Klatsch schlägt Katastrophe
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Klatsch schlägt Katastrophe

Die oberste Regel im fernen Regenbogenuniversum lautet: Ein Ereignis ist erst dann ein Ereignis, wenn sich eine Person aus Politik, Showgeschäft oder einem Königspalast mit ihm verknüpfen lässt. Ansonsten existiert es nicht.

Die Redakteure der “Freizeit für die Frau im Blick der Wochenrevue” juckt der Ukraine-Konflikt beispielsweise nullkommanull, bis sie eine Nebendarstellerin einer ZDF-Vorabendserie auftreiben können, deren Schwippschwager sich bei der Fußballeuropameisterschaft 2012 mal ein Spiel im heute umkämpften Donezk angeschaut hat. Dann kann man drüber schreiben.

Wenn der Boulevardjournalismus also durch Skandale, Emotionen und eine starke Personalisierung gekennzeichnet ist, ist die Regenbogenpresse eine in den Laboratorien der Klatschverlage hochgezüchtete Turbo-Variante davon. Nirgends sonst in der deutschen Presselandschaft ist der Personalisierungsgrad derart hoch. Die Regenbogenberichte zum Germanwings-Flug 4U9525 zeigen das einmal mehr.

Während die meisten deutschen Medien seit zwei Wochen den Geschehnissen in Dauerschleife und per Live-Ticker hinterherhecheln, berichten viele Regenbogenhefte überhaupt nicht über den Absturz.

Und die, die berichten, schreiben nicht etwa über die Suche nach dem Flugschreiber oder die verriegelte Cockpit-Tür, sondern über Angela Merkel …

Der unfassbare Flugzeug-Absturz — Angela Merkel — Die Tragödie bricht ihr das Herz
(“Frau aktuell”)

Angela Merkel — Bittere Tränen!
(“Neue Welt”)

… Spaniens Königin Letizia …

Königin Letizia — Tränen und Trauer um die 150 Opfer der Flugzeugkatastrophe
(“7 Tage”)

… und eine Opernsängerin, die an Bord der Maschine saß:

Trauer um 150 Todesopfer — Absturz-Tragödie — Im Sterben hielt sie ihren Sohn im Arm
(“Freizeit Spaß”)

"Frau aktuell": Der unfassbare Flugzeug-Absturz - Angela Merkel - Die Tragödie bricht ihr das Herz; "Neue Welt": Angela Merkel - Bittere Tränen!; "7 Tage": "Königin Letizia - Tränen und Trauer um die 150 Opfer der Flugzeugkatastrophe; "Freizeit Spaß": "Trauer um 150 Todesopfer - Absturz-Tragödie - Im Sterben hielt sie ihren Sohm im Arm"

(Unkenntlichmachung von uns.)

Für eine große Titelstory hat es übrigens bei keinem der Blätter gereicht. Da war das angebliche “Zwillings-Glück” in den Niederlanden dann doch etwas wichtiger.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Ultraschall und Rauch
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Ultraschall und Rauch

Am Freitag haben wir uns mit detektor.fm über die “7 Tage” unterhalten. Und zwar ging es um diese Geschichte:

Fürstin Charlene - Erste Baby-Aufnahmen - Zeigen die Ultraschall-Fotos wirklich zwei Söhne?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Diese Woche, da wird’s mal wieder Royal. Was habt Ihr denn ausgebuddelt?

Mats: Dieses Mal ist es eine Geschichte über Charlène von Monaco. Die ist ja schwanger, wie wir mittlerweile alle wissen, und da geht es jetzt auch so langsam auf die Zielgerade. Und deswegen wir nur da ganz besonders wild spekuliert momentan.

Moritz: Und die Spekulationen treiben da wirklich wilde Blüten. Man findet auf den Titelseiten immer wieder die Vermutung, dass sie gar nicht schwanger ist, sondern vielleicht eine Leihmutterschaft macht, weil sie noch recht durchtrainiert ist. Charlène, das muss man dazu wissen, ist eine ehemalige Profi-Schwimmerin, immer schon sehr sportlich, sehr durchtrainiert gewesen. Nun gibt’s die Gerüchte, dass sie Zwillinge haben soll, und trotzdem sieht man noch nicht so einen richtigen Babybauch. Das ist also die grundlegende Situation in Monaco. Und die Geschichte, die wir uns für diese Woche rausgesucht haben, stammt von der “7 Tage”. Die verspricht auf der Titelseite nämlich, “erste Baby-Aufnahmen” irgendwie in der Geschichte zu haben.

Und dann, wie geht’s weiter? Das kann ja nicht alles sein.

Mats: Die Unterzeile ist: “Zeigen die Ultraschall-Fotos wirklich zwei Söhne?” Da wird schonmal auf dem Titel der Eindruck erweckt, die Redaktion hätte exklusive Ultraschall-Fotos ausgebuddelt. Was aber natürlich gar nicht stimmt, sondern: Es ist tatsächlich ein Ultraschall-Foto von Zwillingen, aber nur irgendeins. Das geben sie auch zu, denn in der Bildunterschrift steht: “Nicht Charlenes Baby — aber so sieht ein Ultraschall-Foto von Zwillingen aus”. Das ist im Grunde schon die Grundlage der Geschichte.

Ist das jetzt eine beliebte Taktik von Boulevardmedien zu sagen, wir haben etwas nicht und deshalb kauft uns?

