Du Liebesbisschen in der Boxengasse
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Du Liebesbisschen in der Boxengasse

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um die nächste Quatschgeschichte zum Sohn von Michael Schumacher:

Mick Schumacher - Liebesglück in der Boxengasse? - Schon sein Vater fand hier die Frau fürs Leben

(“Die neue Frau”; Verpixelung von uns.)

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Ich freue mich ja sehr, dass ich heute wieder dank Euch oder genauer: dank der Zeitschrift “Die neue Frau” brandheiße Informationen bekomme über das zarte Liebesglück des Sohnes von Michael Schumacher und … ja, wem eigentlich? Irgendwas fürs Herz auf jeden Fall heute!

Moritz: Genau, wir haben eine richtige Lovestory mitgebracht, sogar ‘ne kleine Foto-Lovestory. “Die neue Frau” hat eine kleine Titelgeschichte gedruckt mit der Überschrift “Liebesglück in der Boxengasse?” und der Unterzeile “Schon sein Vater fand hier die Frau fürs Leben”. Es geht um Mick Schumacher, der neulich in Oschersleben sein erstes Formel-4-Rennen gefahren ist und das auch gleich gewonnen hat. Und da waren wohl auch Fotografen aus der Klatschszene dabei, die dann mal ein bisschen geguckt haben, was für Mädels Mick Schumacher eigentlich so umschwärmen. Und dann gab’s da ein Mädchen, das geht hier auf dem Foto mit ihrer Panda-Handyhülle in der Hand gute vier, fünf Meter hinter Mick; die Perspektive elegant gewählt, so dass es aussieht, als würden sie noch ein bisschen näher zusammenstehen, und schon haben wir für Mick Schumacher das erste Liebesglück in der Boxengasse, nämlich dieses 14-jährige Mädchen, das auch gleich mit Namen genannt wird, nämlich Gina-Maria.

Das Foto ist tatsächlich eher ein Zufallsschnappschuss, also wenn man nicht die Geschichte dazu hätte — ich hätte die jetzt nicht als zusammengehörig empfunden. Ihr?

Mats: Nee. Wenn man den Text liest, sieht man auch schnell: Die sind überhaupt nicht zusammengehörig. Also das ist einfach nur ein Mädel, das ab und zu bei den Rennen rumspringt und den Sohn von Schumi dann verfolgt und toll findet und Fotos von ihm macht, und daraus strickt “Die neue Frau” dann einfach eine Geschichte. Da hätte man bestimmt noch hundert andere Mädels nehmen können. Dass es jetzt ausgerechnet sie getroffen hat, ist vermutlich Zufall.

Das Liebesglück wird auch zusammengestrickt aus der einfachen Information, dass er ihr offenbar versprochen hat, ein Autogramm zu geben und ein Selfie mit ihr zu machen.

Moritz: Ja, so endet der Artikel. Ein ganz trauriges Ende eigentlich, denn da muss “Die neue Frau” doch ein bisschen zugeben, dass das Verhältnis der beiden vielleicht nicht ganz so eng ist, wie sie es gerne hätte. Sie schreibt, dass die Teenies “längst miteinander in Kontakt sind”, und zitiert das Mädchen, das gesagt haben soll: “Mick hat mir ein Selfie und ein Autogramm versprochen!” Für “Die neue Frau” ein klarer Fall: “Möglich, dass wir hier den Anfang einer ganz großen Liebesgeschichte sehen.” Ja, möglich, und auch ziemlich unmöglich.

Ein zweiter Punkt, der für “Die neue Frau” natürlich ganz toll ist, ist der Name dieses Mädchens, Gina-Maria, das ist nämlich auch der Vorname von Micks Schwester. Und das ist auch kein Zufall, denn die Eltern der 14-Jährigen sind große Schumacher-Fans, darum haben sie ihre Tochter genauso genannt, wie auch ihr Idol seine Tochter genannt hat. Naja, das ist natürlich ein Jackpot für “Die neue Frau”.

Es ist ja eine Menge bedenklich an diesem Artikel. Ihr habt mir auch das Cover der Zeitschrift mitgeschickt, und da sieht man, dass ganz offensichtlich an dem Foto der beiden herumgedoktort wurde, denn da sind ihre Köpfe noch viel näher zusammen als sie es in Wirklichkeit waren. Einfach, um eine Verbindung zu basteln, die es eigentlich gar nicht gibt.

Moritz: Genau. Oder es gibt noch ein zweites Foto, wo die beiden ganz genauso gucken wie auf dem ersten, aber viel enger zusammenstehen — aber das ist natürlich Quatsch. Das Foto wurde einmal schnell durch Photoshop gejagt. Man müsste mal schauen, ob noch irgendwo klein “Fotomontage” oder “Bildkomposition” steht, bisher haben wir da noch nichts gefunden. Also so ganz sauber ist das alles nicht.

Weder das Bild, noch die Story.

Mats: Und was ich besonders eklig finde, ist, dass die schreiben: Der arme Mick Schumacher, der kann ja gar keine normale Jugend haben und so weiter, “wenn er ein Mädchen küsst oder zum Eisessen ausführt, weiß es gleich die ganze Welt”. Also da machen sie einen auf Mitleid, und dann schreiben sie so eine Pseudo-Liebesgeschichte nur darauf basierend, dass ein Mädel ihm hinterhergerannt ist und ein Autogramm haben wollte. Also diese Bigotterie, diese Scheinheiligkeit ist nochmal extrem eklig in dieser Geschichte.

Warum macht die Zeitschrift das? Also es ist doch eigentlich so offensichtlich, dass an der Geschichte nicht viel dran ist und dass das Titelbild manipuliert wurde — ich versteh’s nicht. Erklärt es mir!

Moritz: Viele Leute lechzen förmlich danach zu erfahren, wie es Michael Schumacher geht. Das weiß natürlich auch “Die neue Frau”, das wissen auch die ganzen anderen Hefte, deswegen suchen die händeringend nach irgendwelchen blöden Nichtigkeiten, die man dann ausschlachten und auf die Titelseite packen kann. Und da von der Familie Schumacher beziehungsweise dem Management momentan so gut wie nichts rausgegeben wird, was ja sehr klug ist, erweitern die Schreiber sozusagen den Kreis, in dem sie Informationen suchen. Und das ist jetzt leider Schumachers Sohn. Nun kann man natürlich sagen: Der fährt Formel 4 und gewinnt auch hin und wieder, da ist eine Berichterstattung gerechtfertigt. Das sehe ich auch so: Über die Formel-4-Karriere des Sohns kann man gerne was schreiben. Aber eben nicht über einen 16-Jährigen, der sich angeblich vielleicht in eine 14-Jährige verliebt hat, weil sie auf der Rennstrecke in Oschersleben mit einem Handy hinter ihm herrennt.

Mats: Ich finde es auch problematisch, dass da ein junges Mädchen dermaßen in die Öffentlichkeit gezerrt wird. Sie wird zitiert, ihr Name wird genannt, und ihr Foto ist sogar auf der Titelseite. Der Vater wird auch zitiert, also kann man wohl schon davon ausgehen, dass die Eltern davon wussten, aber man weiß auch nicht, wie die Umständ waren. Also ich glaube nicht, dass sie wussten, was da für eine Geschichte rauskommen würde.


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Kinder, die in Nasen bohren
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Kinder, die in Nasen bohren

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um Erziehungstipps von den Regenbogen-Nannys der “neuen Frau”:

Prinzessin Mette-Marit - Lässt sie ihre Kinder verwahrlosen?

(“Die neue Frau”)

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit soll eine schlechte Mutter sein. Warum?

Moritz: Genau, völlig überfordert ist die gute Dame. Es gab neulich einen öffentlichen Auftritt von der Familie Mette-Marits. Neben ihrem Mann Haakon waren noch zwei Kinder dabei: einmal Ingrid Alexandra, das ist die elfjährige Tochter, und dann noch Sverre Magnus, der neunjährige Sohn. Und vor allem, wie “Die neue Frau” schreibt, “Wildfang Sverre” ist “völlig aus der Rolle” gefallen. Der bohrte ein bisschen in der Nase, was die Paparazzi natürlich festhielten. Dann gähnte er und nahm dabei die Hand nicht vor den Mund, obwohl seine Großeltern, also das Königspaar, ihm gegenüberstand. Also: Dieser Junge hat von vorne bis hinten keine Manieren. Er und seine Schwester aßen dann auch noch etwas hurtig, was auf den Fotos auch nicht sonderlich schön aussah. Das ist alles selbstverständlich fein-säuberlich dokumentiert in der “neuen Frau”. Und all das lässt die Redaktion dann zu ihrem Schluss kommen, dass Mette-Marit eine schlechte Mutter ist. Das Blatt fragt dick und fett in der Überschrift: “Lässt sie ihre Kinder verwahrlosen?”

Und woran liegt das nach Meinung der “neuen Frau”, die ja alles zu wissen scheint?

Da gibt es mannigfaltige Gründe. Knapp zwei Drittel des Textes gehen nur dafür drauf, mögliche Gründe aufzuzählen, zu spekulieren. Das fängt an mit der Vermutung, dass Mette-Marit einfach nur zu faul ist. Denn ihre Landsleute in Norwegen finden’s nicht nur völlig daneben von ihr, dass sie sich dauernd teure Kleider kauft, sondern: Sie gilt laut “neuer Frau” auch als ein bisschen “‘arbeitsscheu’”. Und das könnte auch bei der Erziehung der Kinder gelten.

Erziehung ist auch Arbeit.

Richtig, tagtägliche sogar. Und da sei sie auch nicht so ganz mit vollem Einsatz dabei. Die nächste mögliche Erklärung: Mette-Marit ist zu viel mit sich selbst beschäftigt. Da kommt das alte Gerücht um eine angebliche Depression und psychische Leiden einmal mehr auf. Sie hat auch mal eine Art Selbstfindungstrip nach Indien unternommen. Auch damals schon die Vermutung: Leidet sie an psychischen Problemen? Soll für den aktuellen Fall heißen: Mette-Marit ist völlig überfordert, weil sie mit ihrer Psyche nicht klarkommt — und deswegen haut die Kindererziehung nicht hin. Und so nennt “Die neue Frau” fröhlich ein paar mögliche Gründe. Sie rät herum, ohne was zu wissen.

Ich möchte an dieser Stelle mal was Kritisches anmerken: Warum wird hier eigentlich nur die Mutter für die schlechte Erziehung verantwortlich gemacht? Was ist denn mit dem Papa?

Das gehört schlichtweg zum Familienbild, das nicht nur “Die neue Frau”, sondern alle Regenbogenblätter zeichnen: Die Mutter ist dafür zuständig, für Ordnung bei den Kindern und für Manieren zu sorgen. Gerade die Königs- und Prinzenkinder müssen nach Meinung der Hefte unbedingt Manieren lernen, weil sie später in besseren Kreisen unterwegs sein und dort sonst ausgelacht werden, wenn sie die Gepflogenheiten nicht kennen. Der Vater hat im Regenbogen-Familienbild andere Aufgaben: Der muss in der Regel das Geld ranschaffen, was in einer adeligen Familie nun nicht zwigend notwendig ist. Aber so sieht das Weltbild eben aus, das diese Magazine jede Woche zeichnen. Und da passt es einfach nicht hinein, wenn ein kleiner Junge gähnt, ohne sich die Hand vor den Mund zu halten.

