Ruhe im Regenbogen:
Ein bescheidener Vorschlag

Ruhe im Regenbogen:
Ein bescheidener Vorschlag

Von Torsten Dewi

Der Konflikt zwischen der Regenbogenpresse und den Medien, die kritisch über sie berichten, ist meist ein Konflikt der Wahrnehmung.

Brot und Butter der Klatschblätter ist die Unterstellung, die Irreführung. Die Chefredakteure, so sie sich denn äußern, widersprechen dem nicht einmal, sie verwenden nur andere Begriffe: Andeutung, Ausschmückung. Der Leser wird mit dem Versprechen auf die spektakuläre Geschichte A ins Heft gelockt, wo ihn dann die banale Geschichte B erwartet — der Irrtum ist gewollt und die Enttäuschung eingepreist.

Ein beliebtes Argument im Stil von “Das machen Blätter wie die BILD doch auch nicht anders!” verkennt die Mechanismen der Klatschpresse. Die BILD käme mitnichten damit durch, auf Seite 1 zu titeln “Bohlen schmeißt bei Supertalent hin!”, nur um dann auf Seite 3 zu enthüllen: “In der Generalprobe zur neuen Sendung wurde der Juror so wütend, dass er sogar seine Wasserflasche zu Boden warf”. Diese Form der hysterischen Dramatisierung ist die Domäne der Regenbogenpresse, die bevorzugt Begriffe wie “Frau”, “Gold”, “Freizeit” und “Aktuell” im Titel trägt.

Die Tatsache, dass sich die Leser auch nach 50 Jahren immer wieder davon locken lassen, zeigt laut Kritikern die Unbelehrbarkeit der Zielgruppe. Die Verteidiger der Yellowpress sehen darin lieber einen Beweis für das ungeschriebene Einverständnis von Produzent und Konsument: Wir liefern dir die Aufreger, solange du nicht zu genau hinschaust, ob sie wahr sind.

Damit lässt sich der Großteil der Klatschgeschichten als fragwürdig und oft albern abhaken. Wer’s nicht lesen will, muss es nicht kaufen. Wer’s lesen will, muss sich seine Lektüre nicht madig machen lassen.

Aber es ist unbestreitbar und auf dieser Webseite beeindruckend dokumentiert, dass die Regenbogenpresse regelmäßig die Grenze von der Irreführung zur glatten Lüge überschreitet, dass sie Persönlichkeitsrechte missachtet, Menschen verleumdet und öffentliche Pranger baut. Sie kam damit lange Zeit durch, weil sich die Macher und die Wächter in ihrer Einschätzung zu lange einig waren: Journalismus ist das nicht. Den Klatschgeschichten wurde die Wertigkeit und damit die Verantwortlichkeit von Kindergartenanekdoten überreizter Vierjähriger zugesprochen.

Das Caroline-Urteil war 1995 ein erster Schuss vor den Bug einer Branche, die bis dahin so ziemlich alles zusammen fabulieren durfte, was ihr gerade so einfiel. Immer mehr Stars verweigern sich mittlerweile der willkürlichen Märchenstunde in den bunten Blättern — Stefan Raab, Günther Jauch, Harald Schmidt, immer wieder auch Helene Fischer und Florian Silbereisen. Prominent sein bedeutet eben nicht ausgeliefert sein.

Die Regenbogenblätter wehren sich, so gut es geht — mit immer neuen Varianten von “der soll sich mal nicht so haben” und “unsere Leser wollen halt an seinem/ihrem Leben teilhaben, das ist doch nur menschlich”. Sie verteidigen, was nicht zu verteidigen ist, bis ihnen am Ende nur die Rechtfertigung bleibt “immerhin haben wir nicht gelogen — also nicht wirklich”.

Es ist dieses “immerhin haben wir nicht gelogen”, das in der Welt der Klatschpresse anscheinend jede Geschmacklosigkeit und Gehässigkeit neutralisiert. Und die Fälle, in denen die Lüge offensichtlich ist, in der Gerichte Strafen verhängen und fette Gegendarstellungen die Titelseiten verschandeln? Die werden von den Klatschblättern selber gerne als unglückliche Einzelfälle und journalistische Fehlschüsse in den Bereich der Kollateralschäden geschoben.

Ausnahmen, keine Methode.
Ausnahmen, keine Methode?

Dann sollte es auch kein Problem sein, diese bedauerlichen Ausnahmen einzudämmen, wenn nicht gar abzuschaffen.

Ich fordere einen verpflichtenden Kodex für die Klatschpresse. Einen, der die Privatsphäre Prominenter schützt, verbindliche Regeln setzt und trotzdem genug Freiraum lässt für den saftigen Tratsch, der die willigen Leser zieht. Denn eins ist klar: Ein Kodex kann nur funktionieren, wenn er so gestaltet ist, dass beide Seiten mit ihm leben können. Einem Medium, das seine Existenz der manchmal geradezu parodistisch überzogenen Übertreibungen verdankt, kann man schlecht die überzogenen Übertreibungen verbieten. Zumal, auch wenn das nicht gerne offen ausgesprochen wird, das Gros der Stars und Sternchen die Berichterstattung in der Klatschpresse immer noch mit der Einstellung “only no news is bad news” willig füttert.

Diese Eckpunkte halte ich dabei für ziemlich offensichtlich.

1) Keine primären, sekundären oder tertiären Geschlechtsmerkmale mehr. Der Leser hat kein Anrecht auf Busenblitzer und “vergessene” Schlüpfer, ihr Informationswert ist null. Sie sind kein Grund, die Kamera zu zücken — sie sind ein Grund, die Kamera abzuschalten. Intimbereich und Busen sind automatisch Privatsphäre. Ausnahme: Nacktfotos, die Stars aus Gründen der Selbstvermarktung haben anfertigen lassen (Playboy, Werbung, etc.).

2) Keine Übernahmen von “Skandalfotos” als Ausriss. Es ist eine beliebte Methode, nackte oder schockierende Tatsachen abzubilden, indem man einfach die Titelseite der Konkurrenz abbildet und sich angesichts dieser “Enthüllung” empört zeigt. Künftig darf über solche Fotos nur noch in Textform berichtet werden.

3) Die Kinder Prominenter sind tabu. Bis 14 absolut, von 14 bis 18 darf nur im nicht privaten Kontext der Eltern (Roter Teppich, Dreharbeiten, Preisverleihungen) berichtet werden. Ausnahme: ausdrücklich von den Eltern gewollte Präsentation der Kinder (Homestory, Werbung, Schauspielerei).

4) Erweiterung des Begriffes “Privatsphäre”. Prominente sind weder bei Besuchen auf Privatgrundstücken zu fotografieren, auch nicht von der Straße aus, noch in Gebäuden hinter Glas (im Fitnessstudio, Restaurant, Gefängnis). Der Begriff Privatgrundstück umfasst dabei auch private Strände, Boote, etc.

