Mit Marshallplan aufs Cover
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Mit Marshallplan aufs Cover

Tony Marshall kann man nun nicht gerade als medialen Dauerbrenner bezeichnen. Während bei Helene Fischer ein Niesen bei einer Konzertprobe reicht und bei Michael Schumacher sogar die Information, dass es gar keine neue Information gibt, muss sich Schlagersänger Marshall schon was einfallen lassen, um aufs Cover irgendeines Knallblatts zu kommen.

Zum Beispiel ein “Schock-Geständnis”, dass er neben seinen drei ehelichen Kindern auch ein uneheliches hat. Oder dass er 13 Jahre lang glaubte, ein uneheliches Kind zu haben, bis sich rausstellte, dass es gar nicht von ihm ist. Oder beides. Und am besten für zwei verschiedene Hefte. Doch der Reihe nach.

Die “Neue Post” titelt in dieser Woche:

Tony Marshall - Er zig eine falsche Tochter groß

Marshall sei “der Stimmungsmacher der Nation”, aber: Es gab “einen Moment, da verging ihm das Lachen gehörig”. Und zwar, als sich seine uneheliche Tochter Isabel mit 13 Jahren verplapperte und dabei offenbarte, dass sie gar nicht Marshalls Kind sei. Einen Vaterschaftstest später stand fest: Eine seiner außerehelichen Affären “hat ihm ein Kind untergejubelt”. Der Kontakt zu Isabel brach ab.

Doch Tony Marshall sorgte dafür, dass sich die Lücke wieder schließt. “Ich habe ein uneheliches Kind”, erzählte er dem „neuen Blatt“ in einem Exklusiv-Interview und grinst fröhlich von der aktuellen Titelseite:

Exklusiv - Tony Marshall - "Ich habe ein uneheliches Kind" - Schock-Geständnis

Dieses Mal heißt es Dominik. Und Marshall verrät alles mögliche über ihn, wie alt er ist, wie groß, was er studiert. Man muss den Redaktionen eben schon was bieten, wenn man mal wieder ins Gespräch kommen will. Dazu gehört auch der Name der Mutter. Die heißt Isabel, genauso wie Marshalls 13-Jahre-lang-und-dann-doch-nicht-mehr-Tochter.

Spätestens wenn die Regenbogenblätter diesen Zufall entdecken, und der nächste große Artikel ansteht, geht der Marshallplan endgültig auf.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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Links vom topf (22)
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Links vom topf (22)

In seinen aktuellen “Herzblatt-Geschichten” schreibt Jörg Thomann, Redakteur der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”, unter anderem über die sagenhafte Florian-Silbereisen-Hauskauf-Geschichte der “Neuen Post”:

Seinerzeit lebte der Ritter Heinrich Tuschl, an den die Stadt Vilshofen mit einem Brunnen erinnert, welcher vor einem Haus steht, das — angeblich — Florian Silbereisen erworben hat. Einer von “Neue Post” verbreiteten Sage zufolge ließ der eifersüchtige Ritter einst seine Frau im Keller einmauern, um später festzustellen, dass sie verschwunden war. “Könnten Helene und Florian an so einem Ort glücklich werden?”, bangt “Neue Post” und sinniert: “Helene Fischer ist eine sensible Künstlerin, die Geborgenheit und keine Schauergeschichten braucht.” Warum, “Neue Post”, erzählst du dann welche?

Herzblatt-Geschichten: Wir müssen hier raus


In unserer Rubrik “Links vom topf” wollen wir Euch kurz und knapp interessante Links rund ums Thema “Regenbogenpresse” präsentieren.

Wenn Ihr also in den Weiten des Internets auf Interessantes zur Klatsch- und Regenbogenpresse stoßt, schickt uns gern den Link an linksvomtopf@topfvollgold.de.


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Links vom topf (12)
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Links vom topf (12)

Wie die “Werbewoche” berichtet, verbannt Coop, der größte Einzelhändler und zweitgrößte Kioskbetreiber der Schweiz, 13 deutsche Magazine landesweit aus der Regalen — darunter auch die “Freizeit Revue” und die “Neue Post”:

Damit reagiert Coop öffentlichkeitswirksam auf ein jahrelanges Ärgernis, das sich seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses noch zugespitzt hat: Nebst dem in dieser Höhe schwer nachvollziehbaren “Schweiz-Zuschlag”, den ausländische Verlage auf ihren Titeln erheben, fliessen nun auch die Wechselkurs-Gewinne vollumfänglich in die Kassen der Verlage.

