Genau wie bei Prinz Friso

Genau wie bei Prinz Friso

Die Diskussion über die Berichterstattung zum Ski-Unfall von Michael Schumacher, die in den vergangenen Tagen auf Touren kam, hangelt sich größtenteils an der Frage lang: Muss das wirklich alles sein — diese Flut an Berichten, diese Gewichtung?

Man kann das so oder so sehen.

Worüber man hingegen nicht lange diskutieren muss, ist das hier:

Tragödie im Krankenhaus! Corinna Schumacher - Bittere Tränen um ihren Michael

Michael Schumacher (45) - Mitten aus dem Leben gerissen! Wieder abseits der Piste! Genau wie bei Prinz Friso

Nach dem schlimmen Ski-Ungkück - Michael & Corinna Schumacher - Bitterer Abschied! Was wird jetzt aus ihren Kindern?

Jetzt ist also auch die Regenbogenpresse bei dem Thema eingestiegen. Und sie gibt vom Start weg Vollgas.

Die Redaktion der “frau aktuell” handelt noch am harmlosesten, wenn sie sich einfach mal ein Zitat ausdenkt, das Michael Schumachers Frau Corinna vielleicht am Krankenbett ihres Mannes gesagt haben könnte:

Stunde um Stunde verharrt sie am Krankenbett und vergießt bittere Tränen um ihren Michael. “Warum musste er eine so gefährliche Strecke fahren, wie konnte es nur dazu nur [sic!] kommen?” wird sie sich immer wieder Fragen [sic!].

Deutlich schärfer da schon “die aktuelle” im Vier-Seiten-Spezial “Das Drama um Michael Schumacher”. Die Überschrift im Heftinneren könnte auch als Titelzeile für einen “aktuelle”-Nachruf auf “Teufelskerl” Michael Schumacher durchgehen:

Tragisches Ende eines Lebens auf der Überholspur

Natürlich hat “die aktuelle” auch gleich nach Parallelen zum Schicksal von Prinz Friso gesucht. Und auch ganze zwei gefunden:

Auch [...] Prinz Friso fuhr 2012 abseits der Piste, als er schwer verunglückte.

Der Prinz war im gleichen Alter wie Schumi: 45 Jahre …

Dazu trifft das Blatt eine Reihe von Aussagen, die bei einer Leserin, die nicht jeden Abend die “Tagesschau” guckt, durchaus den Eindruck erwecken kann, dass Schumacher den Unfall nicht überlebt hat:

Michael Schumacher, 45, war ein Teufelskerl.

Einfach so mitten aus dem Leben gerissen. Ohne die Chance auf ein Wort des Abschieds. Als Ehefrau Corinna, 44, und die Kinder Gina-Maria, 16, und Mick, 14, im Krankenhaus eintrafen, konnten sie nur noch seine Hand halten.

Nie hatte sie [Corinna Schumacher] ihn gebeten, wegen ihr auf den Adrenalin-Kick zu verzichten. Das war sein Leben. Und sie liebte ihn. [...] Jetzt hat Corinna ihn verloren. Das Leben ist nicht fair …“

“das neue” besitzt sogar die Chuzpe, über Michael Schumacher und dessen Leben fast ausschließlich in der Vergangenheitsform zu schreiben. Als wäre er gestorben:

Die Familie war für ihn immer die Nummer 1 im Leben

Er [...] unterstützte seine Frau bei der Pferdezucht auf ihrer Western-Ranch.

Sie hatten alles: zwei süße Kinder, Millionen auf dem Konto, Dutzende Autos, etliche Häuser und sogar eine eigene Ranch. Doch nun muss sich die Familie von Michael Schumacher (45) von ihrem bisherigen Leben trennen. Ein bitterer Abschied!

Der gesamte Artikel und die Schlagzeile auf dem Cover lesen sich so, als hätte “das neue” darauf spekuliert, dass Michael Schumacher die Folgen seines Unfalls vielleicht doch nicht überlebt, während das Heft gedruckt und ausgeliefert wird. Vorher noch schnell die “Stabstelle Medienrecht des Heinrich Bauer Verlages” drüberbügeln lassen, damit nichts rechtlich Verfängliches drin steht. Und dann sabbernd alles in die Druckerei schicken.

In einem Punkt hat “die aktuelle” übrigens recht: Es ist “Genau wie bei Prinz Friso”. Die Regenbogenverlage werden auch dieses Mal das Schicksal eines Menschen in Not so weit ausschlachten, wie es nur geht.

Die große Flut an Schund- und Fantasiegeschichten dürfte noch kommen — am Mittwoch, wenn ein Großteil der wöchentlich erscheinenden Hefte auf den Markt geworfen wird.


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