Günther Jauch hat nichts gestanden
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Günther Jauch hat nichts gestanden

Hinter den Mitarbeitern, die bei “Das Neue” fürs Gestalten der Titelseite verantwortlich sind, muss eine gähnend langweilige Arbeitswoche liegen. Ihren Job haben nämlich fast zur Hälfte Günther Jauch und dessen Anwaltskanzlei übernommen:

Cover von "Das Neue" mit dieser Gegendarstellung: "Gegendarstellung – Auf der Titelseite von "das neue" vom 11. April 2015 heißt es über mich: "Günther Jauch Schock-Geständnis steckt seine Ehe in der Krise?" Hierzu stelle ich fest: Ich habe im Zusammenhang mit meiner Ehe nichts gestanden. Potsdam, den 15. April 2015 Günther Jauch Her Jauch hat recht. Der Verlag."
(Klicken für größere Version.)

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte vor gut zwei Wochen entschieden, dass Günther Jauch “Anspruch auf die Veröffentlichung einer Gegendarstellung auf der Titelseite einer Wochenzeitschrift” habe. Diesem Urteil ist “Das Neue” nun nachgekommen.

Einen ganz besonderen Service, der sich vermutlich stark an der vergleichsweise alten Zielgruppe von “Das Neue” orientiert, bieten übrigens die Redakteure, die fürs Inhaltsverzeichnis zuständig sind. Für all jene Leser, die Jauchs Gegendarstellung auf dem Cover trotz Riesengröße und pinkem Hintergrund übersehen haben sollten, weisen sie noch einmal gesondert darauf hin:

Diese Woche in "Das Neue": Gegendarstellung Günther Jauch auf Seite 1


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Fantasievoller Franzosen-Flirt
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Fantasievoller Franzosen-Flirt

Diese Massenmedien bekommen mal wieder gar nichts mit. Im Herzen Europas spielt sich momentan die größte Liebessensation der vergangenen Jahrzehnte ab, über alle Partei- und Ländergrenzen hinweg, die Vollendung der deutsch-französischen Freundschaft — und nur das Klatschblatt “Das Neue” berichtet.

Während sich die gesamte Journaille auf Griechenland und den Euro stürzt, behält die Regenbogenredaktion das Zwischenmenschliche im Auge und titelt:

Gibt ihr Mann sie frei? Angela Merkel - Pikanter Franzosen-Flirt

Denn das, was Konrad Adenauer und Charles de Gaulle angeschoben haben, und Schmidt/Giscard d‘Estaing, Kohl/Mitterand und Schröder/Chirac vorantrieben, könnten Angela Merkel und François Hollande jetzt krönen:

Sie umarmen sich, schauen sich in die Augen, küssen sich sogar: Kanzlerin Angela Merkel (60) turtelt in aller Öffentlichkeit mit ihrem Pariser Kollegen François Hollande (60).

Merkel hege “ganz offensichtlich” mehr als nur Sympathie für ihren französischen Amtskollegen.

Wenn sie François Hollande begegnet, wirkt sie befreit, fröhlich, fast verliebt — und das trotz der Griechenland-Krise, die alle Kraft von ihr fordert!

Und ihr Ehemann Joachim Sauer?

Seit Monaten sieht der Chemie-Professor, dass seine Frau vor aller Augen fremdflirtet (“das neue” berichtete).

Genau, “‘das neue’ berichtete”. Schon im Mai beobachtete das Heft nämlich, dass “Oh, là, là, Monsieur le Président” beim Berlinbesuch das Herz der Bundeskanzlerin im Sturm erobert habe. Plötzlich lag bei der Klimakonferenz “L’amour’ in der Luft!” Dort habe Merkel für ihre Verhältnisse ganz schön aufgedreht: “ein rotes Sakko — die Farbe der Liebe –, etwas mehr Make-up als sonst, ein fast schon schelmischer Augenaufschlag”.

Das ist eben die ganz große Qualität der Regenbogenpresse: Sie sieht Dinge, die andere noch nie gesehen haben.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Schlagzeilenbasteln (130)
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Schlagzeilenbasteln (130)

Welche Schlagzeile könnte man über diese Nachricht setzen?

