Post an den Presserat (3)
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Post an den Presserat (3)

Und wieder haben wir einen Schwung Beschwerden an den Presserat geschickt — dieses Mal zu folgenden Regenbogen-Artikeln …


Willem-Alexander - Das Geständnis seiner Mutter rührt ihn zu Tränen

1)

Die “Heim und Welt” berichtet von einem Gespräch zwischen dem niederländischen König Willem-Alexander und seiner Mutter Beatrix. Die Redaktion will dabei ganz nah dran gewesen sein und schreibt im Reportagestil direkt aus dem Büro des Königs:

Zufrieden klappt Willem-Alexander (46) die Arbeitsmappe auf seinem Schreibtisch zu und legt sie zur Seite. Da fällt ihm der Kalender ins Auge, in dem der 27. April farbig markiert ist. Denn dieses Datum ist ein ganz besonderes: Zum ersten Mal wird Willem-Alexander dort mit den Niederländern den Königstag zu seinen Ehren feiern!

In diesem Reportage-Ton geht es weiter, als ihn “plötzlich” “ein Klopfen aus seinen Gedanken” holt und seine Mutter die Tür mit “einem leichten Knarren” öffnet. Sie sagt ihm, wie stolz sie auf ihn sei und dass die Niederländer mit ihm einen hervorragenden König hätten. Diese angeblichen Aussagen von Beatrix lassen die “Heim und Welt” titeln: “Willem-Alexander — Das Geständnis seiner Mutter rührt ihn zu Tränen”.

2)

Der Artikel der “Heim und Welt” ist mit all seinen Details und Geschehnissen komplett erfunden. Das Blatt führt keine Belege oder Quellen an, die darauf hindeuten könnten, dass sich die beschriebene Szene im Büro des niederländischen Königs tatsächlich so abgespielt hat.

Zudem ist der “Heim und Welt” ein faktischer Fehler unterlaufen, der die Zweifel an der Wahrhaftigkeit des Artikels noch einmal unterstreicht: Üblicherweise findet der Königstag in den Niederlanden tatsächlich am 27. April statt. 2014 wurde er jedoch um einen Tag vorverlegt, weil er sonst auf einen Sonntag gefallen wäre. Es wäre also höchst verwunderlich, wenn in Willem-Alexanders Kalender der 27. April 2014 “farbig markiert” war.

3)

Unseres Erachtens verstößt der Artikel der “Heim und Welt” gegen die Ziffern 1 und 2 des Pressekodex.

Für ihre Geschichte liefert die “Heim und Welt” keinen Anhaltspunkt, der dafür spricht, dass es zu diesem Gespräch zwischen Mutter und Sohn tatsächlich gekommen ist. Es ist höchst wahrscheinlich, dass die Geschichte vollständig an den Haaren herbeigezoen ist. Der Artikel widerspricht damit sowohl der Achtung der Wahrheit — da hier offensichtlich eine erfundene Geschichte als Wahrheit ausgegeben wird — als auch der wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit, die der Pressekodex fordert. Daher verstößt die “Heim und Welt” mit dieser Veröffentlichung gegen Ziffer 1.

Nicht nur, dass das bloße Erfinden einer kompletten Geschichte dem Anspruch ordenticher Recherche gänzlich widerspricht — beim Erfinden hat die “Heim und Welt” auch noch einen faktischen Fehler gemacht. Dazu steht unter Ziffer 2 des Pressekodex: “Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen [...] sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.” Eine Prüfung “mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt” hat in diesem Fall offensichtlich nicht stattgefunden. Damit verstößt die “Heim und Welt” gegen Ziffer 2 des Pressekodex.


Fürstin Charlène - Lebensgefahr! Im Traum-Urlaub war sie dem Tod ganz nah

1)

Die “Schöne Woche” berichtet über einen Urlaub, den Monacos Fürstin Charlène auf einer Karibikinsel verbracht hat. Auf den ersten Blick durch und durch ein Traumurlaub, doch nicht so laut der Schlagzeile der “Schöne Woche”: “Im Traum-Urlaub war sie dem Tod ganz nah”. Im Artikel heißt es dann weiter: “Die Fürstin befand sich in Lebensgefahr! Ein lautloser Killer bedrohte ihr Glück.”

Bei dem “lautlosen Killer” handelt es sich um die Tigermücke, die auch auf dieser Karibikinsel vorkommen soll und das Dengue-Fieber verbreitet. Laut “Schöne Woche” sterben jährlich 22 000 Menschen an dieser Krankheit, weltweit erkranken daran jedes Jahr 50 bis 100 Millionen, davon rund 20 000 in der Karibik. Schutz gegen das Dengue-Fieber bietet unter anderem das Tragen heller und geschlossener Kleidung. Darauf hat Charlène, wie die “Schöne Woche” besorgt feststellt, verzichtet:

Als sie mit ihren Freunden herumalberte, hatte sie die Ärmel hochgekrempelt und trug Shorts. Sie lief auch barfuß über den Strand [...]. Die Fürstin bot den Mücken also mit viel nackter Haut eine Menge Angriffsfläche. Ganz schön leichtsinnig!

Letztendlich ist Charlène auf ihrer Reise nichts Schlimmes zugestoßen, beruhigt die “Schöne Woche”, die aber gleichzeitig mahnt: “Sie kann von großem Glück reden, dass ihr nichts passiert ist!”

2)

Die “Schöne Woche” übertreibt in dieser Veröffentlichung maßlos. Sie verdreht Fakten und Tatsachen zu Charlènes Urlaub so sehr, bis eine angebliche Sensation herauskommt, die das Blatt groß auf der Titelseite ankündigen kann. Nach der “Schöne Woche”-Logik wäre jeder Karibik-Urlauber “dem Tod ganz nah”. Hochgekrämpelte Ärmel und ein Barfuß-Spaziergang rechtfertigen nicht die Hysterie der Schlagzeile.

Die auf dem Titel versprochene dramatische Geschichte rund um Charlènes Urlaub existiert nicht. Beim Lesen des Textes im Heftinnern wird klar, dass die Redaktion sie einzig zu Verkaufszwecken aufgebauscht hat.