5) Besonderer Schutz im Krankheits- und Todesfall. Spekulationen über verletzte, sieche oder greise Prominente sind zu unterlassen, den Bitten der Familien nach Privatsphäre ist Folge zu leisten. Insbesondere sind Begriffe wie “Wunder” und “Das Ende” zu vermeiden, die unabsehbare Auswirkungen auf Familie und Freunde haben können.

6) Fotomontagen auf dem Cover sind deutlich zu kennzeichnen. Nicht winzig am Heftrand, sondern durch klar lesbare Beschriftung. Während es in Ordnung ist, zwei Personen durch gekennzeichnete Fotomontage in einen durch den Artikel gedeckten Kontext zu setzen (“Drehen Helene Fischer und Otto Waalkes bald zusammen einen Film?”), ist die visuelle Behauptung zum Beispiel einer Geburt (Baby im Arm) unzulässig.

6.1.) Bilder müssen kontextualisiert werden. Wenn zum Beispiel eine Prominente weinend gezeigt wird und der Text einen Zusammenhang mit einer Familientragödie herstellt, dann muss die Bildunterschrift klar kennzeichnen, von wann und aus welchem Umfeld das Bild stammt. Dadurch wird verhindert, dass alte Bilder zur Authentifizierung eines aktuellen Dramas missbraucht werden.

7) Fremdproduzierte Texte müssen klar gekennzeichnet werden. Von Werbepartnern erstellte oder mit deren Hilfe verfasste “redaktionelle” Texte/Advertorials müssen in der Einleitung bereits als solche erkennbar sein. Ein winziger “Anzeige”-Stempel oder eine Zeile am Bildrand reichen nicht aus.

8) Einführung einer Korrekturspalte. Illustrierte verpflichten sich, eine auffällig platzierte Korrekturspalte abzudrucken, die von Prominenten ohne die Hürden der Gegendarstellung in Anspruch genommen werden kann. Maßstab ist ein einfaches Votum der Schiedsstelle – siehe unten.

Zur Wahrung des journalistischen Anspruchs schlage ich außerdem die Bildung einer unabhängigen Schiedsstelle für das deutsche Pressewesen vor. Diese hat primär drei Aufgaben:

1) Die Schiedsstelle entscheidet mit einfacher Mehrheit, ob eine Klatschzeitschrift dem Ersuchen eines Prominenten nach Richtigstellung in der Korrekturspalte nachkommen muss. Ziel ist dabei weniger die Bloßstellung des Mediums als die Erziehung zur korrekten Berichterstattung. Die Menge der veröffentlichten Korrekturen wird dabei ein einfacher Maßstab für den kritischen Leser.

2) Die Schiedsstelle kuratiert eine Blacklist, in der sich Prominente eintragen lassen können, die gar keine persönliche Foto-Berichterstattung über ihre berufliche Präsenz hinaus wünschen. Die Presse hat sich der Blacklist zu beugen, ist aber berechtigt, diese anzufechten, wenn ein Prominenter sie selbst durch selektive Privatpräsenz in der Presse unterläuft.

2.1.) No Cover-Klausel. Prominente haben das Recht, unabhängig von der Blacklist die Verwendung ihrer Fotos auf den Titelseiten der Illustrierten zum Zwecke der Leserköderung abzulehnen.

3) Quelleneinsicht. Die Schiedsstelle erkennt den Quellenschutz als notwendige Grundlage journalistischer Arbeit an. Da sich Klatschzeitschriften allerdings notorisch auf offensichtlich erfundene “Freunde” und “Kenner” berufen, werden sie verpflichtet, im Konfliktfall ihre Quellen auf Nachfrage der Schiedsstelle zu melden, die dann entscheidet, ob eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vorliegt. Sollte das der Fall sein, kommt es zu einem personenunabhängigen Vermerk in der Korrekturspalte des entsprechenden Blattes. Die Schiedsstelle ist weder verpflichtet noch berechtigt, etwaige Quellen nach außen zu geben.

Noch mal: Alle diese Vorschläge beschneiden nicht das, was die Regenbogenpresse als ihr “Fleisch” betrachtet. Sie darf weiter tratschen, insinuieren, andeuten, unterstellen, fabulieren. Sie darf nur nicht mehr tun, was sie nach eigener Aussage sowieso nicht absichtlich tut: Lügen erfinden, Menschen in ihrer Privatsphäre belästigen, Leser hinters Licht führen.

Trotzdem ahne ich, dass kaum ein Chefredakteur diesen Kodex als Selbstverpflichtung unterschreiben oder gar umsetzen wird. Weil die Wahrheit und der Respekt bei diesen Blättern nicht nur hinderlich sind, sondern dem Geschäftsmodell zuwider laufen.


Torsten Dewi ist Drehbuchautor, Schriftsteller, Journalist und Blogger aus Leidenschaft. Er hat für Hyperland geschrieben und SPIEGEL online, für DWDL und den “Elektrischen Reporter”. Besondere Aufmerksamkeit erregte vor einigen Jahren sein Text zur Yellowpress “Klatsch me if you can”. Die Zeitschriftenbranche kennt er auf breiter Front von innen: Er hat jahrelang für den GONG-Verlag gearbeitet und steht derzeit in Speyer bei Klambt unter Vertrag.


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Als die Regenbogenwelt
noch in Ordnung war

Als die Regenbogenwelt
noch in Ordnung war

Ein nicht ganz erst gemeinter Nachruf von Karla Kolumna*, einer erfolgreichen Regenbogenautorin

Es gab einmal eine Zeit. Eine Zeit, die hartgesottene Yellow-Journalisten noch heute wehmütig als die “goldene Zeit” bezeichnen. Eine Zeit, die noch gar nicht so lange her ist, gefühlt aber Lichtjahre zurückliegt. Eine Zeit, die Promis und Königs noch heute mit Schaudern erinnern und die dem einen oder anderen auch jetzt noch, Jahre später, das Blut in den Adern schockgefrieren lässt.

Es war die Zeit VOR Caroline. Ja, die Caroline. Die Prinzessin aus Monaco. Die, über die die Yellows damals so gerne berichteten und es bis heute eigentlich liebend gerne tun. Die monegassische Adelsprinzessin mit dem SEHR speziellen Männergeschmack. Besagte Caroline hatte irgendwann keine Lust mehr, ausgedachte Geschichten über sich zu lesen (und dieses Ungemach soll sich bei der Dame unerklärlicherweise schon Ende der Neunziger eingestellt haben …) und begann, mit einem Anwalt gegen diese Unwahrheiten gerichtlich vorzugehen. Diese Prozesse erstreckten sich über viele Monate, ach was: Jahre, und irgendwann gab es Urteile, die der “bösen” Yellow-Press ordentlich auf die Finger hauten. Sie verboten den “Kreativen Schreibern” das wahllose Ausdenken von Geschichten. 1995 fiel das erste entscheidende Urteil. Und dazu wollen wir kurz Wikipedia bemühen (Ja, sorry! WAS denn? Der moderne Journalist hat heute keine Zeit mehr für richtige Recherche. Da muss Wiki schon reichen …):

1. Das Recht auf Achtung der Privatsphäre zu dem auch das Recht, für sich allein zu sein, gehört, kann auch eine Person der Zeitgeschichte für sich in Anspruch nehmen.

