Gebärmutter-Bingo
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Gebärmutter-Bingo

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um die lange Liste von angeblichen Schwangerschaftsmeldungen aus den europäischen Königshäusern:

Kronprinzessin Victoria - Schwanger! Es werden Zwillinge
Victoria & Daniel - Hurra! Ein Söhnchen
Prinzessin Victoria - Schickierende Schlagzeilen - Kann sie kein Baby mehr bekommen?
Königin Maxima - Schwanger mit 43! Es wird ein Junge
Königin Maxima - Zwillings-Glück mit 43 - Warum es so spät noch geklappt hat

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Ihr schickt uns ja immer vorher die Heftchen, die wir besprechen wollen — und heute bin ich wirklich nicht durchgestiegen. Irgendjemand bekommt Kinder, dann wieder nicht, dann Zwillinge, dann mit 43, dann doch nicht. Hilf mir doch mal auf die Sprünge: Wer bekommt denn jetzt nun mit wem Kinder?

Mats: Also da ist einiges los in den Gebärmüttern der Royals. Fangen wir einfach mal an mit Victoria, der Kronprinzessin von Schweden. Das sagt nämlich “Das goldene Blatt”: “Hurra! Ein Söhnchen”. Und zwar haben die Spürnasen des “goldenen Blatts” rausgefunden, dass im Schloss in Schweden Handwerker dabei sein sollen, ein zweites Kinderzimmer einzurichten. Und zwar ganz in der Farbe Blau. Das ist schon alles, was zur Schlagzeile “Hurra! Ein Söhnchen” beiträgt. Ich würde mal stark bezweifeln, dass es diese Handwerker und dieses Kinderzimmer und die Farbe überhaupt gibt. Entweder hat die Redaktion sehr gute Quellen im Palast oder sie haben’s sich einfach nur ausgedacht. Für Letzteres würde sprechen, dass die “Frau aktuell” quasi genau das gleiche schreibt, auch eine große Titelgeschichte: “Kronprinzessin Victoria — Schwanger!” Da wird es aber nicht nur ein Kind, sondern sofort zwei. Wie das Heft da nun drauf kommt? Victoria trägt momentan angeblich weite Mäntel, setzt ein vielsagendes Lächeln auf, wenn sie irgendwo in der Öffentlichkeit ist, und zeigt eine ausgelassene Stimmung bei offiziellen Terminen. Und da findet die “Frau aktuell”: offensichtlicher geht’s kaum — also: schwanger, und zwar Zwillinge, weil Victoria jetzt angeblich einen noch runderen Bauch hat als bei ihrer ersten Schwangerschaft.

Und jetzt kommt der Knaller: Sie kann gar keine Kinder bekommen.

Zumindest, wenn man der “Freizeit Spaß” glaubt. Die titelt nämlich: “Schockierende Schlagzeilen — Kann sie kein Baby mehr bekommen?” Und zwar haben die Mitarbeiter ein schwedisches Klatschblatt gefunden, in dem es heißt, Victoria kann sehr wahrscheinlich keine Kinder mehr bekommen, weil ihr Mann Daniel mal eine Nierentransplantation durchführen lassen musste. Das wird auch schon seit Jahren von der Regenbogenpresse ausgeschlachtet. Aber da heißt es jetzt, dass die Medikamente seine Zeugungsfähigkeit eingeschränkt hätten. Das heißt: Eines dieser drei Hefte lügt auf jeden Fall. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sogar alle drei danebenliegen.

Damit ist der Reigen ja noch nicht beendet, denn auch Máxima der Niederlande soll schwanger sein. Hier ist man sich nur nicht so ganz sicher: Ich habe hier einmal Zwillinge und einmal einen Jungen. Also die ist zumindest schwanger, oder wie?

Nee. Das muss man auch noch zu Victoria von Schweden sagen: Es hat keine offizielle Stellungnahme von Seiten des Hofes gegeben. Und das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sie eben nicht schwanger ist oder der Palast es äußerst geheim hält. Offiziell ist Victoria also nicht schwanger. Genauso Máxima, da hat es auch keine Mitteilung gegeben. Die ist auch schon 43 Jahre alt, es wird also langsam auch schon eng mit dem Kinderkriegen. Aber das hält die Regenbogenpresse natürlich nicht davon ab, einfach mal zu spekulieren: Die “Neue Welt” titelt groß “Schwanger mit 43! Es wird ein Junge”. Da reicht dem Blatt die Begründung, dass Máxima bei einem offiziellen Termin eine Hand auf ihren Bauch gelegt hat — ein klarer Fall für die “Neue Welt”: Sie ist schwanger! Und wie die Mitarbeiter darauf kommen, dass es ein Junge werden soll? “Ihr Volk ist sich schon ganz sicher: Ihr viertes Kind wird endlich ein süßer Junge sein” — also genauso spekulativ wie die anderen Hefte. Richtig abenteuerlich wird es allerdings bei der “Prima Freizeit”. Da soll Máxima mit Zwillingen schwanger sein. Die Begründung der Rechercheure der “Prima Freizeit” lautet, dass es einen “Wunderarzt” gebe, der “zu 100 Prozent in der Lage” sei, “Eltern je nach Wunsch ein Mädchen oder einen Jungen zu bescheren, ein Kind oder gar Mehrlinge.” Allein diese theoretische Möglichkeit, dass es irgendwo auf der Welt einen Arzt gibt, der auch älteren Frauen Kinder bescheren kann, die reicht der “Prima Freizeit”, um zu titeln: “Zwillingsglück mit 43″.

Wie ist das in diesen Redaktionen: Haben die so eine Schwangerschafts-Dartscheibe, wo sie dann draufwerfen, wer wie was jetzt gerade mal bekommen soll?

Schöne Idee — so wird es vermutlich ablaufen. Aber mal im Ernst: Diese Geschichten sind natürlich sehr einfach gestrickt. Man muss nur ein Foto finden von irgendeiner Prinzessin oder Königin, die bei einem Termin die Hand auf den Bauch legt, und sofort heißt es: Ach, sie hält schützend ihre Hand vor den Bauch, da wächst bestimmt ein kleiner Prinz unter ihrem Herzen heran. Solche Geschichten sind also sehr einfach zu basteln. Man braucht nicht viele Beweise, um diese Spekulationen in die Welt zu setzen, und deswegen kommt das auch häufig vor.

Ein paar Monate kann man’s dann noch ausschlachten, bis dann entweder ein Kind kommt oder nicht. Da fällt mir ein: Es ist bestimmt auch schon ein halbes Jahr her, da haben wir über Charlène von Monaco gesprochen. Da war man sich auch nicht sicher: Zwillinge oder nicht? Jungs oder Mädels? Ist da am Ende was rausgekommen überhaupt?

Ja, ist es. Da hatte die “Frau aktuell” ja getitelt “Hurra, zwei Jungen!” und die “Echo der Frau” schrieb “Es werden zwei Mädchen”. Da waren wir uns damals schon natürlich sehr sicher, dass eines von beiden die Unwahrheit sagen muss. Am Ende kam dann raus, dass sogar beide gelogen haben, weil es ein Junge und ein Mädchen wurden. Da hatten also beide Unrecht.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

Und unter diesem RSS-Link gibt’s das Ganze als Podcast.


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