Post an den Presserat (2)

Post an den Presserat (2)

Gerade haben wir mal wieder eine Mail an den Presserat rausgejagt. Und zwar mit diesen Beschwerden hier …


Verona Pooth - Kindes-Entführung - Das sagt die Kriminologin

1)

In dem Artikel schreibt die Zeitschrift “Die Zwei” über die potentielle Möglichkeit, dass Verona Pooths Kinder entführt werden könnten. Konkrete Hinweise nennt die Redaktion nicht. Für die Zeitschrift ist eine Entführung allein deshalb möglich, weil Verona Pooth ihr Privatleben immer wieder im Fernsehen zur Schau stellt und ihre Kinder öffentlich zeigt.

Nach eigener Aussage mache Verona Pooth dies ganz bewusst, damit “jegliches Risiko, die Kinder zu entführen”, entfalle. Für “Die Zwei” ist diese Einstellung Grund zur Sorge:

Denn in vielen traurigen Fällen wurden Täter oft erst auf Kinder aufmerksam, nachdem sie öffentlich gezeigt wurden.

Seinen Artikel kündigt das Blatt auf der Titelseite mit der Überschrift “Kindes-Entführung” an.

2)

Die Überschrift und die Unterzeile (“Das sagt die Kriminologin”) auf der Titelseite erwecken den Eindruck, es hätte tatsächlich eine Entführung der Pooth-Kinder gegeben. Dabei gibt es nicht einmal konkrete Hinweise, wie beispielsweise Drohbriefe, die eine solche Vermutung begründen würden — jedenfalls werden im Artikel keine erwähnt. Die dramatische Schlagzeile (im Heftinnern sogar noch mit einem Ausrufezeichen versehen) soll vermutlich Käufer locken.

Im Text wird Verona Pooth vorgeworfen, durch die regelmäßigen Auftritte in der Öffentlichkeit mit ihren Kindern mögliche Täter geradezu zu einer “Kindes-Entführung” zu motivieren. “Die Zwei” warnt vor einem derartigen Verhalten. Durch ihre eigene Veröffentlichung führt die Redaktion diese Warnung alledings ad absurdum: Der Artikel über Verona Pooth und ihre Kinder (die auf Fotos gezeigt werden) könnte nach “Die Zwei”-Logik Menschen erst auf die Idee einer Entführung bringen.

3)

Unseres Erachtens verstößt dieser Artikel gegen die Ziffern 1 und 2 des Pressekodex.

Auf der Titelseite schreibt “Die Zwei” von einer “Kindes-Entführung”. Im Text finden sich allerdings keine Anhaltspunkte, die einen solchen Schluss logisch erscheinen lassen. Mögliche Kunden könnten das Heft nur deswegen kaufen, um mehr über einen tatsächlichen Entführungsfall zu erfahren. Diesen gibt es aber nicht. Die Veröffentlichung entspricht daher nicht einer wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit, wie es Ziffer 1 fordert.

Die Überschrift zum Artikel im Heft ist dieselbe wie auf der Titelseite, nur dass sie zusätzlich noch mit einem Ausrufezeichen versehen ist. Es scheint also, als würde es sich bei der “Kindes-Entführung” um vollendete Tatsachen handeln. Außerdem zeigt das Foto auf der Titelseite (auch noch einmal größer im Heft abgedruckt) eine sorgenvolle Verona Pooth und verstärkt damit den Eindruck, dass Familie Pooth Opfer einer “Kindes-Entführung” ist. Foto und Überschriften entstellen den Sinn des Artikels. Daher verstößt diese Veröffentlichung gegen Ziffer 2.


Stefanie Hertel & ihr Lanny - Scheidungs-Tragödie - Warum ihr Glück jetzt in den Händen eines Richters liegt

1)

In ihrem Artikel schreibt die “Freizeit Revue” über Volksmusikerin Stefanie Hertel und deren österreichischen Lebensgefährten Leopold “Lanny Isis” Lanner.