Der Sohn von Caroline von Monaco hat eine Freundin. Und die hat gerade eine TV-Dokumentation fertiggestellt “über die Aufgaben der Frauen bei der Mafia”.

Sie muss die Zwillinge beschützen - Fürstin Charlène - Im Visier der Mafia

Schwarz gekleidete Gestalten steigen nachts in den Grimaldi-Palast ein. Im Schutze der Dunkelheit scleichen sie durch die Gänge — auf der Suche nach Charlène (37) und ihren Zwillingen Jacques und Gabriella (3 Monate).

Nanu?! Was hat “Die Neue” denn da für heißen Stoff?

Szenen, die man eigentlich nur aus amerikanischen Gangsterfilmen kennt.

Oder aus deutschen Käseblättern, wenn den Mitarbeitern in der Kantine mal wieder Halluzinogene in den Kartoffelbrei gemischt wurden.


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Zusammenbruch der Realität
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Zusammenbruch der Realität

Für die große Politik und ihre Protagonisten interessiert sich die Regenbogenpresse gemeinhin nicht die Bohne. Aber wenn eine Redaktion mal eine Geschichte aufgreift, dann langt sie voll zu.

Beispiel: Joachim Gauck. Aus den “Freiheit”-Reden des Bundespräsidenten lassen sich nur schwer Skandale auf Regenbogenniveau stricken. Aus nervlichen Krisen hingegen umso besser — dachte sich auch “Das Neue”:

Joachim Gauck - Zusammenbruch! Wird ihm alles zu viel?

Hoppla — ein zusammengeklappter Bundespräsident? Schock in der Nation, Staatskrise, und nur die Hauptstadtkorrespondenten von “Das Neue” wissen davon:

Während einer Gedenkveranstaltung in der ukrainischen Hauptstadt verließen den 75-Jährigen die Kräfte. Von Präsidenten-Kollege Petro Poroschenko (49) und einem Ehrengast musste Joachim Gauck regelrecht aufgefangen werden. Nicht nur für die anwesenden Gäste ein Schock!

Das Blatt hat sogar ein Beweisfoto für den Zusammenbruch des deutschen Staatsoberhauptes. Und auf dem ist ganz eindeutig zu sehen, dass Joachim Gauck noch nicht einmal mehr alleine gehen konnte:

Joachim Gauck musste vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und einem Gast gehalten werden.

Also, liebe Mitarbeiter von “Das Neue”, noch einmal ganz langsam und extra für Euch: Das Einhaken von Politikern gehört heutzutage zu Gedenkmärschen wie idiotische Schlagzeilen zu Eurem Käseblatt. Und damit Euch die nicht ausgehen, haben wir hier noch eine Reihe anderer Politiker, über deren Abstürze Ihr Euch in den kommenden Wochen schöne Märchengeschichten ausdenken könnt. Nichts zu danken!


Mit detektor.fm haben wir auch über den angeblichen Gauck-Zusammenbruch gesprochen.


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Schlagzeilenbasteln (117)
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Schlagzeilenbasteln (117)

Welche Schlagzeile könnte ein Regenbogenredakteur zu dieser Nachricht stricken?

Eine Kommission hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre in der Fußball-Bundesliga gedopt wurde. Sowohl der VfB Stuttgart als auch der SC Freiburg sollen davon betroffen sein.

Joachim Löw - Zerstört ein dunkles Geheimnis seine Ehe?

Löw spielte nämlich nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Freiburg. “Zu seiner Zeit bei den zwei Vereinen war Joachim Löw bereits mit seiner jetzigen Frau liiert”.

Die Ehe-Berater von “Das Neue” sehen nun eine schwere Krise auf die beiden zukommen:

[S]ollte sich bei weiteren Ermittlungen herausstellen, dass der Erfolgtrainer doch etwas mit den Dopingvorwürfen zu tun hatte, wäre er neben seinem Job beim DFB vielleicht auch seine Daniela los. Plötzlich kommen Zweifel auf. Und Zweifel sind Gift in jeder harmonischen Ehe.


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Schlagzeilenbasteln (113)
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Schlagzeilenbasteln (113)

Welche Schlagzeile könnte man über diese Nachricht setzen?

