Mit Brautkleid auf Montage
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Mit Brautkleid auf Montage

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um traumhafte Hochzeitsbilder:

Helene Fischer - Traumhaft schön im Brautkleid - Exklusive Foto-Montage

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Ich bin heute echt aus allen Wolken gefallen, als ich das Cover der “Neuen Post” gesehen habe: “Exklusive Foto-Montage” mit Helene Fischer im Brautkleid — wie kommt man denn bitte auf so eine Idee?

Moritz: Die “Neue Post” scheint dringend nach Geschichten zu suchen. Natürlich will die Redaktion, wie jede Woche, etwas über Helene Fischer bringen. Und wenn es dann mal nichts zu berichten gibt, dann denkt man sich eben was aus. Das ist in diesem Fall dann eine “Exklusive Foto-Montage”. Das kündigt das Blatt ehrlicherweise auch so auf dem Titel an, schreibt dazu: “Helene Fischer — Traumhaft schön im Brautkleid”. Und schon haben die Mitarbeiter den Traum von einer Hochzeit von ihr und Freund Florian Silbereisen mal wieder füttern können. Die Leserschaft lechzt ja danach, dass die beiden endlich vor den Traualtar schreiten.

Ist das jetzt die neue Masche der Regenbogenpresse: Vorab schon mit einer Foto-Montage zu werben, um dann später keinen Prozess am Hals zu haben?

Mats: Es ist schon auffällig, dass sie vorne ganz groß schreiben, dass es eine Foto-Montage ist. Das haben wir so auch noch nicht erlebt, aber wir haben ehrlich gesagt auch solche Fotomontagen noch nicht erlebt. Der Presserat schreibt auch vor, dass man Symbolfotos und Foto-Montagen kenntlich machen muss, und daran haben sie sich zumindest gehalten. Das ist lobenswert. Aber ob man solche Foto-Montagen überhaupt machen muss, ist natürlich noch eine andere Frage. Das hat’s auch schon mal gegeben vor einer Weile: Da hat auch so ein Heft Helene Fischer auch in ein Brautkleid gesteckt und das dann ganz groß auf dem Cover gefahren. Aber dass jetzt eine ganze Reihe von Montagen präsentiert werden, das ist tatsächlich eine Neuheit in der Regenbogenpresse.

Moritz: Denn man muss sich das mal vorstellen: Helene Fischer wird nicht nur in einem “Tülltraum” präsentiert, sondern auch noch “in weißer Spitze”, “im Hochzeits-Dirndl”, “in platinfarbener Seide”. Und die “Neue Post” ist dann auch noch so nett und schreibt am Ende: “Tja, Flori”, also Florian Silbereisen, “in welchem Kleid gefällt sie dir am besten?” Es ist also auch noch ein richtiges Service-Stück für das Traumpaar der Schlagerszene, das mal sehen kann: So könnte Helene Fischer im Brautkleid aussehen, und Ihr könnt Euch jetzt entscheiden, was Ihr für Eure hoffentlich bald anstehende Hochzeit auswählt.

Die Qualität der Foto-Montage lässt ja auch ziemlich zu wünschen übrig, finde ich. Denkt die “Neue Post”, dass sie durch diese Montage tatsächlich Helene Fischer zum Heiraten bewegen kann?

Moritz: Also im Vergleich zu anderen Foto-Montagen, die uns in der Regenbogenpresse begegnen, finde ich, zeugt die Qualität geradezu von herausstechender Perfektion. Da gibt’s deutlich schlimmere Sachen. Die “Neue Post” schreibt ja auch sehr stolz: “[...] haben wir nach Brautkleidern gesucht — und sie dank moderner Foto-Technik Helene auf den Leib genscheidert.” Die scheinen also sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Was natürlich so überhaupt nicht passt — zum Hintergrund: Helene Fischer ist 1,58 meter groß, also relativ klein gewachsen –, sind die Models, auf deren Körper jetzt der Kopf von Helene Fischer gesetzt wurde. Die sind sicherlich über 1,80. Das passt also von vorne bis hinten nicht.

Mats: Und ich glaube auch nicht unbedingt, dass sie sie jetzt damit zum Heiraten zwingen oder bewegen wollen. Das ist einfach, um die Wartezeit, bis es endlich so weit ist, mit irgendwelchen Träumereien zu füllen. Da wurd’ schon alles durchgespielt: Traumhochzeit auf dem Schiff und sie könnten ja in Hamburg heiraten und sie könnte ja dies und sie könnten das. Also diese ganzen theoretischen und hypothetischen Überlegungen zu der Hochzeit, die spielen sie jetzt alle durch, ganz genüsslich, bis es dann endlich so weit ist, weil sie sich irgendwie die Zeit vertreiben müssen und dabei gerne irgendwelche Friede-Freude-Helene-Geschichten machen.

Auch wenn Ihr sagt, die Qualität war recht gut — ich finde, auf dem Bild des Covers sieht Helene Fischer doch recht frisch aus, zu frisch schon, also ziemlich retuschiert. Und der Kopf sitzt auch nicht so richtig da, wo er sitzen sollte.

