Auf der Skipiste des Grauens

Auf der Skipiste des Grauens

Heute steigern wir unser Regenbogen-Trainingslager mal ein bisschen. Statt einer Schlagzeile basteln wir diesmal einen ganzen Artikel, und zwar Schritt für Schritt. Kleiner Tipp: Blenden Sie einfach jeglichen Sinn für Logik, Moral und Journalismus aus, dann sollte es wie von selbst funktionieren.

Also denn.

Auf der Suche nach neuen Geschichten entdecken Sie ein Video, das die niederländische Königsfamilie im Skiurlaub zeigt. Königin Máxima, ihr Mann und die Kinder verbringen gemeinsam mit anderen blaublütigen Verwandten (und mehreren Horden von Fotografen, Kamerateams und Schaulustigen) ein paar Tage im österreichischen Lech, also dort, wo vor zwei Jahren der inzwischen verstorbene Prinz Friso bei einem Lawinenunglück schwer verletzt wurde.

Schon allein daraus — die vom Schicksal gebeutelte Familie zurück am Ort des Geschehens — ließe sich sicher eine wunderbar schmierige Geschichte basteln, doch der Regenbogengott meint es noch besser mit Ihnen. Plötzlich passiert nämlich Folgendes: Ariane, die jüngste Tochter von Máxima, hat einen, nun ja, Unfall.

Aber sehen Sie selbst (ab ca. Minute 0:25):

Wenn Sie schon mal Skifahren waren, dürften Sie das kennen. Und wissen, dass dabei meist nichts Schlimmes passiert. So wie auch in diesem Fall: Die kleine Ariane war schon kurz nach dem Missgeschick wieder putzmunter.

Aber das müssen Sie Ihren Lesern ja nicht sofort unter die Nase reiben. Schließlich wollen Sie ein schockierendes Drama basteln, keine weichgespülte Feel-Good-Schmonzette. Die Stoßrichtung Ihres Artikels lautet ganz klar:Neuer Schock am Unglücksort

Aus Gründen der Dramaturgie beginnen Sie am besten damit, die malerische, aber dennoch bedrückende Ski-Idylle zu beschreiben, die traurige Ruhe vor dem unglaublichen Schock:

Tapfer strahlen sie an diesem schicksalhaften Tag in die Kameras. Das unbeschwerte Lachen ihrer drei Töchter, die mit einer ganzen Kinderschar fröhlich die Skipiste hinuntersausen, macht es Willem-Alexander (46) und Maxima (42) ein kleines bisschen einfacher diesen Termin voller Seelenqualen in Lech gut über die Bühne zu bringen. Doch dann geschieht das Unfassbare …

Sehr gut. Nun gilt es, das Tempo zu steigern. In der Zwischenüberschrift sollten Sie schon mal eine Schippe drauflegen und klarmachen, dass es in diesem Moment um nichts Geringeres ging als um Leben und Tod.Todesängste um ihr geliebtes Sorgenkind

Dann folgt einer der aufregendsten Parts Ihrer Arbeit: die Schilderung des Schockmoments. Steigen Sie mit ersten Reportage-Elementen ein, die den Leser ganz nah ranholen, sodass er glaubt, er stünde mittendrin. Stellen Sie sich vor, Sie könnten hören, was Máxima hört, fühlen, was sie fühlt, denken, was sie denkt. Übertreiben Sie ruhig und spekulieren Sie frei drauf los. Hauptsache, Sie erzeugen eine bedrohliche Stimmung und lassen in jeder Zeile die Aufregung, Dramatik und Todesangst durchschimmern, die am Unglücksort vorgeherrscht haben. Könnten. In etwa so:

Verzweifelte Schreie eines Kindes lassen Königin Maxima das Blut in den Adern gefrieren. “Lieber Gott, nein! Lass es nicht eins meiner geliebten Mädchen sein”, muss es der dreifachen Mutter in diesem Schockmoment durch den Kopf geschossen sein. Doch was sie dann völlig hilflos mitansehen muss, kann sie wohl kaum ertragen.

Unterstreichen Sie Ihre Aussagen mit einer angemessenen Bebilderung:Zu sehen ist Máxima mit, naja, verkrampftem Gesichtsausdruck. Bildunetrschrift: "Lieber Gott, nein! Die Angst steht ihr ins Gesicht geschrieben, als Maxima ihr Töchterchen so hilflos sieht

Und dann legen Sie richtig los:

Panisch schreit ihre kleine Tochter Ariane (6) um Hilfe, während sie vom Skilift mitgeschleift wird. Immer wieder wird dem Mädchen der aufgewirbelte Schnee ins Gesicht geschleudert. Sie hustet, verschluckt sich und ruft voller Angst und bitter weinend immer wieder nach ihrer Mama.

Nicht schlecht. Aber da geht doch noch was!

Mit den dicken Skischuhen hastet Maxima den Hang hinauf, um ihren Liebling zu retten. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Doch sie kommt einfach nicht voran. Kaum auszudenken, welch grauenhafte Todesängste Maxima in diesen Schrecksekunden um ihre Tochter ausstehen muss.

Und dazu das passende Foto:Zu sehen ist Ariane, die vom Skilift durch den Schnee geschleift wird. Bildunterschrift: "'Mama, hilf mir!' schreit die kleine Ariane, als sie auf der Skipiste vom Lift mitgeschleift wird. Hilflos muss Maxima die dramatischen Szenen beobachten, bis ihr kleiner Liebling endlich aus der gefährlichen Lage befreit wird"

Danach können Sie das Tempo wieder ein wenig runterfahren und in den Puuh-gerade-nochmal-gutgegangen-Modus übergehen:

Inzwischen haben aber auch andere Skifahrer erkannt, in welch verzweifelter Situation sich die Kleine befindet. Und nur durch das beherzte Eingreifen eines Wintersportlers kann die Mini-Prinzessin aus ihrer misslichen Lage befreit werden. Als Maxima endlich bei ihr ankommt, zittert Ariane am ganzen Körper. Nur zu verständlich, dass nun auf beiden Seiten dicke Tränen kullern.

Jetzt darf es auch ruhig eine Spur kitschiger werden.

Die immer noch völlig erschrockene Ariane lässt sich zunächst kaum von ihrer Mutter beruhigen. Ganz fest hält Maxima ihren Schatz in den Armen. Drückt sie, wärmt sie und wischt ihr behutsam den Schnee aus dem Gesicht. Hoffentlich hat sie sich nichts getan?

