Spinn-Doktoren und Krebserreger
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Spinn-Doktoren und Krebserreger

“Tue Gutes und rede darüber”, raten findige PR-Berater seit Jahren ihren prominenten Klienten, wenn die mal wieder positive Schlagzeilen und ein bisschen Aufmerksamkeit brauchen.

“Tue Gutes und rede darüber und bekomme dann eine Schlagzeile um die Ohren gefeudelt, in der es so scheint, als seist Du an Krebs erkrankt”, hört man aus den PR-Abteilungen hingegen seltener.

Vermutlich rechnen die Image-Profis nicht mit der Ekel-Logik der Spinn-Doktoren im weit entfernten Regenbogen-Universum: Die dortigen Hefte übersetzen karitatives Engagement nämlich gern mal in schockierende Überschriften.

Beispiel eins: Schlagersängerin Andrea Berg. Bei Facebook hat sie ihre Fans dazu aufgerufen, sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei typisieren zu lassen. Die Erkrankung eines kleinen Kindes hat sie dazu motiviert.

Das “Echo der Frau” ist voll des Lobes:

Für einen kleinen Jungen namens Felix (7 Monate) nimmt Andrea tapfer den Kampf gegen Krebs auf. Sie hilft, den passenden Spender zu finden.

Berg ist für das Blatt die “Königin der Nächstenliebe” — zumindest im Artikeltext. Auf der Titelseite verkauft sich dieser Kuschelkurs indes nicht besonders, da zieht nur was Negatives. Und so machen die Redaktionsonkologen die “Königin” kurzerhand zum Krankheitsfall:

Andrea Berg - Ihr tapferer Kampf gegen Krebs

Beispiel zwei: Schlagersängerin Linda Hesse. Die “bildhübsche Blondine” (aus dem beschaulichen Bieberbach?) will mit ihrem Song “Mit aller Kraft” krebskranken Menschen neuen Mut geben:

Und sie macht so der Deutschen Krebshilfe ein großes Geschenk: Je 85 Cent pro verkauftem Song-Download spendet die Halberstädterin für den Kampf gegen die heimtückische Krankheit

… schwärmt die “Super TV”, ein Fernseh-Klatsch-Gemisch der Mediengruppe Klambt. Die Expertise der Mitarbeiter liegt gemeinhin im Auflisten des TV-Programms der kommenden Wochen. Und in widerlichen Titelzeilen:

Linda Hesse - Krebs! Wie sie mit der heimtückischen Krankheit umgeht


Dieser Text ist auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier hat sich in seinem Blog ebenfalls die “Krebs!”-Schlagzeile der “Super TV” vorgenommen.


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Kommentare:

  1. Hmm sie spendet wirklich 89ct pro gekauftem Lied für irgendwas? Aktuell kostet der Song bei iTunes 1,29 EUR. MwSt. abziehen, Apple (wohl ca. 30%, gerade keine Quelle da…) abziehen, GEMA abziehen, Anteil für das Musiklabel abziehen… da bleiben wohl so 20ct. für den Künstler. Wie gesagt, keine genaue Rechnung jetzt. Und wenn sie davon 89ct. spendet, RESPEKT :) Und ich glaube nicht, dass das Label sich freut und was mit beisteuert (geschweige denn, der Rest der Bande).

    Aber als Werbegag doch echt cool

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