Ein trauriger Lichtblick
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Ein trauriger Lichtblick

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um zwei völlig unterschiedliche Interpretationen einer Nachricht:

Michael Schumacher - Endlich wieder ein Lichtblick!

(“Woche der Frau”)

Michael Schumacher - Traurige Nachricht

(“Woche heute”)

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Ihr habt heute — ich zitiere — “die schönste Nachricht seit Langem” für uns mitgebracht. Und es hat was zu tun mit Michael Schumacher. Worum geht’s?

Moritz: Also ob das nun eine schöne Nachricht ist oder nicht, das sehen die Hefte unterschiedlich. Aber genau: Es geht um Michael Schumacher und seinen Sohn Mick. Der hat nämlich einen Vertrag in der Formel 4 bekommen. Jeder kennt die Formel 1, da ist Sebastian Vettel sehr erfolgreich, Nico Rosberg und früher auch Michael Schumacher. Dann gibt es aber auch eine etwas kleinere Wagenklasse, die sogenannte Formel 4. Und bei einem Rennstall dort hat der Sohn von Michael Schumacher jetzt einen Vertrag bekommen. Die Saison startet im April, da ist er jetzt bald also auf der Rennstrecke. Und die “Woche der Frau” schreibt von einem “Lichtblick”, den es jetzt endlich mal wieder gibt — nach all den traurigen Nachrichten nun wieder etwas Positives. Ein anderes Heft, die “Woche heute”, sieht das allerdings ganz anders …

Mats: … die schreibt nämlich: “Michael Schumacher — Schreckliche Sorgen — Nicht auch noch sein Sohn!” Und auf der Titelseite kündigt die Redaktion das mit “Michael Schumacher — Traurige Nachricht” an. Das ist alles, was vorne auf der Titelseite zu der Geschichte steht. Was so traurig und so schrecklich daran ist: Rennsport ist kein ungefährlicher Sport, und die arme Familie von Michael Schumacher jetzt auch darum bangen muss, dass vielleicht dem Sohn auf der Rennstrecke was passiert. Das ist der Grund, warum die “Woche heute” eine “Traurige Nachricht” zu verkünden hat. Wir finden das interessant, dass die “Woche der Frau” von einem “Lichtblick” schreibt und das alles ganz toll findet, und die “Woche heute” das alles ganz schlimm findet. Das passt gut in die bisherige Berichterstattung über Michael Schumacher. Wenn ein Heft auf der Titelseite nur schreibt: “Michael Schumacher — Traurige Nachricht”, dann ist für die Leserschaft erstmal nicht zu erkennen, worum es eigentlich geht. Die Blätter suggerieren ganz gerne, dass sie Neuigkeiten über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher haben. Die Leserinnen und Leser können dann natürlich annehmen, dass die “Traurige Nachricht” bedeutet, dass sich beim Gesundheitszustand etwas verschlechtert hat, und dass sie nähere Infos dann im Heftinnern bekommen. Das ist dann aber natürlich nicht so. Also: Die Hefte suggerieren, sie hätten Informationen über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher und in Wirklichkeit geht es nur um die Formel-4-Karriere seines Sohns.

Ich finde das tatsächlich interessant: Wir haben die gleiche Ausgangsinformation, dass der 15-jährige Sohn in seine Rennfahrer-Karriere startet. Und die unterschiedlichen Blätter machen wirklich komplett gegensätzliche Dinge daraus. Und dann wird auch noch über Michael Schumacher getitelt, obwohl die Geschichte nicht mit Michael Schumacher zu tun hat — außer dass sein Sohn jetzt Autos fährt.

Moritz: Genau, der eine Punkt ist, dass die Hefte eine Geschichte über Michael Schumacher verkaufen, vermutlich weil die Leserschaft mit ihm bestimmte Emotionen verbindet und weiß, dass es vor einigen Monaten einen Unfall gab. Der zweite Punkt ist die reine Willkür, wie die Redaktionen eine Geschichte auslegen. Die stricken sich das einfach so zusammen, wie sie wollen. Man hätte ja auch einfach eine kleine Nachricht bringen können: Hier, Michael Schumachers Sohn hat jetzt einen Vertrag in der Formel 4 — und das wär’s. Aber nee, die machen da eine große Geschichte draus, entweder die riesige Hoffnungsgeschichte oder die riesige Sorgengeschichte. Das zeigt einmal mehr, wie mit der Familie Schumacher umgesprungen wird. Wobei das anderen Prominenten genauso geht: Eine ganz nüchterne Nachricht wird als große Hoffnungssensation oder als großer Untergang verkauft.

Was ich auch noch ganz interessant fand: Ich glaube, das war der Artikel der “Woche der Frau”, da kamen vom Hölzchen aufs Stöckchen alle Mitglieder der Familie Schumacher einmal vor in dem Text, obwohl es eigentlich ja nur um den jugendlichen Rennfahrer geht. Also: die Geschiedene, die Ehefrau, die Tante — unglaublich. Machen die Hefte das öfter so?

Mats: Das machen die ganz gern. Irgendwie muss dieser Artikel ja auch mit irgendwelchem Quatsch gefüllt werden. Da können die jetzt nicht nur hinschreiben: Der Sohn fährt Formel 4 und das war’s auch schon. Dann wäre die Seite ziemlich leer. Also müssen die das andicken mit irgendeinem Quatsch, den man sonst noch findet. Da beschreiben die dann einfach Altbekanntes oder saugen sich irgendwas aus den Fingern. In diesem Fall ist das auch ganz besonders eklig, an der Stelle, wo das Heft auf Cora Schumacher zu sprechen kommt. Die ist ja demnächst bei “Let’s Dance”, dieser Tanz-Show von RTL. Und jetzt spekuliert die “Woche der Frau” darüber, ob sie möglicherweise Insider-Infos ausplaudert oder irgendwas über Michael Schumacher erzählt, das die Öffentlichkeit nicht erfahren sollte. Die Redaktion schreibt: “Geschmacklos, falls sie noch aus dem Unfall ihres Ex-Schwagers Profit schlägt.” Das ist natürlich genau das, was diese Hefte machen: Sie schlagen Profit aus dem Unfall von Michael Schumacher und aus dem Leider der Familie und werfen gleichzeitig Cora Schumacher indirekt vor, dass sie möglicherweise Profit daraus schlagen will. Diese wirklich widerliche, eklige Doppelmoral zieht sich wie ein roter Faden durch die Berichte über Michael Schumacher.

Genau an dieser Stelle gibt es noch ein schönes Beispiel für die Empörung, die in diesem Artikel auch rauskommt gegenüber dem Fernsehen: Gab es die Einladung für Cora Schumacher zu “Let’s Dance” etwa nur, um diese internen Familiendinge aus ihr herauszulocken? Also etwas, was diese Blätter ja offensichtlich nie machen würden.

Moritz: Man kann sich vorstellen: Sollte irgendwann mal die Möglichkeit für die “Woche der Frau” bestehen, ein Exklusiv-Interview mit Cora Schumacher zu bekommen, dann wäre das eine riesig große Titelgeschichte. Da würden die sich die Finger danach lecken, diese Informationen zu bekommen. Und genau das stört uns eben an der Regenbogenpresse: eine Bigotterie, die ihresgleichen sucht.

