Eine Frage des Glaubens

Eine Frage des Glaubens

Oft werden wir gefragt: Gibt es tatsächlich Menschen, die diesen ganzen Mist glauben, der in der Regenbogenpresse steht? Wir wollen das mit Hilfe eines Beispiels beantworten.

Es handelt von der Berichterstattung über Lilly Becker. Seit Wochen prügelt die Regenbogenpresse wie wild auf die Frau von Tennis-Star Boris ein – zeigt sie als feierwütiges Biest ohne einen Funken Liebe für Mann und Kind, erklärt sie zum personifizierten “Kummer”, zum undankbaren, karrieregeilen und alkoholkranken Anhängsel an der Seite des großen Sportlers.

Und mittendrin – wir hätten drauf wetten können — “die aktuelle”:Bitte, Lilly, halt einfach mal den Mund!

Wir hätten drauf wetten können: Kaum hatten Oliver, 35, und Alessandra Pocher, 30, ihre Trennung verkündet, musste Lilly Becker, 36, ihren Senf dazu geben.

… schreibt “die aktuelle” und gibt dann ihren Senf dazu.

Der Anlass sind zwei Tweets von Lilly (@sharlely) Becker. Der eine sieht so aus:[Tweet von @Tweety_fr:] @sharlely How do you comment the end of #AlessandraPocher's love? [Antwort von @sharlely:] @Tweety_fr I can't cause every family that breaks up is very sad , I wish her the best in life ... Him not so much I really can't stand him

Schlimm, schlimm — meint jedenfalls “die aktuelle”. Und schreibt weiter:

Das reichte [Lilly] aber noch nicht! Zwölf Minuten (und vielleicht einen Champagner Rosé) später ging’s unter die Gürtellinie. Sie twitterte eine Zeichnung mit dem frivolen Text: “Trennungen sind hart. Glücklicherweise die Penisse anderer Männer auch.”

[…] Offenbar kommt Lilly einfach nicht darüber hinweg, dass Boris, 45, mit Frau Pocher (damals noch Sandy Meyer-Wölden) “Deutschlands schönste Liebesgeschichte des Sommers” erlebte.

Ein paar Gedankengänge (und vielleicht ein Glas Wurstwasser) später schreibt “die aktuelle”:

[...] damit hatte Lilly endlich einen Grund, die Pochers via Twitter voller Häme zu beschimpfen, wann immer sie einen Anlass fand. Wie jetzt die Trennung. Das wurde selbst Boris zuviel. Er hat seine Frau zum ersten Mal aufgefordert: “Bitte, Lilly, halt einfach mal den Mund!” Vielleicht ist jetzt Ruhe.

Leider verrät “die aktuelle” nicht, wo sie dieses Zitat (das sie immerhin zur Überschrift und zur Pointe ihrer Geschichte macht) herhat. Vielleicht ja von Twitter. Denn dort hat tatsächlich jemand etwas Ähnliches zu Lilly gesagt – doch das war gewiss nicht Boris Becker:[Antwort auf den o.g. Tweet von @sharlely: How about u just shut up for once ?! There's seriously nobody that gives a fcuk about what u "got to say"!!!

Vielleicht hat “die aktuelle” sich den Spruch aber auch einfach nur ausgedacht.

Wie auch immer. So viel zum Hintergrund dieser Geschichte. Schauen wir uns nun an, was die Leser dazu sagen. Denn eine Ausgabe später hat das Blättchen unter anderem folgenden Leserbrief abgedruckt:[Leserbrief:] Dass sich Lilly Becker auch überall einmischen muss! Das ist wirklich unglaublich! Bestimmt will sie damit einfach nur von ihren eigenen Problemen ablenken. Oder sie ist immer noch eifersüchtig auf Sandy. Schließlich ist sie eine Ex-Freundin von Boris und sie waren sogar verlobt. Wobei der Grund ja eigentlich auch egal ist. Lilly macht sich mit ihren Lästereien jedenfalls keine Freunde. Da ist es ja wohl kein Wunder, dass Boris irgendwann der Kragen platzt. Er mischt sich ja auch in vieles ein, aber zumindest wird er nicht gleich so persönlich. Lilly übertreibt es wirklich mit ihren Sticheleien. Hoffentlich nimmt sie sich Boris' Ratschlag zu Herzen und überlegt demnächst zweimal, ob sie zu einem Thema wieder ihren Senf dazugeben muss oder es vielleicht doch lieber lässt.

(Unkenntlichmachungen von uns.)

Ein weiterer Leserbrief drohtwarnt: leserbrief2

Sie fragen sich, ob es Menschen gibt, die den Mist in der Regenbogenpresse glauben? Die auf die wilden Lügengeschichten reinfallen? Die sich von der Unverschämtheit und Boshaftigkeit der Blättchen sogar infizieren lassen?

Nun. Ja.


Nachtrag, 6. Mai, 14 Uhr:

Einige unserer Leser haben die (durchaus nachvollziehbare) Vermutung geäußert, dass die Leserbriefe in Wirklichkeit aus der Feder der Redakteure selbst stammen könnten. Darum haben wir die Verfasserin des “Pass lieber auf!”-Leserbriefes kontaktiert — und sie hat uns mitgeteilt, dass der Brief komplett von ihr geschrieben wurde. Es sei auch nicht der erste, sagte die Dame stolz, seit Jahren sei sie eine fleißige Leserbriefschreiberin. Hin und wieder werde von der Redaktion zwar mal ein Wort verändert (weil es zu heftig sei), aber grundsätzlich würden die Briefe unverändert abgedruckt. Auf unseren Hinweis, dass vieles in den Heften der Regenbogenpresse erfunden und gelogen sei, reagierte die Dame überrascht — später meinte sie dann, wenn etwas Falsches über jemand geschrieben werde, könne der sich ja dagegen wehren.


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