2. Der Schutz der Privatsphäre, der sich auch auf die Veröffentlichung von Bildaufnahmen erstreckt, ist nicht auf den eigenen häuslichen Bereich beschränkt.

3. Außerhalb des eigenen Hauses kann eine schützenswerte Privatsphäre gegeben sein, wenn sich jemand in eine örtliche Abgeschiedenheit zurückgezogen hat, in der er objektiv erkennbar für sich allein sein will und in der er sich in der konkreten Situation im Vertrauen auf die Abgeschiedenheit so verhält, wie er es in der breiten Öffentlichkeit nicht tun würde.

In diesen Schutzbereich greift in unzulässiger Weise ein, wer Bilder veröffentlicht, die von dem Betroffenen in dieser Situation heimlich oder unter Ausnutzung einer Überrumpelung aufgenommen worden sind.

4. Im übrigen müssen absolute Personen der Zeitgeschichte die Veröffentlichung von Bildaufnahmen von sich hinnehmen, auch wenn diese sie nicht bei der Wahrnehmung einer öffentlichen Funktion zeigen, sondern ihr Privatleben im weiteren Sinne betreffen.

Die Yellow-Press ging natürlich dagegen vor, es wurde wieder geklagt, in Berufung gegangen, wieder in Berufung gegangen — egal. Das wirklich Entscheidende: Caroline hat die Yellow-Landschaft dann doch nachhaltig verändert.

Und obwohl es gar nicht das eine Caroline-Urteil gab und gibt, sondern einige mit diversen Spezifikationen, so spricht doch jeder der Beteiligten von “DEM” Urteil, nach “DEM” alles anders war.

Einfach heruntergebrochen hieß das: Promis mussten keine Angst mehr vor Abschüssen auf privatem Gelände haben (also Paparazzi durch die Hecke in den Privatgarten knipsen lassen, war nicht mehr …), Adlige und Königs mussten sich nicht mehr willkürlich Schwangerschaften und Trennungen andichten lassen und die Verlage — ja, die mussten schwer umdenken.

Das Urteil zieht übrigens bis heute seine Fäden. Nicht ohne Grund streiten Yellows und auch “seriösere” People-Magazine wie “Bunte” bis heute erbittert vor Gericht, OB denn dieser Strand nun “privat” oder “öffentlich” war, oder ob der Promi seine neue Liebe wirklich “auf offener Straße” präsentiert hat, oder ob die Turteltäubchen doch heimlich mit der langen Linse im Hinterhof abgeschossen wurden. Achten Sie mal darauf: Zur rechtlichen Absicherung schreiben die Magazine dann schon gleich bei Veröffentlichung “Der Fotograf erwischte sie in der belebten Berliner Innenstadt” oder “am vollen Strand von Ibiza”. Stets folgend nur dem einen Ziel: IMMER schön den Eindruck erwecken, ALLES sei GANZ legal. ;-)

Und die Yellows? Die tun sich seitdem sehr schwer, wöchentlich ihre Seiten zu füllen. Weil: SO VIEL Neues gibt es über Royals & Co. ja nicht wirklich zu berichten. Und so kommt es immer wieder zu den herrlichen “Text-Wirklichkeits-Blüten”, die uns topfvollgold jede Woche so süffisant präsentiert.

Als die netten Jungs von topfvollgold mich, eine betagte Dame des Yellow-Journalismus, einmal am Telefon fragten, wie das denn früher so war mit den Yellows, begann ich zu erzählen. Ja, ich schwärmte förmlich von den “alten Zeiten”. Und erzählte ihnen eine lustige Geschichte, die irgendwie maßgeblich für diese Zeit war, und die man sich bis heute noch gerne in unseren Kreisen erzählt:

Ich arbeitete damals bei einem Verlag, der bis heute sehr stark in Yellows macht und schon damals ein ganz großer “Player” in dem Sektor war, wie man heute wohl sagen würde.

Auch Anne (Name geändert), die Tochter eines hohen Verlagsmitarbeiters, machte ihre Ausbildung damals bei uns im Hause. Heute arbeitet sie in einer Führungsposition in den Medien – damals war sie noch “kleine” Volontärin. Ja. Bei uns im Schmuddel. Und hatte, genau wie wir, irre viel Spaß am Erfinden von Geschichten. (Ja, Sie merken es, das war die Zeit VOR Caroline.)

Wir arbeiteten damals an einer Zeitschrift namens XYZ. Gibt es die eigentlich noch? Ich muss gleich mal googeln. Egal. Damals saßen wir also wieder in irgendeiner Konferenz zusammen und versuchten, das royale Sommerloch irgendwie zu überstehen. Die Deadline nahte, nein, sie stand eigentlich am gleichen Tag bevor, und wir hatten wieder einmal absolut keine zündende Idee für eine verkaufsträchtige Titelgeschichte.

“Irgendwas mit dem schwedischen König wäre toll”, meinte eine Kollegin. “Ja, der olle Schwerenöter v… bestimmt schon wieder fremd”, ergänzte eine andere. Sie merken: Die außerehelichen Eskapaden des Schwedenkönigs waren für uns schon damals ein SEHR beliebtes Thema. Doch das Durchschauen der aktuellen Abschüsse (König mit Familie im Südschweden-Urlaub — gähn!) brachte keine neue Erkenntnis.

Und dann, ja DANN hatte ein Kollege (oder war es unser damaliger Chefredakteur? Mir ist so …) die zündende Idee: “Schwedenkönig mit heimlicher Geliebter im Wald von Småland entdeckt!” – so oder so ähnlich sollte die Geschichte heißen. Und die Bilder dazu? Wurden einfach von uns selbst produziert. Hä? Ja!

Aus einem idyllischen deutschen Wald wurde kurzerhand der Schweden-Wald, aus einem Grafiker mit dunklem Haar König Carl Gustaf, ja, und Sie erraten es wahrscheinlich: aus unserer blonden Anne die heimliche Geliebte. Sie zögerte damals noch ein wenig vor Skrupel, aber die aufmunternden Worte unseres Chefredakteurs (“Anne! Jetzt hab’ dich nicht so! Das wird den Papa freuen, wenn er dich so sieht!”) taten das Nötige, und keine 15 Minuten später war das Team nebst Fotograf im Wald unterwegs. Anne und der Grafiker hielten Händchen, shakerten und simulierten Kuss und Umarmung, der Fotograf hielt mit unscharfer Blende und verschmierter Linse (sollte ja ein Abschuss sein!) von hinten drauf.

Die Story erschien — und war eine der bestverkauften Ausgaben ever. Ever, ever, würde die Sonja aus dem “RTL-Dschungel” wohl heute sagen. Ja, die Zeiten haben sich geändert. Gott sei Dank. Oder leider? Manchmal kann ich es gar nicht so genau sagen. Nur eines ist sicher: DAMALS war es insgesamt und irgendwie lustiger …


*Karla Kolumna (Name geändert) arbeitet seit vielen Jahren im Yellowbereich und ist heute Chefredakteurin eines erfolgreichen Titels in diesem Segment. Sie können sich also denken, dass wir ihre Ansichten nicht unbedingt teilen. Frau Kolumna bittet außerdem um den Hinweis, dass es sein kann, dass diese Geschichte (“die ja schon ein paar Jährchen her ist”) vielleicht doch in Nuancen anders war und das ein oder andere Detail nicht so ganz stimmt. Aber sie besteht darauf, dass sie sich so oder so ähnlich zugetragen hat, und wenn etwas nicht stimmt – “ja dann ist das eben so”. Das würde die Yellows ja sonst auch nicht stören.