Mats: Und selbst wenn Cora Schumacher irgendwas ausplaudern würde bei RTL, dann würden die Regenbogenhefte das natürlich sofort abdrucken. Dann würde es heißen: “Sensationelle Enthüllung — Unfassbar, was sie im Fernsehen erzählt”. Und dann würden die Redaktionen das auch wieder breittreten und sich drüber empören. Das ist also schon eine ziemlich widerliche Angelegenheit, was die so machen mit Michael Schumacher und der Familie.

Abgesehen davon, dass wir mal wieder ein schönes Beispiel gezeigt bekommen haben von der Doppelmoral von Boulevardblättern: Was nehmen wir aus dieser Episode heute mit?

Moritz: Vor allem, dass die Regenbogenredaktionen willkürlich festlegen, wie sie Geschichten ausspielen. Da kann es dann übrigens auch mal vorkommen, dass innerhalb eines Verlages, wo dieselben Leute an zwei verschiedenen Heften sitzen, das eine Heft schreibt, dass es ganz positiv aussieht, und das andere schreibt das komplette Gegenteil. Die reine Willkür also, es gibt offenbar kein Interesse daran, möglichst objektiv und neutral zu berichten, sondern es geht um eine knallige Schlagzeile und einen guten Verkaufserlös.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

Und unter diesem RSS-Link gibt’s das Ganze als Podcast.


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Genau wie bei Prinz Friso (7)
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Genau wie bei Prinz Friso (7)

Über Michael Schumacher und seinen Ski-Unfall Ende 2013 gibt es immer weniger Medienmeldungen — zum Glück. Anscheinend haben die meisten Zeitungen, Radiosender, TV- und Online-Redaktionen verstanden, dass Schumachers Familie ganz gern in Ruhe gelassen werden möchte. Selbst der unsägliche “Focus Online”-Hier!-Hier!-Klickt-hier-mal-für-alles-Unwichtige-über-Schumi-Holzkopf-Liveticker schweigt immer häufiger.

Leider gibt es aber noch die deutsche Regenbogenpresse. Und die berichtet weiter, als würde Michael Schumachers Managerin Sabine Kehm tagtäglich mit Infos um sich werfen. Natürlich ist es einfacher, sich aus null Informationen ganze Artikelreihen über Schumacher auszudenken, wenn man sich von Berufs wegen sowieso seit Jahren und Jahrzehnten aus null Informationen irgendwas über irgendwen ausdenkt.

Die Anzahl an Schumacher-Berichten geht zwar auch in der Regenbogenwelt langsam zurück. Verglichen mit den (halb-)seriösen Medien, ist sie aber nach wie vor um ein Vielfaches höher. Die Texte lassen sich grob in zwei große Kategorien einteilen: Entweder “Schumacher wird bald wieder im Formel-1-Wagen sitzen” oder “Das dürfte es bald mit ihm gewesen sein”.

Zwei Beispiele aus Dutzenden.
Beispiel eins: die “Freizeit Express”.

Michael Schumacher - Dramatische Schicksalswende! Muss Corinna leise von ihm Abschied nehmen?

Das Blatt steigt mit einer eklig-kitschigen — und aller Wahrscheinlichkeit nach ausgedachten — Szenenbeschreibung in den Artikel ein:

Tränen schimmern in ihren Augen. Tränen der Verzweiflung. Der Hoffnungslosigkeit. Ihr Blick wirkt starr, fast leer.

Gemeint ist Michael Schumachers Frau Corinna. Und über die fragt die “Freizeit Express” nun, ob sie leise von ihrem Ehemann Abschied nehmen muss. Das Redaktionsteam ist nämlich auf ein Radiointerview mit dem früheren Formel-1-Piloten Philippe Streiff gestoßen, das sich mit all seinen angeblichen Details zu Michael Schumachers Gesundheitszustand wunderbar zu einem Abgesang auf ihn verwursten lässt.

Natürlich muss Corinna Schumacher nicht leise Abschied nehmen von ihrem Mann. Das weiß auch die Redaktion der “Freizeit Express”:

Schumis Managerin Sabine Kehm (46) dementiert: “Philippe Streiff ist weder ein Freund von Michael, noch hat er ihn jemals besucht.” Klare Worte! Gibt es also doch keinen Grund zur Sorge?

Gut kombiniert, Sherlock.

Beispiel zwei: die “Woche heute”.

Endlich gute Nachrichten! Michael Schumacher - Sensationeller Heilungserfolg - Die Liebe seiner Familie hat ein Wunder bewirkt

Das Heft macht große Hoffnungen:

Nun gibt es Neuigkeiten! Sie kommen von Schumis Kindern

Denn Schumachers Sohn gelte “als Mega-Talent in der Rennsportszene”. Und auch seine Tochter feiere beim Westernreiten “größere Erfolge denn je.”

Welchem kranken Vater würde es keinen enormen Genesungsschub geben, wenn die Kinder von ihren Erfolgen erzählen?

Die Reit- und Motorsport-Titel von Michael Schumachers Kindern und die “Liebe seiner Familie” reichen den Quacksalbern der “Woche heute” schon für ihre Diagnose: “sensationeller Heilungserfolg”.

Das ist zwar immerhin positiv. Aber ebenfalls völliger Murks.


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Genau wie bei Prinz Friso (5)
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Genau wie bei Prinz Friso (5)

stapel2Das sind die Hefte mit Michael-Schumacher-Schlagzeilen, die wir bisher gesammelt haben. Und dabei kriegen wir mit Sicherheit nicht jeden Artikel mit. Dennoch: Der Stapel wächst mit jeder Woche. Der Wahnsinn will einfach kein Ende nehmen.

Seit fünf Monaten führen die Redaktionen die Leser immer wieder in die Irre. Auf ihren Covern suggerieren sie, es gebe Neuigkeiten zu Schumachers Gesundheitszustand — “Neue Hoffnung”, “Neue Sorgen”, “Medizinische Sensation”, “Die ersten Schritte”, “Tränen-Tragödie”. Und wie immer steckt dahinter: nichts. Nur Gerüchte und Spekulationen und die Fantasie der Autoren.

Einer der beliebtesten Tricks geht so: Irgendein Mediziner hat irgendwann mal irgendwas zum Thema “Koma” gesagt. Zum Beispiel:

“Es gibt Fälle, in denen die Patienten nicht mehr wissen, wer die Familie ist.”

Und zack:
Lieber Gott, lass es nicht wahr sein! - Corinna Schumacher - Erkennt ihr Michael sie nicht mehr?

Oder: Ein Arzt, “der Schumis Ärzte in Grenoble gut kennt”, soll gesagt haben, dass “theoretisch” die Chance bestehe, dass Schumacher “wieder Auto fährt”. (Warum auch immer.)

Zack:
Michael Schumacher - Überraschende Prognose - Es gibt die Chance, dass er wieder Auto fährt

Einige der zitierten Mediziner wissen wahrscheinlich nicht mal, dass sie (oft auch mit Foto) in den Heften auftauchen. In manchen Fällen wurden die Aussagen offenbar einfach aus anderen Quellen übernommen.

Oft wird das Geschwafel noch mit einer dicken Schicht aus Kitsch und geheucheltem Mitleid überzogen, wobei dann solche Geschichten entstehen:Michael Schumacher - Tränen-Tragödie! - Ausgerechnet jetzt! Wie soll die Familie das verkraften?

Der Artikel handelt davon, dass es Corinna Schumacher jetzt ziemlich schlecht gehen muss, obwohl sie so viel Geld hat.

