Mit der Intim-Keule vermöbelt

Mit der Intim-Keule vermöbelt

Was machen die Schreiber der “Woche der Frau”, wenn auf dem nächsten Titelblatt mal wieder Helene Fischer und Florian Silbereisen nebst schockierender Überschrift auftauchen müssen?

Klar, sie könnten recherchieren — mit der Gefahr, dass es nichts zu berichten gibt.
Oder aber sie halten sich an Helene Fischers Song “Schatten im Regenbogenland” und gehen ins Zwiegespräch mit ihrem noch leeren Artikelentwurf:

Ich weiß, dass auch der Himmel Grenzen hat,
und am Ende bleibt oft nur ein leeres Blatt.
Ich kämpf’ darum, dass das mit uns nicht stirbt,
egal was auch mit uns passiert.

Und mitunter kann es dann passieren, dass die Schreiber harmlose Aussagen so aus dem Kontext reissen, dass Konflikte erfunden werden, die es schlicht nicht gibt.

Doch der Reihe nach.

Eine lachende Helene Fischer auf dem Titel, Florian Silbereisen dahinter, eher missmutig dreinblickend. Darunter ein Bild von irgendwem. In großen Lettern steht geschrieben:

Helene Fischer - Bitte verzeih ihr, Florian! Es ist so verletzend, was dieser Mann sagt

Was hat Helene denn da verbrochen? Wieso muss Silbereisen ihr verzeihen? Wer ist dieser fiese Kerl und was sagt er für verletzende Dinge?

Nun, bei einem Interview im Rahmen der MDR-Hitparade sind mit Helene Fischer letztens “wirklich die Pferde […] durchgegangen.”

Sitzen sie aufrecht? Dann mal los:

Unsere Helene Fischer (28), wie sie keiner kennt. Plötzlich lässt sie in aller Öffentlichkeit ihr Herz sprechen und schwärmt von einem Mann. Pikant: Ihr Gefühlsausbruch ist nicht ihrem Liebsten Florian Silbereisen (31) geschuldet! In den höchsten Tönen begeistert sie sich für einen Kollegen mit Samtstimme, dem die Frauen zu Füßen liegen: Josh Groban (32). Der US-Star […] sieht super aus, hat 25 Millionen CDs verkauft, singt Duette mit Barbra Streisand und Beyoncé.

Wie bitte, Frau Fischer? In aller Öffentlichkeit? Und Florian soll diesen Liebesverrat auch noch verzeihen?

Da ist es doch schon beinahe egal, was genau Helene Fischer gesagt hat!
Oder doch nicht?

Und Helene wäre gerne an der Seite des Mannes mit der Wuschelfrisur. Ja, Sie haben richtig gelesen! Sie formuliert ihr Ziel ganz klar: “Josh Groban ist noch auf meiner Liste.”

Also das schlägt dem Fass den Boden aus. Da kann es sich doch nur um das Tabuthema “Liste der Männer, wegen denen ich Florian Silbereisen verlassen würde” handeln.

Es sei denn …

Uups, da war es raus […]. Und so, als würde ihr erst beim Aussprechen bewusst, was sie da gesagt hat, schiebt sie vielsagend hinterher: “Das ist einfach ein toller junger Sänger und ich bewundere Menschen, die mit ihrer Stimme einfach alles ausdrücken können, und sie können einen ganzen Raum mit ihrer Stimme füllen. Das finde ich großartig.”

Man könnte fast den Eindruck haben, die von Fischer erwähnte Liste ist doch keine für potenzielle Lebens-, sondern für mögliche Duettpartner. Und dass es nichts zu verzeihen gibt, wie dieser Artikel beweist nahe legt.

Das ist im Kosmos der “Woche der Frau” aber so unwahrscheinlich, dass die Redaktion lieber bei ihrer ersten Interpretation bleibt. Florian Silbereisen wird die ganze Sache bestimmt genauso interpretieren und an Helene Fischers Worten “sicherlich schon schwer genug zu schlucken haben.”

Doch damit nicht genug! Der finale Leberhaken für unseren — vom Blatt liebevoll getauften — “Flori” ist ein in Grausamkeit nicht zu überbietendes Statement von Josh “Er singt sich die Frauen ins Bett” Groban, der Silbereisens Körper offensichtlich genauestens kennt:

Viel verletzender muss das für ihn sein, was der Amerikaner von sich gibt. Eine Kostprobe: “Ich würde niemals mit einer Frau schlafen [*], die ein Tattoo von meinem Gesicht auf ihrem Körper hat”, stellt Josh Groban im Interview klar. Das sitzt! Weiß doch mittlerweile jeder, das [sic!] Florian sich als Tattoo Helenes Gesicht auf den Oberarm hat stechen lassen. Ein Liebesbeweis für seine Herzdame — und ausgerechnet darüber macht sich der andere lustig.

So was von gemein! Da zieht Grobian Groban im PR-Interview über Frauen her, die sich Tattoos von seinem Konterfei stechen lassen — nur mit dem Hintergedanken, Florian Silbereisen für sein Helene-Tattoo zu demütigen.

Doch zum Glück gibt es die “Woche der Frau”. Diese Oase der Vernunft schaltet sich in den Zwist im Hause Fischer-Silbereisen als Mediator ein:

Bitte Flori, verzeih deiner Liebsten! Helene wollte dir bestimmt nicht weh tun. Und dass dieser Josh Groban zu solch einer intimen Keule ausholen würde, damit konnte wirklich keiner rechnen. Und Helene hat sich vielleicht nur zu ihrer Begeisterung hinreißen lassen, damit endlich ihr großer Traum in Erfüllung geht: ein Duett mit dem smarten US-Sänger.

Klingt für uns nach: “Florian! Wenn du das liest, verzeih Helene! Ihre Dating-Liste war auch gar keine echte Dating-Liste, das haben wir einfach so erscheinen lassen, damit wir irgendeine Grundlage für unsere Geschichte haben!”

Und sowieso: Sollte sich dieser Schmuse-Casanova Groban jemals Chancen ausgerechnet haben, unser Schlagerpaar auseinanderzubringen, sollte er sich über Folgendes im Klaren sein:

[W]er Helene und Flori erlebt hat, der weiß, dass ihre Liebe quasi wie von einem anderen Stern ist und Schaumschläger Josh Groban davon Lichtjahre entfernt ist.

… schreibt die “Woche der Frau”, bevor alle Redaktionsmitarbeiter vom Schmalz getränkt kollabieren.

* Eine kleine Spitzfindigkeit: Im englischen Originalzitat heißt es: “That goes hand in hand with dating someone who has a tattoo of my face.” “Dating someone” ist nicht direkt mit “mit jemandem schlafen” zu übersetzen, es bedeutet vielmehr “mit jemandem ein Date haben” beziehungsweise “mit jemandem (in einer Beziehung) zusammensein”. Soviel zur Recherche der “Woche der Frau”.


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