Hinterlist mit Hinterseer
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Hinterlist mit Hinterseer

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um folgende Schlagzeile aus dem Klambt-Verlag:

Man denkt, man ist im falschen Film! Hansi Hintersser - Die Rache der Wanderhure - Was muss er noch alles ertragen?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: “Hansi Hinterseer — Was muss er noch alles ertragen?”, fragt die “Woche der Frau”. Ja, was muss er denn eigentlich ertragen?

Moritz: Hansi Hinterseer, laut Regenbogenpresse eines der großen Opfer, was zum Beispiel den sogenannten Jugendwahn im Fernsehen angeht — also die ganzen alten, tollen Volksmusikmoderatoren und -auftritte, die nicht mehr gebucht werden beziehungsweise stattfinden. Das muss Hinterseer sowieso ertragen. Nun aber hat die “Woche der Frau” was, na, nicht ganz Aktuelles ausgegraben, und zwar ein Youtube-Video. Im ORF, dem Österreichischen Rundfunk, lief vor über zweieinhalb Jahren in der Sendung “Willkommen Österreich”, eine Satriresendung von zwei Moderatoren, ein kleiner Trailer, in dem Bilder und Ton zusammengeschnitten wurden. Die Bilder zeigen Hansi Hitnerseer, wie er durch die Alpenlandschaft wandert, grüne Wiesen, Kühe, seinen Hund hat er dabei. Er singt am Ende auch noch. Der Ton, der aus dem Off kommt, sagt aber, dass jetzt “Die Rache der Wanderhure” wieder ansteht, am Dienstag um 20:15 Uhr, im ORF. Großes Gelächter natürlich im Publikum. Dieses Video, dieser kleine Schnipsel hat’s auch auf Youtube geschafft. Und das ist dann das große Drama, das Hansi Hinterseer aktuell über sich ergehen lassen muss — so verkauft es zumindest die “Woche der Frau”.

Und sie geht ja noch weiter: Das macht jemand mit Absicht, ein Unbekannter lädt das bei Youtube hoch, obwohl es gelöscht wurde. Haben die das Internet noch nicht ganz verstanden? Oder meinen die das ernst?

Sie meinen das wohl tatsächlich ernst, aber es ist eine klare Lüge. Ich habe gerade eben auch noch einmal bei Youtube nachgeguckt: Die Sendung “Willkommen Österreich”, in der dieser kleine 20-Sekunden-Schnipsel kam, lief am 1. März 2012. Am 2. März 2012, also einen Tag später, wurde das Video dann auch schon hochgeladen. Und seitdem steht es dort auch im Internet. Es ist also überhaupt nichts Neues. Da fehlte wohl einfach mal wieder Stoff für eine Seite, die gefüllt werden musste. Da hat sich jemand in der Redaktion der “Woche der Frau” erinnert: Da gibt’s doch diese verunglimpfende Sequenz über Hansi Hinterseer, da machen wir mal was drüber. Aber dass es gelöscht wurde ist eine glatte Lüge der “Woche der Frau”.

Dann möchte ich, weil Ihr mich jetzt immer so schult zu diesen Heften, mal eine eigene Regenbogenpresse-Theorie aufstellen: Böser Verdacht, Hansi Hinterseer macht Werbung über einen angeblichen Negativbeitrag. Denn am Ende des Textes, da steht so schön, auch noch in einer Reihenfolge: “Dem Naturburschen wird sogar vorgeworfen, seine Fans auszunehmen.” Aber gleichzeitig wird auf seine neue Live-CD verwiesen, die gerade rauskommt. Könnte da ein Zusammenhang bestehen?

Das sieht man immer wieder in den Regenbogenheften: Großer Skandal — DJ Ötzi — Meine Sucht. Und dann erzählt er, dass er ganz gerne mal eine Zigarette raucht. Zufällig wird im Artikel auch noch erwähnt, dass er jetzt ja ein neues Album rausbringt und das kann man auch bald kaufen. Anderes Beispiel: Eine Tour steht an von irgendeiner Schlagersängerin. Da wird dann irgendein kleiner Skandal ausgegraben, damit man wenigstens darüber berichten kann und nicht einfach nur sagen muss: Hier, übrigens, die Tour findet statt, was dann die reine Werbung wäre. Das begegnet uns in der Regenbogenpresse immer wieder: Es besteht irgendein Anlass, über jemanden zu berichten, also eine Tour, eine neue CD, ein neues Buch. Und dann wird geguckt, ob es nicht etwas gibt, was nun nicht direkt damit zu tun hat, so dass man die Werbung da ein bisschen verwurschten kann. Die Schlagerszene profitiert durchaus ganz gut von diesen Berichten.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

Und unter diesem RSS-Link gibt’s das Ganze als Podcast.


In seinen wöchentlichen “Herzblatt-Geschichten” hat Jörg Thomann von der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” ebenfalls über “Hansi und die Wanderhure” geschrieben.


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Kommentare:

  1. Ich denke nicht, dass die Prominenten irgendwelche Parodien, Satiren o.ä. so ernst nehmen, wie es die Regenbogenblättern suggerieren. Im Gegenteil: Sie freuen sich, weil Parodien bedeutet, dass Interesse an Ihnen bzw. an dem, was sie machen, besteht. Ein Verzicht der Regenbogenblätter auf diese “Veralberungen” bzw. deren Kritik daran würde allerdings eine grosse Lücke bei den Regenbogenblättern hinterlassen, die sich nur schwer füllen liesse.

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