Klickfang auf Papier
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Klickfang auf Papier

Als Fernsehzeitschrift ist es schon ein besonderes Kunststück, ins Visier von Medienkritikern zu geraten und sich die Empörung der Masse einzufangen. Der “TV Movie” jedoch ist das vergangene Woche mit Bravour gelungen. Bei Facebook hatte sie einen Artikel beworben mit den Worten:

Gerade vermeldet ++ Einer dieser TV-Moderatoren muss sich wegen Krebserkrankung zurückziehen

Dazu Fotos von vier Moderatoren. Erst nach dem Klick erfuhr man, wer von ihnen die Diagnose erhalten hatte. Clickbaiting nennt sich dieses Prinzip, mit dem einige Redaktionen seit einer Weile ihre potenziellen Leser trickreich in die Irre führen, um sich deren Klicks zu ergaunern.

Auch die “Prima Woche” versucht auf ihrem aktuellen Cover die mögliche Kundschaft mit einer großen “Schock-Nachricht” zum Kauf zu bewegen. Es geht um Regenbogenqueen Helene Fischer, die ihrem Freund Florian Silbereisen auf dem beigestellten Foto einen enttäuschten Blick zuwirft. “Warum musste es so enden?”, fragt das Blatt und verspricht “Alles über die traurigen Hintergründe!”

Schock-Nachricht - Helene Fischer - Warum musste es so enden? Alles über die traurigen Hintergründe!

Nun könnte man meinen — so ja auch das Kalkül der Redaktion –, dass es um die Beziehung des Schlagerpärchens geht. Doch wer die “Prima Woche” kauft, erfährt: Vorbei ist nicht etwa die Beziehung von Helene Fischer und Florian Silbereisen, sondern das Leben einer 44-jährigen Frau. Sie starb bei einem Autounfall auf einer Landstraße in der Nähe von Rostock. Angeblich war sie von der Autobahn abgefahren, weil dort zu viel Verkehr war — unter anderem deshalb, weil in der Nähe ein Konzert von Helene Fischer stattfand.

Das unsägliche Prinzip des Clickbaitings ist keine Erfindung des Internets. Es ist das digitalisierte Grundprinzip der Regenbogenpresse: Der Betrug am Leser, um Geld zu verdienen; das gierige, perfide Spiel mit der Angst und dem Leid anderer Menschen — unter dem Deckmantel des Journalismus.


Dieser Text ist zuvor bereits im “Tagesspiegel” erschienen. Alle zwei Wochen schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Schlagzeilenbasteln (110)
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Schlagzeilenbasteln (110)

Welche Schlagzeile könnte man zu folgender Nachricht stricken?

TV-Moderator Florian Silbereisen hat mehrere Tätowierungen. Eine davon zeigt das Gesicht seiner Freundin Helene Fischer.

Florian Silbereisen - Krebs-Gefahr! Bezahlt er seinen Liebesbeweis für Helene mit dem Leben?

Die “Freizeit Spaß” bringt nämlich die große Politik ins Spiel:

Jetzt forderte sogar Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (57) den Import-Stopp für bestimmte Tattoofarben.

Und:

Auch Stiftung Warentest wies krebserregende Stoffe nach — viele Studios setzen sie oft in Unkenntnis ein. Möglicherweise sogar die bayerische Tätowierstube, wo Flori 2012 immerhin 1000 Euro für das Kunstwerk zahlte.


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Schlagzeilenbasteln (94)
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Schlagzeilenbasteln (94)

Welche Nachricht verbirgt sich wohl hinter der folgenden Schlagzeile?

Florian Silbereisen - Schwere Krise - Warum Helene ihm jetzt nicht helfen kann

Es war ein Desaster! Seine Show “Das Sommerfest am See” wollten nur 3,63 Millionen Zuschauer sehen – das zweitschlechteste Ergebnis aller Feste der letzten 20 Jahre! Ein Drama für Silbereisen (32), das entsetzlich an ihm nagen muss.

Und warum “Helene ihm jetzt nicht helfen kann”, beantwortet die “Freizeitwoche” so:

Alle Sender und Veranstalter reißen sich um die schöne Sängerin. Das muss auch an Flori nagen, auch wenn er ihr sicher den Erfolg von Herzen gönnt. Kein Mann ist wirklich richtig glücklich darüber, wenn eine Frau ihn so lockerleicht überholt – vor allem, wenn es auch noch die eigene Lebensgefährtin ist. Eine harte Probe für die Liebe, an der sicher viele Paare zerbrechen!


