Ohne An- und Verstand

Ohne An- und Verstand

Mit dieser Kombination aus Überschrift und Unterzeile berichtet die “Freizeit Spaß” über den Suizid des Meteorologen Ben Wettervogel:

Ben Wettervogel - Alkohol-Drama - Als er seinen Job beim ZDF verlor, schoss er sich eine Kugel in den Kopf

Dazu liefert das Blatt noch reichlich Informationen zu Ben Wettervogels Lebensumständen, spekuliert über mögliche private Probleme und seinen Alkoholkonsum.

Es gibt inzwischen einige Untersuchungen darüber, welche — in der Regel zwar ungewollten, aber dennoch realen und dramatischen — Auswirkungen eine derart detaillierte und sensationslüsterne Suizid-Berichterstattung haben kann: Psycho-logen, Soziologen und Medienwissenschaftler sprechen vom “Werther-Effekt”.

Wie aber korrekt über einen Suizid berichten, wenn ein großes öffentliches Interesse besteht? Geht das überhaupt?

Der Presserat gibt in Richtlinie 8.7 (Selbsttötung) schon mal eine grobe Richtung vor. Einige Stiftungen, Gesellschaften und Organisationen aus dem Gesund-heitsbereich und der Depressionshilfe haben Leitfäden und Empfehlungen für Journalisten erstellt. Und es würde auch schon helfen, mit etwas Verstand, Anstand und Zurückhaltung an die Sache zu gehen.

All das scheinen die von der “Freizeit Spaß” aber nicht zu kennen.


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