Mordversuch in Oggersheim

Mordversuch in Oggersheim

Wen hat die Regenbogenpresse nicht schon alles um die Ecke gebracht: Karlheinz Böhm, den Sohn von Norwegens Prinzessin Mette-Marit und natürlich immer wieder Prinz Friso.

Nun das nächste Opfer: Altkanzler Helmut Kohl.

Nach Depressionen, Schmerzen und Einsamkeit - Helmut Kohl - Endlich erlöst!

Der Herbst hat Helmut Kohl zugesetzt.

Im Rollstuhl saß der gebrochene Hüne im düsteren Bungalow — geplagt von Schmerzen, Depressionen und Einsamkeit.

Letzter Geburtstag - In Bad Wiessee am Tegernsee verbrachte der Altkanzler einen Erholungsurlaub mit seiner Maike - er wurde dort 83

Um es vorweg zu nehmen: Helmut Kohl lebt noch.

Und es geht ihm laut “Das neue Blatt”-Autorin Jacqueline Müller sogar richtig prächtig. Denn vorbei soll sie sein, die Schreckensherrschaft von Kohls Ehefrau Maike. Die “oft verstörend wirkende Volkswirtin”, der Müller schon verstörend hinterhergeschnüffelt hat, habe sich vom abschirmenden Saulus zum kuchenbackenden Paulus gewandelt:

Dann geschah etwas, was fast an ein Wunder grenzt. Kohls 34 Jahre jüngere Frau Maike hatte ein Einsehen. [...] Auf einmal waren Besucher wie die FDP-Politiker Philipp Rösler (40) und Rainer Brüderle (68), mit denen Kohl über den Wahlkampf diskutierten konnte, im Haus willkommen. Maike Kohl-Richter half ihm zuvor in Anzug und Krawatte, damit er sich auf Augenhöhe fühlte, und servierte sogar selbst gebackenen Kuchen.

Ein solches “Wunder” ließen sich ein “dpa”-Fotograf und ein “Bild”-Reporter natürlich nicht entgehen. Und gemeinsam machten sie alle in den nächsten Tagen fleißig Werbung für die bürgerliche Koalition bei der damals anstehenden Bundestagswahl.

Ganz genau: Das Stück selbst gebackener Kuchen, das Jacqueline Müller in der aktuellen Ausgabe von “Das neue Blatt” aufwärmt, hat schon über drei Monate vor sich hingeschimmelt.

Was aber noch viel schlimmer ist: Für ein paar mehr verkaufte Hefte schickt die Regenbogenpresse jeden über den Jordan. Mit ihrer Todes-Prosa setzt “Das neue Blatt” alles dran, beim potentiellen Käufer den Eindruck zu erwecken, Helmut Kohl sei gestorben: “Depressionen”? “Erlöst”? Kaufen!

Rechtlich dürfte man gegen diesen Rotz kaum etwas machen können. Müller und ihre Redaktion haben derart zweideutig geschrieben und die Medienrechtler des Hauses so drübergebügelt, dass man bei jedem Versuch, diese glitschige Masse rechtlich zu packen, gnadenlos an ihr abrutscht.

Die einzige Hoffnung, die da bleibt: Vielleicht haben die Jacqueline Müllers der Regenbogenwelt irgendwann mal ein Einsehen, dass es die paar Euro Zusatzeinnahmen nicht wert sind, mit dem Leben und dem Tod eines Menschen zu spielen.


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