TV-Moderator Andy Borg darf nur noch bis Juni 2015 den “Musikantenstadl” moderieren. Dann wird er durch einen bislang unbekannten Nachfolger ersetzt.

Triumph nach dem Rausschmiss - Andy Borg - Endlich Zeit für ein Baby!

Doch nach den Tränen kommt vielleicht der Triumph. Denn jetzt ist endlich Zeit für ein Baby [...] Er hat Zeit, Vater zu sein — und dann wird aus dem fiesen Rauswurf ein wahrer Triumph der Liebe!


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Links vom topf (2)
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Links vom topf (2)

“FAZ”-Redakteur Jörg Thomann wundert sich in seinen “Herzblatt-Geschichten” über angebliche Fremdkuss-Fotos eines Fürsten und stellt eine klare Forderung an die “Bunte”:

Könntest du, Bunte, bitte Horst Seehofers kleine Tochter in Ruhe lassen, statt Fotos von ihr beim Eislaufen zu zeigen? Ist das Kind eine Person der Zeitgeschichte, sucht es die Öffentlichkeit? Und hast du das Mädchen oder seine Mutter um Erlaubnis gefragt?

Herzblatt-Geschichten: Im Griff der Wrestlerin


In unserer Rubrik “Links vom topf” wollen wir Euch kurz und knapp interessante Links rund ums Thema “Regenbogenpresse” präsentieren.

Wenn Ihr also in den Weiten des Internets auf Interessantes zur Klatsch- und Regenbogenpresse stoßt, schickt uns gern den Link an linksvomtopf@topfvollgold.de.


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Schlagzeilenbasteln (104)
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Schlagzeilenbasteln (104)

Heute brauchen wir für diese Nachricht eine verkaufsträchtige Schlagzeile:

Vergangenen Mittwoch gab es im Berliner Dom einen Gedenkgottesdienst für den verstorbenen früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Es kamen unter anderem: Angela Merkel, Joachim Gauck und Gerhard Schröder.

Wie traurig! Helmut Kohl - Bitterer Abschied ohne Versöhnung!

Viel entscheidender als die lange Liste mit den Ehrengästen findet “Das Neue”, wer nicht in den Dom kam:

Nur einer fand den Weg der Versöhnung nicht: Altkanzler Helmut Kohl (84) war bei der Gedenkfeier in Berlin nicht anwesend. [...] Helmut Kohl hat es wohl nie verwunden, dass Richard von Weizsäcker vieles hatte, was er nicht vorweisen konnte: eine glänzende Familiengeschichte und charmante Sicherheit im Umgang mit anderen.

Kohl sei “offensichtlich so stur, dass er nicht einmal in der Stunde des Todes die Hand zur Versöhnung reichen kann. Was für ein bitterer und trauriger Abschied vom Leben!”


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topf is loading …
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topf is loading …

topf is loading ...

Der Winterschlaf hier im Blog ist bald vorbei. Und fürs neue Jahr planen wir ein paar Veränderungen. Dafür sammeln wir gerade unsere Kräfte — daher ist der topfvollgold momentan noch im Ladezustand.

Für die Wartezeit haben wir Euch eine Ladung Schlagzeilenbasteln zusammengestellt. Die Spielregeln sind wie immer: Wir nennen Euch eine kurze Nachricht, und Ihr bastelt daraus eine schöne Regenbogenschlagzeile. Wie die Profis es gemacht haben, erfahrt Ihr mit einem Klick auf “Schlagzeile?”. Und los geht’s!


In England hat eine Gruppe von Frauen für einen Halbnackt-Kalender posiert, um Spenden für die “East Anglian Air Ambulance” zu sammeln, für die Prinz William als Hubschrauberpilot fliegt.

Schwangere Herzogin Kate - Strippen für den guten Zweck - Wie soll William ihr das nur erklären?

(“Woche der Frau”)


Thea Jauch, die Frau von Günther Jauch, hat auf dem Weingut der beiden alles fest im Griff.

Tiefe Einblicke in das Eheleben als Winzerpaar - Günther Jauch - Ohne seine Frau wäre er verloren

(“Woche der Frau”)


Neulich in Los Angeles: Der Fahrer eines SUV verliert auf der nassen Fahrbahn die Kontrolle, der Wagen rutscht gegen den Bordstein, zwei Reifen platzen. Auch im Auto: Schauspielerin Angelina Jolie.