PS: Da wir hier ja nicht mit Regenbogen-Methoden arbeiten wollen, haben wir den betreffenden Verlag gebeten, uns seine Version der Geschichte zu schildern. Und die geht so: Ein solches Foto sei “nicht existent”, außerdem habe die Tochter des Verlagsmitarbeiters “an keinerlei Fotoaufnahmen dieser oder ähnlicher Art jemals teilgenommen”.


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Eure Geschichten vom Regenbogen

Eure Geschichten vom Regenbogen

Vor ein paar Wochen hatten wir darum gebeten, uns Erfahrungen und Anekdoten aus der Regenbogenwelt zu schicken. Hier nun das Ergebnis.

Es ist eine ganze Menge zusammengekommen, viel zu viel, um alles auf einmal zu zeigen. Damit kein ewig langer Blogpost entsteht, haben wir die einzelnen Texte hinter Links versteckt. Mit einem Klick auf den jeweiligen Link könnt Ihr die Geschichten aufrufen.


Im Rahmen eines Berufsorientierungspraktikums früher in der Schule habe ich selbst mal in einer Regenbogenpresse-Redaktion gearbeitet. Ich durfte mir Weissagungen für die Horoskopseite ausdenken, für die Gesundheitsrubrik einen Artikel der “Apotheken Umschau” abschreiben beziehungsweise umformulieren. Und ich durfte Interviews mit Stars aus anderen Zeitschriften aussuchen, die dann in dem Heft, für das ich gearbeitet habe, zu einem Artikel umgewandelt wurden. Die Arbeit war zwar ganz interessant, hat aber mein Vertrauen in die Regenbogenpresse nicht gerade gestärkt.


Meine Mutter kauft schon seit einigen Jahren “Die Aktuelle”. Selten entscheidet sie sich mal spontan für eine andere Zeitschrift. Sie sagt immer, die Rätsel in dieser Zeitschrift gefallen ihr am besten. Sie sagt zwar, dass sie den Geschichten nicht so recht glaubt, aber meint, es wäre wohl doch was Wahres dran. Sie findet sie zumindest besser geschrieben als in anderen Zeitschriften. Warum sie das Heft jede Woche wieder aufs Neue kauft, weiß sie selber nicht.


Ich (33 Jahre alt) bin mit den Regenbogenheften quasi aufgewachsen, sowohl meine Oma und meine Mutter als auch unsere Nachbarinnen haben den Dreck gekauft und die Hefte untereinander getauscht. Jede der beteiligten Frauen hat dann ihr Kürzel vorne auf die Titelseite geschrieben, sodass alle wussten, wer welches Heft schon “gelesen” hatte. So machte jedes der Hefte innerhalb einer Woche nach einem einigermaßen ausgeklügelten, zumindest aber für mich undurchsichtigen System die Runde in Familie und Nachbarschaft.

Es müssen insgesamt so Pi mal Daumen zehn Titel gewesen sein, ich erinnere mich nur an drei definitve Titel: “Die Aktuelle”, “Freizeit Revue” und “Für Sie”.

Ich persönlich habe irgendwann eine sehr makabre Leidenschaft für die Geschichten aus den Königshäusern entwickelt. Vor allem die Kolumne von “Hofberichterstatter” Norbert Loh auf der letzten Doppelseite von “Die Aktuelle” hatte es mir angetan. Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen: Ich war sehr, sehr jung. Und ab einem gewissen pubertären Alter sehr, sehr verliebt in Prinz Harry. Insofern war ich Nutznießer dieses Zeitschriftenkursierens, ich gebe es unumwunden zu.

Nun zu der Frage: Warum? Warum kaufen sich die Frauen die Hefte, tauschen sie quer herum und latzen dafür einigermaßen viel Kohle? Die Antwort ist weniger rätselhaft als man meinen mag: Es waren die Rätsel. Meine Mutter zum Beispiel stand (und steht nach wie vor, weshalb sie auch nach wie vor diese Machwerke kauft) auf die Kreuzworträtsel, meine Oma auf diese Teile, wo man selbst herausfinden muss, wo die schwarzen Kästchen sind, und eine Nachbarin stand auf diese Worteinganzvielenbuchstabensuchgeschichten und Sudokus. Die Namenskürzel wurden auch erst auf den Titelseiten angebracht, wenn alle Rätsel, die einem gefielen, gelöst wurden und dienten somit auch der Schnellerkennung, ob man die Zeitschrift quasi “ausgerätselt” hatte.

Seltsamerweise — und während ich jetzt seit einiger Zeit Euren Blog folge, entwickelt sich ein gewisser Stolz auf meine weiblichen Ahnen — wurden die eigentlichen Inhalte, sprich: Stars, Sternchen und Adel, Gesundheitskram und Pipapo nicht angeguckt. Zumindest meine Mutter und meine Oma haben uns auch nie mit den total tollen Rezeptideen malträtiert. Ich weiß von einer Nachbarin, die sich alle (ALLE!!!) Kochrezepte ausgeschnitten und abgeheftet hat. Die hatte meterweise Aktenordner. Sie war aber eh ein wenig wie die Katzenfrau aus den Simpsons.


Neulich am Kioskregal: Älterer Mann, Anfang/Mitte 80, kommt in seinem elektrischen Rollstuhl angefahren und parkt neben mir. “Geben Sie mir doch mal bitte die ‘Freizeit exklusiv’. Die müsste gestern rausgekommen sein. Die kommt einmal im Monat.”

“Einen Moment. So, hier, die ‘Freizeit exklusiv’.”
“Die hat nämlich den größten Rätselteil. Hier [zeigt aufs Heft]: ’28 Seiten’! ‘Der größte Rätselteil’.”

“Lesen Sie denn auch die Geschichte über die Prominenten?”
“Joar, die blätter’ ich auch mal durch.”

“Und glauben Sie die?”
“Nee, nicht alle. Es gibt ja auch Fernsehen. Da muss man die Dinger hier gar nicht lesen.”


Meine Oma (85 Jahre alt) liest im Abo “Das goldene Blatt”. Und ich habe es ihr zum Geburtstag geschenkt, weil sie so viel Freude daran hat. Sie kauft “Das goldene Blatt” sonst auch immer, jetzt natürlich im Abo, aber keine anderen Regenbogenblätter. Besonders gern mag sie, dass es um “ihre” Stars geht (also Volksmusik und so, nehme ich an). Ansonsten liest sie gerne den abgeschlossenen Roman. Sie sieht das Ganze schon kritisch als “Auszeit für den Kopf” und glaubt nicht alles, was drin steht. Ansonsten liest sie jeden Tag die Tageszeitung und informiert sich viel über Politik. “Das goldene Blatt” wird dann zum Einschlafen im Bett gelesen.


