Die Würste der neuen Welt
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Die Würste der neuen Welt

Die Wörterbuch-Experten bei Langenscheidt kamen irgendwann mal auf die Idee, dass sie ja auch witzig sein könnten. Nicht immer nur die deutsche Sprache in die italienische übersetzen oder die wichtigsten Businessbegriffe für Spanischsprecher zusammentragen. Wie wär’s mal mit der “schnelle[n] Hilfe für den ratlosen Mann” (“Frau — Deutsch, Deutsch — Frau”) von Mario Barth oder der Gegenrichtung: “Männerverstehen leicht gemacht” mit “Mann — Deutsch, Deutsch — Mann”? Höhö, hihi.

Und so hat Langenscheidt neben den Frauen und den Männern inzwischen schon Hunde, Katzen, Nachbarn, Politiker, Ärzte, Lehrer, Chefs, Banken, Diäten und Sex in Deutsche übersetzt.

Ein “XY — Deutsch, Deutsch — XY” vermissen wir in dieser Reihe allerdings. Drum lautet unser Vorschlag an dieser Stelle: “Regenbogenredakteur — Deutsch, Deutsch — Regenbogenredakteur”, das Wörterbuch für Sprachverdreher.

Denn wenn beispielsweise die “Neue Welt” titelt …

Angela Merkel - Jetzt spricht ihr Ex-Mann

(Unkenntlichmachung von uns.)

… dann meinen ihre Brühwurst-Journalisten tatsächlich: Ulrich Merkel, der frühere Ehemann der Bundeskanzlerin, hat vor zehneinhalb Jahren in einem “Focus”-Interview mal etwas über seine Ex-Frau gesagt, und jetzt haben die Paparazzi der “Neuen Welt” ihn dabei erwischt, wie er in einem Imbiss genüsslich eine Wurst futtert.

Übersetzt in den Regenbogen-Schmonzetten-Stil heißt das:

Kaum zu glauben, doch der Mann, der hier auf die Schnelle eine Bockwurst verdrückt, stand der Kanzlerin einmal ganz nah. Der grauhaarige Unbekannte in der Dresdner Würstchenbude war Angela Merkels (60) erste große Liebe!

“Jetzt” heißt in der Regenbogenwelt also 2004. Aber wie nur kommt die “Neue Welt” darauf, dass Ulrich Merkel “jetzt” “spricht”? Und mit wem? Mit der Wurst?

Vielleicht lag auf dem Stehtisch im Dresdner Imbiss ja auch ein kleines gelbes Büchlein. Titel: “Bockwurst — Deutsch, Deutsch — Bockwurst”.


Dieser Text ist vergangene Woche auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.

Und auch Jörg Thomann von der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” hat die Brühwurst-Entdeckung der “Neuen Welt” in seinen “Herzblattgeschichten” kommentiert.


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Kommentare:

  1. FARBBLIND: Armer Andreas!
    Die PiPo erbarmungslos

    Als „Schwarzfahrer“ auf eine Anfängerpiste
    wurde Andreas G., von der Pisten Polizei
    (kurz PiPo) angehalten und angezeigt.
    Sein Argument: „Bin farbblind.
    Kann zwischen weißen Schnee
    und schwarzen Piste kein Unterschied machen.
    Für mich ist es reine Abzocke.“

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