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Alles Gute im Internet
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Alles Gute im Internet

Die Regenbogenpresse und das Internet pflegen nicht gerade eine innige Beziehung. Zwar durchforsten die Mitarbeiter der Hefte permanent die sozialen Medien auf ihrer Suche nach Aussagen von Prominenten, die sie aus dem Zusammenhang reißen, aufblasen und als Skandaldramaexklusivitäten verkaufen können. Aber nur wenige Blätter haben zum Beispiel eine eigene Facebook-Seite. Und die Webseiten der Verlage und Redaktionen sehen in der Regel so aus, als würde die Internet-AG des jeweils ortsansässigen Gymnasiums sie pflegen.

Auch der Alles Gute Verlag hat eine Homepage. Und die ist wie ein digitaler Mittelfinger, den das Wolfsburger Unternehmen all seinen Kritikern — also auch uns — entgegenstreckt: Redet doch, was ihr wollt, wir machen unser Ding und zeigen es stolz.

Screenshot der Homepage des Alles Gute Verlags

(Draufklicken für eine größere Version)

Kein Verlag, der auch nur ansatzweise das Ziel verfolgt, von der Welt da draußen etwas ernst genommen zu werden, würde so freimütig diese Collage von aktuellen Heften präsentieren.

Da gibt es zum Beispiel die Kombination der “Freizeit heute” und der “Freizeit Blitz”:

Screenshot der Titelseiten von "Freizeit heute" und "Freizeit Blitz"

Beide Blätter werben mit sehr ähnlichen Aufmacherfotos für sehr verschiedene Geschichten. Die Körper der Protagonsiten sind gleich, nur die Köpfe sind andere. Über diese, ähm, Bildkompositionen, die im Alles Gute Verlag fröhlich rumgereicht werden, haben wir vor einem Monat schon einmal geschrieben.

Ein Vergleich von “Freizeit Monat” und “Prima Woche” zeigt, dass beide Redaktionen die gleiche Titelstory bringen und sich nicht einmal die Mühe machen, ihre Copy-Paste-Arbeit unterschiedlich wirken zu lassen:

Screenshot der Titelseiten von "Freizeit Monat" und "Prima Woche"

Und dann sind da noch die “Freizeit Vergnügen”, “Meine Freizeit”, “Freizeit heute” und “Prima Woche”:

Männer, Party, Alkohol - Fürstin Charlène - Ihr heimliches Leben ohne Albert - Fürstin Charlène - Adoptions-Drama! Muss sie Alberts uneheliche Tochter zu sich nehmen? - Charlène von Monaco - Ehe-Drama - Schwere Vorwürfe von Alberts Ex-Geliebter - Charlène - Ehe-Drama - Fürst Albert macht ihr das Leben zur Hölle!

Die vier Hefte schreiben über Charlènes Leben ohne Albert sowie über Adoptions-und Ehe-Dramen der beiden, obwohl die Fürstin Monacos und ihr Ehemann bereits vor elf Tagen bekannt gegeben haben, dass sie ein Kind erwarten.

Aber so schrecklich schnelllebig wie im Internet geht es im Alles Gute Verlag eben nicht zu.


Nachtrag, 12. Juni 2014, 20:12 Uhr: Seit unserem Blogpost gestern ist ein bisschen was passiert auf der Homepage des Alles Gute Verlags. Zwei Titelseiten haben sich leicht verändert:

Screenshot der Titelseiten von "Freizeit Monat" und "Prima Woche" mit geschwärzten Titelschlagzeilen

Die zwei neu hochgeladenen Dateien haben von den IT-Spezis die schönen Namen “pw_2014-06_black.png” (“Prima Woche”) und “fm_2014-07_black.png” (“Freizeit Monat”) bekommen.

Die Schwärzungen haben allerdings nichts mit unserem Blogeintrag zu tun. Und der Alles Gute Verlag dürfte es auch nicht auf einmal peinlich finden, in zwei Heften die gleiche Geschichte zu bringen. Viel eher musste der Verlag die schwarzen Flächen auf den beiden Titelseiten anbringen. Es ist davon auszugehen, dass Helene Fischer und/oder Florian Silbereisen rechtlich gegen die Titelgeschichten vorgegangen sind.

Wir werten das mal als Zeichen, dass das Paar nicht heimlich längst verheiratet ist.


Vielen Dank an die Hinweisgeber!