Meine Oma kauft die Hefte gern wegen der Kreuzworträtsel.


Es gab eine Zeit, da bin ich jede Woche in Supermarkt und habe die bunten Blätter durchgelesen. Ich habe mich aber immer so aufgeregt, dass ich mich entschlossen habe, einen großen Bogen um die bunten Blätter zu machen. Heute schaue ich manchmal noch kurz nach, was die Hefte so schreiben.


Vor zwei Wochen habe ich zufällig eine Freundin von mir ausführlich zu ihrem Regenbogenpressekonsum befragt, da bei ihr auf der Toilette immer diese Hefte herumliegen.

Also: Sie (38 Jahre alt, Zahntechnikerin) entscheidet sich spontan für die Hefte. Ihre Kaufentscheidung hängt davon ab, welche Stars in dem Heft vorkommen (dafür schaut sie neben dem Cover ins Inhaltsverzeichnis) — am besten findet sie da Schauspieler, die sie in Filmen oder Serien gut findet. Und von denen will sie möglichst viele Fotos sehen, weil sie es interessant findet, wie die außerhalb ihrer Rolle aussehen und was sie so anziehen, wenn sie abends weggehen. Sie sagt selbst, dass in den Heften nur “Schund” steht und sie dabei ihren Voyeurismus befriedigt, der in der Masse für die Prominenten total nervig ist. “Er (der Voyeurismus) ist aber trotzdem da.” Und sie glaubt die Sachen auch nicht, die da stehen, sondern sagt über den Großteil der Aussagen in den Heften, “da haben die sich wieder was aufgeblasen” oder “dazugedichtet”.

Da sie sich ja vor allem die Fotos anschaut — und ich bei der Gelegenheit dann mit durch zwei Heft geblättert habe –, verdrehte sie auch immer die Augen über die Paparazzi-Fotos, auf denen dann zum Beispiel unvorteilhaft positionierte Bäuche zu potenziellen Schwangerschaften gedeutet wurden. Drauf angesprochen meinte sie dann, dass sie “die Abgründe der Heftemacher” auch interessant findet, so wie man Horrorfilme gut findet. Es entspannt sie.


Meine Vermutung ist, dass Leute, die mit ihrem Leben nicht zufrieden sind, diese Zeitschriften lesen. Die einen haben Sehnsucht nach der heilen Welt und lesen gerne über Hochzeiten und Geburten. Die anderen lesen gerne, dass auch Prominente Probleme haben, zum Beispiel Krankheit oder Scheidung. Mich interessiert, von welcher Lesergruppe es mehr gibt.


Als ich noch in München in einer großen Agentur arbeitete, wunderten wir — befreundete Kollegen und ich — uns beim Lesen der Regenbogenpresse stets über die immer recht ähnlichen Rezept-Feuerwerke:
Köstliches mit Hack, herzhafte Hack-Hits, so einfach geht Hack-Fix, tolle Hack-Pralinées (!), Schnitzel-Parade, Schnitzel Hits, neue Schnitzel-Kracher und so weiter. Eine Frage stellen wir uns auch heute noch: Wie eng arbeitet die Hack- und Fleischindustrie mit der Regenbogenpresse zusammen? Wir haben jedenfalls eines Abends mal ein bisschen was nachgekocht. Es gab: Hackfleischsuppe “Puszta-Traum”, Hackbraten “Hubertus”, Schwarzwaldsahnetorte “Dr. Brinkmann”. Wir lagen tagelang im Koma.


Mein Opa kauft regelmäßig solche Hefte, aber ihm geht es nicht um die Geschichten über Prominente. Er meint, dass ihn die gar nicht interessieren. Nein, er kauft diese Hefte bloß, weil darin im Mittelteil viele Kreuzworträtsel sind, was ja auch stimmt. Er schaut im Kiosk nach, wo die meisten Rätsel drin sind, und das Heft mit den meisten wird dann gekauft. Nun könnte er natürlich auch spezielle Rätselhefte kaufen. Die Regenbogenblätter sind allerdings billiger, und die Rätsel seien vielfältiger, meint er.


Meine Oma (Mitte 80) hat die “Freizeit Revue” abonniert. Laut ihrer Aussage in erster Linie, weil deren Rätselteil am größten ist und sie sehr viele (auch schwerere) Varianten an Rätseln bietet. Dass die Promi-Geschichten im Heft ziemlicher Quatsch sind, ist ihr nach eigener Aussage klar. Trotzdem liest sie die Geschichten, genauso diese Tatsachenromane (diese Ausgabe war, glaube ich, “Das Wiedersehen mit meiner Mutter brach mir das Herz” oder so). Und offensichtlich machen sie die Überschriften auch neugierig: Diesmal war’s “Michael Schumacher – Endlich: ein Wunder” und sie wollte gleich von mir wissen, ob es denn was Neues von ihm gäbe — ich hatte das Heft als erstes in der Hand.

Als ich sie dann enttäuschen musste, dass das Heft die Unterstützung von Schumis Familie als “Wunder” verkauft hat (oder so, ich hab das “Wunder” auch nicht so ganz durchblickt), war sie schon ein kleines bisschen enttäuscht. Die Promigeschichten scheinen hier also nur der sekundäre Kaufanreiz zu sein. Das Heft bringt auch Geschichten über etliche Promis, von denen sie noch nie was gehört hat, zum Beispiel Katy Perry.


Ich (Lokaljournalist) war mal bei einer Weiterbildung, wo ein Kollege aus Baden-Württemberg aus dem Nähkästchen plauderte, wie er so sein Geld verdient. Der war/ist für eine überregionale Lokalzeitung unterwegs und bietet passende Geschichten mit vielen Bildern dann auch der Regenbogenpresse an. Je aktueller, desto teurer, aber je nach Liga sind die Hefte auch mit alten Sachen zufrieden. So habe er an einem Artikel durch Mehrfachverwertungen schon 1500 Euro verdient, sagte er. Die Texte seien aber nicht mehr seine, hatte er erzählt. Die Redaktionen texten das, was sie bei ihm runterladen (er hatte einen Internetshop), jeweils für ihr Heft neu.

Ich fand das einerseits interessant, aber Menschen und ihre Schicksale (er hatte uns was über ein Kinderhospiz gezeigt) so abzukochen, dazu fehlt es mir dann doch. Ich treffe die Menschen hier im Lokalen ja dauernd wieder.


Ich (67 Jahre alt) habe 2012 für knapp ein Jahr Wohnungsnachbarn von Mitte 70 gehabt, die regelmäßig (die Ehefrau trotz und mit Krückstock) loszogen, um sich die “Bild” und diverse Klatschzeitungen zu kaufen. Die Frau bot mir sogar an, mir die Zeitschriften anschließend zu überlassen, damit auch ich davon etwas hätte. Ich ziehe allerdings Abführmittel aus der Apotheke vor, was ich ihr aber feigerweise nicht sagen mochte.