3)

Unseres Erachtens verstößt der Artikel der “Schöne Woche” gegen die Ziffern 1 und 2 des Pressekodex.

Eine besondere Bedrohung Charlènes durch die Tigermücke gab es nie. Eine Erkrankung am Dengue-Fieber war für sie genauso realistisch (beziehungsweise unrealistisch) wie für jeden anderen Karibik-Urlauber. Durch die stark übertriebene Schlagzeile auf dem Cover verzerrt die “Schöne Woche” die tatsächlichen Fakten. Damit achtet sie nicht die Wahrheit und verfolgt auch keine wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit. Damit verstößt der Artikel gegen Ziffer 1 des Pressekodex.

“Lebensgefahr! Im Traum-Urlaub war sie dem Tod ganz nah”, schreibt die “Schöne Woche” auf ihrer Titelseite. Und auch für die Überschrift im Heftinnern wählt das Blatt einen ähnlichen Ton: “Lebensgefahr im Traumurlaub! Ein lautloser Killer bedrohte ihr Glück”. Diese Titelzeilen stellen eine Täuschung der Leserschaft dar, die einzig das Ziel hat, noch mehr Hefte zu verkaufen. Der “lautlose Killer”, der eine tatsächliche Bedrohung für Charlène darzustellen scheint, entpuppt sich am Ende lediglich als Mücke, von der eine potentielle Gefahr ausgeht. Schlagzeile und Überschrift entstellen somit den Sinn des Artikels — ein Verstoß gegen Ziffer 2 des Pressekodex.


"Willkommen in meinem Reich" - doppelseitiger Bericht über den neuen Harald Glööckler-Laden in Berlin

1)

In Berlin hat der Modedesigner Harald Glööckler einen Laden eröffnet. Das Regenbogenheft “Das neue Blatt” berichtet darüber besonders ausführlich: Auf einer Doppelseite zeigen viele Fotos entweder Kleidung und andere Produkte, die es in dem Laden zu kaufen gibt, oder Prominente, die sich mit eben jenen Produkten haben ablichten lassen. Die Redaktion hat den Fotos im Layout immer wieder Preisschilder hinzugefügt, die den Preis für dass jeweilige Produkt anzeigen.

Zu der großen Bilderstrecke gibt es einen kurzen Text, der die Glööckler-Produkte ebenfalls erwähnt, und ein Interview mit Harald Glööckler selbst. Dort spricht Glööckler über die Produkte, die er verkauft, und über mögliche Standorte für seine nächsten Läden. In einem Infokasten verrät “Das neue Blatt” außerdem noch die Öffnungszeiten des Glööckler-Ladens und den schnellsten Weg dorthin.

2)

Die gesamte Doppelseite wirkt wie eine große Werbeanzeige für Harald Glööcklers neuen Laden in Berlin. Im Text wird anhimmelnd über Glööckler und seine Produkte geschrieben. Das Interview bietet dem Designer die Gelegenheit, selbst noch einmal Werbung für sein neues Geschäft zu machen. Die Fotos der Produkte sowie der Infokasten mit Öffnungszeiten und Anfahrtsweg sind geradezu Aufforderungen an die Leserinnen und Leser, das Geschäft in Berlin zu besuchen und dort Glööckler-Produkte zu kaufen. Preise für die Produkte werden explizit genannt.

Mit diesem Artikel macht “Das neue Blatt” im redaktionellen Teil eindeutig Werbung für Harald Glööckler und verkauft diese Werbung der Leserschaft als journalistisches Produkt.

3)

Unseres Erachtens verstößt “Das neue Blatt” mit diesem Artikel gegen Ziffer 7 des Pressekodex.

Richlinie 7.2 schreibt vor:

Redaktionelle Veröffentlichungen, die auf Unternehmen, ihre Erzeugnisse, Leistungen oder Veranstaltungen hinweisen, dürfen nicht die Grenze zur Schleichwerbung überschreiten. Eine Überschreitung liegt insbesondere nahe, wenn die Veröffentlichung über ein begründetes öffentliches Interesse oder das Informationsinteresse der Leser hinausgeht oder von dritter Seite bezahlt bzw. durch geldwerte Vorteile belohnt wird. Die Glaubwürdigkeit der Presse als Informationsquelle gebietet besondere Sorgfalt beim Umgang mit PR-Material.

Diese Vorgabe missachtet “Das neue Blatt” mit seinem Artikel über den Glööckler-Laden. Mit der expliziten Nennung und Abbildung der Produkte und ihrer Preise, der durchweg unkritischen und werbenden Art des Textes sowie dem Infokasten mit Anfahrtsdaten und Öffnungszeiten geht die Veröffentlichung von “Das neue Blatt” weit über ein “begründetes öffentliches Interesse” hinaus. Da der Artikel nicht als Anzeige gekennzeichnet, sondern im redaktionellen Teil des Heftes erschienen ist, verstößt “Das neue Blatt” gegen Ziffer 7 des Pressekodex.


Haakon & Mette-Marit - Schlimmer Verdacht - Ist ihre Liebe nur gespielt? Zu sehen ist ein Foto von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, die bei einer Trauerfeier zum Attentat auf der Insel Utøya weint.

1)

Die “Revue heute” schreibt über die Ehe des norwegischen Kronprinzenpaares Mette-Marit und Haakon. Die Geschichte ihrer Beziehung scheine auf den ersten Blick wie aus einem Märchen, die “Revue heute” hat allerdings ihre Zweifel und fragt in einer Bildunterschrift: “Echte Liebe oder oscarreife Darbietung?” Weiter schreibt das Blatt:

So sehr sich das Kronprinzenpaar auch abmüht, nach außen das perfekte Liebesglück zu mimen — immer wieder zeigen sich Risse in der Fassade.

Unter solchen Rissen versteht die “Revue heute” Mette-Marits Reisen in den Himalaya, ihren Rückzug aus der Öffentlichkeit aufgrund angeblicher gesundheitlicher Probleme und Haakons Hobbies: Beim Bungeejumping und Fallschirmspringen soll er nach Ansicht des Blatts immer wieder sein Leben riskieren.

