Das Geschäft mit der Freizeit (5)
3

Das Geschäft mit der Freizeit (5)

Die Regenbogenpresse wächst und wächst. Zwölf Neuerscheinungen haben wir seit dem Start dieses Blogs gezählt, inzwischen sind noch neun Hefte dazugekommen:

freizeit-neu

“Revue aktuell” und “Meine Revue” erscheinen im, klar, “Revue Verlag”; “Woche spezial”, “Revue im Blick” und “Revue direkt” im SCG-Verlag und “Pause Exklusiv”, “Goldene Freizeit”, “Gute Freizeit” und “Freizeit Stars” bei Bauer.


facebooktwitteremail

“Die letzten Hemmungen scheinen gefallen zu sein”
4

“Die letzten Hemmungen scheinen gefallen zu sein”

Boris Kartheuser arbeitet als investigativer Journalist für Politmagazine und Rechercheredaktionen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Seine Spezialthemen sind Lobbyismus, Korruption, Überwachung und Datenschutz. Er enttarnte unter anderem staatliche Überwachungsprogramme und war maßgeblich an der Aufdeckung der verdeckten PR bei der Deutschen Bahn beteiligt. Außerdem ist er als Dozent für investigative Online-Recherche tätig.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing - Fragwürdige Kooperationen mit Redaktionen und Verlagen - Von Boris Kartheuser

Herr Kartheuser, Sie schreiben in Ihrer Studie “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing”, dass sich Redaktionen zunehmend die Inhalte von Werbekunden diktieren lassen: “Perfektioniert und systematisiert hat dieses Modell anscheinend die WAZ-Women-Group der Funke-Mediengruppe (ehemals WAZ Mediengruppe).” Was meinen Sie damit? 

Wie ich herausgefunden habe, hat die Funke Women Group ein Modell perfektioniert, wonach sie in ihren Zeitschriften redaktionelle Texte beispielsweise zu Gesundheitsthemen veröffentlicht und auf Produkte hinweist, die helfen sollen. Praktischerweise werden eben jene empfohlenen Produkte dann einige Seiten weiter großflächig vom Hersteller per Anzeige beworben. Im Text steht dann etwa: “Die können sie auch rezeptfrei in der Apotheke kaufen, zum Beispiel von …” — und dann kommt immer der Werbepartner. Das tritt so häufig auf, dass es kein Zufall mehr zu sein scheint.

Werden dann mehrere Produkte genannt oder immer nur einzelne?

Es wird immer nur ein einziges genannt, das ist in einer Vielzahl der Fälle genau der Werbepartner. Ich habe nicht gesehen, dass für ein anderes Produkt geworben wurde. Das macht die Funke Women Group auch beim Kochen, im Rezeptbereich: Es gibt eine Werbung von einer bekannten Firma — und drei Seiten später gibt es bei den Rezepten Empfehlungen für Brühwürfel, eben von dem großen Hersteller und Werbepartner.

Das zieht sich auch über mehrere Titel hinweg. Ich habe für die Studie acht oder neun von den Titeln gekauft und eine kleine Analyse gemacht, wie dieses Prozedere quer über die Hefte geht. Teilweise ist das dann so, dass in Heft eins geworben wird, und in Heft zwei folgen dann die Empfehlungen, in einem sehr auffälligen Maßstab.

Ist die Schleichwerbung denn auf Arzneimittel und Essen beschränkt?

Die Vielfalt der Hinweise, die ich gefunden habe, waren tatsächlich in dem Bereich Arznei- und Lebensmittel. Ich hatte aber auch den Verdacht, dass es bei Empfehlungen von Ärzten ebenfalls einen finanziellen Hintergrund geben könnte, den kann ich aber nicht belegen.

Handelt es sich denn um ein spezifisches Problem der Funke Women Group?

Ich hatte in diesem Fall einen konkreten Hinweis, deshalb habe ich mir diese Hefte gekauft und angeschaut. Ich muss aber zugeben, dass ich das für andere Regenbogen-Blätter nicht getan habe, da das jetzt nicht meine primäre Lektüre ist. Ich kann entsprechend auch gar nicht sagen, wie das bei anderen Verlagen aussieht. Ob das ein Phänomen von Funke ist oder auch bei anderen existiert, da kann ich nur mutmaßen.

Konnten Sie herausfinden, von wem die Initiative für solche Geschäfte ausgeht, wer auf wen zugeht? Anzeigenverkäufer auf Werbekunde oder umgekehrt?

Ich habe mit ehemaligen und jetzigen Mitarbeitern bei Funke gesprochen. Bei den Gesprächen schien sich herauszukristallisieren, dass die Initiative maßgeblich von Funke ausgeht, das heißt, dass die Marketingabteilung an Kunden herantritt.

Das heißt: In Absprache mit der Redaktion? Oder diktieren die Anzeigenverkäufer der Redaktion, was zu tun ist?

Nach meinen Informationen geht die Initiative von der Marketingabteilung aus, die dann an den Werbekunden herantritt und den Redaktionen mehr oder weniger sagt, was sie wie zu bringen hat. So wurde es mir gesagt, ich habe aber keine schriftlichen Belege.

Sie hatten die WAZ-Gruppe damals mit Ihren Ergebnissen konfrontiert, nach acht Wochen kam immer noch keine Rückmeldung. Daraufhin haben Sie Ihre Ergebnisse veröffentlicht. Ist mittlerweile eine Antwort bei Ihnen eingetroffen?

Es kam nachher eine Rückmeldung, aber weder ging man inhaltlich auf das ein, was ich gefragt hatte, noch stellte man sich der Frage wirklich. In den Telefonaten mit dem Pressesprecher, in denen ich ihm die Fakten präsentierte, entgegnete er lediglich, dass “man sich das mal anschauen möchte”. Als ich später noch einmal nachgehakt habe, hieß es, die Fragen seien doch beantwortet. Als ich dem widersprach, bestand überhaupt kein Interesse daran, das irgendwie aufzuklären oder irgendwas zu ändern. Zuletzt folgte eine Mail, in der es hieß, Produktvorstellungen seien im Interesse des Lesers, es gebe aber kein Geschäftsmodell, das sich aus Produktempfehlungen ergebe. Das halte ich für falsch.

Die Veröffentlichung Ihrer Ergebnisse ist inzwischen knapp anderthalb Jahre her. Wie sieht es denn heute aus?

Es hat sich nichts Grundlegendes getan. Das Geschäftsmodell funktioniert. Die Heftmacher haben mitbekommen, dass niemand ihr Vorgehen reguliert, beziehungsweise dass die eventuell zu erwartenden Strafen niedriger sind als die derzeitigen Gewinne, sodass sie das Geschäftsmodell einfach weiter betreiben wollen. Ich kann nicht sehen, dass da eine Einschränkung getätigt worden wäre, dass sich irgendwas geändert hätte. Ich glaube, das läuft einfach weiter wie gehabt.

Ich habe mir gestern noch einmal den Spaß gemacht und “Die Aktuelle” sowie die “Frau im Spiegel” gekauft und nachgeschaut, wie es in diesen Blättern derzeit aussieht. Es funktioniert heute immer noch genauso. Das ist einfach das bestehende Geschäftsmodell, es gibt keinen, der dem Verlag das wirklich verbieten will oder kann. Das scheint ja lukrativ zu sein, also betreiben sie es weiter.

Gab es in den aktuellen Ausgaben einen akuten Fall oder eine Auffälligkeit?

Ja, mehrfach. In der aktuellen Ausgabe von “Die Aktuelle” geht es an einer Stelle zum Beispiel um das Thema Reizdarm und immer wieder auftretende Bauchkrämpfe. Dort steht dann etwa, dass ein Bakterienstamm entdeckt wurde, der diesen Mangel ausgleichen kann. Durch Einnahme von “XY” — hier kommt jetzt der Produktname — zum Beispiel “werden die klassischen Reizdarmsymptome gelindert”. Einige Seiten vorher finde ich dann eine ganzseitige Werbung für genau dieses Produkt. Ein anderes Beispiel sind diverse Schmerzmittel. Das zieht sich von vorne bis hinten durchs Heft. Ich kann auf Anhieb jetzt, ohne das systematisch ausgewertet zu haben, viermal genau dieses Vorgehen entdecken.

Mal blöd gefragt: Was ist denn so schlimm daran? Ist doch ein gutes Finanzierungsmodell!

Klar, bringt ja Geld rein, scheint sich für die Verlage zu lohnen.

Das Problem an der Sache ist, dass die Verbraucher keine neutrale Sicht auf die Dinge erhalten. Es werden ihnen vollkommen unnötige Produkte aufgeschwatzt; die Beschreibungen sind auch hanebüchen. Da steht etwa: “Wenn Sie sich ausgelaugt und müde fühlen, hilft eine spezielle Vitamin-B-Therapie.” Und dann folgt wieder eine Produktempfehlung. Das heißt, die Leserinnen und Leser werden dazu aufgefordert, selbst bei ganz normalen Beschwerden in die Apotheke zu rennen und irgendwelche Produkte zu kaufen, die sie nicht brauchen, die ihnen im schlimmsten Fall sogar schaden.

Wenn jetzt jemand einen Brühwürfel von Maggi oder Knorr zu sich nimmt, kann man drüber diskutieren, ob das schlimme Auswirkungen hat. Aber bei Medizin ist eine Grenze überschritten, da das ja auch gesundheitliche Auswirkungen haben kann. Wenn ich bei jeder Gelegenheit vorschlage, Schmerzmittel oder andere Medikamente zu mir zu nehmen, dann verhindere ich etwa, dass jemand zum Arzt geht und das ernsthaft untersuchen lässt. Vielleicht ist der Hintergrund ja auch ernster. Oder aber die Leute haben aufgrund von Sonnenmangel nur eine kleine Frühjahrsmüdigkeit, gehen aber dennoch in die Apotheke und kaufen teure Präparate. Das kann nicht der Sinn der Sache sein.

Wie groß ist denn das Ausmaß? Man könnte ja annehmen, dass es nicht so schlimm ist, wenn man in einem solchen 70-Cent-Titel Schleichwerbung betreibt.

Ich war damals total erstaunt, wie groß die Auflage der Funke-Blätter ist und wie viel Hefte die eigentlich verkaufen. Vor zwei Jahren haben die Hefte der Funke Women Group eine höhere wöchentlich verkaufte Auflage gehabt als “Der Spiegel” und “Stern” zusammen.

Wenn ich wöchentlich 1,8 Millionen Hefte verkaufe und davon ausgehen kann, dass jedes Heft eine noch größere Reichweite hat und beispielsweise durch Auslage beim Arzt mehrfach gelesen wird, ist es nicht unrealistisch, dass allein die Funke-Mediengruppe mit ihrer Schleichwerbung mehr als zwei Millionen Menschen pro Woche erreicht. Wenn ich das Woche für Woche abspule, da kommt schon was zusammen.

Warum sind gerade diese Regenbogenhefte so anfällig für Schleichwerbung?

Ihr sprecht ja ab und an mit den Lesern, wie neulich am Kiosk. Ich habe gestern in dem Kiosk, bei dem ich die Hefte gekauft habe, auch mal gefragt, wie die Käuferstruktur aussieht. Es scheint, dass die Leser eher Senioren sind, womöglich auch bildungsfern und vielleicht auch leichter beeinflussbar und unkritischer. Das heißt, die Werbekunden können eine ganze Menge unkritischer Leute erreichen und damit sicherlich einen größeren Einfluss erlangen, als wenn sie ihre Botschaften in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” lancieren würden.

Welche Richtlinien gibt es, an die sich Werbende und Verlage halten müssten?

Es gibt den Presserat samt Pressekodex und es gibt natürlich noch die ganz normale Gesetzgebung. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass im Presserat engagierte Menschen sitzen, aber es verhält sich eher wie bei einem Schwert ohne Klinge: Die können monieren, so viel sie wollen — es ändert sich nichts. Bei der “Bild” werden Dutzende Verstöße im Jahr angemahnt, das hindert die Redaktion aber nicht, genauso weiterzumachen.

Ich bin kein Jurist, aber soweit mir bekannt ist, gibt es kein wirksames rechtliches Mittel, den Regenbogenheften mit ihrer Schleichwerbung das Handwerk zu legen. Mein Eindruck ist, dass gerade bei der Funke-Gruppe die letzten Hemmungen gefallen zu sein scheinen. Dort scheint weder ein Unrechtsbewusstsein zu herrschen, noch sieht man die Notwendigkeit, etwas an einem finanziell erfolgreichen Geschäft zu ändern. Ich glaube nicht, dass sich da was tun wird.

Meinen Sie, dass sich Schleichwerbung aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Medienhäuser im Allgemeinen auch bei seriösen Medien ausbreitet?

Immer häufiger verschieben sich zumindest auch bei seriösen Medien die Grenzen zwischen redaktionellem Inhalt und gewerblichen Interesse. Petra Sorge vom “Cicero” hat neulich etwa berichtet, dass sich Lobbyisten bei einer Konferenz des “Tagesspiegel” Redezeit erkaufen konnten. Es gibt “Sonderveröffentlichungen” bei der “Süddeutschen Zeitung”, dazu fragwürdige Kooperationen der “Zeit”, oder das “Handelsblatt” organisiert Leserreisen nach China. Da gibt es zahlreiche Fälle. Ich glaube, dass das zunehmen wird und habe den Eindruck, dass gerade jetzt, da die Werbekunden noch weiter wegbrechen, die Kreativität in den Verlagen doch stark anwächst, wie man weiterhin Gelder reinbekommen könnte.

Das klingt so, als müsste man sich als Leser von Zeitungen und Zeitschriften ganz schön auf was gefasst machen …

Es wird für den Leser jedenfalls immer schwieriger zu erkennen, wessen Botschaft er da konsumiert. In meiner Studie gehe ich auch auf die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ein. Die INSM beeinflusst etwa Schulmaterial und bestimmt in enger Kooperation mit seriösen Blättern Inhalte. So kann sie sich heutzutage Meinungsmacht erkaufen. Die neutrale Beurteilung tritt immer weiter hinter die Wünsche des Werbekunden zurück — und das leider nicht nur in der Regenbogenpresse, sondern auch in vielen seriösen Blättern.


facebooktwitteremail

“Regenbogenhefte sind ein Shoppingerlebnis”
0

“Regenbogenhefte sind ein Shoppingerlebnis”

Prof. Dr. Andreas Vogel ist Presseforscher und Gründer des “Wissenschaftlichen Instituts für Presseforschung und Medienberatung”. Dort beschäftigt er sich seit 20 Jahren vorrangig mit der Pressegattung der Publikumspresse, zu der er auch die Regenbogenhefte zählt.

Presseforscher Andreas Vogel

Herr Vogel, Sie könnten uns eine große Freude machen, wenn Sie folgende These bestätigen: Die Leserschaft der Regenbogenpresse ist so alt, das hat sich in fünf oder zehn Jahren alles erledigt.

Nein, die Freude kann ich Ihnen nicht machen. Die Regenbogenpresse hat eine lange Tradition und einen berechtigten Platz im heutigen Zeitschriftenmarkt. Es gibt eine enorme Nachfrage nach den Produkten von Seiten der Leser. Dazu kommt, dass die Hefte eine wichtige Rolle für unser kapitalistisches System des Wettbewerbs spielen: Die Regenbogenpresse bedient den Wettbewerb der Stars, deren Marktwerte sich auch durch Berichte in der Yellow Press definieren. Es geht hier also um Bedürfnisse, die die Regenbogenpresse befriedigt. Und das sind, mit Blick auf die Verkaufszahlen, auch legitime Bedürfnisse.

Daher wird das Segment nicht einfach so aus den Kioskregalen verschwinden. Man könnte aber auf die Entwicklung hoffen, dass mittelfristig eine Regenbogenpresse entsteht, die den Bedürfnissen der Leser gerecht wird und gleichzeitig Regeln der journalistischen Profession sowie ethische Grenzen einhält. Das gibt es auch heute teilweise schon. Schaut man sich den Markt der Publikumspresse an, dann umfasst er rund 85 Titel. Davon tauchen viele aber überhaupt nicht auf, wenn es um Kritik an der Berichterstattung geht, beispielsweise durch Sanktionen des Deutschen Presserats oder bei Ihnen auf der Seite.

Außerdem spricht die demographische Entwicklung gegen das komplette Verschwinden der Regenbogenpresse. Die Gesellschaft wird ja nicht nur immer älter, es gibt auch zunehmend mehr alleinstehende Frauen höheren Alters. Und das ist exakt die Zielgruppe der Regenbogenpresse: ältere Frauen, die sich nach pseudo-sozialen Kontakten sehnen und diese scheinbar in den Heften finden. Es gibt also ein Potenzial für die Yellow Press.

Während beinahe die gesamte Printbranche unter bemerkenswertem Auflagenschwund leidet, halten sich einige Regenbogenblätter überraschend gut. Wie erklären Sie sich das?

Die Hefte haben eine recht stabile und treue Stammleserschaft. Im Leben dieser Leute erfüllt die Regenbogenpresse erstens eine klare Funktion und ist zweitens nicht so einfach durch andere Medien zu ersetzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die gedruckten Hefte bald durch digitale Versionen auf dem iPad abgelöst werden oder dass das Segment ins Internet abwandert. Da besteht schlicht keine Notwendigkeit durch irgendein Leserinteresse. Die klicken sich in der Regel nicht den ganzen Tag durchs Netz, sondern schätzen das Haptische einer Zeitschrift. Und das Konzept der Regenbogenpresse ist auch nicht ohne Weiteres in Bewegtbilder übersetzbar. Da wären wahrscheinlich die Lizenzrechte fürs Filmmaterial viel zu teuer und es gäbe große Probleme durch die Diskrepanz zwischen dem, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, und dem, was von der Redaktion dazu getextet wird. Das Baby, das noch gar nicht geboren ist, lässt sich im TV eben nicht so einfach kuschelig in den Arm der Prinzessin retuschieren, wie es im Print möglich ist. Vermutlich würden solch fragwürdigen Vorgänge im Fernsehen von den Betroffenen auch rechtlich deutlich stärker verfolgt. Wir haben mit der Regenbogenpresse also eine Enklave, die vor dem Fernsehen gut geschützt ist. Und da haben es sich die Verlage gemütlich einrichten können.

Das klingt so, als gehe es dem Regenbogenmarkt derzeit ganz prächtig.

Die Regenbogenpresse ist heute ein stark fragmentiertes Segment, das unterscheidet sie von anderen Objektgruppen. 1975 teilten sich gerade mal zehn, zwölf Titel den gesamten Markt, in den 1990er-Jahren waren es 16, heute sind es rund 50. Da laufen nicht alle Titel hervorragend, aber einige Verlage machen sicher einen guten Schnitt.

Wie erklären Sie sich, dass die Zahl der Hefttitel so zugenommen hat?

