Du Liebesbisschen in der Boxengasse
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Du Liebesbisschen in der Boxengasse

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um die nächste Quatschgeschichte zum Sohn von Michael Schumacher:

Mick Schumacher - Liebesglück in der Boxengasse? - Schon sein Vater fand hier die Frau fürs Leben

(“Die neue Frau”; Verpixelung von uns.)

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Ich freue mich ja sehr, dass ich heute wieder dank Euch oder genauer: dank der Zeitschrift “Die neue Frau” brandheiße Informationen bekomme über das zarte Liebesglück des Sohnes von Michael Schumacher und … ja, wem eigentlich? Irgendwas fürs Herz auf jeden Fall heute!

Moritz: Genau, wir haben eine richtige Lovestory mitgebracht, sogar ‘ne kleine Foto-Lovestory. “Die neue Frau” hat eine kleine Titelgeschichte gedruckt mit der Überschrift “Liebesglück in der Boxengasse?” und der Unterzeile “Schon sein Vater fand hier die Frau fürs Leben”. Es geht um Mick Schumacher, der neulich in Oschersleben sein erstes Formel-4-Rennen gefahren ist und das auch gleich gewonnen hat. Und da waren wohl auch Fotografen aus der Klatschszene dabei, die dann mal ein bisschen geguckt haben, was für Mädels Mick Schumacher eigentlich so umschwärmen. Und dann gab’s da ein Mädchen, das geht hier auf dem Foto mit ihrer Panda-Handyhülle in der Hand gute vier, fünf Meter hinter Mick; die Perspektive elegant gewählt, so dass es aussieht, als würden sie noch ein bisschen näher zusammenstehen, und schon haben wir für Mick Schumacher das erste Liebesglück in der Boxengasse, nämlich dieses 14-jährige Mädchen, das auch gleich mit Namen genannt wird, nämlich Gina-Maria.

Das Foto ist tatsächlich eher ein Zufallsschnappschuss, also wenn man nicht die Geschichte dazu hätte — ich hätte die jetzt nicht als zusammengehörig empfunden. Ihr?

Mats: Nee. Wenn man den Text liest, sieht man auch schnell: Die sind überhaupt nicht zusammengehörig. Also das ist einfach nur ein Mädel, das ab und zu bei den Rennen rumspringt und den Sohn von Schumi dann verfolgt und toll findet und Fotos von ihm macht, und daraus strickt “Die neue Frau” dann einfach eine Geschichte. Da hätte man bestimmt noch hundert andere Mädels nehmen können. Dass es jetzt ausgerechnet sie getroffen hat, ist vermutlich Zufall.

Das Liebesglück wird auch zusammengestrickt aus der einfachen Information, dass er ihr offenbar versprochen hat, ein Autogramm zu geben und ein Selfie mit ihr zu machen.

Moritz: Ja, so endet der Artikel. Ein ganz trauriges Ende eigentlich, denn da muss “Die neue Frau” doch ein bisschen zugeben, dass das Verhältnis der beiden vielleicht nicht ganz so eng ist, wie sie es gerne hätte. Sie schreibt, dass die Teenies “längst miteinander in Kontakt sind”, und zitiert das Mädchen, das gesagt haben soll: “Mick hat mir ein Selfie und ein Autogramm versprochen!” Für “Die neue Frau” ein klarer Fall: “Möglich, dass wir hier den Anfang einer ganz großen Liebesgeschichte sehen.” Ja, möglich, und auch ziemlich unmöglich.

Ein zweiter Punkt, der für “Die neue Frau” natürlich ganz toll ist, ist der Name dieses Mädchens, Gina-Maria, das ist nämlich auch der Vorname von Micks Schwester. Und das ist auch kein Zufall, denn die Eltern der 14-Jährigen sind große Schumacher-Fans, darum haben sie ihre Tochter genauso genannt, wie auch ihr Idol seine Tochter genannt hat. Naja, das ist natürlich ein Jackpot für “Die neue Frau”.

Es ist ja eine Menge bedenklich an diesem Artikel. Ihr habt mir auch das Cover der Zeitschrift mitgeschickt, und da sieht man, dass ganz offensichtlich an dem Foto der beiden herumgedoktort wurde, denn da sind ihre Köpfe noch viel näher zusammen als sie es in Wirklichkeit waren. Einfach, um eine Verbindung zu basteln, die es eigentlich gar nicht gibt.

Moritz: Genau. Oder es gibt noch ein zweites Foto, wo die beiden ganz genauso gucken wie auf dem ersten, aber viel enger zusammenstehen — aber das ist natürlich Quatsch. Das Foto wurde einmal schnell durch Photoshop gejagt. Man müsste mal schauen, ob noch irgendwo klein “Fotomontage” oder “Bildkomposition” steht, bisher haben wir da noch nichts gefunden. Also so ganz sauber ist das alles nicht.

Weder das Bild, noch die Story.

Mats: Und was ich besonders eklig finde, ist, dass die schreiben: Der arme Mick Schumacher, der kann ja gar keine normale Jugend haben und so weiter, “wenn er ein Mädchen küsst oder zum Eisessen ausführt, weiß es gleich die ganze Welt”. Also da machen sie einen auf Mitleid, und dann schreiben sie so eine Pseudo-Liebesgeschichte nur darauf basierend, dass ein Mädel ihm hinterhergerannt ist und ein Autogramm haben wollte. Also diese Bigotterie, diese Scheinheiligkeit ist nochmal extrem eklig in dieser Geschichte.

Warum macht die Zeitschrift das? Also es ist doch eigentlich so offensichtlich, dass an der Geschichte nicht viel dran ist und dass das Titelbild manipuliert wurde — ich versteh’s nicht. Erklärt es mir!

Moritz: Viele Leute lechzen förmlich danach zu erfahren, wie es Michael Schumacher geht. Das weiß natürlich auch “Die neue Frau”, das wissen auch die ganzen anderen Hefte, deswegen suchen die händeringend nach irgendwelchen blöden Nichtigkeiten, die man dann ausschlachten und auf die Titelseite packen kann. Und da von der Familie Schumacher beziehungsweise dem Management momentan so gut wie nichts rausgegeben wird, was ja sehr klug ist, erweitern die Schreiber sozusagen den Kreis, in dem sie Informationen suchen. Und das ist jetzt leider Schumachers Sohn. Nun kann man natürlich sagen: Der fährt Formel 4 und gewinnt auch hin und wieder, da ist eine Berichterstattung gerechtfertigt. Das sehe ich auch so: Über die Formel-4-Karriere des Sohns kann man gerne was schreiben. Aber eben nicht über einen 16-Jährigen, der sich angeblich vielleicht in eine 14-Jährige verliebt hat, weil sie auf der Rennstrecke in Oschersleben mit einem Handy hinter ihm herrennt.

Mats: Ich finde es auch problematisch, dass da ein junges Mädchen dermaßen in die Öffentlichkeit gezerrt wird. Sie wird zitiert, ihr Name wird genannt, und ihr Foto ist sogar auf der Titelseite. Der Vater wird auch zitiert, also kann man wohl schon davon ausgehen, dass die Eltern davon wussten, aber man weiß auch nicht, wie die Umständ waren. Also ich glaube nicht, dass sie wussten, was da für eine Geschichte rauskommen würde.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

Und unter diesem RSS-Link gibt’s das Ganze als Podcast.


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Links vom topf (27)
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Links vom topf (27)

Sascha Bors macht sich in seinem Blog Gedanken über die Regenbogenpresse, die er nicht nur “eklig” und “strunzdumm”, sondern vor allem sehr, sehr rätselhaft findet:

Ich weiß nicht, wie ich das angemessen rüberbringen soll: Ich bin ja für Emotionalität im Journalismus und ich finde es voll ok, dass man sich einfach mal nur zur Unterhaltung irgendein Medium reinzieht, mal abschaltet. Was ich an der Regenbogenpresse nicht verstehe, ist: Wieso sollte man zur Unterhaltung unwahre Geschichten über echte Menschen lesen, die vorgeben, wahr zu sein? Wieso sollte man sich falsche Stories über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher reinziehen, anstatt entweder eine fiktive Geschichte über einen Menschen mit einem Schicksalsschlag oder eine tatsächlich recherchierte Doku über Michael Schumacher? Ich verstehe nicht einmal, wieso man sowas schreiben sollte.

Sashs Blog: Trash und Trash


In unserer Rubrik “Links vom topf” wollen wir Euch kurz und knapp interessante Links rund ums Thema “Regenbogenpresse” präsentieren.

Wenn Ihr also in den Weiten des Internets auf Interessantes zur Klatsch- und Regenbogenpresse stoßt, schickt uns gern den Link an linksvomtopf@topfvollgold.de.


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Schlagzeilenbasteln (137)
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Schlagzeilenbasteln (137)

Welche Überschrift könnte man zu folgender Information dichten?

Michael Schumachers Sohn Mick wird in elf Monaten 17 Jahre alt.

Der große Tag rückt näher - Gibt's bald eine Glücks-Nachricht für Schumis Sohn?

(“Die neue Frau”)

Der “große Tag” ist nicht etwa Mick Schumachers 17. Geburtstag und auch nicht der 18., sondern der sechzehneinhalbte.

Denn: Ab dem 22. September, exakt ein halbes Jahr vor seinem 17. Geburtstag, könnte sich Mick in Deutschland bei einer Fahrschule anmelden.

Nun wohnt er schon seit eh und je in der Schweiz. Aber:

Was tut man schließlich nicht alles für einen Führerschein?

Eben, die Massen an jungen Leuten aus den europäischen Nachbarländern, die für einige Monate in deutsche Städte einfallen, um hier den Führerschein zu machen, sind ja hinlänglich bekannt.

Den zweiten Teil der Schlagzeile, die mögliche “Glücks-Nachricht für Schumis Sohn”, leitet “Die neue Frau” aus der theoretischen Möglichkeit ab, dass Michael Schumacher seinem Sohn nach einem Umzug nach Deutschland, der Anmeldung bei einer Fahrschule und der erfolgreich absolvierten Führerscheinprüfung ein Auto schenken könnte. Zum Beispiel einen Fiat 500. Den hat nämlich Michael Schumacher vor etlichen Jahren von seinem Vater bekommen.

Ein Fiat 500 zum Führerschein, aus schöner, alter Familientradition? Ja, es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie das Herz des Sohnemanns in diesem Fall hüpfen würde.


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Schlagzeilenbasteln (133)
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Schlagzeilenbasteln (133)

Heute mal wieder andersrum — also: Welche Nachricht könnte sich hinter dieser Schlagzeile aus “Die neue Frau” verbergen?

Michael Schumacher - Verbotene Fotos aufgetaucht! Wird das sexy Pelz-Model seinem Sohn zum Verhängnis?

(Unkenntlichmachung von uns.)

Nanu, wo ist Mick Schumacher denn da reingeraten? Eine heiße Affäre? Proteste von Tierschützern?

Nicht doch! Das “sexy Pelz-Model” hat sich vor einer Weile bei einem Fotoshooting auf der Zuschauertribüne des brandenburgischen Lausitzrings gerekelt:

Ungerührt ließ sie weiter verbotene Fotos von sich knipsen. Zweimal seien sie und der Fotograf sogar über Lautsprecher vom Aufsichtspersonal aufgefordert worden, das zu unterlassen

Währenddessen drehte Mick Schumacher auf der Rennstrecke einige Testrunden in seinem neuen Formel-4-Wagen. Das “hübsche Mädchen” in “einem knappem [sic!] Body, mit blutroten Lippen und in einem kurzem [sic!] Pelz-Jäckchen” soll ihn nicht die Bohne interessiert haben, obwohl er in einem Alter sei, “in dem die Hormone Mambo tanzen.”

Schumachers Mechaniker aber sollen laut “neuer Frau” “hin und wieder einen Blick riskiert haben.” Um Himmels Willen:

Dabei weiß doch jeder, wie gefährlich nur eine Millisekunde Unaufmerksamkeit oder ein falsches Signal im Autorennsport sein kann.

Oder etwas drastischer ausgedrückt:

Jede Ablenkung kann tödlich sein!


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Ein trauriger Lichtblick
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Ein trauriger Lichtblick

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um zwei völlig unterschiedliche Interpretationen einer Nachricht:

Michael Schumacher - Endlich wieder ein Lichtblick!

(“Woche der Frau”)

Michael Schumacher - Traurige Nachricht

(“Woche heute”)

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Ihr habt heute — ich zitiere — “die schönste Nachricht seit Langem” für uns mitgebracht. Und es hat was zu tun mit Michael Schumacher. Worum geht’s?

Moritz: Also ob das nun eine schöne Nachricht ist oder nicht, das sehen die Hefte unterschiedlich. Aber genau: Es geht um Michael Schumacher und seinen Sohn Mick. Der hat nämlich einen Vertrag in der Formel 4 bekommen. Jeder kennt die Formel 1, da ist Sebastian Vettel sehr erfolgreich, Nico Rosberg und früher auch Michael Schumacher. Dann gibt es aber auch eine etwas kleinere Wagenklasse, die sogenannte Formel 4. Und bei einem Rennstall dort hat der Sohn von Michael Schumacher jetzt einen Vertrag bekommen. Die Saison startet im April, da ist er jetzt bald also auf der Rennstrecke. Und die “Woche der Frau” schreibt von einem “Lichtblick”, den es jetzt endlich mal wieder gibt — nach all den traurigen Nachrichten nun wieder etwas Positives. Ein anderes Heft, die “Woche heute”, sieht das allerdings ganz anders …

Mats: … die schreibt nämlich: “Michael Schumacher — Schreckliche Sorgen — Nicht auch noch sein Sohn!” Und auf der Titelseite kündigt die Redaktion das mit “Michael Schumacher — Traurige Nachricht” an. Das ist alles, was vorne auf der Titelseite zu der Geschichte steht. Was so traurig und so schrecklich daran ist: Rennsport ist kein ungefährlicher Sport, und die arme Familie von Michael Schumacher jetzt auch darum bangen muss, dass vielleicht dem Sohn auf der Rennstrecke was passiert. Das ist der Grund, warum die “Woche heute” eine “Traurige Nachricht” zu verkünden hat. Wir finden das interessant, dass die “Woche der Frau” von einem “Lichtblick” schreibt und das alles ganz toll findet, und die “Woche heute” das alles ganz schlimm findet. Das passt gut in die bisherige Berichterstattung über Michael Schumacher. Wenn ein Heft auf der Titelseite nur schreibt: “Michael Schumacher — Traurige Nachricht”, dann ist für die Leserschaft erstmal nicht zu erkennen, worum es eigentlich geht. Die Blätter suggerieren ganz gerne, dass sie Neuigkeiten über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher haben. Die Leserinnen und Leser können dann natürlich annehmen, dass die “Traurige Nachricht” bedeutet, dass sich beim Gesundheitszustand etwas verschlechtert hat, und dass sie nähere Infos dann im Heftinnern bekommen. Das ist dann aber natürlich nicht so. Also: Die Hefte suggerieren, sie hätten Informationen über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher und in Wirklichkeit geht es nur um die Formel-4-Karriere seines Sohns.