Solche Geschichten, dass Prominente schlechte Eltern sind, verkaufen sich ja immer super in der Klatschpresse. Woran liegt das? Weil es uns beruhigt, dass die zwar immer super aussehen und total erfolgreich sind aber, ha, dafür leidet die Familie?

Wir merken, dass die Geschichten in der Regenbogenpresse — auch die, die wir hier jede Woche mit Euch besprechen — oft Negativ-Geschichten sind. Wir vermuten, dass die Leserschaft immer ein wenig vom Glanz und Glamour der Promis und der Adeligen abhaben möchte: Diese ferne Welt der Paläste und der Promipartys soll ein bisschen näherkommen durch “Die neue Frau” beispielsweise. Aber man freut sich dann doch, wenn diese schimmernden Welten den einen oder anderen Riss aufweisen, und bei Mette-Marit eben nicht alles glatt läuft, obwohl sie so toll aussieht und obwohl sie einen tollen Mann und tolle Kinder hat. Die Kinder sind eben doch nicht so toll und bohren auch mal in der Nase. Ich glaube, die Leserschaft freut sich da durchaus, die Makel in der eigentlich heilen Welt entdecken zu können.


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Ein trauriger Lichtblick
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Ein trauriger Lichtblick

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um zwei völlig unterschiedliche Interpretationen einer Nachricht:

Michael Schumacher - Endlich wieder ein Lichtblick!

(“Woche der Frau”)

Michael Schumacher - Traurige Nachricht

(“Woche heute”)

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Ihr habt heute — ich zitiere — “die schönste Nachricht seit Langem” für uns mitgebracht. Und es hat was zu tun mit Michael Schumacher. Worum geht’s?

Moritz: Also ob das nun eine schöne Nachricht ist oder nicht, das sehen die Hefte unterschiedlich. Aber genau: Es geht um Michael Schumacher und seinen Sohn Mick. Der hat nämlich einen Vertrag in der Formel 4 bekommen. Jeder kennt die Formel 1, da ist Sebastian Vettel sehr erfolgreich, Nico Rosberg und früher auch Michael Schumacher. Dann gibt es aber auch eine etwas kleinere Wagenklasse, die sogenannte Formel 4. Und bei einem Rennstall dort hat der Sohn von Michael Schumacher jetzt einen Vertrag bekommen. Die Saison startet im April, da ist er jetzt bald also auf der Rennstrecke. Und die “Woche der Frau” schreibt von einem “Lichtblick”, den es jetzt endlich mal wieder gibt — nach all den traurigen Nachrichten nun wieder etwas Positives. Ein anderes Heft, die “Woche heute”, sieht das allerdings ganz anders …

Mats: … die schreibt nämlich: “Michael Schumacher — Schreckliche Sorgen — Nicht auch noch sein Sohn!” Und auf der Titelseite kündigt die Redaktion das mit “Michael Schumacher — Traurige Nachricht” an. Das ist alles, was vorne auf der Titelseite zu der Geschichte steht. Was so traurig und so schrecklich daran ist: Rennsport ist kein ungefährlicher Sport, und die arme Familie von Michael Schumacher jetzt auch darum bangen muss, dass vielleicht dem Sohn auf der Rennstrecke was passiert. Das ist der Grund, warum die “Woche heute” eine “Traurige Nachricht” zu verkünden hat. Wir finden das interessant, dass die “Woche der Frau” von einem “Lichtblick” schreibt und das alles ganz toll findet, und die “Woche heute” das alles ganz schlimm findet. Das passt gut in die bisherige Berichterstattung über Michael Schumacher. Wenn ein Heft auf der Titelseite nur schreibt: “Michael Schumacher — Traurige Nachricht”, dann ist für die Leserschaft erstmal nicht zu erkennen, worum es eigentlich geht. Die Blätter suggerieren ganz gerne, dass sie Neuigkeiten über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher haben. Die Leserinnen und Leser können dann natürlich annehmen, dass die “Traurige Nachricht” bedeutet, dass sich beim Gesundheitszustand etwas verschlechtert hat, und dass sie nähere Infos dann im Heftinnern bekommen. Das ist dann aber natürlich nicht so. Also: Die Hefte suggerieren, sie hätten Informationen über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher und in Wirklichkeit geht es nur um die Formel-4-Karriere seines Sohns.

Ich finde das tatsächlich interessant: Wir haben die gleiche Ausgangsinformation, dass der 15-jährige Sohn in seine Rennfahrer-Karriere startet. Und die unterschiedlichen Blätter machen wirklich komplett gegensätzliche Dinge daraus. Und dann wird auch noch über Michael Schumacher getitelt, obwohl die Geschichte nicht mit Michael Schumacher zu tun hat — außer dass sein Sohn jetzt Autos fährt.

Moritz: Genau, der eine Punkt ist, dass die Hefte eine Geschichte über Michael Schumacher verkaufen, vermutlich weil die Leserschaft mit ihm bestimmte Emotionen verbindet und weiß, dass es vor einigen Monaten einen Unfall gab. Der zweite Punkt ist die reine Willkür, wie die Redaktionen eine Geschichte auslegen. Die stricken sich das einfach so zusammen, wie sie wollen. Man hätte ja auch einfach eine kleine Nachricht bringen können: Hier, Michael Schumachers Sohn hat jetzt einen Vertrag in der Formel 4 — und das wär’s. Aber nee, die machen da eine große Geschichte draus, entweder die riesige Hoffnungsgeschichte oder die riesige Sorgengeschichte. Das zeigt einmal mehr, wie mit der Familie Schumacher umgesprungen wird. Wobei das anderen Prominenten genauso geht: Eine ganz nüchterne Nachricht wird als große Hoffnungssensation oder als großer Untergang verkauft.

Was ich auch noch ganz interessant fand: Ich glaube, das war der Artikel der “Woche der Frau”, da kamen vom Hölzchen aufs Stöckchen alle Mitglieder der Familie Schumacher einmal vor in dem Text, obwohl es eigentlich ja nur um den jugendlichen Rennfahrer geht. Also: die Geschiedene, die Ehefrau, die Tante — unglaublich. Machen die Hefte das öfter so?

Mats: Das machen die ganz gern. Irgendwie muss dieser Artikel ja auch mit irgendwelchem Quatsch gefüllt werden. Da können die jetzt nicht nur hinschreiben: Der Sohn fährt Formel 4 und das war’s auch schon. Dann wäre die Seite ziemlich leer. Also müssen die das andicken mit irgendeinem Quatsch, den man sonst noch findet. Da beschreiben die dann einfach Altbekanntes oder saugen sich irgendwas aus den Fingern. In diesem Fall ist das auch ganz besonders eklig, an der Stelle, wo das Heft auf Cora Schumacher zu sprechen kommt. Die ist ja demnächst bei “Let’s Dance”, dieser Tanz-Show von RTL. Und jetzt spekuliert die “Woche der Frau” darüber, ob sie möglicherweise Insider-Infos ausplaudert oder irgendwas über Michael Schumacher erzählt, das die Öffentlichkeit nicht erfahren sollte. Die Redaktion schreibt: “Geschmacklos, falls sie noch aus dem Unfall ihres Ex-Schwagers Profit schlägt.” Das ist natürlich genau das, was diese Hefte machen: Sie schlagen Profit aus dem Unfall von Michael Schumacher und aus dem Leider der Familie und werfen gleichzeitig Cora Schumacher indirekt vor, dass sie möglicherweise Profit daraus schlagen will. Diese wirklich widerliche, eklige Doppelmoral zieht sich wie ein roter Faden durch die Berichte über Michael Schumacher.

Genau an dieser Stelle gibt es noch ein schönes Beispiel für die Empörung, die in diesem Artikel auch rauskommt gegenüber dem Fernsehen: Gab es die Einladung für Cora Schumacher zu “Let’s Dance” etwa nur, um diese internen Familiendinge aus ihr herauszulocken? Also etwas, was diese Blätter ja offensichtlich nie machen würden.

Moritz: Man kann sich vorstellen: Sollte irgendwann mal die Möglichkeit für die “Woche der Frau” bestehen, ein Exklusiv-Interview mit Cora Schumacher zu bekommen, dann wäre das eine riesig große Titelgeschichte. Da würden die sich die Finger danach lecken, diese Informationen zu bekommen. Und genau das stört uns eben an der Regenbogenpresse: eine Bigotterie, die ihresgleichen sucht.

Mats: Und selbst wenn Cora Schumacher irgendwas ausplaudern würde bei RTL, dann würden die Regenbogenhefte das natürlich sofort abdrucken. Dann würde es heißen: “Sensationelle Enthüllung — Unfassbar, was sie im Fernsehen erzählt”. Und dann würden die Redaktionen das auch wieder breittreten und sich drüber empören. Das ist also schon eine ziemlich widerliche Angelegenheit, was die so machen mit Michael Schumacher und der Familie.

Abgesehen davon, dass wir mal wieder ein schönes Beispiel gezeigt bekommen haben von der Doppelmoral von Boulevardblättern: Was nehmen wir aus dieser Episode heute mit?

Moritz: Vor allem, dass die Regenbogenredaktionen willkürlich festlegen, wie sie Geschichten ausspielen. Da kann es dann übrigens auch mal vorkommen, dass innerhalb eines Verlages, wo dieselben Leute an zwei verschiedenen Heften sitzen, das eine Heft schreibt, dass es ganz positiv aussieht, und das andere schreibt das komplette Gegenteil. Die reine Willkür also, es gibt offenbar kein Interesse daran, möglichst objektiv und neutral zu berichten, sondern es geht um eine knallige Schlagzeile und einen guten Verkaufserlös.


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Plötzliche theoretische Möglichkeit
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Plötzliche theoretische Möglichkeit

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um diese, ähm, taktvolle Schlagzeile der “Freizeitwoche”:

Stefanie Stappenbeck - Plötzlicher Kindstod - Der Albtraum jeder Mutter

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Heute geht es um die Schauspielerin Stefanie Stappenbeck. Die 40-Jährige hat eine einjährige Tochter. Und die Zeitschrift “Freizeitwoche” hatte wohl mal wieder Themenmangel: Sie schockte die Leserschaft auf der Titelseite mit “Stefanie Stappenbeck — Plötzlicher Kindstod”. Sagt mal, Jungs, wenn man diese Meldung liest, geht man eigentlich davon aus, dass die einjährige Tochter von Frau Stappenbeck am plötzlichen Kindstod gestorben ist, oder?