Coop wirft überteuerte Magazine aus dem Sortiment


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Kioskgespräche (1)
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Kioskgespräche (1)

Bei unserem täglichen Blick in die Regenbogenwelt kommen wir immer wieder ins Rätseln: Warum kaufen die Leserinnen und Leser ausgerechnet dieses eine Heft und nicht ein anderes, wo doch alle Blätter so austauschbar scheinen? Was spricht sie an? Und was nicht? Welche Geschichten lesen sie? Und: Warum überhaupt der Griff ins Regenbogenregal?

Auf der Suche nach Antworten müssen und wollen wir zukünftig stärker die Leserschaft zu Wort kommen lassen. Und zwar am besten dort, wo sie ihre Kaufentscheidung treffen: im Kiosk.

Folge eins unserer Kioskgespräche: eine Annäherung in Saarbrücken …


Was würdet Ihr gern von der Regenbogen-Leserschaft und über sie wissen? Schickt uns Eure Fragen an kontakt@topfvollgold.de, und wir probieren, eine Antwort darauf zu finden.


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topf is loading …
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topf is loading …

topf is loading ...

Der Winterschlaf hier im Blog ist bald vorbei. Und fürs neue Jahr planen wir ein paar Veränderungen. Dafür sammeln wir gerade unsere Kräfte — daher ist der topfvollgold momentan noch im Ladezustand.

Für die Wartezeit haben wir Euch eine Ladung Schlagzeilenbasteln zusammengestellt. Die Spielregeln sind wie immer: Wir nennen Euch eine kurze Nachricht, und Ihr bastelt daraus eine schöne Regenbogenschlagzeile. Wie die Profis es gemacht haben, erfahrt Ihr mit einem Klick auf “Schlagzeile?”. Und los geht’s!


In England hat eine Gruppe von Frauen für einen Halbnackt-Kalender posiert, um Spenden für die “East Anglian Air Ambulance” zu sammeln, für die Prinz William als Hubschrauberpilot fliegt.

Schwangere Herzogin Kate - Strippen für den guten Zweck - Wie soll William ihr das nur erklären?

(“Woche der Frau”)


Thea Jauch, die Frau von Günther Jauch, hat auf dem Weingut der beiden alles fest im Griff.

Tiefe Einblicke in das Eheleben als Winzerpaar - Günther Jauch - Ohne seine Frau wäre er verloren

(“Woche der Frau”)


Neulich in Los Angeles: Der Fahrer eines SUV verliert auf der nassen Fahrbahn die Kontrolle, der Wagen rutscht gegen den Bordstein, zwei Reifen platzen. Auch im Auto: Schauspielerin Angelina Jolie.

Angelina Jolie - Anschlag auf die Schauspielerin?

(“Das Neue”)

“Das Neue” verschwörungstheoriesiert: “Hat sie sich mit ihren politischen Plänen schon die ersten Feinde gemacht?”


Zur letzten “Wetten, dass ..?”-Sendung hat Markus Lanz unter anderem auch Helene Fischer eingeladen. Til Schweiger hat für die Sängerin eine Rolle im “Tatort” klargemacht. Und Ex-Big-Brother-Bewohner Jürgen Milski hat einen Song mit dem Namen “Oh Helene” rausgebracht.

Arme Helene - So schamlos wird sie von Männern ausgenutzt!


Die Sängerin Cher musste krankheitsbedingt ihre Tour absagen. Bei Twitter schrieb sie: “‘Ich habe so fest versucht, stark genug zu sein, aber mein Wille konnte meinen Körper dieses Mal nicht zwingen.’”

Ihre Fans weinen um sie - Cher - Ihr trauriger Abschied

(“Neue Welt”)

Der Artikel der “Neuen Welt” liest sich wie ein Nachruf auf Cher. Kostprobe: Der erwähnte Tweet “waren ihre letzten Worte, die sie schrieb.” Und: “Der einzige Trost, der ihren Fans in dieser traurigen Zeit noch bleibt, sind die schönen Erinnerungen an eine der erfolgreichsten und besten Sängerinnen der Welt. Sowohl Cher als auch ihre Musik bleiben unvergessen.” Cher twittert indes fröhlich weiter.


Dieter Bohlen war bei einem Konzert von Andrea Berg. Hat ihm wohl ganz gut gefallen: “‘Ich war so begeistert, dass ich gleich in eine Polizeikontrolle gefahren bin — und der Führerschein war weg für vier Wochen’, gibt Dieter zu.”