Mit dieser Frage lässt sich hervorragend zum nächsten Abschnitt überleiten, in dem Sie nochmal altebekannte Spekulationen über den Gesundheitszustand von Ariane aufwärmen:

Ariane, die jüngste von Maximas drei Töchtern, war schon immer ein Sorgenkind. Schon oft musste sie ins Krankenhaus, weil sie schlimme Erkältungen hatte. Von Sarkoidose, einer Entzündung der oberen Atemwege, war sogar die Rede. Kein Wunder also, dass Maxima panische Angst um sie hatte und wohl auch befürchtete, dass ihr Sonnenschein keine Luft mehr bekommen könnte.

Erst jetzt sollten Sie auflösen, dass dann letztlich doch gar nichts passiert ist:

Doch es sieht so aus, als wäre ihr kleiner Wirbelwind mit dem Schrecken davongekommen.

An dieser Stelle könnten Sie aufhören. Das Drama ist im Kasten, die halbe Heft-Seite mit Text gefüllt, und die durchschnittliche Regenbogenleserin stand sicher schon dreimal kurz vorm Kollaps ob der schockierenden Szenen aus dem Skiurlaub. Aber es fehlt ja noch was. Genau: der Querverweis zu Prinz Friso. Und der geht so:

Was bleibt, sind aber die schlimmen Erinnerungen, die dabei wieder hochkochen. Liegt für die Königsfamilie etwa ein Fluch über dem beliebten Skiort? Auf den Tag genau vor zwei Jahren ereignete sich hier die Tragödie. Bei einem Lawinenunglück verunglückte Johan Friso (†44) schwer. Kein Wunder also, dass dieser erneute, tragische Zwischenfall auch für Mabel (45) und ihre Töchter Luana (8) und Zaria (7) ein echter Schock war. Frisos Tod ist in der Familie ja noch längst nicht verarbeitet, die Wunden immer noch viel zu frisch.

Zu sehen ist Mabel, die nach oben schaut. Bildunterschrift: "Ein berührendes Bild: Tapfer blickt Mabel an dem Ort in den Himmel, wo ihr Mann vor zwei Jahren von einer Lawine verschüttet wurde. Hält sie Zwiesprache?"Und zum Abschluss liefern Sie noch einen — selbstverständlich unheilvollen — Blick in die Zukunft:

Was also, wenn ihnen Lech auch in Zukunft nur Schreckliches beschert? Wer Maxima kennt, weiß – sie wird ihre Konsequenzen ziehen. Vielleicht bricht die Königsfamilie nun mit der langen Tradition und verzichtet auf den Winterurlaub in Vorarlberg.

(Womit dann schon mal die Grundlage für den nächsten Schock-Titel geschaffen wäre: Unfassbarer Skandal – Königin Maxima – Sie bricht mit einer uralten Familien-Tradition.)

Jetzt nur noch eine knallige Überschrift und zack — fertig ist ein astreiner Regenbogenartikel, gebastelt aus einer 15-sekündigen Videosequenz. Glückwunsch! Das kriegt nicht jeder so gut hin.

“Die neue Frau” natürlich schon:

Ausriss: "Die neue Frau", Nr. 10/2014


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Eine unfassbare Theorie

Eine unfassbare Theorie

Wenn ein prominenter Mensch (oder der Freund/Bekannte/Verwandte/Hund eines prominenten Menschen) stirbt, spult die Regenbogenpresse ein festes Programm ab. Sterbe-Drama, Trauer-Drama, die Angehörigen nur noch Schatten ihrer selbst.

Außerdem gerne genommen: Schlagzeilen, die suggerieren, irgendwer hätte den Tod verhindern können.

Die “Woche der Frau” etwa titelte im vergangenen Jahr:

Günther Jauch – Sterbedrama um seinen besten Freund – Hätte er ihn retten können?

Zur Info: Der Freund ist an einer Krankheit gestorben, auf die Jauch – wie die Redaktion später zugeben musste – natürlich keinerlei Einfluss hatte. Das gleiche Blatt schrieb vor ein paar Wochen:

Pierce Brosnan – Hätte er Charlotte retten können?

Zur Info: Charlotte, Brosnans Tochter, ist an Krebs gestorben.

Und die im selben Verlag erscheinende “Neue Frau” schrieb neulich:Mabel geht es immer schlechter - Hätte sie den Tod ihres geliebten Friso verhindern können?

Zur Info: Prinz Friso ist an den Folgen eines Lawinenunglücks gestorben.

Wie um alles in der Welt kommt die “Neue Frau” also jetzt auf die Idee, Prinzessin Mabel hätte dagegen auch nur ansatzweise etwas tun können?

Nun, die Argumentation geht so:

In Holland “wird gemunkelt, dass Prinz Friso zu Lebzeiten an Depressionen gelitten haben soll – und Mabel wohl davon gewusst hat.”

Und Friso soll, so wie sein Vater, “nachdenklich und schwermütig gewesen sein”.

Daraus ergibt sich für viele Holländer eine unfassbare Theorie: Wollte Friso nicht mehr leben und löste absichtlich die tödliche Schnee-Lawine aus? Vielleicht bereitet genau das Mabel nun den Kummer, der sie an den Rand der Verzweiflung bringt! Bittere Vorwürfe haben schon den stärksten Mensch in die Knie gezwungen – so auch Mabel? Gut möglich, dass sie sich nämlich nun fragt, ob sie nicht intensiver auf ihren Mann eingehen und ihm hätte helfen sollen, als er noch am Leben war!

Gut möglich, “Neue Frau”, dass Du einfach nicht mehr ganz dicht bist.


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Neuer Wahnsinn zu Frisos Tod

Neuer Wahnsinn zu Frisos Tod

Wir wissen nicht, wie viele Tage vor dem Erscheinen die Redaktion der “Super Freizeit” ihr Heft in den Druck geben muss. Seit gestern liegt jedenfalls die neue Ausgabe des Blattes aus dem Bauer-Verlag in den Zeitschriftenregalen. Mit dieser Geschichte:Prinzessin Beatrix - Endlich ist ihr Friso wieder zu HauseIm Innenteil schreibt die “Super Freizeit”:

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Es ist die schönste Nachricht des Jahres: Prinzessin Beatrix (75) hat ihren geliebten Sohn Johan Friso (44) zu sich geholt! Eineinhalb Jahre nach dem Ski-Unfall kehrte der Prinz jetzt aus seinem Londoner Krankenhaus nach Holland zurück, nach Huis ten Bosch, dem Schloss seiner Jugend. [...]

