Der Porno-Baukasten
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Der Porno-Baukasten

Stellen Sie sich vor, sie sind ein Mann, haben die Taschen voller Zaster und ihre Traumfrau ist Helene Fischer. Wäre es da keine schlaue Idee, ihr eine Million Euro für einen Liebesdienst anzubieten und in der “Woche der Frau” damit hausieren zu gehen?

Nein?

Das unterscheidet Sie wohl vom Herrn auf dem schlecht aufgelösten Foto unten rechts:

Einne Million für einen Liebesdienst - Helene Fischer - Dieser Mann will sie kaufen!

Sein Name ist Walter Hasenclever — und er weiß offensichtlich ganz genau, was er will:

Mindestens eine Million Euro ist [ihm] ein erotisches Abenteuer mit der Sängerin wert. Was er dafür erwartet? Er will ein “Filmchen” mit Helene drehen, in dem sie — zumindest — alle Hüllen fallen lässt. […] Würde Helene noch weiter gehen, vor der Kamera also Sex haben, ist Walter Hasenclever bereit, sogar tiefer in die Tasche zu greifen.

Eine verquere Neuauflage von “Ein unmoralisches Angebot”?

Mitnichten. Walter Hasenclever ist kein reicher Frauenstehler, sondern arbeitet als PR-Berater für die deutsche Erotikseite “FunDorado”. Ende März fragte das Portal seine User, mit welchem Star sie gerne mal eine Nacht verbringen würden — die meisten stimmten für Schlagerkönigin Helene Fischer, dicht gefolgt von Busenprinzessin Micaela Schäfer. Herr Hasenclever will also gar nicht selber das Bett mit Helene Fischer teilen, sondern nur einen mehr oder weniger expliziten “FunDorado”-Schmuddelstreifen mit ihr drehen.

All diese Infos stehen auch im “Woche der Frau”-Text, allerdings erst im Verlauf des Artikels. Wer sich also nur die Titelseite, Artikelüberschrift und die erste Spalte durchliest, wird mal wieder in die Irre geleitet.

Gut, im Grunde nichts Neues in der Regenbogenpresse. Was das Blatt aber alles zusammenmengt, um den Schein einer Gigolo-Story zu erwecken, ist der eigentliche Stein des Anstoßes. Da wären die verwendeten Zitate von Helene Fischer:

“Es ist doch nichts schlimmes, sexy zu sein.”

Oder:

“Eine wilde Performance macht allen mehr Spaß”

Oder:

“Den Wunsch, etwas Verrücktes zu tun, habe ich auch hin und wieder.”

Quelle? Fehlanzeige. So erweckt die “Woche der Frau” den Anschein, sie habe selbst mit Helene Fischer gesprochen und als sei diese zumindest nicht gänzlich abgeneigt, Hasenclevers Angebot anzunehmen.

Tatsächlich sind die ersten beiden Zitate einem “Bravo”-Interview entnommen, in dem es um ein mögliches Duett mit Kollegin Miley Cyrus geht. Das dritte Zitat gab Fischer dem Mediendienst “Teleschau”. Beide Interviews sind so weit vom Thema Porno entfernt wie die “Woche der Frau” von seriösem Journalismus.

Und dann ist da noch die Rolle von Walter Hasenclever. Er erklärte uns auf Nachfrage, dass er die im Artikel verwendeten Zitate nicht der “Woche der Frau” direkt, sondern dem freien Journalisten Bartek Kolodziej gegeben habe. Anlass sei ein Bild.de-Artikel gewesen, in dem ein “FunDorado”-Sprecher gesagt hatte, für einen Star wie Helene Fischer “‘würden wir gegebenenfalls auch Millionenbeträge in die Hand nehmen.’”

Kolodziej habe das Interview dann “wohl mehreren Titeln angeboten” — offensichtlich auch der “Woche der Frau”. Wir haben ihn gefragt, was er von der Verwendung seines Interviews hält, bisher blieb eine Antwort jedoch aus.

Beim Foto bediente sich die Redaktion am öffentlich zugänglichen Teil von Hasenclevers “Xing”-Profil. Wir haben ihn gefragt, was er von der Aufmachung des “Woche der Frau”-Artikels hält. Er schrieb:

Grundsätzlich freue ich mich als PRler natürlich über jede Veröffentlichung, wo mein Kunde genannt wird. Dass ich persönlich so in den Mittelpunkt gerückt werde, habe ich aber zuvor auch noch nie erlebt. Aber selbst das hätte ich unterstützt, wenn ich gefragt worden wäre, und ich hätte auch ein hochauflösendes Foto von mir zur Verfügung gestellt, da die Kernaussage ja stimmt. Der unbedarfte Leser denkt aber wohl jetzt, ich sei Millionär und möchte persönlich ein erotisches Abenteuer mit Helene Fischer haben …

Dann hat die “Woche der Frau” ja alles richtig gemacht.


Nachtrag, 19. Juni 2014, 18:46 Uhr: Wie oben erwähnt, haben wir auch versucht, von “Woche der Frau”-Autor Bartek Kolodziej eine Auskunft zu bekommen. Es gab schließlich die theoretische Möglichkeit, dass er dem Blatt einen ganz vernünftigen Text geschickt hat und erst in der Redaktion daraus die Dieser-Mann-will-sie-kaufen-Geschichte gebastelt wurde.

Wir hatten Kolodziej per E-Mail diese Fragen geschickt:

1. Ist es korrekt, dass die Zitate aus Ihrem Interview mit Herrn Hasenclever stammen?

2. In welcher Form haben Sie der „Woche der Frau“ das Interview zur Nutzung angeboten?

3. Wie ist Ihre Meinung zur Aufmachung des Artikels und wie finden Sie es, dass Ihr Material auf diese Weise verwendet wird?

16 Tage nach der ersten und vier Tage nach der wiederholten Anfrage haben wir nun auch eine Antwort von ihm bekommen:

Nennen Sie mir bitte nur einen vernüftigen Grund warum ich ausgerechnet Ihnen “helfen” sollte!!!!!!!


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