Dieser große Anstieg in den vergangenen 20 Jahren hat verschiedenen Ursachen. Zum einen gab es eine regelrechte Welle von neuen Prominenten. „Deutschland sucht den Superstar“, „Big Brother“ und viele andere Sendungen aus dem Privatfernsehen spülten eine Großzahl von Pseudo-Promis an die Oberfläche. Es gab immer mehr TV-Stars, mehr Musik-Stars, mehr Prominenz. Und daraus sind dann neue Zeitschriften entstanden, die über diese Leute berichten. Dazu beobachten wir seit 2007 eine bedeutende Veränderung im Markt: Es kommen zunehmend monatlich erscheinende Hefte raus, die schon für 50 oder 70 Cent zu haben sind und die beachtliche Auflagengewinne verzeichnen können. Eine wahre Flut. Die wöchentlich erscheinenden Titel verlieren hingegen an Auflage. Genau genommen kann man das Segment heute also gar nicht mehr als “unterhaltenden Wochenpresse” bezeichnen, wie es einst hieß.

Trotz all dieser einschneidenden Veränderungen ist die verkaufte Auflage aller Titel zusammengerechnet seit 1975 interessanterweise bei über 8 Millionen im Erscheinungsintervall recht konstant geblieben. Heute liegt sie ohne die People-Magazine bei 8,5 Millionen. Der Unterschied von damals zu heute ist nur, dass sich diese Verkäufe nun auf mehr Titel verteilen. Und es ist natürlich ein Unterschied, ob ich jeder Woche 200 000 Hefte verkaufe oder nur einmal im Monat. Wenn man die 8 Millionen im Erscheinungsintervall in real verkaufte Hefte umrechnet, gibt es also dennoch eine deutliche Abnahme auch bei der Regenbogenpresse.

Wenn man sich das Angebot im Kioskregal über einen längeren Zeitraum anschaut, hat man das Gefühl, dass jede Woche zwei Titel verschwinden, drei neue dazukommen und ein Heft vom Verlag umbenannt wurde. Durchschauen Sie diese Marktlogiken?

Früher galt es als ein enormes Problem für Verleger, wenn sie Zeitschriften einstellen mussten. Das scheint heute anders zu sein. Das Prinzip lautet nun: “seht mal: neu, seht mal: neu, seht mal: neu”, und zwar sowohl gegenüber dem Presseeinzelhandel, der das neue Produkt besonders präsentieren soll, als auch gegenüber den Leserinnen, für die das Neue noch besser, noch tiefschürfender als alles bisher Dagewesene erscheinen soll. Dieses Denken ist im Yellow-Segment stark ausgeprägt. Die Verlage bringen hochstandardisierte Produkte raus: Die Papierart ist immer die gleiche, die Start-Auflage ähnlich hoch, die Seitenzahl, die Quellen des Inhalts. Dadurch können sie extrem schnell hineingehen in den Markt und, wenn es nicht läuft, auch schnell wieder verschwinden. Es scheint, als würde dieses Prinzip funktionieren.

Sie meinen also, dass die Verleger mit neuen Regenbogentiteln weiter gutes Geld verdienen können?

Definitiv.

Ist der Markt nicht irgendwann mal satt, wenn der 48. „Freizeit“-Titel raus ist?

Ein großer Vorteil der Regenbogenpresse ist, dass die Leser nicht nur ein Heft am Kiosk kaufen, sondern immer gleich drei oder vier mitnehmen. Das ist für Außenstehende erstmal erstaunlich, weil man denkt, dass da eh nur das Gleiche drinsteht, aber das stimmt anscheinend nicht. Nun handelt es sich bei der Regenbogenpresse um preiswerte Titel, bei denen die Käufer nicht lange überlegen müssen, ob sie die 70 Cent noch übrighaben oder nicht. Und wo in der Stadt gibt es so etwas heute denn noch: ein Shoppingerlebnis für 70 Cent? Das bekommt man nirgendwo mehr, nur im Pressebereich. Der Wunsch, etwas für sich zu kaufen, ist also auch ein Faktor, von dem die Regenbogenpresse profitiert. Für diesen geringen Preis erfüllen die Hefte dann auch noch eine wichtige Funktion: Sie lassen die Leser scheinbar teilhaben am Geschehen der Schönen und Reichen, sind gut und einfach lesbar, man kann Zeit mit ihnen verbringen. Die Hefte bedienen Gewohnheiten, denn sie sind faktisch seriell geschrieben. Deswegen scheint es weiterhin eine Nachfrage für Regenbogentitel zu geben, auch für Neugründungen.

Sollte sich das irgendwann mal ändern, hätte der Wegfall des Segments erhebliche Folgen, zahlreiche Kioske müssten schließen. Die Regenbogenpresse ist dort durch den starken Einzelverkauf ein ziemlicher Umsatzbringer. Ich kann persönlich auch immer wieder nur den Kopf darüber schütteln, was in den Heften inhaltlich passiert, manchmal ärgere ich mich sogar richtig, weil die Regenbogenpresse auch für die schlechten Imagewerte der gesamten Publikunmspresse mit verantwortlich ist. Aber sie gehört nun einmal dazu.

Wie wird es mit der Regenbogenpresse in den nächsten Jahren weitergehen?

Die Wachstumsgrenzen sind meiner Meinung nach erreicht, es werden also keine neue Player oder Verlage in den Markt einsteigen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Verleger in Zukunft preislich gehobene Titel platzieren, die sich stärker am People- und Celebrity-Markt orientieren. Damit werden dann wohl auch die Themen Fashion, Wohnen und Style von der Celebrity-Flut infiziert, befürchte ich. Prominente sind dann nicht mehr Objekte der Skandalisierung, sondern Vorbilder: Seht mal her, so sieht das bei denen zu Hause aus und so könnt ihr euch auch schminken, kleiden, einrichten. Gewissermaßen Varianten der “Bravo Girl” für große Mädchen.


facebooktwitteremail

Die Auflage der Regenbogenpresse
2

Die Auflage der Regenbogenpresse

Wir haben unsere Übersicht über die Regenbogenhefte in Deutschland auf den neuesten Stand gebracht: Die aktuellen IVW-Zahlen sind drin, Neuerscheinungen wurden ergänzt, eingestellte Titel gestrichen.

In der Liste könnt Ihr jetzt auch sehen, wie hoch die verkaufte Auflage der jeweiligen Hefte ist (vorher hatten wir nur die Druckauflage angegeben). Interessant ist, dass von allen Titeln deutlich mehr Exemplare gedruckt als verkauft werden, oft sogar mehrere Hunderttausend. Warum das — schon seit Jahren — so ist und was mit den überschüssigen Heften passiert, wissen wir leider auch nicht (also wenn jemand eine Erklärung hat, gerne bei uns melden).

Beim Blick auf die neuen IVW-Zahlen fällt außerdem auf, dass eine Reihe von Regenbogenheften der Print-Krise weiterhin zu trotzen scheint; viele Titel konnten ihre Auflage erhöhen, einige sogar so stark, dass sie zu den größten Zeitschriften-Aufsteigern des dritten Quartals gehören.

Und nach wie vor zeigt sich, wie flächendeckend die Regenbogenpresse in diesem Land verbreitet wird: Die “Freizeit Revue” verkauft mit über 800.000 Heften immer noch fast so viele Exemplare wie der “Spiegel”.


facebooktwitteremail

Das Geschäft mit der Freizeit (4)
3

Das Geschäft mit der Freizeit (4)

Wer wann welche neuen Hefte auf den Markt geschmissen hat, haben wir hier mehrfach dokumentiert. Und so, nun ja, innovativ sehen die allerneuesten “Freizeit”-Kreationen des SCG Verlags aus:

Cover von "Freizeit Heimat", "Freizeit Blatt", "Freizeit eins" und "Freizeit Punkt"


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s am Wochenende immer hier bei uns im Blog zum Nachhören.

Wir arbeiten momentan daran, dass Ihr sie bald auch als Podcasts abonnieren könnt.


facebooktwitteremail

Als die Regenbogenwelt
noch in Ordnung war

Als die Regenbogenwelt
noch in Ordnung war

Ein nicht ganz erst gemeinter Nachruf von Karla Kolumna*, einer erfolgreichen Regenbogenautorin

Es gab einmal eine Zeit. Eine Zeit, die hartgesottene Yellow-Journalisten noch heute wehmütig als die “goldene Zeit” bezeichnen. Eine Zeit, die noch gar nicht so lange her ist, gefühlt aber Lichtjahre zurückliegt. Eine Zeit, die Promis und Königs noch heute mit Schaudern erinnern und die dem einen oder anderen auch jetzt noch, Jahre später, das Blut in den Adern schockgefrieren lässt.

Es war die Zeit VOR Caroline. Ja, die Caroline. Die Prinzessin aus Monaco. Die, über die die Yellows damals so gerne berichteten und es bis heute eigentlich liebend gerne tun. Die monegassische Adelsprinzessin mit dem SEHR speziellen Männergeschmack. Besagte Caroline hatte irgendwann keine Lust mehr, ausgedachte Geschichten über sich zu lesen (und dieses Ungemach soll sich bei der Dame unerklärlicherweise schon Ende der Neunziger eingestellt haben …) und begann, mit einem Anwalt gegen diese Unwahrheiten gerichtlich vorzugehen. Diese Prozesse erstreckten sich über viele Monate, ach was: Jahre, und irgendwann gab es Urteile, die der “bösen” Yellow-Press ordentlich auf die Finger hauten. Sie verboten den “Kreativen Schreibern” das wahllose Ausdenken von Geschichten. 1995 fiel das erste entscheidende Urteil. Und dazu wollen wir kurz Wikipedia bemühen (Ja, sorry! WAS denn? Der moderne Journalist hat heute keine Zeit mehr für richtige Recherche. Da muss Wiki schon reichen …):

1. Das Recht auf Achtung der Privatsphäre zu dem auch das Recht, für sich allein zu sein, gehört, kann auch eine Person der Zeitgeschichte für sich in Anspruch nehmen.

2. Der Schutz der Privatsphäre, der sich auch auf die Veröffentlichung von Bildaufnahmen erstreckt, ist nicht auf den eigenen häuslichen Bereich beschränkt.

3. Außerhalb des eigenen Hauses kann eine schützenswerte Privatsphäre gegeben sein, wenn sich jemand in eine örtliche Abgeschiedenheit zurückgezogen hat, in der er objektiv erkennbar für sich allein sein will und in der er sich in der konkreten Situation im Vertrauen auf die Abgeschiedenheit so verhält, wie er es in der breiten Öffentlichkeit nicht tun würde.

In diesen Schutzbereich greift in unzulässiger Weise ein, wer Bilder veröffentlicht, die von dem Betroffenen in dieser Situation heimlich oder unter Ausnutzung einer Überrumpelung aufgenommen worden sind.

4. Im übrigen müssen absolute Personen der Zeitgeschichte die Veröffentlichung von Bildaufnahmen von sich hinnehmen, auch wenn diese sie nicht bei der Wahrnehmung einer öffentlichen Funktion zeigen, sondern ihr Privatleben im weiteren Sinne betreffen.

Die Yellow-Press ging natürlich dagegen vor, es wurde wieder geklagt, in Berufung gegangen, wieder in Berufung gegangen — egal. Das wirklich Entscheidende: Caroline hat die Yellow-Landschaft dann doch nachhaltig verändert.

Und obwohl es gar nicht das eine Caroline-Urteil gab und gibt, sondern einige mit diversen Spezifikationen, so spricht doch jeder der Beteiligten von “DEM” Urteil, nach “DEM” alles anders war.

Einfach heruntergebrochen hieß das: Promis mussten keine Angst mehr vor Abschüssen auf privatem Gelände haben (also Paparazzi durch die Hecke in den Privatgarten knipsen lassen, war nicht mehr …), Adlige und Königs mussten sich nicht mehr willkürlich Schwangerschaften und Trennungen andichten lassen und die Verlage — ja, die mussten schwer umdenken.

Das Urteil zieht übrigens bis heute seine Fäden. Nicht ohne Grund streiten Yellows und auch “seriösere” People-Magazine wie “Bunte” bis heute erbittert vor Gericht, OB denn dieser Strand nun “privat” oder “öffentlich” war, oder ob der Promi seine neue Liebe wirklich “auf offener Straße” präsentiert hat, oder ob die Turteltäubchen doch heimlich mit der langen Linse im Hinterhof abgeschossen wurden. Achten Sie mal darauf: Zur rechtlichen Absicherung schreiben die Magazine dann schon gleich bei Veröffentlichung “Der Fotograf erwischte sie in der belebten Berliner Innenstadt” oder “am vollen Strand von Ibiza”. Stets folgend nur dem einen Ziel: IMMER schön den Eindruck erwecken, ALLES sei GANZ legal. ;-)

Und die Yellows? Die tun sich seitdem sehr schwer, wöchentlich ihre Seiten zu füllen. Weil: SO VIEL Neues gibt es über Royals & Co. ja nicht wirklich zu berichten. Und so kommt es immer wieder zu den herrlichen “Text-Wirklichkeits-Blüten”, die uns topfvollgold jede Woche so süffisant präsentiert.

Als die netten Jungs von topfvollgold mich, eine betagte Dame des Yellow-Journalismus, einmal am Telefon fragten, wie das denn früher so war mit den Yellows, begann ich zu erzählen. Ja, ich schwärmte förmlich von den “alten Zeiten”. Und erzählte ihnen eine lustige Geschichte, die irgendwie maßgeblich für diese Zeit war, und die man sich bis heute noch gerne in unseren Kreisen erzählt:

Ich arbeitete damals bei einem Verlag, der bis heute sehr stark in Yellows macht und schon damals ein ganz großer “Player” in dem Sektor war, wie man heute wohl sagen würde.

Auch Anne (Name geändert), die Tochter eines hohen Verlagsmitarbeiters, machte ihre Ausbildung damals bei uns im Hause. Heute arbeitet sie in einer Führungsposition in den Medien – damals war sie noch “kleine” Volontärin. Ja. Bei uns im Schmuddel. Und hatte, genau wie wir, irre viel Spaß am Erfinden von Geschichten. (Ja, Sie merken es, das war die Zeit VOR Caroline.)

Wir arbeiteten damals an einer Zeitschrift namens XYZ. Gibt es die eigentlich noch? Ich muss gleich mal googeln. Egal. Damals saßen wir also wieder in irgendeiner Konferenz zusammen und versuchten, das royale Sommerloch irgendwie zu überstehen. Die Deadline nahte, nein, sie stand eigentlich am gleichen Tag bevor, und wir hatten wieder einmal absolut keine zündende Idee für eine verkaufsträchtige Titelgeschichte.

“Irgendwas mit dem schwedischen König wäre toll”, meinte eine Kollegin. “Ja, der olle Schwerenöter v… bestimmt schon wieder fremd”, ergänzte eine andere. Sie merken: Die außerehelichen Eskapaden des Schwedenkönigs waren für uns schon damals ein SEHR beliebtes Thema. Doch das Durchschauen der aktuellen Abschüsse (König mit Familie im Südschweden-Urlaub — gähn!) brachte keine neue Erkenntnis.

Und dann, ja DANN hatte ein Kollege (oder war es unser damaliger Chefredakteur? Mir ist so …) die zündende Idee: “Schwedenkönig mit heimlicher Geliebter im Wald von Småland entdeckt!” – so oder so ähnlich sollte die Geschichte heißen. Und die Bilder dazu? Wurden einfach von uns selbst produziert. Hä? Ja!

Aus einem idyllischen deutschen Wald wurde kurzerhand der Schweden-Wald, aus einem Grafiker mit dunklem Haar König Carl Gustaf, ja, und Sie erraten es wahrscheinlich: aus unserer blonden Anne die heimliche Geliebte. Sie zögerte damals noch ein wenig vor Skrupel, aber die aufmunternden Worte unseres Chefredakteurs (“Anne! Jetzt hab’ dich nicht so! Das wird den Papa freuen, wenn er dich so sieht!”) taten das Nötige, und keine 15 Minuten später war das Team nebst Fotograf im Wald unterwegs. Anne und der Grafiker hielten Händchen, shakerten und simulierten Kuss und Umarmung, der Fotograf hielt mit unscharfer Blende und verschmierter Linse (sollte ja ein Abschuss sein!) von hinten drauf.

Die Story erschien — und war eine der bestverkauften Ausgaben ever. Ever, ever, würde die Sonja aus dem “RTL-Dschungel” wohl heute sagen. Ja, die Zeiten haben sich geändert. Gott sei Dank. Oder leider? Manchmal kann ich es gar nicht so genau sagen. Nur eines ist sicher: DAMALS war es insgesamt und irgendwie lustiger …


*Karla Kolumna (Name geändert) arbeitet seit vielen Jahren im Yellowbereich und ist heute Chefredakteurin eines erfolgreichen Titels in diesem Segment. Sie können sich also denken, dass wir ihre Ansichten nicht unbedingt teilen. Frau Kolumna bittet außerdem um den Hinweis, dass es sein kann, dass diese Geschichte (“die ja schon ein paar Jährchen her ist”) vielleicht doch in Nuancen anders war und das ein oder andere Detail nicht so ganz stimmt. Aber sie besteht darauf, dass sie sich so oder so ähnlich zugetragen hat, und wenn etwas nicht stimmt – “ja dann ist das eben so”. Das würde die Yellows ja sonst auch nicht stören.


PS: Da wir hier ja nicht mit Regenbogen-Methoden arbeiten wollen, haben wir den betreffenden Verlag gebeten, uns seine Version der Geschichte zu schildern. Und die geht so: Ein solches Foto sei “nicht existent”, außerdem habe die Tochter des Verlagsmitarbeiters “an keinerlei Fotoaufnahmen dieser oder ähnlicher Art jemals teilgenommen”.


facebooktwitteremail

Kommt Zeit, kommt Presserat

Kommt Zeit, kommt Presserat

In der Regenbogenpresse ticken die Uhren anders. Anders im Sinne von: überhaupt nicht. Die Zeit steht einfach still.

Irgendjemand hat vor acht Jahren in einem Interview etwas von sich preisgegeben? Zack! Titelgeschichte! “Pikante Enthüllung! Was XY jetzt verraten hat!”

Der Text über das Ehe-Drama von Angela Merkel ist vor neun Monaten schon mal erschienen? Egal! Raus damit!

Und weil Zeit keine Rolle spielt, werden Themen und Artikel innerhalb der Verlage gnadenlos wiederverwurstet. Was heute in der “Freizeit Bla” erscheint, taucht einige Monate später in der “Freizeit Blubb” wieder auf, ein paar Wochen später im nächsten Blatt und so weiter. Manchmal geht das über Jahre so. Mal wird hier und da ein Satz umgeschrieben oder ein Foto ausgetauscht, aber selbst das bisschen Mühe ist den Redaktionen oft schon zu viel.

Der Wahrheitsgehalt der Texte wird auf Dauer natürlich auch nicht größer. Und gerade das kann dazu führen, dass die Regenbogenpresse selbst dann gegen journalistische Grundsätze verstößt, wenn ein Artikel auf den ersten Blick völlig harmlos erscheint.

