Kaiserschmarrn mit Flitzebogen
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Kaiserschmarrn mit Flitzebogen

Einer wie Franz Beckenbauer hat noch jedes Problem kleinignorieren können: Arbeitssklaven auf den WM-Baustellen in Katar? Och, bisher keine dort gesehen. Kritik an seinem steuerschonenden Wohnsitz? Wurscht. Doch jetzt muss Fußball-Franz aktiv werden. “Jetzt muss er helfen”, warnt die “Neue Post”.

Es geht um Beckenbauers Enkel. Elf Jahre ist der alt und “gibt Anlass zur großen Sorge!” Und wie:

Er spielt mit Waffen - Kein Respekt vor Mädchen - Er hat gefährliche Idole

Übersetzt aus dem Marktschreierjargon des fernen Regenbogen-Universums heißt das: Elias Beckenbauer hat sich einen Pfeil geschnitzt, einen Bogen gebastelt und posiert mit dem Spielzeug für ein Foto. Er hat neben ein Facebook-Bild, das ihn mit seiner Ex-Freundin zeigt, geschrieben: “Ich habe die blöde Kuh verlassen”. Und er ist Fan von Rapper und DSDS-Jury-Mitglied Kay One.

Mit dieser Lausbüberei würde Elias wohl nicht mal bei den “kleinen Strolchen” aufgenommen. Die “Neue Post” kratzt das aber überhaupt nicht, sie strickt sich eine “Neue Familien-Tragödie”:

Jetzt muss er helfen - Franz Beckenbauer - Drama um seinen kleinen Enkel!

Wie das Blatt an den heißen Stoff über Elias Beckenbauer gekommen ist, verrät es nicht. Dabei wäre gerade das interessant. Denn aktuell kann man die Fotos nur sehen, wenn man mit dem Jungen bei Facebook befreundet ist.

Möglich, dass der Sohn einer “Neue Post”-Mitarbeiterin ein Kumpel des Kaiser-Enkels ist. Dann wäre es Verrat unter Elfjährigen. Wahrscheinlicher aber ist, dass sich die Redaktion im Internet an ein Kind rangewanzt und dann dessen Profil für ihre hirnrissige Titelgeschichte geplündert hat.

Die Regenbogenpresse warnt gern, wie gefährlich das Internet für Kinder von Prominenten ist, welche Gefahren bei Facebook lauern. Das gilt vor allem dann, wenn man ins Visier der “Neuen Post” geraten ist.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Kommentare:

  1. Ich finde das sollte man nicht runterspielen. So eine Entwicklung eines Kindes kann ganz schnell auf die schiefe Bahn geraten. Hat denn keiner letztens #Jauch gesehen? Da überfallen die Kids von heute unschuldige Taxifahrer! Ich finde es absolut richtig das die Neue Post sich sorgen macht um das arme Kind und dessen Entwicklung ständig Dokumentiert. Ich kenne übrigens ein paar gute Internate für Knaben und freche Buben. Das werde ich dem Franz und der Neuen Post mal in einem Leserbrief vorschlagen.

  2. Internat ist super! Vielleicht sollten die Mitarbeiter der Neuen Post besagtes Internat gemeinsam mit dem Beckenbauer-Enkel besuchen, so dass beide endlich einmal grundlegende Werte vermittelt bekommen: du sollst andere nicht verletzen (auch nicht mit Worten, nicht mal mit geschriebenen), du sollst nicht lügen (oder vermuten oder unterstellen), du sollst andere respektieren, du sollst bekannte Mitmenschen nicht zu Idolen hochstilisieren, nur um sich dann genüsslich von ganz oben fallen zu lassen.

  3. Solche “Verfehlungen”, wie beim Beckenbauer Enkel, gibt es jeden Tag tausende und abertausende, zumal solch eher harmlose.
    Glücklicherweise haben nur wenige Kinder und Jugendliche so eine bekannte Verwandtschaft, dass die Regenbogenpresse meint, dass “die Welt” davon erfahren müsste.

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