Andrea Berg - Außer Kontrolle - Was hat sie bloß mit Dieter Bohlen angestellt?

(“Woche der Frau”)


Und jetzt mal andersherum. Welche Nachricht steckt wohl hinter dieser Schlagzeile?

Helene Fischer - In den Fängen des Nacktmodells - Unfassbar, wie Melanie Müller sie schamlos benutzt

Na, na, na, Melanie Müller! Einfach so in der Buchhandlung ein Foto von der eigenen Biographie machen, die neben der von Helene Fischer liegt, und sich dann auch noch bei Facebook drüber freuen (“‘Haha, Helene und ich zusammen im Buchladen’”)? Oder in einem Musikvideo in einem DFB-Trikot auftauchen — so wie Fischer auf der Fan-Meile in Berlin? “Unfassbar” vom “Nacktmodell” Müller, findet die “Woche der Frau”. Denn: “um ihre eigene, zweifelhafte Karriere voranzubringen, hat sie sich ausgerechnet Deutschlands Shooting-Star Nr. 1 ausgesucht: Helene Fischer (30)! Die Arme!” Der gutgemeinte Redaktionstipp: “Schuster, bleib bei deinen Leisten”.


Als die schwangere Herzogin Kate neulich eine soziale Einrichtung in New York City besuchte, wartete vor dem Gebäude zur Sicherheit auch ein Rettungswagen.

Herzogin Kate - Verliert sie ihr Kind? - Der Notarzt weicht nicht von ihrer Seite

(“Woche der Frau”)


Ein Kumpel von Markus Lanz hat in einem Interview erzählt, er und Lanz (der kürzlich Vater geworden ist) hätten einen Nordpol-Trip mit Schlittenhunden geplant.

Markus Lanz - Verlässt er etwa ganz schnell seine kleine Familie? - Unglaublich, was sein guter Freund mit ihm vorhat

(“Woche der Frau”)


Vor zwei Jahren hat Andrea Berg in einem Interview gesagt, sie habe schon ganz früh gelernt, “dass wir alle endlich sind und dass wir uns beeilen müssen, all das zu tun, was wir wirklich tun wollen.”

Andrea Berg - Sie weiß nicht, wie viel Zeit ihr noch bleibt - Stürzt sie sich deshalb von einem Abenteuer ins nächste?

(“Woche der Frau”)


Günther Jauch - Schock-Video aufgetaucht! Wusste seine Frau davon?

In dem Video spricht Jauch mit einem Weinexperten über sein Weingut. “Und so, wie der Moderator da vor der Kamera sitzt, hat man ihn wirklich noch nie gesehen”, stellt die “Schöne Woche” empört fest. Denn Jauch ist — unrasiert! Mit Drei-Tage-Bart sitzt er am Tisch, “eine Haarsträhne fällt ihm keck in die Stirn. Und das, obwohl er gefilmt wird! [...] Sind ihm seine Zuschauer plötzlich egal?”


Angeblich hat Heidi Klum (die zurzeit mit dem Kunsthändler Vito Schnabel zusammen ist) eine Privatlehrerin engagiert, die ihr Nachhilfe in Kunstgeschichte geben soll.

Heidi Klum - Ist sie zu dumm für Vito?

(“Neue Post”)


Prinzessin Mette-Marit von Norwegen und ihr Mann Haakon sind glücklich miteinander.

Mette-Marit - Die Liebe hat gesiegt ... doch wer weiß, wie lange

(“Das Neue”)


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Dicke Festtagsenten
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Dicke Festtagsenten

Weihnachten wird Grütze. Keine Spur von Besinnlichkeit oder Familienglück, stattdessen “Tränen”, “Krach” und “Ehe-Aus”. Dieses Jahr werde das Fest zur “Tragödie” — prophezeien jedenfalls die Weihnachtswichtel der Regenbogenhefte.

Zum Beispiel die Feiertagsplanungen von Joachim Gauck: Wird der Bundes-präsident mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt feiern? Oder doch mit Ehefrau Hansi Gauck?

Beim Wahrsagerblick in die Schneekugel sieht die “Woche heute”, ein Blatt aus dem Bauer Verlag, jedenfalls eine “Weihnachts-Tragödie” aufs Staatsoberhaupt zukommen und macht sich “schlimme Sorgen um seine arme Ehefrau”:

Joachim Gauck - Weihnachts-Tragödie! Schlmme Sorgen um seine arme Ehefrau

Wie weh tut er Hansi jetzt, indem er sie allein lässt?!