Mats: Genau. Am Anfang der Geschichte wird beschrieben, wie Stefanie Stappenbeck sich mit ihrem Mann zusammen rührend um ihr Kind kümmert, da wird szenisch beschrieben, wie die beiden im Interview sitzen und sich mit dem Kind beschäftigen. Für mich klang das alles so, als sei das der emotionale Einstieg und dass irgendwann der Knall kommt: Jetzt ist es aber nicht mehr so, jetzt können sie sich nicht mehr um ihr Kind kümmern, denn es ist gestorben am plötzlichen Kindstod. Bis zu dieser Stelle: “Das Mädchen schläft sogar mit im Bett seiner Eltern und wird keine Minute aus den Augen gelassen. Fürchtet die Berlinerin nicht den plötzlichen Kindstod? ‘Nein’, weist Stefanie Stappenbeck diese Befürchtung entschieden zurück.” Da kommt dann tatsächlich auf einmal der große Knall, aber es ist nicht das, was ich vermutet hatte beim Lesen, sondern dass das Kind noch lebt und es einfach nur die theoretische Möglichkeit des plötzlichen Kindstods gibt. Das benutzt die “Freizeitwoche” dann, um diese Schlagzeile zu generieren.

Es ist ja irgendwie eine komplette Irreführung, wenn man so will. Wie sieht es mit so einer Meldung denn rechtlich aus? Man erkennt ja erst im Artikel, dass hier nur eine eventuelle Gefahr umschrieben wird.

Moritz: Ja, eine völlige Katastrophe, diese Überschrift. Aber natürlich sehr bewusst gewählt von der “Freizeitwoche”. Das ist erstmal ein Knalleffekt auf der Titelseite: “Plötzlicher Kindstod”. Nun kennt nicht jeder Stefanie Stappenbeck …

Ich kannte sie, ehrlich gesagt, auch nicht.

Moritz: Die spielt immer mal wieder im Tatort mit, hat auch mal einen Deutschen Fernsehpreis gewonnen. Sie ist jetzt nicht die allererste Garde, aber darum geht’s der Redaktion der “Freizeitwoche” wahrscheinlich auch gar nicht. Die haben einfach die Chance gewittert: Ah, hier, die Stappenbeck hat sich zum Thema Kindstod geäußert. Zwar in einer negativen Art und Weise, sie sieht also keine Gefahr, aber dennoch hat sie sich dazu geäußert, also können wir es dick und fett auf die Titelseite packen, und das wird die Leserinnen und Leser und potentiellen Käufer sicherlich ansprechen, die werden zugreifen. Da wittern die Verlage ja auch immer die Chance einer höheren Auflage und eines höheren Verkaufserlöses. Aber aus rechtlicher Sicht — also ethisch müssen wir nicht drüber sprechen: Die Titelzeile ist relativ verwerflich, und es ist unserer Meinung nach nicht mit journalistischen Grundsätzen zu vereinbaren, so zu tun, als wäre ein Kind gestorben, und am Ende: Ätsch, doch nicht, der Tochter geht’s ganz prächtig und sie wird super umsorgt von ihren Eltern. Tja, und presserechtlich gesehen: Durch die Aussagen von Stefanie Stappenbeck geht es grundsätzlich natürlich schon um das Thema “plötzlicher Kindstod”. Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass die Art und Weise, wir der Artikel auf dem Cover angekündigt wird, auch rechtlich angreifbar sein könnte.

Das macht die Regenbogenpresse ja gerne mal: Eine Schlagzeile der “Freizeit im Blick” aus dem letzten Jahr lautete ähnlich. Auch hier wurde mit dem plötzlichen Kindstod in der Überschrift hantiert, damals mit Stefan Mross, obwohl dies ja keineswegs so war.

Mats: Genau. Diese Methode funktioniert natürlich auch bei positiven Schlagzeilen. Zum Beispiel: “Helene Fischer — Babyglück”, obwohl sie gar kein Kind bekommen hat. Aber da ist es dann eben nur die theoretische Möglichkeit, dass sie demnächst mal ein Kind kriegen könnte. Aus solchen Konstrukten basteln sich die Regenbogenhefte ihre Schlagzeilen ganz gerne zusammen. Am liebsten nutzen sie die Methode aber, wenn es um etwas Schlimmes geht: plötzlicher Kindstod oder Krankheiten oder Skandale, irgendwelche Dramen. Die müssen gar nicht in Wahrheit passiert sein, da reicht schon die Möglichkeit, dass etwas passieren könnte, um da eine Schlagzeile draus zu basteln.

Moritz: Das ist natürlich ganz schön problematisch, wie die “Freizeitwoche” hier vorgeht: Wie sollen sich dann überhaupt noch Prominente äußern? Wobei es noch nicht mal Prominente sein müssen. Das gilt auch für Leute aus dem ganz normalen Leben. Ein theoretischer Fall: Ich gehe hier in Berlin über die Straße, da kommt irgendein blöder Reporter von der “Freizeitwoche” an und fragt, was ich gerade mache. Meine Antwort: Ich gehe zum Arzt, Prostatakrebs-Vorsorge. Und in der nächsten Woche titelt das Blatt groß: “Moritz Tschermak — Prostatakrebs”. Das ist natürlich alles andere als lustig und schränkt einen dann auch ziemlich in den Sachen ein, die man sagen kann, ohne dass sie einem im Mund umgedreht werden.

Krankheiten und Tod sind ja erstmal etwas sehr Unschönes. Und das dann so in einer Schlagzeile festzuhalten, ist auch sicher ein Problem. Was blüht der Zeitschrift denn im schlimmsten Fall, falls Stefanie Stappenbeck das nicht gefällt, was da steht?

Mats: Generell gibt es die Möglichkeit, sich beim Presserat zu beschweren. Da droht dann im schlimmsten Fall eine öffentliche Rüge, die das Heft eigentlich abdrucken müsste. Aber wenn der Verlag das nicht tut, hat es auch keine Konsequenzen. Und dann könnte Stefanie Stappenbeck auch juristisch dagegen vorgehen. Da würde im schlimmsten Fall eine Gegendarstellung oder eine Richtigstellung der Redaktion drohen. Und vielleicht sogar Schmerzensgeld. Aber das halten wir für recht unwahrscheinlich, denn es ist ja recht clever gemacht von der “Freizeitwoche”. Die würden sich da vermutlich noch irgendwie rausschlingern, wenn es zu einem Prozess kommen würde. Das wiederum würde sowieso auch erstmal voraussetzen, dass Frau Stappenbeck von dem Artikel mitbekommt und dass sie dagegen vorgeht. Da sind wird uns allerdings nicht sicher, ob das passieren wird.

Passiert das denn überhaupt höufiger mal, dass die Prominenten sagen: Das lasse ich mir nicht gefallen, hier will ich eine Gegendarstellung?

Moritz: Gerade aktuell muss die “Viel Spaß” eine dicke, fette Richtigstellung zu Günther Jauch abdrucken. Da geht’s um einen Artikel von 2011, das schien also auch ein relativ langer Prozess gewesen zu sein, bis da mal ein endgültiges Urteil gefällt wurde. Die Richtigstellung prangt über die gesamte Breite und gut ein Drittel der Höhe der Titelseite — nicht besonders schön für den Verlag. Und das kann dann vielleicht auch mal den Verkauf ganz gut beeinträchtigen. Durch die Richtigstellung fällt ja Platz weg für Themen, die man auf der Titelseite beispielsweise mit der schönen Schlagzeile “Plötzlicher Kindstod” anteasern könnte. Solche Richtig- oder Gegendarstellungen sind dann auch das, was die Redaktionen und Verlage am meisten stören dürfte. Selbst wenn die in den seltensten Fällen mal Schmerzensgelder zahlen müssen plus Prozesskosten, kratzt die das nicht wahnsinnig. Das wird von denen auch oft einkalkuliert. Die wissen schon sehr genau, bei welchen Geschichten es vielleicht eine Klage geben könnte. Und da rechnen sie dann gegen: So und so viel Tausend Euro Kosten, die sie durch einen Prozess hätten, aber die Auflage wird durch die knallige Überschrift doch noch einmal etwas höher sein. Das ist dann eine recht perfide Kalkulation.


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Optische Täuschungen (3)
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Optische Täuschungen (3)

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um Tränen-Fotos der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit:

Sie weint nur noch - Mette-Marit - Schock-Diagnose - Die Prinzessin ist unheilbar krank ...

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Heute geht’s um die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit. Die ist ja immer wieder ein Thema von Klatschzeitungen. Jetzt macht das Blättchen “Freizeit Express” mit der Prinzessin auf, natürlich mit einer wahnsinnig schockierenden Meldung: Mette-Marit sei “unheilbar krank”, steht da. Was hat sie denn?

Moritz: Du sagst es schon ganz richtig: Mette-Marit ist bei den Regenbogenheften immer ganz weit oben im Hau-drauf-Kurs, sie kriegt immer gut was auf die Mütze. Dieses Mal: Mette-Marit gilt gemeinhin als etwas trauriger, sie soll ein etwas traurigeres Gemüt haben. Und deswegen behauptet die “Freizeit Express” einfach mal fröhlich, dass sie depressiv ist. Da gibt es jetzt keine öffentliche Stellungnahme des Hofes, die das bestätigt, oder dass ein Arzt seine Schweigepflicht gebrochen und was ausgeplaudert hat — nee, die “Freizeit Express” stellt eine Ferndiagnose an und sagt: Mette-Marit, unheilbar krank, Depression, überhaupt nicht gut.

Wobei man als erstes ja schon sagen könnte: Eine Depression ist nicht zwangsläufig unheilbar.

Moritz: Ja, das stimmt, das kommt noch dazu. Die Schreiber der Geschichte sagen am Ende des Textes auch noch kurz, dass eine längerfristige Therapie helfen könnte — inhaltlich widerspricht sich das also auch schon mal alles. Aber “unheilbar krank”, auch noch in roter Schrift auf der Titelseite, verkauft sich natürlich noch etwas besser.

Das ist also das eine Problem, aber wie zieht die “Freizeit Express” die Sache jetzt auf?

Mats: Neben dieser Ferndiagnose gibt es dann noch eine ganz akkurate Auflistung, wann es Mette-Marit in den letzten Jahren mal schlechter ging, wann sie gestürzt ist, wann sie Panik-Attacken hatte. Da gibt es also eine ganz detaillierte Auflistung ihrer Krankheitsgeschichte. Das sind teilweise erstmal Sepkulationen, würden wir sagen, da ist nicht viel dran. Aber selbst wenn es stimmen würde, wäre es unseres Erachtens trotzdem ein Verstoß gegen die journalistischen Regeln. Über Erkrankungen, ob nun körperlicher oder psychischer Natur, soll in der Regel nicht berichtet werden. Dafür gibt es auch extra eine Richtlinie im Pressekodex: Dort steht, dass über solche Erkrankungen nicht ohne die Zustimmung der Betroffenen geschrieben werden darf. Da finden wir: Selbst wenn das alles stimmen würde, was die “Freizeit Express” so schreibt, geht es trotzdem nicht, dass man das alles so detailliert auflistet.