Moritz: Dass sie es nicht haben, sagen sie ja zumindest nicht auf der Titelseite. Da wird ja tatsächlich der Eindruck erweckt, als gäbe es jetzt irgendwie erste Baby-Aufnahmen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das schonmal die erste Kaufhürde überschreitet. Die geneigte Leserin wird sich dann denken: “Ach, hier, erste Baby-Aufnahmen — wie süß! Da greife ich mal zu” und legt es dann in den Einkaufswagen. Und schon sind wieder 1,60 Euro weg. Innendrin wird es dann ja aufgelöst, und uns hat die Geschichte tatsächlich an eine bestimmte Methode erinnert. Denn vor gar nicht allzu langer Zeit hatte schon einmal die “Freizeit Express” eine ganz ähnliche Geschichte. Das war, als Kate noch mit Baby George schwanger war. Und auch dort wurde auf der Titelseite versprochen: Ach, wie süß — Ultraschall-Babyfotos. Und das kleine Kind nuckelt sogar schon am Daumen. Das soll man angeblich sehen auf den Ultraschall-Bildern. Genauso wie jetzt bei der “7 Tage” die Auflösung: Pustekuchen! Die Bilder haben wir gar nicht.

Reagieren denn die Promis eigentlich auf sowas?

Mats: Bei Promis im Ausland ist es eher selten, dass sie reagieren. Aber es kommt durchaus vor. Vor Kurzem war es, glaube ich, Madeleine von Schweden, die mit Hilfe eines deutschen Anwalts gegen eine Redaktion vorgegangen ist. Aber ich würde mal bezweifeln, dass Charlène dagegen vorgeht, wenn sie überhaupt davon mitbekommen hat. Was ich aber noch interessant finde an der Geschichte: Dass die Redaktion sich schon fast darüber beschwert oder empört, dass es so viele Spekulationen gibt momentan — ob es Drillinge sind, ob es Zwillinge sind, ob sie überhaupt schwanger ist. Sie beschweren sich also ein bisschen darüber, aber im Grunde machen sie mit der Geschichte nichts anderes, als zu den Spekulationen beizutragen. Gerade mit der Titelseite, wo sie die Frage stellen “Zeigen die Ultraschall-Fotos wirklich zwei Söhne?” — das ist einfach nur eine weitere Spekulation.

Moritz: Und diese Bigotterie wird noch auf die Spitze getrieben, wenn man sich den Artikel dann mal durchliest. Denn dort geht es um eine Journalistin namens Tiffany Cantero, und die soll die Ultraschall-Babyfotos überhaupt erst ins Spiel gebracht haben, weil sie in einem Radiointerview wohl gesagt hat, dass sie diese Fotos tatsächlich besitzt. Gezeigt hat sie die noch nie. Und deswegen vermutet die “7 Tage”, dass diese Tiffany sich eigentlich doch nur wichtig machen will und den kurzen Ruhm sucht. Naja, das könnte man auch sehr schnell auf die “7 Tage” ummünzen, wenn man auf der Titelseite schon verspricht, Babyfotos zu haben, und die gar nicht zeigt — das ist ganz genau das, was Tiffany Cantero auch macht.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s am Montag immer hier bei uns im Blog zum Nachhören.

Und unter diesem RSS-Link gibt’s das Ganze als Podcast.


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Leserpoesie (16)
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Leserpoesie (16)

Man kann einen völlig anderen Blick auf die Regenbogenpresse haben als wir. Und auch diesen Blick wollen wir hier im topfvollgold dokumentieren. Dafür eignen sich diese beiden Leserbriefe aus der “7 Tage” beziehungsweise aus “Die Aktuelle” bestens:

Geliebte Zeitschrift - Wenn wir die "7 TAGE" nicht hätten, wäre unser Leben viel langweiliger. Wir würden immer das Gleiche essen, bei gesundheitlichen Problemen sofort zum Arzt rennen und jahrelang die selben Kleider tragen. Doch dank unserer Lieblingszeitschrift probieren wir oft neue Rezepte aus und informieren uns über Krankheiten. Da wir jede Woche über die neuesten Modetrends unterrichtet werden, ist unser Kleiderschrank immer auf dem neuesten Stand. Die Berichte aus der Welt des Adels und die Rätsel vertreiben die Langeweile. Vielen Dank für die tolle Zeitschrift!

Danke - Durch meine Freundin habe ich die aktuelle entdeckt. Sie hat bei mir großes Interesse geweckt. Lesen kann man manch guten Rat, welchen Frau Bettina hat. Über die Forschung und die Medizin steht viel neues in die aktuelle drin. Kochrezepte und Horoskope kann man lesen, aber auch viele Rätsel lösen. Um schöne Preise zu gewinnen sollte man gleich mit raten beginnen. die aktuelle hat viele interessante Seiten welche mich durch den Tag begleiten. Ich sage nur Danke, macht so weiter. Von nun an ist die aktuelle mein ständiger Begleiter.


Nachtrag, 18. Juni 2014, 17:44 Uhr: Einige unserer Leser haben an der Echtheit der Leserbriefe gezweifelt, was wir durchaus nachvollziehen können. Darum haben wir bei der (angeblichen) Schreiberin des zweiten Briefs nachgefragt, ob dieser wirklich von ihr stammt. Sie wusste noch gar nicht, dass der Leserbrief in “Die Aktuelle” abgedruckt wurde, geschrieben habe sie ihn aber.