Der Deutsche Presserat hat sich in der vergangenen Woche mit einem solchen Fall beschäftigt. Es ging um einen Artikel, der im vergangenen September in “Das goldene Blatt” erschienen war, und zwar in der Rubrik “Geschichten mit Herz”. Darin schwärmt eine Frau — nennen wir sie Angelika — von ihrem Leben im Wohnmobil.

Erstmals veröffentlicht wurde der Artikel (in sehr ähnlicher Form) schon vier Jahre zuvor. Eine freie Journalistin hatte Angelika damals interviewt und den Artikel verschiedenen Verlagen angeboten. Inzwischen haben sich Angelikas Lebensumstände aber grundlegend geändert — unter anderem lebt sie schon lange nicht mehr im Wohnmobil (die Überschrift lautet “‘Ich lebe im Wohnmobil’”).

Sie selbst hat die Beschwerde an den Presserat geschickt, weil sie der Meinung ist, der aktuelle Artikel verletze ihre Persönlichkeitsrechte, verbreite unwahre Tatsachen und verletze sie in ihrer Ehre.

Der Verlag verwies in seiner Stellungnahme auf die freie Mitarbeiterin, die daraufhin mitteilte, sie habe das Interview damals autorisieren lassen und Angelika erklärt, dass sie noch nicht wisse, wann, wo und wie oft die geplante Reportage erscheinen würde.

Der Presserat sieht in der Veröffentlichung dennoch einen schwerwiegenden Verstoß gegen den Pressekodex. Auch wenn die Frau damals zugestimmt hatte, musste sie aus Sicht des Beschwerdeausschusses vier Jahre später nicht mehr mit einer Veröffentlichung rechnen. Vielmehr hätte die Redaktion die aktuelle Lebenssituation der Frau prüfen und ihre Einwilligung erneut einholen müssen, befand das Gremium. Die Redaktion des “goldenen Blatts” habe die journalistische Sorgfaltspflicht missachtet und die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen verletzt — darum hat der Presserat die höchstmögliche “Sanktion” verhängt: eine öffentliche Rüge.

Die Redaktion wurde “gebeten”, diese Rüge “zeitnah” abzudrucken. Aber was heißt das schon, dort, wo die Zeit stillsteht?


Mehr zu den anderen Rügen des Presserats gibt’s im BILDblog.


facebooktwitteremail

Die topfvollgold-Leser-Regen-bogenpresse-Leser-Befragung

Die topfvollgold-Leser-Regen-bogenpresse-Leser-Befragung

So schnell kann’s gehen: In knapp drei Wochen werden wir schon ein Jahr alt! Und weil das natürlich angemessen gefeiert werden muss, haben wir uns ein paar nette kleine Aktionen überlegt. Dabei sind wir aber auf Eure Hilfe angewiesen.

Und zwar würden wir zur Abwechslung gerne mal Eure Geschichten aus der Regenbogenwelt hören.

Welche spannenden/witzigen/kuriosen/gruseligen Erfahrungen habt Ihr mit der Regenbogenpresse gemacht? Habt Ihr mal dort gearbeitet? Seid Ihr mal in einem der Hefte vorgekommen? Wart Ihr mal leidenschaftliche Leser oder seid es sogar noch immer? Oder habt Ihr mit der Regenbogenpresse überhaupt gar nichts am Hut und erst durch uns erfahren, dass es sie überhaupt gibt?

Schreibt uns Eure Geschichten auf (aber bitte nicht zuuu ausführlich) und schickt sie uns per Mail — dann können wir für die Geburtstagswoche eine Collage der schönsten Regenbogen-Anekdoten basteln. Schreibt uns einfach bis zum 3. April — bitte mit dem Betreff “Regenbogenwelt” — an kontakt[at]topfvollgold.de.

topfvollgold-Leser-Regenbogenpresse-Leser-Befragung

Eine weitere Idee, für die wir Eure Unterstützung brauchen, ist eine kleine topfvollgold-Leser-Regenbogenpresse-Leser-Befragung.

Seit Beginn unseres Blogs fragen wir uns immer wieder: Wieso funktioniert dieses miese Geschäft eigentlich so gut? Warum werden jährlich Abermillionen von diesen Heften verkauft, obwohl doch vielen Menschen klar sein dürfte, dass die Redaktionen es mit der Wahrheit nicht allzu genau nehmen? Oder anders gefragt: Wer kauft und liest all diese Hefte? Und vor allem: Warum?

Und da kommt Ihr ins Spiel. Helft uns, den Antworten auf diese Fragen ein Stückchen näher zu kommen! Wenn Ihr das nächste Mal bei Eurer Oma seid oder zufällig irgendwo jemanden trefft, der gerade in einem Regenbogenheft blättert — versucht doch mal, folgende Dinge herauszubekommen (aber nur wenn der- oder diejenige Lust hat, versteht sich!):

  • Kauft die Person immer die gleichen Hefte oder entscheidet sie das spontan?
  • Wonach entscheidet sie, welche Hefte sie kauft? Kommt es darauf an, welche Stars auf dem Cover sind? Oder welche Schlagzeilen? Oder sind die Rätsel entscheidend? Oder die Rezepte?
  • Glaubt sie, dass alle Geschichten in den Heften wahr sind?
  • Wenn nein: Warum kauft sie die Hefte dann trotzdem?

Das soll natürlich keine hochwissenschaftliche Untersuchung werden, aber vielleicht gewinnen wir dadurch ja einen kleinen Einblick in die Welt der Regenbogenleser. Wenn Ihr Fragen auslasst oder Euch noch andere einfallen — nur zu!

Schickt Eure Erkenntnisse mit dem Betreff “Befragung” bitte ebenfalls bis zum 3. April an kontakt[at]topfvollgold.de, dann können wir für die Geburtstagswoche einen Blogeintrag daraus basteln. (Ihr könnt uns natürlich auch über die gute alte Post erreichen; die Adresse findet Ihr im Impressum.)

Vielen Dank für Eure Hilfe — wir sind schon gespannt auf die Antworten!


facebooktwitteremail

Eine gute & eine schlechte Nachricht

Eine gute & eine schlechte Nachricht

Die schlechte zuerst: Das Schlagzeilenbasteln fällt heute aus Zeitgründen leider aus.
Aber die gute ist: Dafür haben wir seit gestern unseren Bachelor-Abschluss in der Tasche, juchhe!

Kurz zur Erinnerung: Vor fast einem Jahr haben wir den topfvollgold als Teil unserer gemeinsamen Bachelorarbeit ins Leben gerufen, um der Frage nachzugehen, wie Watchblogs zur Medienkritik beitragen können. Welche Erkenntnisse wir dabei gewonnen haben, werden wir hier irgendwann mal genauer erzählen, dafür reicht die Zeit gerade nicht aus. Was wir aber auf jeden Fall mit Gewissheit sagen können, ist, dass dieses Projekt ohne Sie und ohne Euch niemals funktioniert hätte.

Also: Vielen, vielen Dank, dass Ihr uns von Anfang an so fleißig gelesen und unterstützt habt! Dank Euch werden wir die Zeit unserer Bachelorarbeit als eine tolle Erfahrung in Erinnerung behalten – was sicher nicht jeder Student von sich behaupten kann.

Und auch wenn die wissenschaftliche Arbeit jetzt vorerst beendet ist: Das Blog wird es auch weiterhin geben.


facebooktwitteremail

Anna und die Gruselpuppenbande

Anna und die Gruselpuppenbande

Kennen Sie schon Anna?

Anna

Ist dieses blondgelockte Mädchen nicht einfach süß?

Sollen wir ehrlich sein? Geht so.

Wer könnte diesem strahlenden Blick schon widerstehen?

Kriegen wir eigentlich ganz gut hin.

Die kleine “Anna” hat sich extra für Sie fein gemacht und bringt Ihnen sogar ein kleines Präsent mit!

Das ist lieb von ihr, aber danke.

Durch ihren Vollvinylkörper erscheint “Anna” unglaublich lebensecht und dank ihrer Kniegelenke können Sie sie in viele natürlich Haltungen bringen.

Was zum …

Okay, wir gehören wohl eher nicht zur Zielgruppe von “Anna”. Wir haben uns auch ganz schön gegruselt, als wir sie zum ersten Mal in der Regenbogenpresse entdeckten. Wie wir inzwischen wissen, ist “Anna” bei Weitem nicht die einzige “unglaublich lebensechte” und “frei positionierbare” Babypuppe, die in den Heften beworben wird. Was die Sache nicht weniger sonderbar macht.

Bei Facebook haben wir hin und wieder solche Fundstücke gezeigt, zum Beispiel Chloe …

Chloe

… oder diese drei ulkigen Zeitgenossen:

Zwerge

Unsere neueste Entdeckung: Julia und das Sockenmonster.Julia und das Sockenmonster

Wir haben uns lange gefragt: Wer bitteschön kauft diese Dinger (“zahlbar auch in 4 Monatsraten zu je € 49,95″)? Einsame Omis, die nie von ihren Enkelkindern besucht werden? Puppenliebhaber? Menschen mit ganz anderen Neigungen?

Dank einer kurzen und wirklich sehenswerten Reportage, die wir neulich entdeckt haben, sind wir der Antwort ein Stückchen nähergekommen. Falls Sie sich also auch fragen, wer für Puppen wie “Anna” oder “Julia” zum Teil mehrere Hundert Euro ausgibt — und vor allem: warum –, sollten Sie sich 25 Minuten Zeit nehmen und das hier anschauen:


Via vice.com


PS: Diese Kollegen hier sind dann wohl nochmal ‘ne andere Geschichte.


facebooktwitteremail

Das Geschäft mit der Freizeit (3)

Das Geschäft mit der Freizeit (3)

Die Regenbogenpresse metastasiert rasant vor sich hin, bösartig und unaufhaltsam. Acht Neuerscheinungen haben wir seit Start des Blogs gezählt, sieben davon haben irgendwas mit “Freizeit” im Namen. Hin und wieder verschwindet auch mal ein Titel urplötzlich und taucht nie wieder auf, aber dann bringt der Verlag einfach zwei neue Blätter raus, die statt “Freizeit für dich” oder “Deine beste Freizeit” dann “Freizeit spezial” oder “Freizeit für meinen Tag” heißen. Oder “Freizeit Gold” oder “Freizeit Glück” oder “Freizeit für mich” oder “Freizeit im Blick” oder “Freizeit aktiv” oder “Freizeit für uns in NRW”.

Und die Verlage suchen nach immer neuen Wegen, die Freizeitflut übers Volk schwappen zu lassen. Der SCG Verlag etwa, der die “Freizeit für uns in NRW” herausbringt, scheint (wie wir neulich schon festgestellt haben) den Plan zu verfolgen, die Regenbogenpresse zu regionalisieren. Er hat sich nämlich auch die Rechte an den Titeln

  • Freizeit für NRW
  • Freizeit an Rhein und Ruhr
  • Freizeit für Bayern
  • Freizeit für uns in Bayern
  • Freizeit für Hessen und
  • Freizeit für uns in Hessen

gesichert.

Ein anderer Verlag sucht sich offenbar gerade eine neue Nische. Ein Frankfurter Anwalt hat vor ein paar Monaten Titelschutz für folgende Namen beantragt:

  • Freizeit Küche
  • Freizeit Köche und
  • Meine Freizeit Küche

Die Kombination aus Schocknachricht und Schnitzelrezept hat sich auf den Regenbogen-Covern ja auch bisher ganz gut bewährt. Aber wenn es um die Heft-Titel geht, kennt die Fantasie der Verlage ohnehin keine Grenzen. Also keine bis auf — Sie wissen schon.

In den vergangenen Jahren haben sich Anwälte, Notare und Verlage die Rechte an Dutzenden bescheuerten Freizeitnamen gesichert. Wir haben uns mal im Archiv des “Titelschutz Journals” umgesehen und eine kleine Liste zusammengestellt.

Geschützt wurden seit 2004 unter anderem:

  • Prima Freizeit
  • Freizeit Spiegel
  • Freizeit Direkt
  • Bunte Freizeit
  • FREIZEIT FERNSEHEN
  • FREIZEIT BLICK
  • BESTE FREIZEIT
  • NEUE FREIZEIT
  • PRIMA FREIZEIT
  • Meine beste Freizeit
  • Deine beste Freizeit
  • Unsere beste Freizeit
  • Freizeit für die Frau
  • Freizeit Blick
  • Freizeit im Blick
  • Freizeit Report
  • Freizeit live
  • Freizeit kompakt
  • Freizeit Heimat
  • Freizeit mit Herz
  • Freizeit Stern
  • Freizeit plus
  • Deine Freizeit
  • Freizeit für dich
  • TV & Freizeit
  • Lust auf Freizeit
  • Welt der Freizeit
  • Freizeit Welt
  • Freizeit Zeitung
  • Freizeit Sonne
  • Freizeit Freude
  • Glückliche Freizeit
  • Freizeit Sonntag
  • Freizeitlust
  • Freizeit heute
  • Freizeit Blitz
  • Freizeit Express
  • Freizeit Journal
  • Freizeit für mich
  • Freizeit Arena
  • Meine TV Freizeit
  • Freizeit Fernseh-Magazin
  • 3 x Freizeit
  • GOLDENE FREIZEIT
  • Freizeit Leute & TV
  • Freizeit Plus
  • Freizeit TV
  • Mehr Freizeit
  • Freizeit für uns
  • FREIZEIT & Co.
  • FREIZEIT PLUS
  • FREIZEIT JOURNAL
  • FREIZEIT WELT
  • REIZEIT EXTRA (Da war wohl jemand nicht ganz bei der Sache.)
  • FREIZEIT & Co.
  • Freizeit Krone
  • Freizeit Family
  • FREIZEIT PLUS
  • FREIZEIT JOURNAL
  • FREIZEIT POST
  • FREIZEIT WELT
  • FREIZEIT EXTRA
  • FREIZEIT EXKLUSIV
  • FREIZEIT & Co.
  • Freizeit Pause
  • Freizeit Exklusiv
  • Freizeit heute
  • die aktuelle Freizeit
  • FREIZEIT REVUE spezial meine kleine Freizeit
  • Rätsel für den Freizeitspaß
  • FREIZEIT REVUE beliebte Rätsel
  • Meine kleine Freizeit
  • FREIZEIT REVUE meine kleine Freizeit
  • Freizeit Revue Rätsel König
  • Freizeit Revue Rätsel Revue
  • FREIZEIT REVUE Quizzen & Wissen!
  • FREIZEIT REVUE Spezial Quizzen & Wissen!
  • FREIZEIT REVUE RätselZEIT
  • Freizeit & mehr
  • Freizeit und mehr
  • Freizeit Total
  • Pure Freizeit
  • Freizeit Pur
  • Klasse Freizeit
  • Freizeit Trend
  • FREIZEIT VERGNÜGEN
  • Die grosse Freizeit
  • SCHÖNE FREIZEIT!
  • FREIZEIT ILLU
  • Freizeit im Trend
  • Freizeit Post und
  • Freizeit Trio

Irgendein pfiffiger Verlag kam vor acht Jahren mal auf die pfiffige Idee, der “Freizeit” den Kampf anzusagen und sicherte sich die Rechte für

  • Beste Laune
  • Schöne Laune
  • Super Laune
  • Extra Laune
  • Klasse Laune
  • Prima Laune
  • Freizeit Laune
  • Tolle Laune
  • Glücks Laune
  • Liebe Laune und
  • Laune Spaß

Hat aber offenbar nicht allzu gut geklappt. Von diesen Heften gibt es unseres Wissens keines (mehr).

Ansonsten auch gern mal genommen: Wasauchimmer für die Frau.

  • Das Schönste für die Frau
  • DAS BESTE FÜR DIE FRAU
  • Neues für die Frau
  • Mehr für die Frau
  • Die beste Frau
  • Blatt der Frau

Oder: “Revue”.

  • Revue der Woche
  • Revue exklusiv
  • Schöne Revue
  • revue heute
  • Land Revue
  • Meine Revue
  • Revue aktuell
  • Super Revue
  • Monats Revue

Oder: “Royal”.

  • Revue Royal
  • Woche Royal
  • Welt Royal
  • Revue Royal
  • Stars Royal

… und natürlich:

  • Freizeit Royal

Einige dieser Hefte gibt es tatsächlich, andere hat es nur kurz gegeben, wieder andere nie. Die Verlage reservieren sich die Namen offenbar schon bevor sie genau wissen, ob sie sie überhaupt brauchen werden. In der Regel sichern sie sich gleich mehrere auf einmal, es gibt auch Mengenrabatt. Und nach einer Weile verfällt der Titelschutz, wenn der Name nicht genutzt wird.

So wird es denn auch wohl weitergehen in den nächsten Wochen, den nächsten Jahren. Erst Anfang dieses Monats hat sich der Anwalt, den wir oben schon erwähnt haben (Schock und Schnitzel) auch die Rechte an

  • Freizeit Leben
  • Freizeit Freunde und
  • Freizeit Original

gesichert.

“Freizeit Original”, welch Ironie.


facebooktwitteremail

Der Topf dankt
oder: Verrenkungen der Woche (9)

Der Topf dankt
oder: Verrenkungen der Woche (9)

Liebe Leute, wir sind baff. Seit Freitag erreichen uns unglaublich viele nette Mails, über 100 Menschen haben uns unterstützt – mit aufmunternden Worten, mit guten Ratschlägen und mit Geld.

Insgesamt haben wir knapp 1.700 Euro zusammenbekommen, die zahlreichen flattr-Spenden noch nicht mitgerechnet. Damit können wir die Anwaltskosten locker bezahlen. Und wir können uns sogar ein kleines finanzielles Polster anlegen – fürs nächste Mal. Vielen, vielen Dank dafür. Ihr seid großartig.

Das gilt natürlich auch für alle Blogger, Journalisten, Facebooker und Twitterer, die auf diese Geschichte aufmerksam gemacht haben.

Da wir nun deutlich über den angepeilten 887 Euro sind, bieten wir auch gerne an, Spenden wieder zurückzuzahlen. Ziel der Aktion war es schließlich nicht, damit Geld zu verdienen, sondern die Anwaltskosten zu bezahlen. Schreibt uns dafür bitte einfach eine kurze Mail an kontakt@topfvollgold.de, dann kümmern wir uns darum.

Wir haben aus der Sache viel gelernt, vor allem eines: Wenn eine Abmahnung reinflattert — erst mal Ruhe bewahren. Nichts überstürzen und am besten jemanden fragen, der Ahnung davon hat. Das ist auch der beste Tipp, den wir Euch mitgeben können, für den Fall, dass Ihr selbst mal in eine solche Situation kommen solltet: Cool bleiben, Anwalt fragen. Das kostet zwar meist etwas, in der Regel kommt man damit aber deutlich günstiger weg, als gleich die geforderten Kosten zu zahlen. Nähere Infos dazu findet Ihr zum Beispiel hier, hier oder hier.