Ich finde das tatsächlich interessant: Wir haben die gleiche Ausgangsinformation, dass der 15-jährige Sohn in seine Rennfahrer-Karriere startet. Und die unterschiedlichen Blätter machen wirklich komplett gegensätzliche Dinge daraus. Und dann wird auch noch über Michael Schumacher getitelt, obwohl die Geschichte nicht mit Michael Schumacher zu tun hat — außer dass sein Sohn jetzt Autos fährt.

Moritz: Genau, der eine Punkt ist, dass die Hefte eine Geschichte über Michael Schumacher verkaufen, vermutlich weil die Leserschaft mit ihm bestimmte Emotionen verbindet und weiß, dass es vor einigen Monaten einen Unfall gab. Der zweite Punkt ist die reine Willkür, wie die Redaktionen eine Geschichte auslegen. Die stricken sich das einfach so zusammen, wie sie wollen. Man hätte ja auch einfach eine kleine Nachricht bringen können: Hier, Michael Schumachers Sohn hat jetzt einen Vertrag in der Formel 4 — und das wär’s. Aber nee, die machen da eine große Geschichte draus, entweder die riesige Hoffnungsgeschichte oder die riesige Sorgengeschichte. Das zeigt einmal mehr, wie mit der Familie Schumacher umgesprungen wird. Wobei das anderen Prominenten genauso geht: Eine ganz nüchterne Nachricht wird als große Hoffnungssensation oder als großer Untergang verkauft.

Was ich auch noch ganz interessant fand: Ich glaube, das war der Artikel der “Woche der Frau”, da kamen vom Hölzchen aufs Stöckchen alle Mitglieder der Familie Schumacher einmal vor in dem Text, obwohl es eigentlich ja nur um den jugendlichen Rennfahrer geht. Also: die Geschiedene, die Ehefrau, die Tante — unglaublich. Machen die Hefte das öfter so?

Mats: Das machen die ganz gern. Irgendwie muss dieser Artikel ja auch mit irgendwelchem Quatsch gefüllt werden. Da können die jetzt nicht nur hinschreiben: Der Sohn fährt Formel 4 und das war’s auch schon. Dann wäre die Seite ziemlich leer. Also müssen die das andicken mit irgendeinem Quatsch, den man sonst noch findet. Da beschreiben die dann einfach Altbekanntes oder saugen sich irgendwas aus den Fingern. In diesem Fall ist das auch ganz besonders eklig, an der Stelle, wo das Heft auf Cora Schumacher zu sprechen kommt. Die ist ja demnächst bei “Let’s Dance”, dieser Tanz-Show von RTL. Und jetzt spekuliert die “Woche der Frau” darüber, ob sie möglicherweise Insider-Infos ausplaudert oder irgendwas über Michael Schumacher erzählt, das die Öffentlichkeit nicht erfahren sollte. Die Redaktion schreibt: “Geschmacklos, falls sie noch aus dem Unfall ihres Ex-Schwagers Profit schlägt.” Das ist natürlich genau das, was diese Hefte machen: Sie schlagen Profit aus dem Unfall von Michael Schumacher und aus dem Leider der Familie und werfen gleichzeitig Cora Schumacher indirekt vor, dass sie möglicherweise Profit daraus schlagen will. Diese wirklich widerliche, eklige Doppelmoral zieht sich wie ein roter Faden durch die Berichte über Michael Schumacher.

Genau an dieser Stelle gibt es noch ein schönes Beispiel für die Empörung, die in diesem Artikel auch rauskommt gegenüber dem Fernsehen: Gab es die Einladung für Cora Schumacher zu “Let’s Dance” etwa nur, um diese internen Familiendinge aus ihr herauszulocken? Also etwas, was diese Blätter ja offensichtlich nie machen würden.

Moritz: Man kann sich vorstellen: Sollte irgendwann mal die Möglichkeit für die “Woche der Frau” bestehen, ein Exklusiv-Interview mit Cora Schumacher zu bekommen, dann wäre das eine riesig große Titelgeschichte. Da würden die sich die Finger danach lecken, diese Informationen zu bekommen. Und genau das stört uns eben an der Regenbogenpresse: eine Bigotterie, die ihresgleichen sucht.

Mats: Und selbst wenn Cora Schumacher irgendwas ausplaudern würde bei RTL, dann würden die Regenbogenhefte das natürlich sofort abdrucken. Dann würde es heißen: “Sensationelle Enthüllung — Unfassbar, was sie im Fernsehen erzählt”. Und dann würden die Redaktionen das auch wieder breittreten und sich drüber empören. Das ist also schon eine ziemlich widerliche Angelegenheit, was die so machen mit Michael Schumacher und der Familie.

Abgesehen davon, dass wir mal wieder ein schönes Beispiel gezeigt bekommen haben von der Doppelmoral von Boulevardblättern: Was nehmen wir aus dieser Episode heute mit?

Moritz: Vor allem, dass die Regenbogenredaktionen willkürlich festlegen, wie sie Geschichten ausspielen. Da kann es dann übrigens auch mal vorkommen, dass innerhalb eines Verlages, wo dieselben Leute an zwei verschiedenen Heften sitzen, das eine Heft schreibt, dass es ganz positiv aussieht, und das andere schreibt das komplette Gegenteil. Die reine Willkür also, es gibt offenbar kein Interesse daran, möglichst objektiv und neutral zu berichten, sondern es geht um eine knallige Schlagzeile und einen guten Verkaufserlös.


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Genau wie bei Prinz Friso (7)
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Genau wie bei Prinz Friso (7)

Über Michael Schumacher und seinen Ski-Unfall Ende 2013 gibt es immer weniger Medienmeldungen — zum Glück. Anscheinend haben die meisten Zeitungen, Radiosender, TV- und Online-Redaktionen verstanden, dass Schumachers Familie ganz gern in Ruhe gelassen werden möchte. Selbst der unsägliche “Focus Online”-Hier!-Hier!-Klickt-hier-mal-für-alles-Unwichtige-über-Schumi-Holzkopf-Liveticker schweigt immer häufiger.

Leider gibt es aber noch die deutsche Regenbogenpresse. Und die berichtet weiter, als würde Michael Schumachers Managerin Sabine Kehm tagtäglich mit Infos um sich werfen. Natürlich ist es einfacher, sich aus null Informationen ganze Artikelreihen über Schumacher auszudenken, wenn man sich von Berufs wegen sowieso seit Jahren und Jahrzehnten aus null Informationen irgendwas über irgendwen ausdenkt.

Die Anzahl an Schumacher-Berichten geht zwar auch in der Regenbogenwelt langsam zurück. Verglichen mit den (halb-)seriösen Medien, ist sie aber nach wie vor um ein Vielfaches höher. Die Texte lassen sich grob in zwei große Kategorien einteilen: Entweder “Schumacher wird bald wieder im Formel-1-Wagen sitzen” oder “Das dürfte es bald mit ihm gewesen sein”.

Zwei Beispiele aus Dutzenden.
Beispiel eins: die “Freizeit Express”.

Michael Schumacher - Dramatische Schicksalswende! Muss Corinna leise von ihm Abschied nehmen?

Das Blatt steigt mit einer eklig-kitschigen — und aller Wahrscheinlichkeit nach ausgedachten — Szenenbeschreibung in den Artikel ein:

Tränen schimmern in ihren Augen. Tränen der Verzweiflung. Der Hoffnungslosigkeit. Ihr Blick wirkt starr, fast leer.

Gemeint ist Michael Schumachers Frau Corinna. Und über die fragt die “Freizeit Express” nun, ob sie leise von ihrem Ehemann Abschied nehmen muss. Das Redaktionsteam ist nämlich auf ein Radiointerview mit dem früheren Formel-1-Piloten Philippe Streiff gestoßen, das sich mit all seinen angeblichen Details zu Michael Schumachers Gesundheitszustand wunderbar zu einem Abgesang auf ihn verwursten lässt.

Natürlich muss Corinna Schumacher nicht leise Abschied nehmen von ihrem Mann. Das weiß auch die Redaktion der “Freizeit Express”:

Schumis Managerin Sabine Kehm (46) dementiert: “Philippe Streiff ist weder ein Freund von Michael, noch hat er ihn jemals besucht.” Klare Worte! Gibt es also doch keinen Grund zur Sorge?

Gut kombiniert, Sherlock.

Beispiel zwei: die “Woche heute”.

Endlich gute Nachrichten! Michael Schumacher - Sensationeller Heilungserfolg - Die Liebe seiner Familie hat ein Wunder bewirkt

Das Heft macht große Hoffnungen:

Nun gibt es Neuigkeiten! Sie kommen von Schumis Kindern

Denn Schumachers Sohn gelte “als Mega-Talent in der Rennsportszene”. Und auch seine Tochter feiere beim Westernreiten “größere Erfolge denn je.”

Welchem kranken Vater würde es keinen enormen Genesungsschub geben, wenn die Kinder von ihren Erfolgen erzählen?

Die Reit- und Motorsport-Titel von Michael Schumachers Kindern und die “Liebe seiner Familie” reichen den Quacksalbern der “Woche heute” schon für ihre Diagnose: “sensationeller Heilungserfolg”.

Das ist zwar immerhin positiv. Aber ebenfalls völliger Murks.


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Schlagzeilenbasteln (103)
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Schlagzeilenbasteln (103)

Das tägliche Schlagzeilen-Bootcamp hat wieder geöffnet! Zum Start suchen wir eine Überschrift für folgende Nachricht:

“Volks-Rock’n'Roller” Andreas Gabalier war Ski fahren. Und das etwas zu rasant: “‘Ich war ein bisschen zu schnell unterwegs. Auf einmal standen da drei Securitys und haben mir einen Strafzettel verpasst. Wenn sie mich nochmals erwischen, muss ich eine Nachschulung machen’.”

Andreas Gabalier - Leichtsinnig fordert er das Schicksal heraus - Unglaublich! Will er etwa so enden wie Schumi?

Die Ekel-Herleitung der “Woche der Frau”:

Einen Helm auf dem Kopf sucht man bei dem Österreicher vergeblich! Eine unachtsame Bewegung, ein unkontrollierter Schwung zur Seite, ein kleines Hindernis — und schon könnte er so tragisch enden wie Michael Schumacher (46), der bis heute an den schrecklichen Folgen nach seinem Ski-Unfall im Dezember 2013 leiden muss!

Ist es das nicht verarbeitete Familienschicksal um den Freitod seines Vaters Wilhelm und seiner Schwester Elisabeth? Oder tut er das, um sich selbst wieder zu spüren, Emotionen zu fühlen?


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No-go-Area am Genfersee
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No-go-Area am Genfersee

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um große Gefahren in einem Schweizer Städtchen:

Der Polizei-Bericht erschüttert! Ist Schumi zu Hause nicht mehr sicher?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: “Ist Schumi zu Hause nicht mehr sicher?”, fragt die “Woche der Frau”. Wie kommen die Autoren denn dazu?

Moritz: Genau, die Überschrift auf der Titelseite ist die Frage, die Du gerade erwähnt hast. Ein wichtiger Zusatz ist dabei noch: “Der Polizei-Bericht erschüttert!” Und das ist dann auch die Quelle für die Frage, ob unser Formel-1-Weltmeister-Held nun in Gefahr schwebt. Der “Polizei-Bericht” ist eher eine Pressemitteilung der Polizei und auch schon einige Monate alt. Der erschien im Juli dieses Jahres und nimmt Bezug auf Delikte, die noch weiter zurückliegen, nämlich Ende 2013 und Anfang 2014. Da gab’s in Schumachers Heimatort Gland — das ist ein Städtchen in der Schweiz mit rund 12.000 Einwohnern, also nicht gerade eine Metropole — ein paar Beschwerden über Sachschäden, leichte Körperverletzungen, auch Raub, ein paar Drogendelikte, Betäubungsmittelgesetz und so weiter. Dann hat die Polizei ermittelt und auch 48 Personen festgenommen. Da sind allerdings — und das verschweigt die “Woche der Frau” natürlich sehr gern — 23 Kinder dabei. Sowieso sind von diesen 48 Leuten 46 Jugendliche und Kinder zwischen 17 und 24 Jahren. Zwei Erwachsene gibt’s dann noch, die festgenommen beziehungsweise verhört wurden, weil sie Schnaps an Minderjährige verkauft haben. All das erwähnt die “Woche der Frau” überhaupt nicht. Das Blatt versucht lieber, ein bisschen Angst zu schüren und dadurch eine knackige Schumacher-Geschichte zu bekommen.

