Mette, Mette, Fahrradkette

Mette, Mette, Fahrradkette

Die Regenbogenpresse kritisiert die Methoden der Regenbogenpresse. Ja, wir haben es selbst nicht so richtig glauben können. Aber fangen wir vorne an.

Vor ein paar Wochen haben wir darüber geschrieben, dass die “Promi Welt” (Deltapark Verlag) der norwegischen Prinzessin Mette-Marit unterstellt hatte, in Indien zwei Säuglinge entführt zu haben – was aber gar nicht stimmte.

Die “Freizeit total” (Mediengruppe Stegenwaller) greift diesen Fall in ihrer aktuellen Titelgeschichte wieder auf. Sie schreibt:

Doch dann kam die angebliche Wahrheit ans Licht: der so genannte Baby-Skandal. Mette-Marit soll im Auftrag eines befreundeten Pärchens zwei Babys aus Indien entführt haben – was für eine Ungeheuerlichkeit!

Dann passiert etwas Ungewöhnliches: Die “Freizeit total” erzählt die Wahrheit. Im Ernst jetzt![...] zwei Babys aus Indien entführt zu haben - was für eine Ungeheuerlichkeit! Doch tatsächlich war alles ganz anders: Auf eigene Kosten hatte die Norwegerin eine Geburtsklinik in Nei Delhi besucht. Dort holte sie die von einer indischen Leihmutter ausgetragenen Zwillinge eines befreundeten Paares ab, das wegen Visum-Problemen nicht selbst reisen konnte. Als

… und so weiter. Die “Freizeit total” zeigt der “Promi Welt” also mal, wie richtiger Journalismus funktioniert.

Aber damit nicht genug: Der ganze Artikel liest sich wie ein großer Seitenhieb, wie eine mehr oder weniger subtile Kritik am Verhalten der Klatschpresse:Mette-Marit - Wann ist das Maß voll? - Gemeine Hetze spitzt sich zu!

["]Sie ist als Kronprinzessin nicht mehr tragbar”, “Immer lauter werden die Zweifel an ihr” … So und so ähnlich wird über die künftige Königin von Norwegen (39) gesprochen. Auslöser war der angebliche “Geheim-Urlaub” in Indien. Der wurde zunächst abwechselnd als Flucht vor der Ehe mit Haakon (39), Sinnkrise oder Depression interpretiert:

Dann fasst die “Freizeit total” mit kritisch-ironischem Unterton zusammen, über welche Dinge beispielsweise österreichische oder Schweizer Medien “spekuliert” hatten oder welche Schlagzeilen auf “Wunderweib.de” zu lesen waren (das Portal gehört der Konkurrenz vom Bauer-Verlag).

Eine Passage des Artikels handelt davon, dass angebliche “Adelskenner” darüber spekulieren, Mette-Marit und Haakon könnten sich trennen.

Und warum sollten die beiden sich trennen? Nun, die Norwegerin hat schließlich “neue Freunde” – zwei Schlittenhunde, mit denen sie sich auf einem Foto bei “Twitter” zeigt. Na, wenn das nicht verdächtig ist!

Das hätten wir nicht schöner formulieren können.

Der Artikel schließt mit der Bemerkung, dass das Königshaus begonnen habe, sich juristisch gegen die Berichterstattung in norwegischen Illustrierten zu wehren. Die “Freizeit total” freut sich, nun sei “endlich Schluss mit den Verleumdungen”.

Jetzt mal ganz ehrlich, alte Medienwächter der “Freizeit total”. Wir finden es ja immer gut, wenn jemand die Methoden der Regenbogenpresse kritisch hinterfragt. Aber irgendwie kaufen wir euch die plötzliche Läuterung nicht so ganz ab.

Warum? Weil ihr eure Kritik an den Spekulationen der Anderen lediglich als Vorwand dafür benutzt, selbst irgendwelche Spekulationen in die Welt zu setzen:

Wie lange kann selbst ein Profi wie die Prinzessin so viel Missgunst ertragen? Was, wenn sie über die bösen Unterstellungen am Ende krank wird – und ihre Ehe tatsächlich in die Brüche geht?

Und weil euer Titelblatt genauso dämlich ist wie das, was ihr anderen Medien in eurem Artikel vorwerft:[Titelblatt:] Mette-Marit & Haakon - Die bitteren Tränen hinter ihrem Glück - Hält ihre große Liebe den Skandal aus?


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