Schattierungen eines Rechtsstreits
1

Schattierungen eines Rechtsstreits

Wir wissen jetzt, warum die “Woche der Frau” die Richtigstellung zur Gottschalks-heimliche-Familie-Geschichte noch einmal abdrucken musste: Die Ankündigung der Richtigstellung auf dem Cover …

Richtigstellung von Thomas Gottschalk zum Beitrag "Heimliche Familie in Polen?" Woche der Frau Nr. 5/2012, auf S. 10

… entsprach optisch nicht der Artikel-Ankündigung aus dem Jahr 2012 …

Thomas Gottschalk - Heimliche Familie in Polen? Unglaublich, was sein angeblicher Cousin behauptet

… und war damit nicht ordnungsgemäß.

Im Detail: Das Wort “Richtigstellung” hatte eine falsche Färbung (Weiß statt Gelb), dazu fehlte beim gesamten Text eine dreidimensional wirkende Schattierung. Außerdem bemängelte Gottschalks Anwalt den schemenhaft wirkenden Hintergrund der zwischenzeitlichen Richtigstellung, der ebenfalls dazu beigetragen habe, dass die Ankündigung schlechter lesbar sei als die ursprüngliche Schlagzeile.

Das sah das Oberlandesgericht Karlsruhe auch so:

Vielmehr ist eindeutig, dass der Kontrast einer weißen Schrift auf gelb-orange-farbenem Untergrund, wie von der Vollstreckungsschuldnerin für den Abdruck auf dem Titelblatt von Heft Nr. 52/2014 gewählt, wesentlich schwächer ist als der einer gelben, dunkel schattierten und damit dreidimensionalen und kontrastreicher wirkenden Schrift, wie auf dem Titel der Ausgabe Nr. 5/2012.

Nun könnte man so etwas reichlich kleinlich und vielleicht auch lächerlich finden. Im Presserecht gibt es allerdings den Grundsatz der Waffengleichheit: Gegendarstellungen und Richtigstellungen müssen von den Redaktionen an derselben Stelle und in derselben Aufmachung veröffentlicht werden wie der Artikel, auf den sie sich beziehen. Denn was bringt schon eine kleine Richtigstellung irgendwo in einer Ecke auf Seite 64, wenn die zurecht beanstandete Fehlinformation dick und fett auf der Titelseite prangte?

Die erste Richtigstellung von Thomas Gottschalk hat die “Woche der Frau” so auf der Titelseite platziert, dass nach Auffassung des Oberlandesgerichts Karlsruhe keine Waffengleichheit herrschte. Um zu diesem Schluss zu kommen, so das Gericht, müsse man kein Fachmann sein:

Dies kann das Beschwerdegericht aus eigener Sachkunde beurteilen, denn die zuständige Einzelrichterin kann lesen und Farben sehen.


facebooktwitteremail

Kommentare:

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>