Mit Knüppel, Scham und nix in der Melone
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Mit Knüppel, Scham und nix in der Melone

Wenn ein Artikel der Knallpresse schon so anfängt …

Liebe Jenny Elvers, kennen Sie das Sprichwort [...]

… und so überschrieben ist …

Offener Brief an die Schauspielerin – "Nimm den Mund doch nicht so voll, liebe Jenny Elvers!"

… dann kann’s nur ganz erbärmlich werden. Und — Überraschung — das bekommt “Die neue Frau” mit Bravour hin.

73 Zeilen großen Rotz kippt die Redaktion über Jenny Elvers aus. Der offene Brief der “neuen Frau” ist eher ein offener Schlag ins Gesicht mit anschließendem Tritt in die Magekuhle. Doch der Reihe nach.

Anfang März ist die Schauspielerin Karina Kraushaar gestorben, offenbar auch aufgrund eines Alkoholproblems. Jenny Elvers, die ihre eigene Alkoholabhängigkeit einst selbst publik gemacht und ihren Angaben nach Karina Kraushaar gekannt hat, schrieb auf ihrer Facebook-Seite:

Hallo meine Lieben,aus leider wieder einmal traurigem Anlaß, möchte ich Euch heute mal etwas zum Nachdenken mit ins…

Posted by Jenny Elvers on Freitag, 13. März 2015

Allein die Tatsache, dass Jenny Elvers es wagt, sich zum Tod von Karina Kraushaar zu äußern, lässt die Mitarbeiter der “neuen Frau” in ihrem offenen Brief nach den Knüppeln greifen:

Ihr [Kraushaars] Schicksal ist eine Tragödie. Eine, durch die sich in den vergangenen Tagen viel zu viele C-Promis ins Rampenlicht drängen wollten. Nun auch Sie? Dabei wäre es doch gerade an Ihnen, Zurückhaltung zu zeigen. Das Thema Alkohol hat auch Ihr Leben fast zerstört.

Aber dass Jenny Elvers fordert, es müsse für Menschen mit psychischen Problemen, für Alkoholkranke, für jeden möglich sein, sich ohne Angst und Scham Hilfe zu holen — das geht den Angstmachern der “neuen Frau” nun wirklich zu weit. Stigmatisieren ist schließlich eines ihrer Geschäftsmodelle.

Nun aber schreiben Sie in Ihrem Kommentar zum Tod von Karina Kraushaar, dass wir es als Gesellschaft möglich machen müssen, dass sich jeder ohne Scham Hilfe suchen kann. Warum genießen Sie dann das Leben im sonnigen Marbella und sind nicht in ihrer Heimat, um Ihren Teil dazu beizutragen? Oder sind Sie aus Scham geflohen, weil Sie selbst nocht Hilfe brauchen?

Hört mal zu, Ihr Knalltüten: Der Gedanke, den Jenny Elvers an dieser Stelle ausführt, klingt doch gar nicht so blöd. Wir könnten das jedenfalls unterschreiben.

Aber wisst Ihr, was Elvers’ Idee eines offenen Umgangs mit psychischen Krankheiten und Abhängigkeiten entgegensteht? Das sind Holzköpfe, die polemisch fragen, ob jemand aus Scham ins sonnigen Marbella geflohen ist, und damit genau die Häme über Hilfesuchende verbreiten, die es zu überwinden gilt.


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Kommentare:

  1. *Klatsch* treffende Worte, Kollege Tschermak. Das unterschreibe ich vollständig. Und genau hier ist es nämlich diese “Presse”, die hier die Stigmas verteilt. Offener Brief, das ich nicht lache. Wettern auf die C-Promis, die sich in den Vordergrund drängen wollen und das auf Kosten einer Verstorbenen. Aber selbst Leichen fleddern, bis Blut kommt. So ein scheinheiliges Pack, ein elendes – man möge mir meinen verbalen Ausrutscher verzeihen.

  2. meiner ansicht nach sollte der gleiche rotz anschließend über namentlich genannten “redakteuren” / “journalisten”, respektive den für den buchstabenmüll verantwortlichen, ausgekippt werden.

  3. Da kriegt wohl jemand nen Spiegel vorgehalten. Wenn man keine Ahnung hat…einfach mal die Fresse halten !!!!!!!!!!!

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