2)

Auf der Titelseite der “Revue heute” ist ein Foto von Mette-Marit zu sehen, das sie weinend und in schwarzer Trauerkleidung zeigt. Dieses Foto hat die Redaktion vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen; das Bild und die Tränen Metter-Marits darauf haben nicht im Ansatz mit einer etwaigen Beziehungskrise zu tun: Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2011, als die norwegische Kronprinzessin an einer Trauerfeier für die Opfer der Anschläge auf Utøya teilnahm, bei denen neben Dutzenden anderen Menschen auch ihr Stiefbruder ums Leben kam. Die Wahl und der Abdruck des Fotos zielen vermutlich nur auf ein mögliches Sensationsinteresse und, damit verbunden, auf höhere Verkaufszahlen ab.

3)

Unseres Erachtens verstößt die Veröffentlichung gegen Ziffer 2 des Pressekodex.

Der Abdruck des Fotos, das Mette-Marit weinend und in Trauerkleidung zeigt, erweckt in Kombination mit der Überschrift (“Schlimmer Verdacht — Ist ihre Liebe nur gespielt?”) den Eindruck, die norwegische Kronprinzessin weine auf diesem Foto wegen der angeblichen Risse in ihrem Privatleben. Dieser Zusammenhang ist allerdings frei erfunden. Derartige Fälle, in denen eine Redaktion zur Bebilderung ein Foto wählt, das mit den eigentlichen angeblichen Geschehnissen nicht zu tun hat, regelt der Pressekodex in Richtlinie 2.2:

Kann eine Illustration, insbesondere eine Fotografie, beim flüchtigen Lesen als dokumentarische Abbildung aufgefasst werden, obwohl es sich um ein Symbolfoto handelt, so ist eine entsprechende Klarstellung geboten.

Eine solche Kennzeichnung fehlt in der Veröffentlichung des “Revue heute” jedoch.


Sie weint nur noch - Mette-Marit - Schock-Diagnose - Die Prinzessin ist unheilbar krank ...

1)

Sowohl die “Revue heute” als auch die “Freizeit Express” (beide erscheinen im “Alles Gute Verlag”) titeln auf ihren Covern über die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit: “Schock-Diagnose — Die Prinzessin ist unheilbar krank …”.

Den Artikeln zufolge leidet Mette-Marit unter psychischen Problemen: “Palastinsider sprechen sogar von einer ausgewachsenen Depression”. Genüsslich zählen die Redaktionen all die Krankheiten, Verletzungen und Unfälle Mette-Marits auf, die sie in den vergangenen Jahren so ausmachen konnten. Mit Blick auf die angebliche Depression und eine mögliche Genesung Mette-Marits machen die Blätter nicht viel Hoffnung:

Aber für Depressionen gibt es keine Heilung, höchstens eine langfristige Therapie …

Auf der Titelseite haben die Redaktionen zur Illustration das Foto einer weinenden Mette-Marit gewählt und dazu rot-unterlegt getextet: “Sie weint nur noch”.

2)

Das verwendete Bild auf dem Cover hat inhaltlich nichts mit der angeblichen “Schock-Diagnose” zu tun. Es handelt sich um ein Foto, das im Sommer 2011 bei der Trauerfeier zum Anschlag auf Utøya aufgenommen wurde. Bei diesem Anschlag hat Mette-Marit ihren Stiefbruder verloren. Eine Kennzeichnung dieses Fotos als Symbolbild gibt es nicht.

Dazu täuscht die Schlagzeile, nach der die Kronprinzessin unheilbar krank sei, die Leserschaft. Sowohl die “Revue heute” als auch die “Freizeit Express” werben auf den Titelseiten mit Tatsachenbehauptungen für den Kauf der Zeitschriften. Im Heftinnern wird hingegen schnell klar, dass es sich lediglich um Gerüchte zu Mette-Marits Gesundheitszustand handelt.

Außerdem ist die Art, wie die Hefte über die Krankheiten und Verletzungen Mette-Marits berichten, nicht angemessen. Das trifft insbesondere auf die Passagen der Artikel zu, in denen über die angebliche Depression geschrieben wird. Hier wird den Leserinnen und Lesern ein falsches Bild der Krankheit vermittelt, indem Depressionen als unheilbar dargestellt werden.

3)

Unseres Erachtens verstoßen die “Freizeit Express” und die “Revue heute” mit ihren Artikel gegen die Ziffern 1, 2, 8 und 14 des Pressekodex.

Auf der Titelseite schreiben die Redaktionen: “Die Prinzessin ist unheilbar krank”. Diese Tatsachenbehauptung widerspricht einer wahrhaftigen Unterrrichtung der Öffentlichkeit, wie sie der Pressekodex vorsieht. Daher verstößt der Artikel gegen Ziffer 1.

Für die Illustrationen auf den Titelseiten haben die Mitarbeiter ein Foto von Mette-Marit gewählt, auf dem sie weint. Das Foto erweckt im Zusammenspiel mit den Dachzeilen den Eindruck, es hänge mit der “Schock-Diagnose” zusammen. Das stimmt aber nicht. Das Bild hätte als Symbolfoto gekennzeichnet werden müssen, was nicht geschehen ist. Daher verstößt die Veröffentlichung gegen Richtlinie 2.2, die den Umgang mit Symbolbildern regelt:

Kann eine Illustration, insbesondere eine Fotografie, beim flüchtigen Lesen als dokumentarische Abbildung aufgefasst werden, obwohl es sich um ein Symbolfoto handelt, so ist eine entsprechende Klarstellung geboten.

Fast eine ganze Artikelspalte widmen die Hefte einer Aufzählung von Erkrankungen und Verletzungen der Kronprinzessin. Dazu kommt die Behauptung, sie leide an einer Depression. Damit verstoßen sie gegen Richtlinie 8.6 des Presekodex. Dort steht:

Körperliche und psychische Erkrankungen gehören zur Privatsphäre. In der Regel soll über sie nicht ohne Zustimmung des Betroffenen berichtet werden.

Eine solche Zustimmung Mette-Marits dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vorliegen.

Ziffer 14 des Pressekodex legt fest:

Bei Berichten über medizinische Themen ist eine unangemessen sensationelle Darstellung zu vermeiden, die unbegründete Befürchtungen oder Hoffnungen beim Leser erwecken könnte.