1:0 für Daniela Schadt. Doch die “Neue Post”, ebenfalls aus dem Bauer Verlag, gleicht postwendend wieder aus:

Jetzt muss er klare Verhältnisse schaffen! Joachim Gauck - Zurück zur Ehefrau ... und wie sie Weihnachten feiern

Nämlich mit den vier gemeinsamen Kindern. Und ohne Daniela Schadt.

Bei Moderator Wayne Carpendale und seiner Frau Annemarie feiert laut “Das macht Spaß” hingegen überhaupt niemand. “Krach im Paradies?” — und das “ausgerechnet zum Fest der Liebe”:

Ausgerechnet zum Fest der Liebe! Krach im Paradies?

Wayne sei beruflich schlicht zu erfolgreich, moderiere eine Sendung nach der anderen und habe kaum noch Zeit für Privates. Anscheinend nicht mal für Weihnachten.

Die dickste Festtagsente kommt aber aus dem britischen Königshaus, genauer von Prinz Charles und seiner Camilla:

Charles & Camilla - Ehe-Aus vor Weihnachten!

“Das goldene Blatt” gibt sich siegessicher. Denn schon beim traditionellen Royaltreffen am ersten Weihnachtstag werde Camillas Platz an der großen Festtafel leer bleiben, schreibt die Redaktion. Seit der Hochzeit von Camilla und Charles im April 2005 hat “Das goldene Blatt” die beiden übrigens bereits 19-mal auf seiner Titelseite geschieden. Doch nun soll es wirklich so weit sein:

Ihre Ehe steht endgültig vor dem Aus.

Das Unglück des britischen Thronfolger-Paares steht auf dem Wunschzettel des “goldenen Blatts” sicher ganz oben.


Dieser Text ist gestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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PR der Ringe
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PR der Ringe

“Das neue Blatt” berichtet am liebsten über Prominente, Adelige und Tchibo:

Helene Fischer - Das Geheimnis um ihren Ring

Die Geschichte hinter dieser Schlagzeile ist kein neues Kapitel in der Dauer-Regenbogenträumerei rund um eine mögliche Hochzeit von Helene Fischer und Freund Florian Silbereisen. “Das Geheimnis um ihren Ring”, das “Das neue Blatt” auf Seite 16 lüftet, sind der Preis von “ca. 1000 Euro” und die Möglichkeit, wo man die hinblättern kann: “über Tchibo erhältlich”.

Um im “neuen Blatt” eine komplette Seite mit den eigenen Produkten vollklatschen zu dürfen, muss man dem Bauer Verlag 13.706 Euro zahlen. Dann steht aber häufig ein hässliches “ANZEIGE” oben drüber, und jeder versteht, dass es sich um Werbung handelt.

Da wäre es doch viel praktischer, wenn das Heft im redaktionellen Teil über einen “wundeschönen Brillantring” schwärmt, der Helene Fischer “sehr gut zu gefallen” scheine. Oder wenn die Redaktion beobachtet, dass Fischer ganz verzückt über den Inhalt ihrer Schmuckschatulle sei und ihr Blick selig wirke. Dazu noch Bilder und Preise von Armbändern aus Messing und Ketten mit Swarovski-Steinen:

In der Tchibo-Kampagne wird von Mode- bis Echtschmuck alles angeboten. Helene findet, da sei für jeden etwas dabei

Die Leserschaft solle doch “Jetzt schon an Weihnachten denken”, rät die Redaktion. Und damit selbst der Allerdümmste versteht, wo er oder sie besonders an Weihnachten denken soll, druckt sie auch noch die Adresse der Tchibo-Website dazu.

Einen Monat zuvor hatte “Das neue Blatt” schon einmal über Tchibo und Helene Fischer berichtet. Damals ging’s um eine “Hit”-verdächtige Modelinie. Und die “Neue Post”, ebenfalls aus dem Bauer Verlag, hat dazu ein paar “Schönheits-Tipps” geliefert:

Schonheits-Tipps - Helene Fischer - Meine Herbst-Mode - Zum Bestellen - Helenes neue Mode ist der Hit

Ihren Text zum Tchibo-Ring-Artikel beginnen die Goldschmiede des “neuen Blatts” übrigens mit einer Frage zum Foto, das Helene Fischer mit Schatulle in den Händen zeigt:

Was sehen Sie auf dem großen Foto, liebe Leserinnen und Leser?