In der Psychologie gibt es das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung: Wenn ich erwarte, dass sich jemand auf bestimmte Weise verhält, und ich selbst dann dieses Verhalten zeige, dann spricht man davon. Ist der Artikel der “Woche der Frau” auch so eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Der Artikel ist nun nicht direkt eine Anleitung dazu, wie man Michael Schumacher in Schwierigkeiten bringen könnte, aber es gibt ein paar ganz interessante Hinweise in dem Text. Die “Woche der Frau” schreibt zum Beispiel, dass das Anwesen der Schumachers ja durch den angrenzenden Genfersee und ein Waldstück genau geeignet sei für Verbrecher und Kidnapper, um dort aufs Gelände zu gelangen oder Leute zu entführen. Es wird auch erwähnt, dass Kameras und Sicherheitsmaßnahmen vorhanden seien. Es werden also ein paar ganz interessante Informationen gegeben. Und wenn man die beispielsweise noch mit einer kurzen Google-Bildersuche kombiniert — Fotos von dem Anwesen gibt es nämlich im Internet –, dann kann man sich da schon einige Infos als Krimineller besorgen.

Michael Schumacher war nach seinem Unfall monatelang im Koma und jetzt erholt er sich langsam davon, das dauert natürlich. Die Familie hat ausdrücklich um Zurückhaltung gebeten. Die “Woche der Frau” hat aber, wie auch andere Klatschblätter es tun, wieder darüber berichtet. Ihr beschäftigt Euch jetzt schon seit einer geraumen Zeit mit den Klatschblättern der Republik. Kennt die Regenbogenpresse eigentlich überhaupt irgendwo eine Grenze?

Also gerade der Fall Schumacher ist sehr bezeichnend für die Regenbogenpresse. Die wissenschaftliche Literatur zur Regenbogenpresse sagt immer, diese Hefte seien wie Fortsetzungsromane: Die Lebensgeschichten von Helene Fischer, von Michael Schumacher werden Woche für Woche weitererzählt. Und da gibt es wirklich kein Ende. Während man in den einigermaßen seriösen Medien sehen kann, dass das Thema Schumacher so langsam zu Ende ist und die Familie in Ruhe gelassen wird und erst wieder berichtet wird, wenn sich Michael Schumacher selbst oder jemand aus seiner Familie oder seine Managerin zu Wort meldet, interessiert so eine Bitte die Regenbogenpresse überhaupt nicht. Das zeigt schon ein kurzer Blick auf die aktuelle Woche: Die “Woche der Frau” haben wir mit der Gefahrenlage in Gland ja schon erwähnt. Dann gibt es noch “Das neue Blatt”, das einen Arzt aufgetan hat, der behauptet, dass Schumacher vielleicht “nur noch wenige Monate” bleiben — ohne dass er ihn behandelt. “Die neue Frau” fragt: “Bleibt sein letzter Wunsch unerfüllt?”, weil er einst das Fallschirmspringen und Kunstfliegen für sich entdeckt hat. Da vermutet die Redaktion also, dass er das alles nie mehr machen kann. Und so berichten diese Blätter jede Woche fröhlich weiter, denken sich irgendeinen Quatsch aus, und es ist kein Ende abzusehen.


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Das Rennen um den dümmsten Titel
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Das Rennen um den dümmsten Titel

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um zwei unterschiedliche Schlagzeilen zum selben Ereignis:

Michael Schumacher - Sein Sohn hat ein Wunder vollbracht
Neuer Schock - Michael Schumacher - Nicht auch noch sein Sohn! - Zerbricht er am Schicksal seines Vaters?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: In den Heften der Regenbogenpresse geht’s nicht nur um Promis, sondern auch um deren Familienangehörige. Mehr oder weniger ereignisreiche Geschehnisse werden als große Story verkauft — und gänzlich unterschiedlich interpretiert. Eine der führenden Schlagzeilen dieser Woche dreht sich um den 15-jährigen Sohn von Michael Schumacher, Mick Schumacher. Der ist jüngst beim Kartrennen um die Deutsche Juniorenmeisterschaft gestartet, was die Regenbogenpresse nicht so eindeutig deuten kann — oder will: Laut der “Neuen Post” hat Mick Schumacher “ein Wunder vollbracht”, “Die neue Frau” hingegen titelt: “Neuer Schock — Nicht auch noch sein Sohn!” Was da genau vorgefallen ist auf der Kartbahn, und warum die Regenbogenpresse daraus konträre Schlagzeilen bastelt, darüber kann ich sprechen mit Mats Schönauer, einem der beiden Köpfe hinter topfvollgold. Mats, was war da los auf der Jugend-Rennstrecke, wenn man die mal so nennen darf?

Mats: Tja, da war eigentlich nicht viel mehr los, als dass der Sohn von Michael Schumacher da gefahren ist. Und das interessiert die Medien offenbar brennend. Das war nicht nur Titelgeschichte bei der “Bild”-Zeitung, sondern auch schon seit Tagen in der Regenbogenpresse. Und zwar ist der Sohn von Michael Schumacher, der fährt Kartrennen, bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft Zweiter geworden. Das ist die ganze Geschichte. Interessant ist nicht nur, dass die Medien sich so darauf stürzen, sondern wie gegensätzlich sie das interpretieren. Du sagtest ja schon, die “Neue Post” schreibt: “Sein Sohn hat ein Wunder vollbracht”. Da denken die ganzen Omis wahrscheinlich: “Oh, der Sohn hat irgendwas gemacht, und jetzt geht es Michael Schumacher besser.” Da spielen die Redaktionen schon ganz bewusst mit dem Gesundheitszustand von Michael Schumacher und tun dann so, als hätten sie neue Informationen. In Wirklichkeit geht es in der Geschichte aber tatsächlich nur um dieses Kartrennen.

Also völlig unterschiedliche Geschichten. Man fragt sich, ob die Zeitungen das gleiche Rennen gesehen haben. Wie kommt es dazu, dass daraus diese völlig unterschiedlichen Headlines entstehen?

Die nehmen sich einfach eine Nachricht und drehen die dann so, wie es gerade passt. Die “Neue Post” wollte dann wahrscheinlich mit einer schönen Geschichte locken auf dem Cover und hat’s sich dann so zurecht gedreht, dass sie da was Positives titeln kann. Die Redaktion interpretiert jetzt einfach, dass der Sohn Zweiter geworden ist, als “Wunder”, oder vielmehr sieht sie es als hypothetisches Wunder, das noch kommen könnte. Die Mitarbeiter haben nämlich noch einen Arzt gefragt, und der sagt: Bei Komapatienten ist es immer von Vorteil, wenn es gute Nachrichten gibt, da könnte sich dann der Gesundheitszustand verbessern. Und diese Möglichkeit reicht dem Blatt schon, um daraus ein Wunder zu stricken. “Die neue Frau” und andere Hefte dachten sich: Da machen wir eine schlimme Nachricht raus. Die haben es so gedreht: “Nicht auch noch sein Sohn!” Die Redaktion suggeriert auf dem Titel, es gäbe eine ganz schlimme Nachricht, als sei der Sohn vielleicht auch verunglückt. Aber da geht’s dann einfach nur darum, dass er nur Zweiter geworden ist und dass beim Kartfahren ja sowieso viele Gefahren drohen. Die drehen sich die Geschichte so zurecht, wie sie es gerade mögen, und dann picken sie sich die Fakten raus und überdrehen sie solange, bis sie so eine Schlagzeile bringen können.

Es war auch noch etwas Anderes zu lesen: Er wurde “nur” Zweiter und er rastete aus. Was ist das denn für ein gefundenes Fressen?

Ich habe das Rennen selbst nicht gesehen, deswegen weiß ich nicht, ob es stimmt. Aber “Die neue Frau” schreibt einfach, dass er sich darüber geärgert habe, dass er nur Zweiter geworden ist, was ja erstmal verständlich ist. Und dann soll es auch noch eine Rangelei gegeben haben. Das formuliert das Blatt aber auch schon so vage, dass ich es überhaupt nicht abkaufe. Selbst wenn er sich darüber geärgert hat, nur Zweiter geworden zu sein — man darf es nicht so überbewerten, wie die Hefte es tun. Es kam denen natürlich ganz gelegen, wenn es tatsächlich so passiert ist, weil sie daraus dann so etwas Negatives stricken konnten.

“Die neue Frau” hat ja sogar geschrieben, dass dieser Ausraster am schlechten Gesundheitszustand seines Vaters liegt. Stellt sich die Frage: Darf man als Familienangehöriger und als 15-jähriger Teenager eines Promis überhaupt noch normal — sprich emotional — durchs Leben spazieren?

Natürlich darf man das. Das Problem ist aber, dass dann an jeder Ecke Fotografen lauern, die das festhalten, und noch schlimmer: Dass die Regenbogenautoren in ihren Redaktionen sitzen und aus diesen Fotos und Videos solche Geschichten stricken. Ich finde, das ist eine große Unverschämtheit. Ich frage mich sowieso, welches Intresse die Öffentlichkeit daran hat, ob der Sohn von Michael Schumacher jetzt ein guter Rennfahrer ist oder nicht. Darüber kann man natürlich berichten, aber dass es dann solche großen Titelgeschichten werden, finde ich unangebracht — auch schon bei der “Bild”-Zeitung. Und wenn dann die Regenbogenpresse noch solche Geschichten daraus strickt und das so perfide verbindet mit dem Gesundheitszustand von Michael Schumacher und solche Gerüste sich strickt, wie das alles miteinander zusammenhängen könnten, und dann noch solche lockenden Schlagzeilen auf die Titelseiten packen, dann ist das eine ziemliche Frechheit. Aber es lässt sich momentan ja leider nicht groß ändern.

Und es hilft in diesem Fall offenbar auch nicht, dass der Sohn von Michael Schumacher unter dem Mädchennamen seiner Mutter fährt — also gar nicht als Schumacher startet.

Eben. Daran erkennt man schon, dass sie damit gar nicht in Verbindung gebracht werden wollen, aus welchen Gründen auch immer. Das gelingt leider nur mittelmäßig, wenn die Medien das einfach ignorieren und daraus große Titelgeschichten basteln.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

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Laufendes Unheil
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Laufendes Unheil

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um eine “Sensationelle Prognose” in der “Freizeitwoche”:

Fernheilung? Michael Schumacher - Sensationelle Prognose - Kann dieser Arzt ihn wirklich ganz gesund machen?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Moritz, heute hast Du nicht weniger als ein Wunder mitgebracht. Was ist da los?

Tatsächlich ein großes Wunder. Die “Freizeitwoche”, ein Heft, das jede Woche auf dem Regenbogenmarkt erscheint, hat eine Wunderheilung bei Michael Schumacher ausmachen können. Sie steht noch nicht ganz fest, aber die Chancen stehen nicht schlecht und, ja, es könnte bald soweit sein, dass er komplett geheilt ist.

Daran Anteil hatte vor allen Dingen eine interessante Person, möchte ich mal sagen.

Der Artikel hat eine ganz zentrale Person, nämlich Dr. Wolfgang Krüll. Das ist jemand, den man so erstmal nicht kennt, aber die “Freizeitwoche” stellt ihn uns gerne vor. Denn Dr. Krüll ist in gewisser Weise ein Wunderheiler, indem er jeden Tag im Schnitt bis zu 50 Kilometer läuft, also eine längere Strecke als einen Marathon jeden Tag.

Wer kann, der kann …

Genau, der sieht auch fit aus auf dem Foto, ein drahtiger Typ. Und das Ganze nennt er den “‘Healing-Run’”, übersetzt also in etwa “Genesungslauf”. Dr. Krüll sagt selber, er setzt beim Laufen so viel Energie frei, die kann er ohne Probleme Michael Schumacher schicken. Und das hilft dann richtig beim Genesungsprozess des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters.

Also die Energien werden dann rübergesendet, wenn er läuft.

Ob das nun permanent geschieht, also direkt parallel rübergesendet wird, oder ob er sie während des Laufens sammelt und dann als eine Ladung schickt — das weiß ich nicht. So sehr geht der Artikel auch nicht ins Detail. Aber eine wichtige Voraussetzung hat Dr. Krüll schon geschaffen: Er hat auch Michael Schumacher Bescheid gesagt, dass er ihm diese Energie schicken wird. Denn das, sagt Krüll, ist eine wichtige Voraussetzung, dass derjenige, der die Energie gesendet bekommen soll, auch weiß, dass da was kommt, und das dann auch annehmen kann.

Kennen sich die beiden denn gut, Schumi und der Zauber-Arzt?

Nun ja, das kann ich von meiner Position aus schwer einschätzen. Der Zauber-Arzt selber sagt “ja”. Er meint auch, schon seit einer ganzen Weile Michael Schumacher zu kennen, als er nämlich mal beim “Westdeutschen Rundfunk” war. Da hat er den Nürburgring besucht und dort Schumi getroffen. Und er sagt, daraus habe sich “‘eine Art Freundschaft entwickelt’”. Das ist vielleicht etwas fragwürdig, weil er direkt im Anschluss erzählt, dass er sich ins Klinikum in Grenoble in gewisser Weise als Arzt einschleichen musste, um Schumi vom “Healing-Run” zu erzählen. Ein richtiger Freund, denke ich, dürfte auch so ans Krankenbett kommen. Aber Herr Krüll musste sich dort einschleichen. Also so ganz geheuer ist mir das nicht.

Gibt es denn irgendwelche Belege für diese innige und enge Freundschaft — ein Foto der beiden gemeinsam, ein Zitat von Schumi, irgendwas?

Weder noch. Also wenn es so etwas gibt, dann hat die “Freizeitwoche” es nicht dokumentiert. Nein, vermutlich gibt’s das nicht. Im Gegenteil: Auf mich wirkt die Beziehung sehr einseitig. Auch wenn man sich den Twitter-Account dieses Arztes mal anguckt. Da dokumentiert er nämlich den “Healing-Run” jeden Tag. Und das wirkt ansatzweise etwas fanatisch. Er malt auch Bilder für Michael und Corinna Schumacher, schreibt dann “ewige Liebe” und “Leidenschaft” drauf. Er scheint Michael Schumacher sehr zu verehren und freut sich dann wohl, mit seinem “Genesungslauf” einiges beitragen zu können, dass es Schumi bald besser geht.

Normalerweise besprechen wir hier oft Fälle, in denen unmittelbar jemandem geschadet wird, Lügen, Intrigen verbreitet, Gerüchte oder auch Sachen aus der Privatsphäre. Der Artikel ist schon besonders interessant, weil das hier nun alles nicht der Fall ist. Ist es deswegen vielleicht besonders perfide?

