Harrys Geliebte? Erst bezahlen!
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Harrys Geliebte? Erst bezahlen!

Bei der Frage, wie Verlage mit Texten im Internet Geld verdienen können, setzt Bild.de seit einiger Zeit auf ein sogenanntes Freemium-Modell: Vieles gibt’s beim Onlineableger der “Bild”-Zeitung umsonst, die richtig tollen Inhalte aber nur gegen Kohle.

Will man zum Beispiel den Grabstein von Dirk Bach sehen: bezahlen. Oder die neue Freundin von Bastian Schweinsteiger: bezahlen. Und bei Facebook geklaute Opferfotos, die Bild.de auf der Startseite nur verpixelt ankündigt: genau, bezahlen.

Für Printprodukte ist dieses Locken hinter eine Bezahlschranke kaum umsetzbar. Schließlich kann jeder Kioskkunde am Zeitschriftenregal nachschlagen und -lesen. Die Pioniere der “Freizeit Vergnügen” versuchen es trotzdem. Auf dem Cover ihrer aktuellen Ausgabe schreibt die Regenbogenredaktion:

Prinz Harry — Diese Frau kämpft um seine Liebe

Neben “Feuerkopf Harry” steht eine Blondine, deren Gesicht per Photoshop komplett unkenntlich gemacht ist:

Prinz Harry - Diese Frau kämpft um seine Liebe

Investiert die geneigte Leserin nun die 65 Cent für das Blatt, kann sie im Heftinnern Harrys Ex-Freundin Cressida in voller Pracht sehen. Cressida soll “mit den Waffen einer Frau” versuchen, den Prinzen zurückzugewinnen. Könnte klappen, findet die “Freizeit Vergnügen”, denn:

Auch optisch ragt sie aus der Normalität hervor wie ein Weltkonzern unter Tante-Emma-Läden

Die royale Rückholaktion könnte allerdings von einer anderen Verehrerin sabotiert werden, glaubt man der “Freizeit heute”:

Prinz Harry - Todesangst - Eine schöne Frau bedroht sein Leben

Eine australische Studentin soll per Plakat schon mehrfach um Harrys Hand angehalten haben. Vergebens. Und da lauert auch die Gefahr:

Gibt ja nichts Hinterhältigeres als die Rache einer verschmähten Frau.

Doch “Harry ist Soldat — er wird sich hoffentlich zu wehren wissen”. Klingt so, als gilt die “Todesangst” vor allem für die Studentin.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Kommentare:

  1. Auch die berüchtigte Zeitschrift “Das goldene Blatt” hat mal wieder Prinz Harry auf dem Titelblatt als Lückenfüller sozusagen bis zum nächsten Prinz Charles und Camilla Scheidungsbericht. Bezeichnend ist, dass die Hochzeit zwischen Prinz Harry und Chelsy Davy zwar als Tatsache präsentiert wird. Bei dem Kind, auf das das Blatt spekuliert, ist man vorsichtiger und schreibt über das Kind nur in der Möglichkeitsform. Der Grund mag sein, dass die Königsfamilie “Kummer” mit der Klatschpresse gewohnt ist, dass aber eine “noch nicht” blaublütige Person vielleicht nicht so entspannt auf eine Spekulation reagieren würde und vielleicht sogar dagegen klagen könnte. Eine Spekulation über eine “Traumhochzeit” wäre für sie vielleicht noch akzeptabel, über ein Baby, das es gar nicht gibt, möglicherweise nicht mehr.

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