Dagegen verstoßen die Blätter mit ihren Schlagzeilen auf den Titelseiten, in denen behauptet wird, Mette-Marit sei — mit ihrer angeblichen Depression — unheilbar krank. Dies vermittelt der Leserschaft den Eindruck, dass es sich bei einer Depression zwangsläufig um eine Erkrankung ohne Chance auf Heilung handle. Dadurch könnten unbegründete Befürchtungen bei den Leserinnen und Lesern ausgelöst werden.


Wir wollen uns wieder häufiger über die Regenbogenpresse beschweren — nicht nur hier im topfvollgold, sondern so richtig offiziell.

In Deutschland ist dafür der Presserat die oberste Anlaufstelle. Deswegen schicken wir wieder regelmäßig Beschwerden über einzelne Regenbogenartikel dorthin.


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Tränen lügen nicht
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Tränen lügen nicht

Die Wühlmäuse der “Heim und Welt” haben sich mal wieder in ein europäisches Adelshaus geschlichen und können von dort Exklusives berichten. Sie waren nämlich dabei, als Willem-Alexander, König der Niederlande, überraschend Besuch bekam:

Sein Blick wandert zum Fenster. Und während er sich irgendwo in der Ferne verliert, lässt Willem-Alexander die ereignisreichen vergangenen Monate innerlich Revue passieren. Plötzlich holt ihn ein Klopfen aus seinen Gedanken. Mit einem leichten Knarren öffnet sich die Tür, und Beatrix betritt den Raum.

Und es scheint schieres Reporterglück zu sein, dass Mutter Beatrix mit ihrem Sohn nicht einfach nur über die Fußballergebnisse vom Wochenende oder das Wetter quatschen will, sondern die ganz großen Worte wählt:

Willem-Alexander spürt sofort, dass seiner Mutter etwas auf die Seele drückt. Er bittet seinen Überraschungsgast zu der kleinen Sitzgruppe in einer Ecke seines Büros. Als der König und seine Mutter dort Platz genommen haben, nimmt Beatrix die Hand des Königs, hält sie ganz fest und sagt mit leicht brüchiger Stimme: “Ich bin stolz auf dich, mein Sohn. Du bist der beste König, den sich die Niederländer jemals hätten vorstellen können.” Welch warme, von Herzen kommende Worte der einstigen Königin! Willem-Alexander ist tief bewegt. Das Geständnis seiner Mutter rührt ihn zu Tränen!

Was für eine Story! Diese Demut! Diese Menschlichkeit! Ist natürlich logisch, dass die “Heim und Welt” diese Knallernachricht auf die Titelseite packt:

Willem-Alexander - Das Geständnis seiner Mutter rührt ihn zu Tränen

Der Einstieg zu dieser ganz tollen Geschichte lautet übrigens so:

Zufrieden klappt Willem-Alexander (46) die Arbeitsmappe auf seinem Schreibtisch zu und legt sie zur Seite. Da fällt ihm der Kalender ins Auge, in dem der 27. April farbig markiert ist. Denn dieses Datum ist ein ganz besonderes: Zum ersten Mal wird Willem-Alexander dort mit den Niederländern den Königstag zu seinen Ehren feiern!

In diesem Moment muss ein Sonnenstrahl, der sich seinen Weg durch den königlichen Garten hinein in den Palast gebahnt hat, dem “Heim und Welt”-Reporter einen Streich gespielt und ihn geblendet haben. Denn der Königstag findet in der Tat immer am 27. April statt, an Willem-Alexanders Geburtstag. Nur in diesem Jahr nicht. Weil der 27. ein Sonntag ist, wird der Königstag 2014 schon einen Tag früher gefeiert.

Pardon, liebe Träumer der “Heim und Welt”, jetzt müssen wir doch mal ganz offen fragen: Kann es sein, dass Ihr kleinen Schwindler Euch nicht nur die Markierung im Willem-Alexanders Terminkalender ausgedacht habt, sondern auch den gesamten Rest der Geschichte?


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In den Palästen der Welt daheim

In den Palästen der Welt daheim

Wenn die Regenbogenredaktionen mit ihrer Arbeit einer Frage ganz sicher nicht auf den Grund gehen wollen, dann dieser hier: Was ist wirklich passiert?

Die Maxime lautet eher: Was könnte möglicherweise vielleicht unter Umständen passiert sein, das sich besonders gut verkaufen lässt?

Und so hält diese Covergeschichte der “Heim und Welt” auch mitnichten das, was ihre aufklärerische Titelzeile den Lesern verspricht:Neue Schock-Gerüchte um Diana erschüttern William - "Mutter, was ist wirklich passiert?"Nein, es geht den Mitarbeitern der “Heim und Welt” bei diesem Artikel ganz und gar nicht darum herauszufinden, wie es nun tatsächlich zum tödlichen Unfall Dianas kam. Und das Zitat, das sie Prinz William zuschreiben, haben sie sich auch nur selbst ausgedacht. In Wirklichkeit toben sich in ihrem Artikel die Liebe-Leser-wir-waren-tatsächlich-dabei-zwinker-zwinker-Journalisten auf zwei Seiten so richtig aus.

Und das liest sich so:Schweißgebadet schreckt er hoch. Der Puls rast, panisch schnappt William (31) nach Luft. Doch diesmal ist es nicht sein unruhig schlummerndes Baby George, das dem Prinzen den Schlaf raubt. Ihr quälen furchtbare Albträume! Gerade schien William erfolgreich in seinen neuen Lebensabschnitt hineinzuwachsen. In die Rolle des Familienvaters, in die verantwortungsvolle Aufgabe, einen kleinen Erdenbürger großzuziehen. Nun aber holt ihn plötzlich unerbittlich die eigene Vergangenheit ein!Die Fantasten der “Heim und Welt” sitzen also an Williams Bettkante, wenn der Prinz nachts an die Filmplakate denken muss, “auf denen Schauspielerin Naomi Watts (44) seiner Mutter erschreckend ähnlich sieht”.