Die Redaktion hat übrigens völlig übersehen, dass Magdalena ihnen gar keinen Leserbrief, sondern ein Lesergedicht geschickt hat. Durch den unglücklichen Zeilenumbruch wurde das ohnehin schon wilde Gereime vollends zerschossen.

Die Schreiberin des ersten Leserbriefs haben wir nicht erreicht.


Mit Dank an Harald M. und Peter K. für die Hinweise.


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Die Geschichte von Angelika K.

Die Geschichte von Angelika K.

Es müssen ja nicht immer nur Promis und Königshäuser sein. Nein, hin und wieder berichtet die Regenbogenpresse auch über Menschen aus dem einfachen Volk. Über Menschen, die weder berühmt noch adelig sind, die aber eine bewegende Geschichte zu erzählen haben. Über Menschen wie Angelika K.

Angelika K. ist 58 Jahre alt, Hausfrau und wohnt in Hamburg. Und sie hatte lange Zeit ein großes Problem:

“Irgendwann ertrug ich meine faltige Haut nicht mehr. Ich fühlte mich wie ein hässliches altes Faltenmonster.”

Angelika litt so sehr darunter, dass sie sogar über drastische Schritte nachdachte:

“Ich wollte nicht noch mehr altern und überlegte mir sogar, einen Bankkredit für Lifting oder Botox-Spritzen aufzunehmen”.

Doch als sie sich über diese Behandlungen informierte, bekam sie Angst:

Sie waren gefährlich und konnten sogar eine Gesichtslähmung verursachen.

Sie entschied sich also gegen das Lifting.

Und nur kurze Zeit später geschah plötzlich das, was die Geschichte von Angelika K. so besonders macht — und was die “Frau mit Herz” veranlasst hat, dieser Geschichte einen ganzseitigen Artikel zu widmen: Angelika konnte ihre Falten tatsächlich besiegen! Und zwar ganz ohne medizinische Eingriffe, sondern bloß mit einem einfachen Trick! Unglaublich?Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Respekt! Angelika (58) hat das geschafft, was sich Millionen von Frauen wünschen: Die Zeit zurückdrehen und wieder so aussehen wie in ihren 40zigern.

Aber wie denn jetzt genau?

Wie die meisten hat Angelika einen durchschnittlichen Verdienst und kann sich nicht jede neue Anti-Aging-Creme kaufen. Teure Schönheits-Eingriffe kann sie sich erst recht nicht leisten. Aber sie hatte eine Idee.

Ja, so weit waren wir schon.

Angelika gab nicht auf, eine sichere Verjüngungskur zu finden, die wirklich Falten vernichtete und sie nicht in Schulden trieb. Sie wollte es den Schönheitschirurgen zeigen, dass es auch anders ging.

Menschenskind, jetzt aber mal raus mit der Sprache!

Nachdem sie einen Bericht über Zellerneuerung und Stammzellen im Fernsehen angeschaut hatte, entdeckte sie zwei Anti-Aging-Produktmuster von einem kompetenten Kosmetik-Unternehmen: Celyoung Age Less Creme und Age Less Serum (Apotheken). “Warum nur eines nehmen und nicht beide? Dann hat man doch doppelte Wirkung”, erklärt sie ihre Idee.

Sag bloß! Wie raffiniert!

Da kommt diese ausgefuchste Hausfrau doch tatsächlich auf die geniale Idee, die Celyoung Age Less Creme mit dem Celyoung Age Less Serum zu kombinieren!

Und, hat’s denn gewirkt?

Gesagt, getan. Schon nach ein paar Tagen geschah das Unfassbare: Ihre Haut wurde immer glatter – nach 31 Tagen erschien ihr Gesicht für sie genauso glatt wie mit Botox- oder Lifting. Angelika hatte für die Faltenentfernung keine Schmerzen gelitten, sie hatte sich nur Celyoung Age Less Creme und Serum in der Apotheke besorgt. Statt Tausende von Euro kostete sie das nur 1 Euro am Tag.

Fazit?

Angelika sah quasi von jetzt auf nachher um 15 Jahre jünger aus! Und das veränderte ihr ganzes Leben.

Und so sieht sie heute aus, unsere Angelika K., 58, Hausfrau aus Hamburg:Ausriss: "Frau mit Herz", Nr. 37/2013

Der Rest des Textes (der übrigens gut dreimal so lang ist wie ein durchschnittlicher Regenbogenartikel) lässt sich sinngemäß etwa wie folgt zusammenfassen:

Die Celyoung Age Less Creme ist der absolute Oberwahnsinn. Und das Serum auch.

Das allein ist die Botschaft dieses ganzseitigen Artikels, der weder als “Anzeige” noch als “Sonderveröffentlichung” noch als Sonstwas gekennzeichnet ist. Ein ganz normaler Artikel im redaktionellen Teil der “Frau mit Herz”:Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Und im redaktionellen Teil der “neuen Frau”:Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Und im redaktionellen Teil der “7 Tage”:Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Und im redaktionellen Teil der “Heim und Welt”:Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Und im redaktionellen Teil der “Woche der Frau”:Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Fünfmal der gleiche PR-Text, fünfmal aufwendig ans Layout der anderen Artikel angepasst, fünfmal fehlt jegliche Kennzeichnung, dass es sich um Werbung handelt.

