fragen und sie auch gern mal treffen würden. Das sind entweder elfjährige Mädchen oder 14-jährige Jungs. Und vor denen — so unsere Einschätzung — muss man nicht unbedingt Angst haben.


Dieser Text ist am Montag bereits im “Tagesspiegel” erschienen. Alle zwei Wochen schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


facebooktwitteremail

Kommentare:

  1. @ Schmidt23 Das Grundproblem ist doch, dass es für 85 deutschsprachigen Regenbogenblätter bei weitem nicht genug wahrheitsgetreues zu berichten gibt. Das, was es an gesicherten privaten Informationen über Prominente, die für die Klientel “Frauen 60+” interessant sind, gibt, würde vielleicht gerade mal für 2 oder 3 Hefte reichen. Damit sich aber alle 85 Hefte einigermassen verkaufen, muss jedes Blatt auch etwas “exklusives” haben, zur Not etwas “exklusiv ausgedachtes”. Dazu kommt, dass jedes Heft den Anschein erweckt oder erwecken muss, dass es interne Informationen zu den privatesten Dingen diverser Prominenter, speziell des Adels, hat. Stichwort: Insider. Da das aber in den allermeisten Fällen gar nicht zutrifft, schon gar nicht bei Heften mit einem Verkaufspreis von unter 1 Euro, muss viel in den Redaktionsstuben hinzu phantasiert werden.

  2. *staubabwisch* Noch jemand zu Hause hier?
    Offenbar nicht mehr. Schade eigentlich.
    Hat Spaß gemacht, war informativ und gut gemacht – ist aber offenbar einen stillen Blogtod gestorben.
    Bye, bye und viel Erfolg bei euren weiteren Projekten.
    Vielleicht liest man sich ja mal wieder.

  3. Schließe mich an @Theo und @Inge. Hatte immernoch gehofft, dass es noch was wird aber bin leider enttäuscht worden. Auf Facebook ist auch nix mehr. :(

  4. @Theo, Inge, plumtree, Sana:

    Habt ihr den Blog auch mal finanziell Unterstützt? Also via Spende oder Flattr? Wenn nicht, dann darf man sich nicht wundern, keiner kann “für noppes” arbeiten, so schade das auch ist :/

  5. Ich hatte überlegt, habe aber am Ende nicht gespendet. Das persönlich doofe an der Sache ist, dass der Aufruf bzgl. der Gemeinnützigkeit am 20. Juni erfolgte. Seit diesem Tag sind aber gerade mal 11 Posts veröffentlicht worden, davon 7 vom Tagesspiegel übernommene und 2 mal “Links vom Topf”, nur 2 weitere Posts.
    Wenn man sich die Mühe macht, alles einzurichten, einen e.V. gründet, nebenbei für den TSP schreibt – warum gibt es dann in der ganzen Zeit, seit fast 5 Monaten, nicht eine Rückmeldung? *nachguck* Doch, am 25. Juli gab es eine, aber wir haben weiterhin den Status quo.*/nachguck*

    Eine Meldung der beiden, dass gerade andere Dinge wichtig(er) sind, dass an nem Relaunch gearbeitet oder das Projekt doch eingestellt wird, und man hätte Verständnis dafür.
    Aber so ist es echt schade, wobei sich das Thema ja auch relativ schnell auslutscht, weil die Mechanismen der Yellow Press sich ja nicht weiterentwickeln und weitere Artikel* doch immer nur das gleiche Schema bedienen.

    Es ist wie immer im Leben: Mehr Kommunikation, und bei Projekteinstellung die Spenden vllt. an’s Bildblog weiterleiten. ;)

    *Ob in der Yellow Press oder beim topfvollgold. ;)

  6. Es wäre aber zumindestens eine letzte Nachricht ganz nett gewesen, so im Stil: “Wir schließen den Blog, weil….”
    So still und leise sterben lassen ist auch nicht die feine Art

  7. …und nichtmal jetzt, wo es einige Kommentatoren gibt, die sich fragen, was hier los ist, gibt es eine Antwort der Blogbetreiber…das ist wirklich mehr als schäbig.
    Und ich bin froh, dass ich damals auch aufgrund der von lenni genannten Gründe nichts gespendet habe.