Es ist eine ganz eigene Art der, nun ja, Berichterstattung, auf die sich der Klambt-Verlag mit seinen Schein-Reportagen spezialisiert hat. Eigentlich beansprucht im Verlagshaus in Baden-Baden die “Frau mit Herz” die Führungsrolle unter den Märchenerzählern. Doch in diesen Tagen scheint das Schwesterblatt “Heim und Welt” ihr diese Position ernsthaft streitig machen zu wollen.

Denn nur eine Woche später hat ein Teil der Redaktion seine Wahrsagerzelte in Großbritannien anscheinend abgebrochen, sich auf den Weg nach Spanien gemacht und dort im Palast von König Juan Carlos eingenistet.

Herausgekommen ist diese Geschichte:König Juan Carlos von Spanien - Nimmt er Letizia nun Klein-Leonor für immer weg?

Erschrocken zucken die Angestellten des Marivent-Palastes zusammen. Die Stimme des spanischen Königs fährt allen durch Mark und Bein. Selbst die massive Holztür des Arbeitszimmers kann seinen wütenden Worten kaum etwas von ihrer Wucht nehmen. Seine Stimme wird immer noch lauter und überschlägt sich. Dann schmettert Juan Carlos den Telefonhörer in die Gabel und eine unheimliche Stille kehrt ein. Wer hat den 75-Jährigen, der eigentlich ein paar entspannte Tage im Sommersitz der Familie auf Mallorca genießen wollte, so zur Weißglut getrieben? Seine Schwiegertochter Letizia (40)!Jene Redaktionsmitarbeiter, die in Großbritannien geblieben sind, haben ebenfalls eine Story ausgegraben zusammengedichtet — die “Zweite Chance für die Liebe” von Prinz Andrew und seiner Fergie:Das Paar hat es sich abseits der Festgesellschaft im kuscheligen Kaminzimmer gemütlich gemacht. Sie lauschen den knisternden Holzscheiten, schwelgen in schönen Erinnerungen, halten einander fest im Arm. Es ist wie in alten Tagen, als hätte jemand heimlich an der Uhr gedreht. Auf Schloss Balmoral in Schottland feiern Sarah „Fergie“ Ferguson (53) und Andrew (53) 17 Jahre nach der Scheidung ein romantisches Liebes-Comeback.Und für die Ausgabe der “Heim und Welt”, die am vergangenen Montag erschienen ist, haben sie noch eine Geschichte von Schloss Balmoral mitgebracht:König Elizabeth - Todes-Angst um ihre Familie - Wie viel Leid kann sie noch ertragen?

Schlagartig verfinstert sich ihre Miene, für einen Augenblick drohen ihr die Gesichtszüge zu entgleiten. Die sonst so kontrollierte Königin ist kaum wiederzuerkennen! Sekundenlang verharrt Elizabeths Blick auf der Angestellten, die die furchtbare Hiobsbotschaft überbracht hat. Unerträgliche Stille macht sich breit, eine düstere Mischung aus traumatischen Erinnerungen und unheilvollen Visionen schießt der Queen durch den Kopf. Plötzlich wird der 87-Jährigen schummrig vor Augen. Im letzten Moment bekommt sie eine Sessel zu fassen, um sich daran abzustützen. Was hat die Monarchin in ihrem Urlaub auf Schloss Balmoral nur so aus der Fassung gebracht?Nun hat sich die “Heim und Welt” in den vergangenen Wochen also in britische und spanische Paläste eingeschlichen und die gespitzten Ohren an die schweren Holztüren gelegt. Die meisten Mittendrin-Artikel aber liefert ihr Spürhund in den Niederlanden.

Zum Beispiel diesen hier von der Beerdigung Prinz Frisos:Frisos Töchter Luana und Zaria - "Unser Papa ist jetzt im Himmel!"

Zwischen den dunkel gekleideten Erwachsenen gehen kleine Gestalten in blütenweißen Kleidern. Frisos Töchter Luana (8) und Zaria (7) blinzeln ungläubig aus traurigen kleinen Augen. Ihr geliebter Papa ist fort. „Er ist jetzt im Himmel!“, flüstert Luana den Cousinen hinter ihr zu -- und blickt wehmütig nach oben, als könnte sie Friso dort sehen. Ihre kleine Schwester Zaria schluchzt. Und drückt die Hand ihrer Oma Beatrix noch ein wenig fester ...Über den Tod und die Beerdigung Frisos ist inzwischen alles erzählt worden — alles, was tatsächlich passiert ist. All das zu erzählen, was nicht passiert ist, das hat sich jetzt offenbar die “Heim und Welt” zur Aufgabe gemacht.

Beispielsweise mit diesem Blick in Beatrix’ Inneres:Prinzessin Beatrix - "Mein Sohn, bitte steh mir bei!"

Die Augen hat sie fast wie zum Schutz stark geschminkt. Ihr Körper wirkt kraftlos. Immer wieder starrt sie ins Leere. Oder sie schaut ihren Sohn hilfesuchend an. Prinz Constantijn (43) weiß genau, wie es in seiner Mutter aussieht. Denn auch wenn sie sich nach außen noch so stark und tapfer gibt, Prinzessin Beatrix ist völlig verzwifelt. Nach dem Tod ihres Sohnes Friso scheint alle Lebenslust wie weggeflogen. Umso wichtiger, dass Constantijn seiner Mutter kaum aus den Augen lässt. Zusammen mit seiner Frau Laurentien (47) kümmert er sich fast Tag und Nacht um sie.All diese Beispiel sind irre und verlogen und haben mit Journalismus so viel zu tun wie “Der Landser” oder “Perry Rhodan”. Es ist zusammengesponnener Mist, der Nähe und Authentizität vorgaukeln soll und im Grund nichts weiter ist als Schund, der an Redaktionsschreibtischen in Baden-Baden auf Papier gerotzt wurde.

Ein ganz besonderes Exemplar ist dabei mit dieser Titelgeschichte herausgekommen:Krebs-Schick in der Familie - Enkelchen Amalia sorgt sich um Prinzessin Beatrix - "Oma, bitte hör doch auf zu weinen!"Denn die Szene, die in diesem Artikel geschildert wird, ist von vorne bis hinten — Zeile für Zeile — komplett ausgedacht. Hier die schönsten Auszüge:

Versonnen schweift ihr Blick hinaus auf den maerischen Garten des Drakensteyn-Schlosses. Die gleißende Morgensonne taucht den ganzen Raum in ein goldenes Licht. Bald werden alle hier sein. Willem-Alexander (46), Maxima (41), Constantijn (43) mit Laurentin (47), Mabel (45) und natürlich die Kinder. Gemeinsam wird die Familie an diesem Tag Frisos (✝44) Grab in Lage Vuursche besuchen.