Im Innern lautet die Überschrift:Das Tränen-Paradies der verlorenen Träume

Und womit beginnt ein solcher Artikel? Na klar:Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. (Bibel, 1 Korinther 13)

Aber es sind nicht nur die Mediziner und die Bibel, die für die Spinnereien der Regenbogenpresse herhalten müssen. Die “Freizeitwoche” etwa bedient sich noch ganz anderer Quellen. Vor Kurzem versprach sie auf dem Cover ebenfalls neue Informationen:Michael Schumacher - Wie geht es ihm wirklich? - Jetzt gibt es ungewöhnliche Neuigkeiten

Es gebe “neue Anzeichen für eine positive Wende”, schrieb das Blatt.

– und zwar aus dem Universum!

Denn der “FREIZEITWOCHE-Astrologe Michael Waha (50)” hat in die Sterne geschaut und “einen Ausblick in die Zukunft” gegeben. Im Ernst:

Der Planet Mars sorgt ab Juli für deutliche Fortschritte beim Heilungsprozess. Weitere Glücksaspekte werden diese Entwicklung im Herbst unterstützen. Es besteht Hoffnung auf eine nachhaltige Stabilisierung des Gesundheitszustands, vor allem ab Ende Juli. Dann wandert Mars in das Sternzeichen Skorpion. Ob Michael vollständig geheilt wird, ist unklar. Folgeschäden können nicht ausgeschlossen werden.”

Prognosen aus dem Universum, Bibel-Zitate, Ferndiagnosen — so geht das jede Woche. Für die kommenden Schlagzeilen haben die Kaffeesatzleser und Pendelschwinger bestimmt schon die Tarotkarten zurechtgelegt.


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Jetzt auch noch seine Kinder
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Jetzt auch noch seine Kinder

Es gibt nichts Neues über Michael Schumacher und seinen Gesundheitszustand. Es gibt aber die große Gier der Regenbogenredaktionen, neuen Mist zu verbreiten. Die Kombination aus beidem führt zu so etwas:Michael Schumacher - Berührende Momente - Bewundernswert, wie seine Kinder ihr Schicksal meistern

Während sich die Berichterstattung der Hefte bisher um Michael und Corinna Schumacher drehte, verschiebt die Regenbogenpresse nun ihren Fokus Richtung Kinder des Paares. Aus den richtig üblen Artikeln werden jetzt die richtig, richtig üblen.

Die “Freizeit Spaß” fantasiert sich beispielsweise in die Gedankenwelt von Gina-Maria und Mick Schumacher:

Sie sind so sportlich wie ihr Vater, treten bei internationalen Wettbewerben an. Und wenn Gina Maria und Mick auf dem Siegerpodest stehen, dann ist ihr Erfolg dem schwer kranken Papa gewidmet

Vor einiger Zeit fuhr Sohn Mick bei einem Kart-Rennen auf einen vorderen Platz. Ein italienisches Magazin hat auf dem Treppchen ganz genau hingehört. Und die “Freizeit Spaß” schreibt lechzend ab:

Bei der Siegerehrung blickte Mick zum Himmel, streckte die Arme nach oben. “Ich hoffe, dass ich Papa bald meine Emotionen erzählen kann, die ich heute empfunden habe”, sagte der Blondschopf, so das Magazin “gente”.

Der Artikel der “Freizeit Spaß” ist eine Lobeshymne auf die Kinder von Michael Schumacher. Mick arbeite “[d]iszipliniert” an seiner “Kart-Karriere”, Gina-Maria sei eine “hübsche junge Frau”, die “für ihren geliebten Papa” “mit Bravour” Reitturniere gewinne.

Und so könnte auch die Rechtfertigung der Redaktion aussehen: Ach, was ist denn schon dabei, wenn wir über Schumis Kinder schreiben? Wir finden es doch so bewundernswert, wie sie ihr Schicksal meistern.

Auf die Idee, dass man die minderjährigen Kinder eines Prominenten, die sich nicht aussuchen konnten, die Nachfahren eines siebenfachen Formel-1-Weltmeisters zu werden, und deren Vater seit vier Monaten im Koma liegt, einfach mal in Ruhe lassen könnte, sind sie bei der “Freizeit Spaß” offenbar nicht gekommen. Und auch nicht darauf, dass es dabei völlig egal ist, ob es positiver oder negativer Schund ist, den man über sie schreibt. Es stört diese Leute ja nicht einmal, ein unverpixeltes Foto von Schumachers Tochter zu drucken.

Diese ganzen Grässlichkeiten übertrifft dann nur noch “Die Aktuelle”, die Smith & Wesson 500 unter den Revolverblättern:

Michael Schumacher - Jetzt auch noch sein Sohn! - ++ Mick Schumacher: Es passierte beim Kart-Rennen ++ Der Schock! Wie soll Corinna das alles nur verkraften? ++(Unkenntlichmachung von uns.)

Das Blatt spielt mit der Andeutung, dass nicht nur Michael Schumacher einen Unfall hatte, sondern auch Sohn Mick:

Wie soll Corinna das alles nur verkraften? Ihr Mutterherz wird keine Ruhe mehr finden. Fast hätte sie ihren Mann verloren. Was, wenn sie jetzt den Sohn verliert?

Anlass für diese Wahnvorstellungen ist ein Kart-Rennen im Februar vergangenen Jahres, also gut zehn Monate vor Michael Schumachers Ski-Unfall:

Letztes Jahr muss ihr das Blut in den Adern gefroren sein. Mick fuhr ein Kart-Rennen, den “Winter Cup Lonato” in Italien. Plötzlich der Schock! Ihr Junge kollidierte mit einem anderen Kart. Ein Horror-Szenario! Aber: Micks Schutzengel hatte Überstunden gemacht. Nichts passiert — der Blondschopf kletterte unverletzt aus seinem Kart. Aber diese Bilder haben sich tief in Corinnas Seele eingebrannt. Ein Film, der ihr gerade jetzt den Schlaf rauben wird. Jedes Rennen kostet sie Nerven, Kraft. Weil eine Mutter immer Angst hat. Weil das Böse überall lauert.

Vor allem in “Die Aktuelle”.


Mit Dank an Harald M. für den Hinweis.


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Michael Schumacher
in der Regenbogenpresse

Michael Schumacher
in der Regenbogenpresse

Sie schauen gerade “Günther Jauch”? Das trifft sich gut.

Wir haben nämlich mal ein paar Links zum Thema Michael Schumacher zusammengestellt.

Hier können Sie nachlesen, wie die Regenbogenpresse kurz nach dem Unfall reagiert hat:

Hier geht es zu den Fortsetzungen:

Und hier haben wir neulich mal alle Schumi-Schlagzeilen, die wir bisher gefunden haben, dokumentiert:

Und wenn Sie sich fragen, was dieser Prinz Friso eigentlich mit der ganzen Sache zu tun hat:

Seit unserem letzten Schumi-Eintrag sind ein paar Tage vergangen. Die Regenbogenpresse hat derweil munter weitergeschossen. Das sind die Schlagzeilen, die wir allein in dieser Woche entdeckt haben:Michael Schumacher in der Regenbogenpresse

“Herzlos”. Das trifft es ganz gut.

PS: Nebenan im BILDblog können Sie nachlesen, wie die “Bild”-Zeitung über Michael Schumacher berichtet.