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Auf der Flucht vor dem Wrestler
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Auf der Flucht vor dem Wrestler

Normalerweise wäre der Schweizer Antonio Cesaro kein Fall für die Regenbogenpresse. Als nicht-adeliger Profi-Wrestler rangiert er auf der Regenbogenskala wohl irgendwo zwischen Kampfhundezüchtern und Computerspieletestern. Trotzdem trifft man in diesen Tagen beim Streifzug durch die bunten Blätter zwischen den Schlagernasen und Königskindern immer wieder auf diesen Muskelmann.

Es ist nämlich so, dass der in einem Interview mit “Bild” erzählt hat, dass er gerne deutsche Musik höre. Auf Helene Fischer angesprochen, sagte er: “Helene Fischer natürlich auch. Ja, sie gefällt mir. Musik muss mir Spaß machen, egal ob es Schlager oder Hip Hop ist.”

Und als “Bild” fragte: “Hätte denn ihr Freund Florian Silbereisen eine Chance gegen dich, jetzt wo er ein fesches Sixpack hat?”, antwortete Cesaro: “Den würde ich locker umhauen! Keiner hat gegen mich eine Chance.” Was für eine Steilvorlage.

Das Boulevardblatt vollendete routiniert und gab dem Interview die Überschrift: “Wrestling-Superstar scharf auf unsere Helene”. Die “Frau mit Herz” stimmt sogleich mit ein und mahnt besorgt: “Flori, pass gut auf, dass er dir Helene nicht wegnimmt!” Schließlich sei der “gut gebaute Schweizer” ein “ernst zu nehmender Rivale”.

Die “Neue Post” findet die “Drohungen” des Wrestlers gar derart beunruhigend, dass sie dem Schlagerpärchen dazu rät, “einige Tage weit weg” zu verbringen, am besten auf Mallorca, da hätten die beiden ja eh schon ein Haus. “Flucht nach Mallorca?” fragt das Blatt darum auch konsequenterweise in der Überschrift, und wenn man denkt, irrer kann’s nicht mehr werden, zaubert die “Neue Post” schon die nächste Verrenkung aus dem Hut und verkündet auf dem Cover:Schock! - Helene Fischer - Bedroht von einem Irren

Da ist es dann wie beim Wrestling: Nichts ist so, wie es scheint, und Hauptsache, es knallt.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Helene Fischer hat andere Pläne
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Helene Fischer hat andere Pläne

Für die Regenbogenpresse ist es wie ein Geschenk, dass Florian Silbereisen und Helene Fischer ein Paar sind. Dadurch decken die Blätter mit ihren Berichten immer gleich zwei Prominente auf einmal ab.

Der Haken dabei: Das heißt auch, dass zwei Prominente gegen die Grütze der Regenbogenpresse vorgehen können.

Wenn sich zum Beispiel die “Freizeit erleben” in ihrem Februar-Heft unter der Überschrift “Eifert sie jetzt Ute Lemper nach?” irgendwelche Dinge über Helene Fischer und Florian Silbereisen ausdenkt, die aber nichts mit der Realität zu tun haben, kann dagegen nicht nur Florian Silbereisen vorgehen

Gegendarstellung - Sie schreiben in der "FREIZEIT erleben!" Nr. 2 | Februar 2014 unter der Überschrift "Eifert sie jetzt Ute Lemper nach?" in Bezug auf angebliche berufliche Pläne meiner Lebensgefährtin: "Eer stellte sie angeblich vor die Wahl und sagte: "Wenn Du an einer US-Karriere bastelst, dann haben wir definitiv keine gemeinsame Zukunft." Hierzu stelle ich fest: Diese Äußerung habe ich nicht getätigt. München, den 21. Februar 2014 Florian Silbereisen - Anmerkung der Redaktion: Florian Silbereisen hat recht.

(Ausgabe 4/2014)

… sondern auch Helene Fischer:

Gegendarstellung - Sie schreiben in der "FREIZEIT erleben!" Nr. 2/Februar 2014 unter der Überschrift "Eifert sie jetzt Ute Lemper nach?" in Bezug auf meine Person: "Gerüchten zufolge plant die Sängerin" ... "heimlich einen Neuanfang in den USA. Ihre Schlagerkarriere will sie indes an den Nagel hängen, heißt es aus Insiderkreisen." Hierzu stelle ich fest: Diese Pläne habe ich nicht. Hamburg, den 13. März 2014 - Helene Fischer - Anmerkung der Redaktion: Helene Fischer hat recht.