Wir finden immer, dass diese Lügengebilde der Regenbogenpresse direkt erstmal den Prominenten schaden, um die es da geht und über die falsche Sachen behauptet werden. In diesem Fall ist es jetzt nichts Rufschädigendes über Michael Schumacher. Man darf aber auch nicht vergessen, dass ein permanenter Betrug am Leser stattfindet, dass der Leser und die Leserin übers Ohr gehauen werden. Bei diesem Artikel muss man bedenken, dass die “Freizeitwoche” die Geschichte zur großen Titelgeschichte macht, “Sensationelle Prognose” rüberschreibt und der geneigten Leserin vermittelt: Hier, wir haben eine tolle Geschichte über Michael Schumacher, greif mal zu, kauf mal — und wieder ein bisschen was von der Rente weg. Das ist unserer Meinung nach wieder ein typischer Fall vom Betrug am Leser, den wir gern dokumentieren wollen.

Jetzt geht es Michael Schumacher zwar besser, aber noch lange nicht gut. Vor seinem Unfall, wie ist der denn so mit der Boulevardpresse umgegangen? War er eher ein schwieriger oder ein dankbarer Promi?

Ich vermute mal, aus Sicht der Boulevardpresse und der Regenbogenblätter: eher schwierig, weil sie früher nichts über ihn gebracht haben. Das ist ein Prominenter, der etwas zurückgezogener in der Schweiz lebt und da keine großen Skandale hat. Dementsprechend taugt er nicht für die großen Schlagzeilen. Wir haben in der Zeit, in der wir die Regenbogenpresse beobachtet haben, vor dem Ski-Unfall von Michael Schumacher ihn nie so richtig wahrgenommen. Er ist eigentlich erst mit seinem Unfall Ende Dezember in der Regenbogenpresse aufgetaucht.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s am Montag immer hier bei uns im Blog zum Nachhören.

Und unter diesem RSS-Link gibt’s das Ganze als Podcast.


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Kein Mikro-Chip in Schumacher
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Kein Mikro-Chip in Schumacher

Bei der “Freizeitwoche” ärgern sich die Mitarbeiter schwarz. Sie haben doch tatsächlich etwas Falsches berichtet, Kruzifix nochmal! In dieser Titelgeschichte über Michael Schumacher ist es ihnen passiert:

Michael Schumacher - Endlich! - Kommt er noch in diesem Sommer nach Hause?

Und weil das alles wirklich blöd gelaufen, und die Redaktion auch nur “einer Fehlinformation aufgesessen” sei, druckt sie in ihrer aktuellen Ausgabe eine “Berichtigung”:

Berichtigung - In der Ausgabe Nr. 32 vom 30. Juli 2014 haben wir unter Bezugnahme auf einen Artikel der englischen Zeitschrift "Daily Mail" berichtet, dass die Familie von Michael Schumacher kroatische Neurologen kontaktiert habe, damit Michael Schumacher nach deren revolutionärem Mikro-Chip-Verfahren behandelt werde. Tatsächlich gab es einen solchen Kontakt nicht. Eine Behandlung durch die besagten Ärzte ist also nicht geplant, Herrn Schumacher soll auch kein solcher Mikro-Chip implantiert werden. Wir bedauern, dass wir einer Fehlinformation aufgesessen sind. Rastatt, 21. August 2014 - Freizeitwoche Verkag GmbH & Co. KG

Hört mal, alte Bedauerer der “Freizeitwoche”, uns fallen spontan zwei mögliche Maßnahmen ein, um solchen Stuss von vornherein zu vermeiden: nachfragen oder nachdenken. Weder das eine noch das andere scheint zu Eurem Standard-programm zu zählen.

Durch die Berichtigung dürfte das Heft jedenfalls einer Gegendarstellung zuvor-gekommen sein. Die hätte dann hässlich und wenig verkaufsfördernd auf dem Cover prangen können.

Wie so eine verschandelte Titelseite aussieht, zeigt “Das neue Blatt” eindrucksvoll und gleich mehrfach. Die Redaktion hatte über Eheprobleme von Doris Schröder-Köpf und Gerhard Schröder spekuliert. Das fanden der frühere Bundeskanzler und seine Ehefrau offenbar nicht ganz so witzig. “Das neue Blatt” musste in der digitalen Ausgabe die Schlagzeile verdecken:

Mit weißer Fläche versehenes Cover von "Das neue Blatt"

Und auch Günther Jauch ging gegen “Das neue Blatt” vor. Die Mitarbeiter titelten einst, “Das verheimlichte Alkohol-Drama” des TV-Moderators “enthüllt” zu haben. Die Geschichte hatte für sie auch kein so richtig gutes Ende — sowohl auf dem Cover der Digitalausgabe …

Mit weißen Flächen versehenes Cover von "Das neue Blatt"

… als auch im Heftinneren mussten sie reichlich weiße Flächen montieren:

Mit weißen Flächen versehener Artikel über Günther Jauch.

Die Anwaltskanzlei, die Günther Jauch vertritt, bestätigte uns, dass derzeit ein Verfahren gegen das Bauer-Blatt läuft.

Gegen die “Woche der Frau” von der Mediengruppe Klambt war die Kanzlei bereits erfolgreich: Das Heft musste in seiner vergangenen Ausgabe (Nummer 35) eine Gegendarstellung abdrucken.

In der aktuellen Ausgabe (Nummer 36) muss die “Woche der Frau” eine weitere Gegendarstellung des Moderators bringen:

Gegendarstellung - In "Woche der Frau" vom 13. August 2014 heißt es auf Seite 11 in einem Artikel mit der Überschrift "Böses Spiel mit Günther Jauch - Als Lockvogel missbraucht!" in Bezug auf eine Werbeanzeige für die FAZ: "Ob er das Geld dafür auch spendete? Gut möglich." - Hierzu stelle ich fest: Ich habe für die FAZ-Werbeanzeige kein Honorar erhalten. Potsdam, den 18. August 2014 - Günther Jauch - Günther Jauch hat Recht. Die Redaktion

All die eigenen Fehler und die daraus resultierenden rechtlichen Auseinander-setzungen hindern die “Woche der Frau” aber nicht daran, auch in dieser Ausgabe wieder groß über Jauch zu titeln. Mehr dazu gibt’s am Wochenende Montag — in der neuesten Ausgabe topfvollgold zum Hören.


Mit Dank an Stefan N. für den Hinweis.


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Schlagzeilenbasteln (101)
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Schlagzeilenbasteln (101)

Judith (27) aus Aachen ist ein großer Fan von Günther Jauch. Sie hat ihn zwar noch nie getroffen, aber sie findet ihn total toll.

Berührende Momente - Günther Jauch - So glücklich macht er diese junge Frau

Schon, wenn sie sich nur ein Foto von ihm ansieht, ist alles gut. Dann vergisst Judith (27) aus Aachen die Welt um sich herum, dann gibt es nur noch sie und ihn. Ihr Gesicht wird ganz weich, ihr Herz hüpft, sie strahlt und lacht, Ärger und Stress der ganzen Wochen sind sofort vergessen. Ja, Günther Jauch (58) macht die junge Frau einfach glücklich. Kein Wunder, der Fernseh-Star ist ja auch ein Traummann. Berühmt und trotzdem nicht eingebildet. Unterhaltsam und schlagfertig. Und dann diese Augen. So offen und klug, so lebenserfahren, dass sie einem direkt ins Herz zu sehen scheinen. Solche Menschen trifft man nicht oft.


Daniela Katzenberger hat in einem Interview gesagt, dass sie keine Klotür habe. Denn: “Das Problem ist, dass da Regale stehen, in denen ich meine 150 Handtücher aufbewahre, die ich in Hotels gemopst habe oder die mir geschenkt wurden.”

Das Geständnis - Daniela Katzenberger - Aus Geiz wurde sie zur Diebin - Wenn's ums Geld geht, ist sie sich wohl für nichts zu schade

(“Die neue Frau”)


König Felipe von Spanien ist neulich mit ein paar Kumpels in Madrid feiern gegangen.

König Felipe - Ist er doch so ein Hallodri wie sein Vater?

(“Die neue Frau”)


Jörg Pilawa wurde in einem Interview gefragt, wie er eigentlich das Haus ordentlich halte, immerhin hat er vier Kinder. Pilawa antwortete: “Wer sagt denn, das [sic] es ordentlich ist? Sie glauben doch nicht, dass man Ordnung in einem Haus mit vier Kindern hat. Bei mir zu Hause herrscht das Chaos.”

Jörg Pilawa - Bewegendes Geständnis

(“frau aktuell”)


Michael Schumacher bekommt in der Reha angeblich Unterstützung von Kai Schnapka. Der ist Physiotherapeut und mit Schumacher seit dessen Formel-1-Zeit befreundet.

Michael Schumacher - Vollbringt sein bester Freund das neue Wunder?

(“Neue Post”)

Michael Schumacher - Sein bester Freund bewirkt ein Wunder - Freudentränen auf der Reha-Station

Sensationelle Neuigkeiten aus der Reha - Michael Schumacher - Die 1. Schritte! Unsere Gebete wurden erhört

Michael Schumacher - Wunderbare Fortschritte - Freudne bestätigen: "Es geht alles viel schneller als erhofft!"

(Dieses Zitat kommt im Artikel übrigens gar nicht vor. Vermutlich ist es frei erfunden.)


Angela Merkel und ihr Mann waren im Urlaub.

Diese Bank rettete die Kanzler-Ehe

(“die aktuelle”)

Einsames Wandern im Regen, Wortlosigkeit. Aber dann kam eine Bank. Eine Bank, die vielleicht die Kanlzer-Ehe gerettet hat. Endlich konnte sich das Paar aussprechen — in aller Ruhe.


Die Schauspielerin Christiane Hörbiger hat in einer Talkshow gesagt, dass sie römisch-katholisch erzogen worden sei, aber mit der Bibel nicht wirklich zurechtkomme. Daraufhin schrieb irgendwer auf ihrer Facebook-Seite: “Ich würde Ihnen die ‘Neue-Welt-Übersetzung’ der Zeugen Jehovas empfehlen.”

Sie wirkt so verändert - Christiane Hörbiger - Findet sie bei einer Sekte ein neues Glück?

(“Die neue Frau”)


Der Schauspieler Thorsten Nindel ist an Krebs erkrankt. Er hat mal in der “Lindenstraße” mitgespielt und ist mit Schauspiel-Kollegin Saskia Valencia zusammen.

Saskia Valencia - Tränen um ihre große Liebe - Kann ihr Ex-Freund sie jetzt trösten?

(“Die neue Frau”)


Die angebliche neue Freundin von Prinz Harry sieht seiner Schwägerin (Herzogin Kate) sehr ähnlich.

Prinz Harry - Jetzt hat er seine eigene Kate!

(“das neue”)


Und jetzt aufgepasst! Die Frau von Joachim von Dänemark sieht seiner Schwägerin (Prinzessin Mary) auch sehr ähnlich.

Harry Windsor und Joachim von Dänemark - Lieben sie heimlich ihre Schwägerinnen?

(“Schöne Woche”)


In der Ukraine ist Flug MH17 abgestürzt. Viele niederländische Passagiere kamen dabei ums Leben.

Neue Tragödie schockt Holland - Maxima & Willem-Alexander - Ehe in Gefahr! - Jetzt müssen sie um ihr Glück kämpfen
Der Artikel beginnt so:

Nur selten brechen Ehekrisen wie plötzliche Unwetter über ein Paar herein. Meist zeigen sich erst einige Wolken am Himmel, dann werden es immer mehr – bis schließlich ein Dauerregen des Zweifels das Fundament des gemeinsamen Glücks unterhöhlt. Auch bei Maxima (43) und Willem-Alexander (47) scheint nun eines zum anderen zu kommen. Die neue Tragödie um die 193 niederländischen Todesopfer beim Flugzeugabschuss über der Ukraine ist eine weitere Belastung. Und viele Holländer fragen sich schockiert, ob die Liebe der beiden nun zerbrechen könnte.


Und zum Schluss mal andersherum. Welche Geschichte verbirgt sich wohl hinter folgender Schlagzeile der “frau aktuell”?Stefanie Hertel - Skandal an ihrem Geburtstag

Ihr Freund konnte nicht mitfeiern, weil er einen Auftritt hatte.


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Genau wie bei Prinz Friso (6)
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Genau wie bei Prinz Friso (6)

Der Wahnsinn hört nicht auf. Die Flut von Schumacher-Artikeln ist gewaltig. Trotzdem — oder gerade deswegen — wollen wir sie zumindest ansatzweise dokumentieren.

Darum hier zwei Beispiele, Anfang der Woche willkürlich aus dem Regal gepickt.

Die “Freizeit Revue” hat in einem kurzen Anflug von Journalismus tatsächlich mal bei Schumachers Familie nachgefragt, ob es denn was Neues gebe.

Schumachers Managerin Sabine Kehm antwortete:

“Sicher wissen Sie aus den vergangenen Monaten, dass ich grundsätzlich weder Zwischenstände über den Heilungsverlauf von Michael gebe noch Angaben zu privaten Themen mache.”

Schlagzeile?

Michael Schumacher - Endlich nach Hause! - In dieser Klinik kann er wieder sprechen lernen

Die “Freizeit Revue” will nämlich “vor Ort” erfahren haben, dass Schumacher in eine andere Klinik verlegt werde. Sabine Kehm wollte auf diese Spekulation “Information” zwar nicht eingehen, aber das hindert die “Freizeit Revue” nicht daran, sie trotzdem breitzutreten. Schließlich sei die “idyllisch gelegene Privat-Klinik” mit ihrer modernen Ausrüstung und ihrem tollen Team perfekt für “Patienten wie den Formel-1-Champion”.

Und das Beste: Sie liegt nur zwei Kilometer vom Schweizer Anwesen der Familie entfernt.

Wahn! Sinn!