Als kleines Dankeschön für die Hilfe haben wir noch eine Runde Verrenkungen zusammengestellt. Viel Spaß damit, schöne Feiertage und nochmals: Tausend Dank für die tolle Unterstützung!


“Echo der Frau”:
Semino Rossi - Was keiner ahnte! - Mutiger Lebensretter

Er spendet Blut für das Rote Kreuz.


“Viel Spaß”:
Hans Sigl - Pikante Enthüllung - Die ganze Wahrheit über die neue Frau an seiner Seite

“Die ganze Wahrheit über die neue Frau an seiner Seite” lautet: Sie ist nur im Fernsehen “die neue Frau an seiner Seite”. Da spielt sie nämlich “eine geheimnisvolle Lady, in die sich Hans Sigl alias Dr. Martin Gruber ["Der Bergdoktor"] unsterblich verliebt”. Das ist aber noch nicht die “Pikante Enthüllung”. Die besteht nämlich darin, dass Dr. Sigl gesagt hat: “‘Alle Menschen sollten flirten, man braucht es wie einen Schluck Wasser und sollte auch nicht damit im Alter aufhören.’” Oh. Oh. Oh.


“Freizeit Momente”:
Prinzessin Victoria - Kann sie ihrer Schwester je verzeihen? - Schockierendes Interview - Wie kann Madeleine nur so herzlos sein!

Die schwangere Madeleine von Schweden hat ein “schockierendes Interview” gegeben. Die “Sätze, die alle fassungslos machten”, lauten: “‘Das ist spannend und wir sind so glücklich, auch wenn es ein bisschen schnell passierte. Aber lieber so, als dass man hingeht und plant und wartet, sich danach sehnt und nichts passiert.’” Nun. Das Blatt fragt: “Wer denkt dabei nicht an [Madeleines Schwester] Victoria, deren Wunsch nach einem Geschwisterchen für Estelle (1) bisher unerfüllt geblieben ist …” Um ehrlich zu sein: wir.


“das neue”:
Helene Fischer - Schock-Beichte: Ihre große Angst - So therapiert sie sich selbst

Höhenangst.

Ihre Therapie: “Konfrontation mit der Furcht als Heilmittel.”


“Echo der Frau”:
Das wünschen ihr alle - Helene Fischer - Es ist so weit! - Ihr Traum wird wahr

Es ist so weit! Schon wieder. Diesmal geht es um Folgendes: Helene Fischer hat immer davon geträumt, eine großartige Sängerin zu werden. Das hat sie erreicht. Und vielleicht startet sie irgendwann ja auch “in Übersee” durch.


“Die neue Frau”:
Helene Fischer - Warum verschweigt sie diesen Mann? Jetzt holt sie ihre Vergangenheit ein

Dieser Mann hat – und jetzt halten Sie sich fest! – schon mal Helene Fischer getroffen. Echt wahr! In einem Musik-Workshop “traf er die süße Helene – ein hübsches junges Ding.” Die Redaktion der “neuen Frau” kann sich die beiden natürlich sofort “prima zusammen bei einem romantischen Duett auf der Bühne vorstellen”. Denn “er singt doch auch so schön: ‘Ich werd’ dir alles geben, wonach dein Herz sich sehnt.’” Und schon stellt sich die Frage: “Was, wenn Helene nun ihre Vergangenheit einholt? Dann muss Flori noch mit einem Konkurrenten mehr leben. Der Arme!”


“Woche Exklusiv”:
Helene Fischer - Unfassbar, wie man sie demütigt - Carmen Geiss - Ihr verzweifelter Kampf gegen das Ehe-Aus - Psycho-Schock! Plötzlich müssen sie ganz stark sein

Helene Fischer und Carmen Geiss haben ungefähr so viel miteinander zu tun wie Daniel Hartwich und Prinz Harry. Warum die “Woche Exklusiv” die beiden trotzdem zusammen aufs Cover gepackt hat, erklärt sie so: “Zwei Leben, eigentlich Lichtjahre voneinander entfernt – und doch mit einer erschreckenden Parallele: Plötzlich wendet sich das Schicksal gegen sie.” Bei Helene Fischer macht die Redaktion diese Psycho-Schock-auslösende Schicksalswendung an drei Ereignissen fest. Erstens hat sie bei der Moderation der “Bambi”-Verleihung am Ende versehentlich gesagt: “Das war der Echo 2013″ – ein “peinlicher Patzer” der “Perfektionistin”. Zweitens waren die TV-Quoten ihres Konzerts nicht so gut wie erwartet. Und drittens droht offenbar “auch in der Liebe Ungemach”: Ihren “Langzeit-Liebsten Florian Silbereisen” hat Helene in irgendeiner Dankesrede “mit keiner Silbe erwähnt.”

Der Psycho-Schock von Carmen Geiss liegt hingegen darin begründet, dass Herr Geiss ständig böse Witze über Frau Geiss macht. “Natürlich soll das immer scherzhaft rüberkommen”, weiß die “Woche Exklusiv”, “doch wenn jede Pointe zugleich eine Demütigung ist, hat das einen ernsten Hintergrund. Da ist von Liebe nicht mehr viel übrig.”


“Echo der Frau”:
Andrea Berg - Zwangs-Diät! - Verzicht aus Liebe

“Die Künstlerin achtet sehr auf ihre Figur”, schließlich will sie sich “ihren Fans stets makellos präsentieren” – was in der Weihnachtszeit natürlich umso schwieriger wird: “Allein 100 Gramm Lebkuchen [haben] durchschnittlich bereits beachtliche 350 Kalorien”.


“Viel Spaß”:
Stefanie Hertel & Stefan Mross - Erstaunliches Geständnis - Mit dieser Überraschung hat niemand gerechnet

Stefan und Stefanie waren mal zusammen. Jetzt ist Stefan mit einer anderen Frau liiert, mit der er seit kurzem auch ein Kind hat. Und jetzt, “Überraschung”: Bei Stefanie ist “von Eifersucht oder Missgunst keine Spur. […] Unglaublich aber wahr – die gebürtige Vogtländerin scheint sich tatsächlich aufrichtig über den Patchwork-Familienzuwachs zu freuen”. Damit hatte die “Viel Spaß” einfach nicht gerechnet.


“Echo der Frau”:
Kronprinzessin Mary - Familien-Geheimnis gelüftet

Streng genommen sind es sogar zwei Familien-Geheimnisse: Erstens wurde Marys Ehemann Prinz Frederik streng erzogen. Und zweitens “verriet Mary, dass sich die Kinderschlafzimmer auf Schloss Amalienborg direkt neben dem Elternschlafzimmer befinden. So können [die Kinder] nachts zu Mama und Papa ins Bett huschen und sich ganz eng an sie kuscheln.”


“Freizeit Momente”:
Maxima & Willem-Alexander - Baby-Geheimnis gelüftet - Es wird ein Junge!

Die “Freizeit Momente” hat einfach einen Blick für so was. “Es ist dieses Lächeln, wissend und geheimnisvoll zugleich. Es sind die kleinen Gesten wie die Blumensträuße, die plötzlich vor dem Bauch getragen werden. Oder die Röcke, die eine ‘Kellerfalte’ ziert an der Stelle, an der sich ein Bäbybäuchlein als Erstes wölbt. All das hat sie verraten, ihr süßes Geheimnis ans Tageslicht gebracht: Ja, Königin Máxima der Niederlande ist wieder schwanger.” Hurra! Und zwar wird sie, wie die “Freizeit Momente” sofort erkannt hat, einem “niedlichen Jungen das Leben schenken.” Einem “Stammhalter”. Einem “kleinen Prinzen”, mit dem Willem-Alexander “Fußball spielen und angeln gehen kann.” Warum sich das Blatt da so sicher ist? Weil es auch dafür “viele Anzeichen” gibt, genau genommen zwei. Erstens ist Máxima “in den letzten Wochen förmlich erblüht, sie ist noch schöner geworden. Und Sie kennen ja sicher die Weisheit, dass ein Junge seiner Mama Schönheit schenkt, während ein Mädchen sie ihr raubt …”. Zweitens “gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Königin unter Schwangerschaftsübelkeit leidet” – und wie jeder weiß, werden “Übelkeit und Gemütsschwankungen” nur von weiblichen Babys verursacht. Beweisführung abgeschlossen.


“Woche der Frau”:
Verona Pooth - Wie peinlich! Beim dreisten Lügen erwischt

Verona Pooth hat in einem “TV-Promi-Magazin” gesagt, dass sie “keine E-Mail-Adresse” und “keinen Account” habe. Und weil Verona Pooth neulich etwas bei Facebook gepostet hat, steht für die “Woche der Frau” fest, dass Verona Pooth “im Fernsehen dreist gelogen hatte”. Ist ja auch klar: Für Facebook braucht man einen Account. Und weil Verona Pooth ja gesagt hatte, dass … ach, egal.


“die aktuelle”:
Verzweifelt! - Fürstin Charlene - Als er ging, weinte sie! - Es passierte in Südafrika

Nelson Mandela ist gestorben.


facebooktwitteremail

Alles Gute will Gold vom Topf

Alles Gute will Gold vom Topf

Wir haben einen Fehler gemacht. Und jetzt müssen wir dafür zahlen. Ganz genau sind es 887,03 Euro (inklusive Mehrwertsteuer), die wir bis zum 27. Dezember auf das Konto einer Hamburger Anwaltskanzlei überweisen müssen.

Als Teil unseres letzten “Schlagzeilenbastelns” hatten wir versehentlich einem Blatt aus dem Alles Gute Verlag eine Schlagzeile zugeschrieben, die tatsächlich in dem Heft “Viel Spaß” aus dem Burda-Verlag erschienen war. Ein Flüchtigkeitsfehler. Ein blöder Fehler.

Und vor allem ein gefundenes Fressen für den Alles Gute Verlag. Denn juristisch gesehen handelt es sich hierbei um eine falsche Tatsachenbehauptung von uns. Und die ist ohne Weiteres anfechtbar.

Der Alles Gute Verlag hatte nun verschiedene Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Die Redaktion hätte uns eine E-Mail schreiben können. Das hat sie schon einmal aus einem anderen Grund gemacht, ganz zu Beginn unserer Blogarbeit. Unsere Mail-Adressen haben die Mitarbeiter also. Sie hätten auf den Fehler hinweisen können, wir hätten die Stelle korrigiert und uns für die falsche Information entschuldigt.

Eine andere Möglichkeit wäre, die Hamburger Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle damit zu beauftragen, uns eine Abmahnung zu schicken. Diese Variante hat der Alles Gute Verlag gewählt.

Und so bekamen wir vergangene Woche ein Schreiben, in dem man uns auffordert, “die Falschmeldung sofort aus dem Internet herauszunehmen und im Übrigen die beigefügte Unterlassungsverpflichtungserklärung [...] abzugeben.” Anderenfalls müssten wir mit gerichtlichen Schritten rechnen.

Wir korrigierten den Fehler und entschuldigten uns. Und wir unterschrieben die mitgelieferte Unterlassungsverpflichtungserklärung. Vermutlich der zweite Fehler, den wir in dieser Sache begangen haben.

Ein paar Tage später lag dann jedenfalls ein weiteres Schreiben in unserem Briefkasten. Darin fordert uns die Kanzlei auf, die für den Alles Gute Verlag entstandene Kosten durch die Einschaltung eben jener Kanzlei zu erstatten. Und das sind die oben erwähnten 887,03 Euro.

Wir müssen zugeben: Die Forderung überraschte uns. Wir dachten in unserem jugendlichen Leichtsinn, dass die Sache mit unserer Unterschrift auf der Unterlassungsverpflichtungserklärung gegessen wäre. Denkste. Ein ziemlich hohes Lehrgeld.

Aber noch zwei weitere Erkenntnisse ziehen wir aus diesem Vorfall:

Erstens bedarf es schon eines blöden Flüchtigkeitsfehlers, an dem sich die Verlage festklammern können, um gegen uns vorzugehen. Wenn der dann passiert, schlagen sie gnadenlos zu.

Keine Frage: Wer, wie wir es tun, ständig andere dafür kritisiert, dass sie fehlerhaft berichten, der muss bei seiner eigenen Berichterstattung höllisch aufpassen, dass alles stimmt. Dennoch: Die Reaktion des Alles Gute Verlags würden wir nicht gerade als verhältnismäßig bezeichnen.

Und zweitens erstaunt es uns, wie sehr der Alles Gute Verlag, dessen Hefte es mit der Wahrheit ja sonst nicht allzu genau nehmen, auf einmal darauf achtet, dass fehlerfrei berichtet wird.


Übrigens: Wenn jemand von Ihnen unterm Weihnachtsbaum zufällig einen Topf voll Gold findet und daraus 887 Euro übrig hat — wir wüssten damit was anzufangen. Uns würden aber auch schon die drei Cent — oder auch jeglicher anderer Betrag — helfen.

Wenn Sie Lust haben, uns zu unterstützen, erreichen Sie uns am besten unter kontakt@topfvollgold.de.


Nachtrag, 21. Dezember 2013, 12:03 Uhr: Seit unser Blogpost gestern Abend online gegangen ist, haben wir unfassbar viel Unterstützung bekommen. Wir sind überwältigt.

Der Stand ist folgender: Bei Paypal stehen wir bei 143,90 Euro (Update, 13:55 Uhr: 281,47 Euro). Wie es auf dem Konto aussieht, können wir derzeit nicht sagen – die Volksbank hat das Konto noch nicht aktualisiert. Wir haben aber sehr viele großzügige Angebote und zwei sehr großzügige Angebote bekommen.

Ohne eine genaue Summe zu kennen, sind wir uns sicher, dass die 887,03 Euro erreicht sind. Vermutlich liegen wir sogar drüber. Aber wie gesagt: Eine konkrete Summe kennen wir noch nicht.

Wir wollen hiermit aber den Aufruf zur Unterstützung stoppen! Wer uns generell bei unserer Arbeit unterstützen möchte, kann dies natürlich gerne weiter tun. Aber für die Zahlung der Anwaltskosten ist es inzwischen nicht mehr nötig.

Wir werden — wenn wir sie kennen — eine genaue Summe hier veröffentlichen. Wenn wir tatsächlich über den 887,03 Euro liegen sollten, bieten wir gerne an, Gelder zurück zu überweisen. Durch eines der sehr großzügigen Angebote können wir nämlich sicher davon ausgehen, dass wir die Summe am Ende voll bekommen. Mehr dazu wahrscheinlich nach dem Wochenende.

1000 Dank an alle, die gemailt, überwiesen und was nicht sonst noch alles gemacht haben!


facebooktwitteremail

Freizeit in 16 Bundesländern

Freizeit in 16 Bundesländern

Vor drei Monaten, als wir auf die Regenbogen-Neuerscheinung “Freizeit für uns in NRW” gestoßen sind, haben wir noch den blöden Scherz gemacht:

Vielleicht verbirgt sich dahinter ja eine neue Masche des SCG-Verlags — regionalisierte Regenbogenpresse. Hoffen wir mal, dass dieser Versuch gründlich in die Hose geht. Auf die “Freizeit Express in Baden-Württemberg” und die “Freizeit mit Herz in Sachsen” können wir nämlich gerade noch verzichten.

Tja …

SCG_Titel_klein
(Klicken für größere Darstellung)

Diese Leute sind sich einfach für nichts zu blöd.


facebooktwitteremail

“Die Regenbogenpresse
schränkt meine Freiheit ein”

“Die Regenbogenpresse
schränkt meine Freiheit ein”

Viele Prominente wehren sich nicht dagegen, dass die Regenbogenpresse Woche für Woche in ihr Privatleben eindringt. Dass sie ihnen wahllos irgendwelche Skandale, Krankheiten, Seitensprünge, Babys, Hochzeiten und Scheidungen andichtet, sie beleidigt und verleumdet, ihre Aussagen verdreht und aus dem Zusammenhang reißt und auch sonst permanent den größten Quatsch über sie verbreitet.

Vermutlich haben einige von ihnen einfach keine Lust oder keine Zeit, sich andauernd mit diesen Mistblättern zu befassen. Einige wollen sicherlich auch nicht das finanzielle Risiko ständiger Gerichtsprozesse eingehen. Und anderen ist es wohl schlichtweg egal, was in den Heften über sie zu lesen ist.

Günther Jauch gehört nicht zu diesen Prominenten. Im Gegenteil: Er ist einer der Wenigen, die sich konsequent gegen die Regenbogenpresse wehren – mit bewundernswerter Hartnäckigkeit.

Wir wollten von ihm wissen, warum er das tut. Und wie er dabei vorgeht. Und welchen Einfluss die Regenbogenpresse auf sein Leben hat. Er hat sich sofort bereiterklärt, uns seine Sicht der Dinge zu schildern. Also sind wir zu ihm gefahren und haben ein sehr nettes und aufschlussreiches Interview mit ihm geführt.

Herr Jauch, warum gehen Sie so konsequent gegen die Regenbogenpresse vor?

Aus zwei Gründen. Erstens hat jeder Mensch eine Privatsphäre und ein Recht darauf, dass die geachtet wird. Das möchte ich, im Rahmen des juristisch Möglichen, auch für meine Familie und für mich in Anspruch nehmen. Und zweitens ärgert es mich, dass dort ununterbrochen Menschen getäuscht werden. Denen wird in der Schlagzeile etwas versprochen, das, wenn man es dann im Inneren nachliest, überhaupt nicht gehalten wird. Zu dem Zeitpunkt hat die Oma dann aber schon 1,50 Euro oder noch mehr ausgegeben. Ich werde also benutzt, um Leute reinzulegen und gleichzeitig das Vermögen von denjenigen, die diesen Dreck produzieren, noch zu vermehren – und da habe ich mir irgendwann mal gesagt: Ne! Dazu trägst du nicht auch noch bei, indem du dich nicht wehrst.

Und obwohl es jedes Mal mit enormem Zeit- und Geldaufwand verbunden ist, geht das Ehepaar Jauch gegen jede Kleinigkeit vor – in den meisten Fällen auch mit Erfolg:Gegendarstellung von Thea Sihler-JauchGegendarstellung - Auf der Titelseite von "WOCHE der FRAU" vom 29. Februar 2013 schreiben Sie über mich: "GÜNTHER JAUCH - Sterbedrama um seinen besten Freund - Hätte er ihn damals retten können?" - Hierzu stelle ich fest: Ich hatte keine Möglichkeit, meinen Freund zu retten, da er aufgrund einer Erkrankung verstorben ist, auf die ich keinerlei Einfluss hatte. - Potsdam, den 09. März 2012 - Günther Jauch - Herr Hauch hat Recht. Die Redaktion.

Wir haben mit Günther Jauch noch über viele andere Aspekte zur Regenbogenpresse gesprochen, und er hat uns spannende und sehr deutliche Antworten gegeben. Allerdings haben wir uns – nach Bitte von ihm und seinem Anwalt – letztlich dazu entschieden, nur einen kleinen Teil davon zu veröffentlichen.

Wir möchten kurz erklären, warum.

