“Schlimmer Verdacht”
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“Schlimmer Verdacht”

Oft wird behauptet, die Geschichten der Regenbogenpresse seien im Grunde nichts anderes als ein Gespräch beim Bäcker. Klatsch, Gerüchte, seichte Unterhaltung, wenn auch nicht immer tausendprozentig wahr. Aber im Großen und Ganzen eigentlich ganz harmlos.

Meist sind es die Mitarbeiter der Regenbogenpresse selbst, die das behaupten, und es ist zu befürchten, dass sie es auch so meinen.

Also gut, dann vergleichen wir mal. Ein solches Gespräch beim Bäcker läuft in etwa so:

“Erika! Haste schon gehört? Hardy Krüger junior und seine Frau sind seit einem Jahr nicht mehr öffentlich zusammen aufgetreten.”

“Nee, echt?”

“Ja. Bei denen soll’s sowieso schon länger kriseln. Hat die Inge gesagt, die kennt nämlich einen, der mal bei denen das Dach repariert hat.”

In der Regenbogenpresse läuft es in der Tat zunächst ganz ähnlich: Die “Schöne Woche” stellt fest, dass es ein Jahr her sei, dass sich das Paar öffentlich gezeigt habe und dass es bei den beiden sowieso kriseln soll (hat ein “Bekannter” gesagt).

Selbst Krügers Aussage “Wir leben nicht getrennt” bringt das Blatt nicht vom Kurs ab: Viele Paare blieben “nach einem Beziehungs-Aus noch zusammen unter einem Dach – der Kinder wegen.”

Auf die Gerüchte folgt dann aber das, was die Regenbogenpresse so besonders macht: die Spekulation. Die “Schöne Woche” hat sich daran erinnert, dass vor drei Jahren das Kind der beiden gestorben ist – und setzt nun einen “schlimmen Verdacht” in die Welt:Dunkle Wolken - Hardy Krüger Jr. & Katrin - Starb mit ihrem Söhnchen auch ihre Liebe?

Wann haben Sie so etwas das letzte Mal beim Bäcker gehört?

Und selbst wenn: Das Gequassel beim Brötchenkauf kriegen höchstens die Leute in der Schlange mit. Der Rotz der Regenbogenpresse wird dagegen millionenfach unters Volk gebracht – und liefert für viele Bäckerei-Gespräche überhaupt erst den nötigen Stoff.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Kommentare:

  1. Auch da muss man “relativierend” sagen, dass die “Schöne Woche” nicht die einzige Regenbogenzeitschrift ist, die diesbezügliche Spekulationen über Hardy Krüger und seine Frau angestellt hat.

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