Gibt es von dieser Regelung des Presserats irgendwelche Ausnahmen? Könnte man also vielleicht mit viel gutem Willen sagen: Ja, das ist eine Person des öffentlichen Lebens, deswegen gibt’s ein öffentliches Interesse an der Krankheit, wenn’s denn überhaupt eine Krankheit gibt?

Moritz: Mal ein theoretischer Fall: Sagen wir, die Bundeskanzlerin hat eine Herzschwäche und jettet jetzt aber von der Griechenland-Krise zur Ukraine-Krise, versucht dann noch, das Ebola-Problem zu lösen und irgendwie den sogenannten Islamischen Staat zu bekämpfen. Dann könnte eine Zeitung ernsthaft fragen: Ist sie dazu körperlich überhaupt in der Lage? Dann wäre es schon berechtigt, über diese Erkrankung nachzudenken. Da müsste es aber erstens schon mal Anzeichen für die Krankheit geben und außerdem müsste ein so großes öffentliches Interesse bestehen, dass ein Eingriff ins Persönlichkeitsrecht dieser Person dann auch gerechtfertigt ist — das muss ja immer gegeneinander abgewägt werden. Und das ist in dem Fall mit Mette-Marit einfach nicht gegeben. Es mag sein, dass Mette-Marit manchmal nicht so gut drauf ist. Aber unserer Meinung nach ist es ganz klar so, dass es ihre Sache ist, sollte sie depressiv sein. Und da muss keine “Freizeit Express” kommen und in einer wirklich reißerischen Aufmachung darüber berichten.

Jetzt stört Ihr Euch ja aber nicht nur an dem Bericht an sich, sondern auch noch an dem Titelbild dazu. Dort ist nämlich eine weinende norwegische Prinzessin zu sehen. Würde ja eigentlich zum Thema passen, oder?

Mats: Ja, genau, das machen diese Hefte öfter: Jedes Mal, wenn es um Mette-Marit geht und irgendeine schlimmere Geschichte ansteht — Psycho-Terror und Schock-Diagnose und Psycho-Drama und so weiter –, dann bebildern die Redaktionen ihre Text immer ganz gerne mit recht ähnlichen Fotos von Mette-Marit, auf denen sie weint. Da haben wir uns vor einer Weile mal näher angeschaut, woher diese Fotos eigentlich stammen. Sie sind nämlich während einer Trauerfeier für die Opfer von Utøya entstanden. Da hat es im Juli 2011 ja einen Anschlag gegeben, bei dem vor allem Kinder und Jugendliche getötet wurden. Später gab’s dann eine Trauerfeier, bei der auch Mette-Marit war. Bei den Anschlägen ist ein Familienangehöriger von ihr umgekommen. Und deswegen hat sie auf dieser Trauerfeier verständlicherweise geweint. Dabei ist sie von Paparazzi abgeschossen worden, und diese Fotos tauchen jetzt immer wieder auf. Die werden von den Heften immer wieder aus dem Kontext gerissen und benutzt, um solche Schock-Diagnose-Psycho-Kollaps-Geschichten zu bebildern.

Moritz: Und auch das ist dann wieder ganz klar ein Verstoß gegen den Pressekodex des Deutschen Presserats. Der sagt in Richtlinie 2.2, betreffend Symbolfotos: “Kann eine Illustration, insbesondere eine Fotografie, beim flüchtigen Lesen als dokumentarische Abbildung aufgefasst werden, obwohl es sich um ein Symbolfoto handelt, so ist eine entsprechende Klarstellung geboten.” Die “Freizeit Express” müsste also eigentlich “Symbolfoto” dazuschreiben. Tut sie natürlich nicht. Stattdessen schreibt sie als Dachzeile über die Überschrift noch: “Sie weint nur noch”. Das passt also perfekt zusammen: eine weinende Mette-Marit im Bild und diese Dachzeile. Und das ist natürlich genau das Gegenteil von dem, was der Presserat fordert.

Muss sich die Prinzessin jetzt eigentlich damit abfinden? Oder glaubt Ihr, sie könnte dagegen auch vorgenen?

Mats: Schwierig. Also ich glaube schon, dass sie Chancen hätte, wenn sie dagegen voginge. Aber gerade bei Adeligen aus dem Ausland, oder generell bei Prominenten aus dem Ausland, ist es doch eher unwahrscheinlich unserer Erfahrung nach, dass sie dagegen vorgehen. Die müssen erstmal davon mitbekommen, was hier so über sie geschrieben wird. Dann müssen sie einen Anwalt in Deutschland haben, der das für sie in die Hand nimmt. Das ist also schon mit sehr viel Aufwand verbunden. Daher gehen die Königsfamilien diesen Schritt doch eher selten. Aber wenn sie es täten, hätten sie ganz gute Chancen, denke ich.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

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Gebärmutter-Bingo
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Gebärmutter-Bingo

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um die lange Liste von angeblichen Schwangerschaftsmeldungen aus den europäischen Königshäusern:

Kronprinzessin Victoria - Schwanger! Es werden Zwillinge
Victoria & Daniel - Hurra! Ein Söhnchen
Prinzessin Victoria - Schickierende Schlagzeilen - Kann sie kein Baby mehr bekommen?
Königin Maxima - Schwanger mit 43! Es wird ein Junge
Königin Maxima - Zwillings-Glück mit 43 - Warum es so spät noch geklappt hat

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Ihr schickt uns ja immer vorher die Heftchen, die wir besprechen wollen — und heute bin ich wirklich nicht durchgestiegen. Irgendjemand bekommt Kinder, dann wieder nicht, dann Zwillinge, dann mit 43, dann doch nicht. Hilf mir doch mal auf die Sprünge: Wer bekommt denn jetzt nun mit wem Kinder?

Mats: Also da ist einiges los in den Gebärmüttern der Royals. Fangen wir einfach mal an mit Victoria, der Kronprinzessin von Schweden. Das sagt nämlich “Das goldene Blatt”: “Hurra! Ein Söhnchen”. Und zwar haben die Spürnasen des “goldenen Blatts” rausgefunden, dass im Schloss in Schweden Handwerker dabei sein sollen, ein zweites Kinderzimmer einzurichten. Und zwar ganz in der Farbe Blau. Das ist schon alles, was zur Schlagzeile “Hurra! Ein Söhnchen” beiträgt. Ich würde mal stark bezweifeln, dass es diese Handwerker und dieses Kinderzimmer und die Farbe überhaupt gibt. Entweder hat die Redaktion sehr gute Quellen im Palast oder sie haben’s sich einfach nur ausgedacht. Für Letzteres würde sprechen, dass die “Frau aktuell” quasi genau das gleiche schreibt, auch eine große Titelgeschichte: “Kronprinzessin Victoria — Schwanger!” Da wird es aber nicht nur ein Kind, sondern sofort zwei. Wie das Heft da nun drauf kommt? Victoria trägt momentan angeblich weite Mäntel, setzt ein vielsagendes Lächeln auf, wenn sie irgendwo in der Öffentlichkeit ist, und zeigt eine ausgelassene Stimmung bei offiziellen Terminen. Und da findet die “Frau aktuell”: offensichtlicher geht’s kaum — also: schwanger, und zwar Zwillinge, weil Victoria jetzt angeblich einen noch runderen Bauch hat als bei ihrer ersten Schwangerschaft.

Und jetzt kommt der Knaller: Sie kann gar keine Kinder bekommen.

Zumindest, wenn man der “Freizeit Spaß” glaubt. Die titelt nämlich: “Schockierende Schlagzeilen — Kann sie kein Baby mehr bekommen?” Und zwar haben die Mitarbeiter ein schwedisches Klatschblatt gefunden, in dem es heißt, Victoria kann sehr wahrscheinlich keine Kinder mehr bekommen, weil ihr Mann Daniel mal eine Nierentransplantation durchführen lassen musste. Das wird auch schon seit Jahren von der Regenbogenpresse ausgeschlachtet. Aber da heißt es jetzt, dass die Medikamente seine Zeugungsfähigkeit eingeschränkt hätten. Das heißt: Eines dieser drei Hefte lügt auf jeden Fall. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sogar alle drei danebenliegen.

Damit ist der Reigen ja noch nicht beendet, denn auch Máxima der Niederlande soll schwanger sein. Hier ist man sich nur nicht so ganz sicher: Ich habe hier einmal Zwillinge und einmal einen Jungen. Also die ist zumindest schwanger, oder wie?

Nee. Das muss man auch noch zu Victoria von Schweden sagen: Es hat keine offizielle Stellungnahme von Seiten des Hofes gegeben. Und das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sie eben nicht schwanger ist oder der Palast es äußerst geheim hält. Offiziell ist Victoria also nicht schwanger. Genauso Máxima, da hat es auch keine Mitteilung gegeben. Die ist auch schon 43 Jahre alt, es wird also langsam auch schon eng mit dem Kinderkriegen. Aber das hält die Regenbogenpresse natürlich nicht davon ab, einfach mal zu spekulieren: Die “Neue Welt” titelt groß “Schwanger mit 43! Es wird ein Junge”. Da reicht dem Blatt die Begründung, dass Máxima bei einem offiziellen Termin eine Hand auf ihren Bauch gelegt hat — ein klarer Fall für die “Neue Welt”: Sie ist schwanger! Und wie die Mitarbeiter darauf kommen, dass es ein Junge werden soll? “Ihr Volk ist sich schon ganz sicher: Ihr viertes Kind wird endlich ein süßer Junge sein” — also genauso spekulativ wie die anderen Hefte. Richtig abenteuerlich wird es allerdings bei der “Prima Freizeit”. Da soll Máxima mit Zwillingen schwanger sein. Die Begründung der Rechercheure der “Prima Freizeit” lautet, dass es einen “Wunderarzt” gebe, der “zu 100 Prozent in der Lage” sei, “Eltern je nach Wunsch ein Mädchen oder einen Jungen zu bescheren, ein Kind oder gar Mehrlinge.” Allein diese theoretische Möglichkeit, dass es irgendwo auf der Welt einen Arzt gibt, der auch älteren Frauen Kinder bescheren kann, die reicht der “Prima Freizeit”, um zu titeln: “Zwillingsglück mit 43″.

Wie ist das in diesen Redaktionen: Haben die so eine Schwangerschafts-Dartscheibe, wo sie dann draufwerfen, wer wie was jetzt gerade mal bekommen soll?

Schöne Idee — so wird es vermutlich ablaufen. Aber mal im Ernst: Diese Geschichten sind natürlich sehr einfach gestrickt. Man muss nur ein Foto finden von irgendeiner Prinzessin oder Königin, die bei einem Termin die Hand auf den Bauch legt, und sofort heißt es: Ach, sie hält schützend ihre Hand vor den Bauch, da wächst bestimmt ein kleiner Prinz unter ihrem Herzen heran. Solche Geschichten sind also sehr einfach zu basteln. Man braucht nicht viele Beweise, um diese Spekulationen in die Welt zu setzen, und deswegen kommt das auch häufig vor.