Beatrix sagte jetzt: “Mein Sohn ist endlich wieder zu Hause.” Und vielleicht sagt sie schon in diesem Sommer: “Friso ist wieder ganz gesund! Ich habe meinen Sohn wieder!”

Zur Erinnerung: Prinz Friso war am 12. August, also elf Tage vor Erscheinen der “Super Freizeit”, gestorben.

Bei den Kollegen der “Freizeit Woche” (ebenfalls Bauer) ist die Nachricht von Frisos Tod immerhin angekommen. Was die Sache aber auch nicht besser macht. Im Gegenteil:Todesdrama - Prinz Friso - Zum Abschied machte er seiner Frau ein letztes GeschenkDieses letzte Geschenk soll — so bizarr sich das auch anhört — der Todeszeitpunkt sein.

Jedoch eines ist tröstlich in all dem Leid und Schmerz: Zum Abschied machte Friso seiner Frau ein letztes, rührendes Geschenk! Er wartete bis zum Sonntag, dem 11. August, bevor er von dieser Welt ging. Es war Mabels 45. Geburtstag, Erst einen Tag später schloss er im Palast Huis ten Bosch in Den Haag, dem Wohnsitz seiner Mutter Beatrix (75), für immer die Augen.

Die “Freizeit Woche” deutet Frisos Tod als bewusste Entscheidung. Als “Geste”, mit der es ihm “gelang”, “seine große Liebe noch auf rührende Art zu trösten”.

Diese Geste Frisos bedeutet seiner Frau Mabel unendlich viel. Die junge Witwe wird sie hüten wie einen kostbaren Schatz. Denn sie weiß, wie viel Kraft Friso dies gekostet haben muss.

Was sollen wir dazu noch sagen?


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Fantasien über Frisos Tod
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Fantasien über Frisos Tod

Als bekannt wurde, dass der niederländische Prinz Friso nach vielen Monaten im Koma gestorben war, wurde es hektisch in den deutschen Regenbogenredaktionen. Die “Neue Post” tauschte eilig das Titelblatt ihrer Ausgabe aus und präsentierte drei Tage nach Frisos Tod diese Sonderausgabe:Trauer in Holland - Prinz Friso gestorben - Aktuelle Sonderausgabe - Aktuell - Extra-Ausgabe - 23 Sonder-Seiten! - Beatrix - Friso starb in ihren Armen - Das unsagbare Leid einer Mutter - Die Tränen - Der Abschied

Auch “die aktuelle” sah plötzlich nicht mehr so aus, sondern so:Aktualisierte Ausgabe - Holland in Trauer! - Abschied von Prinz Friso (†44) - Die dramatische Entscheidung - Seine letzten Stunden - Großer Rückblick - Seine Kindheit - Seine Liebe - Seine Familie - Sein Schicksal

Andere Blätter zogen im Laufe der Woche nach, etwa die “7 Tage”:Heimliches Begräbnis - Beatrix & Maxima - Tränen und Trauer! Die letzte Nacht vor Johan Frisos Tod

Und die “neue woche”:Königin Máxima - Abschied für immer! - Ein Engel hat Prinz Friso erlöstUnd bekanntlich die “Neue Welt”:Ausriss: "Neue Welt für die Frau" - Friso starb mit nur 44 Jahren - Beatrix und Mabel - Der traurige Abschied zerreißt ihnen das Herz

Und wieder “die aktuelle”:Prinz Friso (†44) - Der Tränen-Abschied der Familie

Es war abzusehen, dass die Regenbogenpresse so reagieren würde. Der Tod des Prinzen als Sensation. Als Geschäft. Das ist Alltag in dieser Branche.

Überrascht hat uns nicht das Ausmaß, sondern vielmehr die Art der Berichterstattung.

Der Artikel von Sandra Beckedahl in “das neue” ist ein eindrucksvolles Beispiel:Tränen um Friso - Beatrix - Beim Abschied hielt sie seine Hand

Es war so weit. Plötzlich war er da, der Augenblick, vor dem sie sich gefürchtet hatte. Aber Prinzessin Beatrix (75) wusste: Es war unausweichlich. Es würde ein Ende sein, aber auch eine Erlösung.

Sie war mit Friso allein in dessen Zimmer im Schloss Huis ten Bosch. Und das letzte Mal hielt sie seine Hand. Sie nahm Abschied. [...]

Und als sie jetzt neben seinem Bett saß, liefen vor ihrem inneren Auge all die Bilder seines Lebens ab: die Einschulung, der Tag, an dem Friso seinen ersten Milchzahn verlor. Wie stolz er war, als er Fahrradfahren lernte. Sein erstes Zeugnis, die Erfolge in der Schule und an der Universität. Ja, er war ein kluger Kopf gewesen. [...]

Es waren so viele schöne Dinge, die Mutter und Sohn teilen durften. Jetzt hatten sie nur noch wenige Minuten. Beatrix spürte, wie Frisos Atem immer schwächer wurde. Wie er versuchte, den Kopf in ihre Richtung zu neigen. Und wie er beim Abschied ihre Hand drückte, als er schließlich von dieser Welt ging.

Ist das zu fassen? Da denkt sich einfach jemand irgendein kitschiges Gechwurbel aus, und das wird dann auch noch rotzfrech als die Wahrheit verkauft. Eine frei erfundene Geschichte!

Sandra Beckedahl hat in Wirklichkeit überhaupt keine Ahnung. Sie war nicht dabei, als Friso starb, sie weiß genauso viel (oder wenig) wie ihre Kollegen in anderen Redaktionen. Sie alle können sich einzig auf das berufen, was das Königshaus offiziell mitgeteilt hat.

Aber das wäre ja langweilig. Außerdem müssen ja diese verdammten Sonder-Seiten irgendwie gefüllt werden. Also tun viele Autoren ganz einfach so, als wären sie bei Frisos Tod dabeigewesen. Die Artikel sind durchzogen von fiktiven Szenen und erfundenen Zitaten, ein triefender Brei aus Halbwahrheiten und reiner Fiktion.

