Ins Netz gegangen

Ins Netz gegangen

Die Regenbogenpresse hat eine ambivalente Beziehung zum Internet. Auch das ist eine Erkenntnis aus 100 Tagen topfvollgold.

Auf der einen Seite haben Titel wie “Heim und Welt”, “Das macht Spaß” oder “Freizeit für uns” keine eigenen Webseiten. Nur vereinzelt und ganz vorsichtig wagen sich die Verlage mit Inhalten aus ihren Regenbogenheften ins Netz. Vermutlich gibt es kaum Überschneidungen von Regenbogen-Lesern und Internetnutzern. Der Aufwand würde sich für die Verlage nicht lohnen.

Dazu kommt, dass die geringe Netz-Präsenz indirekt einen Vorteil für die Hefte bietet: Für Prominete und deren Anwälte wäre es einfacher, Schmähartikel zu finden und gegen sie vorzugehen, wenn sie online stünden. Momentan ist es so — das wissen wir aus Gesprächen mit Betroffenen –, dass ein Großteil der Artikel von den Promis gar nicht wahrgenommen wird. Das wäre sicher anders, wenn die Texte einfach im Internet zu finden wären.

Auf der anderen Seite sind die Redaktionen große Internet-Fans. Schließlich finden sie hier immer wieder neuen Stoff für die blödesten Geschichten: Twitter-Nachrichten von Boris Becker, Blogeinträge von Steffi Graf, Googles Suchvorschläge, Briefe von Stars an ihre Fans — das Internet ist die reinste MistGoldgrube.

Das beweist die “frau aktuell”, die diese Geschichte zutage gefördert hat:Verona - Verliert sie das Kind?Nein, Verona Pooth ist nicht schwanger und kann somit auch nicht “das Kind” verlieren. Und nein, um ihre beiden Söhne muss sie auch nicht fürchten. Sie muss um gar kein Kind fürchten. Zumindest nicht in dieser Welt. Im Paralleluniversum der Regenbogenpresse sieht das aber ganz anders aus:

Bahnt sich hier ein neues Drama an? Kaum stellte Verona Pooth (45) der Öffentlichkeit ihr bolivianisches Patenkind vor, schon ist ihr Glück in Gefahr. Eine Frau hat sich auf ihren Beitrag im Internet gemeldet. Und die will ihr das Kind wegnehmen …

Genau, im Internet. Genauer: bei Facebook. Da hat Verona Pooth nämlich dieses Foto und diesen Eintrag hinterlassen:Das ist mein Patenkind aus Bolivien. Pamela ist inzwischen ein richtiger Teenager geworden. Die Kleine lebt seit ihrer Geburt im SOS Kinderdorf. Das SOS Kinderdorf wurde sogar nach mir bennant, da bin ich sehr stolz drauf. Verona's Cassitas.Und daraufhin hat eine Frau auf Verona Pooths Seite kommentiert:

Viele Fans schrieben ihr [Verona Pooth], wie toll sie ihr Engagement finden. Doch eine Frau ging einen Schritt weiter. Zu weit. “Kann ich dieses Kind adoptieren? Wenn sie zurück muss, hat sie keine Zukunft! Bei mir und meinem Mann hat sie eine Zukunft! Bitte schreiben Sie mir zurück! Bitte!”, schrieb sie.

Der Eintrag “dieser Dame” wirke verwirrt und fast schon verzweifelt, findet die “frau aktuell”. Denn:

Scheinbar hat sie nicht verstanden, dass es sich um ein älteres Bild handelt, das aufgenommen wurde, als Verona in Bolivien war. Jetzt die Sorge: Kann diese Frau womöglich zur Gefahr für Verona und ihre Familie werden?

Ach, liebe Digital Natives der “frau aktuell”, irgendwie haben wir das Gefühl, dass ihr da auch was nicht so ganz verstanden habt.


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