Es ist nämlich so, dass ein Mensch, der die Öffentlichkeit an seinem Befinden und seinem Privatleben teilhaben lässt, nicht den gleichen Rechtsschutz genießt wie derjenige, der die Tür von Anfang an zugelassen hat. Juristen nennen das “Selbstbegebung”. Das heißt: Wer sich öffentlich über private Details äußert, gibt in gewisser Weise den Schutz seiner Privatsphäre auf. Das gilt im Übrigen nicht nur für Prominente, sondern auch für gänzlich unberühmte Menschen, die private Dinge ins Netz stellen.

Im Extremfall kann das sogar dazu führen, dass jemand, der sein Leben permanent vor der Öffentlichkeit ausbreitet, auch die Veröffentlichung von privaten Dingen dulden muss, die er gar nicht zur Veröffentlichung freigegeben hat.

Günther Jauch, der sein Privatleben bislang weitestgehend von der Öffentlichkeit abgeschirmt hat, muss also immer aufpassen, dass er in Interviews nicht zu viel von sich selbst preisgibt. Er sagte uns:

In dem Moment, in dem ich mich zu etwas Privatem äußere, fällt mein juristischer Schutz in sich zusammen. Dann heißt es: Der hat ja selber sein Privates nach außen getragen.

Und genau das könnte nach Ansicht seines Anwalts im schlimmsten Fall auch für unser Interview gelten: Dass es den juristischen Schutz von Günther Jauch gefährdet, weil er sich darin über private Dinge äußert. Diesen Punkt können wir nachvollziehen und haben uns deswegen entschieden, nur einzelne Passagen des Gesprächs zu veröffentlichen.

Neben diesem rechtlichen Aspekt gibt es aber noch einen anderen Grund, warum Günther Jauch jedes einzelne Wort, das er von sich gibt, vorher gut überdenken muss: Denn nach jedem TV-Auftritt und jedem Interview muss er damit rechnen, dass die Regenbogenpresse irgendeinen Skandal daraus bastelt. Er sagt:

Ich kann mich also nicht so frei und authentisch äußern, wie ich es manchmal gerne würde. Das könnten ja die verschiedensten Aspekte sein, die in meinem Leben wichtig sind – und dazu würde ich sicherlich viel mehr sagen, wenn ich nicht immer Gefahr liefe, dass da wieder alles verdreht wird. Das heißt, ich muss bei allen Artikeln, bei allen Äußerungen von mir immer genau schauen: Was kann daraus gemacht werden? Das beeinträchtigt mein Leben. Diese Leute schränken meine Freiheit ein. Es kostet Lebenszeit, es kostet Geld, und ich kann nicht so frei auftreten, wie ich es sonst sicherlich machen würde.

Und das vielleicht Traurigste an der Sache ist, dass sich Günther Jauch nicht einmal richtig darüber äußern kann, dass er sich nicht äußern kann.


facebooktwitteremail

Ich fordere Sie zum Duell

Ich fordere Sie zum Duell

Wir haben neulich eine Überraschung erlebt: Eine Redakteurin von “die aktuelle” hat uns zum “Schlagabtausch” herausgefordert.

Der Fehdehandschuh kam per Facebook:Facebook-Unterhaltung mit einem Redaktionsmitglied von die aktuelle - Lust, morgen mit mir einen kleinen Schlagabtausch via Chat zu liefern? Grundsätzlich gerne. Aber was genau meinen Sie mit Schlagabtausch? Melde mich später. Wir haben heute Schluss-Tag. Wollte mit Ihnen über topfvollgold reden. Alles klar. Ich bin nicht permanent online bei Facebook. Aber immer mal wieder. Das sollte also hinhauen. Melden Sie sich einfach, wenn es bei Ihnen passt.

Hui, dachten wir, das könnte spannend werden. Tja, könnte.Facebook-Unterhaltung mit einem Redaktionsmitglied von die aktuelle - Sorry, ich habe es mir doch anders überlegt. Bei Ihnen muss ich damit rechnen, dass Sie unser Chat-Geschreibsel möglicherweise in topfvollgold veröffentlichen. Habe glücklicherweise vorher noch mal nachgedacht.Seitdem kam nichts mehr.

Ein bisschen wie Homer Simpson. Mit dem Fehdehandschuh drohen …Homer droht Moe mit seinem Fehdehandschih

… aber einen Rückzieher machen, sobald jemand die Herausforderung annimmt:Texaner nimmt Homers Duell-Aufforderung anAlso, liebe Mitarbeiter von “die aktuelle” oder von welchem Heft auch immer: Fordert uns doch erst dann zum Duell, wenn Ihr Euch auch wirklich sicher seid. Wir wären jedenfalls dabei.

Aber Ihr müsst das auch gar nicht so verbissen sehen. Wir finden nicht gut, was Ihr macht; Ihr findet nicht gut, was wir machen. Ist doch okay so. Wir würden nur gerne verstehen, warum Ihr das macht. Und wie Ihr es dann schafft, Euch nicht vor Eurem eigenen Spiegelbild zu ekeln.

Darum freuen wir uns immer, wenn uns jemand von der anderen Seite des Regenbogens seine Sichtweise schildert. Das muss ja auch nicht gleich ein Schlagabtausch sein. Eine friedliche Unterhaltung würde uns schon reichen.


facebooktwitteremail

Das Geschäft mit der Freizeit (2)

Das Geschäft mit der Freizeit (2)

Seit dieser Woche gibt es zwei neue Regenbogenhefte auf dem Markt – womit wir jetzt schon bei acht Neuerscheinungen in vier Monaten wären (das sind zumindest die, die wir mitbekommen haben).

Nach “Freizeit Spezial”, “Freizeit für meinen Tag”, “Freizeit im Blick”, “Freizeit für uns in NRW”, “Freizeit Gold” und “Freizeit Glück” kommen jetzt:"Freizeit aktiv", Nr. 10/2013… aus dem Hause Bauer – sowie vom Revue Verlag die zweimonatlich (!) erscheinende …"Welt der Woche"(Natürlich nicht zu verwechseln mit “Revue der Woche”, “Woche der Frau”, “Woche heute”, “Freizeit Woche”, “Neue Woche”, “Schöne Woche”, “Gute Woche” oder “Prima Woche”!)


facebooktwitteremail

Wie wir mal aus Versehen für “Wetten, dass..?” gearbeitet haben
2

Wie wir mal aus Versehen für “Wetten, dass..?” gearbeitet haben

Gestern Abend war Helene Fischer zu Gast bei “Wetten, dass..?” Und zu unserer Verblüffung sprach Markus Lanz sofort ein ganz bestimmtes Thema an: die Regenbogenpresse.

Man muss dazu sagen: Es gibt weit und breit keinen einzigen Promi, der auch nur annähernd so oft in diesen Lügenheftchen vorkommt wie Helene Fischer. Umso bedauerlicher ist es, dass sie sich nur selten über diese Form des, nun ja, “Journalismus” äußert. Auf der Couch bei Lanz aber tat sie das jetzt — zumindest ein bisschen.

Für uns natürlich eine spannende Sache. Auch deshalb, weil die Leute von “Wetten, dass..?” ganz offenbar heimliche topfvollgold-Leser sind. Aber fangen wir vorne an.

Auftritt Helene Fischer. Sie nimmt auf der Gäste-Couch platz und ist ganz entzückt darüber, dass sie neben Harrison Ford sitzen darf. Als sie ihm das Knie tätschelt, warnt Markus Lanz:

Ihr müsst wirklich vorsichtig sein, sonst geht’s hier gleich wieder los, die Kollegen von der Regenbogenpresse schreiben immer mit.

Helene Fischer: Ja …

Markus Lanz: Und wir haben festgestellt bei der Recherche rund um Helene Fischer: Es gibt wenig Menschen, die so oft diesbezüglich in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wir wissen auch ganz genau, wo sie das recherchiert haben.

Markus Lanz [wendet sich an Helene Fischer]: Und was ich nicht wusste, hab’ ich neulich gelesen an der Supermarktkasse: Wir beiden haben was zusammen. Warum sagt mir das keiner?

Helene Fischer: Das wusste ich auch nicht! Verrückt!

Markus Lanz: Ja, das ist die Schlagzeile dazu, schau mal:

Screenshot: ZDF MediathekMoment mal. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor. Ach so, deshalb:

H. Fischer & M. Lanz - Gemeinsame Zukunftspläne? Sagen beide Ja?

Da hat die “Wetten, dass..?”-Redaktion einfach mal frech unseren Ausriss geklaut. Von wegen Supermarktkasse!

Aber gut, hören wir erst mal, was H. Fischer & M. Lanz dazu sagen – hat man ja auch nicht alle Tage, dass die Protagonisten eines Regenbogen-Märchens live und vor Millionen Zuschauern eine von uns entdeckte Schlagzeile kommentieren.

Markus Lanz: Die gab’s so wirklich, ne?

Helene Fischer: Ja … Aber du bist ja nicht drauf eingegangen. Ich hab dich schon gefragt, aber…

Markus Lanz: Ja, mir hat das keiner gesagt … Du hättest mir das schicken müsssen: Ja, Nein, Vielleicht – hätt’ ich angekreuzt.

Helene Fischer Ja …

Merkus Lanz: Irgendwie sowas, irgendwas Nettes.

Ähm, ja. Das war’s dann leider auch schon. Aber Lanz hat noch einen zweiten Ausriss parat.

Wir haben andere, schau mal, noch mehr so wahnsinnige Schlagzeilen von dir gefunden. Pass auf:

Screenshot: ZDF MediathekNa, liebe Leute vom ZDF, wo habt Ihr das denn gefunden?

Helene Fischer: Oh …

Markus Lanz: Was sind deine sieben kleinen Geheimnisse, Helene?

Helene Fischer: Ja, das würde ich auch gerne wissen. [Pause] Ach so, die Auflösung kommt jetzt nicht? Ach so.

Markus Lanz: Ne …

Mensch, ZDF! Da holt Ihr Helene Fischer in die Show, zeigt ihr die Schlagzeilen aus der Regenbogenpresse, aber dann verratet Ihr nicht, was sich tatsächlich dahinter verbirgt? Aber das ist doch gerade der Witz an der Sache!

Nun, wenn das ZDF keinen Bock auf die Pointe hat, dann lüften wir jetzt eben die “kleinen Geheimnisse” von Helene Fischer, die da lauten:

1. Sie mag Rinderfilet.
2. Sie nimmt sich kleine Auszeiten.
3. Sie trinkt gerne mal eine heiße Tasse Tee.
4. Auf Reisen hat sie immer eine Jogginghose dabei.
5. Die 60er-Jahre findet sie klasse.
6. Sie engagieret sich für Eisbären.
7. New York ist für sie immer eine Reise wert.

Wäre das geklärt.

Also zurück zu Lanz. Dort wird Helene Fischer jetzt ein bisschen grundsätzlicher:

Helene Fischer: Du, da steht ja ständig, eigentlich, immer was Neues in der Presse. Und ich wundere mich auch immer wieder, was so alles mit mir passiert. Natürlich darf man das — und das sage ich auch immer wieder sehr, sehr gerne — bitte nicht alles glauben! Weil das ist eigentlich zu, naja, du weißt es selbst, zu neunundneunzig Prozent …

erstunken und erlogen, wollte sie wohl sagen. Aber da hatte Lanz (jetzt voll im Lanz-Modus) schon die nächste Frage gestellt:

Was ist denn die abenteuerlichste Geschichte, die du je über dich gelesen hast?

Helen Fischer: Oh Gott. Da gibt’s ja jede Woche abenteuerliche Geschichten. Aber zum Beispiel fand’ ich sehr lustig, gerade in Bezug auf mein neues Album: “Das Baby ist da!” [Pause] Wusste ich ja auch nicht, aber es ging natürlich um das neue Baby “Farbenspiel”, mein neues Album.

Markus Lanz: Nein!

Helen Fischer: Doch!

Markus Lanz: Dann macht man daraus “Das Baby ist da!”?

Helene Fischer: Richtig. Weil ich auf Facebook gepostet habe: Mein neues Baby “Farbenspiel” ist da, mein Album, ich freu’ mich total, und und und. Naja, und dann ist dann halt sowas raus geworden.

Aufmerksame topfvollgold-Leser wussten natürlich gleich, um welche Geschichte es sich dabei handelt.

Tja, und damit endet der kleine “Wetten, dass..?”-Talk über die Regenbogenpresse auch schon. Ach ne, Lanz noch mal:

Ich hatte auch mal ‘ne schöne Geschichte. Ich hab’ irgendwo mal erzählt, bei irgendner Tour irgendwo im Eis hatte ich so leichtes Herzstolpern, und dann kam die Schlagzeile: Markus Lanz – Das Herz, Ausrufezeichen.

Helene Fischer: Todkrank, oder?

Markus Lanz: Todesangst, Ausrufezeichen. Und dann darunter die schöne Frage: Endet er wie Roy Black?

Na, wenn Ihnen das schon gefallen hat, Herr Lanz, dann schauen Sie sich doch mal ein bisschen bei uns im Blog um, da werden Sie noch auf so manche schöne Schlagzeile stoßen. Die dürfen Sie dann auch gerne in der nächsten Show zeigen. Wir finden es nämlich, und das ist jetzt ganz ernst gemeint, wirklich super, dass Sie das Thema in der Show angesprochen haben. Kritik an der Regenbogenpresse — und das am Samstagabend zur Primetime im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Vor einem halben Jahr hätten wir nie geglaubt, dass dieses Thema jemals eine solche Aufmerksamkeit bekommen würde.

Aber noch schöner, liebe “Wetten, dass..?”-Redaktion, wäre es, wenn Ihr beim nächsten Mal Eure Quellen nennt. Oder wenn Ihr einfach kurz fragt, bevor Ihr Euch an unserer Arbeit bedient.


Nachtrag, 8. Oktober, 17:39 Uhr:
Wir haben gerade eine Mail aus der Chefredaktion der “Woche Heute” (Pabel Moewig Verlag/Bauer Media) bekommen, die wir hier gerne vollständig zitieren …

Wie peinlich und Guttenberg-dreist ist das denn? Als Quelle genannt werden zu wollen für eine Schlagzeile, deren Urheber Ihr bekämpft…

Glaubt Ihr im Ernst, Promis hätten keine Ausschnittdienste und wären darauf angewiesen, bei Euch herumzustöbern?
Und jetzt fragt Euch mal: Wer hat Wetten dass..? nun eigentlich das lustige Gesprächsthema geliefert?

Wäre schön, wenn die Lässigkeit, mit der Lanz & Fischer das Ganze behandelten, Euch dazu bewegen könnte, einmal Eure humorlose Überheblichkeit etwas zu hinterfragen.

VOLKER KITHIL
Chefredakteur

WOCHE HEUTE
PABEL-MOEWIG VERLAG GMBH


Nachtrag, 8. Oktober, 21:30 Uhr:
Auch das ZDF hat uns geantwortet. Wir hatten uns dafür bedankt, dass die Regenbogenpresse bei “Wetten, dass..?” thematisiert wurde und gleich mal nachgefragt, warum die Redaktion unsere Ausrisse und unsere Recherchen benutzt hat, ohne eine Quelle anzugeben oder uns wenigstens kurz Bescheid zu sagen. Wir haben auch geschrieben, dass wir sie beim nächsten Mal gerne mit besonders schönen Ausrissen versorgen, solange sie sich vorher bei uns meldet. Die Antwort kam wenige Minuten später:

Lieber Herr Schönauer, lieber Herr Tschermak,

vielen Dank für Ihre Mail.

Tatsächlich haben wir uns am Samstag für unsere Sendung an Bildmaterial bedient, das wir auf Ihrer Seite gefunden haben. Wie in solchen Fällen üblich, ist von ZDF-Seite aus eine offizielle Rechteanfrage an die Lizenzgeber der Bilder und der Schlagzeilen erfolgt, in diesem Falle “Freizeit Live” und “Freizeit & Rätsel”. Wie Sie richtig schreiben, liegt die Lizenz daran nicht bei Ihnen, sondern bei den Zeitschriften. Da der angefragte Inhalt nicht originär auf Ihrer Seite liegt, hat Sie auf diesem offiziellen Weg deshalb auch keine Anfrage erreicht.

Das heißt aber nicht, dass wir Ihre Arbeit nicht schätzen. Im Gegenteil, Ihr Blog ist sehr gelungen und man merkt ihm die Arbeit und Liebe an, die darin steckt.

Danke deshalb für Ihr Angebot, vielleicht bekommen Sie ja bereits für die nächste Sendung einen Anruf von uns. Dann muss Ihre Arbeit nicht mehr “aus Versehen” erfolgen.

Liebe Grüße

Paul Wolff


facebooktwitteremail

Rügenregen unterm Regenbogen

Rügenregen unterm Regenbogen

Im Mai haben wir 21 Beschwerden an den Deutschen Presserat geschickt. Sie betrafen allesamt die Regenbogenpresse.

Der Beschwerdeausschuss, der viermal im Jahr tagt, hat sich am 10. September mit unseren Beschwerden befasst. Das Ergebnis: Fünf Regenbogen-Artikel wurden öffentlich gerügt, fünf weitere missbilligt, fünf bekamen einen Hinweis.

Eine Rüge ist das stärkste “Sanktionsmittel” des Presserats. Sie muss vom betroffenen Medium veröffentlicht werden — eigentlich. Tut es dies nicht, hat das aber keine Folgen für die Redaktion oder den Verlag.

Dennoch ist diese Entscheidung des Presserats ein wichtiges Signal. In den vergangenen 27 Jahren (so weit reicht das Rügen-Onlinearchiv des Deutschen Presserats zurück) gab es gerade einmal 21 Rügen für die Regenbogenpresse — wobei allein sieben davon aus dem Jahr 2010 stammen, als eine ganze Reihe Regenbogenhefte wegen mangelnder Trennung von redaktionellem Teil und Werbung Rügen kassierte.

Rügen_1986-2013

Nun sind also fünf neue Rügen dazugekommen. Und für die mussten wir die Regenbogenpresse gerade einmal einen Monat nach Verstößen durchsuchen: Am 11. April dieses Jahres ging der topfvollgold online, am 10. Mai haben wir die Beschwerden an den Deutschen Presserat geschickt.

Das heißt im Umkehrschluss: Wenn man sich mit diesen Heften mal für eine Weile systematisch auseinandersetzt, findet man unweigerlich eine Fülle von Artikeln, die mit dem Pressekodex nicht vereinbar sind. Wir sind uns recht sicher, dass deutlich mehr als fünf Rügen herauskommen werden, wenn wir den nächsten Schwung Beschwerden an den Presserat schicken — dieses Mal für einen deutlich längeren Zeitraum als einen Monat.

Wir verstehen die aktuelle Entscheidung des Presserats also auch als eine offizielle Bestätigung dessen, was wir mit diesem Blog seit April zu zeigen versuchen: Dass die Regenbogenredaktionen Woche für Woche die Kioske des Landes mit Schund fluten, der nichts mit Journalismus zu tun hat.