“die aktuelle” etwa schreibt:

Prinzessin Mabel saß am vergangenen Sonntag bis zum späten Abend am Krankenbett ihres Mannes Johan Friso. Es war ihr 45. Geburtstag. Sie nahm sein Gesicht noch einmal in beide Hände, küsste ihn. Dann verließ sie ihn bis Montagfrüh. Sie sagte einer Freundin am Telefon, dass sie so ein merkwürdiges Gefühl habe. Irgendetwas sei anders als in den Monaten zuvor. Am nächsten Tag hörte Frisos Herz auf zu schlagen …

Die “Frau mit Herz” titelt:Prinzessin Mabel fleht - Bitte steh mir bei, geliebte Beatrix! - Extra auf vielen Seiten - Tragisch - Prinz Friso ging einen Tag nach dem 45. Geburtstag seiner Frau!

Friso verlässt seine Familie einen Tag nach Mabels Geburtstag, den sie noch gemeinsam mit ihm und den Töchtern an seinem Krankenbett verlebt: Sie weiß nicht, dass die zärtlichen Worte, die sie zu ihm spricht, die letzten sein sollen. Sanft streichelt sie seine Hand – sie soll die vertraute Wärme nie wieder spüren. Mabel zerreißt es das Herz. Wie soll sie nur ohne ihren Mann leben? In den Stunden tiefster Trauer und Verzweiflung schreit ihre Seele nach Hilfe! Mit tränengefüllten Augen fleht sie: “Bitte steh’ mir bei, geliebte Beatrix!” Mabel weiß, dass ihre Schwiegermutter sie nicht im Stich lässt. Nur mit ihrer unendlich starken Liebe kann sie ihr schweres Los ertragen.

Auch “Das goldene Blatt” brüstet sich damit, angebliche Einzelheiten vom Sterbebett zu kennen …Beatrix & Mabel - Trauer um Johan Friso (†) - Sein letzter Wunsch - Die überraschende Wahrheit

…, hat sich in Wirklichkeit aber auch alles ausgedacht:

Mabel (45) führt eine Art innere Zwiesprache mit dem Mann, den sie so sehr liebte. Und sie erinnert sich wieder an die Abende, an denen sie ihre Gedanken miteinander teilten. Für Mabel ist es, als habe Friso schon damals seinen letzten Wunsch geäußert.

Wie oft hatte er von seiner Liebe zu seinen Töchter [sic] Zaria und Emma gesprochen. Sie sollten unbeschwert und glücklich aufwachsen. Aber auch an seine Mutter Beatrix dachte Friso oft. Mabel musste ihm versprechen, sich gut um ihre Schwiegermutter zu kümmern. Und für Mabel selbst erhoffte sich Johan Friso sogar ein neues Liebesglück – sollte er einmal vor ihr gehen…

Die junge Witwe ist davon überzeugt, dass Friso ihr dies alles noch einmal kurz vor seinem Tod sagen wollte. Denn plötzlich sollen seine Lider unmerklich gezuckt haben und sie schien sogar einen leichten Händedruck zu spüren. Für Mabel steht fest: Sie wird Frisos letzten Wunsch erfüllen. Und sie wird stark sein.

Die “Neue Post” fantasiert:

Nur spärlich dringt die Sommersonne in ihre Privatgemächer auf Schloss Huis ten Bosch. Beatrix (75) hält die Vorhänge auch am Tag geschlossen. Das Tageslicht brennt in ihren rot geweinten Augen. […]

Nun wird Beatrix seine sanfte Stimme nie mehr hören, seine Hand nie mehr in der ihren spüren, sein Lächeln nie mehr sehen. Der Himmel strahlt in diesen Tagen über Huis ten Bosch. Doch für die Schlossherrin hat die Sonne aufgehört zu scheinen …

Die “Heim und Welt” ist sogar dreist genug, ein fitkives Zitat als Titelschlagzeile zu verwenden:Extra auf vielen Seiten - Mabel tröstet ihre Töchter - "Jetzt ist PAPA euer Schutzengel" - Nach dem tragischen Abschied von Friso

Wie sehr ist Prinzessin Mabel jetzt gefordert! Als liebende Mama, die Trost spendet. Trotz aller tiefen Trauer. Vielleicht umarmt sie Luana und Zaria und sagt zu ihnen: “Papa wacht jetzt als Schutzengel über euch.”

Vielleicht. Aber vielleicht auch nicht. Wie das mit frei erfundenen Geschichten eben so ist.

Und da soll noch mal jemand sagen, die Regenbogenpresse hätte irgendwas mit Journalismus zu tun. Die Redaktionen verbreiten absichtlich die Unwahrheit, sie lügen und erfinden, sie bereichern sich am Tod eines Menschen und haben nicht den geringsten Respekt, weder vor den Angehörigen noch vor der Wahrheit. Das ist kein Journalismus. Das ist eine einzige, ekelhafte Unverschämtheit.


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“Neue Welt” ruft Wunder zurück

“Neue Welt” ruft Wunder zurück

Gestern ist etwas Ungewöhnliches passiert. Auf unserer wöchentlichen Einkaufstour haben wir zwar ein halbes Dutzend Zeitschriftenläden abgeklappert — doch eine bestimmte Zeitschrift war nirgends zu finden: die “Neue Welt für die Frau”. Eigentlich hätte sie gestern längst im Regal liegen müssen. Die Kioskdame unseres Vertrauens hatte auch keine Erklärung dafür. Das sei in der Geschichte der “Neuen Welt” noch nie vorgekommen.

Mittlerweile haben wir eine Ahnung, woran es liegen könnte, dass die “Neue Welt” nicht erschienen ist. Denn offenbar sah sie so aus:Titelblatt "Neue Welt": Beatrix ist  ist so glücklich - Johan Friso - Endlich aufgewacht! Der Arzt: "Jetzt ist nichts mehr unmöglich"Zur Info: Prinz Friso lag anderthalb Jahre im Koma. Am Montag ist er gestorben.

Das Titelblatt ist nun an verschiedenen Stellen im Internet aufgetaucht. Da wir das Heft selbst nicht gefunden haben, können wir nicht mit absoluter Gewissheit sagen, ob das tatsächlich die ursprüngliche Ausgabe ist. Wir gehen aber sehr stark davon aus. Gegenüber dem Branchendienst “Meedia” bestätigte ein Sprecher der Funke-Gruppe, der ursprüngliche Titel sei “nicht in den Verkauf gegangen”:

Die Ausgabe 34/ 2013 von NEUE WELT wurde aufgrund der tragischen Ereignisse in den Niederlanden (Johan Friso verstarb im Koma) aktualisiert und erscheint deshalb in Teilen Deutschlands erst am Donnerstag, 15. 8. 2013.