Zweites Beispiel: Die “Woche der Frau”. Die hat auch eine Klinik gefunden, die “perfekt” für Schumacher wäre (weil sie “auf Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma spezialisiert” und “nicht zu weit weg von Schumis Zuhause entfernt” sei), allerdings eine ganz andere als die “Freizeit Revue”. Aber das ist nur ein Nebenaspekt des Textes. Eigentlich geht es um etwas ganz anderes.

Der Artikel beginnt so:

Der tägliche Gang zum Briefkasten ist für die meisten Menschen so normal wie die Tasse Kaffee zum Frühstück. Ein junger Mann aus Irland aber erlebte dabei gerade die Überraschung seines Lebens. In dem täglichen Stapel aus Werbung und Briefen nämlich befand sich — Post von Schumi!

Ein brauner Umschlag, abgestempelt am 7. Mai in Gland (Schweiz). Darin: Autogramme von Michael Schumacher (45)!

Der Ire hatte im November bei Schumachers Management um Autogramme gebeten. Die bekam er erst jetzt, wurde aber darauf hingewiesen, dass sie aus dem vergangenen Jahr stammen.

Für die “Woche der Frau” ist das alles ein untrügliches Zeichen.

Und das macht so viel Hoffnung! Fast scheint es ja, als ginge der “normale Fanbetrieb” wieder los. Würden seine Familie und sein Management das zulassen, wenn sie nicht fest davon ausgingen, dass Michael wieder gesund wird?

So eine Entscheidung fällt man nicht, wenn man zweifelt. Man fällt sie voller Optimismus. Der braune Briefumschlag, der gerade von Schumis Schweizer Büro aus den Weg nach Irland fand, wirkt da wie ein Versprechen, das so viel Hoffnung macht.

Was für ein berührender Moment: Post von Schumi!

Zwei Geschichten von Dutzenden, eine bekloppter als die andere. Der Wahnsinn hört nicht auf.


Siehe auch:
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Schlagzeilenbasteln (90)
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Schlagzeilenbasteln (90)

Welche Geschichte könnte hinter dieser Schlagzeile der “Neue Post” stecken?

Schock! Michael Schumacher - Drama um seinen kleinen Bruder

Es ist ein Bild aufgetaucht, auf dem Ralf Schumacher graue Haare und ein paar Falten hat. Da kippen “Neue Post”-Mitarbeiter schnell mal aus den Latschen: “Wir sehen ein Foto von Ralf Schumacher (38) — und sind schockiert!”


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Genau wie bei Prinz Friso (5)
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Genau wie bei Prinz Friso (5)

stapel2Das sind die Hefte mit Michael-Schumacher-Schlagzeilen, die wir bisher gesammelt haben. Und dabei kriegen wir mit Sicherheit nicht jeden Artikel mit. Dennoch: Der Stapel wächst mit jeder Woche. Der Wahnsinn will einfach kein Ende nehmen.

Seit fünf Monaten führen die Redaktionen die Leser immer wieder in die Irre. Auf ihren Covern suggerieren sie, es gebe Neuigkeiten zu Schumachers Gesundheitszustand — “Neue Hoffnung”, “Neue Sorgen”, “Medizinische Sensation”, “Die ersten Schritte”, “Tränen-Tragödie”. Und wie immer steckt dahinter: nichts. Nur Gerüchte und Spekulationen und die Fantasie der Autoren.

Einer der beliebtesten Tricks geht so: Irgendein Mediziner hat irgendwann mal irgendwas zum Thema “Koma” gesagt. Zum Beispiel:

“Es gibt Fälle, in denen die Patienten nicht mehr wissen, wer die Familie ist.”

Und zack:
Lieber Gott, lass es nicht wahr sein! - Corinna Schumacher - Erkennt ihr Michael sie nicht mehr?

Oder: Ein Arzt, “der Schumis Ärzte in Grenoble gut kennt”, soll gesagt haben, dass “theoretisch” die Chance bestehe, dass Schumacher “wieder Auto fährt”. (Warum auch immer.)

Zack:
Michael Schumacher - Überraschende Prognose - Es gibt die Chance, dass er wieder Auto fährt

Einige der zitierten Mediziner wissen wahrscheinlich nicht mal, dass sie (oft auch mit Foto) in den Heften auftauchen. In manchen Fällen wurden die Aussagen offenbar einfach aus anderen Quellen übernommen.

Oft wird das Geschwafel noch mit einer dicken Schicht aus Kitsch und geheucheltem Mitleid überzogen, wobei dann solche Geschichten entstehen:Michael Schumacher - Tränen-Tragödie! - Ausgerechnet jetzt! Wie soll die Familie das verkraften?

Der Artikel handelt davon, dass es Corinna Schumacher jetzt ziemlich schlecht gehen muss, obwohl sie so viel Geld hat.

Im Innern lautet die Überschrift:Das Tränen-Paradies der verlorenen Träume

Und womit beginnt ein solcher Artikel? Na klar:Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. (Bibel, 1 Korinther 13)

Aber es sind nicht nur die Mediziner und die Bibel, die für die Spinnereien der Regenbogenpresse herhalten müssen. Die “Freizeitwoche” etwa bedient sich noch ganz anderer Quellen. Vor Kurzem versprach sie auf dem Cover ebenfalls neue Informationen:Michael Schumacher - Wie geht es ihm wirklich? - Jetzt gibt es ungewöhnliche Neuigkeiten

Es gebe “neue Anzeichen für eine positive Wende”, schrieb das Blatt.

– und zwar aus dem Universum!

Denn der “FREIZEITWOCHE-Astrologe Michael Waha (50)” hat in die Sterne geschaut und “einen Ausblick in die Zukunft” gegeben. Im Ernst:

Der Planet Mars sorgt ab Juli für deutliche Fortschritte beim Heilungsprozess. Weitere Glücksaspekte werden diese Entwicklung im Herbst unterstützen. Es besteht Hoffnung auf eine nachhaltige Stabilisierung des Gesundheitszustands, vor allem ab Ende Juli. Dann wandert Mars in das Sternzeichen Skorpion. Ob Michael vollständig geheilt wird, ist unklar. Folgeschäden können nicht ausgeschlossen werden.”

Prognosen aus dem Universum, Bibel-Zitate, Ferndiagnosen — so geht das jede Woche. Für die kommenden Schlagzeilen haben die Kaffeesatzleser und Pendelschwinger bestimmt schon die Tarotkarten zurechtgelegt.


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Jetzt auch noch seine Kinder
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Jetzt auch noch seine Kinder

Es gibt nichts Neues über Michael Schumacher und seinen Gesundheitszustand. Es gibt aber die große Gier der Regenbogenredaktionen, neuen Mist zu verbreiten. Die Kombination aus beidem führt zu so etwas:Michael Schumacher - Berührende Momente - Bewundernswert, wie seine Kinder ihr Schicksal meistern

Während sich die Berichterstattung der Hefte bisher um Michael und Corinna Schumacher drehte, verschiebt die Regenbogenpresse nun ihren Fokus Richtung Kinder des Paares. Aus den richtig üblen Artikeln werden jetzt die richtig, richtig üblen.

Die “Freizeit Spaß” fantasiert sich beispielsweise in die Gedankenwelt von Gina-Maria und Mick Schumacher:

Sie sind so sportlich wie ihr Vater, treten bei internationalen Wettbewerben an. Und wenn Gina Maria und Mick auf dem Siegerpodest stehen, dann ist ihr Erfolg dem schwer kranken Papa gewidmet

Vor einiger Zeit fuhr Sohn Mick bei einem Kart-Rennen auf einen vorderen Platz. Ein italienisches Magazin hat auf dem Treppchen ganz genau hingehört. Und die “Freizeit Spaß” schreibt lechzend ab:

Bei der Siegerehrung blickte Mick zum Himmel, streckte die Arme nach oben. “Ich hoffe, dass ich Papa bald meine Emotionen erzählen kann, die ich heute empfunden habe”, sagte der Blondschopf, so das Magazin “gente”.

Der Artikel der “Freizeit Spaß” ist eine Lobeshymne auf die Kinder von Michael Schumacher. Mick arbeite “[d]iszipliniert” an seiner “Kart-Karriere”, Gina-Maria sei eine “hübsche junge Frau”, die “für ihren geliebten Papa” “mit Bravour” Reitturniere gewinne.

Und so könnte auch die Rechtfertigung der Redaktion aussehen: Ach, was ist denn schon dabei, wenn wir über Schumis Kinder schreiben? Wir finden es doch so bewundernswert, wie sie ihr Schicksal meistern.

Auf die Idee, dass man die minderjährigen Kinder eines Prominenten, die sich nicht aussuchen konnten, die Nachfahren eines siebenfachen Formel-1-Weltmeisters zu werden, und deren Vater seit vier Monaten im Koma liegt, einfach mal in Ruhe lassen könnte, sind sie bei der “Freizeit Spaß” offenbar nicht gekommen. Und auch nicht darauf, dass es dabei völlig egal ist, ob es positiver oder negativer Schund ist, den man über sie schreibt. Es stört diese Leute ja nicht einmal, ein unverpixeltes Foto von Schumachers Tochter zu drucken.

Diese ganzen Grässlichkeiten übertrifft dann nur noch “Die Aktuelle”, die Smith & Wesson 500 unter den Revolverblättern:

Michael Schumacher - Jetzt auch noch sein Sohn! - ++ Mick Schumacher: Es passierte beim Kart-Rennen ++ Der Schock! Wie soll Corinna das alles nur verkraften? ++(Unkenntlichmachung von uns.)

Das Blatt spielt mit der Andeutung, dass nicht nur Michael Schumacher einen Unfall hatte, sondern auch Sohn Mick:

Wie soll Corinna das alles nur verkraften? Ihr Mutterherz wird keine Ruhe mehr finden. Fast hätte sie ihren Mann verloren. Was, wenn sie jetzt den Sohn verliert?

Anlass für diese Wahnvorstellungen ist ein Kart-Rennen im Februar vergangenen Jahres, also gut zehn Monate vor Michael Schumachers Ski-Unfall:

Letztes Jahr muss ihr das Blut in den Adern gefroren sein. Mick fuhr ein Kart-Rennen, den “Winter Cup Lonato” in Italien. Plötzlich der Schock! Ihr Junge kollidierte mit einem anderen Kart. Ein Horror-Szenario! Aber: Micks Schutzengel hatte Überstunden gemacht. Nichts passiert — der Blondschopf kletterte unverletzt aus seinem Kart. Aber diese Bilder haben sich tief in Corinnas Seele eingebrannt. Ein Film, der ihr gerade jetzt den Schlaf rauben wird. Jedes Rennen kostet sie Nerven, Kraft. Weil eine Mutter immer Angst hat. Weil das Böse überall lauert.

Vor allem in “Die Aktuelle”.


Mit Dank an Harald M. für den Hinweis.


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Michael Schumacher
in der Regenbogenpresse

Michael Schumacher
in der Regenbogenpresse

Sie schauen gerade “Günther Jauch”? Das trifft sich gut.

Wir haben nämlich mal ein paar Links zum Thema Michael Schumacher zusammengestellt.

Hier können Sie nachlesen, wie die Regenbogenpresse kurz nach dem Unfall reagiert hat:

Hier geht es zu den Fortsetzungen:

Und hier haben wir neulich mal alle Schumi-Schlagzeilen, die wir bisher gefunden haben, dokumentiert:

Und wenn Sie sich fragen, was dieser Prinz Friso eigentlich mit der ganzen Sache zu tun hat:

Seit unserem letzten Schumi-Eintrag sind ein paar Tage vergangen. Die Regenbogenpresse hat derweil munter weitergeschossen. Das sind die Schlagzeilen, die wir allein in dieser Woche entdeckt haben:Michael Schumacher in der Regenbogenpresse

“Herzlos”. Das trifft es ganz gut.

PS: Nebenan im BILDblog können Sie nachlesen, wie die “Bild”-Zeitung über Michael Schumacher berichtet.


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Genau wie bei Prinz Friso (4)

Genau wie bei Prinz Friso (4)

Es ist endlich ruhiger geworden um Michael Schumacher. Die (halb-)seriösen Medien haben vor einer Weile von ihm abgelassen, selbst “Bild” hält die Füße still, und nur vereinzelt wird noch berichtet, dass es nichts zu berichten gibt.

Eine Ausnahme ist “Focus Online”, wo auch heute noch jeden Tag (!) jede Nicht-Nachricht gleich im “News”-Ticker rumposaunt wird (“der Verkäufer im Krankenhauskiosk will nichts sagen”), aber dort würden sie für ein paar Klicks ja sowieso alles machen.

Insofern ist es schon ein bisschen scheinheilig, dass sich ausgerechnet “Focus Online” jetzt über die Schumi-Berichterstattung der Regenbogenpresse aufregt — und dass ausgerechnet die Nutzer von “Focus Online”, die den Schumi-Live-Ticker schon seit Monaten dermaßen gierig anklicken, dass er womöglich als einer der meistgelesenen Artikel in die Geschichte des deutschen Onlinejournalismus eingehen wird, ganz “entsetzt” sind von dem, was die Regenbogenpresse da gemacht hat.

Andererseits ist “Die Aktuelle”, deren aktuelles Titelblatt bei “Focus Online” für so viel Empörung sorgt, in der Tat nochmal ein anderes Kaliber. Das Blatt ist ein gedruckter Schumi-Live-Ticker im Wochenformat, nur noch informations-, niveau- und skrupelloser.

Auf ihrem aktuellen Cover suggeriert “Die Aktuelle” — das machen die Regenbogenhefte ohnehin sehr gerne –, Schumacher sei aufgewacht:Das Schumi-Schicksal - Aufgewacht!

Erst die Unterzeile erklärt, was wirklich dahintersteckt: Nicht Schumacher ist aus dem Koma erwacht, sondern irgendwer irgendwann mal. Aufgewacht! - ++Drei Menschen berichten: Wie es ihnen erging, als sie aus dem Koma erwachten ++ Plus: Schumis Fortschritte, die neueste Entwicklung, die neuen Sorgen

Es ist einer der billigsten und beliebtesten Tricks der Regenbogenpresse: In der großen Überschrift etwas zu verkünden, das im Kleingedruckten aber entschärft oder relativiert wird:[Kleine Überschrift:] Am Ende kann nur diese Entscheidung stehen [Große Überschrift:] Sie holt ihn heim!(Manchmal kommt es uns übrigens so vor, als würden die Blätter einfach nur ihre Friso-Schlagzeilen recyceln.)

