Links vom topf (20)

Links vom topf (20)

Bei der Mediengruppe Klambt gibt es personelle Veränderungen. Wie der Branchendienst “turi2″ meldet, wechselt Britta Behrens von den Regenbogen- zu den Fernsehzeitschriften — und macht damit Platz für einen alten Bekannten, der auch hier im topfvollgold gern mal kommentiert:

Behrens war zuvor Chefredakteurin von “Die neue Frau” und “Woche der Frau”, dort übernimmt Volker Kithil, 58.

Klambt macht Britta Behrens zur Programmie-Chefin


In unserer Rubrik “Links vom topf” wollen wir Euch kurz und knapp interessante Links rund ums Thema “Regenbogenpresse” präsentieren.

Wenn Ihr also in den Weiten des Internets auf Interessantes zur Klatsch- und Regenbogenpresse stoßt, schickt uns gern den Link an linksvomtopf@topfvollgold.de.


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Faltenfreie Weihnacht

Faltenfreie Weihnacht

Woran erkennt man, dass auch in der Regenbogenwelt das Fest der Feste näher rückt? Daran, dass die Tante aus der Schleichwerbung so aussieht:Sensationelle Arztcreme aus der Apotheke: Das Geheimnis faltenfreier Haut - Forschung nimmt Zeichen der Zeit ins VisierNormalerweise wird die “sensationelle Arztcreme aus der Apoptheke” – auch “Wundercreme”, “einzigartige Jung-Creme” oder ”hochwirksame Super-Creme” genannt – in den fünf Regenbogenheften des Klambt-Verlags nämlich so beworben:Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Oder so:So zaubern Sie Ihre Falten weg

Oder so:Ausriss: "Frau mit Herz", Nr. 35/2013

Darüber haben wir hier und hier ja schon geschrieben. Solche PR-Artikel erscheinen in den Klambt-Heften regelmäßig und sind äußerlich nicht von redaktionellen Beiträgen zu unterscheiden.

Neu ist in der Weihnachts-Version – neben der flotten Mütze –, dass die Redaktion sich diesmal sogar namentlich an der Werbung beteiligt:Ausriss: "Woche der Frau", Nr. 50/2013

Aber wie wir die Leute von den Klambt-Heften kennen, ist das bloß Ausdruck ihrer unermesslichen Nächstenliebe.


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Die Geschichte von Angelika K.

Die Geschichte von Angelika K.

Es müssen ja nicht immer nur Promis und Königshäuser sein. Nein, hin und wieder berichtet die Regenbogenpresse auch über Menschen aus dem einfachen Volk. Über Menschen, die weder berühmt noch adelig sind, die aber eine bewegende Geschichte zu erzählen haben. Über Menschen wie Angelika K.

Angelika K. ist 58 Jahre alt, Hausfrau und wohnt in Hamburg. Und sie hatte lange Zeit ein großes Problem:

“Irgendwann ertrug ich meine faltige Haut nicht mehr. Ich fühlte mich wie ein hässliches altes Faltenmonster.”

Angelika litt so sehr darunter, dass sie sogar über drastische Schritte nachdachte:

“Ich wollte nicht noch mehr altern und überlegte mir sogar, einen Bankkredit für Lifting oder Botox-Spritzen aufzunehmen”.

Doch als sie sich über diese Behandlungen informierte, bekam sie Angst:

Sie waren gefährlich und konnten sogar eine Gesichtslähmung verursachen.

Sie entschied sich also gegen das Lifting.

Und nur kurze Zeit später geschah plötzlich das, was die Geschichte von Angelika K. so besonders macht — und was die “Frau mit Herz” veranlasst hat, dieser Geschichte einen ganzseitigen Artikel zu widmen: Angelika konnte ihre Falten tatsächlich besiegen! Und zwar ganz ohne medizinische Eingriffe, sondern bloß mit einem einfachen Trick! Unglaublich?Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Respekt! Angelika (58) hat das geschafft, was sich Millionen von Frauen wünschen: Die Zeit zurückdrehen und wieder so aussehen wie in ihren 40zigern.