Natürlich: Als einigermaßen medienerfahrener Mensch sollte man spätestens nach ein paar Sätzen merken, was hier läuft. Aber die fünf Hefte — sie erscheinen alle im Klambt-Verlag — erreichen zusammengerechnet pro Woche über eine Million Leser. Wie viele davon werden die Schleichwerbung wohl als solche erkennen? Und wie viele werden denken, dass es ein echter Artikel ist? Über eine echte Frau, deren Leben in echt verändert wurde von diesem Zeug aus der Apotheke?

Angelika K. ist uns vor ein paar Wochen übrigens schon mal begegnet. Da war sie allerdings noch nicht 58, sondern erst 54. Und sie sah auch etwas anders aus. Die Botschaft aber war dieselbe:So zaubern Sie Ihre Falten weg!

Manchmal sieht Angelika K. auch so aus:So zaubern Sie Ihre Falten weg

Manchmal ist es auch nicht Angelika K., sondern Verena D.:Ausriss: "Frau mit Herz", Nr. 35/2013

Und manchmal geht es in den Fake-Artikeln des Klambt-Verlags nicht um Anti-Aging-Creme, sondern um Schlankmacher-Pillen oder Mittel gegen Fußpilz. Die versteckte Werbung hat bei Klambt ganz offensichtlich System. Es ist nicht das erste Mal, dass wir das feststellen.

Auch das Netzwerk Recherche hat vor Kurzem in einer Studie zum Thema Journalismus und Korruption aufgedeckt, wie “perfekt organisiert” das “Geschäft mit der heimlichen Werbung” in vielen Regenbogenredaktionen läuft.

Im Übrigen schaltet die Firma Celyoung in den Heften des Klambt-Verlags auch legale Anzeigen. Aber ob das die Sache besser macht?


Siehe auch: Kurzstudie des Netzwerks Recherche in Kooperation mit Transparency International Deutschland, dem Institut für Journalistik der TU Dortmund und der Otto Brenner Stiftung


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Fantasien über Frisos Tod
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Fantasien über Frisos Tod

Als bekannt wurde, dass der niederländische Prinz Friso nach vielen Monaten im Koma gestorben war, wurde es hektisch in den deutschen Regenbogenredaktionen. Die “Neue Post” tauschte eilig das Titelblatt ihrer Ausgabe aus und präsentierte drei Tage nach Frisos Tod diese Sonderausgabe:Trauer in Holland - Prinz Friso gestorben - Aktuelle Sonderausgabe - Aktuell - Extra-Ausgabe - 23 Sonder-Seiten! - Beatrix - Friso starb in ihren Armen - Das unsagbare Leid einer Mutter - Die Tränen - Der Abschied

Auch “die aktuelle” sah plötzlich nicht mehr so aus, sondern so:Aktualisierte Ausgabe - Holland in Trauer! - Abschied von Prinz Friso (†44) - Die dramatische Entscheidung - Seine letzten Stunden - Großer Rückblick - Seine Kindheit - Seine Liebe - Seine Familie - Sein Schicksal

Andere Blätter zogen im Laufe der Woche nach, etwa die “7 Tage”:Heimliches Begräbnis - Beatrix & Maxima - Tränen und Trauer! Die letzte Nacht vor Johan Frisos Tod

Und die “neue woche”:Königin Máxima - Abschied für immer! - Ein Engel hat Prinz Friso erlöstUnd bekanntlich die “Neue Welt”:Ausriss: "Neue Welt für die Frau" - Friso starb mit nur 44 Jahren - Beatrix und Mabel - Der traurige Abschied zerreißt ihnen das Herz

Und wieder “die aktuelle”:Prinz Friso (†44) - Der Tränen-Abschied der Familie

Es war abzusehen, dass die Regenbogenpresse so reagieren würde. Der Tod des Prinzen als Sensation. Als Geschäft. Das ist Alltag in dieser Branche.

Überrascht hat uns nicht das Ausmaß, sondern vielmehr die Art der Berichterstattung.

Der Artikel von Sandra Beckedahl in “das neue” ist ein eindrucksvolles Beispiel:Tränen um Friso - Beatrix - Beim Abschied hielt sie seine Hand

Es war so weit. Plötzlich war er da, der Augenblick, vor dem sie sich gefürchtet hatte. Aber Prinzessin Beatrix (75) wusste: Es war unausweichlich. Es würde ein Ende sein, aber auch eine Erlösung.

Sie war mit Friso allein in dessen Zimmer im Schloss Huis ten Bosch. Und das letzte Mal hielt sie seine Hand. Sie nahm Abschied. [...]

Und als sie jetzt neben seinem Bett saß, liefen vor ihrem inneren Auge all die Bilder seines Lebens ab: die Einschulung, der Tag, an dem Friso seinen ersten Milchzahn verlor. Wie stolz er war, als er Fahrradfahren lernte. Sein erstes Zeugnis, die Erfolge in der Schule und an der Universität. Ja, er war ein kluger Kopf gewesen. [...]

Es waren so viele schöne Dinge, die Mutter und Sohn teilen durften. Jetzt hatten sie nur noch wenige Minuten. Beatrix spürte, wie Frisos Atem immer schwächer wurde. Wie er versuchte, den Kopf in ihre Richtung zu neigen. Und wie er beim Abschied ihre Hand drückte, als er schließlich von dieser Welt ging.

Ist das zu fassen? Da denkt sich einfach jemand irgendein kitschiges Gechwurbel aus, und das wird dann auch noch rotzfrech als die Wahrheit verkauft. Eine frei erfundene Geschichte!

