Krisen auf der Wiesn
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Krisen auf der Wiesn

Auf dem Oktoberfest werden ja bekanntlich mehr Ehen gebrochen als geschlossen, und das ist toll. Also — toll für die Regenbogenpresse. Denn wenn es eins gibt, worüber die Knallhefte noch lieber berichten als über Helene-Fischer-Zeugs, dann sind es Eheprobleme bei Promis. Und von denen tummeln sich auf der Wiesn nun mal besonders viele.

Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendeine Schlagernase zu tief in einem fremden Ausschnitt steckt oder eine Moderatorin besoffen über ihren Gatten lästert, ist auf dem Oktoberfest also deutlich höher als irgendwo sonst in Deutschland und in der weiten Welt.

Doch den bunten Blättern reicht auch schon viel weniger, um einem Promipaar eine Wiesn-bedingte Ehekrise anzudichten. Zum Beispiel den Beckers. Die waren auch auf dem Oktoberfest, und schon kreischt die “Neue Post” auf dem Cover:

Boris Becker - Trennungs-Drama!

Im Innern spricht sie gar von “Betrug” und der “Nacht, in der er seine Ehe verspielte”. Auch in der “Woche der Frau” ist von einer “dramatischen Nacht” die Rede, das Blatt sieht schon den “endgültigen Bruch” bei den Beckers kommen, und die “Freizeitwoche” stellt die (rein rhetorische) Frage:

Lilly und Boris Becker - Ist das das Ende?

Der Grund für das angebliche Drama: Lilly Becker verließ die Party angeblich früher, weil ihr Sohn angeblich krank geworden war und angeblich ins Krankenhaus musste. Und Boris, der Ehemann und Vater? Der ließ “sein eigenes Kind im Stich”, “feierte ohne seine Frau […] weiter und flirtete, was das Zeug hielt” — angeblich.

In der Tat postete “Bobbele” am ersten Wiesn-Wochenende im Internet ein Foto von sich mit drei jungen Frauen im Dirndl, was für die bunten Blätter nunmehr der endgültige Beweis ist: “Es scheint wirklich alles aus zu sein …”

So schließt die “Woche der Frau” dann auch mit den Worten: “Wir hoffen, dass sie sich versöhnen”. Und selbst wenn der Rest der Geschichte stimmt — das ist garantiert gelogen.


Dieser Text ist vorgestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Kommentare:

  1. Ein seriöses Medium würde die Protagonisten, in diesem Fall “die Beckers”, fragen, was an diesem Abend wirklich passiert ist. Leider würde die Antwort sicherlich weniger spektakulär ausfallen als all die wilden Spekulationen. Ein weiterer Vorteil solcher Mutmassungen: Sie lassen sich beliebig fortführen und jede Woche aufs neue steigern. Damit liessen sich, kostengünstig, die Seiten füllen.

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