Auch “Das goldene Blatt” nutzt diese Masche:[Kleine Überschrift:] Alle hoffen auf [Große Überschrift:] DAS WUNDER! Einige sparen sich aber auch die Mühe und Skrupel und verkünden das “Wunder” ganz ohne Einschränkungen:Michael Schumacher - Das Wunder! - Corinnas Liebe hat ihn gerettetMichael Schumacher - Das Wunder! - Sensationell, welche Fortschritte er macht

Beide Titelgeschichten beziehen sich lediglich auf ein Statement von Schumachers Managerin, die mitgeteilt hatte, dass es “immer wieder kleine Anzeichen” gebe, “die uns Mut machen”.

Den Teil des Statements, in dem sie schreibt, …

dass dies eine sehr intime und auch fragile Angelegenheit für Michaels Familie ist. Und dass Michael ein Mann ist, der sein Privatleben und seine Familie in all den Jahren aus der Öffentlichkeit heraus gehalten und konsequent geschützt hat.

… zitieren die Regenbogenblätter natürlich nicht.

Und so läuft es seit drei Monaten nach den immer gleichen Mustern ab: Wenn Schumachers Managerin ein Statement zu Schumachers Zustand abgibt — Titelstory. Wenn jemand, der mal mit Schumacher gearbeitet hat, etwas über Schumacher erzählt — Titelstory. Wenn jemand, der vorgibt, mal mit Schumacher gearbeitet zu haben, vorgibt, etwas über Schumacher zu erzählen, oder wenn eine Imbissbudenbesitzerin, die weder mit Schumacher gearbeitet hat noch etwas über ihn erzählen kann, aber zufällig in der Nähe des Krankenhauses arbeitet, in dem Schumacher liegt, berichtet, wie ihr Tag so gelaufen ist — Titelstory.

Spekulationen, Gerüchte, Diagnosen, Prophezeiungen — alles findet Verwendung. Wir können und wollen nicht auf jeden Artikel eingehen, der in den vergangenen Wochen erschienen ist (einige davon haben wir uns hier, hier und hier näher angesehen). Damit Sie aber einen Eindruck davon bekommen, in welchen Massen die Regenbogenpresse ihren Schumi-Schund veröffentlicht, zeigen wir Ihnen mal die Titelschlagzeilen, die wir seit Schumachers Unfall gesammelt haben. Gedruckt wurden vermutlich noch viele, viele mehr.Schumi_01 Schumi_02 Schumi_03

Wir wissen nicht, ob die Familie von Michael Schumacher das alles mitbekommt. Vermutlich hat sie momentan auch Besseres zu tun, als sich mit den Schweinereien irgendwelcher Knallblätter zu befassen.

Für den Fall, dass sie aber irgendwann doch mal juristische Schritte gegen die Redaktionen einleiten will, haben wir alle Artikel, die wir bisher über Schumacher gefunden haben, kopiert und zusammen mit den jeweiligen Impressen an sein Management in die Schweiz geschickt.


Vielen Dank auch an alle Hinweisgeber!


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Keine Panik bei der Titanic

Keine Panik bei der Titanic

Als die Medienkritiker der “Freizeit Revue” neulich besonders scheinheilig gestimmt waren, knöpften sie sich die “Titanic” vor. “Skrupellos”, “Abscheulich”, “Unfassbar” sei die Titelgeschichte des Satiremagazins über Michael Schumacher gewesen.

Die “Titanic” hatte geschrieben:

Erstes Foto nach dem Unfall: So schlimm erwischte es Schumi

… und dazu ein Foto von Niki Lauda gezeigt. “Geschmacklose Geschäfte mit seinem unsagbaren Leid”, fand die “Freizeit Revue”.

Die “Titanic” antwortete nun in ihrer aktuellen Ausgabe:

Das schreiben die anderen - Freizeit Reuve - Es ist unfaßbar ... Wie gut, daß Michael Schumacher von diesen unwürdigen Provokationen nichts mitbekommt.

In seinem Vorwort schreibt “Titanic”-Chefredakteur Tim Wolff über die Folgen der Kanonenschüsse durch die “Freizeit Revue”:

Ich kündige. Und zwar Ihnen. Die Freundschaft. Und zwar vorab. Denn ich weiß, was kommt, wenn Ihnen mal ein Witz mißfällt, und sei er so harmlos wie der Schumi-Titel des letzten Heftes [...] Dann lande ich bei RTL und in der Freizeit Revue, kann nicht mehr mit Oma zum Kaffeekränzchen, wo sie mich bisher für “einen netten jungen Mann” gehalten haben, muß meine Freizeit mit den Kollegen verbringen und werde trübsinnig.

Am Ende seines Vorworts geht es Wolff aber schon wieder besser, und er richtet sich noch einmal an alle “künftige[n] Ex-Leserinnen und -Leser”:

Krakeelen Sie nur weiter!

Ob die “Freizeit Revue” dieser Aufforderung nachkommt, wissen wir nicht. Dass sie sich mit der “Titanic” überhaupt mal über die Berichterstattung des jeweils Anderen zoffen würde — darauf hätten wir beim Start unseres Blogs jedenfalls nicht gewettet.


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Genau wie bei Prinz Friso (3)

Genau wie bei Prinz Friso (3)

Wir hatten ja schon befürchtet, dass sich die Regenbogenhefte auf den Unfall von Michael Schumacher stürzen würden wie eine Horde ausgehungerter Hyänen. Und dass sie auch dann, wenn die seriösen Medien längst von Schumacher abgelassen hätten, immer noch unbeirrt weiterhacken würden, Woche für Woche mit neuen Spekulationen und irreführenden Schlagzeilen. Eben genau wie bei Prinz Friso.

Inzwischen zeigt sich, dass wir recht hatten. Leider.

Während selbst die Boulevardmedien Michael Schumacher und dessen Familie allmählich in Ruhe lassen wenigstens eine Zeitlang in Ruhe gelassen haben, ging und geht der Wahnsinn in der Regenbogenpresse einfach nahtlos weiter. Jedes Gerücht wird gleich zu einer Titelstory aufgeblasen, jedes angebliche Blinzeln direkt zum “Wunder” erklärt.

Im Ernst: Als die französische Zeitung “L’Équipe” neulich unter Berufung auf “sehr sichere Quellen” berichtete, Michael Schumacher befinde sich in der Aufwachphase und habe geblinzelt, titelte die “Frau aktuell”:

Endlich gibt es neue Hoffnung - Michael Schumacher - Am Krankenbett geschah ein Wunder!Hunderttausendfach liegt diese Titelseite momentan in deutschen Kiosken aus. Bei wie viele Menschen sie wohl schon den Eindruck erweckt hat, dass Schumacher plötzlich genesen sei?

Immerhin erfahren die, die das Heft kaufen und den Artikel lesen, was wirklich hinter dem “Wunder” steckt. Zumindest wenn sie sich durch den triefenden Schwulst aus Phrasen und Fiktion gekämpft haben, mit dem der anonyme Autor die Tatsachen ummantelt hat.

Schon ein kleines Augenzwinkern ist ein Erfolg. Ein Meilenstein. Ein strahlender Hoffnungsschimmer, in dem nicht enden wollenden Albtraum, der mit dem dramatischen Skiunfall von Michael Schumacher (45) am 29. Dezember letzten Jahres begann. Jetzt berichten französische Medien von einem Wunder, das an seinem Krankenbett geschah. Können Corinna (44) und die Kinder nun endlich aufatmen?

Gebannt wacht die Familie dieser Tage am Krankenbett des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters auf der Intensivstation. In der Hoffnung, auf ein weiteres kleines Blinzeln, Zucken oder Zwinkern. Ein minimaler Reflex, der ihnen versichert, dass ihr geliebter Mann und Papa in sein altes Leben zurückkehrt. Längst haben sich alle Beteiligten an den Anblick des hilflosen Sportlers gewöhnt. An all die Schläuche und die Pumpgeräusche der Beatmungsmaschine, die Schumi am Leben hält. Nun, wo die Aufwachphase begonnen hat, beobachten sie den Patienten mit großer Sorgfalt. Zwar warnt Michael Schumachers Sprecherin Sabine Kehm (47) vor verfrühter Euphorie und spricht von einem “Aufwachprozess, der sehr lange dauern kann.” Trotzdem werten Hirn-Trauma-Experten bereits kleinste Reflexe als positiv. Sie seien ein klares Indiz dafür, dass

und so weiter. Irgendwann kommt dann doch noch das Blinzel-Gerücht aus der “L’Équipe”, und der Text endet so schwülstig, wie er begonnen hat:

Vielleicht hat Schumi damit schon einen ersten Etappensieg errungen. Auf seinem bislang schwersten Grand Prix…

Auch die “Neue Welt” (die in solchen Fällen bekanntlich über besonders exklusive Informationen verfügt) tut so, als wisse sie genau, was sich an Schumachers Krankenbett (und in Corinnas Kopf) abgespielt hat:Überraschende Fortschritte - MICHAEL SCHUMACHER - Freudentränen am Krankenbett - Was die Ärzte sagen

Es gibt Momente im Leben, die kostbarer sind als alles andere auf dieser Welt. Corinna Schumacher (44) weiß am besten, was es bedeutet, dass der Glaube und die Hoffnung letztlich doch Berge versetzen können. Ihre Gebete, die sie immer wieder am Krankenbett ihres geliebten Mannes gesprochen hat, sind nun endlich erhört worden! […] “Schumis” Managerin Sabine Kehm [teilte] offiziell mit: “Michaels Narkosemittel werden seit Kurzem reduziert, um ihn in einen Aufwachprozess zu überführen, der sehr lange dauern kann”.

Dann natürlich die Blinzel-Geschichte …

Die renommierte französische Zeitung “L’Équipe” berichtete hingegen, dass Michael sogar schon geblinzelt habe.

… und ein pathetischer Abgang:

Corinna hat allerdings vollstes Vertrauen in die Ärzte gesetzt, die ihren Michael nun schon seit Wochen behandeln. Ihnen verdankt man die ersten Freudentränen am Krankenbett ihres Mannes. Und Corinna ist sicher, dass ihr Mann den Weg zurück ins Leben findet.

Vergleichsweise zurückhaltend hat das “Echo der Frau” auf die Blinzel-Nachricht reagiert:MICHAEL SCHUMACHER - Nach all dem Hoffen & Bangen - Was wird nun?

Das Blatt ist im Gegensatz zu den meisten anderen Regenbogenheften sogar so fair, die Stellungnahme von Schumachers Managerin — die herausgegeben wurde, nachdem die “L’Équipe” über das Einleiten der Aufwachphase berichtet hatte — noch ein Stückchen weiter zu zitieren:

“Michaels Narkosemittel werden seit Kurzem reduziert, um ihn in einen Aufwachprozess zu überführen, der sehr lange dauern kann”, teilte Sabine Kehm (46), die Managerin von Michael Schumacher, mit. “Es war ursprünglich die klare Absprache zwischen allen Beteiligten, diese Information zum Schutz der Familie erst zu kommunizieren, wenn sich dieser Prozess konsolidiert hat. Über Zwischenschritte werden wir keine Auskunft geben.” Eine Entscheidung, die die Fans des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters natürlich verstehen.

Und viele Journalisten natürlich nicht.

Wie die von der “Freizeit Spass”, die darüber jammern, dass die Managerin nicht “mehr” “verraten” wollte, und sich mit Hilfe eines “Experten” kurzerhand selbst um die “Prognose” kümmern:Michael Schumacher - Überraschende Prognose - Wie seine Zukunfts-Chancen jetzt wirklich stehen

Kurz zusammengefasst: Es gibt “Gefahr”, aber auch “Lichtblicke”. Überraschend.

Sabine Kehm hat in ihrer Stellungnahme übrigens noch einen Satz geschrieben, den wir bisher in keinem Regenbogenheft gefunden haben. Sie schrieb:

Die Familie von Michael Schumacher bittet erneut um Respekt für ihre Privatsphäre, das Arztgeheimnis und darum, die behandelnden Ärzte nicht in ihrer eigentlichen Arbeit zu stören.

Vermutlich werden wir diesen Satz in der Regenbogenpresse auch nie finden. Schon allein deswegen, weil er sich so schlecht mit solchen Fotos verträgt:Michael Schumacher: Nach dem schweren Ski-Unfall - Jetzt muss seine Corinna stark sein wie nie zuvorWir haben das Bild — hier zu sehen in der “Freizeit spezial” — unkenntlich gemacht; es zeigt Corinna Schumacher bei der Ankunft am Krankenhaus, aufgenommen während ihres täglichen Spießrutenlaufs durch die Journalistenmeute.

Die “Revue Exklusiv” hat eines dieser Fotos sogar auf der Titelseite abgedruckt, kombiniert mit einem der Lieblingsbegriffe in diesen Wochen: “Schicksal”.CORINNA SCHUMACHER - Wie erträgt sie dieses Schicksal? - Die Tragödie - So leiden die Kinder

Corinna in Tränen - MICHAEL SCHUMACHER - Er forderte das Schcksal zu oft heraus

(“Revue der Woche”)
MICHAEL SCHUMACHER - Jetzt entscheidet sich sein Schicksal(“Schöne Woche”)

Währenddessen hat das “Echo der Frau” in der aktuellen Ausgabe schon ein ganz “Neues Drama” um Michael Schumacher gebastelt:MICHAEL SCHUMACHER - Neues Drama! - Seine Familie leidet

Der Ort, in dem Schumacher aufgewachsen ist, soll nämlich dem Braunkohle-Abbau weichen und umgesiedelt werden. Das ist schon seit sieben Jahren bekannt, der “Echo der Frau” jetzt aber trotzdem eine Titelschlagzeile wert.