Laut “Meedia” gab es noch zwei weitere Entwürfe für das “Neue Welt”-Titelblatt. Auf dem einen wurde verkündet, Frisos “neuer Arzt” habe “ein Wunder” bewirkt, was natürlich genauso großer Quatsch ist. Im Regal soll heute deshalb der dritte Entwurf erscheinen – mit der Schlagzeile: “Der traurige Abschied zerreißt ihnen das Herz”.

Anderthalb Jahre lang haben deutsche Regenbogenhefte das Schicksal des Prinzen ausgeschlachtet. Sie haben spekuliert, gemutmaßt und prophezeit, sie haben Gerüchte verbreitet, Fakten verdreht und sich Dinge einfach ausgedacht. Allein in den vergangenen vier Monaten ist Prinz Friso mindestens sechs Mal für tot erklärt worden, genauso oft gab es dann plötzlich doch ein “Wunder”, und immer wieder irgendwelche Dramen, Enthüllungen und Skandale.

Bereits im April suggerierte die “Freizeit Monat” auf ihrem Cover, Prinz Friso sei gestorben:Beatrix unter Schck - Es ist vorbei! - Sie weint an seinem Krankenbett

“die aktuelle” hatte hingegen zu berichten:Sensation zur Krönung! Beatrix im Glück - Friso wird dabei sein!

Die “Freizeit direkt” eine Woche später:Alles Hoffen war vergebens - Königin beatrix - Sterbe-Drama! - Ihr verzweifelter Abschied von Prinz Friso

“die aktuelle” kurz darauf:Horror-Bericht aus der Klinik - Beatrix - Ärzte-Pfusch! Was ist da bloß passiert?

Dann die “Neue Post”:Beatrix & Mabel - Ihr bewegender Abschied von Friso

“Das neue Blatt”:Ausriss: "Das neue Blatt", Nr. 27/2013

“Die neue Frau”:Neues Drama um Friso - Vertrauten alle der falschen Ärztin?

“die aktuelle”:Geschieht jetzt doch noch ein Wunder? - Beatrix - Sie holte Friso heim! - Seit Dienstag ist er zurück im Schloss - Seine Kinder weinten vor Glück

“Heim und Welt”:Prinzessin Beatrix - Es ist ein Wunder! - Mutterliebe macht Friso wieder gesund!

“Woche der Frau”:Prinz Friso - Endlich erlöst! - Er verbringt den Sommer bei seinen Liebsten

“Das neue Blatt”:Schockierende neue Enthüllungen über das Unglück - Mabel & Beatrix - Wollte ihr Friso sich umbringen?

“Woche der Frau”:Johan Friso - Das erste Interview! - Berührend, wie die Ärzte ihn ins Leben zurückholen wollen

Und am vergangenen Samstag “die aktuelle”:Schock für Beatrix! - Prinz Friso - Die Trennung bringt ihn um! - Das neue Leben seiner jungen Frau ++ Wird sie wieder glücklich?

Das nur als kleine Auswahl.

Als hätten die Autoren vor dem Schreiben einfach eine Münze geworfen, um zwischen “Sterbe-Drama” und “Wunder” zu entscheiden. Blöderweise ist ihnen dieses Mal die Realität dazwischengekommen.


Danke an Lisa und Klaus P. für den Hinweis.

Siehe auch:

Prinz Friso gestorben: “die aktuelle” hat Bingo! (Stefan Niggemeier)

Friso, die Neue Welt und die Realität (Meedia)


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Das Undenkbare

Das Undenkbare

Es wurde ja schon viel gemutmaßt über den niederländischen Prinzen Friso, der seit einem Ski-Unfall im Wachkoma liegt. Über das Hospital, in dem er bis vor Kurzem lag. Über die Trauer seiner Frau Mabel. Über den Fernseher in seinem Krankenzimmer.

Doch das hier ist neu. Und es sprengt jegliches Maß an Niedertracht:Schockierende neue Enthüllungen über das Unglück - Mabel & Beatrix - Wollte ihr Friso sich umbringen?“Das Neue Blatt” stellt tatsächlich die Theorie auf, dass Frisos Unfall gar kein Unfall war, sondern ein versuchter Selbstmord. Das liest sich dann so:Friso liegt im Wachkoma. Seit 17 Monaten ist sein Zustand laut Königshof „unverändert und kritisch“. Was sich aber gerade ändert, ist der Blick auf das Unglück, das den Prinzen im Februar 2012 aus seinem bisherigen Leben riss. War es wirklich ein Unfall? Geriet er beim Skifahren in Lech (Österreich) tatsächlich unfreiwillig in die beinahe tödliche Gefahr? Oder sollte das Undenkbare denkbar sein, nämlich dass Friso einfach nicht mehr leben wollte...?Diese Zeilen meint die Autorin Karin Ahrens ernst. Sie setzt zwar fleißig Fragezeichen hinter ihren irren Aussagen. Doch das ändert nichts daran, dass sie “das Undenkbare” aufschreibt, es drucken lässt und ihre Gedanken 466.097 Mal auf deutsche Stubentische auskotzt.

Grundlage dieses Wahnsinns sollen Zeitungsberichte aus den Niederlanden “Schockierende neue Enthüllungen über das Unglück” sein:

Neue Enthüllungen schockieren in diesen Tagen nicht nur die Holländer. Verschiedene Medien — darunter ausgerechnet auch die Zeitung “De Volkskrant”, der Frisos Großvater Prinz Bernhard (✝ 2004) einst seine entlarvende Lebensbeichte anvertraut hatte — malen ein völlig neues Bild des Prinzen. Eines, das verblüfft, erschreckt und nachdenklich macht. Friso sei im Grunde zeit seines Lebens unglücklich gewesen, bleibt unterm Strich all der Schilderungen und Behauptungen, die da zu lesen sind.

Das ist alles, was “Das Neue Blatt” als Grundlage angibt und was diesem Lügenblatt genügt, um mit einem unterstellten Selbstmordversuch auf einen Koma-Patienten einzutreten: Ein Zeitungsbericht aus den Niederlanden, der Friso als traurige Person dargestellt haben soll.