Im Folgenden fassen wir die gerügten Artikel kurz zusammen. Mit einem Klick auf die dazugehörigen Ausrisse gelangen Sie zu den ausführlichen Blogeinträgen.

Eine Rüge ging an die “Frau aktuell”. Das Blatt hatte auf der Titelseite angekündigt:

Stefan Mross - Pikante Enthüllung! Wehe, wenn er zur Flasche greift

Innen lautete die Überschrift: “Alkohol-Schock! Stefan Mross — Wer kann ihm jetzt noch helfen?” Im Text ging es dann aber lediglich um Folgendes: Wenn man bei Google “Stefan Mross” eingibt, erscheint als Suchvorschlag manchmal “Stefan Mross Alkohol”. Das war alles. Der Presserat erkannte daher eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht (Ziffer 2) und des Persönlichkeitsschutzes (Ziffer 8).

Ebenfalls gegen die Sorgfaltspflicht verstieß nach Ansicht des Presserats die “Freizeit Express”, weil sie getitelt hatte:

Kate & William - Sensationelle Baby-Fotos! Es nuckelt schon am Daumen...

In Wirklichkeit handelte es sich dabei jedoch um Symbolfotos. Als solche hätten sie nach Ansicht des Presserats auch gekennzeichnet werden müssen.

Unter der Überschrift “Angela Merkel — Verheimlichte Scheidungstragödie” versprach die “Meine Freizeit” auf der Titelseite “Alles über die unbekannte Vergangenheit der Kanzlerin”:

Angela Merkel - Verheimlichte Scheidungs-Tragödie - Alles über die unbekannte Vergangenheit der Kanzlerin

Im Innenteil wurden dann aber lediglich ein paar banale und seit Jahren bekannte Fakten aus dem Leben Angela Merkels mitgeteilt. Die Schlagzeilen beurteilte der Presserat daher als grobe Irreführung der Leser.

Um eine andere angebliche Scheidungstragödie ging es in der Zeitschrift “Das neue Blatt”. Auf dem Cover hieß es über das “Bauer sucht Frau”-Pärchen Josef und Narumol:

Dabei war es doch die ganz große Liebe - Josef & Narumol - Scheidungs-Schock!

Erst im Artikel wurde klar, dass sich nicht Bauer Josef, sondern ein anderer Bauer aus der RTL-Sendung hatte scheiden lassen. Auch hier stellte der Presserat Verstöße gegen die Ziffern 1 und 2 des Pressekodex fest. Die Schlagzeilen seien grob irreführend.

Die “Promi Welt”, die neuerdings (warum auch immer) “Woche exklusiv” heißt, kassierte schließlich eine Rüge für einen Artikel über Steffi Graf. Die hatte zum Jahrenbeginn die Leser ihres Blogs um Rat gefragt, wie man “das Leben allgemein einen Gang herunterschalten könnte”. Die “Promi Welt” sprach daraufhin gleich von einem “verzweifelten Hilferuf” und bescheinigte Steffi Graf einen “Absturz in die Lebenskrise”:

Steffi Graf - Ihr Absturz in dei Lebenskrise

Das Blatt nahm den Blogeintrag sogar zum Anlass, über eine mögliche Krebserkrankung von Steffi Grafs Mutter zu spekulieren. Der Presserat bewertete den Artikel als “eine unwahrhaftige Berichterstattung, bei der jegliche Sorgfaltspflichtaspekte außer Acht gelassen wurden.”

Dass die Regenbogenredaktionen nun endlich eine Quittung für diesen Mist bekommen, finden wir gut. Ein wenig überrascht haben uns die einzelnen Entscheidungen aber doch. Denn einige der Artikel, die wir besonders verwerflich fanden, hat der Presserat seltsamerweise nicht mit Rügen bedacht. Unserer Meinung nach wäre zum Beispiel die — nachweislich falsche — Behauptung, Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit hätte in Indien zwei Kinder entführt, viel eher ein Rügen-Kandidat gewesen als etwa die suggerierte Scheidung von Josef und Narumol.

Insgesamt behandelte der Presserat 125 Beschwerden. Zehn Veröffentlichungen wurden gerügt.


Nachtrag, 16. September, 15:12 Uhr:

Infos zu den fünf weiteren Rügen gibt’s beim BILDblog.


facebooktwitteremail

Über wen wird berichtet?

Über wen wird berichtet?

Helene Fischer ist überall. Nehmen Sie willkürlich irgendein Regenbogenheft aus dem Regal und Sie werden sie finden. Sehr wahrscheinlich müssen Sie das Heft dafür nicht mal aufschlagen.

Um herauszubekommen, über wen die Regenbogenpresse sonst noch gerne berichtet, haben wir uns 125 Titelseiten der vergangenen vier Monate angeschaut und die Namen, die darauf vorkommen, gesammelt.

Je häufiger ein Name vorkam, desto größer ist er in dieser Grafik:Personen auf den Titelseiten August 2013


facebooktwitteremail

Das Geschäft mit der Freizeit

Das Geschäft mit der Freizeit

Bei der Namensgebung ihrer Hefte sind die Regenbogenverlage nicht allzu wählerisch. Eigentlich gibt es nur eine Regel: Es muss “Freizeit” drin vorkommen. Der Rest ist egal.

Machen wir doch mal ein kleines Quiz. Wir nennen Ihnen ein paar Zeitschriftentitel – und Sie raten, welcher davon echt ist und welchen wir uns nur ausgedacht haben.

Los geht’s:

Freizeit Exklusiv
Freizeit Idee
Freizeit Aktuell
Schöne Freizeit
Freizeit Blitz
Freizeit & Stars
Deine beste Freizeit
Freizeit Direkt
Meine Freizeit
Freizeit für mich
Freizeit für uns
Freizeit Spass
Super Freizeit
Freizeit Revue
Freizeit für meinen Tag
Freizeit Erleben
Neue Freizeit
Freizeit Welt
Freizeit Genießen
Leute und Freizeit
Freizeit Woche
Freizeit Express
Hallo Freizeit
Freizeit für die Frau
Frau und Freizeit
Freizeit Live
Freizeit Heute
Freizeit Illu
Freizeit Monat
Freizeit mit Herz
Freizeit Momente
Freizeit Pur
Glückliche Freizeit
Freizeit Total
Freizeit Vergnügen
Freizeit Spezial

Für die Auflösung

Ha! Fangfrage. Wir haben uns keinen davon ausgedacht — diese Titel gibt es wirklich.

Und der “Freizeit”-Wahn nimmt kein Ende. Permanent werfen die Verlage neue Titel auf den Markt, mit immer idiotischeren Namen. Gekauft werden sie trotzdem. Oder deswegen.

Stefan Niggemeier hat das vor ein paar Monaten in einem “Spiegel”-Artikel sehr schön beschrieben. Es ging um die Neuerscheinungen im Zeitschriftenregal.

Nicht alles, was wächst, ist gutartig. Ausgerechnet dort, wo die Einfalt im Kiosk am größten ist und sich Titel von beeindruckender Verwechselbarkeit drängen, wuchern die meisten Neugründungen. So scheinen irgendwelche Menschen alles zu kaufen, was irgendetwas mit “Freizeit” heißt.

Einige Hefte wurden zwischendurch auch mal umgetauft, wobei uns noch nicht ganz klar ist, was an “Neue Freizeit” besser sein soll als an “Freizeit Krone”. Und die “Freizeit direkt” wird heute auch nicht häufiger gekauft als zu den Zeiten, in denen sie noch “Freizeit Blick” hieß.

Nicht zu vergessen auch die zahlreichen Hefte, die nach kurzer Verweildauer im Regal wieder schnurstracks in der Zeitschriftenhölle verschwunden sind. Die “Freizeit Parade” zum Beispiel oder “Freizeit für dich”.

Vor wenigen Tagen sind wieder ein paar neue Titel an den Start gegangen. Der Bauer-Verlag brachte diesen heraus:"Freizeit Glück", Nr. 8/2013

Und Livingston diesen:"Freizeit Gold", Nr. 8/2013

Auch der SCG-Verlag hat mal wieder gestreut. Nach den erst kürzlich herausgebrachten Neuerscheinungen (“Freizeit Spezial” und “Freizeit für meinen Tag”) folgen jetzt die Nächsten:"Freizeit im Blick", Nr. 4/2013

Und außerdem:"Freizeit für uns in NRW", Nr. 4/2013

Ja, tatsächlich: Ein Regenbogenheft mit regionalem Bezug! Die Promis haben mehr (Mariele Millowitsch) oder weniger (Heino) mit NRW zu tun, und auch im Reise-Teil (Radwandern am Niederrhein) und bei den Rezepten (Sauerbraten und Schnippelbohnensuppe) geht es landestypisch zur Sache.

Vielleicht verbirgt sich dahinter ja eine neue Masche des SCG-Verlags — regionalisierte Regenbogenpresse. Hoffen wir mal, dass dieser Versuch gründlich in die Hose geht. Auf die “Freizeit Express in Baden-Württemberg” und die “Freizeit mit Herz in Sachsen” können wir nämlich gerade noch verzichten.


facebooktwitteremail

Auflage der Regenbogenpresse

Auflage der Regenbogenpresse

Man muss sich das mal vorstellen: Es gab eine Zeit — um genau zu sein das zweite Quartal im Jahr 2000 –, da hatten drei Regenbogenhefte eine höhere verkaufte Auflage als “Der Spiegel”. Die “Neue Post”, die “Freizeit Revue” und “Das Neue Blatt” wurden allesamt häufiger gekauft als Deutschlands größtes Nachrichtenmagazin.

Inzwischen haben diese drei Regenbogentitel an Auflage verloren, teilweise mit dramatischen Abstürzen. Nur die “Freizeit Revue” kann noch mit der Auflage des “Spiegel” mithalten.

Andere Hefte wiederum haben im gleichen Zeitraum kaum an Auflage verloren. “Das Goldene Blatt” zum Beispiel verkauft heute fast genauso viele Hefte wie 1998. Teilweise gab es in den vergangenen Jahren sogar leichte Steigerungen, wie beispielsweise bei “die aktuelle” seit 2009.

Hier eine kleine, nicht repräsentative Auswahl an Auflagenentwicklungen, die zeigt, wie es bei der deutschen Regenbogenpresse in den vergangenen 15 Jahren gelaufen ist. Man darf sich von den fallenden Graphen allerdings nicht blenden lassen. Auch wenn die Auflagen in den vergangenen Jahren deutlich gesunken sind, besitzt dieser riesige Markt noch immer eine große publizistische Macht: Die knapp 70 Titel spucken jedes Jahr weiterhin mehr als eine halbe Milliarde Hefte in die deutschen Kioskregale.Auflage_1998-2013


facebooktwitteremail

Was steht auf den Titelseiten? (2)

Was steht auf den Titelseiten? (2)

Wir haben die Schlagzeilen von 37 verschiedenen Regenbogen-Covern des vergangenen Monats gesammelt, ausgewertet und in eine Wordcloud gepackt.

Zur Erklärung: Je häufiger ein Begriff auf den Titelseiten vorkam, desto größer wird er dargestellt. Namen, Adelstitel und Wörter wie “und” haben wir nicht mitgezählt.

Diese Begriffe fanden wir am häufigsten:Titelschlagzeilen im Juni 2013Eine solche Auswertung haben wir schon einmal mit anderen Regenbogenheften durchgeführt. Und zum Vergleich — das waren die häufigsten Titelblatt-Begriffe in den Monaten April und Mai:Titelschlagzeilen


facebooktwitteremail

Endlich Freizeit

Endlich Freizeit

Wenn ein Medienhaus wie der SCG Verlag eine neue Zeitschrift auf den Markt bringen will, muss es so sein, als würden die Wollnys noch einmal Nachwuchs bekommen: Man findet einfach keinen Namen für das neue Kind, der nicht schon für ein anderes verwendet wurde.

Die Sarafinas, Estefanias , Lavinias und Loredanas heißen beim SCG Verlag “Deine beste Freizeit”, “Frau und Freizeit”, “Freizeit erleben”, “Freizeit für die Frau”, “Freizeit für uns”, “Freizeit live”, “Freizeit kompakt”, “Freizeit mit Herz” und “Hallo Freizeit”.

Also, Leute, alle mal nachdenken: Wir brauchen einen Namen! Einen, mit dem wir uns vom restlichen Markt abheben können. Irgendwie was Spezielles.

Und das kommt dann dabei raus, wenn die SCG-Kreativabteilung an einen solchen Fall gelassen wird:Cover der "Freizeit Spezial"Aber was macht man, wenn beim Brainstorming noch ein Knaller-Titel vorgeschlagen wurde?

Genau: Man wirft noch ein neues Heft auf den Markt. Endlich kümmert sich eine Redaktion im SCG Verlag mal um das wichtige Thema, ach, was soll’s:Cover der "Freizeit für meinen Tag"Letztendlich sind Namen ja aber sowieso wie Schall und Rauch. Das sieht man an den Beispielen “Promi Welt” und “die exklusive”. Die heißen jetzt nämlich “Woche exklusiv” und nur noch “exklusive”.

Was für ein doppelter Griff ins Klo!

Wenn schon ändern, dann doch bitte in “Freizeit Promi Welt” und “die Freizeit exklusive”.


facebooktwitteremail

Vertritt der DJV auch die Regenbogenpresse, Frau Kaiser?
1

Vertritt der DJV auch die Regenbogenpresse, Frau Kaiser?

Ulrike Kaiser ist nicht nur Medienjournalistin, sie ist auch Gewerkschafterin beim Deutschen Journalisten Verband. Als stellvertretende Vorsitzende gehört sie seit Ende 2007 zum DJV-Bundesvorstand.

Wir haben uns mit ihr über den Journalisten-Status von Regenbogenredakteuren und ihre Aufnahme in den DJV unterhalten.

Ulrike Kaiser, stellvertretende Bundesvorsitzende DJV

(Foto: Anja Cord)

Frau Kaiser, handelt es sich bei den Mitgliedern der Regenbogenredaktionen um Journalisten?

Nun, sie sind an der Verbreitung von Informationen in Wort und Bild an ein sogenanntes disperses Publikum beteiligt. Das ist eine Definition von Journalismus. Ob sie den journalistischen Ansprüchen genügen, ist eine zweite Frage. Das hängt davon ab, wie sie arbeiten und ob sie den Pressekodex des Deutschen Presserates einhalten.

Aber der Pressekodex scheint bei vielen Regenbogenheften nun nicht gerade das Ideal zu sein, an dem sie sich bei ihrer Berichterstattung orientieren.

Wir wissen, dass es immer noch haarsträubende Geschichten gibt. Sie selbst bringen ja in Ihrem Blog auch viele Beispiele dafür. Aber ich denke, dass die Redaktionen inzwischen ein bisschen vorsichtiger geworden sind, weil die Prominenz häufig auch rechtlich gegen die unwahren Tatsachenbehauptungen vorgeht. Und weil die Preise vor Gericht inzwischen steigen.

Schaut man sich die Blätter mal genauer an, sieht man, dass sie oft selbst Ereignisse schaffen, über die sie dann berichten. Das klingt für uns nicht besonders journalistisch.

Viele der Geschichten sind kaum justiziabel, weil sie im Bereich der Spekulationen und sehr im Vagen bleiben. Wir sollten aber nicht vollkommen übersehen, dass manche dieser scheinbaren Enthüllungen auch wirklich in trauter Gemeinsamkeit mit den jeweiligen Prominenten publiziert werden.

Daneben gibt es dennoch reichlich Verdrehungen von Tatsachen, es gibt üble Nachrede und Verleumdungen in diesen Heften. Wie sieht der DJV die Arbeit der Regenbogenjournalisten?

Die Regenbogenpresse muss einem nicht gefallen. Und mir persönlich gefällt sie auch nicht. Aber es gibt einen großen Markt für solche Geschichten über den Hochadel und Showstars. Und der wird mit diesen Heften bedient. Ich denke, dass es eine Art Grundbedürfnis von vielen Menschen an diesem trivialen Klatsch und an Heile-Welt-Geschichten gibt. Man muss sich fragen, ob das Publikum diese Geschichten selber wirklich ernst nimmt oder ob es sie als moderne Unterhaltungsmärchen betrachtet.
Wir sollten aber auch nicht vergessen, dass es neben diesen Spekulationen und Gerüchten, die immer in Fragezeichen-Form ausgeschlachtet werden, auch jede Menge Service gibt, also von Gesundheitstipps über Kochrezepte bis zu Rätseln. Das ist eine bunte Lesemischung.

Könnte ich als Regenbogenredakteur bei Ihnen im DJV ganz normales Mitglied werden?

Natürlich. Wir vertreten die Belange aller Journalistinnen und Journalisten. Und das machen wir als DJV mit dem gleichen Engagement für Mitarbeiter einer Regionalzeitung wie für Mitarbeiter der Yellow Press. Wir dürfen nicht vergessen: Wenn sich Journalistinnen und Journalisten an den DJV wenden, dann sind die Anliegen in der Regel gleich. Das geht dann durchweg um Probleme mit dem Arbeit- beziehungsweise mit dem Auftraggeber. Und da unterscheiden wir in der Vertretung ihrer Interessen nicht in der Frage, von welchem Blatt sie kommen oder wer ihnen Honorarzahlungen schuldig bleibt.

Der DJV schreibt in seinen Aufnahmerichtlinien, Mitglied könne werden, wer an der Erarbeitung und Verbreitung von Informationen beteiligt ist, und zwar vornehmlich durch Recherchieren. Das passt doch nun ganz und gar nicht zur Regenbogenpresse.

Als Journalisten sind die Mitarbeiter der Regenbogenpresse generell zu bezeichnen. Die journalistische Qualität macht sich hinterher daran klar, inwieweit sie sich tatsächlich nach dem Pressekodex richten und ihrer Professionalität nachkommen. Und ich glaube, da sind wir uns einig, dass das bei der Regenbogenpresse nicht immer der Fall ist.

Aber dann müssten Sie die Mitgliedschaften der Schreiber dieser Verdrehungsgeschichten doch sofort kündigen.

Es geht bei unserer Arbeit ja darum, die Arbeitnehmerinteressen von Journalistinnen und Journalisten zu vertreten. Und wir gehen davon aus, dass es nicht immer im Verschulden des einzelnen Journalisten liegt, ob er sich an den Pressekodex halten kann oder nicht. Man muss bedenken, dass die Journalistinnen und Journalisten unter einem ziemlichen Druck stehen, der aus den Verlagen kommt. Dabei geht es dann um die Ausrichtung des jeweiligen Blattes. Und da geraten Journalistinnen und Journalisten unter bestimmte Handlungszwänge, die man nicht immer mit individuellem Verschulden gleichsetzen kann.

Sie haben 22 Jahre lang das DJV-Medienmagazin “journalist” geleitet. Wie war Ihre Erfahrung mit kritischer Berichterstattung über die Regenbogenpresse?