Sie wollte mich dann, nachdem sie einige Exemplare vor meine Tür gelegt hatte, in ein Gespräch über die gelesenen Artikel verwickeln, wobei natürlich meine völlige Unwissenheit zutage trat. Die Strafe folgte auf dem Fuß, denn das Ehepaar wurde mir gegenüber sehr abweisend bis hin zur offenen Agressivität, was mich allerdings mehr freute als ärgerte.

Als Grund für den Kauf hat die Frau immer die Kreuzworträtsel und die Rezepte angegeben, während für den Mann “Bild” die umfassende Informationsquelle für das politische, kriminelle und “kulturelle” Tagesgeschehen darstellte. Ob die Aussagen der Frau stimmten, bezweifele ich. Ihre Gesprächsversuche beinhalteten nämlich nie Back- oder Kochrezepte, sondern immer irgendwelche Prominenten-Tragödien und -Romanzen beziehungsweise sonstige Dramatik aus der Prominentenwelt, deren Protagonisten sie und ihr Ehemann als begeisterte Zuschauer von Serien und Talkshows bestens kannten — wobei ich peinlicherweise auch da nicht mitreden konnte. Und sie nahmen alles für bare Münze, was sie da so gelesen oder im Fernsehen gesehen hatten.


Meine Mutter liest solche Käseblätter (“Neue Post” und “Das neue Blatt”). Sie teilte mir mit, dass sie diese Hefte ursprünglich wegen der Rätsel, der Kochrezepte sowie der Gesundheitsthemen gekauft hat und immer noch kauft. Wenn ihr mich fragt, dann hätte sie sich genauso gut jede Woche ein reines Rätselheft, eine Kochzeit-schrift und ein Gesundheitsmagazin kaufen können. Da hätte sie meiner Meinung nach mehr davon gehabt.

Aber so wie’s aussieht, will meine Mutter wohl betrogen werden. Auch wenn sie nicht damit herausrücken wollte, glaubt sie auch noch den ganzen Mist, der in diesen Zeitschriften steht. Auf die Frage, warum sie diese Blätter immer noch kauft, antwortete sie, dass sie diese schließlich bei ihrem Zeitschriftenhändler abonniert hätte. Meine Mutter war früher Grundschullehrerin, aber heute kommt sie mir vor wie eine Hausfrau mit niedrigem Schulabschluss.


Mein Highlight ist immer noch eine Geschichte mit dem norwegischen Kronprinzenpaar. Als die nach Deutschland gekommen sind, und ein Heft ein Interview mit Mette-Marit und Haakon geführt haben will und darüber ausführlich berichtet hat. Sogar Bilder von beiden wurden gemacht. Dann wurde aber bekannt, dass Mette-Marit das Interview gar nicht gegeben haben kann, weil sie sich ja einen schweren Sonnenbrand im Gesicht zugezogen hat.

Falls bei mir je ein Funken von Glaube an diesen Geschichten vorhanden war, so ist der mit dieser Story erloschen.


Meine Oma hat sich ihre Hefte immer selber gekauft, hier waren es aber immer die gleichen Titel. Es ging ihr also nicht um die Titelstorys, sondern sie war sehr markentreu. Geglaubt hat sie es teilweise. Sie meinte zwar immer was da für ein Blödsinn drin stand, aber hat einem dennoch die ganzen Anekdoten, die sie gelesen hatte, erzählt. Mein Opa hat sich derweil an den Rätseln ausgetobt.

Nach dem Tod meiner Oma hat mein Opa die Hefte weiterhin gekauft, vermutlich zunächst, um die Erinnerung wach zu halten. Nachdem er nicht mehr selber zum Laden konnte, habe ich das für ihn erledigt. Die Blicke der Kassiererinnen, wenn ich — 1,90 Meter, männlich, schwarzer Ledermantel, lange Haare — mit drei Regenbogenmagazinen an der Kasse stand, waren immer wieder göttlich. Ich bin aber auch bei den gleichen Titeln geblieben, die in der Vergangenheit schon “Tradition” waren (außerdem erschienen sie immer an den Tagen, an denen ich mich um meinen Opa kümmerte).

Mein Opa hat die Hefte noch über Jahre, Woche für Woche, haben wollen. Er meinte zwar immer, dass es ihm um die Rätsel ging, diese waren aber in den späteren Jahren unangetastet. Er hielt das mit dem Realitätsgehalt wie meine Oma. Wenn es aber um das Thema Volksmusik ging (seine große Leidenschaft), versuchte er schon auf dem Laufenden zu bleiben und nahm, besonders zuletzt, das meiste, was dort stand, als Wahrheit an.


Ich habe meine Tante befragt. Sie ist 62 Jahre alt und kauft immer die gleichen Hefte. Für sie ist entscheidend, welche Stars auf dem Cover sind — am liebsten Volksmusik-Stars oder auch Helene Fischer mit ihrem Florian Silbereisen. Ganz wichtig sind auch die Königshäuser. Die Geschichten scheint sie zu glauben. Die Rätsel sind ihr hingegen nicht so wichtig, die Kochrezepte dafür schon. Ich glaube, sie kauft die Hefte, weil ihr eigenes Leben totlangweilig ist. Reich und schön ist so faszinierend. Alle Wünsche können die sich erfüllen — und müssen dadurch glücklich sein.


Ich habe mal eine Zeit lang im Bahnhofsbuchhandel gearbeitet und natürlich wurden viele Regenbogenblätter verkauft. Eine Geschichte ist mir aber noch in Erinnerung. Ein Mann kam zu uns und sagte, er suche die Lieblingszeitschrift seiner Frau. Sie sei krank und nun müsse er sie holen. Ich fragte, welche es denn ist und er sagte: “Sie hat links oben eine rote Ecke.”

Als ich ihm die circa 15 Quadratmeter Regenbogenpresse mit roter linker Ecke zeigte und nach weiteren Spezifikationen fragte, entschied er sich, doch lieber noch mal bei seiner Holden nachzufragen.


Nach meiner Beobachtung — wir verkaufen im Supermarkt, dessen Stellvertretender Leiter ich bin, auch Zeitschriften — werden mehr als 50 Prozent aller Hefte von Omas (und Uromas) in einem Schwung gekauft. Die greifen zu mehreren Zeitschriften auf einmal, für sich “und für die Nachbarin, so ein Rätselheft macht ja nicht dick.”

Häufigster Kaufgrund sind denn wohl die Rätsel. Dass da ansonsten nur Kappes drinsteht, darf als bekannt vorausgesetzt werden. “Nur bei den Rätseln lügen die nicht.” Es wäre also eine bemerkenswerte Fleissarbeit, wenn Ihr herausarbeitet, dass selbst bei den Rätseln eher Indoktrination als Aufklärung Resultat ist.


Bei meinen leider häufigen Krankenhausaufenthalten habe ich festgestellt, dass die Zeitungskioske dort regelrechte Goldgruben sein müssen. Die Stapel von Klatschzeitungen, die nach der Entlassung von Patienten regelmäßig von den Schwestern auf die Tische in den Sitzecken gelegt wurden, waren beachtlich, vom regen Austausch von Zeitschriften zwischen den Patienten ganz zu schweigen.