Angelina Jolie - Anschlag auf die Schauspielerin?

(“Das Neue”)

“Das Neue” verschwörungstheoriesiert: “Hat sie sich mit ihren politischen Plänen schon die ersten Feinde gemacht?”


Zur letzten “Wetten, dass ..?”-Sendung hat Markus Lanz unter anderem auch Helene Fischer eingeladen. Til Schweiger hat für die Sängerin eine Rolle im “Tatort” klargemacht. Und Ex-Big-Brother-Bewohner Jürgen Milski hat einen Song mit dem Namen “Oh Helene” rausgebracht.

Arme Helene - So schamlos wird sie von Männern ausgenutzt!


Die Sängerin Cher musste krankheitsbedingt ihre Tour absagen. Bei Twitter schrieb sie: “‘Ich habe so fest versucht, stark genug zu sein, aber mein Wille konnte meinen Körper dieses Mal nicht zwingen.’”

Ihre Fans weinen um sie - Cher - Ihr trauriger Abschied

(“Neue Welt”)

Der Artikel der “Neuen Welt” liest sich wie ein Nachruf auf Cher. Kostprobe: Der erwähnte Tweet “waren ihre letzten Worte, die sie schrieb.” Und: “Der einzige Trost, der ihren Fans in dieser traurigen Zeit noch bleibt, sind die schönen Erinnerungen an eine der erfolgreichsten und besten Sängerinnen der Welt. Sowohl Cher als auch ihre Musik bleiben unvergessen.” Cher twittert indes fröhlich weiter.


Dieter Bohlen war bei einem Konzert von Andrea Berg. Hat ihm wohl ganz gut gefallen: “‘Ich war so begeistert, dass ich gleich in eine Polizeikontrolle gefahren bin — und der Führerschein war weg für vier Wochen’, gibt Dieter zu.”

Andrea Berg - Außer Kontrolle - Was hat sie bloß mit Dieter Bohlen angestellt?

(“Woche der Frau”)


Und jetzt mal andersherum. Welche Nachricht steckt wohl hinter dieser Schlagzeile?

Helene Fischer - In den Fängen des Nacktmodells - Unfassbar, wie Melanie Müller sie schamlos benutzt

Na, na, na, Melanie Müller! Einfach so in der Buchhandlung ein Foto von der eigenen Biographie machen, die neben der von Helene Fischer liegt, und sich dann auch noch bei Facebook drüber freuen (“‘Haha, Helene und ich zusammen im Buchladen’”)? Oder in einem Musikvideo in einem DFB-Trikot auftauchen — so wie Fischer auf der Fan-Meile in Berlin? “Unfassbar” vom “Nacktmodell” Müller, findet die “Woche der Frau”. Denn: “um ihre eigene, zweifelhafte Karriere voranzubringen, hat sie sich ausgerechnet Deutschlands Shooting-Star Nr. 1 ausgesucht: Helene Fischer (30)! Die Arme!” Der gutgemeinte Redaktionstipp: “Schuster, bleib bei deinen Leisten”.


Als die schwangere Herzogin Kate neulich eine soziale Einrichtung in New York City besuchte, wartete vor dem Gebäude zur Sicherheit auch ein Rettungswagen.

Herzogin Kate - Verliert sie ihr Kind? - Der Notarzt weicht nicht von ihrer Seite

(“Woche der Frau”)


Ein Kumpel von Markus Lanz hat in einem Interview erzählt, er und Lanz (der kürzlich Vater geworden ist) hätten einen Nordpol-Trip mit Schlittenhunden geplant.

Markus Lanz - Verlässt er etwa ganz schnell seine kleine Familie? - Unglaublich, was sein guter Freund mit ihm vorhat

(“Woche der Frau”)


Vor zwei Jahren hat Andrea Berg in einem Interview gesagt, sie habe schon ganz früh gelernt, “dass wir alle endlich sind und dass wir uns beeilen müssen, all das zu tun, was wir wirklich tun wollen.”