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Genau wie bei Prinz Friso (4)

Genau wie bei Prinz Friso (4)

Es ist endlich ruhiger geworden um Michael Schumacher. Die (halb-)seriösen Medien haben vor einer Weile von ihm abgelassen, selbst “Bild” hält die Füße still, und nur vereinzelt wird noch berichtet, dass es nichts zu berichten gibt.

Eine Ausnahme ist “Focus Online”, wo auch heute noch jeden Tag (!) jede Nicht-Nachricht gleich im “News”-Ticker rumposaunt wird (“der Verkäufer im Krankenhauskiosk will nichts sagen”), aber dort würden sie für ein paar Klicks ja sowieso alles machen.

Insofern ist es schon ein bisschen scheinheilig, dass sich ausgerechnet “Focus Online” jetzt über die Schumi-Berichterstattung der Regenbogenpresse aufregt — und dass ausgerechnet die Nutzer von “Focus Online”, die den Schumi-Live-Ticker schon seit Monaten dermaßen gierig anklicken, dass er womöglich als einer der meistgelesenen Artikel in die Geschichte des deutschen Onlinejournalismus eingehen wird, ganz “entsetzt” sind von dem, was die Regenbogenpresse da gemacht hat.

Andererseits ist “Die Aktuelle”, deren aktuelles Titelblatt bei “Focus Online” für so viel Empörung sorgt, in der Tat nochmal ein anderes Kaliber. Das Blatt ist ein gedruckter Schumi-Live-Ticker im Wochenformat, nur noch informations-, niveau- und skrupelloser.

Auf ihrem aktuellen Cover suggeriert “Die Aktuelle” — das machen die Regenbogenhefte ohnehin sehr gerne –, Schumacher sei aufgewacht:Das Schumi-Schicksal - Aufgewacht!

Erst die Unterzeile erklärt, was wirklich dahintersteckt: Nicht Schumacher ist aus dem Koma erwacht, sondern irgendwer irgendwann mal. Aufgewacht! - ++Drei Menschen berichten: Wie es ihnen erging, als sie aus dem Koma erwachten ++ Plus: Schumis Fortschritte, die neueste Entwicklung, die neuen Sorgen

Es ist einer der billigsten und beliebtesten Tricks der Regenbogenpresse: In der großen Überschrift etwas zu verkünden, das im Kleingedruckten aber entschärft oder relativiert wird:[Kleine Überschrift:] Am Ende kann nur diese Entscheidung stehen [Große Überschrift:] Sie holt ihn heim!(Manchmal kommt es uns übrigens so vor, als würden die Blätter einfach nur ihre Friso-Schlagzeilen recyceln.)

Auch “Das goldene Blatt” nutzt diese Masche:[Kleine Überschrift:] Alle hoffen auf [Große Überschrift:] DAS WUNDER! Einige sparen sich aber auch die Mühe und Skrupel und verkünden das “Wunder” ganz ohne Einschränkungen:Michael Schumacher - Das Wunder! - Corinnas Liebe hat ihn gerettetMichael Schumacher - Das Wunder! - Sensationell, welche Fortschritte er macht

Beide Titelgeschichten beziehen sich lediglich auf ein Statement von Schumachers Managerin, die mitgeteilt hatte, dass es “immer wieder kleine Anzeichen” gebe, “die uns Mut machen”.

Den Teil des Statements, in dem sie schreibt, …

dass dies eine sehr intime und auch fragile Angelegenheit für Michaels Familie ist. Und dass Michael ein Mann ist, der sein Privatleben und seine Familie in all den Jahren aus der Öffentlichkeit heraus gehalten und konsequent geschützt hat.

… zitieren die Regenbogenblätter natürlich nicht.

Und so läuft es seit drei Monaten nach den immer gleichen Mustern ab: Wenn Schumachers Managerin ein Statement zu Schumachers Zustand abgibt — Titelstory. Wenn jemand, der mal mit Schumacher gearbeitet hat, etwas über Schumacher erzählt — Titelstory. Wenn jemand, der vorgibt, mal mit Schumacher gearbeitet zu haben, vorgibt, etwas über Schumacher zu erzählen, oder wenn eine Imbissbudenbesitzerin, die weder mit Schumacher gearbeitet hat noch etwas über ihn erzählen kann, aber zufällig in der Nähe des Krankenhauses arbeitet, in dem Schumacher liegt, berichtet, wie ihr Tag so gelaufen ist — Titelstory.

Spekulationen, Gerüchte, Diagnosen, Prophezeiungen — alles findet Verwendung. Wir können und wollen nicht auf jeden Artikel eingehen, der in den vergangenen Wochen erschienen ist (einige davon haben wir uns hier, hier und hier näher angesehen). Damit Sie aber einen Eindruck davon bekommen, in welchen Massen die Regenbogenpresse ihren Schumi-Schund veröffentlicht, zeigen wir Ihnen mal die Titelschlagzeilen, die wir seit Schumachers Unfall gesammelt haben. Gedruckt wurden vermutlich noch viele, viele mehr.Schumi_01 Schumi_02 Schumi_03

Wir wissen nicht, ob die Familie von Michael Schumacher das alles mitbekommt. Vermutlich hat sie momentan auch Besseres zu tun, als sich mit den Schweinereien irgendwelcher Knallblätter zu befassen.

Für den Fall, dass sie aber irgendwann doch mal juristische Schritte gegen die Redaktionen einleiten will, haben wir alle Artikel, die wir bisher über Schumacher gefunden haben, kopiert und zusammen mit den jeweiligen Impressen an sein Management in die Schweiz geschickt.


Vielen Dank auch an alle Hinweisgeber!


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Genau wie bei Prinz Friso (3)

Genau wie bei Prinz Friso (3)

Wir hatten ja schon befürchtet, dass sich die Regenbogenhefte auf den Unfall von Michael Schumacher stürzen würden wie eine Horde ausgehungerter Hyänen. Und dass sie auch dann, wenn die seriösen Medien längst von Schumacher abgelassen hätten, immer noch unbeirrt weiterhacken würden, Woche für Woche mit neuen Spekulationen und irreführenden Schlagzeilen. Eben genau wie bei Prinz Friso.

Inzwischen zeigt sich, dass wir recht hatten. Leider.

Während selbst die Boulevardmedien Michael Schumacher und dessen Familie allmählich in Ruhe lassen wenigstens eine Zeitlang in Ruhe gelassen haben, ging und geht der Wahnsinn in der Regenbogenpresse einfach nahtlos weiter. Jedes Gerücht wird gleich zu einer Titelstory aufgeblasen, jedes angebliche Blinzeln direkt zum “Wunder” erklärt.

Im Ernst: Als die französische Zeitung “L’Équipe” neulich unter Berufung auf “sehr sichere Quellen” berichtete, Michael Schumacher befinde sich in der Aufwachphase und habe geblinzelt, titelte die “Frau aktuell”:

Endlich gibt es neue Hoffnung - Michael Schumacher - Am Krankenbett geschah ein Wunder!Hunderttausendfach liegt diese Titelseite momentan in deutschen Kiosken aus. Bei wie viele Menschen sie wohl schon den Eindruck erweckt hat, dass Schumacher plötzlich genesen sei?

Immerhin erfahren die, die das Heft kaufen und den Artikel lesen, was wirklich hinter dem “Wunder” steckt. Zumindest wenn sie sich durch den triefenden Schwulst aus Phrasen und Fiktion gekämpft haben, mit dem der anonyme Autor die Tatsachen ummantelt hat.