Die beiden leben seit Längerem in einer Beziehung, haben allerdings noch nicht heiraten können, weil, so die “Freizeit Revue”, Lanners Scheidung von seiner ersten Ehefrau noch nicht rechtskräftig ist. Die Redaktion verspricht der Leserschaft, besondere Kenntnisse zum vorliegenden Fall zu besitzen: “FREIZEIT REVUE kennt die Hintergründe” …

Eine Hochzeit muss warten. Weil der Österreicher noch verheiratet ist. Wie FREIZEIT REVUE aus seinem Kärntner Umfeld erfuhr, ist die Scheidung von seiner Ehefrau noch nicht rechtskräftig.

2)

Die “Freizeit Revue” hatte mit ihrer Berichterstattung eindeutig Unrecht. Denn drei Tage vor der Veröffentlichung des Artikels haben Stefanie Hertel und Leopold Lanner geheiratet. Die Scheidung Lanners war also offenbar doch schon rechtskräftig — entgegen des vollmundigen Versprechens kannte die “Freizeit Revue” die Hintergründe doch nicht.

Von einer “Scheidungs-Tragödie”, wie die “Freizeit Revue” plakativ auf dem Cover titelt, kann also nicht die Rede sein.

3)

Unseres Erachtens verstößt die “Freizeit Revue” mit ihrer Veröffentlichung gegen die Ziffern 1, 2 und 8 des Pressekodex.

An mehreren Stellen im Artikel schreibt die “Freizeit Revue”, die Scheidung von Leopold Lanner sei “noch nicht durch”, “noch nicht rechtskräftig”, und Lanner sei “noch verheiratet”. Daraus konstruiert die Redaktion die dramatisch-anmutende “Scheidungs-Tragödie” auf der Titelseite. Doch keiner der Punkte entspricht der Wahrheit — das beweist die Hochzeit zwischen Hertel und Lanner. Damit verstößt die “Freizeit Revue” gegen Ziffer 1 des Pressekodex, weil in diesem Fall keine “wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit” stattfindet.

Großspurig kündigt die “Freizeit Revue” an, “Hintergründe” zum Scheidungsverfahren zwischen Leopold Lanner und seiner früheren Ehefrau zu kennen. Das Blatt erwecket den Eindruck, im “Kärntner Umfeld” von Lanner recherchiert zu haben. Die Ergebnisse dieser angeblichen Recherche entsprechen nicht der Wahrheit. Dennoch gibt die “Freizeit Revue” sie wieder. Ziffer 2 der Pressekodex verlangt: “Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.” Dies missachtet die Redaktion und verstößt damit gegen Zwiffer 2 des Pressekodex.

Durch die nicht-wahrheitsgemäße Veröffentlichung (“Scheidungs-Tragödie”) missachtet die “Freizeit Revue” die informationelle Selbstbestimmung von Stefanie Hertel und Leopold Lanner und verstößt somit gegen Ziffer 8 des Pressekodex.


Königin Maxima - Schock-Diagnose! Angst vorm Rollstuhl! Hilft nur noch eine riskante OP? Und was wird jetzt aus den Kindern?

1)

Die “Prima Woche” berichtet in ihrem Artikel über die angeblichen X-Beine von Königin Máxima der Niederlande und schreibt über Schmerzen, unter denen sie leide. Die Königin habe “Angst vorm Rollstuhl”, behauptet das Blatt — sowohl im Artikel als auch in der Überschrift auf dem Cover.

Einzig, so die Redaktion im Text, eine Operation kann sie von ihren Schmerzen befreien. Máxima hat sich bisher allerdings nicht wegen angeblicher X-Beine operieren lassen. Dazu kommentiert die “Prima Woche”:

Aber wie Menschen so sind: Meist nimmt man lieber das bekannte Unglück in Kauf als das unbekannte Glück, das nur durch eine Operation herbeizuführen wäre …

2)

Um ihren Artikel dramatischer wirken zu lassen, erfindet die “Prima Woche” die Schmerzen von Königin Máxima. Jedenfalls liefert das Heft keine Beweise für diese Behauptung.