(Ausgabe 5/2014)


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Schlagzeilenbasteln (61)
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Schlagzeilenbasteln (61)

Heute basteln wir ein ganzes Cover. Fünf Nachrichten, fünf Schlagzeilen. Und ab dafür!


1. Im vergangenen Jahr sind die Großeltern der Freundin von Andreas Gabalier gestorben.

Andreas Gabalier - Neues Sterbe-Drama! Schreckliche Familien-Tragödie ++ Zerbricht jetzt seine Liebe?


2. Bis Anfang Juni haben Helene Fischer und Florian Silbereisen noch Termine.

Helene & Florian - Ihr geheimer Liebes-Urlaub - Von wegen Trennung ...Denn:

Bis Anfang Juni haben sie noch Termine. Dann endlich heißt es: Zeit für die Liebe! Und auch für Urlaub. Und den verbringen Florian und Helene vermutlich wieder auf Mallorca.


3. Heidi Klum wurde kürzlich “öffentlich knutschend mit ihrer neuen Flamme Vito Schnabel (27) erwischt.” Auch wurde sie in letzter Zeit “häufiger wieder mit Ex-mann [sic] Seal (51) gesichtet”. Und “dann wäre da noch ‘Germany’s next Topmodel’-Kollege Thomas Hayo (45). Immer wieder sieht man die beiden auch außerhalb der Dreharbeiten sehr vertraut miteinander umgehen”.

Beziehungs-Chaos - Heidi Klum - Kann sie jetzt den Schnabel nicht halten?


4. Fünf ehemalige Mitarbeiter der St. Andrews-Universität sind an Krebs erkrankt. Ihre Anwälte haben eine Untersuchung veranlasst, ob die Uni möglicherweise die Ursache für die Erkrankung ist.

Schock-News - Herzogin Kate - Krebs-Angst: Hat Asbest sie krank gemacht?
Denn: Kate und William haben auch dort studiert.


5. Christine Neubauer hat neulich einen Film in Chile gedreht. Ihr chilenischer Lebensgefährte José ist mitgekommen.

Einr tränenreiche Entscheidung - Christine Neubauer - José kehrte zu seiner Ehefrau zurück


Titelseite: "Revue der Woche", Nr. 4-5/2014


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Ein Geschenk von Flori

Ein Geschenk von Flori

Auch Florian Silbereisen hat uns zum Geburtstag eine Freude gemacht!

Vermutlich weiß er gar nichts davon. Egal. Wir freuen uns trotzdem. Hierüber:Gegendarstellung - Sie schreiben in der "FREIZEIT erleben!" Nr. 2 | Februar 2014 unter der Überschrift "Eifert sie jetzt Ute Lemper nach?" in Bezug auf angebliche berufliche Pläne meiner Lebensgefährtin: "Eer stellte sie angeblich vor die Wahl und sagte: "Wenn Du an einer US-Karriere bastelst, dann haben wir definitiv keine gemeinsame Zukunft." Hierzu stelle ich fest: Diese Äußerung habe ich nicht getätigt. München, den 21. Februar 2014 Florian Silbereisen - Anmerkung der Redaktion: Florian Silbereisen hat recht.

Die “Freizeit erleben!” (SCG-Verlag) war vermutlich weniger erfreut über Floris Geschenk. Und so hat sie dieselbe Ausgabe gleich mal für eine ordentliche Retourkutsche genutzt:[Titelseite] Florian Silbereisen - Ist er noch er selbst? - Vom Milch-Bubi zum Macho: Was der radikale Imagewandel über seine Psyche verrät

In Kombination ein wunderbares Sinnbild für die Hemmungs- und Besinnungslosigkeit der Regenbogenpresse:Florian Silbereisen - Ist er noch er selbst [Die Gegendarstellung ist in den Artikel eingebettet.]


Vielen Dank an Petra S. für den Hinweis!


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Das Tattoo der Pandora

Das Tattoo der Pandora

Manchmal macht es Florian Silbereisen der Regenbogenpresse besonders einfach, etwa, wenn er auf seiner Tournee mit nacktem Oberkörper ein Tattoo offenbart, das bisher tabu für die Presse war, weil er gegen Aufnahmen dieses Tattoos konsequent gerichtlich vorging.

Diese Daumenschrauben sind durch Silbereisens Auftritt nun gelöst. Bühne frei für “Drei Regenbogenheftchen — Drei Blickwinkel” und die Frage: Was hat Florian denn da geritten?