Sandra Beckedahl hat in Wirklichkeit überhaupt keine Ahnung. Sie war nicht dabei, als Friso starb, sie weiß genauso viel (oder wenig) wie ihre Kollegen in anderen Redaktionen. Sie alle können sich einzig auf das berufen, was das Königshaus offiziell mitgeteilt hat.

Aber das wäre ja langweilig. Außerdem müssen ja diese verdammten Sonder-Seiten irgendwie gefüllt werden. Also tun viele Autoren ganz einfach so, als wären sie bei Frisos Tod dabeigewesen. Die Artikel sind durchzogen von fiktiven Szenen und erfundenen Zitaten, ein triefender Brei aus Halbwahrheiten und reiner Fiktion.

“die aktuelle” etwa schreibt:

Prinzessin Mabel saß am vergangenen Sonntag bis zum späten Abend am Krankenbett ihres Mannes Johan Friso. Es war ihr 45. Geburtstag. Sie nahm sein Gesicht noch einmal in beide Hände, küsste ihn. Dann verließ sie ihn bis Montagfrüh. Sie sagte einer Freundin am Telefon, dass sie so ein merkwürdiges Gefühl habe. Irgendetwas sei anders als in den Monaten zuvor. Am nächsten Tag hörte Frisos Herz auf zu schlagen …

Die “Frau mit Herz” titelt:Prinzessin Mabel fleht - Bitte steh mir bei, geliebte Beatrix! - Extra auf vielen Seiten - Tragisch - Prinz Friso ging einen Tag nach dem 45. Geburtstag seiner Frau!

Friso verlässt seine Familie einen Tag nach Mabels Geburtstag, den sie noch gemeinsam mit ihm und den Töchtern an seinem Krankenbett verlebt: Sie weiß nicht, dass die zärtlichen Worte, die sie zu ihm spricht, die letzten sein sollen. Sanft streichelt sie seine Hand – sie soll die vertraute Wärme nie wieder spüren. Mabel zerreißt es das Herz. Wie soll sie nur ohne ihren Mann leben? In den Stunden tiefster Trauer und Verzweiflung schreit ihre Seele nach Hilfe! Mit tränengefüllten Augen fleht sie: “Bitte steh’ mir bei, geliebte Beatrix!” Mabel weiß, dass ihre Schwiegermutter sie nicht im Stich lässt. Nur mit ihrer unendlich starken Liebe kann sie ihr schweres Los ertragen.

Auch “Das goldene Blatt” brüstet sich damit, angebliche Einzelheiten vom Sterbebett zu kennen …Beatrix & Mabel - Trauer um Johan Friso (†) - Sein letzter Wunsch - Die überraschende Wahrheit

…, hat sich in Wirklichkeit aber auch alles ausgedacht:

Mabel (45) führt eine Art innere Zwiesprache mit dem Mann, den sie so sehr liebte. Und sie erinnert sich wieder an die Abende, an denen sie ihre Gedanken miteinander teilten. Für Mabel ist es, als habe Friso schon damals seinen letzten Wunsch geäußert.

Wie oft hatte er von seiner Liebe zu seinen Töchter [sic] Zaria und Emma gesprochen. Sie sollten unbeschwert und glücklich aufwachsen. Aber auch an seine Mutter Beatrix dachte Friso oft. Mabel musste ihm versprechen, sich gut um ihre Schwiegermutter zu kümmern. Und für Mabel selbst erhoffte sich Johan Friso sogar ein neues Liebesglück – sollte er einmal vor ihr gehen…

Die junge Witwe ist davon überzeugt, dass Friso ihr dies alles noch einmal kurz vor seinem Tod sagen wollte. Denn plötzlich sollen seine Lider unmerklich gezuckt haben und sie schien sogar einen leichten Händedruck zu spüren. Für Mabel steht fest: Sie wird Frisos letzten Wunsch erfüllen. Und sie wird stark sein.

Die “Neue Post” fantasiert:

Nur spärlich dringt die Sommersonne in ihre Privatgemächer auf Schloss Huis ten Bosch. Beatrix (75) hält die Vorhänge auch am Tag geschlossen. Das Tageslicht brennt in ihren rot geweinten Augen. […]

Nun wird Beatrix seine sanfte Stimme nie mehr hören, seine Hand nie mehr in der ihren spüren, sein Lächeln nie mehr sehen. Der Himmel strahlt in diesen Tagen über Huis ten Bosch. Doch für die Schlossherrin hat die Sonne aufgehört zu scheinen …

Die “Heim und Welt” ist sogar dreist genug, ein fitkives Zitat als Titelschlagzeile zu verwenden:Extra auf vielen Seiten - Mabel tröstet ihre Töchter - "Jetzt ist PAPA euer Schutzengel" - Nach dem tragischen Abschied von Friso

Wie sehr ist Prinzessin Mabel jetzt gefordert! Als liebende Mama, die Trost spendet. Trotz aller tiefen Trauer. Vielleicht umarmt sie Luana und Zaria und sagt zu ihnen: “Papa wacht jetzt als Schutzengel über euch.”

Vielleicht. Aber vielleicht auch nicht. Wie das mit frei erfundenen Geschichten eben so ist.

Und da soll noch mal jemand sagen, die Regenbogenpresse hätte irgendwas mit Journalismus zu tun. Die Redaktionen verbreiten absichtlich die Unwahrheit, sie lügen und erfinden, sie bereichern sich am Tod eines Menschen und haben nicht den geringsten Respekt, weder vor den Angehörigen noch vor der Wahrheit. Das ist kein Journalismus. Das ist eine einzige, ekelhafte Unverschämtheit.