Mir soll keiner erzählen, dass diese Käufe der Not gehorchend erfolgten. Denn alle Krankenhäuser, die ich kennengelernt habe, verfügten über Bibliotheken, die trotz ihrer Bestände aus in der Mehrzahl gespendeten Exemplaren und ihren meist ehrenamtlich wirkenden Kräften erstaunlich vielseitig und auch niveauvoll bestückt waren. Als ehemalige Bibliothekarin glaube ich das einschätzen zu können.


Ich bin langjährige Regenbogenleserin, erzwungenermaßen — ich verbringe sehr viel Zeit in ärztlichen Wartezimmern, vergesse ständig, mir eine Lektüre mitzunehmen, und habe dann eine großartige Auswahl zwischen “Freizeit Revue”, “Das Goldene Blatt” und “Bunte”, alles mit neutralem Schutzumschlag vom Lesezirkel. Und ich habe auch den Eindruck, dass weite Teile der Regenbogenpressenauflage von den Lesezirkeln aufgekauft und in Wartezimmern deponiert werden — zumindest kenne ich keine Menschen, die sich freiwillig so etwas kaufen würden.

In den Wartezimmern werden sie jedenfalls fleißig gelesen, schon weil es meistens keine Alternativen gibt. Seichte Kost für Kranke, die sich nicht wehren können. Auch ich lese lieber den hundertsten Bericht darüber, dass Camilla vom Hof gejagt wurde, weil sie an der Flasche hängt, als nur ins Leere starren zu müssen oder gar mit meinen Mitpatienten zu kommunizieren. Mit einer Zeitschrift in der Hand ist man auch ziemlich immun dagegen, von allzu mitteilungswilligen älteren Damen angequatscht zu werden.

Und natürlich mache ich mir ein Spiel daraus, die Widersprüche zwischen Heft A (“Endlich Hochzeit!”) und Heft B (“Bittere Tränen! Alles aus!”) zu sammeln. Ich lese diese Hefte sogar dort, wo ich alternativ den “Stern” bekommen könnte, weil ich so daran gewöhnt bin, im Wartezimmer meinen inneren Monarchisten von der Leine zu lassen und mich daran zu erfreuen, wie groß Prinzessin Ingrid-Alexandra doch schon wieder geworden ist. Ich — Ende 30, Diplom-Bibliothekarin und freischaffende Autorin — habe nicht das Gefühl, durch die Lektüre zu verdummen, aber ich bin auch sicher nicht die Zielgruppe.

Noch lese ich vor allem mit Belustigung, weil ich mir schlecht vorstellen kann, dass jemand diese Lügengeschichten tatsächlich glauben könnte. Aber die Tatsache, dass immer noch richtige Menschen im Mittelpunkt stehen, die damit Leben müssen, dass und in welchem Maße diese Lügen über sie verbreitet werden … Ehrlich, es würde doch keinen Unterschied machen, den Lesern ein Panoptikum fiktiver Promis vorzusetzen. Liebevoll gephotoshopte Königshäuser obskurer Staaten, die kein Atlas kennt, und blondbedirndelte Sängerinnen, die ohnehin alle gleich aussehen — ich bin mir sicher, da würde kaum jemand einen Unterschied merken.


Ich habe bis neulich im Supermarkt nebengejobbt. Wenn in der Spätschicht nichts los war, habe ich gerne mal die Schlagzeilen dieser Zeitungen überflogen. Am besten fand’ ich, wenn auf der einen sowas stand wie “Charlene und Albert – So glücklich, wie noch nie/schon lange nicht mehr” und auf der daneben “Charlene und Albert – Wie lange hält ihre Ehe das noch aus?”

Ich frage mich immer, wie die Käuferinnen entschieden haben, welche von beiden Zeitungen sie nun nehmen würden.


Meine Mutter sammelt schon seit jeher leidenschaftlich Kochrezepte, ohne jemals eines selbst nachzukochen. Was ist also eine Goldmine für “kalorienarme” Kochrezepte, die gleichzeitig auch die kommenden “Saison-Hits” darstellen? Richtig, die Regenbogenblättchen und diverse Frauenmagazine. Allerdings hat meine Mutter noch nie so ein Blättchen gekauft. Nein, um ihren Fix an Rezepten und hochinteressanten Neuigkeiten über die diversen europäischen Königshäuser zu erhalten, ist sie jeden Montagabend fleißig aus dem Haus, mit mir, dem Kind, als Komplizin, und hat im zur Abholung bereitgestellten Altpapier eine Suchaktion für Kochrezepte und literarische Juwelen, die der Nachwelt unbedingt erhalten werden müssen, gestartet.

Nach einer erfolgreichen Jagd im süddeutschen Stadtviertel kamen wir dann zuhause an und sie schnitt fein sorgfältig alle Kochrezepte, Haushalts-, Rechts- und Gesundheitstipps aus. Aus Langeweile habe ich gleichzeitig auch immer die Blättchen gelesen und gedacht, dass die Geschichten sich doch entweder ziemlich oft wiederholen oder den Geschichten der Konkurrenz widersprechen.

Meine Mutter ist mittlerweile in die Jahre gekommen und bedient sich nur noch am Altpapierspeicher ihres Gebäudes. Und die kleine Komplizin studiert Journalismus (im zweiten Semester) und weiß wie dieser “richtig” geht.


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topfvollgold auf Kleber

topfvollgold auf Kleber

Wir feiern Geburtstag wie Pippi Langstrumpf und machen Euch ein Geschenk. Zumindest ein kleines.

Denn gerade sind sie bei uns eingetroffen: die druckfrischen topfvollgold-Aufkleber!

topfvollgold-Sticker

Wer also noch Platz im Sticker-Album hat, Material für die nächste Aufkleber-Tauschbörse braucht oder im Freundeskreis für unser Blog Werbung machen will, der meldet sich einfach mit einer E-Mail an kontakt[at]topfvollgold.de und schreibt uns seine/ihre Post-Adresse. Wir schicken dann 15 Aufkleber zurück. Und wenn Ihr einen wirklich triftigen Grund habt, warum Ihr mehr Sticker braucht, dann lassen wir natürlich auch da mit uns reden.

Die Portokosten übernehmen wir. Eure Adressen werden anschließend sofort gelöscht. Nur eine Voraussetzung gibt’s: Klebt die Sticker bitte nur dahin, wo sie kleben dürfen.


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Einmal den vollen Regenbogen. Aber bitte mit Sahne.

Einmal den vollen Regenbogen. Aber bitte mit Sahne.

Von Peter Breuer

In der Regenbogenecke des Zeitschriftenregals ist die Zeit stehengeblieben. Trends zu zurückgenommener Farbigkeit, stringente Gestaltung, moderne Layoutprogramme — komplette Fehlanzeige. Hier wird gestaltet, wie der BILD-Kolumnist Franz Josef Wagner sonst nur schreibt: Berauscht, verwirrt und mit der großen Axt. Abgekoppelt von der grauen Realität der anderen Titel explodiert hier das volle CMYK-Spektrum und eine zwischen diese Hefte gefallene FAZ sieht aus wie eine Todesanzeige auf dem Kindergeburtstagstisch.

