Hauptsache Afrika
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Hauptsache Afrika

Die Beziehungsgeflechte zwischen der Regenbogenpresse und den Objekten ihrer Berichterstattung sind nicht immer ganz einfach zu durchschauen.

Manch Prominentem ist es völlig zuwider, in der Knallpresse auch nur erwähnt zu werden. Andere sind heilfroh, dass sie wenigstens mal auf diese Plattform klettern und sich präsentieren dürfen. Frühere Eurovision Song Contest-Siegerinnen zum Beispiel.

Und so dürften Schlagersängerin Nicole und ihre Plattenfirma vor Freude quiekend diese “Die neue Frau”-Schlagzeile entdeckt haben:

Sie kennen sich schon so lange - Sängerin Nicole - Jetzt stellt sie uns ihre heimliche Liebe vor

Die ist so heimlich, dass Nicole gerade einen ganzen Song über sie veröffentlicht hat.

Geschickt rührt “Die neue Frau” für die neue Platte die Werbetrommel. 36 schmalzgetränkte Zeilen versucht das Blatt, uns das Liebeslied als Liebesbetrug zu verkaufen:

Und wie sehr sie strahlt, wenn sie von dieser besonderen Beziehung erzählt. Voller Inbrunst und mit viel Gefühl. Das Pikante daran: Nicole beschreibt hier nicht die Gefühle zu ihrem Mann Winfried [...].

Nein, es ist nämlich noch viel dämlicher!

Aber von wem schwärmt Nicole hier nur so? Die Auflösung: Es ist kein Mann – sondern ein Land. Und zwar Afrika.

Eine Aussage wie ein knallender Schlag in den Nacken eines jeden Geographie-Lehrers.

Doch mit Nicole und dem Regenbogenheft haben sich eben zwei gefunden, die im Erdkunde-Unterricht gleich gut aufgepasst haben. Und so setzt die gesamte “Neue Frau”-Redaktion sicher mit ein, wenn Nicole im Refrain losschmettert*:

Afrikaaaaa – weites Laaaaand – Wind und Meeeeer – und Wüstensaaaaand – Afrikaaaaa – bist wie iiiiich – stolz und freeeiiii – darum lieb‘ ich diiiiich.

In Anlehnung an die berühmte Stilblüte von Fußballer Andi Möller muss es für das Ethno-Duo Nicole und “Die neue Frau” also heißen: Kairo oder Kapstadt, Hauptsache Afrika.


*Nachtrag, 2. Juli, 15:41 Uhr: Einige Leser schrieben uns und kommentierten, dass Nicoles Textpassage “weites Laaaaand” nicht ein Land im Sinne von Staat meint, sondern im Sinne von Landschaft. Unsere Unterstellung sei ziemlich daneben.

Wir finden auch: Das kann man so interpretieren und muss es in den meisten Fällen sicher auch. Bei Nicoles Song unserer Meinung nach allerdings nicht. Wir bleiben dabei: Mit diesem “Afrika”, von dem sie singt, ist ein Staat gemeint, und zwar Südafrika. Das geht zumindest aus einem Gespräch der Sängerin mit “Schlagerplanet” hervor.

Dass sie dann trotzdem verallgemeinernd von “Afrika” singt — und sei es nur, weil es sich besser singen lässt –, finden wir weiterhin unpassend.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Kommentare:

  1. Oh, man. Als jemand, der urspruenglich aus Tunesien ( ist das dann ein Bundesland von Afrika???) kommt, fuehle ich mich beleidigt, verleugnet und (fremd)beschaemt…

  2. Naja, den Satz im Refrain (“weites Land”) kann ich ja noch verstehen – wenn “Land” nicht im politischen Sinne gemeint ist, sondern von wegen “weite Fläche”. Der Artikel ist natürlich erwartet dämlich.

  3. Darf man mal fragen wie das ganze abläuft?!
    Das Musiklabel ruft bei “einschlägigen” Verlagen an und bittet um diese oder jene Promotion, die bestimmt nett entlohnt wird. Dann setzen sich die Redakteure an Schreibtisch und denken sich das Ganze aus?
    Oder kommt der gesamte Artikel von Werbe-Profis der Labels, die genau wissen worauf es ankommt und der Verlag ist froh, dass er relativ schnell ein gute Titelstory hat die wahrscheinlich bezahlt wurde?

  4. Naja, ich hab mir dann mal das Video gegeben, und während mir es unterm Tisch gepflegt die Zehennägel hochgebogen hat, ist mir aufgefallen, dass die werte Frau Nicole zum Dreh dieses Videos höchstwahrscheinlich nicht mal in Afrika gewesen ist. Ich meine, das Gutshaus kann in jedem Freiluftmuseum in Norddeutschland stehen, und eine Folkloregruppe für den Hintergrund ist schnell engagiert. Und selbst da schaut es manchmal so aus, wie wenn Nicole in das Bild mit reingeschnitten worden wäre. Technisch wohl alles möglich. Zu den Klängen des nachfolgenden Nicole-Videos (“Nehmt Abschied, Brüder” – meiner Meinung nach auch so eine äußerst gewöhnungsbedürftige Interpretation) bin ich persönlich zu dem Schluss gekommen: Fake-Alarm! :-)

  5. @Nö – Einige Aussagen von Nicole im Gespräch mit “Schlagerplanet” lassen die Vermutung zu, dass sie mit dieser Textpassage und dem gesamten Song durchaus einen Staat meint, und zwar Südafrika. Dass sie daraus dann nur “Afrika” macht, finden wir nicht besonders geschickt und ziemlich verallgemeinernd.

    @redbullsuechtig – In dem verlinkten “Schlagerplanet”-Artikel steht zumindest, dass “Vor Ort” gedreht wurde, also in Südafrika.

  6. wenn interessiert das denn.
    es sind lediglich Meldungen in der klatschpresse über irgendwelche stars Meldungen also die in keinster weise weltbewegend sind bzw das gesellschaftliche leben in keinster weise berühren niemand interessiert es wirklich was mit den prominenten geschieht es sin Meldungen die die brd in keinsterweise berühren ich denke Deutschland hat andere sorgen als sich über jeden Blödsinn Gedanken zu machen
    ich lese diese heftebeim Arzt und amüsiere mich nur ernst nehemn tue ich diese hefte nicht
    also was solls es gibt schlimmeres

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