Ach, könnte die Zeit doch zurückgedreht werden! Die schmerzvollen Erinnerungen zerreißen ihr Mutterherz. Gedankenverloren stiert Beatrix in die Ferne, eine Träne kullert ihre Wange hinab …

“Oma, bitte hör doch auf zu weinen!” Die flehenden Worte ihrer Enkeltochter reißen Beatrix abrupt aus ihren Gedanken. Sie hat gar nicht bemerkt, wie sich Amalia (9) und ihre Cousinen, Frisos Töchter Luana (8) und Zaria (7) klammheimlich herangeschlichen haben. Beim Anblick der Mädchen legt sich ein warmes Lächeln auf Beatrix’ Gesicht. In den Stunden tiefster Trauer und Verzweiflung spenden die süßen Enkelchen ihr so viel Trost.

Zaria hüpft auf den Schoß ihrer Oma, drückt fest ihre Hand: “Du brauchst nicht traurig sein! Papa ist doch jetzt bei den Engeln!” Selig blickt Beatrix in die kleinen Augen ihrer Enkelin. Sie streichelt ihr zärtlich über die Wange, spricht leise. “Ich bin froh, dass ich euch habe!” Ihre Lieblinge schmiegen sich ganz fest an sie. Für einen Moment schließt Beatrix die Augen. Sie flüstert: “Lieber Gott, ich danke dir …!”

Herrjemine.

Diese sieben Beispiele von Schein-Reportagen stammen aus vier Wochen “Heim und Welt”. Was sagte der Klambt-Verlagsleiter Herbert Martin vor wenigen Tagen gleich noch in einem Beitrag des NDR-Medienmagazins ZAPP?

Es ist nicht so, dass Journalisten, die für Yellow Press-Produkte arbeiten, schlechter arbeiten, sie arbeiten nur anders.


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Im Bett mit Beatrix

Im Bett mit Beatrix

Die Reporter der “Frau mit Herz” sind Meister ihres Faches. Sie sind zur Stelle, wenn etwas in der Welt passiert. Sie sitzen neben der Queen, wenn die um das Leben ihres Sohnes bangt.

Und wenn das Blatt dann solch eine Geschichte auf dem Titel ankündigt …Erschüttert richtet Beatrix ein Stoßgebet gen Himmel - "Mein Sohn, ich will dich nicht verlieren!"… dann kann wieder nur ein alter Reporter-Haudegen losgezogen sein, um die Wahrheit ans Licht zu zerren.

Also, liebe Jury des Henri Nannen Preises, aufgepasst! Hier kommt mal wieder eine preiswürdige Reportage aus dem Hause “Frau mit Herz”:Sie hört immer wieder diesen Knall, die Schreie der Menschen. Und sie sieht das viele Blut. Schweißgebadet wacht Prinzessin Beatrix auf. Immer wieder wird sie von den Albträumen der Vergangenheit eingeholt. Von dem schweren Anschlag in Apeldoorn, von dem tragischen Unglück um ihren Sohn Friso.Die Spürhunde der “Frau mit Herz” gehen also nicht nur im Buckingham Palace ein und aus, sie liegen auch mit Beatrix im Bett.

Und sie sind dabei, wenn die Monarchin in ihren intimsten Momenten ihre Gefühle preisgibt:

Verzweifelt fleht die einstige Königin: “Willem-Alexander, ich will dich nicht verlieren.” Doch ihre Worte scheinen Schall und Rauch für den König der Niederländer.

Woher Beatrix‘ Sorgen um ihren Sohn Willem-Alexander kommen? Der “König riskiert viel. Zu viel, wie die 75-Jährige meint.”

Nun ja, genau genommen schüttelt er einfach die Hände der Leute, die ihm bei öffentlichen Auftritten zujubeln. Er “nimmt Menschen in den Arm, begeistert die Massen, weil er sich nicht von Bodyguards abschirmen lässt.”

Da läuft es einem ja eiskalt den Rücken runter!

Terror und Gewalt sind damit Tür und Tor geöffnet. Und das weiß keine besser als seine Mutter.

Und deswegen bleibt Beatrix nur eins. Zum Glück waren die Reporter der “Frau mit Herz” auch in dieser Situation zur Stelle:

Seine arme Mutter betet zu Hause, dass sie nach Frisos Unglück vor über einem Jahr nun nicht auch noch den zweiten Sohn verliert …!


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Journalisten-Pfusch

Journalisten-Pfusch

Wenn im Internet negative Erfahrungsberichte kursieren über das Londoner Krankenhaus, in dem Beatrix’ Sohn Friso im Koma liegt — was machen die OP-Schwestern von “die aktuelle” dann wohl daraus?

Genau, sie schalten auf ihrem Titelblatt mal wieder eine Traueranzeige:

Horror-Bericht aus der Klinik - Beatrix - Ärzte-Pfusch! Was ist da bloß passiert?

Exakt das fragen wir uns auch: Was ist in den Redaktionsräumen von “die aktuelle” bloß passiert?

Weder bei Beatrix noch bei Friso gab es einen Pfusch von Ärzten. Es handelt sich nicht um einen Horror-Bericht aus der Klinik, sondern um Beschwerden über die Klinik. Und die “neue Angst um Prinz Friso” hat sich die Redaktion selbst ausgedacht.

Wie kommt “die aktuelle” also auf diesen Unfug? Begeben wir uns auf Spurensuche:

Das Internet prangert an: Mehrere User beschweren sich auf dem Google-Portal bitter über skandalöse Zustände in der Londoner Klinik

Nun ja, genau genommen sind es zwei User, die sich bei Google Plus über das Wellington Hospital beschweren. Zum Beispiel Conor Hamilton:

Conor Hamilton, der letztes Jahr wegen einer schweren Arm-Operation Patient war, berichtet: Das Krankenhaus ist der reinste Horror. Mein Zimmer war groß wie ein Schuhkarton, das Fenster hatte ein Loch. Ich sollte operiert werden. Doch nichts passierte! Ärzte und Schwestern drehten sich um mich, wussten offenbar nicht, wer was machen soll. Ein Skandal. Und weiter: Am nächsten Morgen schoss Blut aus meinem Arm. Ich rief nach der Schwester. Ich dachte, ich verblute. Zu guter Letzt bin ich aus dem Krankenhaus geflohen.