Aber wie denn jetzt genau?

Wie die meisten hat Angelika einen durchschnittlichen Verdienst und kann sich nicht jede neue Anti-Aging-Creme kaufen. Teure Schönheits-Eingriffe kann sie sich erst recht nicht leisten. Aber sie hatte eine Idee.

Ja, so weit waren wir schon.

Angelika gab nicht auf, eine sichere Verjüngungskur zu finden, die wirklich Falten vernichtete und sie nicht in Schulden trieb. Sie wollte es den Schönheitschirurgen zeigen, dass es auch anders ging.

Menschenskind, jetzt aber mal raus mit der Sprache!

Nachdem sie einen Bericht über Zellerneuerung und Stammzellen im Fernsehen angeschaut hatte, entdeckte sie zwei Anti-Aging-Produktmuster von einem kompetenten Kosmetik-Unternehmen: Celyoung Age Less Creme und Age Less Serum (Apotheken). “Warum nur eines nehmen und nicht beide? Dann hat man doch doppelte Wirkung”, erklärt sie ihre Idee.

Sag bloß! Wie raffiniert!

Da kommt diese ausgefuchste Hausfrau doch tatsächlich auf die geniale Idee, die Celyoung Age Less Creme mit dem Celyoung Age Less Serum zu kombinieren!

Und, hat’s denn gewirkt?

Gesagt, getan. Schon nach ein paar Tagen geschah das Unfassbare: Ihre Haut wurde immer glatter – nach 31 Tagen erschien ihr Gesicht für sie genauso glatt wie mit Botox- oder Lifting. Angelika hatte für die Faltenentfernung keine Schmerzen gelitten, sie hatte sich nur Celyoung Age Less Creme und Serum in der Apotheke besorgt. Statt Tausende von Euro kostete sie das nur 1 Euro am Tag.

Fazit?

Angelika sah quasi von jetzt auf nachher um 15 Jahre jünger aus! Und das veränderte ihr ganzes Leben.

Und so sieht sie heute aus, unsere Angelika K., 58, Hausfrau aus Hamburg:Ausriss: "Frau mit Herz", Nr. 37/2013

Der Rest des Textes (der übrigens gut dreimal so lang ist wie ein durchschnittlicher Regenbogenartikel) lässt sich sinngemäß etwa wie folgt zusammenfassen:

Die Celyoung Age Less Creme ist der absolute Oberwahnsinn. Und das Serum auch.

Das allein ist die Botschaft dieses ganzseitigen Artikels, der weder als “Anzeige” noch als “Sonderveröffentlichung” noch als Sonstwas gekennzeichnet ist. Ein ganz normaler Artikel im redaktionellen Teil der “Frau mit Herz”:Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Und im redaktionellen Teil der “neuen Frau”:Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Und im redaktionellen Teil der “7 Tage”:Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Und im redaktionellen Teil der “Heim und Welt”:Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Und im redaktionellen Teil der “Woche der Frau”:Unglaublich! Eine 58-jährige Hausfrau aus Hamburg ist schlauer als Anti-Aging-Mediziner und löste ihr Faltenproblem mit einem einfachen Trick - Angelika K.: "So habe ich meine Falten besiegt!"

Fünfmal der gleiche PR-Text, fünfmal aufwendig ans Layout der anderen Artikel angepasst, fünfmal fehlt jegliche Kennzeichnung, dass es sich um Werbung handelt.

Natürlich: Als einigermaßen medienerfahrener Mensch sollte man spätestens nach ein paar Sätzen merken, was hier läuft. Aber die fünf Hefte — sie erscheinen alle im Klambt-Verlag — erreichen zusammengerechnet pro Woche über eine Million Leser. Wie viele davon werden die Schleichwerbung wohl als solche erkennen? Und wie viele werden denken, dass es ein echter Artikel ist? Über eine echte Frau, deren Leben in echt verändert wurde von diesem Zeug aus der Apotheke?

Angelika K. ist uns vor ein paar Wochen übrigens schon mal begegnet. Da war sie allerdings noch nicht 58, sondern erst 54. Und sie sah auch etwas anders aus. Die Botschaft aber war dieselbe:So zaubern Sie Ihre Falten weg!