Insgesamt habe ich beobachtet, dass es sich hier um ein relativ verwaistes Feld handelt. Ich habe mich immer bemüht, ab und an auf die Klatsch- und Regenbogenpresse zu sprechen zu kommen. Innerhalb der 22 Jahre haben wir drei oder vier Titelgeschichten zu dem Thema gemacht. Allzu häufig kam es also nicht vor.

Woran liegt das?

Ich denke, dass von Seiten der professionellen Journalisten nur wenige selber diese Hefte lesen und dass die Regenbogenpresse von der Medienkritik eher als Trivialjournalismus gesehen wird, der nicht ernst zu nehmen ist. Man setzt sich als Medienkritiker lieber mit dem ernsten Genre im Journalismus auseinander.

Sie sind Mitbegründerin der Initiative Qualität im Journalismus. Haben Sie bei der Gründung auch an Hefte wie “Freizeit Spaß” und “frau aktuell” gedacht?

Nein, wir wollen uns mit der Qualität im ernsthaften Part der Medien auseinandersetzen. Da haben wir genug zu tun.


facebooktwitteremail

“Manchmal ist es derart abgedreht, dass es mich fast schon beeindruckt”

“Manchmal ist es derart abgedreht, dass es mich fast schon beeindruckt”

Jörg Thomann ist einer der wenigen Journalisten, die sich regelmäßig mit der deutschen Regenbogenpresse beschäftigen. In der wunderbaren Kolumne “Herzblatt-Geschichten” beleuchtet er jede Woche in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Welt des Boulevards und fasst das “Witzigste, Wichtigste und Heftigste aus den deutschen Klatschblättern” zusammen.

Im Interview erklärt er, wie er dabei vorgeht und welches Blatt ihn auch nach Jahren immer noch überraschen kann.Herzblatt-Geschichten - Die mopsfidele Familie - Von Jörg ThomannHerr Thomann, es gibt nur sehr wenige Medienjournalisten, die sich mit der Klatschpresse auseinandersetzen. Wie erklären Sie sich das?

Das lässt sich nicht so leicht beantworten. Vermutlich liegt es zum einen daran, dass es unglaublich viele solcher Zeitschriften gibt. Dieses Feld ist also nur schwer zu überschauen. Und zum anderen ist die Welt der Herzblätter eine Art Paralleluniversum; sie taucht nicht im Gesichtsfeld eines normalen Journalisten auf, wenn er nicht gerade beim Arzt oder beim Friseur sitzt. Auch die „Herzblatt-Geschichten“ sind übrigens nicht in erster Linie als medienkritische Kolumne gedacht, sondern sollen zuallererst unterhalten.

Es wird also so wenig über die Regenbogenpresse berichtet, weil Journalisten ihr im Alltag einfach nicht begegnen.

Journalisten gehören ja nicht unbedingt zur Zielgruppe dieser Blätter. Ab und zu nimmt man zwar besonders irre Schlagzeilen am Kiosk wahr, nimmt sie dann aber nicht so ernst, um sich damit näher zu beschäftigen. Und man sollte sie auch nicht immer allzu ernst nehmen. Der typische Fall: Irgendeinem Königshaus wird ein neues Baby angedichtet, beruhend auf irgendwelchen fadenscheinigen Argumenten, die meistens komplett erfunden sind. Solche Geschichten tun in der Regel niemandem weh. Doch es gibt eine bestimmte Grenze, die manchmal überschritten wird. Wenn sich die Blätter zum Beispiel auf einen deutschen Prominenten stürzen, der sich noch dazu gerade in einer Notsituation befindet, wenn Leute über ethische und manchmal auch rechtliche Grenzen hinaus bedrängt werden – dann wird es ernst.

Wieso geht dann kaum ein Promi gegen solche Berichte vor?

Darüber kann ich nur spekulieren. Vielleicht wollen sie diese Blätter nicht auch noch mit einer Klage aufwerten. Oder sie haben sich einfach an solche Artikel gewöhnt und nehmen sie hin als Berufsrisiko.

Es ist ja eher Schmuddelkram, mit dem Sie sich da beschäftigen. Gibt es in Ihrer Redaktion Widerstände gegen solche Themenvorschläge?

Nein. Ich weiß von Kollegen, die die Kolumne regelmäßig lesen und schätzen; wenn ich über solche Themen schreibe, ist das in der Redaktion also keineswegs verpönt. Und nochmal zu der Frage, warum sich nur wenige Journalisten damit beschäftigen: Es ist wahrscheinlich auch eine Platzfrage. Auf den Medienseiten muss man ohnehin schon streng haushalten – und wägt dann natürlich ab, ob man zum fünften oder sechsten Mal etwas über “die aktuelle” machen soll.

Bei Ihnen ist das anders: Sie haben seit Jahren einen festen Platz für Ihre Herzblatt-Geschichten.

Ja, im “Leben”-Ressort der FAS. 150 Zeilen, jede Woche. Ins Leben gerufen wurde die Kolumne schon 1993 vom Kollegen Peter Lückemeier. Dahinter steckte nicht unbedingt ein medienkritischer Ansatz; er wollte vielmehr die Themen und Protagonisten des Boulevards aufspießen, auf eine etwas andere, eine ironische und unterhaltende Art. Bis es ihm dann irgendwann gereicht hat – was ich heute durchaus  nachvollziehen kann. Vor dreieinhalb Jahren habe ich die Kolumne übernommen und seither ein bisschen medienkritischer gemacht. Mein Spott trifft also nicht nur die Promis, sondern gerne auch die Zeitschriften und Verlage.

Wie gehen Sie da vor? Bekommen Sie Hinweise von Lesern?

Nein, dafür überschneiden sich die Leserschaften dieser Hefte und meiner Kolumne wohl zu wenig. Ich habe aber einen Stamm aus acht, neun Heften, die ich abonniert habe und intensiv lese, und meistens ergibt sich dann schon ausreichend Stoff.

Lassen sich bestimmte Muster erkennen?

Das Prinzip vieler Geschichten ist sehr schnell durchschaut. Und es wiederholt sich immer wieder. Es kann sein, dass ein und derselbe Artikel ein Vierteljahr später praktisch noch mal abgedruckt wird, in leicht variierter Form, mit anderen Protagonisten. Solche Geschichten kann ich nicht jedes Mal wieder in der Kolumne aufgreifen. Die Empörungsbereitschaft nimmt also ab. Ob das gut oder schlecht ist, weiß ich allerdings nicht.

Sie kann also gar nichts mehr umhauen?

Doch: Eine Ausnahme ist “die aktuelle”. Dieses Blatt überrascht einen immer wieder. Wie die Autoren dort auf ihre Schlagzeilen kommen, das ist manchmal derart abgedreht, dass es mich fast schon beeindruckt. Vielleicht gibt es in der Branche auch noch schlimmere Hefte, aber die habe ich nicht abonniert und nehme sie folglich weniger wahr.

Bekommen Sie Rückmeldungen aus den Redaktionen?

Ich weiß, dass man meine Kolumne dort durchaus liest, aber von Reaktionen erfahre ich nur selten. Ich finde übrigens, dass die Kollegen dort nicht gerade zu beneiden sind. Die sitzen da am Konferenztisch, haben oft nichts anderes vorzuliegen als irgendwelche Agenturfotos und müssen dazu dann was erdichten.

Interessant, dass Sie von “Kollegen” sprechen. Sie würden diese Hefte also schon im Journalismus verorten?

Im Prinzip schon. Zumal der Begriff “Journalist” rechtlich nicht geschützt ist. Die Herzblätter machen Unterhaltung. So wie ich in meiner Kolumne. Wobei ich doch hoffe, dass es eine etwas andere Art von Unterhaltung ist.

Sehen Sie einen Unterschied zwischen Blättern wie der “Freizeit Momente” und der “Bunten”?

Ja, auf jeden Fall. Die “Bunte” ist ein gut gemachtes Produkt für ihre Zielgruppe, dort arbeiten Leute, die ihren Job verstehen und recherchieren können und die sich nicht vom Schreibtisch aus etwas ausdenken müssen. Außerdem hat die “Bunte” Korrespondenten und einen viel größeren Etat als kleinere Zeitschriften. Nichtsdestotrotz gibt es auch in der “Bunten” mitunter sehr fragwürdige Geschichten, die aus meiner Sicht in Bereiche vordringen, die besser privat bleiben sollten.

Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie mühsam es sein kann, sich durch die Regenbogenpresse zu kämpfen. Sie scheinen aber immer noch Spaß daran zu haben.

Die Kolumne zu schreiben, macht wirklich großen Spaß, doch es kostet viel Lebenszeit und Energie, sich das alles durchzulesen. Man sollte besser nicht darüber nachdenken, was man in dieser Zeit an Sinnvollerem hätte tun können.


facebooktwitteremail

“Wie eine Folge Traumschiff”

“Wie eine Folge Traumschiff”

Die Redakteure Alexander Kühn und Maximilian Popp berichteten im vergangenen Spiegel über die Regenbogenpresse in Deutschland. Popp hat dafür zwei Tage den Hamburger Deltapark Verlag besucht, Kühn einen großen Berg an Regenbogenheftchen durchgearbeitet.

Wir haben mit ihnen über Redaktionskonferenzen und den Kauf von Regenbogenheften gesprochen.

Simple Storys

Herr Popp, Sie haben für Ihre Geschichte einen Regenbogenverlag besucht. War es schwierig, an diesen Termin zu kommen?

Popp: Es war nicht so schwierig, wie wir uns das vorgestellt haben. Beim Deltapark Verlag war man uns gegenüber sehr offen. An den zwei Tagen, an denen ich dort war, habe ich einen ganz guten Einblick in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter bekommen. Ich konnte mit dem Verleger sprechen, mit dem Chefredakteur, mit Redakteurinnen. Das war alles ganz unkompliziert. Ich glaube, die Leute vom Deltapark Verlag haben sich sogar gefreut, dass jemand von außerhalb Interesse für ihre Arbeit zeigt. Das ist ja ein vergleichsweise kleiner und junger Verlag.

Sie schreiben auch über eine Redaktionskonferenz. War das eine Inszenierung für die Besucher vom Spiegel?

Popp: Die Konferenz wirkte authentisch. Wir haben dem Verlag von Anfang an gesagt, dass wir herausfinden wollen, wie ihre Arbeit aussieht und wie sie Journalismus verstehen. Der Text ist nicht als Abrechnung gemeint, sondern als eine Beschreibung der fremden Welt der Regenbogenpresse. Dennoch war die Konferenz anders als die Konferenzen, die ich so kenne. Es kommt schließlich selten vor, dass man in einer Besprechung für mehrere Zeitungen gleichzeitig plant.

Sonst gab es keinen Unterschied?

Popp: Mich hat das ein bisschen an Diskussionen bei einer Lokalzeitung erinnert. Der Chefredakteur hat nicht unsympathisch moderiert, die Geschichten wurden besprochen. Die Konferenz wirkte nicht unprofessionell. Die meiste journalistische Energie steckt die Redaktion in Themen wie Gesundheit, Wellness und Beauty. Da sind sie von einem professionellen Journalismus nicht weit entfernt. Trashiger und bedenklicher wird es bei den Promi-Themen. Denn da verschwimmt die Grenze zwischen Dichtung und Wahrheit ganz offensichtlich.

Ging es bei der Sitzung auch um moralische oder rechtliche Aspekte?

Popp: Nicht in der Konferenz, bei der ich dabei war. Allerdings wurden da auch keine Themen besprochen, bei denen das nötig gewesen wäre.

Der Verlagsgründer Klaus Schumacher sagte Ihnen, dass die Deltapark-Zeitschriften — im Gegensatz zu sonstigen Nachrichten, in denen es immer nur um Terror und Krieg gehe — Geschichten über die schönen Seiten des Lebens liefern. Meinte er das ernst?

Kühn: Klar, und zum Teil stimmt das ja auch. Die Yellow-Press-Leserin darf in die Villen von Film- und Schlagerstars hineinschauen und in prunkvolle Königshäuser und hat dabei das Gefühl, dass etwas von dem Glanz in ihr eigenes Wohnzimmer hineinstrahlt. Andererseits liest sie in den Geschichten auch vom vermeintlichen Elend der Reichen und Schönen. Wenn der einsamen Oma zuhause in ihrem Sessel suggeriert wird, dass die abgedankte Beatrix möglicherweise Alzheimer hat, relativiert das ihr eigenes Leid.

War der Besuch beim Deltapark Verlag für Sie ein Ausflug auf die böse Seite des Journalismus?

Popp: Ich würde diese Unterteilung in gut und böse oder richtig und falsch nicht machen. Bedenklich finde ich es aber schon, wie die Regenbogenpresse arbeitet und was sie in ihren Heften druckt. Das geht immer zulasten der Personen, über die berichtet wird. Und es ist den Lesern gegenüber nicht aufrichtig.

Kühn: Für mich stellt sich diese Frage nicht. Das ist ja kein Journalismus. Außer dass die natürlich auch Papier bedrucken. Es sind Fortsetzungsromane. Die meisten Geschichten haben so viel mit der Realität zu tun wie eine Folge “Traumschiff” oder “Landarzt”.

Warum bekommt die Regenbogenpresse dann so wenig kritische Beachtung?

Kühn: Die meisten Medienjournalisten nehmen dieses Segment gar nicht wahr. Das ist ihnen zu trashig, zu altbacken. Diese Zeitschriften liest ja keiner privat, niemand schaut freiwillig in dieses Kaleidoskop des Schreckens. Ich selbst bin da vielleicht eine Ausnahme, ich habe noch eine gewisse persönliche Bindung zu diesen Blättern, weil ich sie schon als Siebenjähriger bei meiner Omi durchgeblättert habe. Damals dachte ich, dass da tatsächlich wahre Geschichten über Prominente drinstehen. Wenn ich sie heute durchblättere, gruselt es mich dann doch ein bisschen. Für unsere Recherche hatte ich mir einen ganzen Stapel Hefte am Berliner Hauptbahnhof gekauft. An der Kasse habe ich dann besonders laut gesagt, dass ich gern einen Beleg haben möchte. Damit jeder mitbekommt, dass ich mir diese Lektüre nur aus beruflichen Gründen antue.


facebooktwitteremail

Zwei Tage unterm Regenbogen

Zwei Tage unterm Regenbogen

Fabian B. (Name geändert) hat nach dem Studium zwei Tage bei einem Verlag der Regenbogenpresse gearbeitet. In einem Gastbeitrag schildert er seine Motivation und gibt einen kleinen Einblick in den Redaktionsalltag.

Wer kennt sie nicht? Die berühmt-berüchtigte Frage, die sich so ziemlich jeder unweigerlich stellen muss, wenn er ins Berufsleben eintreten will. Auch ich kam nicht drum herum, als ich Ende 2011 mein Studium (Hauptfach: Allgemeine Sprachwissenschaften) abschloss und mein erstes richtiges Geld verdienen wollte: Und jetzt?

Die Richtung war klar: Ich wollte unbedingt in einer Redaktion arbeiten. Nach ein paar optimistischen, um nicht zu sagen: blauäugigen, Initiativbewerbungen an diverse Lokalzeitungen für eine Stelle als richtiger Redakteur mit den zu erwartenden Resultaten in Form von Absagen wurde mir allmählich klar, dass das so keinen Sinn macht. Schließlich ist man nicht gleich automatisch Redakteur, nur weil man Uni-Absolvent ist. Also galt meine volle Konzentration sehr bald den (nicht sehr zahlreich) ausgeschriebenen Redaktionsvolontariaten, am liebsten noch direkt in der Nähe meines Wohnortes. Da stieß ich auf das Gesuch eines Verlages, in dessen vorgegebenes Profil ich tatsächlich hereinpasste: Voraussetzung war der Abschluss eines Studiums im geisteswissenschaftlichen Bereich.

Es dauerte nicht lange, da meldete sich eine junge Dame telefonisch bei mir und lud mich zu einem Vorstellungsgespräch ein. Zwar hatte ich mittlerweile herausgefunden, welche Art von Zeitschriften der Verlag herausbrachte: Die von mir wenig geliebten Klatschblätter mit spektakulären Promi-Enthüllungen auf dem bunten Titelblatt, die ich stets als peinlich, da dreist unwahr, belächelt hatte und die doch eigentlich eh keiner glaubte. Oder doch? Trotz großer Zweifel wollte ich mir das aber alles einfach einmal ansehen.

Beim Vorstellungsgespräch saß ich schließlich besagter junger Dame und dem eigentlichen Chefredakteur gegenüber, der bereits in den ersten Sätzen bemerkte, dass ich mir im Klaren darüber sein solle, in diesem Verlag nur mit Frauen zu tun zu haben — ein Aspekt, der mich nicht sonderlich störte. Als Argument, warum ich mich für die Stelle beworben hätte, führte ich mein Interesse an VIP-Geschichten an, was nur die halbe Wahrheit war, damit aber immer noch 50 Prozent mehr als der Wahrheitsgehalt eines Klatschblattes. Regelrecht erleichtert nahm ich die Antwort des Chefredakteurs zur Kenntnis: Um die Promis würde ich mich nicht kümmern müssen, das wäre sein Ressort. Ich hingegen wäre für die anderen Themen der Hefte wie etwa Gesundheit zuständig. Das war eine Rubrik, für die zu schreiben ich bereit war — wahrlich nicht mein Fachgebiet, mir aber tausendmal lieber, als mir turmhohe Lügengebilde um Promis aus den Fingern saugen zu müssen. Nachdem ich auch noch in einem Einzelgespräch Bekanntschaft mit dem Geschäftsführer gemacht hatte, der mir die finanziellen Gesichtspunkte näherbrachte, ein in meinen Augen relativ normales Volontariatsgehalt, machte ich einen Termin für zwei Probetage im Verlag aus.

Die beiden Probetage ermöglichten es mir immerhin, erste Einblicke in das Leben einer Zeitschriftenredaktion zu ergattern. Ich arbeitete mit vier jungen Redakteurinnen und einer Volontärin in einem Raum. Diese waren für mehrere Zeitschriften gleichzeitig zuständig. Das Klima untereinander war weder besonders gut noch besonders schlecht. Ich wurde auch explizit gefragt, ob ich zur gemeinsamen Raucherpause mitkommen wolle. Etwas ungewohnt war es schon als Hahn im Korb, aber es war okay. Innerhalb von wenigen Stunden kann man schließlich keine Freundschaften schließen.

