“Die Regenbogenpresse
schränkt meine Freiheit ein”

“Die Regenbogenpresse
schränkt meine Freiheit ein”

Viele Prominente wehren sich nicht dagegen, dass die Regenbogenpresse Woche für Woche in ihr Privatleben eindringt. Dass sie ihnen wahllos irgendwelche Skandale, Krankheiten, Seitensprünge, Babys, Hochzeiten und Scheidungen andichtet, sie beleidigt und verleumdet, ihre Aussagen verdreht und aus dem Zusammenhang reißt und auch sonst permanent den größten Quatsch über sie verbreitet.

Vermutlich haben einige von ihnen einfach keine Lust oder keine Zeit, sich andauernd mit diesen Mistblättern zu befassen. Einige wollen sicherlich auch nicht das finanzielle Risiko ständiger Gerichtsprozesse eingehen. Und anderen ist es wohl schlichtweg egal, was in den Heften über sie zu lesen ist.

Günther Jauch gehört nicht zu diesen Prominenten. Im Gegenteil: Er ist einer der Wenigen, die sich konsequent gegen die Regenbogenpresse wehren – mit bewundernswerter Hartnäckigkeit.

Wir wollten von ihm wissen, warum er das tut. Und wie er dabei vorgeht. Und welchen Einfluss die Regenbogenpresse auf sein Leben hat. Er hat sich sofort bereiterklärt, uns seine Sicht der Dinge zu schildern. Also sind wir zu ihm gefahren und haben ein sehr nettes und aufschlussreiches Interview mit ihm geführt.

Herr Jauch, warum gehen Sie so konsequent gegen die Regenbogenpresse vor?

Aus zwei Gründen. Erstens hat jeder Mensch eine Privatsphäre und ein Recht darauf, dass die geachtet wird. Das möchte ich, im Rahmen des juristisch Möglichen, auch für meine Familie und für mich in Anspruch nehmen. Und zweitens ärgert es mich, dass dort ununterbrochen Menschen getäuscht werden. Denen wird in der Schlagzeile etwas versprochen, das, wenn man es dann im Inneren nachliest, überhaupt nicht gehalten wird. Zu dem Zeitpunkt hat die Oma dann aber schon 1,50 Euro oder noch mehr ausgegeben. Ich werde also benutzt, um Leute reinzulegen und gleichzeitig das Vermögen von denjenigen, die diesen Dreck produzieren, noch zu vermehren – und da habe ich mir irgendwann mal gesagt: Ne! Dazu trägst du nicht auch noch bei, indem du dich nicht wehrst.

Und obwohl es jedes Mal mit enormem Zeit- und Geldaufwand verbunden ist, geht das Ehepaar Jauch gegen jede Kleinigkeit vor – in den meisten Fällen auch mit Erfolg:Gegendarstellung von Thea Sihler-JauchGegendarstellung - Auf der Titelseite von "WOCHE der FRAU" vom 29. Februar 2013 schreiben Sie über mich: "GÜNTHER JAUCH - Sterbedrama um seinen besten Freund - Hätte er ihn damals retten können?" - Hierzu stelle ich fest: Ich hatte keine Möglichkeit, meinen Freund zu retten, da er aufgrund einer Erkrankung verstorben ist, auf die ich keinerlei Einfluss hatte. - Potsdam, den 09. März 2012 - Günther Jauch - Herr Hauch hat Recht. Die Redaktion.

Wir haben mit Günther Jauch noch über viele andere Aspekte zur Regenbogenpresse gesprochen, und er hat uns spannende und sehr deutliche Antworten gegeben. Allerdings haben wir uns – nach Bitte von ihm und seinem Anwalt – letztlich dazu entschieden, nur einen kleinen Teil davon zu veröffentlichen.

Wir möchten kurz erklären, warum.

Es ist nämlich so, dass ein Mensch, der die Öffentlichkeit an seinem Befinden und seinem Privatleben teilhaben lässt, nicht den gleichen Rechtsschutz genießt wie derjenige, der die Tür von Anfang an zugelassen hat. Juristen nennen das “Selbstbegebung”. Das heißt: Wer sich öffentlich über private Details äußert, gibt in gewisser Weise den Schutz seiner Privatsphäre auf. Das gilt im Übrigen nicht nur für Prominente, sondern auch für gänzlich unberühmte Menschen, die private Dinge ins Netz stellen.

Im Extremfall kann das sogar dazu führen, dass jemand, der sein Leben permanent vor der Öffentlichkeit ausbreitet, auch die Veröffentlichung von privaten Dingen dulden muss, die er gar nicht zur Veröffentlichung freigegeben hat.

Günther Jauch, der sein Privatleben bislang weitestgehend von der Öffentlichkeit abgeschirmt hat, muss also immer aufpassen, dass er in Interviews nicht zu viel von sich selbst preisgibt. Er sagte uns:

In dem Moment, in dem ich mich zu etwas Privatem äußere, fällt mein juristischer Schutz in sich zusammen. Dann heißt es: Der hat ja selber sein Privates nach außen getragen.

Und genau das könnte nach Ansicht seines Anwalts im schlimmsten Fall auch für unser Interview gelten: Dass es den juristischen Schutz von Günther Jauch gefährdet, weil er sich darin über private Dinge äußert. Diesen Punkt können wir nachvollziehen und haben uns deswegen entschieden, nur einzelne Passagen des Gesprächs zu veröffentlichen.

Neben diesem rechtlichen Aspekt gibt es aber noch einen anderen Grund, warum Günther Jauch jedes einzelne Wort, das er von sich gibt, vorher gut überdenken muss: Denn nach jedem TV-Auftritt und jedem Interview muss er damit rechnen, dass die Regenbogenpresse irgendeinen Skandal daraus bastelt. Er sagt:

Ich kann mich also nicht so frei und authentisch äußern, wie ich es manchmal gerne würde. Das könnten ja die verschiedensten Aspekte sein, die in meinem Leben wichtig sind – und dazu würde ich sicherlich viel mehr sagen, wenn ich nicht immer Gefahr liefe, dass da wieder alles verdreht wird. Das heißt, ich muss bei allen Artikeln, bei allen Äußerungen von mir immer genau schauen: Was kann daraus gemacht werden? Das beeinträchtigt mein Leben. Diese Leute schränken meine Freiheit ein. Es kostet Lebenszeit, es kostet Geld, und ich kann nicht so frei auftreten, wie ich es sonst sicherlich machen würde.

Und das vielleicht Traurigste an der Sache ist, dass sich Günther Jauch nicht einmal richtig darüber äußern kann, dass er sich nicht äußern kann.


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