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Das Kilo-Killer-Komplott

Das Kilo-Killer-Komplott

Schleichwerbung ist ein fester Bestandteil der Regenbogenpresse.

Das ist eine der vielen traurigen Erkenntnisse, die wir in den mehr als 100 Tagen topfvollgold-Arbeit erlangt haben. Wir hatten schon früh geahnt, dass wir in diesen Heften, die ja auch sonst im Grunde tun und lassen, was sie wollen, bei näherem Hinsehen Schleichwerbung finden würden. Doch das, was dort Woche für Woche in Abermillionen Zeitschriften getrieben wird, hatten wir nicht für möglich gehalten.

Das Ausmaß, in dem Dutzende Redaktionen in ihren Heften heimlich und hemmungslos Werbung machen, ist ein besorgniserregendes Sinnbild dafür, wie bedenkenlos einige deutsche Zeitschriftenverlage im Akkord gegen Regeln verstoßen und sich dabei die Taschen vollmachen können, ohne dass irgendwer auch nur ansatzweise etwas dagegen tut.

Schon häufiger haben wir gezeigt, wie der Deltapark Verlag im redaktionellen Bereich ohne jeden Anlass Produkte eines Kaugummi-Herstellers erwähnt. Die “Freizeit Revue” von Burda hat es eher mit Keksen und Käse-Würfeln. ConPart setzt auf Halbfettmargarine.

In den Regenbogenredaktionen der Funke-Gruppe (ehemals WAZ-Gruppe) scheint “das Geschäft mit der heimlichen Werbung” sogar “perfekt organisiert zu sein”, wie das Netzwerk Recherche im Rahmen einer Kurzstudie zum Thema “Journalismus und Korruption” jetzt festgestellt hat:

So finden sich in den Titeln [der WAZ-Women Group] Hunderte konkreter Empfehlungen für spezifische Markenartikel. Obwohl der Artikel dies nicht erfordert. […]

Hinzu kommen zahllose unmotiviert erscheinende Empfehlungen für rezeptfreie Mittel aus der Apotheke. Ob Schmerzgel, Mittel zur Förderung der Kollagenbildung oder Mittel mit Birkenextrakt, ständig tauchen Produkte namentlich auf. Versehen mit dem Hinweis, diese seien in der Apotheke erhältlich. […]

Empfehlungen, die angesichts von insgesamt 1,8 Millionen Lesern der WAZ-Woman-Group durchaus für höhere Verkaufszahlen bei den Unternehmen sorgen könnten. Und das nutzt man wohl, um Geschäfte in Schwung zu bringen. Ein Insider berichtet, dass die Anzeigenabteilung systematisch Einfluss auf Inhalte im Heft nehme. Sie teile Redaktionen mit, wen sie in welchem Umfang erwähnen sollen. Beschwerden wegen Schleichwerbung nehme man in Kauf.

Im Klambt-Verlag läuft es offenbar ganz ähnlich. Zumindest hat man sich in der Redaktion der “Woche der Frau” sichtlich Mühe gegeben, den Werbetext für einen “Kilo-Killer” so aussehen zu lassen, als wäre er ein ganz normaler Artikel:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel Turbo gegen zu viel Fett! Das Schlankmittel für Eilige!

(Klicken Sie auf das Bild für eine größere Version.)

In der “Frau Mit Herz” (Klambt) wurde die Werbung ebenfalls getarnt:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel-Turbo gegen zu viel Fett - Das Schlank-Mittel für Eilige

In der “7 Tage” (Klambt) auch:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel-Turbo gegen zu viel Fett! - Das Schlank-Mittel für Eilige!

In der “Heim und Welt” (Klambt) auch:Der neue Kilo-Killer - Bio-Stoffwechsel: Turbo gegen zu viel Fett!

Und in der “neuen Frau” (Klambt) auch:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel-Turbo gegen zu viel Fett! Das Schlank-Mittel für Eilige!

Fünfmal der gleiche PR-Text, fünfmal aufwendig ans Layout der anderen Artikel angepasst, fünfmal fehlt jegliche Kennzeichnung, dass es sich um Werbung handelt. Das kann kein Versehen sein.

Im Gegenteil: Je intensiver wir uns mit den Heften beschäftigen, desto mehr drängt sich der Eindruck auf, dass auch im Hause Klambt hinter der nicht kenntlich gemachten Werbung System steckt.

In der vorigen Woche warben die Klambt-Hefte in ähnlicher Form für ein Gel gegen Arthrose, in der Woche davor für eine Anti-Falten-Creme (von derselben Firma, die auch den “Kilo-Killer” vertreibt), in der Woche davor für einen medizinischen Nagellack. Keiner der manchmal über mehrere Seiten gehenden Texte ist als Werbung gekennzeichnet, oft kommen die Fotos direkt von den Herstellern.

Hinzu kommt, dass die Firmen, die den Nagellack beziehungsweise die Creme und den “Kilo-Killer” herstellen, auch reguläre Anzeigenkunden des Klambt-Verlags sind. Selbst für die getarnt beworbenen Produkte sind schon Anzeigen geschaltet worden.

Der medizinische Nagellack zum Beispiel, der in Ausgabe 26 in einem vermeintlich redaktionellen Beitrag beworben wird (“Nagelpilz: So schützen sie sich wirkungsvoll davor”), taucht in den Ausgaben 28, 29 und 30 wieder auf, in diesen Fällen aber als kenntlich gemachte Anzeige (“Stark gegen Nagelpilz”).