Da ist zunächst “Das neue Blatt”. Das haut direkt richtig auf die Panik-Pauke und dem Leser regelrechte “Schock-Fotos!” um die Ohren:

Schock-Fotos! Helene Fischer - Florians gemeiner Liebes-Verrat

Du liebes Lieschen, was macht der Florian denn da? Obenrum nackig und untenrum mit einer kurzen Lederhose bekleidet, so liegt Silbereisen flach und verführerisch da. Bestimmt ist ihm die Chipstüte unters Bett gerutscht streichelt er gerade eine Frau sanft mit den Fingern der linken Hand über den Oberkörper! Was für ein “gemeiner Liebes-Verrat” an Helene Fischer!

Dieser “Nacktauftritt” (der auf der Nacktskala in etwa auf gleicher Höhe mit einem PR-Ausritt von Wladimir Putin liegt) ist allerdings dann doch kein Paparazzi-Foto eines bayerischen Liebes-Rollenspiels, sondern eben die Szene eines Konzertes von Silbereisen auf seiner Tournee.

Trotzdem: Florian “wälzt sich [...] zwischen den Laken”, wird von einer “Tänzerin animiert”, als er gerade “Liegestütze macht”, und “genießt den Oben-ohne-Auftritt vor Publikum.” Totale Sex-Offensive von Silbereisen, glaubt man den Bildunterschriften von “Das neue Blatt”. Und ein Detail hat es den Schreibern natürlich angetan: das bisher verbotene Tattoo von, so sagt man jedenfalls, Helene Fischers Antlitz auf Florians linkem Oberarm.[Ein Foto von Silbereisens Tattoo]

Weil Silbereisen diesen “kleinen Schatz, der sie beide verbindet” nun nicht mehr “eifersüchtig” hütet, ist der Tattoo-Auftritt vielleicht eine “geheime Botschaft” der Eifersucht an Helene, so die Idee von “Das neue Blatt”:

Nach dem Motto: “Schau her, ich mache, was ich will, und komme bei Frauen gut an.”

Und du so, “Das neue Blatt”? Immer nach dem Motto “Schau her, ich mache, was ich will, und habe meine Glaskugel befragt”?

Während bei “Das neue Blatt” Silbereisen als übler Macho charakterisiert wird, stilisiert die “Neue Woche” den Auftritt vielsagend zur “pikante[n] Enthüllung” und “große[n] Überraschung” …

Helene Fischer & Florian Silbereisen - Pikante Enthüllung! Jetzt ist die große Überraschung perfekt

… und lockt den Leser wieder einmal mit der Hoffnung auf eine Hochzeit der beiden Schlagerstars. Natürlich stellt sich die Story im Innenteil etwas anders dar. Und es wird auch ein ganz anderer Grund für die Adams-Performance ausgemacht. Hier interpretiert man die ganze Sache als verzweifelten Kampf Silbereisens um die Zuneigung und Anerkennung seiner Holden.

Warum? Weil die “Neue Woche” weiß, wie der Show-Hase läuft und die richtigen Leute in der Szene kennt, etwa den legendenumwobenen “Kenner der Szene”. Und der sagt eben ganz klar:

“Er macht das nur, um mit Helene mitzuhalten.”

Fall abgeschlossen. Aber als guter Freund der Stars will das Blatt den armen Florian dann doch nicht vor den Scherben der zu Bruch gehenden Beziehung stehen lassen und weiß:

Für Helene ist Flori der Größte – und das muss er ihr auch nicht beweisen.

Es bleibt nur zu hoffen, dass Florian Silbereisen diese Zeilen gelesen hat und von nun an darauf verzichtet, “betont sexy” mit “den Jungs von voXX-club” Helene Fischer Liebesbeweise über den Äther schicken zu wollen.

Auch “Die neue Frau” lässt ihre Lok auf der Sexy-Schiene fahren und entgleist dabei fast vor Aufregung:

Intime Fotos von Florian - Ist da wirklich Helene zu sehen?

Im Innenteil geht’s dann heiß weiter: “So sexy, so aufregend, so intim!”

Von den Krisen-Theorien der Kollegen hält das Blatt jedoch nichts und lässt schon mal die Hochzeitglocken läuten. Und wie reift so ein Entschluss bei „Die neue Frau“? Harte, wissenschaftlich-interdisziplinäre Arbeit!