Wir wissen’s: Schleichwerbung.


Jörg Thomann von der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” hat in der aktuellen Folge der “Herzblattgeschichten” ebenfalls eine Antwort parat — und zwar auf die Frage des “neuen Blatts”, warum Helene Fischer so verzückt wirke.


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Mit Brautkleid auf Montage
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Mit Brautkleid auf Montage

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um traumhafte Hochzeitsbilder:

Helene Fischer - Traumhaft schön im Brautkleid - Exklusive Foto-Montage

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Ich bin heute echt aus allen Wolken gefallen, als ich das Cover der “Neuen Post” gesehen habe: “Exklusive Foto-Montage” mit Helene Fischer im Brautkleid — wie kommt man denn bitte auf so eine Idee?

Moritz: Die “Neue Post” scheint dringend nach Geschichten zu suchen. Natürlich will die Redaktion, wie jede Woche, etwas über Helene Fischer bringen. Und wenn es dann mal nichts zu berichten gibt, dann denkt man sich eben was aus. Das ist in diesem Fall dann eine “Exklusive Foto-Montage”. Das kündigt das Blatt ehrlicherweise auch so auf dem Titel an, schreibt dazu: “Helene Fischer — Traumhaft schön im Brautkleid”. Und schon haben die Mitarbeiter den Traum von einer Hochzeit von ihr und Freund Florian Silbereisen mal wieder füttern können. Die Leserschaft lechzt ja danach, dass die beiden endlich vor den Traualtar schreiten.

Ist das jetzt die neue Masche der Regenbogenpresse: Vorab schon mit einer Foto-Montage zu werben, um dann später keinen Prozess am Hals zu haben?

Mats: Es ist schon auffällig, dass sie vorne ganz groß schreiben, dass es eine Foto-Montage ist. Das haben wir so auch noch nicht erlebt, aber wir haben ehrlich gesagt auch solche Fotomontagen noch nicht erlebt. Der Presserat schreibt auch vor, dass man Symbolfotos und Foto-Montagen kenntlich machen muss, und daran haben sie sich zumindest gehalten. Das ist lobenswert. Aber ob man solche Foto-Montagen überhaupt machen muss, ist natürlich noch eine andere Frage. Das hat’s auch schon mal gegeben vor einer Weile: Da hat auch so ein Heft Helene Fischer auch in ein Brautkleid gesteckt und das dann ganz groß auf dem Cover gefahren. Aber dass jetzt eine ganze Reihe von Montagen präsentiert werden, das ist tatsächlich eine Neuheit in der Regenbogenpresse.

Moritz: Denn man muss sich das mal vorstellen: Helene Fischer wird nicht nur in einem “Tülltraum” präsentiert, sondern auch noch “in weißer Spitze”, “im Hochzeits-Dirndl”, “in platinfarbener Seide”. Und die “Neue Post” ist dann auch noch so nett und schreibt am Ende: “Tja, Flori”, also Florian Silbereisen, “in welchem Kleid gefällt sie dir am besten?” Es ist also auch noch ein richtiges Service-Stück für das Traumpaar der Schlagerszene, das mal sehen kann: So könnte Helene Fischer im Brautkleid aussehen, und Ihr könnt Euch jetzt entscheiden, was Ihr für Eure hoffentlich bald anstehende Hochzeit auswählt.

Die Qualität der Foto-Montage lässt ja auch ziemlich zu wünschen übrig, finde ich. Denkt die “Neue Post”, dass sie durch diese Montage tatsächlich Helene Fischer zum Heiraten bewegen kann?

Moritz: Also im Vergleich zu anderen Foto-Montagen, die uns in der Regenbogenpresse begegnen, finde ich, zeugt die Qualität geradezu von herausstechender Perfektion. Da gibt’s deutlich schlimmere Sachen. Die “Neue Post” schreibt ja auch sehr stolz: “[...] haben wir nach Brautkleidern gesucht — und sie dank moderner Foto-Technik Helene auf den Leib genscheidert.” Die scheinen also sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Was natürlich so überhaupt nicht passt — zum Hintergrund: Helene Fischer ist 1,58 meter groß, also relativ klein gewachsen –, sind die Models, auf deren Körper jetzt der Kopf von Helene Fischer gesetzt wurde. Die sind sicherlich über 1,80. Das passt also von vorne bis hinten nicht.