Es kommt sogar vor, dass in der gleichen Ausgabe zweimal für dasselbe Unternehmen geworben wird — sowohl per Anzeige als auch per Fake-Artikel. So geschehen vor etwa drei Wochen in der “Woche der Frau”. Auf Seite 15 findet sich diese Anzeige:So kriegen Sie die Falten klein!

Ein paar Seiten später stößt man dann auf diesen “Artikel”:So zaubern Sie Ihre Falten weg

Die Creme aus dem redaktionellen Teil und die aus der Anzeige sind vom gleichen Hersteller, Marke und Logo sind identisch, und selbst einer der Experten kommt in beiden Texten zu Wort.

So geht das Heft für Heft. Das Produkt, das in dieser Woche in einem “redaktionellen Beitrag” gelobt wird, erscheint zwei Ausgaben später — manchmal sogar noch im selben Heft — in einer ganz normalen Anzeige.

Eine ganzseitige Anzeige kostet beim Klambt-Verlag, wenn sie in allen fünf oben aufgelisteten Regenbogenheften sowie in der Frauenzeitschrift “Lea” erscheinen soll, fast 25.000 Euro. Wie viel ein Unternehmen hinblättern muss, um im redaktionellen Teil zu erscheinen, ist hingegen nicht bekannt.


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“Wie demütigend”

“Wie demütigend”

Gib der Regenbogenpresse ein klitzekleines Gerücht, und sie strickt einen großen Skandal daraus. Gib ihr ein “Enthüllungsbuch”, und sie dreht komplett am Rad.

In dieser Woche ist es Prinzessin Letizia von Spanien, die der unstillbaren Spekulationsgeilheit der Regenbogenheftchen zum Opfer fällt.

Denn eine brandheiße Schlagzeile erschüttert in diesen Tagen ganz Spanien: “Letizia hatte eine Abtreibung”, behauptet David Rocasolano (49).

Der Mann ist zu allem übel nicht irgendein verrückter Wichtigtuer,

… also nicht so wie sonst, wenn die “Woche der Frau” Geschichten ausgräbt, …

sondern Rechtsanwalt und – jetzt wird es ganz bitter – Letizias eigener Cousin!

Und der hat ein “erschütterndes” Buch geschrieben, das die Regenbogenredaktionen derzeit ganz schön in Fahrt bringt. Was auch kaum verwundert – denn jetzt müssen sie sich nicht mühsam etwas zusammenspinnen, sondern den Dreck einfach nur noch abschreiben.

Bei der “Woche der Frau” sieht das dann so aus:Abtreibungs-Skandal - Prinzessin Letizia - War sie schon vor der Hochzeit schwanger?

Auch “Das neue Blatt” kriegt vor Entsetzen kaum noch Luft:

Jetzt steht alles auf dem Spiel. Einfach ALLES! Letizia von Spanien droht ihr ganzes Glück zu verlieren. Ihre Zukunft. Ihre Ehe. Ihre Kinder.

In Spanien stehen schwerste Vorwürfe im Raum. Der schlimmste: Letizia soll abgetrieben haben, 2002, kurz vor der Verlobung mit Felipe (45). Das wäre nicht nur ein Verstoß gegen das Gesetz gewesen. Das wäre auch ein Grund für die Exkommunizierung aus der katholischen Kirche.

[…] Für Letizia würde das im Klartext bedeuten: Ihre Ehe mit Felipe wäre ungültig, ihre Töchter wären unehelich, und sie selbst dürfte niemals Königin werden …

Es steht alles auf dem Spiel. Alles!

Das Heft prophezeit:Nach dem Abtreibungs-Skandal - LETIZIA (49) - Ihre dunkle Vergangenheit wird ihr jetzt zum Verhängnis

Und fragt:Abtreibungs-Skandal - LETIZIA - Wird sie jetzt vom Hof verstoßen?

Die “Heim und Welt” ist dermaßen schockiert, dass sie gleich drei Fragen auf einmal stellt:LETIZIA VON SPANIEN - Kommt jetzt ihre herzlose Lebenslüge ans Tageslicht?Lieber Karriere statt Kind?DAS ENDE? - Die spanische Monarchie vor dem Aus - Prinzessin Letizia der Abtreibung beschuldigt - Auch Infantin Cristina muss vor Gericht - Das Volk klagt Königin und König an - Prinz Felipe sieht machtlos zu

Auch andere Blätter stürzen sich hechelnd auf den “Abtreibungs-Skandal” im spanischen Königshaus:Der eigene Vetter klagt an: Prinzessin Letizia hat heimlich abgetrieben!

(“Die neue Frau”)Letizia - Lüge oder Wahrheit? Düsteres Baby-Geheimnis(“7 Tage”)Letizia von Spanien - Gemeine Vorwürfe - Ihr engster Vertrauter beschimpft sie als falsche Schlange(“Viel Spaß”)

“das neue” stellt besorgt fest:Prinzessin Letizia - Sie zerbricht an ihrer dunklen Vergangenheit

Detailliert schildert “das neue” in dem Artikel die Anschuldigungen des Cousins — von den Spekulationen über “Verfolgungswahn, Abtreibung und Kontrollsucht” bis hin zur Behauptung, Letizia “sei verantwortlich für den Selbstmord ihrer kleinen Schwester Érika († 31)”.