Ein paar Monate kann man’s dann noch ausschlachten, bis dann entweder ein Kind kommt oder nicht. Da fällt mir ein: Es ist bestimmt auch schon ein halbes Jahr her, da haben wir über Charlène von Monaco gesprochen. Da war man sich auch nicht sicher: Zwillinge oder nicht? Jungs oder Mädels? Ist da am Ende was rausgekommen überhaupt?

Ja, ist es. Da hatte die “Frau aktuell” ja getitelt “Hurra, zwei Jungen!” und die “Echo der Frau” schrieb “Es werden zwei Mädchen”. Da waren wir uns damals schon natürlich sehr sicher, dass eines von beiden die Unwahrheit sagen muss. Am Ende kam dann raus, dass sogar beide gelogen haben, weil es ein Junge und ein Mädchen wurden. Da hatten also beide Unrecht.


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Steife These
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Steife These

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um folgendes Titelthema:

Unmoralisches Angebot - Günther Jauch - Der Viagra-Skandal

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Es gibt wieder einen Riesenskandal — und das über den Saubermann Günther Jauch. Wie konnte das denn passieren?

Moritz: “Das Neue” hat diesen “Skandal” ausgegraben. Und den dann auch nicht gerade dezent auf der Titelseite präsentiert, also wirklich über die gesamte Breite und fast die gesamte Höhe des Covers. Dazu hat die Redaktion noch das Skandal-Wort “Viagra” gedruckt, es geht also um den großen “Viagra-Skandal”, ein “unmoralisches Angebot” soll auch noch eine Rolle spielen. Hintergrund der Geschichte: Günther Jauch hatte seinen Auftritt in der RTL-Sendung “Die 2 — Gottschlak und Jauch gegen alle”. Barbara Schöneberger moderiert das Ganze. Und die hat die beiden, also Jauch und Gottschalk, gefragt, ob sie denn schon einmal irgendwie mit Viagra zu tun gehabt hätten, also im Sinne von Recherche, höhö. Günther Jauch antwortete, dass man ja im Grunde dreimal täglich dieses Zeug in Spam-Mails angeboten bekommt. Da kippt “Das Neue” natürlich aus den Latschen: “Jeden Tag dreimal so eine zwielichtige Offerte? Wie kann es zu so einem Skandal kommen?” Die können also gar nicht glauben, dass Günther Jauch, wie jeder andere Mensch in Deutschland und auf der Welt, Spam bekommt. Die Redaktion erklärt dann noch kurz: “‘Viagra’ ist ein Potenzmittel, und um solche E-Mails zu erhalten, muss sich der Computer-Nutzer doch auf einschlägigen Seiten herumtreiben?” Die Mitarbeiter stellen also selbst diese alles entscheidende Frage und lassen sie von anonymen “Computer-Experten” direkt im Anschluss verneinen. Die sagen nämlich: Nee, muss man gar nicht, die Spam-Versender kommen auch anders an E-Mail-Adressen. Günther Jauch muss nicht unbedingt auf Porno-Seiten unterwegs gewesen sein.

Aber, ich fand, das war schonmal eine große investigative Rechercheleistung: Sie haben einen “Computer-Experten” befragt. Oder war das doch nur der Praktikant?

So etwas in der Art vermute ich auch. Denn ein Name wird nicht genannt, obwohl die Regenbogenhefte das normalerweise sehr gerne tun. Wenn sie zum Beispiel wirklich mal bei einem Chirurgen anrufen, weil der die Augenfältchen von Charlène von Monaco beurteilen soll, oder bei einem Rechtsexperten, wenn es um die Scheidung zwischen Christine Neubauer und ihrem Ex-Mann geht, werden ständig die Namen genannt und gerne auch noch Fotos dazu abgedruckt. Dieser “Computer-Experte” wird namentlich hingegen nicht genannt, es gibt auch kein Foto von ihm. Und was vor allem auffällig ist: Von dem “unmoralischen Angebot” spricht einzig dieser Computer-Experte. Das klingt also sehr danach, dass “Das Neue” sich einen Experten samt Zitat zusammenstrickt hat, um überhaupt die große Schlagzeile mit dem “unmoralischen Angebot” hinzubekommen, die sicher Neugier beim Leser wecken soll.

Zurück zu Günther Jauch: Der ist nämlich nicht aus dem Schneider. Wir haben zwar nachgewiesen, dass er sich gar nicht auf einschlägigen Seiten rumtreiben muss, aber die Follow-up-Frage lautet: Schützt er also sein E-Mail-Account nicht? Ist ja noch viel schlimmer …

Genau, einen Freispruch gibt es für den “Saubermann” Jauch nicht. Denn “Das Neue” findet: Wer viel Spam bekommt, der geht zu unvorsichtig mit seiner E-Mail-Adresse und seinen Daten um. Da braten sie Günther Jauch auch noch eins über: Das Heft rekapituliert noch einmal, was er so alles an privaten Daten über sich in der Sendung preisgegeben hat, in der es auch um die Viagra-Geschichte ging. Da hat er zum Beispiel gesagt, dass er nicht stricken kann, bastlerisch überhaupt nicht begabt ist und mal vor einem Münchner Café mit einer 750er Honda umgekippt ist, was wahnsinnig peinlich war. Das hat alles natürlich null mit dem “Viagra-Skandal” zu tun, aber die Mitarbeiter von “Das Neue” nutzen Günther Jauchs Aussagen ganz gerne, um ihm noch einmal zu zeigen: Mensch, Jauch, pass mal auf, was Du alles über Dich preisgibst, sonst kommt ganz schnell die nächste Spam-Mail.

Also eine Riesen-Geschichte, die sie da ausgegraben haben. Jetzt weiß man aber, dass Günther Jauch prinzipiell niemand ist, mit dem man sich unbedingt anlegen sollte. Meinst Du, die kriegen da jetzt noch Probleme mit ihm?

Richtig, Günther Jauch ist einer, der stark gegen Regenbogenartikel über sich vorgeht. Von ihm finden wir oft Gegendarstellungen. Deswegen sind die Artikel über ihn dann oft auch ziemlich glattgebügelt. Man merkt, dass da die juristischen Abteilungen drübergegangen sind. Nun ist es so, dass wir immer mal wieder eine Gegendarstellung von ihm finden, auch auf den Titelseiten, bei denen wir als Rechtslaien sagen: Ach, da kann man auch gegen vorgehen? Das hätten wir gar nicht gedacht. Und eine Gegendarstellung im Sinne von: “Hierzu stelle ich fest: Es gab keinen ‘Viagra-Skandal’” kann ich mir schon ganz gut vorstellen. Interessant würde es dann beim Abdruck einer möglichen Gegendarstellung. Diesen “Viagra-Skandal” kündigt “Das Neue” dick und fett auf der Titelseite an. Dadurch könnte es dazu kommen, dass auch die Gegendarstellung auf der Titelseite und in einer ähnlichen Größe abgedruckt werden muss. Und das ist dann doch immer ziemlich schmerzhaft für die Hefte.

Und wenn ich das richtig sehe, dann können sie allein schon deshalb Probleme kriegen, weil sie die Fotos ohne Credits verwendet haben.

In dem Punkt ist die Redaktion dann doch auf der sicheren Seite. Da arbeiten die Hefte ziemlich tricky. Die drucken die Fotocredits nämlich immer gesammelt pro Doppelseite. Ganz links am Rand, neben einer Geschichte über Helmut Kohl und seine Frau, findet man dann auch die Credits für den Jauch-Artikel. Das bedeutet für unsere Arbeit immer, wenn wir bei Fotos mal überprüfen wollen, ob sie zum Beispiel bearbeitet sind oder nicht, dass wir uns durch reichlich Bilder suchen müssen, weil wir nicht wissen, welches Foto zu welchem Credit gehört.


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Hinterlist mit Hinterseer
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Hinterlist mit Hinterseer

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um folgende Schlagzeile aus dem Klambt-Verlag:

Man denkt, man ist im falschen Film! Hansi Hintersser - Die Rache der Wanderhure - Was muss er noch alles ertragen?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: “Hansi Hinterseer — Was muss er noch alles ertragen?”, fragt die “Woche der Frau”. Ja, was muss er denn eigentlich ertragen?

Moritz: Hansi Hinterseer, laut Regenbogenpresse eines der großen Opfer, was zum Beispiel den sogenannten Jugendwahn im Fernsehen angeht — also die ganzen alten, tollen Volksmusikmoderatoren und -auftritte, die nicht mehr gebucht werden beziehungsweise stattfinden. Das muss Hinterseer sowieso ertragen. Nun aber hat die “Woche der Frau” was, na, nicht ganz Aktuelles ausgegraben, und zwar ein Youtube-Video. Im ORF, dem Österreichischen Rundfunk, lief vor über zweieinhalb Jahren in der Sendung “Willkommen Österreich”, eine Satriresendung von zwei Moderatoren, ein kleiner Trailer, in dem Bilder und Ton zusammengeschnitten wurden. Die Bilder zeigen Hansi Hitnerseer, wie er durch die Alpenlandschaft wandert, grüne Wiesen, Kühe, seinen Hund hat er dabei. Er singt am Ende auch noch. Der Ton, der aus dem Off kommt, sagt aber, dass jetzt “Die Rache der Wanderhure” wieder ansteht, am Dienstag um 20:15 Uhr, im ORF. Großes Gelächter natürlich im Publikum. Dieses Video, dieser kleine Schnipsel hat’s auch auf Youtube geschafft. Und das ist dann das große Drama, das Hansi Hinterseer aktuell über sich ergehen lassen muss — so verkauft es zumindest die “Woche der Frau”.

Und sie geht ja noch weiter: Das macht jemand mit Absicht, ein Unbekannter lädt das bei Youtube hoch, obwohl es gelöscht wurde. Haben die das Internet noch nicht ganz verstanden? Oder meinen die das ernst?

Sie meinen das wohl tatsächlich ernst, aber es ist eine klare Lüge. Ich habe gerade eben auch noch einmal bei Youtube nachgeguckt: Die Sendung “Willkommen Österreich”, in der dieser kleine 20-Sekunden-Schnipsel kam, lief am 1. März 2012. Am 2. März 2012, also einen Tag später, wurde das Video dann auch schon hochgeladen. Und seitdem steht es dort auch im Internet. Es ist also überhaupt nichts Neues. Da fehlte wohl einfach mal wieder Stoff für eine Seite, die gefüllt werden musste. Da hat sich jemand in der Redaktion der “Woche der Frau” erinnert: Da gibt’s doch diese verunglimpfende Sequenz über Hansi Hinterseer, da machen wir mal was drüber. Aber dass es gelöscht wurde ist eine glatte Lüge der “Woche der Frau”.

