Dünne Argumente
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Dünne Argumente

Wayne Carpendale hat ein “dunkles Geheimnis”. So schreibt es zumindest die “Viel Spaß” riesengroß auf ihrer Titelseite. Wayne Carpendale, das noch zum Hintergrund, ist der Sohn von Schlagerzombie Howard “Howie” Carpendale, außerdem als Moderator und Schauspieler unterwegs und verheiratet mit der Boulevardfernsehtante Annemarie Warnkross.

Damit qualifiziert sich Mr. Carpendale jr. gleich in dreierlei Hinsicht dafür, von der Regenbogenpresse auf die Titelseite gepackt zu werden. So wie jetzt mit seinem “dunklen Geheimnis” — das die “Viel Spaß” in der Schlagzeile noch um die Frage erweitert: “Zerstört die Sucht sein Eheglück?”

Wayne Carpendale - Dunkles Geheimnis - Zerstört die Sucht sein Eheglück?

Hm. Sucht, Geheimnis, bedrohtes Eheglück — geht’s um Drogen vielleicht? Glücksspiel? Kleptomanie?

Quark.

Die Spürnasen der “Viel Spaß” haben ein Interview im “Express” entdeckt, in dem Carpendale fröhlich erzählt, dass er für seine Rolle als Old Shatterhand bei den Karl-May-Festspielen sechs Kilo abgenommen habe. Und das geht den Regenbogenleuten nun wirklich zu weit.

Der Moderator und Schauspieler scheine es “mit seinem Hang zum perfekten Äußeren zu übertreiben”, meint die Redaktion, schließlich seien die Festspiele doch schon längst vorbei und Carpendale eben nicht mehr Old Shatterhand. Und trotzdem höre der gute Mann einfach nicht auf, Sport zu machen. Das Blatt fragt:

Kann man über diese eiserne Disziplin wirklich noch lachen? Oder ist der gebürtige Kölner längst in eine gefährliche Spirale aus Hungern und Hantelstemmen geraten?

Eindeutig Letzteres. Denn …

Fakt ist: Die Sucht nach Sport ist ein weit verbreitetes Problem, wissen Experten.

Und die Experten der “Viel Spaß” wissen: Mehr als diese Quatsch-Argumentation braucht es im Kosmos der Regenbogenpresse nicht, um einem unschuldigen Menschen ein “dunkles Geheimnis” anzudichten. Ihm eine “Sucht” zu unterstellen. Und gleich noch seine Ehe in Gefahr zu schreiben.


Dieser Text ist vorgestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Kommentare:

  1. Auch wenn die Bezeichnung an sich treffend ist und ich bei einem von “Howies” Songs sofort den Sender wechseln würde – mir schmeckt der “Schlagerzombie” nicht so ganz.

    Eigentlich zielt ihr doch auf die Boulevard-Redaktionen, die das Leben Prominenter als Steinbruch für ihre Märchen nutzen. Da passt es m.E. irgendwie nicht, wenn ihr mal eben im Vorübergehen auch noch eine Salve auf einen an der Geschichte gänzlich unbeteiligten Prominenten abfeuert.

  2. wie gut, daß die “Viel Spaß” kein dunkles Geheimnis hat. Da ist es offensichtlich, daß im Oberstübchen der Schreiberlinge Stoffwechselstörungen vorliegen.

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