Andrea Berg - Sie weiß nicht, wie viel Zeit ihr noch bleibt - Stürzt sie sich deshalb von einem Abenteuer ins nächste?

(“Woche der Frau”)


Günther Jauch - Schock-Video aufgetaucht! Wusste seine Frau davon?

In dem Video spricht Jauch mit einem Weinexperten über sein Weingut. “Und so, wie der Moderator da vor der Kamera sitzt, hat man ihn wirklich noch nie gesehen”, stellt die “Schöne Woche” empört fest. Denn Jauch ist — unrasiert! Mit Drei-Tage-Bart sitzt er am Tisch, “eine Haarsträhne fällt ihm keck in die Stirn. Und das, obwohl er gefilmt wird! [...] Sind ihm seine Zuschauer plötzlich egal?”


Angeblich hat Heidi Klum (die zurzeit mit dem Kunsthändler Vito Schnabel zusammen ist) eine Privatlehrerin engagiert, die ihr Nachhilfe in Kunstgeschichte geben soll.

Heidi Klum - Ist sie zu dumm für Vito?

(“Neue Post”)


Prinzessin Mette-Marit von Norwegen und ihr Mann Haakon sind glücklich miteinander.

Mette-Marit - Die Liebe hat gesiegt ... doch wer weiß, wie lange

(“Das Neue”)


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Steife These
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Steife These

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um folgendes Titelthema:

Unmoralisches Angebot - Günther Jauch - Der Viagra-Skandal

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Es gibt wieder einen Riesenskandal — und das über den Saubermann Günther Jauch. Wie konnte das denn passieren?

Moritz: “Das Neue” hat diesen “Skandal” ausgegraben. Und den dann auch nicht gerade dezent auf der Titelseite präsentiert, also wirklich über die gesamte Breite und fast die gesamte Höhe des Covers. Dazu hat die Redaktion noch das Skandal-Wort “Viagra” gedruckt, es geht also um den großen “Viagra-Skandal”, ein “unmoralisches Angebot” soll auch noch eine Rolle spielen. Hintergrund der Geschichte: Günther Jauch hatte seinen Auftritt in der RTL-Sendung “Die 2 — Gottschlak und Jauch gegen alle”. Barbara Schöneberger moderiert das Ganze. Und die hat die beiden, also Jauch und Gottschalk, gefragt, ob sie denn schon einmal irgendwie mit Viagra zu tun gehabt hätten, also im Sinne von Recherche, höhö. Günther Jauch antwortete, dass man ja im Grunde dreimal täglich dieses Zeug in Spam-Mails angeboten bekommt. Da kippt “Das Neue” natürlich aus den Latschen: “Jeden Tag dreimal so eine zwielichtige Offerte? Wie kann es zu so einem Skandal kommen?” Die können also gar nicht glauben, dass Günther Jauch, wie jeder andere Mensch in Deutschland und auf der Welt, Spam bekommt. Die Redaktion erklärt dann noch kurz: “‘Viagra’ ist ein Potenzmittel, und um solche E-Mails zu erhalten, muss sich der Computer-Nutzer doch auf einschlägigen Seiten herumtreiben?” Die Mitarbeiter stellen also selbst diese alles entscheidende Frage und lassen sie von anonymen “Computer-Experten” direkt im Anschluss verneinen. Die sagen nämlich: Nee, muss man gar nicht, die Spam-Versender kommen auch anders an E-Mail-Adressen. Günther Jauch muss nicht unbedingt auf Porno-Seiten unterwegs gewesen sein.

Aber, ich fand, das war schonmal eine große investigative Rechercheleistung: Sie haben einen “Computer-Experten” befragt. Oder war das doch nur der Praktikant?

So etwas in der Art vermute ich auch. Denn ein Name wird nicht genannt, obwohl die Regenbogenhefte das normalerweise sehr gerne tun. Wenn sie zum Beispiel wirklich mal bei einem Chirurgen anrufen, weil der die Augenfältchen von Charlène von Monaco beurteilen soll, oder bei einem Rechtsexperten, wenn es um die Scheidung zwischen Christine Neubauer und ihrem Ex-Mann geht, werden ständig die Namen genannt und gerne auch noch Fotos dazu abgedruckt. Dieser “Computer-Experte” wird namentlich hingegen nicht genannt, es gibt auch kein Foto von ihm. Und was vor allem auffällig ist: Von dem “unmoralischen Angebot” spricht einzig dieser Computer-Experte. Das klingt also sehr danach, dass “Das Neue” sich einen Experten samt Zitat zusammenstrickt hat, um überhaupt die große Schlagzeile mit dem “unmoralischen Angebot” hinzubekommen, die sicher Neugier beim Leser wecken soll.