Dann möchte ich, weil Ihr mich jetzt immer so schult zu diesen Heften, mal eine eigene Regenbogenpresse-Theorie aufstellen: Böser Verdacht, Hansi Hinterseer macht Werbung über einen angeblichen Negativbeitrag. Denn am Ende des Textes, da steht so schön, auch noch in einer Reihenfolge: “Dem Naturburschen wird sogar vorgeworfen, seine Fans auszunehmen.” Aber gleichzeitig wird auf seine neue Live-CD verwiesen, die gerade rauskommt. Könnte da ein Zusammenhang bestehen?

Das sieht man immer wieder in den Regenbogenheften: Großer Skandal — DJ Ötzi — Meine Sucht. Und dann erzählt er, dass er ganz gerne mal eine Zigarette raucht. Zufällig wird im Artikel auch noch erwähnt, dass er jetzt ja ein neues Album rausbringt und das kann man auch bald kaufen. Anderes Beispiel: Eine Tour steht an von irgendeiner Schlagersängerin. Da wird dann irgendein kleiner Skandal ausgegraben, damit man wenigstens darüber berichten kann und nicht einfach nur sagen muss: Hier, übrigens, die Tour findet statt, was dann die reine Werbung wäre. Das begegnet uns in der Regenbogenpresse immer wieder: Es besteht irgendein Anlass, über jemanden zu berichten, also eine Tour, eine neue CD, ein neues Buch. Und dann wird geguckt, ob es nicht etwas gibt, was nun nicht direkt damit zu tun hat, so dass man die Werbung da ein bisschen verwurschten kann. Die Schlagerszene profitiert durchaus ganz gut von diesen Berichten.


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s in der Woche drauf immer hier bei uns im Blog zum Nachhören und -lesen.

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In seinen wöchentlichen “Herzblatt-Geschichten” hat Jörg Thomann von der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” ebenfalls über “Hansi und die Wanderhure” geschrieben.


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In den Händen eines Schriebtäters
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In den Händen eines Schriebtäters

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um den Versuch der “Freizeit eins”, die Kinder des niederländischen Königspaares in Gefahr zu schreiben:

Máxima - Sex-Skandal - Ihre Töchter waren in den Händen eines Triebtäters

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: “Sex-Skandal” in den Niederlanden. Moritz, was ist denn da los?

Moritz: Die “Freizeit eins” hat eine große Titelschlagzeile gedruckt, in der es um einen großen Skandal geht, um einen “Sex-Skandal”. Das ist für die Regenbogenpresse schon mal sehr ungewöhnlich: Das Thema “Sex” wortwörtlich auf der Titelseite anzukündigen. Dazu gibt’s ein Foto von Máxima, der Königin der Niederlande. Und es wird gesagt, dass es um ihre Töchter geht. Die sollen sich nämlich “in den Fängen eines Triebtäters” befunden haben. Was dahinter steckt: Die drei niedlichen Töchter von Máxima und Willem-Alexander spielen Hockey in einem Verein in den Niederlanden. Und in diesem Verein ist wohl — das scheint soweit zu stimmen — einer der Trainer festgenommen worden, “ein vorbestrafter Exhibitionist”. Der soll eine Kamera in einer Umkleidekabine des Vereins installiert haben, es wurden auch DVDs mit den Aufnahmen bei ihm zu Hause gefunden. Einen gewissen “Sex-Skandal” gibt es also tatsächlich. Wichtig ist aber ein kurzer Satz, den die “Freizeit eins” im Artikel bringt, nämlich dass die Staatsanwaltschaft bereits gesagt hat: “‘Die drei Kinder des Königspaares sind nicht dabei.’” Das erwähnen die Mitarbeiter der “Freizeit eins” zwar klein im Text, aber sie lassen es sich natürlich nicht nehmen, groß auf dem Titel zu werben: “Sex-Skandal”, Leute — kauft das Heft, hier ist was passiert in den Niederlanden. Und das stimmt eben überhaupt nicht.

Hier wird auch nahegelegt, dass die Töchter Schaden genommen haben.

Auch das ist nach aktuellem Stand wohl nicht der Fall. Ich hab’ mal ein bisschen im Internet geguckt: Die “Bunte” hat zum Beispiel auch über den Vorfall mit dem Hockeytrainer Luigi C. berichtet. Nun ist die “Bunte” nicht gerade dafür bekannt, den allerseriösesten Journalismus zu betreiben. Aber selbst die Mitarbeiter dort berichten relativ verhalten. Sie sagen: Da gab es einen Schock im Königshaus, aber keine Sorge, es ist nichts passiert und bei den Kindern ist alles in Ordnung. Da liegt dann der große Unterschied zur “Freizeit eins” und zur Regenbogenpresse allgemein: Die bauschen das Ganze viel stärker auf und setzen eine knalligere Schlagzeile drüber, um den Verkauf ein bisschen anzukurbeln.

Du hast gesagt: “Sex-Skandal”, das ist relativ ungewöhnlich für die Regenbogenpresse. Ich würde eigentlich denken, dass jeder Sex-Skandal eine große Freude für die Klatschpresse ist.

Durchaus. Es wird zum Beispiel sehr gern darüber berichtet, wenn mal wieder Gerüchte aufkommen, dass Juan Carlos, der ehemalige König von Spanien, eine Geliebte haben soll. Aber diese offensive Werbung für einen Artikel mit dem Wort “Sex” ist doch ungewöhnlich für die Regenbogenpresse.

Ist das zu viel für die Leserschaft?

Ja, genau. Es wird dann lieber von einer “Geliebten” gesprochen, von einer “Affäre”, von einer “Liebelei” und so weiter. Aber “Sex” verkauft sich auf den Titelseiten der Regenbogenhefte meiner Meinung nach gar nicht so gut. Und deswegen ist es uns diese Woche auch aufgefallen.

Und Missbrauchsthemen grundsätzlich, vor allem bei Kindern — greifen die das gerne auf oder wird das auch eher gemieden?

Auch da wird nicht so oft drüber geschrieben. In der Regenbogenpresse ist eine Geschichte immer erst dann eine Geschichte und erst dann wert, gedruckt zu werden, wenn irgendjemand Prominentes oder Adeliges darin vorkommt. Ein Beispiel: Der vermutliche Abschuss der MH17 über der Ukraine, ein großes Politikum und überall in den Medien zu finden, taucht erst dann in der Regenbogenpresse auf, wenn bekannt wird, dass irgendein ganz ferner Freund von Königin Máxima in dem Flugzeug saß. Erst dann ergibt sich eine Geschichte für diese Hefte.

Klar, Prominenz müsste verwickelt sein in diesen Missbrauchsskandal. Aber wird dann auch darüber berichtet oder ist das ein Thema, das sie aussparen?

Wenn die Redaktionen irgendwie eine passende Ecke finden, mit der auch jemand aus dem Königshaus oder jemand Prominentes zu tun haben könnte, dann wird bestimmt berichtet. Auch in diesem Artikel der “Freizeit eins” ist es so, dass ein Skandal um die drei Kinder des Königspaares aufgebauscht wird, den es eigentlich gar nicht gibt. Die anderen Kinder aus dem Hockeyverein, die definitiv von den heimlichen Aufnahmen in der Umkleidekabine betroffen sind, werden in dem Artikel nicht weiter thematisiert. Das heißt: Solang man nicht prominent oder adelig ist, ist man es in der Regenbogenwelt auch nicht wert, erwähnt zu werden.

Wie geht’s denn jetzt weiter in dieser Geschichte? Sucht die Regenbogenpresse jetzt nach den Nacktbildern und -videos? Kannst Du Dir das vorstellen?

Nein, das werden sie nicht machen. Da kennen die Redaktionen auch eine Grenze. Und die Staatsanwaltschaft sagt ja wirklich sehr deutlich, dass die drei Kinder von Máxima und Willem-Alexander nichts mit den Aufnahmen zu tun haben. Das scheint also ausgeschlossen zu sein. Wenn es dennoch so sein sollte, dass sie auf diesen Videoaufnahmen auftauchen, dann wäre es für die Hefte vielleicht noch einmal ein Thema, sollte es zum Prozess kommen. Aber die Redaktionen werden sicher die Finger von den Aufnahmen an sich lassen. Etwas anderes traue ich nicht mal denen zu.


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No-go-Area am Genfersee
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No-go-Area am Genfersee

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um große Gefahren in einem Schweizer Städtchen:

Der Polizei-Bericht erschüttert! Ist Schumi zu Hause nicht mehr sicher?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: “Ist Schumi zu Hause nicht mehr sicher?”, fragt die “Woche der Frau”. Wie kommen die Autoren denn dazu?

Moritz: Genau, die Überschrift auf der Titelseite ist die Frage, die Du gerade erwähnt hast. Ein wichtiger Zusatz ist dabei noch: “Der Polizei-Bericht erschüttert!” Und das ist dann auch die Quelle für die Frage, ob unser Formel-1-Weltmeister-Held nun in Gefahr schwebt. Der “Polizei-Bericht” ist eher eine Pressemitteilung der Polizei und auch schon einige Monate alt. Der erschien im Juli dieses Jahres und nimmt Bezug auf Delikte, die noch weiter zurückliegen, nämlich Ende 2013 und Anfang 2014. Da gab’s in Schumachers Heimatort Gland — das ist ein Städtchen in der Schweiz mit rund 12.000 Einwohnern, also nicht gerade eine Metropole — ein paar Beschwerden über Sachschäden, leichte Körperverletzungen, auch Raub, ein paar Drogendelikte, Betäubungsmittelgesetz und so weiter. Dann hat die Polizei ermittelt und auch 48 Personen festgenommen. Da sind allerdings — und das verschweigt die “Woche der Frau” natürlich sehr gern — 23 Kinder dabei. Sowieso sind von diesen 48 Leuten 46 Jugendliche und Kinder zwischen 17 und 24 Jahren. Zwei Erwachsene gibt’s dann noch, die festgenommen beziehungsweise verhört wurden, weil sie Schnaps an Minderjährige verkauft haben. All das erwähnt die “Woche der Frau” überhaupt nicht. Das Blatt versucht lieber, ein bisschen Angst zu schüren und dadurch eine knackige Schumacher-Geschichte zu bekommen.

In der Psychologie gibt es das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung: Wenn ich erwarte, dass sich jemand auf bestimmte Weise verhält, und ich selbst dann dieses Verhalten zeige, dann spricht man davon. Ist der Artikel der “Woche der Frau” auch so eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Der Artikel ist nun nicht direkt eine Anleitung dazu, wie man Michael Schumacher in Schwierigkeiten bringen könnte, aber es gibt ein paar ganz interessante Hinweise in dem Text. Die “Woche der Frau” schreibt zum Beispiel, dass das Anwesen der Schumachers ja durch den angrenzenden Genfersee und ein Waldstück genau geeignet sei für Verbrecher und Kidnapper, um dort aufs Gelände zu gelangen oder Leute zu entführen. Es wird auch erwähnt, dass Kameras und Sicherheitsmaßnahmen vorhanden seien. Es werden also ein paar ganz interessante Informationen gegeben. Und wenn man die beispielsweise noch mit einer kurzen Google-Bildersuche kombiniert — Fotos von dem Anwesen gibt es nämlich im Internet –, dann kann man sich da schon einige Infos als Krimineller besorgen.