Schon ein kleines Augenzwinkern ist ein Erfolg. Ein Meilenstein. Ein strahlender Hoffnungsschimmer, in dem nicht enden wollenden Albtraum, der mit dem dramatischen Skiunfall von Michael Schumacher (45) am 29. Dezember letzten Jahres begann. Jetzt berichten französische Medien von einem Wunder, das an seinem Krankenbett geschah. Können Corinna (44) und die Kinder nun endlich aufatmen?

Gebannt wacht die Familie dieser Tage am Krankenbett des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters auf der Intensivstation. In der Hoffnung, auf ein weiteres kleines Blinzeln, Zucken oder Zwinkern. Ein minimaler Reflex, der ihnen versichert, dass ihr geliebter Mann und Papa in sein altes Leben zurückkehrt. Längst haben sich alle Beteiligten an den Anblick des hilflosen Sportlers gewöhnt. An all die Schläuche und die Pumpgeräusche der Beatmungsmaschine, die Schumi am Leben hält. Nun, wo die Aufwachphase begonnen hat, beobachten sie den Patienten mit großer Sorgfalt. Zwar warnt Michael Schumachers Sprecherin Sabine Kehm (47) vor verfrühter Euphorie und spricht von einem “Aufwachprozess, der sehr lange dauern kann.” Trotzdem werten Hirn-Trauma-Experten bereits kleinste Reflexe als positiv. Sie seien ein klares Indiz dafür, dass

und so weiter. Irgendwann kommt dann doch noch das Blinzel-Gerücht aus der “L’Équipe”, und der Text endet so schwülstig, wie er begonnen hat:

Vielleicht hat Schumi damit schon einen ersten Etappensieg errungen. Auf seinem bislang schwersten Grand Prix…

Auch die “Neue Welt” (die in solchen Fällen bekanntlich über besonders exklusive Informationen verfügt) tut so, als wisse sie genau, was sich an Schumachers Krankenbett (und in Corinnas Kopf) abgespielt hat:Überraschende Fortschritte - MICHAEL SCHUMACHER - Freudentränen am Krankenbett - Was die Ärzte sagen

Es gibt Momente im Leben, die kostbarer sind als alles andere auf dieser Welt. Corinna Schumacher (44) weiß am besten, was es bedeutet, dass der Glaube und die Hoffnung letztlich doch Berge versetzen können. Ihre Gebete, die sie immer wieder am Krankenbett ihres geliebten Mannes gesprochen hat, sind nun endlich erhört worden! […] “Schumis” Managerin Sabine Kehm [teilte] offiziell mit: “Michaels Narkosemittel werden seit Kurzem reduziert, um ihn in einen Aufwachprozess zu überführen, der sehr lange dauern kann”.

Dann natürlich die Blinzel-Geschichte …

Die renommierte französische Zeitung “L’Équipe” berichtete hingegen, dass Michael sogar schon geblinzelt habe.

… und ein pathetischer Abgang:

Corinna hat allerdings vollstes Vertrauen in die Ärzte gesetzt, die ihren Michael nun schon seit Wochen behandeln. Ihnen verdankt man die ersten Freudentränen am Krankenbett ihres Mannes. Und Corinna ist sicher, dass ihr Mann den Weg zurück ins Leben findet.

Vergleichsweise zurückhaltend hat das “Echo der Frau” auf die Blinzel-Nachricht reagiert:MICHAEL SCHUMACHER - Nach all dem Hoffen & Bangen - Was wird nun?

Das Blatt ist im Gegensatz zu den meisten anderen Regenbogenheften sogar so fair, die Stellungnahme von Schumachers Managerin — die herausgegeben wurde, nachdem die “L’Équipe” über das Einleiten der Aufwachphase berichtet hatte — noch ein Stückchen weiter zu zitieren:

“Michaels Narkosemittel werden seit Kurzem reduziert, um ihn in einen Aufwachprozess zu überführen, der sehr lange dauern kann”, teilte Sabine Kehm (46), die Managerin von Michael Schumacher, mit. “Es war ursprünglich die klare Absprache zwischen allen Beteiligten, diese Information zum Schutz der Familie erst zu kommunizieren, wenn sich dieser Prozess konsolidiert hat. Über Zwischenschritte werden wir keine Auskunft geben.” Eine Entscheidung, die die Fans des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters natürlich verstehen.

Und viele Journalisten natürlich nicht.

Wie die von der “Freizeit Spass”, die darüber jammern, dass die Managerin nicht “mehr” “verraten” wollte, und sich mit Hilfe eines “Experten” kurzerhand selbst um die “Prognose” kümmern:Michael Schumacher - Überraschende Prognose - Wie seine Zukunfts-Chancen jetzt wirklich stehen

Kurz zusammengefasst: Es gibt “Gefahr”, aber auch “Lichtblicke”. Überraschend.

Sabine Kehm hat in ihrer Stellungnahme übrigens noch einen Satz geschrieben, den wir bisher in keinem Regenbogenheft gefunden haben. Sie schrieb:

Die Familie von Michael Schumacher bittet erneut um Respekt für ihre Privatsphäre, das Arztgeheimnis und darum, die behandelnden Ärzte nicht in ihrer eigentlichen Arbeit zu stören.

Vermutlich werden wir diesen Satz in der Regenbogenpresse auch nie finden. Schon allein deswegen, weil er sich so schlecht mit solchen Fotos verträgt:Michael Schumacher: Nach dem schweren Ski-Unfall - Jetzt muss seine Corinna stark sein wie nie zuvorWir haben das Bild — hier zu sehen in der “Freizeit spezial” — unkenntlich gemacht; es zeigt Corinna Schumacher bei der Ankunft am Krankenhaus, aufgenommen während ihres täglichen Spießrutenlaufs durch die Journalistenmeute.

Die “Revue Exklusiv” hat eines dieser Fotos sogar auf der Titelseite abgedruckt, kombiniert mit einem der Lieblingsbegriffe in diesen Wochen: “Schicksal”.CORINNA SCHUMACHER - Wie erträgt sie dieses Schicksal? - Die Tragödie - So leiden die Kinder

Corinna in Tränen - MICHAEL SCHUMACHER - Er forderte das Schcksal zu oft heraus

(“Revue der Woche”)
MICHAEL SCHUMACHER - Jetzt entscheidet sich sein Schicksal(“Schöne Woche”)

Währenddessen hat das “Echo der Frau” in der aktuellen Ausgabe schon ein ganz “Neues Drama” um Michael Schumacher gebastelt:MICHAEL SCHUMACHER - Neues Drama! - Seine Familie leidet

Der Ort, in dem Schumacher aufgewachsen ist, soll nämlich dem Braunkohle-Abbau weichen und umgesiedelt werden. Das ist schon seit sieben Jahren bekannt, der “Echo der Frau” jetzt aber trotzdem eine Titelschlagzeile wert.

Die Leute von der “Mehr Spass” begeben sich eher auf die Meta-Ebene und erklären:Michael Schumacher - So gefährlich ist Skifahren

Nämlich so gefährlich, dass pro Saison “viele tausend Menschen verunglücken”, darunter sogar Promis. Als Beleg hat die “Mehr Spass” drei davon aufgelistet.

Aber nochmal zurück zur Blinzel-Geschichte. “Das goldene Blatt” weckt ob der eingeleiteten Aufwachphase nämlich ebenfalls neue HOFFNUNG:Michael Schumacher & seine Corinna - Neue HOFFNUNG! - Wird jetzt alles gut?