Mats: Und ich glaube auch nicht unbedingt, dass sie sie jetzt damit zum Heiraten zwingen oder bewegen wollen. Das ist einfach, um die Wartezeit, bis es endlich so weit ist, mit irgendwelchen Träumereien zu füllen. Da wurd’ schon alles durchgespielt: Traumhochzeit auf dem Schiff und sie könnten ja in Hamburg heiraten und sie könnte ja dies und sie könnten das. Also diese ganzen theoretischen und hypothetischen Überlegungen zu der Hochzeit, die spielen sie jetzt alle durch, ganz genüsslich, bis es dann endlich so weit ist, weil sie sich irgendwie die Zeit vertreiben müssen und dabei gerne irgendwelche Friede-Freude-Helene-Geschichten machen.

Auch wenn Ihr sagt, die Qualität war recht gut — ich finde, auf dem Bild des Covers sieht Helene Fischer doch recht frisch aus, zu frisch schon, also ziemlich retuschiert. Und der Kopf sitzt auch nicht so richtig da, wo er sitzen sollte.

Mats: Das ist immer das Problem bei solchen Montagen: Die werden schnell entlarvt. Und da hätten sie sich vielleicht gerade fürs Cover ein bisschen mehr Mühe geben können. Aber vielleicht haben sie auch absichtlich ein etwas schlechteres Foto aufs Cover genommen, um sich da keinen Ärger einzuhandeln. Man kennt das ja von Helene Fischer, die ist da auch recht flott mit einem Anwalt zur Stelle, wenn da irgendetwas nicht rechtens läuft. Und ich denke, das sind alles Vorsichtsmaßnahmen — auch dass sie auf jede Foto-Montage noch einmal einen dicken Stempel mit “Exklusive Foto-Montage” gepackt haben, um da ja kein Risiko einzugehen, dass man da möglicherweise verklagt werden könnte. Ich denke also, das sind alles Vorsichtsmaßnahmen. Und vielleicht haben sie es deswegen auf dem Cover ein bisschen künstlicher wirken lassen.

Denkt Ihr denn, das ist jetzt die Zukunft, dass die anderen Blätter nachziehen in die Richtung mit so einem Verweis?

Moritz: Na, dann ist es ja nicht mehr “exklusiv”. Nein, ich glaube nicht, dass jetzt jedes Heft mit so einer Montage ankommt. Das ist schon eine ziemlich fixe Idee von der Redaktion der “Neuen Post” gewesen. Die kommen ja auch so immer auf genug Sachen, die sie über Helene Fischer und Florian Silbereisen berichten können. Beispielsweise war Silbereisen vor einer Weile in der WDR-Sendung “Zimmer frei” zu Gast. Da wurden auch ein bisschen persönlichere Gespräche geführt. Das ist jedes Mal reichlich Stoff für die nächste Titelgeschichte. Der “Neuen Post” ist wohl einfach nichts anderes eingefallen diese Woche. Aber die werden sicherlich in den nächsten zwei, drei Wochen wieder auf irgendetwas Neues kommen, ohne diese exklusiven Foto-Montagen.

Vielleicht reden sie dann über die zehn Kinder, die mit den beiden auf einem Foto zu sehen sind oder so …

Moritz: Das wäre der nächste logische Schritt: Zum heilen Weltbild der Regenbogenpresse gehört ja nicht nur die Hochzeit, sondern auch eine zahlreiche Kinderschar, die sich um ein Paar scharen soll. Das fehlt natürlich noch.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

Und unter diesem RSS-Link gibt’s das Ganze als Podcast.


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Das Rennen um den dümmsten Titel
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Das Rennen um den dümmsten Titel

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um zwei unterschiedliche Schlagzeilen zum selben Ereignis:

Michael Schumacher - Sein Sohn hat ein Wunder vollbracht
Neuer Schock - Michael Schumacher - Nicht auch noch sein Sohn! - Zerbricht er am Schicksal seines Vaters?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: In den Heften der Regenbogenpresse geht’s nicht nur um Promis, sondern auch um deren Familienangehörige. Mehr oder weniger ereignisreiche Geschehnisse werden als große Story verkauft — und gänzlich unterschiedlich interpretiert. Eine der führenden Schlagzeilen dieser Woche dreht sich um den 15-jährigen Sohn von Michael Schumacher, Mick Schumacher. Der ist jüngst beim Kartrennen um die Deutsche Juniorenmeisterschaft gestartet, was die Regenbogenpresse nicht so eindeutig deuten kann — oder will: Laut der “Neuen Post” hat Mick Schumacher “ein Wunder vollbracht”, “Die neue Frau” hingegen titelt: “Neuer Schock — Nicht auch noch sein Sohn!” Was da genau vorgefallen ist auf der Kartbahn, und warum die Regenbogenpresse daraus konträre Schlagzeilen bastelt, darüber kann ich sprechen mit Mats Schönauer, einem der beiden Köpfe hinter topfvollgold. Mats, was war da los auf der Jugend-Rennstrecke, wenn man die mal so nennen darf?

Mats: Tja, da war eigentlich nicht viel mehr los, als dass der Sohn von Michael Schumacher da gefahren ist. Und das interessiert die Medien offenbar brennend. Das war nicht nur Titelgeschichte bei der “Bild”-Zeitung, sondern auch schon seit Tagen in der Regenbogenpresse. Und zwar ist der Sohn von Michael Schumacher, der fährt Kartrennen, bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft Zweiter geworden. Das ist die ganze Geschichte. Interessant ist nicht nur, dass die Medien sich so darauf stürzen, sondern wie gegensätzlich sie das interpretieren. Du sagtest ja schon, die “Neue Post” schreibt: “Sein Sohn hat ein Wunder vollbracht”. Da denken die ganzen Omis wahrscheinlich: “Oh, der Sohn hat irgendwas gemacht, und jetzt geht es Michael Schumacher besser.” Da spielen die Redaktionen schon ganz bewusst mit dem Gesundheitszustand von Michael Schumacher und tun dann so, als hätten sie neue Informationen. In Wirklichkeit geht es in der Geschichte aber tatsächlich nur um dieses Kartrennen.

Also völlig unterschiedliche Geschichten. Man fragt sich, ob die Zeitungen das gleiche Rennen gesehen haben. Wie kommt es dazu, dass daraus diese völlig unterschiedlichen Headlines entstehen?

Die nehmen sich einfach eine Nachricht und drehen die dann so, wie es gerade passt. Die “Neue Post” wollte dann wahrscheinlich mit einer schönen Geschichte locken auf dem Cover und hat’s sich dann so zurecht gedreht, dass sie da was Positives titeln kann. Die Redaktion interpretiert jetzt einfach, dass der Sohn Zweiter geworden ist, als “Wunder”, oder vielmehr sieht sie es als hypothetisches Wunder, das noch kommen könnte. Die Mitarbeiter haben nämlich noch einen Arzt gefragt, und der sagt: Bei Komapatienten ist es immer von Vorteil, wenn es gute Nachrichten gibt, da könnte sich dann der Gesundheitszustand verbessern. Und diese Möglichkeit reicht dem Blatt schon, um daraus ein Wunder zu stricken. “Die neue Frau” und andere Hefte dachten sich: Da machen wir eine schlimme Nachricht raus. Die haben es so gedreht: “Nicht auch noch sein Sohn!” Die Redaktion suggeriert auf dem Titel, es gäbe eine ganz schlimme Nachricht, als sei der Sohn vielleicht auch verunglückt. Aber da geht’s dann einfach nur darum, dass er nur Zweiter geworden ist und dass beim Kartfahren ja sowieso viele Gefahren drohen. Die drehen sich die Geschichte so zurecht, wie sie es gerade mögen, und dann picken sie sich die Fakten raus und überdrehen sie solange, bis sie so eine Schlagzeile bringen können.

Es war auch noch etwas Anderes zu lesen: Er wurde “nur” Zweiter und er rastete aus. Was ist das denn für ein gefundenes Fressen?

Ich habe das Rennen selbst nicht gesehen, deswegen weiß ich nicht, ob es stimmt. Aber “Die neue Frau” schreibt einfach, dass er sich darüber geärgert habe, dass er nur Zweiter geworden ist, was ja erstmal verständlich ist. Und dann soll es auch noch eine Rangelei gegeben haben. Das formuliert das Blatt aber auch schon so vage, dass ich es überhaupt nicht abkaufe. Selbst wenn er sich darüber geärgert hat, nur Zweiter geworden zu sein — man darf es nicht so überbewerten, wie die Hefte es tun. Es kam denen natürlich ganz gelegen, wenn es tatsächlich so passiert ist, weil sie daraus dann so etwas Negatives stricken konnten.