Ach, alte Flunkerer von “die aktuelle”, da habt ihr euch aber nicht so ganz an die Wahrheit gehalten.

Die Operation, die Conor Hamilton im Wellington Hospital hat vornehmen lassen, war nicht im vergangenen Jahr, sondern im November 2011. Und es handelte sich nicht um eine Arm-Operation, sondern um eine Knie-Operation.

Diese Kleinigkeiten lassen wir euch ja gerne noch durchgehen. Dass ihr aber einfach Sachen dazuerfindet, finden wir nicht so in Ordnung.

Hamilton schreibt nämlich nirgendwo “Ich sollte operiert werden. Doch nichts passierte!” Er schreibt auch nicht “Ärzte und Schwestern drehten sich um mich, wussten offenbar nicht, wer was machen soll.”

Und er schreibt erst recht nicht “Ein Skandal”.

Conor Hamitlon dachte auch nie, dass er verblutet. Zumindest ist davon kein Wort zu lesen. Und aus dem Krankenhaus ist er auch nicht geflohen.

Das habt ihr alles dazugesponnen.

Auf dem Bewertungsportal von Google befindet sich übrigens noch ein weiterer Eintrag zum Wellington Hospital. Der Verfasser: Ein Regenbogenautor, der für eine Geschichte recherchiert.

Seine Bewertung für das Krankenhaus: “Gut”.


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Krankhafte Hirngespinste

Krankhafte Hirngespinste

Hört mal, “Neue Post” und Autorin Tina Rienhardt, eine Sache würden wir gern von Anfang an klären: Seid ihr einfach nur völlig irre und verkauft uns eine 33 Jahre alte Geschichte für neu? Oder seid ihr tatsächlich so bösartig und dichtet für ein bisschen Auflage der ehemaligen Königin Beatrix Alzheimer an?

Es geht um diese Titel-Story:

Sorge nach der Krönung - Beatrix - Das verheimlichte Alzheimer-Drama!

Tina Rienhardt schreibt für die “Neue Post” über die Krönung von Máxima und Willem-Alexander der Niederlande.

Und sie hat in Amsterdam besonders genau hingeschaut:

Immer wieder hielt Maxima (41) die Hand ihrer Schwiegermutter Beatrix (75), schaute ihr ergriffen in die Augen. Und trotz aller Freude schien in den Blicken der Frauen Sorge zu liegen.

Und dann kommt ein Satz, der in seiner Verschrobenheit kaum zu übertreffen ist. Und der zeigt, auf was für dünnem Eis sich die “Neue Post” mit diesem Mist-Artikel bewegt:

Maxima weiß, was Beatrix an dem Tag durch den Kopf gegangen sein mag...

Máxima soll also sicher wissen, was Beatrix vielleicht gedacht haben soll. Glückwunsch, Tina Rienhardt, das ist selbst in der Unsinnswelt der Regenbogenpresse einer der unsinnigsten Sätze, den wir bisher gelesen haben.

Ach, und was mit dem verheimlichten “Alzheimer-Drama” ist? Das gibt es gar nicht. Zumindest nicht bei Beatrix.

Ihre Mutter Juliana war nach ihrer Abdankung 1980 schleichend an Alzheimer erkrankt und später daran gestorben.

Doch erst nach ihrem Tod 2004 bestätigte das Königshaus die schwere Erkrankung.

Man könnte also meinen, dass die “Neue Post” mit dem verheimlichten Alzheimer-Drama nach der Krönung doch tatsächlich die Situation 1980 meint — als Beatrix gekrönt wurde, Juliana an Alzheimer erkrankte und das Königshaus es verheimlichte.

Oder das Blatt hat sich einfach mal wieder eine Krankheit für eine bekannte Person ausgedacht.

Also, wie sieht’s aus, “Neue Post” und Tina Rienhardt: irre oder bösartig?


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Verrenkungen der Woche

Verrenkungen der Woche

Zuspitzungen sind im Journalismus eine gängige Methode. Das gilt auch für die Regenbogenpresse. Hier greifen die Redaktionen aber noch zu ganz anderen Mitteln: Sie skandalisieren, sie erfinden, sie lügen.

An dieser Stelle finden Sie regelmäßig eine Auswahl der skurrilsten, lustigsten und skrupellosesten Verrenkungen. Mit einem Klick auf die Links unter den Ausrissen erfahren Sie, was hinter den Schlagzeilen steckt.GROSSE SORGE - Victoria - Bedroht von einem Serienmörder!

Auf Öland, der Insel, auf der Victoria gerne Urlaub macht, treibt angeblich ein Serienmörder sein Unwesen. “Nicht nur Victoria und Daniel (39) sind in großer Sorge: Ist ihre Estelle auf Öland noch sicher?” Für “das neue” steht fest: “Niemand kann es ihnen garantieren.” Jetzt hilft nur noch eins: “beten”.


Sängerin Nicole - Knapp am Tod vorbei

Dreimal schon ist Nicole dem Tod noch gerade so von der Schippe gesprungen — drei “Erlebnisse, die einem kalte Schauer über den Rücken jagen …”
– 1988 wollte sich Ehemann Winfried unbedingt die Flugschau in “Rammstein” (sic!) angucken. “Weil seine Frau zu Hause zu lange herumtrödelte, wurde daraus nichts.”
– 2004 planten die beiden eine Reise nach Südostasien. Exakt zu dem Zeitpunkt, als dort der Tsunami wütete. Das Paar “entschied sich dann jedoch kurzfristig für Südafrika”.
– Irgendwann krachte mal bei einer Liveshow ein schweres Scheinwerfer-Gestell um — “es hätte Nicole erschlagen können, fiel aber in die andere Richtung.”