Und “Die neue Frau” fragt:

Nach dem Drama - MICHAEL SCHUMACHER - Holt die Familie ihn bald heim?(Im Übrigen eine Frage, die die Regenbogenpresse auch im Fall von Prinz Friso unzählige Male gestellt, aber nie selbst beantwortet hat.)

Im Innern jubelt das Blatt:schumi_die-neue-frau-2

Von einem “Wunder” spricht die “Woche der Frau” zwar nicht direkt, dafür macht sie aus dem Blinzeln einfach mal ein Lächeln:

Michael Schumacher - Das erste Lächeln in der Klinik - Kehrt jetzt für die Familie das Glück zurück?Im Text zeigt sich, was wirklich dahinter steckt: die Fantasie des Autors. Was sonst.

Jetzt endlich gibt es Hoffnung! Der ehemalige Formel-1-Weltmeister ist auf dem Weg zurück ins Leben. Die Angst ist damit noch lange nicht weg. Doch es gibt endlich Grund genug für ein erstes, zaghaftes Lächeln.

Die Redaktion der “Freizeitwoche” schließlich lässt keinerlei Zweifel mehr daran, dass sie den Eindruck erwecken möchte, Schumacher sei aus dem Koma erwacht:

WUNDER AM KRANKENBETT - Michael Schumacher - Corinnas Liebe holte ihn ins Leben zurückDer Artikel dazu liest sich wie der Trailer für ein Hollywood-Melodram:

Zärtlich schmiegt sich Corinna Schumacher (44) an die Brust ihres Mannes Michael (45). Er umarmt sie fest, beide halten ihre Augen geschlossen, um den Augenblick zu genießen, der nur ihnen gehört, Ein [sic] kurzer Moment der Liebe — und doch so normal im Leben der beiden.

Bis zum 29. Dezember letzten Jahres! [...] Viele gaben dem Ex-Formel-Eins-Fahrer nur eine gerine Überlebenschance. Viele, aber nicht Corinna. Seit diesem Schicksalsschlag wich sie ihrem Mann nicht von der Seite, hielt seine Hand, redete auf ihn ein, streichelte ihn liebevoll. Jede Minute, jeden Tag, Woche für Woche. Sie zweifelte keine Sekunde daran, dass ihr Ein und Alles wieder zurück ins Leben findet.

Es folgt das (halbe) Zitat der Managerin. Dann:

Tränen der Freude müssen Corinna nach über einem Monat Hoffen und Bangen über die Wange gelaufen sein. Ihre unendliche Liebe und Stärke in der schweren Zeit haben den zerbrechlichen Strohhalm der Hoffnung stark werden lassen! [...] Corinnas Liebe zu Michael hat das Unmögliche möglich gemacht. Und ihre Liebe wird es auch sein, die ihn eines Tages wieder die Augen öffnen lässt.

Und so spekuliert und fabuliert und täuscht die Regenbogenpresse auch eineinhalb Monate nach Schumachers Unfall immer noch munter vor sich hin — so, wie sie es im Fall von Prinz Friso geübt hat. Auch seinerzeit hatten die Regenbogenhefte immer wieder von einem “Wunder” gesprochen und suggeriet, Friso sei aus dem Koma erwacht, obwohl sie genau wussten, dass das nicht stimmte.

Oder aber sie arrangierten ihre Schlagzeilen und Cover so, dass der Eindruck entstand, Friso sei gestorben. Höchstwahrscheinlich werden die Regenbogenredaktionen so etwas auch im Fall Schumacher versuchen. Einen Anlass gibt es auch schon: Die “Bild”-Zeitung berichtete Anfang der Woche, dass bei Schumacher eine Lungenentzündung diagnostiziert worden sei.

Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis daraus die ersten Todesdramen gestrickt werden.


PS: Eine Geschichte dürfen wir nicht unerwähnt lassen. Die “Freizeit Revue” übt in ihrer aktuellen Ausgabe nämlich Kritik an der Berichterstattung über Schumacher. Echt jetzt! Sie empört sich über jene Menschen, “die offenbar keinen Anstand” besitzen und das Leid Schumachers für ihre “geschmacklosen Geschäfte” missbrauchen:

MICHAEL SCHUMACHER - Geschmachlose Geschäfte mit seinem unsagbaren Leid

“Unfassbar” findet die “Freizeit Revue”. “Abscheulich”. “Unwürdig”. “Skrupellos”.

Nanu? Kritik an der Regenbogenpresse — von der Regenbogenpresse?

Nein. Natürlich nicht. Die “Freizeit Revue” kritisiert nicht sich selbst oder ihre Regenbogenkollegen, sondern die “Titanic”:[Ein Foto zeigt das "Titanic"-Cover mit gepixeltem Logo, ein anderes Foto den "Titanic"-Chefredakteur] Skrupellos: Mit diesem geschmacklosen Cover will Tim Wolff (r.), Chef eines Satire-Magazins, viele Hefte verkaufen

Und Schumachers Notsituation für die Auflage zu missbrauchen, das geht nun wirklich zu weit.

Nicht wahr, “Freizeit Revue”?


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Genau wie bei Prinz Friso (2)

Genau wie bei Prinz Friso (2)

Die Flut an Mist-Berichten der Regenbogenpresse über den Ski-Unfall von Michael Schumacher ist — wie erwartet — in die deutschen Zeitschriftenregale geschwappt.

Wir können nicht garantieren, dass wir alle Hefte mit entsprechender Berichterstattung gefunden haben. Aber allein die, die hier bei uns rumliegen, bilden schon ein Kaleidoskop des Schreckens und der Ekels. Eine Übersicht.

Vergleichsweise zurückhaltend berichten “Das goldene Blatt” …

Nach dem tragischen Ski-Unfall - Ex-Königin Beatrix - Schmerzliche Erinnerungen

… das “Echo der Frau” …

Michael Schumacher - Seine Familie unter Schock! Wie geht es jetzt weiter?

… und die “Neue Welt”:

Michael Schumacher - Koma-Tragödie - Wie kann Corinna das nur verkraften?

Vielleicht fehlte den Autoren der drei Blätter aber auch nur das nötige Quäntchen Fantasie, um eine Reportage vom Krankenbett zu schreiben. So wie “Das neue Blatt”:

Corinna Schumacher - Sie weint um ihren geliebten Michael

Das Zimmer im fünften Stock des Klinikums in Grenoble ist abgedunkelt. Es riecht nach Desinfektionsmitteln, das Piepsen der Überwachungsmonitore geht durch Mark und Bein. Der Anblick von Michael Schumacher (45), der da verkabelt und wie leblos im Krankenbett liegt, muss für seine Frau furchtbar sein.

Und auch “Die neue Frau” tut so, als sei sie ganz, ganz nah dran gewesen:

Die stillen Momente sind die schlimmsten. Dann, wenn sie nachts im Bett liegt, alleine, verzweifelt — und ihre Gedanken immer und immer wieder um ihren geliebten Mann Michael (45) kreisen. Warum er? Warum jetzt? Antworten darauf sucht Corinna Schumacher (44) vergeblich.