Ebenfalls ohne erkennbaren Anlass behauptet die Redaktion, die Königin habe “Angst vorm Rollstuhl!” In Kombination mit der Dachzeile (“Schock-Diagnose!”) und der optischen Aufmachung (besorgte Gesichter bei Máxima und ihrem Ehemann Willem-Alexander; im Hintergrund ein Krankenwagen mit Blaulicht) auf der Titelseite gibt die Überschrift Grund zur Annahme, der “Prima Woche” ginge es einzig und allein um die Sensation, die Käufer locken soll.

Unter der Schlagzeile stellt die “Prima Woche” noch die Frage: “Und was wird jetzt aus den Kindern?” Eine Antwort liefert das Blatt nicht, es thematisiert diese Frage nicht einmal ansatzweise im Artikel. Es scheint, als sollte die Frage nach den Kindern ebenfalls nur als Kaufanreiz dienen.

Dazu kommt, dass gegen Ende des Artikels eine Operation als einziger Ausweg unkritisch erwähnt und damit stark angepriesen wird. Dadurch könnten Leserinnen und Leser, die tatsächlich wegen derartiger Probleme unter Schmerzen leiden, dazu angehalten werden, einen solchen schwerwiegenden Eingriff vornehmen zu lassen.

3)

Unseres Erachtens verstößt die “Prima Woche” mit diesem Artikel gegen die Ziffern 1, 2, 8 und 14 des Pressekodex.

Die “Prima Woche” schreibt über “heftige Qualen”, die Máxima angeblich “quälen” sollen. Ein Beleg dafür, dass Königin Máxima tatsächlich ihrer X-Beine wegen Schmerzen leidet, wird nicht geliefert. Man muss also davon ausgehen: Es gibt gar keine Schmerzen, über die berichtet werden müsste. Es gibt keine Notwendigkeit für eine Operation und damit auch keine “Angst vorm Rollstuhl”. Eine wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit findet hier nicht statt. Daher verstößt der Artikel gegen Ziffer 1 des Pressekodex.

Die Dachzeile auf der Titelseite (“Schock-Diagnose!”) wirkt, als stünde fest, dass Máxima unter einer ernsthaften Krankheit leidet. Die Blaulicht-Aufmachung und die dramatische Schlagzeile verstärken dieses Bild. Die abgedruckten Fotos neben dem Artikel im Heftinnern zeigen unter anderem Máximas Schwiegermutter Beatrix, die sich — laut Unterzeile der “Prima Woche” — “Sorgen um ihre Schwiegertochter” macht. Dazu gibt es ein Foto, das Máxima auf Krücken zeigt und von der Redaktion mit “Schon 2001 war sie auf Krücken angewiesen” untertitelt wurde. Überschrift, Dachzeile und die Aufmachung des Artikels entstellen dessen Sinn. Daher verstößt diese Veröffentlichung gegen Ziffer 2.

Die “Prima Woche” liefert keinen Beweis für ihre These, dass Máxima unter Schmerzen leidet und “Angst vorm Rollstuhl” hat. Und selbst wenn es so sein sollte, dass sie wegen ihrer angeblichen X-Beine Schmerzen hat — der Pressekodex stellt in Richtlinie 8.6 klar: Physische Erkrankungen sind Privatsache. Dagegen verstößt der Artikel.

Bei Leserinnen und Lesern, die tatsächlich wegen ihrer X-Beine Schmerzen leiden, erweckt der Artikel der “Prima Woche” die große Hoffnung, dass eine Operation, wie sie im Artikel unreflektiert angepriesen wird, auch ihnen helfen könnte. Das verstößt gegen Ziffer 14 des Pressekodex.


Wir wollen uns wieder häufiger über die Regenbogenpresse beschweren — nicht nur hier im topfvollgold, sondern so richtig offiziell.

In Deutschland ist dafür der Presserat die oberste Anlaufstelle. Deswegen schicken wir wieder regelmäßig Beschwerden über einzelne Regenbogenartikel dorthin.


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