Optische Täuschungen (2)

Optische Täuschungen (2)

Beim Alles Gute Verlag versteht man es nicht will man es nicht verstehen: Es ist ausgesprochen geschmacklos, für die Bebilderung einer weiteren Mistgeschichte über irgendeinen ausgedachten Mumpitz ein Foto von Kronprinzessin Mette-Marit zu wählen, das sie weinend bei einer Trauerfeier zu den Anschlägen in Norwegen zeigt.

Doch wen juckt das schon im Wolfsburger Verlagshaus, wenn sich die Redaktion kollektiv geifernd durch die Bilddatenbanken klickt, auf der Suche nach Negativ-Bildern, passend zur Negativ-Berichterstattung?

Haakon & Mette-Marit - Schlimmer Verdacht - Ist ihre Liebe nur gespielt? Zu sehen ist ein Foto von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, die bei einer Trauerfeier zum Attentat auf der Insel Utøya weint.

Den “Verdacht” findet die “Revue heute” so schlimm, dass sie ihn selbst aufstellt. Sie will’s wissen: “Echte Liebe oder oscarreife Darbietung?” Das scheint dem Blatt alles viel zu märchenhaft …

Klingt wie im Märchen: Prinz verliebt sich in einfaches Mädchen aus dem Volk, heiratet es und holt es auf sein Schloss. Bis hierhin unterscheiden sich die Lebensläufe von Aschenputtel und Mette-Marit (40) nur unwesentlich. Das Dumme bei Märchen ist, dass wir nicht erfahren, wie es nach der Hochzeit weitergeht.

Und das Dumme bei diesem Märchenmärchen ist, dass sonst keinerlei Parallelen zwischen Mette-Marit und Aschenputtel bestehen und das gezeichnete Bild somit direkt in die Tonne kann.

Um aber doch noch an ein knalliges Ende für ihren Artikel über die angeblichen Spannungen in der Ehe von Mette-Marit und Prinz Haakon zu kommen, greift die “Revue heute” zur allergröbsten Keule, die im Redaktionsschrank hängt. Auf den schlimmen Verdacht folgt ein noch viel schlimmerer:

Irgendwie alles gar nicht märchenhaft. Da hilft wohl nur die gute Fee. Oder der Geist aus der Flasche …

Hach ja, wenn man vorne auf dem Cover schon Fotos missbraucht, auf denen jemand um ein Familienmitglied und um über 70 weitere Opfer eines grässlichen Anschlags trauert, dann kann man hinten raus doch auch noch eben andeuten, dass dieser Jemand früher oder später zur Flasche greifen wird.


facebooktwitteremail