Die Kunstwissenschaftler von “Die neue Frau” machen sich ran an den speckfreien Oberarm von Florian Silbereisen und stellen analytisch fest:

Die Nase fast ein wenig zu lang, das Gesicht zu oval. Eine kleine Panne des Tätowierers? Oder zeigt das Bild etwa eine ganz andere. (sic)

Hermeneutischen Fragen wird in Trash-Monologen ebenso nachgegangen:

Und: Warum sitzt ein Pfeil mitten im Herz? Einfach ein Symbol, wie sehr ihn oder sie Amors Pfeil mitten ins Herz getroffen hat? Oder spiegelt es etwa eine Tragik, die es in jeder Liebe geben kann? Fragen, die vielleicht auch Helene selbst unter die Haut gehen. [...] Ist es ihr etwa peinlich, dass ihr Freund sie so unter der Haut verewigt hat? Oder findet sie einfach selbst, dass das Bild ihr nicht unbedingt perfekt gleicht? Frauen sind da ja etwas empfindlicher.

Und Postkarten-poetisch geht es weiter:

Florian hat sich Insidern zufolge das Tattoo schon vor vier Jahren in einem bayerischen Studio stechen lassen — also nach nur zwei Jahren Beziehung mit seiner Helene. Fand sie diesen Zeitpunkt etwa viel zu früh, eine solch folgenschwere Entscheidung zu treffen? Ein Tattoo bleibt schließlich ein Leben lang, eine Liebe leider nicht.

(“Insider”, das sind für “Die neue Frau” übrigens die Leute von Bild.de.)

Doch warum nicht plötzlich in die komplette Gegenrichtung schwenken und alle vorangegangenen Mutmaßungen obsolet werden lassen?

Es kann gut sein, dass sich das nun alles geändert hat.

Und so kommt “Die neue Frau” schließlich zum verblüffenden Schluss, das Lüften des Tattoo-Geheimnisses sei nur der nächste Schritt in der Liebe zwischen Helene und Florian — der Vorbote der Hochzeit! Da kann man direkt in Weddingplanner-Phantasien abdriften:

Wer weiß, vielleicht lüften die beiden ja schon bald ein zweites, ganz privates Geheimnis. [...] Dann allerdings wird sich Florian bestimmt nicht so offenherzig, sondern eher im schwarzen Anzug mit weißem Hemd, Krawatte oder Fliege zeigen. Und Helene? Sie würde in einem Traum in Weiß sicher absolut hinreißend aussehen.

Ja, wer weiß das schon, was Florian Silbereisen da wieder geritten hat. Die im Dunklen stochernde Regenbogenpresse weiß es aber sicher nicht.

Einerseits könnte man jetzt auch mal Fünfe gerade sein lassen, das alles von der Sonnenseite sehen und erleichtert feststellen, die Regenbogenlandschaft liefere mit ihrer Masse an verschiedenen Blättern ein plurales Meinungsbild mit unterschiedlichsten Perspektiven auf das jeweilige Thema.

Andererseits ist es auch ein weiterer Beweis für die fakten- wie erkenntnisfreie Ausschlachtung eines an sich banalen Ereignisses wie einem Oben-ohne-Auftritt im Showbusiness, die mindestens zwei Menschen und ihr Privatleben angreift.


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Schlagzeilenbasteln (39)

Schlagzeilenbasteln (39)

Welche Nachricht könnte sich hinter folgender Schlagzeile verbergen?

Helene Fischer - Florian Silbereisen - Endlich! Die Krönung ihres Glücks - Ein Doktor verrät ihr Geheimnis

Na, Helene Fischer und Florian Silbereisen werden doch nicht etwa …?! Nein, natürlich nicht — kein Nachwuchs beim Schlager-Paar. Denn es handelt sich hier ja auch nicht um einen Arzt, der “ihr Geheimnis” “verrät”, sondern um einen “Doktor”. Und zwar um Dr. Ingo Grabowsky, “Schlagerforscher und Kulturwissenschaftler” aus Bochum. Was der alles über Helene Fischer zu berichten weiß: “‘Sie hat und kann viele Sachen, die andere nicht haben und können’”. Potztausend!

Zum Beispiel hat sie ihren Florian Silbereisen. Und der ist für “Schlager-Professor” Grabowsky “die Krönung ihres Glücks”. Da kommt die “Woche heute” gar nicht mehr aus dem Seufzen heraus: “Endlich! Endlich bestätigt ein Experte, dass der Mann an Helenes Seite ihr guttut.”

Diese und weitere schöne Geschichten aus der Regenbogen- und Boulevardwelt gibt’s übrigens in den aktuellen “Herzblattgeschichten” der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”.


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