Journalisten-Pfusch

Journalisten-Pfusch

Wenn im Internet negative Erfahrungsberichte kursieren über das Londoner Krankenhaus, in dem Beatrix’ Sohn Friso im Koma liegt — was machen die OP-Schwestern von “die aktuelle” dann wohl daraus?

Genau, sie schalten auf ihrem Titelblatt mal wieder eine Traueranzeige:

Horror-Bericht aus der Klinik - Beatrix - Ärzte-Pfusch! Was ist da bloß passiert?

Exakt das fragen wir uns auch: Was ist in den Redaktionsräumen von “die aktuelle” bloß passiert?

Weder bei Beatrix noch bei Friso gab es einen Pfusch von Ärzten. Es handelt sich nicht um einen Horror-Bericht aus der Klinik, sondern um Beschwerden über die Klinik. Und die “neue Angst um Prinz Friso” hat sich die Redaktion selbst ausgedacht.

Wie kommt “die aktuelle” also auf diesen Unfug? Begeben wir uns auf Spurensuche:

Das Internet prangert an: Mehrere User beschweren sich auf dem Google-Portal bitter über skandalöse Zustände in der Londoner Klinik

Nun ja, genau genommen sind es zwei User, die sich bei Google Plus über das Wellington Hospital beschweren. Zum Beispiel Conor Hamilton:

Conor Hamilton, der letztes Jahr wegen einer schweren Arm-Operation Patient war, berichtet: Das Krankenhaus ist der reinste Horror. Mein Zimmer war groß wie ein Schuhkarton, das Fenster hatte ein Loch. Ich sollte operiert werden. Doch nichts passierte! Ärzte und Schwestern drehten sich um mich, wussten offenbar nicht, wer was machen soll. Ein Skandal. Und weiter: Am nächsten Morgen schoss Blut aus meinem Arm. Ich rief nach der Schwester. Ich dachte, ich verblute. Zu guter Letzt bin ich aus dem Krankenhaus geflohen.

Ach, alte Flunkerer von “die aktuelle”, da habt ihr euch aber nicht so ganz an die Wahrheit gehalten.

Die Operation, die Conor Hamilton im Wellington Hospital hat vornehmen lassen, war nicht im vergangenen Jahr, sondern im November 2011. Und es handelte sich nicht um eine Arm-Operation, sondern um eine Knie-Operation.

Diese Kleinigkeiten lassen wir euch ja gerne noch durchgehen. Dass ihr aber einfach Sachen dazuerfindet, finden wir nicht so in Ordnung.

Hamilton schreibt nämlich nirgendwo “Ich sollte operiert werden. Doch nichts passierte!” Er schreibt auch nicht “Ärzte und Schwestern drehten sich um mich, wussten offenbar nicht, wer was machen soll.”

Und er schreibt erst recht nicht “Ein Skandal”.

Conor Hamitlon dachte auch nie, dass er verblutet. Zumindest ist davon kein Wort zu lesen. Und aus dem Krankenhaus ist er auch nicht geflohen.

Das habt ihr alles dazugesponnen.

Auf dem Bewertungsportal von Google befindet sich übrigens noch ein weiterer Eintrag zum Wellington Hospital. Der Verfasser: Ein Regenbogenautor, der für eine Geschichte recherchiert.

Seine Bewertung für das Krankenhaus: “Gut”.


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