Michael Schumacher war nach seinem Unfall monatelang im Koma und jetzt erholt er sich langsam davon, das dauert natürlich. Die Familie hat ausdrücklich um Zurückhaltung gebeten. Die “Woche der Frau” hat aber, wie auch andere Klatschblätter es tun, wieder darüber berichtet. Ihr beschäftigt Euch jetzt schon seit einer geraumen Zeit mit den Klatschblättern der Republik. Kennt die Regenbogenpresse eigentlich überhaupt irgendwo eine Grenze?

Also gerade der Fall Schumacher ist sehr bezeichnend für die Regenbogenpresse. Die wissenschaftliche Literatur zur Regenbogenpresse sagt immer, diese Hefte seien wie Fortsetzungsromane: Die Lebensgeschichten von Helene Fischer, von Michael Schumacher werden Woche für Woche weitererzählt. Und da gibt es wirklich kein Ende. Während man in den einigermaßen seriösen Medien sehen kann, dass das Thema Schumacher so langsam zu Ende ist und die Familie in Ruhe gelassen wird und erst wieder berichtet wird, wenn sich Michael Schumacher selbst oder jemand aus seiner Familie oder seine Managerin zu Wort meldet, interessiert so eine Bitte die Regenbogenpresse überhaupt nicht. Das zeigt schon ein kurzer Blick auf die aktuelle Woche: Die “Woche der Frau” haben wir mit der Gefahrenlage in Gland ja schon erwähnt. Dann gibt es noch “Das neue Blatt”, das einen Arzt aufgetan hat, der behauptet, dass Schumacher vielleicht “nur noch wenige Monate” bleiben — ohne dass er ihn behandelt. “Die neue Frau” fragt: “Bleibt sein letzter Wunsch unerfüllt?”, weil er einst das Fallschirmspringen und Kunstfliegen für sich entdeckt hat. Da vermutet die Redaktion also, dass er das alles nie mehr machen kann. Und so berichten diese Blätter jede Woche fröhlich weiter, denken sich irgendeinen Quatsch aus, und es ist kein Ende abzusehen.


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Mit Brautkleid auf Montage
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Mit Brautkleid auf Montage

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um traumhafte Hochzeitsbilder:

Helene Fischer - Traumhaft schön im Brautkleid - Exklusive Foto-Montage

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Ich bin heute echt aus allen Wolken gefallen, als ich das Cover der “Neuen Post” gesehen habe: “Exklusive Foto-Montage” mit Helene Fischer im Brautkleid — wie kommt man denn bitte auf so eine Idee?

Moritz: Die “Neue Post” scheint dringend nach Geschichten zu suchen. Natürlich will die Redaktion, wie jede Woche, etwas über Helene Fischer bringen. Und wenn es dann mal nichts zu berichten gibt, dann denkt man sich eben was aus. Das ist in diesem Fall dann eine “Exklusive Foto-Montage”. Das kündigt das Blatt ehrlicherweise auch so auf dem Titel an, schreibt dazu: “Helene Fischer — Traumhaft schön im Brautkleid”. Und schon haben die Mitarbeiter den Traum von einer Hochzeit von ihr und Freund Florian Silbereisen mal wieder füttern können. Die Leserschaft lechzt ja danach, dass die beiden endlich vor den Traualtar schreiten.

Ist das jetzt die neue Masche der Regenbogenpresse: Vorab schon mit einer Foto-Montage zu werben, um dann später keinen Prozess am Hals zu haben?

Mats: Es ist schon auffällig, dass sie vorne ganz groß schreiben, dass es eine Foto-Montage ist. Das haben wir so auch noch nicht erlebt, aber wir haben ehrlich gesagt auch solche Fotomontagen noch nicht erlebt. Der Presserat schreibt auch vor, dass man Symbolfotos und Foto-Montagen kenntlich machen muss, und daran haben sie sich zumindest gehalten. Das ist lobenswert. Aber ob man solche Foto-Montagen überhaupt machen muss, ist natürlich noch eine andere Frage. Das hat’s auch schon mal gegeben vor einer Weile: Da hat auch so ein Heft Helene Fischer auch in ein Brautkleid gesteckt und das dann ganz groß auf dem Cover gefahren. Aber dass jetzt eine ganze Reihe von Montagen präsentiert werden, das ist tatsächlich eine Neuheit in der Regenbogenpresse.

Moritz: Denn man muss sich das mal vorstellen: Helene Fischer wird nicht nur in einem “Tülltraum” präsentiert, sondern auch noch “in weißer Spitze”, “im Hochzeits-Dirndl”, “in platinfarbener Seide”. Und die “Neue Post” ist dann auch noch so nett und schreibt am Ende: “Tja, Flori”, also Florian Silbereisen, “in welchem Kleid gefällt sie dir am besten?” Es ist also auch noch ein richtiges Service-Stück für das Traumpaar der Schlagerszene, das mal sehen kann: So könnte Helene Fischer im Brautkleid aussehen, und Ihr könnt Euch jetzt entscheiden, was Ihr für Eure hoffentlich bald anstehende Hochzeit auswählt.

Die Qualität der Foto-Montage lässt ja auch ziemlich zu wünschen übrig, finde ich. Denkt die “Neue Post”, dass sie durch diese Montage tatsächlich Helene Fischer zum Heiraten bewegen kann?

Moritz: Also im Vergleich zu anderen Foto-Montagen, die uns in der Regenbogenpresse begegnen, finde ich, zeugt die Qualität geradezu von herausstechender Perfektion. Da gibt’s deutlich schlimmere Sachen. Die “Neue Post” schreibt ja auch sehr stolz: “[...] haben wir nach Brautkleidern gesucht — und sie dank moderner Foto-Technik Helene auf den Leib genscheidert.” Die scheinen also sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Was natürlich so überhaupt nicht passt — zum Hintergrund: Helene Fischer ist 1,58 meter groß, also relativ klein gewachsen –, sind die Models, auf deren Körper jetzt der Kopf von Helene Fischer gesetzt wurde. Die sind sicherlich über 1,80. Das passt also von vorne bis hinten nicht.

Mats: Und ich glaube auch nicht unbedingt, dass sie sie jetzt damit zum Heiraten zwingen oder bewegen wollen. Das ist einfach, um die Wartezeit, bis es endlich so weit ist, mit irgendwelchen Träumereien zu füllen. Da wurd’ schon alles durchgespielt: Traumhochzeit auf dem Schiff und sie könnten ja in Hamburg heiraten und sie könnte ja dies und sie könnten das. Also diese ganzen theoretischen und hypothetischen Überlegungen zu der Hochzeit, die spielen sie jetzt alle durch, ganz genüsslich, bis es dann endlich so weit ist, weil sie sich irgendwie die Zeit vertreiben müssen und dabei gerne irgendwelche Friede-Freude-Helene-Geschichten machen.

Auch wenn Ihr sagt, die Qualität war recht gut — ich finde, auf dem Bild des Covers sieht Helene Fischer doch recht frisch aus, zu frisch schon, also ziemlich retuschiert. Und der Kopf sitzt auch nicht so richtig da, wo er sitzen sollte.

Mats: Das ist immer das Problem bei solchen Montagen: Die werden schnell entlarvt. Und da hätten sie sich vielleicht gerade fürs Cover ein bisschen mehr Mühe geben können. Aber vielleicht haben sie auch absichtlich ein etwas schlechteres Foto aufs Cover genommen, um sich da keinen Ärger einzuhandeln. Man kennt das ja von Helene Fischer, die ist da auch recht flott mit einem Anwalt zur Stelle, wenn da irgendetwas nicht rechtens läuft. Und ich denke, das sind alles Vorsichtsmaßnahmen — auch dass sie auf jede Foto-Montage noch einmal einen dicken Stempel mit “Exklusive Foto-Montage” gepackt haben, um da ja kein Risiko einzugehen, dass man da möglicherweise verklagt werden könnte. Ich denke also, das sind alles Vorsichtsmaßnahmen. Und vielleicht haben sie es deswegen auf dem Cover ein bisschen künstlicher wirken lassen.

Denkt Ihr denn, das ist jetzt die Zukunft, dass die anderen Blätter nachziehen in die Richtung mit so einem Verweis?

Moritz: Na, dann ist es ja nicht mehr “exklusiv”. Nein, ich glaube nicht, dass jetzt jedes Heft mit so einer Montage ankommt. Das ist schon eine ziemlich fixe Idee von der Redaktion der “Neuen Post” gewesen. Die kommen ja auch so immer auf genug Sachen, die sie über Helene Fischer und Florian Silbereisen berichten können. Beispielsweise war Silbereisen vor einer Weile in der WDR-Sendung “Zimmer frei” zu Gast. Da wurden auch ein bisschen persönlichere Gespräche geführt. Das ist jedes Mal reichlich Stoff für die nächste Titelgeschichte. Der “Neuen Post” ist wohl einfach nichts anderes eingefallen diese Woche. Aber die werden sicherlich in den nächsten zwei, drei Wochen wieder auf irgendetwas Neues kommen, ohne diese exklusiven Foto-Montagen.

Vielleicht reden sie dann über die zehn Kinder, die mit den beiden auf einem Foto zu sehen sind oder so …

Moritz: Das wäre der nächste logische Schritt: Zum heilen Weltbild der Regenbogenpresse gehört ja nicht nur die Hochzeit, sondern auch eine zahlreiche Kinderschar, die sich um ein Paar scharen soll. Das fehlt natürlich noch.


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Der Regenbogenröntgenblick
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Der Regenbogenröntgenblick

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um die Gynäkologen der Funke Women Group:

Die "Frau aktuell" titelt: "Monaco jubelt - Fürstin Charlene - Hurra, zwei Jungen! Ihre Zwillinge sind gesund!" Das "Echo der Frau" titelt: "Fürstin Charlene - Süße Überraschung! Es werden zwei Mädchen"

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Eure heutige Geschichte ist quasi eine doppelte Geschichte: Es geht um Fürstin Charlène von Monaco. Und die eine Zeitrschrift titelt: “Hurra, zwei Jungen!”, sie soll also schwanger sein. Und die andere Zeitschrift, “Echo der Frau”: “Es werden zwei Mädchen”. Jetzt wissen wir ja schon, dass man diesen Zeitungen eh nicht glauben kann. Deswegen frage ich erstmal: Ist sie denn überhaupt schwanger?