Genau genommen reichen Karin Ahrens sogar nur zweieinhalb Eckpunkte aus Frisos Lebenslauf und ein Foto aus Kindertagen:

Geboren als mittlerer von drei Söhnen, habe er von Kind an oft das Leben eines “Unsichtbaren” geführt.

Als Claus [Frisos Vater] 2002 starb, verlor Friso das Fundament seines Lebens. Die Basis. Den festen Boden.

Vater und Sohn verband die Neigung zum Grübeln, die empfindsame Seele. Auch die Depression?

Einzelgänger: Friso 1971 mit drei Jahren. Er wirkt traurig und in sich gekehrt. Ein Kind, das lieber allein istDaraus und aus dem Ski-Unfall im Februar 2012 strickt sie ihre Suizid-Theorie.

Sie schreibt zwar noch, dass die Hochzeit mit Mabel 2004 für Friso “ein neuer Lebensinhalt”, “eine andere, unkönigliche Perspektive” bedeutete. Doch das hindert Karin Ahrens nicht daran, für diesen schmierigen Schlussakkord noch einmal voll in die Tasten zu hauen:Holten Friso die Dämonen aus der Schattenwelt seiner Seele wieder ein? Hatte ihn die Lebenskraft letztendlich doch verlassen? Fragen, die Prinz Friso wohl nie mehr beantworten kann. Denn er hat zwar überlebt - mehr aber auch nicht.Wir wollten wissen, was tatsächlich in dem Artikel von “De Volkskrant” stand, einem großen, seriösen, linksliberalen Blatt. Denn „Das Neue Blatt“ erwähnt diesen Artikel nur, zitiert allerdings nicht aus ihm.

Wir konnten den Text über Friso allerdings nicht finden. Vielleicht lag es an unserem bruchstückhaften Niederländisch, vielleicht veröffentlicht “De Volkskrant” im Online-Archiv einfach nicht alle Geschichten aus der Print-Ausgabe. Eine Nachfrage bei der niederländischen Zeitung blieb bis heute unbeantwortet.

Wir haben auch in der Redaktion von “Das Neue Blatt” angerufen und darum gebeten, uns den Artikel aus „De Volkskrant“ zuzuschicken, auf dem die Suizid-Vermutung von Karin Ahrens basiert.

Der Rückruf am gleichen Tag verlief ungefähr so:

Hallo Herr Tschermak, XY XYZ von „Das Neue Blatt“ hier. Herr Tschermak, ich soll Ihnen schöne Grüße von unserer Chefredakteurin ausrichten und Ihnen sagen, dass sie als Journalistik-Student doch sicher in der Lage sind, den Artikel selbst zu finden.

Wissen Sie, wir haben schon die Online-Archive durchsucht und ihn nicht gefunden. Gibt es diesen Artikel überhaupt?

Ich schicke Ihnen gerne ein paar Bücher zum Thema „Gute Recherche“. Den Artikel bekommen Sie von uns aber nicht.

Das war‘s.

Wissen Sie was, liebe Rückruf-Dame von “Das Neue Blatt”? Das Angebot mit den Recherche-Büchern nehmen wir gerne an. Wir können uns nun wirklich nicht vorstellen, dass Sie die bei Ihrer Arbeit vermissen werden.


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Der Tod in der Dauerschleife

Der Tod in der Dauerschleife

Achtung, aufgepasst! MärchenGeschichtsstunde mit der “Neue Post”:

Manche kennen ihn noch, den uralten Brauch der Frauen der holländischen Fischer. Wenn der Mann auf See verschollen war, nähte sich die Ehefrau unter Tränen aus einem seiner Hemden eine große Schleife an den Ärmel. Diese Schleife trug sie bei bedeutenden Anlässen, um zu zeigen, dass ihr Liebster immer in ihrem Herzen ist. Auch wenn er nie zu ihr zurückkehren würde…

Anlass für den Vortrag über niederländische Traditionen ist dieses Foto:

Mabel mit Kleid und Schleife

Mein Liebster ist in meinem Herzen, er ist immer bei mir, bedeutet Mabels große Schleife am Ärmel. Einst zierte sie Mabels Hochzeitskleid

Zwar hat Mabel ihren Liebsten nicht auf See verloren, doch auch sie ahnt, dass er niemals zu ihr zurückkehrt, nie wieder mit seinen Töchtern Luana (8) und Zaria (7) spielen wird.

Die “Neue Post” kann einfach nicht widerstehen. Mabel trägt an ihrem Kleid irgendeine Schleife und zack schreibt das Blatt das Ende ihres Mannes Prinz Friso herbei, der seit einem Ski-Unfall im Wachkoma liegt.

Wen juckt es da schon, dass die Schleife aus dem Stoff ihres Hochzeitskleides und nicht aus dem Stoff seines Hemdes hergestellt wurde — und somit gar nicht zur Tradition der Fischer-Frauen passt?

Wen juckt es, dass Mabel andauernd Schleifen an ihren Kleidern trägt? Selbst das Kleid, das sie bei der Hochzeit mit Friso trug, war voll mit Schleifen.

Und wen juckt es, dass es den Rat der Ärzte, von dem die “Neue Post” schreibt und “der den beiden [Mabel und Frisos Mutter Beatrix] das Herz bricht”, gar nicht gibt?

Die “Neue Post” juckt das alles jedenfalls nicht:

Beatrix & Mabel - Ihr bewegender Abschied von Friso

Wieder einmal schreckt eines dieser Schundblätter nicht davor zurück, für etwas Auflage den Tod eines Menschen zu suggerieren.

Die “Neue Post” macht das auf eine besonders eklige und hinterrückse Weise. Weil sie Mitgefühl heuchelt. Und weil sie diesen letzten Satz hier schreibt:

Schleifen der Liebe in einem Meer aus Tränen.

Wir sind kotzen.


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Journalisten-Pfusch

Journalisten-Pfusch

Wenn im Internet negative Erfahrungsberichte kursieren über das Londoner Krankenhaus, in dem Beatrix’ Sohn Friso im Koma liegt — was machen die OP-Schwestern von “die aktuelle” dann wohl daraus?

Genau, sie schalten auf ihrem Titelblatt mal wieder eine Traueranzeige:

Horror-Bericht aus der Klinik - Beatrix - Ärzte-Pfusch! Was ist da bloß passiert?