Die Leute von der “Mehr Spass” begeben sich eher auf die Meta-Ebene und erklären:Michael Schumacher - So gefährlich ist Skifahren

Nämlich so gefährlich, dass pro Saison “viele tausend Menschen verunglücken”, darunter sogar Promis. Als Beleg hat die “Mehr Spass” drei davon aufgelistet.

Aber nochmal zurück zur Blinzel-Geschichte. “Das goldene Blatt” weckt ob der eingeleiteten Aufwachphase nämlich ebenfalls neue HOFFNUNG:Michael Schumacher & seine Corinna - Neue HOFFNUNG! - Wird jetzt alles gut?

Und “Die neue Frau” fragt:

Nach dem Drama - MICHAEL SCHUMACHER - Holt die Familie ihn bald heim?(Im Übrigen eine Frage, die die Regenbogenpresse auch im Fall von Prinz Friso unzählige Male gestellt, aber nie selbst beantwortet hat.)

Im Innern jubelt das Blatt:schumi_die-neue-frau-2

Von einem “Wunder” spricht die “Woche der Frau” zwar nicht direkt, dafür macht sie aus dem Blinzeln einfach mal ein Lächeln:

Michael Schumacher - Das erste Lächeln in der Klinik - Kehrt jetzt für die Familie das Glück zurück?Im Text zeigt sich, was wirklich dahinter steckt: die Fantasie des Autors. Was sonst.

Jetzt endlich gibt es Hoffnung! Der ehemalige Formel-1-Weltmeister ist auf dem Weg zurück ins Leben. Die Angst ist damit noch lange nicht weg. Doch es gibt endlich Grund genug für ein erstes, zaghaftes Lächeln.

Die Redaktion der “Freizeitwoche” schließlich lässt keinerlei Zweifel mehr daran, dass sie den Eindruck erwecken möchte, Schumacher sei aus dem Koma erwacht:

WUNDER AM KRANKENBETT - Michael Schumacher - Corinnas Liebe holte ihn ins Leben zurückDer Artikel dazu liest sich wie der Trailer für ein Hollywood-Melodram:

Zärtlich schmiegt sich Corinna Schumacher (44) an die Brust ihres Mannes Michael (45). Er umarmt sie fest, beide halten ihre Augen geschlossen, um den Augenblick zu genießen, der nur ihnen gehört, Ein [sic] kurzer Moment der Liebe — und doch so normal im Leben der beiden.

Bis zum 29. Dezember letzten Jahres! [...] Viele gaben dem Ex-Formel-Eins-Fahrer nur eine gerine Überlebenschance. Viele, aber nicht Corinna. Seit diesem Schicksalsschlag wich sie ihrem Mann nicht von der Seite, hielt seine Hand, redete auf ihn ein, streichelte ihn liebevoll. Jede Minute, jeden Tag, Woche für Woche. Sie zweifelte keine Sekunde daran, dass ihr Ein und Alles wieder zurück ins Leben findet.

Es folgt das (halbe) Zitat der Managerin. Dann:

Tränen der Freude müssen Corinna nach über einem Monat Hoffen und Bangen über die Wange gelaufen sein. Ihre unendliche Liebe und Stärke in der schweren Zeit haben den zerbrechlichen Strohhalm der Hoffnung stark werden lassen! [...] Corinnas Liebe zu Michael hat das Unmögliche möglich gemacht. Und ihre Liebe wird es auch sein, die ihn eines Tages wieder die Augen öffnen lässt.

Und so spekuliert und fabuliert und täuscht die Regenbogenpresse auch eineinhalb Monate nach Schumachers Unfall immer noch munter vor sich hin — so, wie sie es im Fall von Prinz Friso geübt hat. Auch seinerzeit hatten die Regenbogenhefte immer wieder von einem “Wunder” gesprochen und suggeriet, Friso sei aus dem Koma erwacht, obwohl sie genau wussten, dass das nicht stimmte.

Oder aber sie arrangierten ihre Schlagzeilen und Cover so, dass der Eindruck entstand, Friso sei gestorben. Höchstwahrscheinlich werden die Regenbogenredaktionen so etwas auch im Fall Schumacher versuchen. Einen Anlass gibt es auch schon: Die “Bild”-Zeitung berichtete Anfang der Woche, dass bei Schumacher eine Lungenentzündung diagnostiziert worden sei.

Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis daraus die ersten Todesdramen gestrickt werden.


PS: Eine Geschichte dürfen wir nicht unerwähnt lassen. Die “Freizeit Revue” übt in ihrer aktuellen Ausgabe nämlich Kritik an der Berichterstattung über Schumacher. Echt jetzt! Sie empört sich über jene Menschen, “die offenbar keinen Anstand” besitzen und das Leid Schumachers für ihre “geschmacklosen Geschäfte” missbrauchen:

MICHAEL SCHUMACHER - Geschmachlose Geschäfte mit seinem unsagbaren Leid

“Unfassbar” findet die “Freizeit Revue”. “Abscheulich”. “Unwürdig”. “Skrupellos”.

Nanu? Kritik an der Regenbogenpresse — von der Regenbogenpresse?

Nein. Natürlich nicht. Die “Freizeit Revue” kritisiert nicht sich selbst oder ihre Regenbogenkollegen, sondern die “Titanic”:[Ein Foto zeigt das "Titanic"-Cover mit gepixeltem Logo, ein anderes Foto den "Titanic"-Chefredakteur] Skrupellos: Mit diesem geschmacklosen Cover will Tim Wolff (r.), Chef eines Satire-Magazins, viele Hefte verkaufen

Und Schumachers Notsituation für die Auflage zu missbrauchen, das geht nun wirklich zu weit.

Nicht wahr, “Freizeit Revue”?


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Schlagzeilenbasteln (7)

Schlagzeilenbasteln (7)

Haben Sie das Zeug zum Regenbogenredakteur? Finden Sie es heraus! Wir nennen Ihnen eine Nachricht, und Sie denken sich eine Schlagzeile dazu aus. Mit einem Klick auf den Link erfahren Sie, wie es die Profis gemacht haben.

Ab ins Regenbogen-Trainingslager mit den irrsten Schlagzeilen der vergangenen Wochen …


Hape Kerkeling und Michelle Hunziker werden am Samstag die “Goldene Kamera” moderieren.

Hape Kerkeling - Geheimnis gelüftet! - Neuanfang mit einer Frau


Man munkelt, dass Florian Silbereisen in letzter Zeit öfters mit seinen Kumpels unterwegs war.

Florian Silbereisen - Vorfreude auf die Hochzeit?
“Das goldene Blatt” findet: “Möglich wäre es. Schließlich geht es vielen Männern so, die kurz vor dem Jawort stehen. Dann wollen sie noch einmal ausgiebig feiern.”


Im Auftrag des Playboy hat ein Umfrageinstitut 1000 Männer danach gefragt, welcher Promi für sie die perfekte Frau ist. Siegerin mit 18 Prozent: Klaro — Helene.

Helene Fischer - Was läuft da mit dem Playboy? Die Liebesbeichte muss Flori das Herz brechen


Eine Wahrsagerin, eine Adels-Autorin und ein Hof-Fotograf finden, die Ehe von Charlène und Albert von Monaco stehe unter keinem guten Stern.

Adels-Experte sind sich einig - Charlene - Schock Botschaft - Kein Baby und Scheidung!


Moderator Maxi Arland hat neulich mal für eine Show in einem Rotwildgehege gedreht. Plötzlich rannte ein Bisonbüffel auf das Team zu. Arland erzählt: “[Der Pfleger] lenkte den Bison ab und forderte uns auf, das Gehege schnellstmöglich zu verlassen.”

Schock im Wildpark - Maxi Arland (32) - Rodesangst - er rannte um sein Leben


Sonja Zietlow (Moderatorin des Dschungelcamps) hat mal über die Zeit im Dschungel gesagt: “Manchmal muss man sich ausmeckern oder ausheulen.”

Zu viel Stress! Sonja Zietlow - Tränen im Dschungel


Während Stefan Mross auf Tour ist, bleibt seine Frau mit dem Kind bei ihren Eltern.

Stefan Mross - Familien-Drama - Plötzlich setzt er sein junges Glück aufs Spiel


Die Schwester von Florian Silbereisen hat Geld gesammelt, damit sich eine Freundin von ihr einen neuen Rollstuhl leisten kann.

Florian Silbereisen - Rollstuhl-Drama um diese junge Frau - Ergreifend, was seine Schwester verrät


Johannes B. Kerner hat mal mit Blick auf die Trennung seiner Eltern gesagt: “Das war keine angenehme Zeit”. Und: “Wenn man heiratet, hat man schon den Gedanken, dass es nicht zur Scheidung kommen soll”.

Johannes B. Kerner - Traurige Beichte - Zum ersten Mal spricht er über seine schlimmen Ängste


Am Unfallort von Michael Schumacher haben Bergretter sein Glücksarmband wiedergefunden.

Endlich! - Michael Schumacher - Das erste Zeichen der Hoffnung!


Stefan Mross und Stefanie Hertel waren mal zusammen, sind es jetzt nicht mehr, verstehen sich aber immer noch prächtig.

Stefan Mross & Stefanie Hertel - Zwei Seelen im Gleichklang ...
Auf der Titelseite dann aber bitte ein bisschen weniger schmusig.

Stefan Mross - Er kommt von Stefanie nicht los! Wie lange geht das noch gut?


Bei einer Filmpremiere in London hat Herzogin Kate immer wieder ihre Hand auf ihren Bauch gelegt.

Das schönste Geschenk für William - Herzogin Kate - Das zweite Baby ist schon unterwegs - Was sie selbst über ihr neues Familienglück verrät


Roy Black war ein Star und ist an dem “Spagat zwischen beruflichem Mega-Erfolg und privater Normalität” zerbrochen. Helene Fischer ist auch ein Star.

Helene Fischer & Roy Black - Achtung, Helene! Sonst droht dir das gleiche Schicksal


Die Schwester von Andrea Bergs Mann hat ein Kind bekommen.

Andrea Berg - Wie schön! Ein Baby bringt das Glück zurück


Helene Fischer unterstützt die “Aktion Zehn”, die sich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgender in Russland einsetzt. Helene Fischer ist auch gebürtige Russin.

Helene Fischer - Sie riskiert so viel - Darf sie nie wieder in ihre Heimat zurück?


Kurz vor Weihnachten haben Prinzessin Victoria und Daniel zusammen mit ihrer Tochter Estelle Plätzchen gebacken. Dabei kuschelte Estelle angeblich lieber mit Daniel als mit Victoria. Und irgendwann hatte sie gar keine Lust mehr auf Plätzchenbacken und ist rausgegangen.

Prinzessin Victoria - Riskiert sie ihr Mutterglück? Dramatische Szenen in der Schlossküche


Andrea Berg hatte neulich ein Glitzer-Kleid an. Helene Fischer hat auch manchmal ein Glitzer-Kleid an.

Andrea Berg - Neid-Attacke? Plötzlich klaut sie bei Helene Fischer


Na, wie viele Schlagzeilen haben Sie richtig geraten?

Damit Sie nicht aus der Übung kommen, schicken wir Sie ab morgen ins tägliche Schlagzeilen-Bootcamp: Montag bis Freitag gibt’s jeden Mittag ein bisschen was zum Basteln.


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Genau wie bei Prinz Friso (2)

Genau wie bei Prinz Friso (2)

Die Flut an Mist-Berichten der Regenbogenpresse über den Ski-Unfall von Michael Schumacher ist — wie erwartet — in die deutschen Zeitschriftenregale geschwappt.

Wir können nicht garantieren, dass wir alle Hefte mit entsprechender Berichterstattung gefunden haben. Aber allein die, die hier bei uns rumliegen, bilden schon ein Kaleidoskop des Schreckens und der Ekels. Eine Übersicht.

Vergleichsweise zurückhaltend berichten “Das goldene Blatt” …

Nach dem tragischen Ski-Unfall - Ex-Königin Beatrix - Schmerzliche Erinnerungen

… das “Echo der Frau” …

Michael Schumacher - Seine Familie unter Schock! Wie geht es jetzt weiter?

… und die “Neue Welt”:

Michael Schumacher - Koma-Tragödie - Wie kann Corinna das nur verkraften?

Vielleicht fehlte den Autoren der drei Blätter aber auch nur das nötige Quäntchen Fantasie, um eine Reportage vom Krankenbett zu schreiben. So wie “Das neue Blatt”:

Corinna Schumacher - Sie weint um ihren geliebten Michael

Das Zimmer im fünften Stock des Klinikums in Grenoble ist abgedunkelt. Es riecht nach Desinfektionsmitteln, das Piepsen der Überwachungsmonitore geht durch Mark und Bein. Der Anblick von Michael Schumacher (45), der da verkabelt und wie leblos im Krankenbett liegt, muss für seine Frau furchtbar sein.

Und auch “Die neue Frau” tut so, als sei sie ganz, ganz nah dran gewesen:

Die stillen Momente sind die schlimmsten. Dann, wenn sie nachts im Bett liegt, alleine, verzweifelt — und ihre Gedanken immer und immer wieder um ihren geliebten Mann Michael (45) kreisen. Warum er? Warum jetzt? Antworten darauf sucht Corinna Schumacher (44) vergeblich.

Außerdem hat sich die Redaktion noch einen “Geheim-Pakt” zwischen Michael Schumacher und seiner Frau Corinna ausgedacht:

Corinna Schumacher - Geheim-Pakt mit ihrem Schumi - Diese Botschaften geben ihr Kraft

Es ist ihr ganz persönlicher Geheim-Pakt. Zu wissen, dass der andere immer für einen da ist, dass Michael an ihrer Stelle das Gleiche für sie tun würde — das gibt ihr Trost, die schlimmste Zeit ihres Lebens zu überstehen.

Dazu die vielen kleinen Rituale, die das Böse aus ihrem Leben fernhalten sollte [sic!]. All diese kleinen Botschaften, die Schumi ihr mit auf den Weg gegeben hat, sind für Corinna nun der Rettungsanker, um nicht zu verzweifeln.