Fürst Albert & Charlene - EHE-HÖLLE! Scheidung noch in diesem Jahr!

Bei Charlène und Albert klappt es nicht so recht mit dem Kinderkriegen. Und Albert muss sich ranhalten: “Sein künftiges Kind sollte ja schon erwachsen sein, wenn es eines Tages von ihm den Fürstentitel übernimmt.” Für “Adel exklusiv” ist damit klar: Mit Charlène wird das wohl nichts. Eine neue Frau muss her. Möglichst noch in diesem Jahr. Als Quelle dafür, dass überhaupt eine Scheidung im Raum steht, dient übrigens kein Geringerer als “Fischhändler Luc aus dem Hafen”.


Prinz Harry - Blitz-Hochzeit! Warum sie es so eilig haben - Die Queen und Charles toben

In Schottland, inmitten einer “wildromantischen Gegend”, steht “eine kleine, mittelalterliche Kirche, die Crathie Kirk”. Hier hat schon Prinzessin Anne heimlich “den strammen Marine-Offizier Timothy Laurence” geheiratet. Was das mit Harrys angeblicher “Blitz-Hochzeit” zu tun hat? Nun: “Obwohl gerade keine Messe war, läuteten kürzlich auf einmal die Kirchenglocken der Crathie Kirk. Wenig später sah man eine Limousine durch den Ort sausen. Hinter den getönten Scheiben saßen angeblich die frisch Vermählten Prinz Harry und Prinzessin Cressida”.


Prinz Harry - Endlich läuten die Hochzeits-Glocken

Die Hochzeitsglocken haben tatsächlich geläutet — allerdings nicht für Harry und Cressida, sondern für Cressidas Halbschwester. “Adel exklusiv” seufzt: “Als die Hochzeitsglocken erklangen, konnte auch Harry seiner Cressida schon mal tief in die Augen schauen.”


Ärztepfusch - Kate weint um Kind! Schock für die werdende Mutter - Ihr verzweifelter Abschiedsbrief

“Nur eine werdende Mutter kann den Schmerz erahnen. Das unbarmherzige, so grausame Leid, wenn das eigene Kind stirbt.” Damit beginnt “Freizeit direkt” den Artikel. Doch entgegen dem Anschein, Kate hätte ihr ungeborenes Kind verloren, handelt der Text vom Tod eines anderen Kindes. Kate hatte den Jungen in einem Kinderhospiz kennengelernt und nach dessen Tod einen Brief an die Eltern geschrieben.


Prinzessin Maxima in großer Sorge um Klein Amalia - "Lieber Gott, bitte beschütze mein Kind!"

Am 30. April 2009 fuhr ein Autofahrer während der Parade zum niederländischen Königinnentag vor den Augen von Kronprinzessin Máxima in eine Menschenmenge. Am 30. April 2013 wird Máxima den Thron der Niederlande besteigen, ihre Tochter Amalia wird zur Kronprinzessin. “Frau mit Herz” sieht das so: “Wieder einmal der 30. April… Wer mag Maxima Gedanken der Todesangst um Klein Amalia verdenken!”


Semino Rossi - Schockierend! Wie krank ist er wirklich?

Semino Rossi erkrankte vor zwei Jahren an einer “rätselhaften Virusinfektion”. Er musste Konzerte absagen und sich eine Auszeit nehmen. Jetzt “schockiert er seine Fans mit einer echten Hiobsbotschaft”: Er will sich doch tatsächlich schon wieder eine Auszeit nehmen — allerdings nach der aktuellen Tour. Die “neue woche” fragt dennoch: “Ist Semino wirklich wieder fit — oder verschweigt er eine Erkrankung?” Die Antwort gibt sie sich am Ende selbst: “Die erneute Auszeit im April 2014 — eine vorbeugende Maßnahme”.


Simone Thomalla - Bitteres Liebes-Aus

Quelle: Ein “junges Unterwäschemodel”, das behauptet, es habe eine Affäre mit Simone Thomallas Lebensgefährten gehabt. Die “Freizeit direkt” schlussfolgert: “So magisch [Simones] Liebe zu Silvio begann, so bitter geht sie jetzt wohl zu Ende.” Unter Umständen. Vielleicht. Möglicherweise.


Sofia von Spanien - Jetzt schwindet ihre letzte Hoffnung

Königin Sofia ist nicht mehr glücklich im spanischen Palast. Am liebsten würde sie zu ihrem Bruder nach London flüchten und Juan Carlos verlassen. Das ginge aber laut “Frau mit Herz” nur, wenn ihr Mann als König abdankt. Zuletzt gab’s Hoffnung für Sofia: Juan Carlos hatte eine Bandscheiben-OP, er war zu schwach, um zu regieren. Jetzt kämpft er sich allerdings auf dem Heimtrainer zurück ins Amt. Sofias letzte Hoffnung schwindet.


Stefan & Stefanie - Sie versuchen es noch einmal!

… gemeinsam in einer Show aufzutreten. Denn: Stefanie ist zu Gast in Stefans TV-Sendung. Ein Liebes-Comeback sei allerdings nicht absehbar.


Kronprinzessin Victoria - Dramatisch! Die Trennung von Estelle bricht ihr das Herz

Victorias einjährige Elternzeit ist vorbei. Nun kommen wieder zahlreiche Termine auf sie zu. “So viel Zeit wie jetzt kann sie dann nicht mehr mit Tochter Estelle verbringen”, sorgt sich die “neue woche”.


 

Wie perfide man solche Verrenkungen einsetzen kann, beweist die aktuelle “Freizeit Monat”:Beatrix unter Schck - Es ist vorbei! - Sie weint an seinem Krankenbett

Man muss dazu wissen: Der Mann auf dem kleinen Foto ist Friso, Beatrix’ Sohn, der seit einem Lawinenunglück im Februar 2012 im Koma liegt. Die “Freizeit Monat” lässt nicht viel Zweifel daran, dass sie mit dieser Titelkomposition den Eindruck erwecken will, Friso sei gestorben. Mit “Es ist vorbei!” meint das Blatt aber in Wirklichkeit — Betarix’ Amtszeit. Denn die Königin hat kürzlich angekündigt, Ende April abzudanken.


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