Außerdem hat sich die Redaktion noch einen “Geheim-Pakt” zwischen Michael Schumacher und seiner Frau Corinna ausgedacht:

Corinna Schumacher - Geheim-Pakt mit ihrem Schumi - Diese Botschaften geben ihr Kraft

Es ist ihr ganz persönlicher Geheim-Pakt. Zu wissen, dass der andere immer für einen da ist, dass Michael an ihrer Stelle das Gleiche für sie tun würde — das gibt ihr Trost, die schlimmste Zeit ihres Lebens zu überstehen.

Dazu die vielen kleinen Rituale, die das Böse aus ihrem Leben fernhalten sollte [sic!]. All diese kleinen Botschaften, die Schumi ihr mit auf den Weg gegeben hat, sind für Corinna nun der Rettungsanker, um nicht zu verzweifeln.

Doch damit nicht genug. “Die neue Frau” bringt in einer an Dämlichkeit kaum zu übertreffenden Bildunterschrift auch noch Schumachers Tochter ins Spiel:

Trost suchend! Michaels Tochter Gina-Maria wirkt völlig neben der Spur

Die “Schöne Woche” versucht hingegen, mit Schumachers Sohn Auflage zu machen:

Nach der Ski-Tragödie - Michael Schumacher - Wird sein Sohn das Trauma je verkraften?

Die Bilder werden sich in seine zarte Kinderseele eingebrannt haben.

Die Redaktion der “Freizeit Woche” macht sich derweil schonmal an die Aufklärung des Vorfalls. Wenn auch mit etwas merkwürdigen Thesen:

Unheimlich - Michael Schumacher - Ahnte er die Tragödie voraus?

Ein Satz des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters gibt vielleicht die Antwort auf die ganze Tragödie: “Ich kann nicht Dinge nicht tun, weil dabei etwas passieren kann.” Dieses Zitat von Michael Schumacher (45) stammt aus einem am 17. Dezember mit [Kai] Ebel geführten Interview. Fast könnte man meinen, der Kerpener ahnte damals schon, dass sich in seinem Leben bald eine Tragödie ereignen würde: “Wenn etwas passiert, dann ist es vielleicht Schicksal. Das muss nicht im Rennsport sein.” Nein, es war bei einer an sich harmlosen Ski-Abfahrt …

Ins gleiche Horn bläst die “Woche heute”:

Michael Schumacher - Mysteriös! Ahnte er seinen furchtbaren Ski-Unfall voraus?

Ahnte der ehemalige Sportheld sein tragisches Schicksal voraus? Nur gut zwei Wochen vor dem furchtbaren Unfall machte er mysteriöse Andeutungen. “Wenn etwas passiert, dann ist es vielleicht Schicksal. Das muss nicht im Rennsport sein”, sagte Schumi in einem Interview, “ich kann nicht Dinge nicht tun, weil etwas dabei passieren kann. Wenn’s passieren soll, wird’s passieren — egal wo.”

Das Blatt legt aber noch ein Hirngespinst drauf:

Was für ein Tag! Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und Neuschnee — einfach perfekt zum Skifahren. So muss das Ex-Formel-1-Pilot Michael Schumacher (45) empfunden haben, als er am 29. Dezember mit seinem Sohn Mick (14) in Méribel mit dem Lift auf den Berg Saulire fuhr. Vater und Sohn carvten fröhlich auf den präparierten Pisten. Gegen 11 Uhr wurde aus dem Traum-Skitag schlagartig ein einziger Horror!

An einer ähnlich stumpfen Deutelei versucht sich die “Freizeit Revue”:

Michael Schumacher - Versöhnung am Krankenbett - Wie sein trauriges Schicksal die Familie wieder zusammenführt

Neben Ehefrau Corinna (44), Tochter Gina-Marie (16), Sohn Mick (14) und seinem Vater Rolf (67) war auch Bruder Ralf (38) sofort nach Grenoble geeilt, hatte an Michaels Krankenbett gewacht. Ein rührendes Signal der Versöhnung. Schließlich verband die Männer stets ein angespanntes Verhältnis. Seit über drei Jahren sollen sie kaum noch ein Wort miteinander gewechselt haben. [...] Und auch die so unterschiedlichen Ehefrauen entzweiten die beiden. So soll Michaels bodenständige Corinna die exzentrische Cora (37) regelrecht verachtet haben. Doch im Angesicht des Todes spielte die Vergangenheit keine Rolle mehr.

Immerhin: Die Redaktion schreibt transparent, dass sie nicht wissen könne, wie es aktuell um Michael Schumacher steht:

Bei Redaktionsschluss war unklar, ob er das Drama überlebt hat. Doch die Glücksbringer seiner geliebten Familie haben ihm sicher viel Mut gemacht.

Umso überraschender wirkt folgender Satz, der im selben Artikel steht und so klingt, als hätte die “Freizeit Revue” doch eine Ahnung, ob Schumacher “das Drama überlebt hat”:

Tagelang hatte Michael Schumacher (45) im fünften Stock im künstlichen Koma gelegen

Auch die “Neue Post” verweist auf den Redaktionsschluss, hat sich dann aber doch diese Überschrift für ihren Artikel im Heftinneren ausgedacht, die mit Abstand die widerlichste in dieser Sammlung sein dürfte:

Das Unfall-Drama um Michael Schumacer - Corinna Schumacher - Nur ihre Kinder geben ihr die Kraft zum Weiterleben

Dazu macht das Blatt noch ganz spezielle Beobachtungen zu Corinna Schumacher:

Und auch jetzt soll niemand die Tränen sehen, die sie um ihren Mann Michael weint. [...] Ein leichtes Make-up verdeckt deshalb die Spuren, die das Drama um Michael Schumacher (45) bei ihr hinterlassen.

Und rundet den Artikel mit Ekel-Prosa ab:

Dem Tag, an dem der Eishauch des Todes ihren Liebsten aus dem Leben zu reißen drohte.

Für Corinna Schumacher zählt jedoch nur eines: Leben soll er, ihr Michael. Leben! Nicht sie und die Kinder allein lassen.

Mick war dabei, als sein Vater verunglückt. Er war der letzte aus der Familie, der ihm in die Augen sah, bevor sie sich ohnmächtig schlossen …

Wohl um dieser schrecklich klebrigen Berichterstattung einen Anschein von Sachlichkeit zu geben, hat die “Freizeit Spass” einen Experten befragt. Der macht’s aber leider auch nicht, ach, lesen Sie selbst:

Das war die wohl schlimmste Phase für Corinna, wie Diplom-Psychologe Hannes Niggenaber erklärt: “Ein Schweben zwischen Hoffen und Bangen, ein für die Seele extrem belastender Zustand. Nach einer langen Ehe fühlt sich Frau Schumacher fast so, als wäre sie selbst vom Unfall betroffen. Am meisten werden ihr aber Selbstvorwürfe zu schaffen machen, dass es ihr nicht gelang, ihren Mann nach Ende seiner Karriere von gefährlichen sportlichen Herausforderungen abzuhalten.”

Auf Grundlage dieser, nun ja, Expertenmeinung schwingt sich die “Freizeit Spass” zum finalen Irsinns-Akkord auf:

Corinna hatte geglaubt, ihr eigener Sport — sie ist Europameisterin im Reining-Westernreiten — sei nun das Gefährlichste, was ihre Familie betreibt. Sieht man mal von Sohn Micks ersten, vielversprechenden Kart-Erfolgen ab. Doch 1 PS waren für einen Racer wie Michael zu wenig. Bis er mit dem Kopf gegen den Felsen in Méribel raste.