Exakt das fragen wir uns auch: Was ist in den Redaktionsräumen von “die aktuelle” bloß passiert?

Weder bei Beatrix noch bei Friso gab es einen Pfusch von Ärzten. Es handelt sich nicht um einen Horror-Bericht aus der Klinik, sondern um Beschwerden über die Klinik. Und die “neue Angst um Prinz Friso” hat sich die Redaktion selbst ausgedacht.

Wie kommt “die aktuelle” also auf diesen Unfug? Begeben wir uns auf Spurensuche:

Das Internet prangert an: Mehrere User beschweren sich auf dem Google-Portal bitter über skandalöse Zustände in der Londoner Klinik

Nun ja, genau genommen sind es zwei User, die sich bei Google Plus über das Wellington Hospital beschweren. Zum Beispiel Conor Hamilton:

Conor Hamilton, der letztes Jahr wegen einer schweren Arm-Operation Patient war, berichtet: Das Krankenhaus ist der reinste Horror. Mein Zimmer war groß wie ein Schuhkarton, das Fenster hatte ein Loch. Ich sollte operiert werden. Doch nichts passierte! Ärzte und Schwestern drehten sich um mich, wussten offenbar nicht, wer was machen soll. Ein Skandal. Und weiter: Am nächsten Morgen schoss Blut aus meinem Arm. Ich rief nach der Schwester. Ich dachte, ich verblute. Zu guter Letzt bin ich aus dem Krankenhaus geflohen.

Ach, alte Flunkerer von “die aktuelle”, da habt ihr euch aber nicht so ganz an die Wahrheit gehalten.

Die Operation, die Conor Hamilton im Wellington Hospital hat vornehmen lassen, war nicht im vergangenen Jahr, sondern im November 2011. Und es handelte sich nicht um eine Arm-Operation, sondern um eine Knie-Operation.

Diese Kleinigkeiten lassen wir euch ja gerne noch durchgehen. Dass ihr aber einfach Sachen dazuerfindet, finden wir nicht so in Ordnung.

Hamilton schreibt nämlich nirgendwo “Ich sollte operiert werden. Doch nichts passierte!” Er schreibt auch nicht “Ärzte und Schwestern drehten sich um mich, wussten offenbar nicht, wer was machen soll.”

Und er schreibt erst recht nicht “Ein Skandal”.

Conor Hamitlon dachte auch nie, dass er verblutet. Zumindest ist davon kein Wort zu lesen. Und aus dem Krankenhaus ist er auch nicht geflohen.

Das habt ihr alles dazugesponnen.

Auf dem Bewertungsportal von Google befindet sich übrigens noch ein weiterer Eintrag zum Wellington Hospital. Der Verfasser: Ein Regenbogenautor, der für eine Geschichte recherchiert.

Seine Bewertung für das Krankenhaus: “Gut”.


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Verrenkungen der Woche (3)

Verrenkungen der Woche (3)

Erst die dritte Folge — und schon eine Weltpremiere!

Voller Stolz dürfen wir Ihnen heute zum allerersten Mal eine Überschrift präsentieren, die — jetzt halten Sie sich fest! — zu einhundert Prozent der Wahrheit entspricht. Echt jetzt!

Aber kümmern wir uns doch zuerst um die, nun ja, nicht ganz so wahren Geschichten. Willkommen zu den Verrenkungen der Woche.

Saskia Vester (53) - Ihre 5 großen Geheimnisse

Saskia Vester ist eine deutsche Schauspielerin. Und wie die “Echo der Frau” findet, ist es “kaum zu glauben, aber wahr! Saskia Vester hat es geschafft, sich in ihrer Karriere noch ein paar Geheimnisse zu bewahren.” Doch die “Echo der Frau” ist ein Regenbogenheftchen erster Güte. Und so ist es der Redaktion “nun gelungen, ihr diese zu entlocken.” Na, dann schießt mal los:
- Saskia Vester hat keine Angst vor dem Zahnarzt.
- Ihre Katze Lui benimmt sich manchmal wie ein Hund.
- Wenn sie ihren Mann mit einem Tier vergleichen müsste, wäre er ein Delfin.
- Vesters Tochter lebt noch bei ihr daheim. Das ist immer ganz lustig.
- Ihr Sohn ist der Liebe wegen nach Kopenhagen gezogen.
Recht hast du, “Echo der Frau”: kaum zu glauben.


Über Nacht kam die Ernüchterung... - Stefan Mross - Wird er aus seinem Liebesnest vertrieben?

Irgendwo in der Nähe von Stefans Haus wird irgendein anderes Haus gebaut. Und “anstatt auf Berge, blicken er und [Freundin] Susanne jetzt von ihrem schönen Balkon auf eine chaotische Baustelle”. Die “Woche der Frau” stellt resignierend fest: “Auch Stefanie kann ihm nicht mehr helfen”.


Schlaganfall - Benedikt XVI. - Sein trauriges Ende

Ex-Papst Benedikt soll tatsächlich mal einen Schlaganfall erlitten haben — vor 22 Jahren. Und selbst das ist bis heute nur ein Gerücht. Offiziell heißt es, er sei damals gestürzt. “Das neue Blatt” hat jetzt irgendeinen “Chirurgen” aus Rom aufgetrieben, der behauptet, Benedikt zeige (wieder) Anzeichen eines Schlaganfalls: “‘Er ist sehr unsicher auf den Beinen, das linke Auge ist halb zugefallen.’” Das Heft schlussfolgert: “Es scheint fast so, als ob der Herr ihn bald zu sich rufen würde …” Es scheint fast so, als ob “das neue Blatt” es kaum erwarten könnte …


Halle Berry - Unfassbar - Für ihren Geliebten riskiert sie ihr Leben

Halle Berry schwebt in “Lebensgefahr”. Denn — sie ist schwanger. Und als 46-jährige Diabetikerin kann so eine Schwangerschaft ganz schön “lebensbedrohliche Folgen” haben, weiß die “Viel Spaß”. Und fragt: “Wieso geht Halle Berry solch ein hohes Risiko ein? Versucht sie etwa, ihren Geliebten mit einem Baby für immer an sich zu binden?” Das Blatt meint: “Unfassbar”. Meinen wir auch.


Da bahnt sich eine Tragödie an ... Michelle - Ist sie seelisch total am Ende?