“Die neue Frau” hat ja sogar geschrieben, dass dieser Ausraster am schlechten Gesundheitszustand seines Vaters liegt. Stellt sich die Frage: Darf man als Familienangehöriger und als 15-jähriger Teenager eines Promis überhaupt noch normal — sprich emotional — durchs Leben spazieren?

Natürlich darf man das. Das Problem ist aber, dass dann an jeder Ecke Fotografen lauern, die das festhalten, und noch schlimmer: Dass die Regenbogenautoren in ihren Redaktionen sitzen und aus diesen Fotos und Videos solche Geschichten stricken. Ich finde, das ist eine große Unverschämtheit. Ich frage mich sowieso, welches Intresse die Öffentlichkeit daran hat, ob der Sohn von Michael Schumacher jetzt ein guter Rennfahrer ist oder nicht. Darüber kann man natürlich berichten, aber dass es dann solche großen Titelgeschichten werden, finde ich unangebracht — auch schon bei der “Bild”-Zeitung. Und wenn dann die Regenbogenpresse noch solche Geschichten daraus strickt und das so perfide verbindet mit dem Gesundheitszustand von Michael Schumacher und solche Gerüste sich strickt, wie das alles miteinander zusammenhängen könnten, und dann noch solche lockenden Schlagzeilen auf die Titelseiten packen, dann ist das eine ziemliche Frechheit. Aber es lässt sich momentan ja leider nicht groß ändern.

Und es hilft in diesem Fall offenbar auch nicht, dass der Sohn von Michael Schumacher unter dem Mädchennamen seiner Mutter fährt — also gar nicht als Schumacher startet.

Eben. Daran erkennt man schon, dass sie damit gar nicht in Verbindung gebracht werden wollen, aus welchen Gründen auch immer. Das gelingt leider nur mittelmäßig, wenn die Medien das einfach ignorieren und daraus große Titelgeschichten basteln.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

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Krisen auf der Wiesn
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Krisen auf der Wiesn

Auf dem Oktoberfest werden ja bekanntlich mehr Ehen gebrochen als geschlossen, und das ist toll. Also — toll für die Regenbogenpresse. Denn wenn es eins gibt, worüber die Knallhefte noch lieber berichten als über Helene-Fischer-Zeugs, dann sind es Eheprobleme bei Promis. Und von denen tummeln sich auf der Wiesn nun mal besonders viele.

Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendeine Schlagernase zu tief in einem fremden Ausschnitt steckt oder eine Moderatorin besoffen über ihren Gatten lästert, ist auf dem Oktoberfest also deutlich höher als irgendwo sonst in Deutschland und in der weiten Welt.

Doch den bunten Blättern reicht auch schon viel weniger, um einem Promipaar eine Wiesn-bedingte Ehekrise anzudichten. Zum Beispiel den Beckers. Die waren auch auf dem Oktoberfest, und schon kreischt die “Neue Post” auf dem Cover:

Boris Becker - Trennungs-Drama!

Im Innern spricht sie gar von “Betrug” und der “Nacht, in der er seine Ehe verspielte”. Auch in der “Woche der Frau” ist von einer “dramatischen Nacht” die Rede, das Blatt sieht schon den “endgültigen Bruch” bei den Beckers kommen, und die “Freizeitwoche” stellt die (rein rhetorische) Frage:

Lilly und Boris Becker - Ist das das Ende?

Der Grund für das angebliche Drama: Lilly Becker verließ die Party angeblich früher, weil ihr Sohn angeblich krank geworden war und angeblich ins Krankenhaus musste. Und Boris, der Ehemann und Vater? Der ließ “sein eigenes Kind im Stich”, “feierte ohne seine Frau […] weiter und flirtete, was das Zeug hielt” — angeblich.

In der Tat postete “Bobbele” am ersten Wiesn-Wochenende im Internet ein Foto von sich mit drei jungen Frauen im Dirndl, was für die bunten Blätter nunmehr der endgültige Beweis ist: “Es scheint wirklich alles aus zu sein …”

So schließt die “Woche der Frau” dann auch mit den Worten: “Wir hoffen, dass sie sich versöhnen”. Und selbst wenn der Rest der Geschichte stimmt — das ist garantiert gelogen.


Dieser Text ist vorgestern auch im “Tagesspiegel” erschienen. Jeden zweiten Montag schreiben wir dort eine Kolumne über die Regenbogenpresse.


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