Stell Dir vor, es ist kein Krieg,
und nur “Die Aktuelle” geht hin
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Stell Dir vor, es ist kein Krieg,
und nur “Die Aktuelle” geht hin

Patronengürtel umschnallen! Gefechtshelme auf! Es herrscht …

Helmut Kohl - Krieg ums Erbe! Böse Beleidigungen! Anwälte eingeschaltet! Es ist alles so furchtbar würdelos!

Allerdings bekommt ausnahmsweise mal nicht Kohls Ehefrau Maike eins übergebraten, weil sie ja eh nur ans finanzielle Erbe des früheren Bundeskanzlers wolle. Die “Aktuelle”-Kriegsminister wühlen sich durchs Schlachtfeld einer ganz anderen Front: Es geht um das neue Buch des früheren Kohl-Ghostwriters Heribert Schwan und den darum entbrannten Streit.

Oder wie “Die Aktuelle” krawallt:

Damit verrät, demütigt, ja entmündigt er Helmut Kohl geradezu, der hilflos zusehen muss, wie alles, was ihm je etwas bedeutete, zerbricht. Das unwürdige Ende eines großen Staatsmannes.

Der würdelose Krieg um Kohls geistiges Erbe begann — die Anwälte sind eingeschaltet.

Ach, ihr Zinnsoldaten von “Die Aktuelle”, dass Kohl und seine Anwälte nun gerade gestern — also einen Tag vor Euer heute erschienenen Kampfpostille — in diesem “Krieg” klein beigegeben haben, passt irgendwie so gar nicht zum Namen Eures Blattes.

Da hilft es auch nichts, dass Ihr ein vergleichsweise aktuelles Foto von der Frankfurter Buchmesse zum veralteten Text gepackt habt:

Kampfeslustig: Kohl (mit Maike) stellte auf der Frankfurter Buchmesse seine Sicht des Mauerfalls bis zur Wiedervereinigung als Neuausgabe vor

Der Mann, der diese Erinnerungen des “kampfeslustigen” Kohl als Ghostwriter aufgeschrieben hat, heißt Heribert Schwan und hockt Eurer Meinung nach im gegenüberliegenden Schützengraben.


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Kommentare:

  1. Hallo :) Ich genieße eure Texte und besuche eure Seite sehr gerne. Leider habt ihr manchmal ein Problem: Auch ihr werdet – wie gesagt nur manchmal – persönlich bzw. undifferenziert.

    Schauen wir uns doch erstmal den Fall über Helmut Kohl an (sofern die öffentlich zugänglichen – seriösen! – Infos stimmen):
    Da haben wir einen ehemaligen Bundeskanzler, der mit einem Mann sein politisches Leben bespricht. Einen Einblick hinter die Kulissen der deutschen Einheit und auch hinter die Kulissen seiner Partei geben will. Dies tut er aber in dem Glauben und unter dem Versprechen, dass diese Zitate nicht vor seinem Tod veröffentlicht werden.
    Nun zerstreitet sich der alte Bundeskanzler mit dem Mann und muss nun erleben, wie seine Worte, seine vertraulich gegebenen Ansichten, nun doch schon in der Öffentlichkeit landen. Es wäre jetzt etwas boulevardesk zu spekulieren, wie es nun in Kohl emotional aussieht, aber ich denke schon, dass es ihm damit nicht allzu gut geht.
    Unter dem Hintergrund einen Satz wie “dass Kohl und seine Anwälte nun gerade gestern — also einen Tag vor Euer heute erschienenen Kampfpostille — in diesem ‘Krieg’ klein beigegeben haben, passt irgendwie so gar nicht zum Namen Eures Blattes.” raus zu hauen… naja. Außerdem hat Kohl nicht klein beigegeben.
    “Ein Gerichtssprecher teilte mit, dass der 84-Jährige die Beschwerde nach einem rechtlichen Hinweis des Oberlandesgerichts am Freitag zurückgenommen habe. Die Kammer habe klargemacht, dass sie wohl keine Aussicht auf Erfolg habe (AZ: 6 U 146/14 und 6 U 147/14).” Der Streit ist damit noch lange nicht vorbei!

    Momentan verklagt Kohl nämlich Heribert Schwan auf Herausgabe “sämtlicher Kopien und Abschriften der strittigen Tonbänder”. Damit hat er sich auch bisher in zwei Instanzen durchgesetzt. So viel zum hier vorliegenden Fall (die Zitate stammen übrigens aus Online-Artikeln von zeit.de).

    Was bleibt übrig? Weniger WAS “die aktuelle” berichtet hat, sondern einmal mehr das WIE. Denn mit der Titelseite erwecken sie nicht unbedingt den Eindruck, dass es sich hier um sein “politisches Vermächtnis”, sondern vielmehr um einen familiären Streit/Geld handelt. Auch ist die gewählte Sprache – natürlich – übertrieben.

    ABER: “Damit verrät, demütigt, ja entmündigt er Helmut Kohl geradezu, der hilflos zusehen muss, wie alles, was ihm je etwas bedeutete, zerbricht. Das unwürdige Ende eines großen Staatsmannes.” Es ist natürlich übertrieben, aber so fern sind sie damit leider gar nicht. Wenn jemand die Zitate eines anderen, gegen dessen ausdrücklichen Willen, nach einem Streit trotzdem veröffentlicht, ist man von Verrat und Demütigung – leider – gar nicht so weit entfernt. Ob es sich nun hoch sterilisiert um “alles, was ihm je etwas bedeutete” handelt, darf dann aber doch bezweifelt werden. Dass es sich bei Helmut Kohl allerdings um einen von Heribert Schwan persönlich verletzen Menschen handelt, ist nicht unbedingt unwahrscheinlich.

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