Manchmal sieht Angelika K. auch so aus:So zaubern Sie Ihre Falten weg

Manchmal ist es auch nicht Angelika K., sondern Verena D.:Ausriss: "Frau mit Herz", Nr. 35/2013

Und manchmal geht es in den Fake-Artikeln des Klambt-Verlags nicht um Anti-Aging-Creme, sondern um Schlankmacher-Pillen oder Mittel gegen Fußpilz. Die versteckte Werbung hat bei Klambt ganz offensichtlich System. Es ist nicht das erste Mal, dass wir das feststellen.

Auch das Netzwerk Recherche hat vor Kurzem in einer Studie zum Thema Journalismus und Korruption aufgedeckt, wie “perfekt organisiert” das “Geschäft mit der heimlichen Werbung” in vielen Regenbogenredaktionen läuft.

Im Übrigen schaltet die Firma Celyoung in den Heften des Klambt-Verlags auch legale Anzeigen. Aber ob das die Sache besser macht?


Siehe auch: Kurzstudie des Netzwerks Recherche in Kooperation mit Transparency International Deutschland, dem Institut für Journalistik der TU Dortmund und der Otto Brenner Stiftung


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Das Kilo-Killer-Komplott
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Das Kilo-Killer-Komplott

Schleichwerbung ist ein fester Bestandteil der Regenbogenpresse.

Das ist eine der vielen traurigen Erkenntnisse, die wir in den mehr als 100 Tagen topfvollgold-Arbeit erlangt haben. Wir hatten schon früh geahnt, dass wir in diesen Heften, die ja auch sonst im Grunde tun und lassen, was sie wollen, bei näherem Hinsehen Schleichwerbung finden würden. Doch das, was dort Woche für Woche in Abermillionen Zeitschriften getrieben wird, hatten wir nicht für möglich gehalten.

Das Ausmaß, in dem Dutzende Redaktionen in ihren Heften heimlich und hemmungslos Werbung machen, ist ein besorgniserregendes Sinnbild dafür, wie bedenkenlos einige deutsche Zeitschriftenverlage im Akkord gegen Regeln verstoßen und sich dabei die Taschen vollmachen können, ohne dass irgendwer auch nur ansatzweise etwas dagegen tut.

Schon häufiger haben wir gezeigt, wie der Deltapark Verlag im redaktionellen Bereich ohne jeden Anlass Produkte eines Kaugummi-Herstellers erwähnt. Die “Freizeit Revue” von Burda hat es eher mit Keksen und Käse-Würfeln. ConPart setzt auf Halbfettmargarine.

In den Regenbogenredaktionen der Funke-Gruppe (ehemals WAZ-Gruppe) scheint “das Geschäft mit der heimlichen Werbung” sogar “perfekt organisiert zu sein”, wie das Netzwerk Recherche im Rahmen einer Kurzstudie zum Thema “Journalismus und Korruption” jetzt festgestellt hat:

So finden sich in den Titeln [der WAZ-Women Group] Hunderte konkreter Empfehlungen für spezifische Markenartikel. Obwohl der Artikel dies nicht erfordert. […]

Hinzu kommen zahllose unmotiviert erscheinende Empfehlungen für rezeptfreie Mittel aus der Apotheke. Ob Schmerzgel, Mittel zur Förderung der Kollagenbildung oder Mittel mit Birkenextrakt, ständig tauchen Produkte namentlich auf. Versehen mit dem Hinweis, diese seien in der Apotheke erhältlich. […]

Empfehlungen, die angesichts von insgesamt 1,8 Millionen Lesern der WAZ-Woman-Group durchaus für höhere Verkaufszahlen bei den Unternehmen sorgen könnten. Und das nutzt man wohl, um Geschäfte in Schwung zu bringen. Ein Insider berichtet, dass die Anzeigenabteilung systematisch Einfluss auf Inhalte im Heft nehme. Sie teile Redaktionen mit, wen sie in welchem Umfang erwähnen sollen. Beschwerden wegen Schleichwerbung nehme man in Kauf.