Fazit:

Michael Schumacher - Der schlimmste Albtraum seiner Frau wurde wahr

Dieser ganze Murks, den die Regenbogenpresse da zu Papier bringt, ist in weiten Teilen reine Spekulation. Oder wie die “Woche der Frau” schreibt:

Es gibt nichts, was über ihn in den letzten Tagen nicht geschrieben wurde — vieles davon war reine Spekulation auf der verzweifelten Suche nach Informationen.

Diese scharfsinnige Beobachtung nimmt die Redaktion zum Anlass, um — wie sollte es anders sein — selbst mit wildesten Spekulationen noch eins acht draufzusetzen:

Schockierende Bilder - Das Schumi-Drama - Das Leid seiner geliebten Kinder

Sollte es so kommen? War das sein Schicksal? Ehefrau Corinna (44), Bruder Ralf (38) und Vater Rolf sowie die Kinder Gina-Maria (16) und Sohn Mick (14) sind seit dem verheerenden 29. Dezember jedenfalls im seelischen wie körperlichen Ausnahmezustand. Wie schwer diese Tage für seine beiden Kinder sein müssen, kann man nur erahnen.

Dann, kurz vor 11 Uhr, passiert die Tragödie: Angeblich stürzt die Tochter eines Freundes, Michael hilft ihr auf und fährt eine Schleife in den Free-Ride-Bereich. Dort knallt er gegen einen Felsen, wird in die Luft katapultiert und kommt mit dem Kopf auf einem Stein auf (siehe Kasten rechts).

Es ist zu befürchten, dass Mick genau diesen furchtbaren Moment, als sein Vater verunglückte, tatsächlich mit eigenen Augen mitanschauen muss.

Normalerweise greift in solchen Krisenfällen eine psychologische Beratung ein, doch bis jetzt ist nicht bekannt, ob die Angehörigen des Rennfahrers diese in Anspruch genommen haben.

Ob Michael am Tag seines Skiunfalls seine Glücksbringer zu Hause vergessen hatte?

Unglaublich — hat er seinen Unfall womöglich vorausgeahnt und konnte die Gefahr nicht greifen?

Die Tochter eines Freundes stürzt offenbar, Schumi hilft dem Mädchen und fährt ca. 20 Meter in den Free-Ride-Bereich zwischen zwei Pisten.

Fatal: Angeblich geht seine Bindung nicht auf. Wurde sie falsch eingestellt?

Diese grässliche Fratze zeigt also die erste Woche Regenbogenberichterstattung zum Ski-Unfall von Michael Schumacher. Und wir befürchten, dass es auch so weitergeht.

Immerhin: Da sich die Mitarbeiter dieser Heftchen ihr Geschwafel am Schreibtisch ausdenken, verstopfen sie wenigstens nicht die Krankenhaustüren in Grenoble.


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Genau wie bei Prinz Friso

Genau wie bei Prinz Friso

Die Diskussion über die Berichterstattung zum Ski-Unfall von Michael Schumacher, die in den vergangenen Tagen auf Touren kam, hangelt sich größtenteils an der Frage lang: Muss das wirklich alles sein — diese Flut an Berichten, diese Gewichtung?

Man kann das so oder so sehen.

Worüber man hingegen nicht lange diskutieren muss, ist das hier:

Tragödie im Krankenhaus! Corinna Schumacher - Bittere Tränen um ihren Michael

Michael Schumacher (45) - Mitten aus dem Leben gerissen! Wieder abseits der Piste! Genau wie bei Prinz Friso

Nach dem schlimmen Ski-Ungkück - Michael & Corinna Schumacher - Bitterer Abschied! Was wird jetzt aus ihren Kindern?

Jetzt ist also auch die Regenbogenpresse bei dem Thema eingestiegen. Und sie gibt vom Start weg Vollgas.

Die Redaktion der “frau aktuell” handelt noch am harmlosesten, wenn sie sich einfach mal ein Zitat ausdenkt, das Michael Schumachers Frau Corinna vielleicht am Krankenbett ihres Mannes gesagt haben könnte:

Stunde um Stunde verharrt sie am Krankenbett und vergießt bittere Tränen um ihren Michael. “Warum musste er eine so gefährliche Strecke fahren, wie konnte es nur dazu nur [sic!] kommen?” wird sie sich immer wieder Fragen [sic!].

Deutlich schärfer da schon “die aktuelle” im Vier-Seiten-Spezial “Das Drama um Michael Schumacher”. Die Überschrift im Heftinneren könnte auch als Titelzeile für einen “aktuelle”-Nachruf auf “Teufelskerl” Michael Schumacher durchgehen:

Tragisches Ende eines Lebens auf der Überholspur

Natürlich hat “die aktuelle” auch gleich nach Parallelen zum Schicksal von Prinz Friso gesucht. Und auch ganze zwei gefunden:

Auch [...] Prinz Friso fuhr 2012 abseits der Piste, als er schwer verunglückte.

Der Prinz war im gleichen Alter wie Schumi: 45 Jahre …

Dazu trifft das Blatt eine Reihe von Aussagen, die bei einer Leserin, die nicht jeden Abend die “Tagesschau” guckt, durchaus den Eindruck erwecken kann, dass Schumacher den Unfall nicht überlebt hat:

Michael Schumacher, 45, war ein Teufelskerl.

Einfach so mitten aus dem Leben gerissen. Ohne die Chance auf ein Wort des Abschieds. Als Ehefrau Corinna, 44, und die Kinder Gina-Maria, 16, und Mick, 14, im Krankenhaus eintrafen, konnten sie nur noch seine Hand halten.

Nie hatte sie [Corinna Schumacher] ihn gebeten, wegen ihr auf den Adrenalin-Kick zu verzichten. Das war sein Leben. Und sie liebte ihn. [...] Jetzt hat Corinna ihn verloren. Das Leben ist nicht fair …“

“das neue” besitzt sogar die Chuzpe, über Michael Schumacher und dessen Leben fast ausschließlich in der Vergangenheitsform zu schreiben. Als wäre er gestorben:

Die Familie war für ihn immer die Nummer 1 im Leben

Er [...] unterstützte seine Frau bei der Pferdezucht auf ihrer Western-Ranch.

Sie hatten alles: zwei süße Kinder, Millionen auf dem Konto, Dutzende Autos, etliche Häuser und sogar eine eigene Ranch. Doch nun muss sich die Familie von Michael Schumacher (45) von ihrem bisherigen Leben trennen. Ein bitterer Abschied!

Der gesamte Artikel und die Schlagzeile auf dem Cover lesen sich so, als hätte “das neue” darauf spekuliert, dass Michael Schumacher die Folgen seines Unfalls vielleicht doch nicht überlebt, während das Heft gedruckt und ausgeliefert wird. Vorher noch schnell die “Stabstelle Medienrecht des Heinrich Bauer Verlages” drüberbügeln lassen, damit nichts rechtlich Verfängliches drin steht. Und dann sabbernd alles in die Druckerei schicken.

In einem Punkt hat “die aktuelle” übrigens recht: Es ist “Genau wie bei Prinz Friso”. Die Regenbogenverlage werden auch dieses Mal das Schicksal eines Menschen in Not so weit ausschlachten, wie es nur geht.

Die große Flut an Schund- und Fantasiegeschichten dürfte noch kommen — am Mittwoch, wenn ein Großteil der wöchentlich erscheinenden Hefte auf den Markt geworfen wird.


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