Zurück zu Günther Jauch: Der ist nämlich nicht aus dem Schneider. Wir haben zwar nachgewiesen, dass er sich gar nicht auf einschlägigen Seiten rumtreiben muss, aber die Follow-up-Frage lautet: Schützt er also sein E-Mail-Account nicht? Ist ja noch viel schlimmer …

Genau, einen Freispruch gibt es für den “Saubermann” Jauch nicht. Denn “Das Neue” findet: Wer viel Spam bekommt, der geht zu unvorsichtig mit seiner E-Mail-Adresse und seinen Daten um. Da braten sie Günther Jauch auch noch eins über: Das Heft rekapituliert noch einmal, was er so alles an privaten Daten über sich in der Sendung preisgegeben hat, in der es auch um die Viagra-Geschichte ging. Da hat er zum Beispiel gesagt, dass er nicht stricken kann, bastlerisch überhaupt nicht begabt ist und mal vor einem Münchner Café mit einer 750er Honda umgekippt ist, was wahnsinnig peinlich war. Das hat alles natürlich null mit dem “Viagra-Skandal” zu tun, aber die Mitarbeiter von “Das Neue” nutzen Günther Jauchs Aussagen ganz gerne, um ihm noch einmal zu zeigen: Mensch, Jauch, pass mal auf, was Du alles über Dich preisgibst, sonst kommt ganz schnell die nächste Spam-Mail.

Also eine Riesen-Geschichte, die sie da ausgegraben haben. Jetzt weiß man aber, dass Günther Jauch prinzipiell niemand ist, mit dem man sich unbedingt anlegen sollte. Meinst Du, die kriegen da jetzt noch Probleme mit ihm?

Richtig, Günther Jauch ist einer, der stark gegen Regenbogenartikel über sich vorgeht. Von ihm finden wir oft Gegendarstellungen. Deswegen sind die Artikel über ihn dann oft auch ziemlich glattgebügelt. Man merkt, dass da die juristischen Abteilungen drübergegangen sind. Nun ist es so, dass wir immer mal wieder eine Gegendarstellung von ihm finden, auch auf den Titelseiten, bei denen wir als Rechtslaien sagen: Ach, da kann man auch gegen vorgehen? Das hätten wir gar nicht gedacht. Und eine Gegendarstellung im Sinne von: “Hierzu stelle ich fest: Es gab keinen ‘Viagra-Skandal’” kann ich mir schon ganz gut vorstellen. Interessant würde es dann beim Abdruck einer möglichen Gegendarstellung. Diesen “Viagra-Skandal” kündigt “Das Neue” dick und fett auf der Titelseite an. Dadurch könnte es dazu kommen, dass auch die Gegendarstellung auf der Titelseite und in einer ähnlichen Größe abgedruckt werden muss. Und das ist dann doch immer ziemlich schmerzhaft für die Hefte.

Und wenn ich das richtig sehe, dann können sie allein schon deshalb Probleme kriegen, weil sie die Fotos ohne Credits verwendet haben.

In dem Punkt ist die Redaktion dann doch auf der sicheren Seite. Da arbeiten die Hefte ziemlich tricky. Die drucken die Fotocredits nämlich immer gesammelt pro Doppelseite. Ganz links am Rand, neben einer Geschichte über Helmut Kohl und seine Frau, findet man dann auch die Credits für den Jauch-Artikel. Das bedeutet für unsere Arbeit immer, wenn wir bei Fotos mal überprüfen wollen, ob sie zum Beispiel bearbeitet sind oder nicht, dass wir uns durch reichlich Bilder suchen müssen, weil wir nicht wissen, welches Foto zu welchem Credit gehört.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

Und unter diesem RSS-Link gibt’s das Ganze als Podcast.


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