Optische Täuschungen

Optische Täuschungen

Es gibt eine Reihe von Mitgliedern der europäischen Königshäuser, auf die die Regenbogenhefte besonders gern einprügeln. Letizia von Spanien zum Beispiel. Sie könnte in einer von ihr selbst gegründeten Aufzuchtstation für verletzte Baby-Delfine die süßen Tiere eigenhändig mit der Flasche wieder aufpäppeln — und trotzdem würden die Blätter in der nächsten Woche ein Foto von Letizia mit Glas in der Hand raussuchen und fragen, ob sie ein Alkoholproblem habe.

Momentan ebenfalls hoch im Hau-Drauf-Kurs: Mette-Marit. Nun stellt sich für jede Redaktion dasselbe Problem, will sie eine Negativgeschichte über Norwegens Kronprinzessin bringen: Auf den meisten Fotos sieht sie so gar nicht traurig/betrunken/verletzt/depressiv aus.

Doch auf eine Fotoserie stoßen die Redakteure immer wieder bei ihrer Suche nach Bildern, die zu ihren Niedermachertexten passen.

Zum Beispiel die “Freizeit Vergnügen”:

Kronprinzessin Mette-Marit - Familien-Tragödie - Nimmt der Hof ihr die Kinder weg? [Anm.: Auf dem Foto weint Mette-Marit.]

Oder die “Neue Freizeit”:

Dabei sehnt sie sich nur nach Geborgenheit - Prinzessin Mette-Marit - Psycho-Kollaps - Sie steht vor den Scherben ihres Glücks - Jetzt kann nur noch ihre beste Freundin helfen [Anm.: Auf dem Foto weint Mette-Marit.]

Oder die “Prima Woche”:

mette-marit_sohn_prima-woche

Diese Fotos haben mit dem jeweiligen Inhalt der drei Regenbogengeschichten nicht im Geringsten was zu tun. Mette-Marit weint nicht, weil der Hof ihr angeblich möglicherweise die Kinder wegnimmt. Nicht, weil hinter ihrem Bandscheibenvorfall ein “Psycho-Kollaps” stecken könnte. Und auch nicht, “weil ihr Sohn seinen eigenen Weg geht”.

Die norwegische Kronprinzessin weint auf diesen Fotos, weil sie um die 77 Opfer trauert, die bei den Anschlägen in Norwegen am 22. Juli 2011 ums Leben kamen. Darunter auch Mette-Marits Stiefbruder, der auf der Insel Utøya von Attentäter Anders Breivik erschossen wurde. Die Fotos wurden bei einer Trauerfeier aufgenommen.

Hört mal, Mitarbeiter des Alles Gute Verlags, des Deltapark Verlags und auch aller anderen Regenbogenverlage, eine kleine Idee: Wenn ihr das nächste Mal nicht das passende Foto zu Eurem Schund-Artikel habt, dann lasst doch einfach die ganze Geschichte bleiben.


Vielen Dank an Tina A. für den Hinweis!


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