An beiden Morgen fand eine Redaktionssitzung von vielleicht zehn Minuten Länge statt, in denen der Chefredakteur darüber informiert wurde, wie weit die einzelnen Artikel für die Zeitschriften vorangeschritten waren. Den Verlauf markierte er in einer Liste und setzte fleißig Deadlines, wann was fertig zu sein hatte. Meine Aufgabe lief unter der Überschrift „Stevia – Das neue Zucker“. Hierfür recherchierte ich im Internet alle wesentlichen Fakten zu dem Süßstoff und sollte sie am Ende des Tages dem Chef präsentieren. Der war zwar insgesamt zufrieden, aber mit dem eher ausschweifenden Aufbau meines Artikels nicht einverstanden, so dass mir bei der Gelegenheit von ihm in Form eines Crashkurses einiges über den Schreibstil in der Regenbogenpresse vermittelt wurde: Es sei wichtig, sich an der Schreibe der BILD-Zeitung zu orientieren. Man könne von der halten, was man wolle, aber die Redakteure dort würden einen einfachen, leicht verständlichen Ausdruck pflegen, den auch die Oma verstehen würde, die ja nun einmal die Zielgruppe dieser Zeitschriften wäre. Nicht umsonst würden BILD-Redakteure mit Kusshänden bei anderen großen Zeitungen empfangen werden, weil sie die Fähigkeit besitzen, Geschichten kurz und knackig mit wenigen Worten auf den Punkt zu bringen. Am zweiten Tag schrieb ich meinen Artikel um (diesmal stichwortartig als „Die fünf wichtigsten Fakten über Stevia“ und damit wesentlich übersichtlicher), der nun als wesentlich besser vom Chef abgesegnet wurde.

In der kommenden Woche wartete ich vergeblich auf den versprochenen Anruf des Verlages. Ich war aufgrund der vielversprechenden Äußerungen des Chefredakteurs sehr sicher, die Zusage für die Stelle zu erhalten. In der Zeit haderte ich ständig mit mir, ob ich dort wirklich mein Glück versuchen will, beruhigte mein durchaus vorhandenes schlechtes Gewissen aber damit, nur für die Gesundheitsecke und nicht für den ekelhaften Schmierenjournalismus drum herum verantwortlich zu sein — und was hinzukam: Es war nun mal die Aussicht auf mein erstes eigenes Geld da. Am Donnerstag, neun Tage nach meinem letzten Probetag, rief ich selbst im Verlag an, um mich nach der Entscheidung zu erkundigen. Ich wurde auf den Folgetag vertröstet. Am Freitag meldete ich mich am späten Nachmittag erneut. Diesmal war der Chef außer Haus. Er wäre nächste Woche wieder da. Das Ende vom Lied: Am Montag darauf flatterte meine zurückgesendete Bewerbungsmappe ins Haus — man habe sich für einen erfahreneren Bewerber entschieden und wünsche mir für die Zukunft alles Gute.

Nach der Enttäuschung über den schlechten Stil dieser Absage durchforstete ich in den nächsten Tagen intensiver als zuvor den Stellenmarkt. Nach zwei Wochen Suche stach mir dabei ein altbekanntes Gesuch ins Auge: Verlag XY sucht Redaktionsvolontär mit geisteswissenschaftlichem Studienabschluss. Richtig, es war der Verlag, von dem ich gerade erst die Unterlagen wiederbekommen hatte. Ob mein siegreicher Konkurrent gleich wieder abgesprungen ist oder es möglicherweise gar keinen passenden Konkurrenten gegeben hat, kann man nur spekulieren. Ich jedenfalls war rückblickend froh, in meinem Lebenslauf nicht ein Volontariat in diesem Verlag stehen zu haben.


facebooktwitteremail

Was steht auf den Titelseiten?

Was steht auf den Titelseiten?

Um herauszufinden, welche Begriffe auf den Titelseiten der Regenbogenblätter am häufigsten vorkommen, haben wir mal unsere Zeitschriftensammlung der vergangenen vier Wochen durchforstet und die Überschriften von 88 verschiedenen Titelblättern zusammengetragen.

Insgesamt waren es 376 Schlagzeilen über Promis und Adelige von knapp 50 verschiedenen Zeitschriften. Das Ergebnis haben wir in dieser Grafik festgehalten. Mit einem Klick darauf öffnet sich eine größere Version.

Zur Erklärung: Je häufiger ein Begriff auf den Titelseiten vorkam, desto größer wird er dargestellt.

Titelschlagzeilen Namen, Adelstitel und Wörter wie “und” haben wir nicht mitgezählt.


facebooktwitteremail

Trauer-Drama unterm Regenbogen

Trauer-Drama unterm Regenbogen

In den Regenbogenredaktionen Deutschlands hacken die Mitarbeiter wie wild Google-Anfragen in ihre Computer. Sie wollen noch schnell die letzten Ladungen Dreck abzapfen.

Denn die Verlage müssen sich in absehbarer Zeit von einer ihrer zuverlässigsten Skandal-Quellen verabschieden!

Und damit von ihren geliebten Google-Algorithmus-Verdrehungsgeschichten.


facebooktwitteremail

Der Durchschnittsleser

Der Durchschnittsleser

Wie sieht die typische Leserschaft der Regenbogenpresse aus?

Wir haben uns die (öffentlich verfügbaren) Daten mal näher angeschaut und eine Infografik gebastelt. Mit einem Klick auf das Bild geht’s zur größeren Version:Infografik: Leser der Regenbogenpresse


facebooktwitteremail

“Solange sich niemand wehrt, passiert auch nichts”

“Solange sich niemand wehrt, passiert auch nichts”

Udo Branahl hat als Professor an der TU Dortmund 32 Jahre lang Medienrecht gelehrt und angehenden Journalisten – darunter auch uns – beigebracht, was sie dürfen und was nicht. Wir haben mit ihm über die Regenbogenpresse gesprochen.

Herr Branahl, vor ein paar Tagen haben wir dokumentiert, wie die Zeitschrift “Promi Welt” der norwegischen Kronpronzessin Mette-Marit unterstellt hat, in Indien zwei Säuglinge entführt zu haben – was aber gar nicht stimmte. Wie sehen Sie als Medienrechtler einen solchen Fall?

Hier geht es um den Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. In diesen Skandalblättchen wird ja im Wesentlichen Klatsch und Tratsch verbreitet, und es geht immer um persönliche Angelegenheiten derer, über die berichtet wird. Wenn also eine Zeitschrift eine solche Behauptung über Mette-Marit verbreitet, ist das zunächst einmal ein Eingriff in die Privatsphäre, in das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Abgebildeten. Die spannende Frage im Einzelfall ist jeweils, ob es an einer solchen Berichterstattung ein berechtigtes Informationsinteresse gibt. Und das berechtigte Informationsinteresse kann man ja nicht aus dem Umstand ableiten, dass es zigtausende von Leuten gibt, die unbedingt solchen Mist lesen wollen.Medienrecht-Professor Udo Branahl

(Foto: TU Dortmund)

Wann wäre das Informationsinteresse an solchen Geschichten denn “berechtigt”?

Es kommt darauf an, in wie weit solche Beiträge relevant für die öffentliche Meinungs- und Willensbildung sind. Da würde man wahrscheinlich bei Nobodies, bei Schauspielern, bei irgendwelchen Leuten, die kein besonderes Amt bekleiden, davon ausgehen, dass es überhaupt kein öffentliches Informationsinteresse an der Diskussion solcher Fragen gibt.

Wenn es sich hingegen um Amtsträger handelt – also Bundeskanzlerin, Papst oder meinetwegen auch König –, dann wird man sagen müssen, dass diese, sozusagen von Amts wegen, einen gewissen Vorbildcharakter haben. Und wenn die sich in einer Weise verhalten, die diesem Vorbildcharakter nicht entspricht, dann müssen sie sich gefallen lassen, dass sie öffentlicher Kritik und Kontrolle ausgesetzt werden. So war das beispielsweise bei den Auseinandersetzungen um Juan Carlos von Spanien.

Die entscheidende Frage ist aber immer: Benötigt die Öffentlichkeit die entsprechenden Informationen, um sich auf rationale Weise eine eigene Meinung zur Angelegenheit von allgemeiner Bedeutung machen zu können? Im Einzelfall kann man darüber trefflich streiten.

Nun ist Mette-Marit eine Amtsträgerin. Und somit dürfte ein Informationsinteresse grundsätzlich bestehen. Es gibt in diesem konkreten Fall allerdings keinerlei Hinweise darauf, dass sie tatsächlich zwei Kinder entführt hat, wie es die “Promi Welt” behauptet.

Das ist die entscheidende Frage. Jetzt muss man erstmal wissen: Was ist denn wirklich passiert? Mit anderen Worten: War das Verhalten von Mette-Marit in dieser Angelegenheit rechtmäßig oder rechtswidrig? Das weiß ich nicht, das hängt von indischem Recht ab.

Wenn aber die Leihmutter zugestimmt hat und das nach indischem Recht allgemein alles in Ordnung war, dann wäre die Behauptung, dass eine Entführung vorliegt, inhaltlich natürlich unrichtig. Und das wäre eine üble Nachrede, gegen die sich die Betroffene zur Wehr setzen kann. Wichtig ist hierbei: Der Verbreiter haftet. Die Zeitschrift müsste also den Beweis erbringen, dass dieser Vorwurf stimmt. Kann sie das nicht tun, liegt eine üble Nachrede vor.

Wenn man der Redaktion zudem nachweisen kann, dass sie gewusst hat, dass das, was sie schreibt, nicht stimmt, dann liegt sogar Verleumdung vor.

Warum wird dann so eine üble Nachrede – oder gar eine Verleumdung – nur so selten geahndet?

Das wird nur geahndet, wenn die Betroffenen einen Strafantrag stellen. Das ist ein Antragsdelikt, kein Amtsdelikt. Konkret: Wenn Mette-Marit nichts gegen diese Berichterstattung unternimmt, dann passiert auch nichts.

Lassen wir Mette-Marit mal beiseite. Schauen Sie selbst eigentlich auch hin und wieder in solche Hefte wie „frau aktuell“ oder „die exklusive“?

Nein. Dieser Kram interessiert mich nicht.

Aber das wäre doch ein ziemlich ergiebiges Feld für einen Medienrechtler, oder nicht?

Warum? Es reicht doch, wenn ich mich damit beschäftige, wenn es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen kommt. Aber dazu muss ich diesen Unsinn nicht systematisch zur Kenntnis nehmen.

Man muss es ja auch nicht gleich systematisch angehen. Bei vielen Heften wird schon auf den ersten Blick klar, dass hier Woche für Woche auf übelste Weise verbogen und gelogen wird. Die Redaktionen scheinen nicht wirklich Sanktionen zu befürchten. Woran liegt das?

Also ich vermute, dass in den Redaktionen vorab eine Risikoabschätzung vorgenommen wird: Dass die sich nicht für die Frage interessieren, ob ihr Beitrag rechtmäßig ist oder nicht, sondern sich fragen: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Betroffenen sich dagegen zur Wehr setzen? Also: Wie risikoreich ist die Veröffentlichung? Und dass sie dann abwägen zwischen den zu erwarteten Einnahmen und dem Risiko, dass es Geld kostet. Und wenn sie zu dem Ergebnis kommen: Wahrscheinlich sind die Einnahmen höher als die entstehenden Schäden – dann drucken sie das.

Und es ist ja so: Mette-Marit setzt sich wahrscheinlich gegen die norwegische Presse zur Wehr. Aber wird sie sich auch gegen die deutsche Presse wehren? Das ist die Kalkulation. Wenn ich ein deutsches Skandalblättchen herausgebe, dann frage ich mich ja: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Mette-Marit in der Bundesrepublik gegen die „Frau und Tier“ klagt? Diese Wahrscheinlichkeit ist ja im Allgemeinen nicht sehr hoch.

Caroline von Monaco hingegen ist zum Beispiel berühmt dafür, dass sie europaweit gegen alle Verletzungen ihres Persönlichkeitsrechts vorgeht. Deshalb ist die Berichterstattung über Caroline prinzipiell viel zurückhaltender als die über andere Promis. Das können die Redaktionen offenbar einschätzen.

Das heißt, wenn sich etwa Boris Becker systematisch gegen die üblen Artikel zur Wehr setzen würde …

… dann würde diese Berichterstattung wahrscheinlich den Bach runtergehen. Aber ob er das tut, ist ja ihm überlassen. Und wenn die bisherige Erfahrung zeigt, dass Boris Becker sich gegen solche Berichte nicht gerichtlich zur Wehr setzt, dann werden sie eben weiter publiziert.

Sollte es mal so weit kommen, dass ein Promi oder ein Adliger gegen diese Berichte vorgeht – gilt dann für die Regenbogenhefte das Presserecht genauso, wie es auch für die “Süddeutsche Zeitung” oder den “Spiegel” gilt?

Im Prinzip ja. Das Presserecht gilt genauso. Aber während beim “Spiegel”, bei der “Süddeutschen” oder der “FAZ” in der Regel davon ausgegangen werden kann, dass die Berichterstattung einem öffentlichen Informationsinteresse Rechnung trägt, kann bei diesen Blättern in den meisten Fällen nicht davon ausgegangen werden. Und das macht dann den entscheidenden Unterschied aus.

Ich rede jetzt nicht von übler Nachrede. Die ist immer verboten. Wenn Sie die Unwahrheit schreiben, sind Sie prinzipiell dran. Dann könnte der Betroffene sowohl Strafantrag stellen wie auch zivilrechtlich Schmerzensgeld einfordern oder Unterlassung verlangen. Insofern gibt es da keine Unterschiede zwischen der “Süddeutschen” und diesen Blättchen.

Die Frage ist nur: Darf ich überhaupt – auch wahrheitsgemäß – über diesen Vorgang berichten oder nicht? Denn da sind wir ja im Bereich der Privatsphäre. Und nochmal: Eine Berichterstattung aus dem Privatleben muss durch ein hinreichendes öffentliches Informationsinteresse legitimiert werden. Ich gehe aber grundsätzlich davon aus, dass in diesen Blättchen in vielen Fällen aus der Privatsphäre berichtet wird, ohne dass auch nur erkennbar ist, dass darin ein Beitrag zur öffentlichen Meinungs- und Willensbildung liegt.

Nehmen wir mal an, Boris Becker würde sich jetzt tatsächlich einen Anwalt nehmen und gegen eines dieser Hefte klagen – an welcher Stelle wäre die Berichterstattung am ehesten angreifbar?

Am frappierendsten sind natürlich nicht erweislich wahre, ehrverletzende Tatsachenbehauptungen. Also wenn in einem Beitrag irgendwelche Behauptungen aufgestellt werden, die beispielsweise ein Fehlverhalten suggerieren und nicht erweislich wahr sind. Dann liegt üble Nachrede vor. Und üble Nachrede bei einem Promi führt immer automatisch zu einem Schmerzensgeldanspruch. Das heißt, in einem solchen Fall könnte Boris Becker bis zu zehntausend Euro Schmerzensgeld verlangen.

Wenn über jemanden aber in nicht ehrverletzender Weise und wahrheitsgemäß berichtet wird, dann ist die Frage: Wie gravierend wird in seine Privatsphäre eingegriffen? Da muss man wirklich von Einzelfall zu Einzelfall gucken.

Hat man eigentlich auch als Leser die Möglichkeit, gegen die üble Berichterstattung vorzugehen?

Nein. Wobei – doch: Man kann dagegen vorgehen. Man kann das Kaufen dieser Zeitungen unterlassen.

Es scheint so, als würden diese Blättchen permanent moralische wie rechtliche Grenzen überschreiten, ohne dass sonderlich viel passiert. Kann man also sagen, dass die Regenbogenredaktionen geduldete Gesetzesbrecher sind?

Das ist eine originelle journalistische Formulierung des Problems. Also das kann man so sagen, aber dann muss man gleich dazu sagen: Diese Form von geduldeten Gesetzesbrechern, die gibt es nicht nur bei diesen Sensationsmedien, die gibt es auf fast jedem Gebiet in Deutschland und bei fast jedem Bevölkerungsteil.

Denn ich kann unter dem Stichwort “Rechtsbrecher” natürlich auch jemanden verstehen, der zwar keine Straftat begeht, aber gegen das Zivilrecht verstößt – zum Beispiel seine Rechnungen nicht bezahlt. Und dort gilt der Grundsatz: Wo kein Kläger, da kein Richter. Wenn die Betroffenen nichts tun, dann wird dieses Verhalten de facto geduldet. Es gibt niemanden, der es dann verfolgen könnte.

Und wahrscheinlich ist es in dem Bereich, mit dem Sie sich beschäftigen, so, dass da sehr viele Rechtsverletzungen begangen werden, die aber zivilrechtlicher Natur sind, und bei denen die entscheidende Frage lautet: Setzt sich der Betroffene dagegen zur Wehr oder nicht? Und wenn er das nicht tut, dann duldet er diese Rechtsverletzung.


facebooktwitteremail

Bis zu 19.200 €

Bis zu 19.200 €

Wir wollten wissen: Wie viel Geld geben Unternehmen aus, um eine ganzseitige Anzeige in einem der Regenbogenheftchen zu schalten? Die Ergebnisse unserer Recherche haben wir in einer Tabelle festgehalten. Sie enthält die aktuellsten (öffentlich zugänglichen) Zahlen der Verlage oder Anzeigenvertretungen.

Klarer Spitzenreiter ist dabei die “Freizeit Revue” aus dem Burda-Verlag, die mit einer Druckauflage von über 1,1 Mio. Heften (zum Vergleich: der “Spiegel” druckt etwa 1,09 Mio.) Anzeigenpreise von bis zu 19.200 Euro verlangt. Knapp dahinter liegt die “Neue Post” (Bauer), bei der man für eine ganzseitige Anzeige 16.200 Euro bezahlt. Den günstigsten Preis bietet mit 1.800 Euro die zweimonatlich erscheinende “Illu für mich” aus dem WAZ/Funke-Verlag (Verkaufsauflage: 100.000).

Leider sind nicht für alle Hefte aktuelle Anzeigenpreise verfügbar. Doch die, die wir gefunden haben, können Sie sich hier anschauen:


facebooktwitteremail

Was soll das hier eigentlich alles?

Was soll das hier eigentlich alles?

Rund eine halbe Milliarde Hefte druckt die deutsche Regenbogenpresse jedes Jahr. Woche für Woche kann man sich am Kiosk mit neuen Geschichten über die Adeligen und Prominenten dieser Welt eindecken. Der Markt ist riesig. Millionen Deutsche nutzen das Angebot.

Doch bei der Regenbogenpresse gilt das Gleiche wie bei der Volksmusik: Unfassbar viele Leute gucken sie sich an, aber niemand spricht darüber.

Und so läuft das Geschäft unterm Regenbogen, ohne dass sich jemand groß damit auseinandersetzt. Dabei würde sich ein kritischer Blick in die Hefte lohnen. Denn immer wieder stellen die Autoren dort übelste Behauptungen auf, sie basteln Skandale, sie verdrehen Tatsachen. Sie erfinden schlichtweg Geschichten.
Wir schauen uns das mal genauer an.

Und starten mit den “Verrenkungen der Woche”. Danke an Stefan Niggemeier, der uns mit seinem großartigen “die aktuelle”-Bingo die Inspiration für diese Kategorie geliefert hat.

Dazu gibt’s noch eine Geschichte darüber, wie die Zeitschrift “Promi Welt” Steffi Graf mit abenteuerlichen Zitiermethoden eine Lebenskrise andichtet.
Und warum Bettina Wulff eine Rabenmutter ist, nur weil sie perfekt Englisch spricht.


facebooktwitteremail