Das Titelkonzept der Hefte ist so verwechselbar wie die Namen dieser “Spiegelnden Wochenrevue für die neue Frau mit Herz aus Gold von Welt”: Links oben das Logo, halb verdeckt von einem Paar, das — obwohl es gerade durch eine harte Krise geht — strahlend lächelt. Der jeweils Prominentere der beiden muss dabei vorne stehen, auch wenn darunter Perspektive und Proportionen leiden. Hat einer der beiden keine zum Freistellen geeignete Glatthaarfrisur, wird mit der Nagelschere ein lustiges Zickzackmuster aus dem Schopf gesäbelt.

In der Heftmitte muss das Gesicht einer sehr blonden Frau mindestens 20 Prozent der 660 Quadratzentimeter bedecken. Das ist § 1 des Yellow Press-Grundgesetzes, dessen einzige Ausnahme § 1 Abs. 2 regelt: “In den seltenen Fällen, in denen § 1 nicht anwendbar ist — etwa, weil Sylvie Meis acht Mal in Folge auf dem Titel war — muss zwingend Florian Silbereisen gedruckt werden.” Absatz 3 des Paragraphen regelt schließlich, dass ein ausreichend breiter Deckweißbalken zwischen seinen Lippen sein künstliches Lächeln verstärkt.

Das untere Drittel des Formats ist groß genug für eine bunte Pinnwand kleinerer Fotografien: Prominente, die aus todesähnlichen Zuständen wieder erwachen, von denen nicht einmal engste Verwandte wussten, unpeinliche Beichten peinlicher Menschen und verrückte Lebensmittel-Trends aus den 50er Jahren. “Das Comeback des Frankfurter Kranzes. Buttercreme mal leicht und locker.”

Der Hochadel ist dank Pippas weltlichem Po und Kate Middletons preiswerten Fummeln inzwischen so bürgerlich, dass Carmen Geiss kaum weniger hermacht, doch ansonsten ist das inhaltliche Programm mit beiden Beinen in einer unwirklichen Märchenwelt stehen geblieben. Der Vorwand der Geschichten sind stets die beiden Dinge, die die Leserin nicht hat, nämlich Ruhm und Kohle, aber die Themen sind die der stinknormalen griechischen Tragödie in der eigenen Etagenwohnung, aufgehübscht mit dem jeweils unmittelbar erwarteten Adjektiv. Da ist die nagende Eifersucht, die bedingungslose Treue in schweren Zeiten, die makellose Schönheit, dunkle Geheimnisse, furchtbare Krisen und tiefe Liebe. Also ziemlich nah dran am persönlichen Drama auf der Hochlehnercouch.

Müßig zu erwähnen, dass das meiste ausgedacht ist und die extremen Gefühlszustände der handelnden Personen bereits auf der Titelseite der Nachbarzeitschrift diametral andere Ursachen haben. Es ist kaum möglich, dass so viele Journalisten rein zufällig unter Alexithymie leiden, der fehlenden Deutungskraft für Gesichtsausdrücke. Eher scheint es ein sportlicher Ehrgeiz zu sein, alles, was kein Turniertänzer-Lächeln ist, mit jeder beliebigen Nuance aus der menschlichen Gefühlsskala zu belegen. Eine völlig normale Alltagsmiene mit geschlossenen Lippen kann schließlich sowohl das Zerbrechen an horrenden Schulden als auch die neuerwachte, ernste Hingabe an die Kunst der Holzschnitzerei bedeuten. Man weiß es nicht.

Zwischendurch immer wieder Versatzstücke aus urbanen Mythen. Die Frau, die ein Baby austrug und den Grund für ihr Bäuchlein erst bemerkte, als eine Kinderstimme unter ihrem Rock “Kuckuck” sagte. Ja, das ist tatsächlich passiert. Nicht wirklich hier, nicht wirklich jetzt, das Foto hat vermutlich auch nicht ohne Grund keine Bildquelle und im Zweifelsfalle war es sowieso immer im wunderlichen England. Oder dort, wo Wissenschaftler schon so einiges herausfanden, im weiten Amerika nämlich, wo auch ganz normale Leute mit Grizzlybären zusammenleben, aber erstens komme ich ins Faseln und zweitens passierten beide Sachen auf nur einer einzigen Doppelseite und das Heft kostet nur 90 Cent. Das nenne ich Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wer plant, in dieses sehr lukrative Pressesegment einzusteigen — die Blätter mit dem Fantasiejournalismus, der immer haarscharf am Rand des presserechtlich Möglichen segelt, machen immerhin über 40 Prozent der Frauenzeitschriften aus –, braucht neben den Promifotos und Sudokus im Prinzip nur noch ein altes Kochbuch und ein populärwissenschaftliches Gesundheitslexikon.

Das Kochbuch — gerne aus der Zeit von Clemens Wilmenrod, dem Spitzenkoch, der die gefüllte Erdbeere erfand — ist die Basis für wöchentliche Schnitzelvariationen mit Sahne, Hähnchenvariationen mit Sahne und prächtige Torten. (Sahne nicht vergessen!) Mit dem Gesundheitslexikon bastelt man medizinische Fachartikel, mit der die Mediaabteilung die Industriekunden umgarnen kann: Das klappt überraschend gut, denn glaubt man der Zahl der Anzeigen, leiden die Leserinnen der Regenbogenpresse häufig unter Nagelpilz, haben einen Reizdarm oder Übergewicht. Das kommt natürlich von der vielen Sahne.


Peter Breuer lebt in Hamburg und arbeitet als Werbetexter für Dauerkatheter, Rotweine, Autos und Fleischsalate. Wenn Twitter für einen Menschen erfunden wurde, dann für ihn. In unserer “Folge ich”-Liste ist er mit Abstand der Lustigste. Pardon an alle anderen.


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Ich möchte mit Dir
meinen Geburtstag feiern

Ich möchte mit Dir
meinen Geburtstag feiern

Wir pusten gerade noch fleißig Luftballons auf, schießen Luftschlangen durch den Raum und stanzen Konfetti aus alten Regenbogenheften. Denn morgen startet sie, die große topfvollgold-Geburtstagswoche!

Am 11. April 2013 haben wir unsere ersten vier Blogposts veröffentlicht. Kommenden Freitag ist das ein Jahr her, in der Zwischenzeit ist viel passiert. Und deshalb wollen wir dieses Einjährige von Montag bis Freitag mit netten Leuten feiern.

Damit die Feier so richtig ausschweifen kann, bleibt das Schlagzeilenbastel-Trainingslager die ganzen Tage komplett geschlossen. Dafür gibt es großartige Gastbeiträge von lieben Menschen, die uns mit ihren Texten schonmal vorab ein Geschenk gemacht haben. Die Eröffnungsrede morgen hält Werbetexter Peter Breuer. Wir freuen uns!

PS: Bitte bringt gute Laune und Turnschuhe mit heller Sohle mit!


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