Ein Feuchttuch macht Geschichte

Ein Feuchttuch macht Geschichte

Sie sind halbwegs prominent und können auch einen Twitter-Account ihr Eigen nennen?

Dann haben Sie mit etwas Glück die exklusive Chance auf eine persönliche Quatsch-Geschichte, die zehntausendfach gelesen und für bare Münze genommen wird! Sie müssen nur darauf hoffen, dass die erfahrene Märchenredaktion des “Goldenen Blatts” einen Ihrer Tweets entdeckt.

Denn dann lässt sie nichts unversucht, um das öffentliche Bild Ihrer Person in ein neues Licht zu rücken. Selbst Wochen alte Tweets werden mit nie dagewesener Kreativität durch ein paar nette Details ergänzt.

So wie im Fall der glücklichen Gewinnerin dieses Monats: Sharlely “Lilly” Becker.

Bereits vor mehr als einem Monat zwitscherte die Mutter eines Sohnes ganz unbekümmert und mit nur 76 Zeichen, dass Baby-Tücher ihre besten Freunde gegen die kleinen Flecken im Haushalt seien. Eigentlich war das nicht einmal ihre eigene Aussage, denn es handelte sich lediglich um ein kommentiertes Bild:Tweet von @sharlely: "Yep that's me a the time ! Maybe not the bathroom pic.twitter.com/qWAF7HdlS6" - auf dem Bild steht: "You know you're a mom when you use baby wipes for cleaning up random spills, the dash of your car, window sills, and your entire bathroom."Kein Stoff, aus dem feuchte Regenbogenträume sind? Mit so wenig Äußerung lässt sich nun wirklich kein Artikel schreiben, denken Sie? Doch die Profis vom “Goldenen Blatt” sind schon mit ganz anderen Kalibern fertig geworden.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und steht für sich als auch für die enorme Quatsch-Kompetenz der Redaktion!Boris Becker - Sein Opfer aus LIEBENa nu?
Sicher fragen Sie sich schon, was die großgeschriebene Liebe und Ehemann Boris’ Opfer mit den unkonventionellen Wisch-und-Weg-Praktiken seiner Lilly zu tun haben.

Nun, gar nichts — doch das ist ja das Tolle am Quatsch! Denn bedient man sich dieses Stilmittels, kann man goldige Ideen und Zusammenhänge einfach erfinden. Sehen Sie selbst:

So sei es für Boris Becker “momentan keine leichte Zeit”, denn die “Putzattacken seiner Herzensdame strapazieren manchmal ganz schön seine Nerven.”

Und weil Skandalnudel Boris zwar momentan vieles schreibt, aber partout nichts über “diese speziellen Tücher”, kann es nur eine alternativlose Schlussfolgerung geben:

Damit der Familienfriede [...] gewahrt bleibt, bringt Boris nun ein großes Opfer aus Liebe: Er schweigt!

Warum er nicht die Auseinandersetzung sucht?

Ganz klar: Boris möchte seine Lilly nicht unnötig aufregen.

Und als wäre das noch nicht genug der fabulösen Handwerkskunst, gelingt dem “Goldenen Blatt” schließlich noch der ganz große Wurf: der Evergreen der Regenbogen-Themen. Denn wieso nimmt Becker eigentlich so rührend Rücksicht auf Lilly?

Ganz klar:

Lilly könnte schwanger sein! Als werdende Mutter ist es von Vorteil, nicht mit Erregern und Keimen in Berührung zu kommen – zum Wohle des Ungeborenen. Denn, wie es den Anschein hat, möchte Lilly auf gar keinen Fall krank werden.

Wenige Blätter hätten den Bogen vom Feuchttuch über Boris zum Babyglück zurück zum Feuchttuch besser hinbekommen. Das muss man anerkennen.

Sie sehen: Es werden keine Phantasien gescheut, um aus einem banalem Tweet über ein Baby-Feuchttuch ein sympathisches Märchen zu entwerfen. Die ausgefuchsten Tagträumer vom “Goldenen Blatt” nehmen sich eben Zeit für jeden noch so banalen Promi-Tweet und drehen ihn durch den verrückten Regenbogen-Fleischwolf.

Also: Twittern Sie los! Vielleicht ja über den Hugo, den Sie gestern Abend noch gezischelt haben. Oder über Ihren neuen Dampfgarer.

Und dann schauen Sie einfach zu, auf welch abenteuerliche Weise das “Goldene Blatt” ihr Privatleben neu interpretiert.


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