Die Wahrheit geht stiften

Die Wahrheit geht stiften

Wir können den topfvollgold eigentlich dicht machen. Denn wir haben ihn gefunden: Den endgültigen Beweis, dass die Regenbogenpresse — in diesem Fall die “Frau mit Herz” — Unwahrheiten und Lügen verbreitet.

Es geht um diese Geschichte:

Neue, bittere Enthüllungen erschüttern William & Harry - Der Diana-Skandal!

Die Stiftung, die nach Dianas Tod 1997 gegründet wurde, werde für “politische Propaganda” missbraucht, behauptet der anonyme Autor. Dianas Söhne William und Harry seien erschüttert:

Auch ihre Kinder wissen, dass Prinzessin Diana stets achtgab, nicht in politische Interessenskonflikte zu geraten. Gemeinsam mit Monckton [eine frühere Freundin Dianas] wollen sie deshalb dafür kämpfen, dass Dianas Andenken in Ehren gehalten wird — und dass das Geld ihrer Stiftung künftig nur in ihrem Sinne eingesetzt wird!

Das Problem an dem Diana-Skandal-Artikel ist nicht, dass einmal mehr eine Regenbogenredaktion auf Kosten der Wahrheit zuspitzt und übertreibt. Und das Problem ist auch nicht, dass sie in ihrem reportagigen Einstieg von einem kleinen Mädchen schreibt, das “eine Chemotherapie durchleiden” musste und bei einem Besuch Dianas vor Glück “strahlt”. Das alles soll mal egal sein.

Das Problem an diesem Artikel ist, dass es die Stiftung — den “Diana, Princess of Wales Memorial Fund” — seit dem 31. Dezember 2012 nicht mehr gibt.

Die “Frau mit Herz” pfeift darauf. Heute, vier Monate später, bastelt sie sich einen Fantasie-Skandal, packt ihn aufs Cover und schreibt, dass sich William und Harry “künftig” für eine andere Verwendung der Gelder einsetzen wollen.

Das kann man amüsant finden (wenn dieser Fehler auf schlampiger Recherche basiert) oder man kann es erschreckend finden (wenn es eine bewusste Lüge ist). Vor allem aber muss man diesen Artikel beschämend finden.

Denn die “Frau mit Herz” versteht unter “politischer Propaganda” Folgendes:

Ihre Stiftung wird für Politik missbraucht - In die Stiftung, die kurz nach ihrem Tod gegründet wurde, flossen Spenden ihrer treuen Anhänger und Einnahmen von Elton Johns Diana-Song „Candle in the Wind“. Die Gelder sollten in Projekte investiert werden, die Diana am Herzen lagen -- etwa ein Kinderkrankenhaus. Doch offenbar werden seit 2007 auch Kampagnen unterstützt, die die öffentliche Meinung zum Thema Einwanderung verbessern sollen.

Das stimmt erstens nicht: Bei der Stiftungskampagne, auf die die “Frau mit Herz” anspielt, geht es primär nicht um die Verbesserung irgendeiner Meinung zum Thema Einwanderung. Sondern um ganz praktische Hilfe für “Flüchtlinge und Asylsuchende” in Großbritannien, vor allem für Jugendliche und Kinder.

Und zweitens zeigt der Artikel, wie grässlich reaktionär die Redaktion der “Frau mit Herz” ist: Sie sieht Kampagnen, die vermeintlich “die öffentliche Meinung zum Thema Einwanderung verbessern sollen”, als “Skandal”, als “bittere Enthüllung”, als “erschütternd”.

Das übertrifft nur noch die (ebenfalls in der Mediengruppe Klambt erscheinende) “Heim und Welt”:

Vor kurzem wurde bekannt, dass diverse Spendengelder, die im Namen der verstorbenen Prinzessin für gute Zwecke eingesetzt werden sollten, in die falschen Hände geraten sind. Das wäre für die Prinzessin der Herzen der Horror gewesen! Statt für Bedürftige floss das Geld in die Kassen von Leuten, die Einwanderer nach Großbritannien locken wollen.

Wir haben der Chefredaktion der beiden Blätter vor über einer Woche einen Fragenkatalog geschickt und um Stellungnahme gebeten. Sie hat uns bis heute nicht geantwortet.


facebooktwitteremail