Mats: Das ist immer das Problem bei solchen Montagen: Die werden schnell entlarvt. Und da hätten sie sich vielleicht gerade fürs Cover ein bisschen mehr Mühe geben können. Aber vielleicht haben sie auch absichtlich ein etwas schlechteres Foto aufs Cover genommen, um sich da keinen Ärger einzuhandeln. Man kennt das ja von Helene Fischer, die ist da auch recht flott mit einem Anwalt zur Stelle, wenn da irgendetwas nicht rechtens läuft. Und ich denke, das sind alles Vorsichtsmaßnahmen — auch dass sie auf jede Foto-Montage noch einmal einen dicken Stempel mit “Exklusive Foto-Montage” gepackt haben, um da ja kein Risiko einzugehen, dass man da möglicherweise verklagt werden könnte. Ich denke also, das sind alles Vorsichtsmaßnahmen. Und vielleicht haben sie es deswegen auf dem Cover ein bisschen künstlicher wirken lassen.

Denkt Ihr denn, das ist jetzt die Zukunft, dass die anderen Blätter nachziehen in die Richtung mit so einem Verweis?

Moritz: Na, dann ist es ja nicht mehr “exklusiv”. Nein, ich glaube nicht, dass jetzt jedes Heft mit so einer Montage ankommt. Das ist schon eine ziemlich fixe Idee von der Redaktion der “Neuen Post” gewesen. Die kommen ja auch so immer auf genug Sachen, die sie über Helene Fischer und Florian Silbereisen berichten können. Beispielsweise war Silbereisen vor einer Weile in der WDR-Sendung “Zimmer frei” zu Gast. Da wurden auch ein bisschen persönlichere Gespräche geführt. Das ist jedes Mal reichlich Stoff für die nächste Titelgeschichte. Der “Neuen Post” ist wohl einfach nichts anderes eingefallen diese Woche. Aber die werden sicherlich in den nächsten zwei, drei Wochen wieder auf irgendetwas Neues kommen, ohne diese exklusiven Foto-Montagen.

Vielleicht reden sie dann über die zehn Kinder, die mit den beiden auf einem Foto zu sehen sind oder so …

Moritz: Das wäre der nächste logische Schritt: Zum heilen Weltbild der Regenbogenpresse gehört ja nicht nur die Hochzeit, sondern auch eine zahlreiche Kinderschar, die sich um ein Paar scharen soll. Das fehlt natürlich noch.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

Und unter diesem RSS-Link gibt’s das Ganze als Podcast.


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Kommentare:

  1. Ich denke nicht, dass die Regenbogenpresse aus Überzeugung eine heile Welt aus Heirat und Kinderkriegen in den Mittelpunkt stellt. Wenn man sich vorstellt, dass die Blätter alle ohne diese Berichte und Spekulationen auskommen sollten, dann müssten sich die Mitarbeiter sehr anstrengen, um die Seiten zu füllen. Zumal es über 60 dieser Blätter gibt, die zu mindestens hin und wieder unterschiedliches berichten wollen.

  2. Tolle Idee von der … äh… den Namen der Zeitschrift hab ich grad schon wieder vergessen. Absolut ausbaufähig! Klar, wie schon angedeutet, eine Fotomontage mit reichlicher Kinderschar, im nächsten Heft dann vielleicht in nen Rollstuhl reinkopiert, danach vielleicht per Photoshop auf 80jährige Oma getrimmt, und als Höhepunkt – Vooorsicht! Makaber! – im offenen Sarg liegend, beim Staatsbegräbnis.
    Bescheuert! Total bescheuert!

  3. @Harald – Nein, nicht aus einer inneren Überzeugung heraus propagieren die Mitarbeiter der Regenbogenhefte diese heile Welt aus Hochzeit und Großfamilie, sondern aufgrund der Überzeugung ihrer Leserschaft. Die Redaktionen wissen sehr genau, für wen sie schreiben und wie die Ansichten dieser Leute zum großen Teil ausschauen. Deswegen wird die Regenbogenpresse in Teilen der wissenschaftlichen Literatur auch “Konformpresse” genannt: Die Artikel dienen dazu, das schon vorhandene Weltbild der Leserschaft zu befriedigen, mit ihm konform zu gehen.

  4. Es mag zwar richtig sein, dass die Leserschaft solche Berichte fordert. Richtig ist aber auch, dass, wenn es diese Berichte nicht gäbe, die Regenbogenblätter es schwer hätte, redaktionellen Ersatz zu finden. Das heisst, dass sie grösstenteils vom Markt verschwinden würden. Eine Alternative wäre, dass sie verstärkt über das Berufliche der Prominenten schreiben würden, wie es zum Beispiel “Meine Melodie” tut. Ich denke aber nicht, dass es so viel Interesse bei der Leserschaft gäbe, dass mehr als 60 Zeitschriften existieren könnten, zu mal berufliche Skandale und berufliche emotionale Dramen eher selten sind. Dort geht es im Allgemeinen recht sachlich nüchtern und emotionslos zu. Zudem würden die Prominenten und ihre beruflichen Partner Lügen und Spekulationen eher mit Klagen, vielleicht sogar mit Schadensersatzforderungen, beantworten als es bei privaten Angelegenheiten der Fall ist.

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