Im Klambt-Verlag läuft es offenbar ganz ähnlich. Zumindest hat man sich in der Redaktion der “Woche der Frau” sichtlich Mühe gegeben, den Werbetext für einen “Kilo-Killer” so aussehen zu lassen, als wäre er ein ganz normaler Artikel:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel Turbo gegen zu viel Fett! Das Schlankmittel für Eilige!

(Klicken Sie auf das Bild für eine größere Version.)

In der “Frau Mit Herz” (Klambt) wurde die Werbung ebenfalls getarnt:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel-Turbo gegen zu viel Fett - Das Schlank-Mittel für Eilige

In der “7 Tage” (Klambt) auch:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel-Turbo gegen zu viel Fett! - Das Schlank-Mittel für Eilige!

In der “Heim und Welt” (Klambt) auch:Der neue Kilo-Killer - Bio-Stoffwechsel: Turbo gegen zu viel Fett!

Und in der “neuen Frau” (Klambt) auch:Der neue Kilo-Killer: Bio-Stoffwechsel-Turbo gegen zu viel Fett! Das Schlank-Mittel für Eilige!

Fünfmal der gleiche PR-Text, fünfmal aufwendig ans Layout der anderen Artikel angepasst, fünfmal fehlt jegliche Kennzeichnung, dass es sich um Werbung handelt. Das kann kein Versehen sein.

Im Gegenteil: Je intensiver wir uns mit den Heften beschäftigen, desto mehr drängt sich der Eindruck auf, dass auch im Hause Klambt hinter der nicht kenntlich gemachten Werbung System steckt.

In der vorigen Woche warben die Klambt-Hefte in ähnlicher Form für ein Gel gegen Arthrose, in der Woche davor für eine Anti-Falten-Creme (von derselben Firma, die auch den “Kilo-Killer” vertreibt), in der Woche davor für einen medizinischen Nagellack. Keiner der manchmal über mehrere Seiten gehenden Texte ist als Werbung gekennzeichnet, oft kommen die Fotos direkt von den Herstellern.

Hinzu kommt, dass die Firmen, die den Nagellack beziehungsweise die Creme und den “Kilo-Killer” herstellen, auch reguläre Anzeigenkunden des Klambt-Verlags sind. Selbst für die getarnt beworbenen Produkte sind schon Anzeigen geschaltet worden.

Der medizinische Nagellack zum Beispiel, der in Ausgabe 26 in einem vermeintlich redaktionellen Beitrag beworben wird (“Nagelpilz: So schützen sie sich wirkungsvoll davor”), taucht in den Ausgaben 28, 29 und 30 wieder auf, in diesen Fällen aber als kenntlich gemachte Anzeige (“Stark gegen Nagelpilz”).

Es kommt sogar vor, dass in der gleichen Ausgabe zweimal für dasselbe Unternehmen geworben wird — sowohl per Anzeige als auch per Fake-Artikel. So geschehen vor etwa drei Wochen in der “Woche der Frau”. Auf Seite 15 findet sich diese Anzeige:So kriegen Sie die Falten klein!

Ein paar Seiten später stößt man dann auf diesen “Artikel”:So zaubern Sie Ihre Falten weg

Die Creme aus dem redaktionellen Teil und die aus der Anzeige sind vom gleichen Hersteller, Marke und Logo sind identisch, und selbst einer der Experten kommt in beiden Texten zu Wort.

So geht das Heft für Heft. Das Produkt, das in dieser Woche in einem “redaktionellen Beitrag” gelobt wird, erscheint zwei Ausgaben später — manchmal sogar noch im selben Heft — in einer ganz normalen Anzeige.

Eine ganzseitige Anzeige kostet beim Klambt-Verlag, wenn sie in allen fünf oben aufgelisteten Regenbogenheften sowie in der Frauenzeitschrift “Lea” erscheinen soll, fast 25.000 Euro. Wie viel ein Unternehmen hinblättern muss, um im redaktionellen Teil zu erscheinen, ist hingegen nicht bekannt.


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