  8. Meine Güte, vielleicht gibt es ja auch private Gründe, die man nicht kennt. Wie hier freie Unterhaltung fast schon eingefordert wird…

    @Sana: “Daher wäre es schön gewesen auch mal wieder was für sein Geld zu bekommen…” – Du hast wohl den Begriff “Spende” nicht ganz verstanden, denn dafür ist keinerlei Gegenleistung zu erwarten. Es erfolgt auf freiwilliger Basis, du hast ja für nichts bezahlt, was dir deswegen zusteht.

    Daher könnte ich höchtens Enttäuschung nachvollziehen, aber keinen Ärger darüber.

  9. @Markus
    Bin mir nicht ganz sicher, wer den Begriff Spende nicht verstanden hat. In der Regel spendet man Geld in der Erwartung, dass dieses für einen bestimmten Zweck eingesetzt wird. Das heißt es ist keineswegs ein Geschenk für das man keinerlei Leistung zu erwarten hat.
    Mangels Kommunikation ist die Wirkung einer Spende hier nicht ersichtlich. Mag ja sein, dass Spenden zweckgebunden eingesetzt wurden und werden. Allerdings müsste dies transparenter dargelegt werden, insbesondere da das Projekt Topfvollgold wirkt, als sei es eingestellt.

  10. @Markus: Die Betreiber dieses Blogs, Moritz und Mats, sind beim Bildblog sehr aktiv. Ein kurzes Statement zur Zukunft dieser Seite wäre also m.E. keine große Sache.

    Und nein, ich fordere nichts ein und weiß selbst, dass es viele Gründe geben kann, warum man ein Blog nicht weiterführt. Ich finde es als Stammleser, der die Inhalte stets interessant fand, einfach schade, dass die Seite so sang- und klanglos einschläft.

  11. Hallo,
    “Bildblog” ist gerade im Winterschlaf, vielleicht hat ja dann mal jemand von den lieben Herren Betreibern mal Zeit, uns eine kleine Info zukommen zu lassen, warum hier alles stockt. Das wäre wirklich schön.
    Lassen wir uns mal überraschen. Oder die Herren sind jetzt in den wohlverdienten Urlaub gefahren und haben wieder keine Zeit.
    Haaallo… liebes Topf voll Gold-Team, bitte, bitte, eine kleine Info!

  12. Der Eintrag bei Wikipedia zum Thema “Spende” beginnt mit folgendem Satz: Eine Spende ist eine freiwillige Zuwendung für einen religiösen, wissenschaftlichen, gemeinnützigen, kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Zweck….. Das Wort “Zweck” beinhaltet doch, dass etwas mit diesem Geld angestellt wird, was vorher festgelegt wurde. Also bekommt man, zumindest indirekt, etwas für sein Geld. Nicht persönlich, aber etwas, was einem am Herzen liegt.

  13. …und dank der von der strafrichterlichen Rechtsprechung entwickelten (und durchaus streitbaren) Zweckverfehlungslehre wonach ein kausaler Vermögensschaden regelmäßig schon dann angenommen wird, wenn eine Spende einem anderen Zweck zukommt, als gegenüber dem Spender vorgegeben, werden wir schon bald in öffentlicher Verhandlung erfahren, was die Spendennehmer in betrügerischer Absicht mit deinem Geld angestellt haben…

  14. Man darf gratulieren: zu einem Jahr gemeinnütziger UG mit Spendenkonto (die Info gab es am 20.06.2015) und zu etwa einer Schwangerschaftslänge kompletter Inaktivität.

    Ich bin rein zufällig heute zum Jubiläum hier, da ich auf der Suche nach Lesestoff für den Sonntag die Hoffnung hatte, hier tut sich mal wieder etwas.

    Das war wohl falsch gedacht…

  15. Seit fast einen Jahr hat sich hier nichts mehr getan.
    Ich denke, man kann “Topf voll Gold” offiziell für tot erklären.

  16. Ich schaue auch alle paar Monate mal hier vorbei. Wenigstens eine kurze Stellungnahme seitens der Betreiber fände ich schon angemessen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>