Doch damit nicht genug. “Die neue Frau” bringt in einer an Dämlichkeit kaum zu übertreffenden Bildunterschrift auch noch Schumachers Tochter ins Spiel:

Trost suchend! Michaels Tochter Gina-Maria wirkt völlig neben der Spur

Die “Schöne Woche” versucht hingegen, mit Schumachers Sohn Auflage zu machen:

Nach der Ski-Tragödie - Michael Schumacher - Wird sein Sohn das Trauma je verkraften?

Die Bilder werden sich in seine zarte Kinderseele eingebrannt haben.

Die Redaktion der “Freizeit Woche” macht sich derweil schonmal an die Aufklärung des Vorfalls. Wenn auch mit etwas merkwürdigen Thesen:

Unheimlich - Michael Schumacher - Ahnte er die Tragödie voraus?

Ein Satz des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters gibt vielleicht die Antwort auf die ganze Tragödie: “Ich kann nicht Dinge nicht tun, weil dabei etwas passieren kann.” Dieses Zitat von Michael Schumacher (45) stammt aus einem am 17. Dezember mit [Kai] Ebel geführten Interview. Fast könnte man meinen, der Kerpener ahnte damals schon, dass sich in seinem Leben bald eine Tragödie ereignen würde: “Wenn etwas passiert, dann ist es vielleicht Schicksal. Das muss nicht im Rennsport sein.” Nein, es war bei einer an sich harmlosen Ski-Abfahrt …

Ins gleiche Horn bläst die “Woche heute”:

Michael Schumacher - Mysteriös! Ahnte er seinen furchtbaren Ski-Unfall voraus?

Ahnte der ehemalige Sportheld sein tragisches Schicksal voraus? Nur gut zwei Wochen vor dem furchtbaren Unfall machte er mysteriöse Andeutungen. “Wenn etwas passiert, dann ist es vielleicht Schicksal. Das muss nicht im Rennsport sein”, sagte Schumi in einem Interview, “ich kann nicht Dinge nicht tun, weil etwas dabei passieren kann. Wenn’s passieren soll, wird’s passieren — egal wo.”

Das Blatt legt aber noch ein Hirngespinst drauf:

Was für ein Tag! Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und Neuschnee — einfach perfekt zum Skifahren. So muss das Ex-Formel-1-Pilot Michael Schumacher (45) empfunden haben, als er am 29. Dezember mit seinem Sohn Mick (14) in Méribel mit dem Lift auf den Berg Saulire fuhr. Vater und Sohn carvten fröhlich auf den präparierten Pisten. Gegen 11 Uhr wurde aus dem Traum-Skitag schlagartig ein einziger Horror!

An einer ähnlich stumpfen Deutelei versucht sich die “Freizeit Revue”:

Michael Schumacher - Versöhnung am Krankenbett - Wie sein trauriges Schicksal die Familie wieder zusammenführt

Neben Ehefrau Corinna (44), Tochter Gina-Marie (16), Sohn Mick (14) und seinem Vater Rolf (67) war auch Bruder Ralf (38) sofort nach Grenoble geeilt, hatte an Michaels Krankenbett gewacht. Ein rührendes Signal der Versöhnung. Schließlich verband die Männer stets ein angespanntes Verhältnis. Seit über drei Jahren sollen sie kaum noch ein Wort miteinander gewechselt haben. [...] Und auch die so unterschiedlichen Ehefrauen entzweiten die beiden. So soll Michaels bodenständige Corinna die exzentrische Cora (37) regelrecht verachtet haben. Doch im Angesicht des Todes spielte die Vergangenheit keine Rolle mehr.

Immerhin: Die Redaktion schreibt transparent, dass sie nicht wissen könne, wie es aktuell um Michael Schumacher steht:

Bei Redaktionsschluss war unklar, ob er das Drama überlebt hat. Doch die Glücksbringer seiner geliebten Familie haben ihm sicher viel Mut gemacht.

Umso überraschender wirkt folgender Satz, der im selben Artikel steht und so klingt, als hätte die “Freizeit Revue” doch eine Ahnung, ob Schumacher “das Drama überlebt hat”:

Tagelang hatte Michael Schumacher (45) im fünften Stock im künstlichen Koma gelegen

Auch die “Neue Post” verweist auf den Redaktionsschluss, hat sich dann aber doch diese Überschrift für ihren Artikel im Heftinneren ausgedacht, die mit Abstand die widerlichste in dieser Sammlung sein dürfte:

Das Unfall-Drama um Michael Schumacer - Corinna Schumacher - Nur ihre Kinder geben ihr die Kraft zum Weiterleben

Dazu macht das Blatt noch ganz spezielle Beobachtungen zu Corinna Schumacher:

Und auch jetzt soll niemand die Tränen sehen, die sie um ihren Mann Michael weint. [...] Ein leichtes Make-up verdeckt deshalb die Spuren, die das Drama um Michael Schumacher (45) bei ihr hinterlassen.

Und rundet den Artikel mit Ekel-Prosa ab:

Dem Tag, an dem der Eishauch des Todes ihren Liebsten aus dem Leben zu reißen drohte.

Für Corinna Schumacher zählt jedoch nur eines: Leben soll er, ihr Michael. Leben! Nicht sie und die Kinder allein lassen.

Mick war dabei, als sein Vater verunglückt. Er war der letzte aus der Familie, der ihm in die Augen sah, bevor sie sich ohnmächtig schlossen …

Wohl um dieser schrecklich klebrigen Berichterstattung einen Anschein von Sachlichkeit zu geben, hat die “Freizeit Spass” einen Experten befragt. Der macht’s aber leider auch nicht, ach, lesen Sie selbst:

Das war die wohl schlimmste Phase für Corinna, wie Diplom-Psychologe Hannes Niggenaber erklärt: “Ein Schweben zwischen Hoffen und Bangen, ein für die Seele extrem belastender Zustand. Nach einer langen Ehe fühlt sich Frau Schumacher fast so, als wäre sie selbst vom Unfall betroffen. Am meisten werden ihr aber Selbstvorwürfe zu schaffen machen, dass es ihr nicht gelang, ihren Mann nach Ende seiner Karriere von gefährlichen sportlichen Herausforderungen abzuhalten.”

Auf Grundlage dieser, nun ja, Expertenmeinung schwingt sich die “Freizeit Spass” zum finalen Irsinns-Akkord auf:

Corinna hatte geglaubt, ihr eigener Sport — sie ist Europameisterin im Reining-Westernreiten — sei nun das Gefährlichste, was ihre Familie betreibt. Sieht man mal von Sohn Micks ersten, vielversprechenden Kart-Erfolgen ab. Doch 1 PS waren für einen Racer wie Michael zu wenig. Bis er mit dem Kopf gegen den Felsen in Méribel raste.

Fazit:

Michael Schumacher - Der schlimmste Albtraum seiner Frau wurde wahr

Dieser ganze Murks, den die Regenbogenpresse da zu Papier bringt, ist in weiten Teilen reine Spekulation. Oder wie die “Woche der Frau” schreibt:

Es gibt nichts, was über ihn in den letzten Tagen nicht geschrieben wurde — vieles davon war reine Spekulation auf der verzweifelten Suche nach Informationen.

Diese scharfsinnige Beobachtung nimmt die Redaktion zum Anlass, um — wie sollte es anders sein — selbst mit wildesten Spekulationen noch eins acht draufzusetzen:

Schockierende Bilder - Das Schumi-Drama - Das Leid seiner geliebten Kinder

Sollte es so kommen? War das sein Schicksal? Ehefrau Corinna (44), Bruder Ralf (38) und Vater Rolf sowie die Kinder Gina-Maria (16) und Sohn Mick (14) sind seit dem verheerenden 29. Dezember jedenfalls im seelischen wie körperlichen Ausnahmezustand. Wie schwer diese Tage für seine beiden Kinder sein müssen, kann man nur erahnen.

Dann, kurz vor 11 Uhr, passiert die Tragödie: Angeblich stürzt die Tochter eines Freundes, Michael hilft ihr auf und fährt eine Schleife in den Free-Ride-Bereich. Dort knallt er gegen einen Felsen, wird in die Luft katapultiert und kommt mit dem Kopf auf einem Stein auf (siehe Kasten rechts).

Es ist zu befürchten, dass Mick genau diesen furchtbaren Moment, als sein Vater verunglückte, tatsächlich mit eigenen Augen mitanschauen muss.

Normalerweise greift in solchen Krisenfällen eine psychologische Beratung ein, doch bis jetzt ist nicht bekannt, ob die Angehörigen des Rennfahrers diese in Anspruch genommen haben.

Ob Michael am Tag seines Skiunfalls seine Glücksbringer zu Hause vergessen hatte?

Unglaublich — hat er seinen Unfall womöglich vorausgeahnt und konnte die Gefahr nicht greifen?

Die Tochter eines Freundes stürzt offenbar, Schumi hilft dem Mädchen und fährt ca. 20 Meter in den Free-Ride-Bereich zwischen zwei Pisten.

Fatal: Angeblich geht seine Bindung nicht auf. Wurde sie falsch eingestellt?

Diese grässliche Fratze zeigt also die erste Woche Regenbogenberichterstattung zum Ski-Unfall von Michael Schumacher. Und wir befürchten, dass es auch so weitergeht.

Immerhin: Da sich die Mitarbeiter dieser Heftchen ihr Geschwafel am Schreibtisch ausdenken, verstopfen sie wenigstens nicht die Krankenhaustüren in Grenoble.


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Genau wie bei Prinz Friso

Genau wie bei Prinz Friso

Die Diskussion über die Berichterstattung zum Ski-Unfall von Michael Schumacher, die in den vergangenen Tagen auf Touren kam, hangelt sich größtenteils an der Frage lang: Muss das wirklich alles sein — diese Flut an Berichten, diese Gewichtung?

Man kann das so oder so sehen.

Worüber man hingegen nicht lange diskutieren muss, ist das hier:

Tragödie im Krankenhaus! Corinna Schumacher - Bittere Tränen um ihren Michael

Michael Schumacher (45) - Mitten aus dem Leben gerissen! Wieder abseits der Piste! Genau wie bei Prinz Friso

Nach dem schlimmen Ski-Ungkück - Michael & Corinna Schumacher - Bitterer Abschied! Was wird jetzt aus ihren Kindern?

Jetzt ist also auch die Regenbogenpresse bei dem Thema eingestiegen. Und sie gibt vom Start weg Vollgas.

Die Redaktion der “frau aktuell” handelt noch am harmlosesten, wenn sie sich einfach mal ein Zitat ausdenkt, das Michael Schumachers Frau Corinna vielleicht am Krankenbett ihres Mannes gesagt haben könnte:

Stunde um Stunde verharrt sie am Krankenbett und vergießt bittere Tränen um ihren Michael. “Warum musste er eine so gefährliche Strecke fahren, wie konnte es nur dazu nur [sic!] kommen?” wird sie sich immer wieder Fragen [sic!].

Deutlich schärfer da schon “die aktuelle” im Vier-Seiten-Spezial “Das Drama um Michael Schumacher”. Die Überschrift im Heftinneren könnte auch als Titelzeile für einen “aktuelle”-Nachruf auf “Teufelskerl” Michael Schumacher durchgehen:

Tragisches Ende eines Lebens auf der Überholspur

Natürlich hat “die aktuelle” auch gleich nach Parallelen zum Schicksal von Prinz Friso gesucht. Und auch ganze zwei gefunden:

Auch [...] Prinz Friso fuhr 2012 abseits der Piste, als er schwer verunglückte.

Der Prinz war im gleichen Alter wie Schumi: 45 Jahre …

Dazu trifft das Blatt eine Reihe von Aussagen, die bei einer Leserin, die nicht jeden Abend die “Tagesschau” guckt, durchaus den Eindruck erwecken kann, dass Schumacher den Unfall nicht überlebt hat:

Michael Schumacher, 45, war ein Teufelskerl.

Einfach so mitten aus dem Leben gerissen. Ohne die Chance auf ein Wort des Abschieds. Als Ehefrau Corinna, 44, und die Kinder Gina-Maria, 16, und Mick, 14, im Krankenhaus eintrafen, konnten sie nur noch seine Hand halten.

Nie hatte sie [Corinna Schumacher] ihn gebeten, wegen ihr auf den Adrenalin-Kick zu verzichten. Das war sein Leben. Und sie liebte ihn. [...] Jetzt hat Corinna ihn verloren. Das Leben ist nicht fair …“

“das neue” besitzt sogar die Chuzpe, über Michael Schumacher und dessen Leben fast ausschließlich in der Vergangenheitsform zu schreiben. Als wäre er gestorben:

Die Familie war für ihn immer die Nummer 1 im Leben

Er [...] unterstützte seine Frau bei der Pferdezucht auf ihrer Western-Ranch.

Sie hatten alles: zwei süße Kinder, Millionen auf dem Konto, Dutzende Autos, etliche Häuser und sogar eine eigene Ranch. Doch nun muss sich die Familie von Michael Schumacher (45) von ihrem bisherigen Leben trennen. Ein bitterer Abschied!

Der gesamte Artikel und die Schlagzeile auf dem Cover lesen sich so, als hätte “das neue” darauf spekuliert, dass Michael Schumacher die Folgen seines Unfalls vielleicht doch nicht überlebt, während das Heft gedruckt und ausgeliefert wird. Vorher noch schnell die “Stabstelle Medienrecht des Heinrich Bauer Verlages” drüberbügeln lassen, damit nichts rechtlich Verfängliches drin steht. Und dann sabbernd alles in die Druckerei schicken.

In einem Punkt hat “die aktuelle” übrigens recht: Es ist “Genau wie bei Prinz Friso”. Die Regenbogenverlage werden auch dieses Mal das Schicksal eines Menschen in Not so weit ausschlachten, wie es nur geht.

Die große Flut an Schund- und Fantasiegeschichten dürfte noch kommen — am Mittwoch, wenn ein Großteil der wöchentlich erscheinenden Hefte auf den Markt geworfen wird.


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