“Was ist nur los mit Michelle?”, fragt die “frau aktuell”. “Ist sie seelisch total am Ende?” Eine berechtigte Frage — immerhin ist Michelle hin und wieder “zu spät zu ihren Auftritten” gekommen. Auch Zugaben sind nicht mehr so “ihr Ding”. “Und dann diese Text-Aussetzer, die sie immer hat! Das kann sich eine Schlagersängerin nun wirklich nicht leisten.”
Wir wünschten, auch die “frau aktuell” hätte mal einen Text-Aussetzer. Einen, der bis in alle Ewigkeit anhält.


Schockierende erotische Fantasien - Boris Becker - Hat er seine Lilly nicht genug gequält?

Boris Beckers Twitter-Account ist für die Regenbogenpresse die reinste Skandalfundgrube. Wenn man ehrlich ist (und vor allem: wenn man sich mal anschaut, was der Sportler da den lieben langen Tag so treibt), ist das auch kein Wunder. Dass irgendein Blättchen diesen, diesen und diesen Tweet früher oder später dazu benutzen würde, irgendeine empörte Schlagzeile zu stricken, war abzusehen.
Also, lieber Boris, wenn wir dir einen Rat geben dürfen: Lass doch diese Erotik-Tweets und kümmere dich stattdessen weiter um die wichtigen Dinge des Lebens.


Hansi Hinterseer - Familiengeheimnis gelüftet

“Familiengeheimnis gelüftet”? “Drama um seine leibliche Mutter”? “Weil aber nun ein Verwandter geplaudert hat, wissen wir jetzt, was wir eigentlich nicht wissen sollten”? Na los, “Meine Freizeit”, raus mit der Sprache: Was ist das los bei Schlagerstar Hansi Hinterseer? “Seine leibliche Mutter ist” … ja!? … “Brasilianerin.” Potztausend!


Charlène von Monaco - Sensationelles Liebes-Interview

Wenn eine Person regelmäßig die volle Ladung Dreck abbekommt, die die Regenbogenpresse fröhlich über Prominente und Adlige ausschüttet, dann ist es Charlène von Monaco. Die “Freizeit heute” hat nun ein “sensationelles Liebes-Interview” über die Fürstin und ihren Mann Albert gedruckt. Aber was ist so sensationell an diesem Interview? Dass es sich hier um einen Artikel handelt, der das Paar tatsächlich mal in einem positiven Licht erscheinen lässt? Dass Charlène überhaupt noch mit irgendeinem dieser Schmuddelautoren spricht? Nein. Wirklich sensationell an dem Interview ist die Frechheit, mit der die “Freizeit heute” eine Geschichte verdreht. Denn das Blatt führte das Interview nicht etwa mit Charlène. Und auch nicht mit Albert. Sondern mit Andre Venter. Der ist Bassbariton der südafrikanischen Band “Romanz” und trat mit seinen Kollegen bei der Hochzeit des Fürstenpaares auf.


Prinzessin Madeleine - Gefährlicher Flirt vor der Hochzeit?

Folgende Situation: “Sie umarmen sich und küssen sich zärtlich auf die Wangen. Wie ein frisch verliebtes Paar werfen sich die beiden mitten in New York immer wieder Blicke zu.” Das klingt doch wie … genau, findet jedenfalls die “Neue Welt”: “Riskiert Madeleine etwa einen gefährlichen Flirt mit einem fremden Mann? Es wäre ein Drama!” Kollektive Schnappatmung in der Redaktion — Madeleine will doch eigentlich bald heiraten. Acht Zeilen später haben sich allerdings alle schon wieder beruhigt: “Doch Entwarnung! [...] Der unbekannte Mann an ihrer Seite ist ein guter Freund der Prinzessin.” Puh, erstmal durchatmen.


DJ Oetzi - Heimliche Sucht

Oh nein, was ist mit DJ Ötzi los? Die “Echo der Frau” titelt, er habe eine “Heimliche Sucht”. Glücksspiel? Alkohol? Koks? Gut, dass das Blatt ihren Chefreporter Torben Zenker zum DJ schickt, um herauszufinden, was wirklich Sache ist. Und Zenker lüftet das Geheimnis: Der Ötzi raucht! Und das “bereits seit vielen Jahren”. Ach, und er hat auch noch eine neue Platte rausgebracht. Das passt ja gut, dass die “Echo der Frau” wegen der Sucht-Geschichte eh schon da ist. Dann kann man im selben Artikel doch gleich auch noch was über “sein neues Hit-Album” schreiben.


Sensation zur Krönung! Beatrix im Glück - Friso wird dabei sein!

Wie kann man eine derart perfide Titel-Schlagzeile dichten, ohne auch nur irgendwelche Gewissensbisse zu haben? Darauf geben unsere Freunde von “die aktuelle” keine Antwort, aber so ähnlich. Sie schreiben im Innenteil: “Zwischen Himmel und Erde gibt es Dinge, die man nicht erklären kann.” “die aktuelle” und ihre Verrenkungen beispielsweise.
Wir wollen es kurz machen: Die Schmierfinken von “die aktuelle” tun so, als könnte Beatrix’ Sohn Friso, der seit langer Zeit im Wachkoma liegt, bei der Krönung seines Bruders zum obersten Monarchen der Niederlande dabei sein. Was das Blatt eigentlich meint: Er zeigt hin und wieder Regungen. Und “in seinem Krankenzimmer hängt ein moderner Flachbildschirm. So könnte er die Krönung seines ältesten Bruders verfolgen.”
Das Blatt titelt im Innenteil: “Liebe kann wirklich Wunder bewirken!” Sensationsgeilheit kann wirklich Grässliches bewirken.


Michelle Hunziker - Tränen-DRAMA - Nur eine Operation konnte ihr noch helfen

Setzen Sie sich bequem hin, atmen Sie ein paar Mal tief durch und lesen Sie die Überschrift in aller Ruhe noch einmal. Genießen Sie es! Denn dies ist die erste — Achtung! — zu einhundert Prozent wahre Überschrift in den Verrenkungen der Woche. Denn in einem Interview hat Michelle Hunziker selbst erzählt: “‘Kurz nach meiner Geburt stellte sich heraus, dass meine Tränenkanäle verstopft sind.’ Schließlich musste später chirurgisch nachgeholfen werden.” Ein waschechtes “Tränen-Drama” also. Herzlichen Glückwunsch, “neue Frau”.


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