Über dem Artikel steht:WIE DEMÜTIGEND - das neue

Ja, “das neue”. Da hast du ausnahmsweise mal recht.

Währenddessen räumt die “7 Tage” ein:

Möglich aber, dass die Kronprinzessin nun aber ihrerseits über eine Klage nachdenkt. Wenn es gar kein düsteres Baby-Geheimnis gibt und David Rocasolano gelogen hat, könnte er für fünf Jahre im Gefängnis landen. Gerücht oder Lüge – es bleibt abzuwarten.

Nicht für die “Freizeit Revue”. Für die steht längst fest:Kronprinzessin Letizia - Unfassbarer Skandal - Sie war von einem anderen schwanger, als sie Felipe kennenlernte

Damit unterscheidet sich die “Freizeit Revue” von den meisten anderen Blättern. Denn sie schreibt die Aussage, Letizia sei “von einem anderen schwanger” gewesen, nicht mehr nur dem Cousin zu, sondern macht sie sich kurzerhand zu eigen.

Was es bedeutet, wenn ein Medium solche Behauptungen aufstellt oder verbreitet, obwohl diese nicht erweislich wahr sind, haben wir in einem anderen Eintrag ausführlicher erklärt. Wenn die Journalisten keine Beweise für ihre Behauptung vorlegen können, wenn sie nicht umfassend recherchiert haben (und dazu zählt mindestens, die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen), und wenn der Beitrag noch dazu so reißerisch gestaltet ist, dann machen sich diese Journalisten der üblen Nachrede (§ 186 StGB) schuldig.

Es ist wohl eher nicht davon auszugehen, dass die “Freizeit Revue” irgendwelche Beweise für ihre Behauptungen hat. Sie erwähnt jedenfalls nichts davon. Die einzige Quelle, die das Blatt nennt, ist dasselbe “erschütternde Enthüllungsbuch”, aus dem auch alle anderen zitieren. Und nicht nur auf dem Titelblatt, auch im Artikel lässt die “Freizeit Revue” wenig Zweifel an der Richtigkeit der “bitteren Vorwürfen”:

Etwa einen Monat vor [der Abtreibung], im September 2002, trafen sich Letizia und Felipe zum ersten Mal bei einem Abendessen. Das bedeutet: Als Letizia Felipe kennenlernte, war sie von einem anderen schwanger. [...]

In Spanien war eine Abtreibung damals illegal, falls keine physischen oder psychischen Indikationen vorlagen. Aus Machtstreben brach Letizia selbst Gesetze. Noch dazu hatte sie als Katholikin schwer gesündigt. Und Felipe? Er wusste von allem.

Mal ganz kurz, liebe “Freizeit Revue”. Also vielleicht ist ja tatsächlich was dran an den Vorwürfen, die der Cousin da in die Welt posaunt hat. Und angesichts der Konsequenzen, die damit verbunden wären, ist es wahrscheinlich auch gerechtfertigt, darüber zu berichten. Aber kann man solche üblen Beschuldigungen dann nicht wenigstens im Konjunktiv wiedergeben?

Oder was meinst du, “Echo der Frau”? Obwohl — was du von Konjunktiven hältst, haben wir gemerkt:Letizia trieb ihre Schwester in den Tod!

Auch die “Neue Post” fackelt nicht lange und erklärt die Vorwürfe schlichtweg zur Tatsache:

Ganz Spanien ist schockiert - Letizia & Felipe - Er ist nicht der Vater ihres ersten Kindes!

Doch das Blatt wäre nicht “Die Nr. 1 in Adel”, wenn es sich damit begnügen würde, einfach nur die Gerüchte nachzuplappern, die andere in die Welt gesetzt haben. Nein, hier legt man Wert auf “Qualität” und “Tradition” – und unterfüttert die Fremdspekulationen deshalb gewissenhaft mit ein paar eigenen wilden Mutmaßungen:

[…] vielleicht war das Kind auch die unerwünschte Folge einer durchfeierten, heißen Nacht? Die zarte Prinzessin war früher kein Kind von Traurigkeit. Wer erinnert sich da nicht an das Porträt, das Letizia 2004 halb nackt auf einer Plattenhülle zeigt …

Die “Neue Post” tut es jedenfalls. Und druckt “Das Nackt-Porträt” für all jene, die sich nicht mehr so gut erinnern können, sicherheitshalber nochmal ab.

Und besitzt dann sogar die Frechheit, Leitzias Cousin vorzuwerfen, er beschädige ihr Ansehen — in einem Artikel, der nichts weiter tut, als Leitizias Ansehen zu beschädigen:Unfassbare Enthüllungen - Schock in Spanien - Letizia & Felipe - Er ist nicht der Vater ihres ersten Kindes! [Ein Großteil der rechten Seite ist mit einem Foto der weinenden Leitizia gefüllt]

Unter dem Bild auf der rechten Seite steht:

Eine Prinzessin kämpft mit den Tränen: Die Enthüllungen haben Letizia offensichtlich schwer getroffen.

Dass Letizia auf dem Bild “mit den Tränen” kämpft, könnte allerdings auch etwas damit zu tun haben, dass es 2007 aufgenommen wurde – auf der Beerdigung ihrer Schwester.

Das hat die “Neue Post” wohl leider übersehen. Aber an solche Dinge denkt man auch nicht, wenn man weder Skrupel noch Pietät besitzt.


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