Moritz: Ja, die Schwangerschaft steht fest. Und — es wurde lange gemutmaßt — es steht auch fest, dass es Zwillinge werden. Es kommen also tatsächlich zwei Kinder im Dezember zur Welt in Monaco. Junge oder Mädchen steht hingegen nicht fest. Es gibt da zumindest keine offizielle Aussage des Palastes. Und die Hefte wissen’s ja anscheinend auch nicht. Das “Echo der Frau” sagt, es werden zwei Mädchen. Die “Frau aktuell” titelt: “Hurra, zwei Jungen!” Am Ende kommen vielleicht ein Junge und ein Mädchen heraus, dann haben beide völlig Unrecht gehabt. Das wäre für uns besonders schön. Aber eines der Hefte wird in jedem Fall daneben liegen. Das ist für uns mal wieder ein ganz klares Beispiel, wie in diesen Verlagen gelogen wird, einfach auf These geschrieben wird. Wenn’s dann einen Zufallstreffer gibt, wird es groß bejubelt — also wenn beispielsweise zwei Mädchen geboren werden, wird das “Echo der Frau” sicherlich sagen: “Ha, wussten wir es doch! Wir haben so berichtet.”

Das wäre die nächste Frage: Wie kommen die denn auf diese Mutmaßungen? Ist das einfach ins Blaue hineingeschrieben? Oder haben die wirklich verlässliche Quellen?

Mats: Nee, die haben keine verlässlichen Quellen. Sie schreiben auch selbst, dass es nur Gerüchte seien: Beide Blätter schreiben, dass es Gerüchten zufolge Jungen beziehungsweise Mädchen werden. Die “Frau aktuell” hat aber noch ein anderes Indiz gefunden. Und zwar hat Fürst Albert, der Mann von Charlène, angeblich im Haus alle scharfen Kanten abgedeckt. Und das nehmen sie jetzt als Indiz dafür, dass es Jungen werden, weil Albert sich bestimmt noch an seine wilde Zeit als kleiner Junge erinnern kann, als er immer durchs Haus getollt ist. Das nimmt die “Frau aktuell” quasi als Beiweis dafür, dass es Jungen werden. Aber in Wirklichkeit steckt natürlich nur Spekulation und Raterei dahinter.

Moritz: Und obwohl beide Hefte lediglich von Gerüchten ausgehen, verkaufen sie es auf den Titelseiten als feststehende Tatsachen. Das ist ein wichtiger Punkt bei diesen beiden Geschichten: Es ist kein Fragezeichen dabei oder ein “wohl” oder ein “vielleicht”, sondern “Es werden zwei Mädchen” und “Hurra, zwei Jungen!”, mit Ausrufezeichen. Das sind also zwei ganz klare Tatsachenbehauptungen.

Also ziemlich abstrus. Interessant an dem Fall ist ja, dass die beiden Zeitschriften aus dem gleichen Verlag kommen, der Funke Women Group. Geht es da im Endeffekt also doch nur um Geldmacherei, dass man — wie Ihr eben gesagt habt — einfach rät und hofft, dass einer wenigstens Recht hat?

Mats: Das vermuten wir. Es ist ja schon ganz offensichtlich, dass es denen gar nicht daum geht, die Wahrheit zu berichten. Die wollen einfach nur mit einer exklusiven Schlagzeile locken, damit die Leute das Heft kaufen und nachschlagen, warum es sich denn um zwei Jungen oder zwei Mädchen handeln soll. Die WAZ Women Group, oder Funke, wie sie jetzt seit einiger Zeit heißt, hat auch Erfahrungen bei solchen Schlagzeilen. Vor ein paar Jahren, als Prinzessin Victoria ein Kind bekommen hat, da titelte die “Neue Welt”, die auch zum Verlag gehört: “Hurra, ein Junge!” Kurz danach wurde das Kind geboren — und es war ein Mädchen. Die haben also schon Erfahrung darin, Vorhersagen zu treffen, die dann doch nicht eintreten.

Ihr habt vorhin gesagt, das ist eine Tatsachenbehauptung, in einem Fall dann ja auch eine falsche. Beschäftigt sowas dann irgendwann mal den Presserat oder ist denen das vollkommen boogie, was diese Frauenzeitschriften machen?

Moritz: Der Presserat wird ja erst dann aktiv, wenn sich jemand beschwert. Von selbst ergreift der Presserat keine Initiative. So ist das grundsätzliche System bei denen. Das wäre jetzt für uns aber ein Fall, den man definitiv beim Presserat einreichen könnte. Wenn man beispielsweise wartet, bis die Geburt im Dezember dieses Jahres stattgefunden hat, dann könnte man sicherlich das Heft, das total ins Klo gegriffen hat, dahin schicken. Dann wird sich ja gezeigt haben, dass es sich um eine falsche Berichterstattung handelt. Da könnte es durchaus eine Maßnahme des Presserats geben.


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Das Rennen um den dümmsten Titel
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Das Rennen um den dümmsten Titel

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um zwei unterschiedliche Schlagzeilen zum selben Ereignis:

Michael Schumacher - Sein Sohn hat ein Wunder vollbracht
Neuer Schock - Michael Schumacher - Nicht auch noch sein Sohn! - Zerbricht er am Schicksal seines Vaters?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: In den Heften der Regenbogenpresse geht’s nicht nur um Promis, sondern auch um deren Familienangehörige. Mehr oder weniger ereignisreiche Geschehnisse werden als große Story verkauft — und gänzlich unterschiedlich interpretiert. Eine der führenden Schlagzeilen dieser Woche dreht sich um den 15-jährigen Sohn von Michael Schumacher, Mick Schumacher. Der ist jüngst beim Kartrennen um die Deutsche Juniorenmeisterschaft gestartet, was die Regenbogenpresse nicht so eindeutig deuten kann — oder will: Laut der “Neuen Post” hat Mick Schumacher “ein Wunder vollbracht”, “Die neue Frau” hingegen titelt: “Neuer Schock — Nicht auch noch sein Sohn!” Was da genau vorgefallen ist auf der Kartbahn, und warum die Regenbogenpresse daraus konträre Schlagzeilen bastelt, darüber kann ich sprechen mit Mats Schönauer, einem der beiden Köpfe hinter topfvollgold. Mats, was war da los auf der Jugend-Rennstrecke, wenn man die mal so nennen darf?

Mats: Tja, da war eigentlich nicht viel mehr los, als dass der Sohn von Michael Schumacher da gefahren ist. Und das interessiert die Medien offenbar brennend. Das war nicht nur Titelgeschichte bei der “Bild”-Zeitung, sondern auch schon seit Tagen in der Regenbogenpresse. Und zwar ist der Sohn von Michael Schumacher, der fährt Kartrennen, bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft Zweiter geworden. Das ist die ganze Geschichte. Interessant ist nicht nur, dass die Medien sich so darauf stürzen, sondern wie gegensätzlich sie das interpretieren. Du sagtest ja schon, die “Neue Post” schreibt: “Sein Sohn hat ein Wunder vollbracht”. Da denken die ganzen Omis wahrscheinlich: “Oh, der Sohn hat irgendwas gemacht, und jetzt geht es Michael Schumacher besser.” Da spielen die Redaktionen schon ganz bewusst mit dem Gesundheitszustand von Michael Schumacher und tun dann so, als hätten sie neue Informationen. In Wirklichkeit geht es in der Geschichte aber tatsächlich nur um dieses Kartrennen.

Also völlig unterschiedliche Geschichten. Man fragt sich, ob die Zeitungen das gleiche Rennen gesehen haben. Wie kommt es dazu, dass daraus diese völlig unterschiedlichen Headlines entstehen?

Die nehmen sich einfach eine Nachricht und drehen die dann so, wie es gerade passt. Die “Neue Post” wollte dann wahrscheinlich mit einer schönen Geschichte locken auf dem Cover und hat’s sich dann so zurecht gedreht, dass sie da was Positives titeln kann. Die Redaktion interpretiert jetzt einfach, dass der Sohn Zweiter geworden ist, als “Wunder”, oder vielmehr sieht sie es als hypothetisches Wunder, das noch kommen könnte. Die Mitarbeiter haben nämlich noch einen Arzt gefragt, und der sagt: Bei Komapatienten ist es immer von Vorteil, wenn es gute Nachrichten gibt, da könnte sich dann der Gesundheitszustand verbessern. Und diese Möglichkeit reicht dem Blatt schon, um daraus ein Wunder zu stricken. “Die neue Frau” und andere Hefte dachten sich: Da machen wir eine schlimme Nachricht raus. Die haben es so gedreht: “Nicht auch noch sein Sohn!” Die Redaktion suggeriert auf dem Titel, es gäbe eine ganz schlimme Nachricht, als sei der Sohn vielleicht auch verunglückt. Aber da geht’s dann einfach nur darum, dass er nur Zweiter geworden ist und dass beim Kartfahren ja sowieso viele Gefahren drohen. Die drehen sich die Geschichte so zurecht, wie sie es gerade mögen, und dann picken sie sich die Fakten raus und überdrehen sie solange, bis sie so eine Schlagzeile bringen können.

Es war auch noch etwas Anderes zu lesen: Er wurde “nur” Zweiter und er rastete aus. Was ist das denn für ein gefundenes Fressen?

Ich habe das Rennen selbst nicht gesehen, deswegen weiß ich nicht, ob es stimmt. Aber “Die neue Frau” schreibt einfach, dass er sich darüber geärgert habe, dass er nur Zweiter geworden ist, was ja erstmal verständlich ist. Und dann soll es auch noch eine Rangelei gegeben haben. Das formuliert das Blatt aber auch schon so vage, dass ich es überhaupt nicht abkaufe. Selbst wenn er sich darüber geärgert hat, nur Zweiter geworden zu sein — man darf es nicht so überbewerten, wie die Hefte es tun. Es kam denen natürlich ganz gelegen, wenn es tatsächlich so passiert ist, weil sie daraus dann so etwas Negatives stricken konnten.

“Die neue Frau” hat ja sogar geschrieben, dass dieser Ausraster am schlechten Gesundheitszustand seines Vaters liegt. Stellt sich die Frage: Darf man als Familienangehöriger und als 15-jähriger Teenager eines Promis überhaupt noch normal — sprich emotional — durchs Leben spazieren?

Natürlich darf man das. Das Problem ist aber, dass dann an jeder Ecke Fotografen lauern, die das festhalten, und noch schlimmer: Dass die Regenbogenautoren in ihren Redaktionen sitzen und aus diesen Fotos und Videos solche Geschichten stricken. Ich finde, das ist eine große Unverschämtheit. Ich frage mich sowieso, welches Intresse die Öffentlichkeit daran hat, ob der Sohn von Michael Schumacher jetzt ein guter Rennfahrer ist oder nicht. Darüber kann man natürlich berichten, aber dass es dann solche großen Titelgeschichten werden, finde ich unangebracht — auch schon bei der “Bild”-Zeitung. Und wenn dann die Regenbogenpresse noch solche Geschichten daraus strickt und das so perfide verbindet mit dem Gesundheitszustand von Michael Schumacher und solche Gerüste sich strickt, wie das alles miteinander zusammenhängen könnten, und dann noch solche lockenden Schlagzeilen auf die Titelseiten packen, dann ist das eine ziemliche Frechheit. Aber es lässt sich momentan ja leider nicht groß ändern.

Und es hilft in diesem Fall offenbar auch nicht, dass der Sohn von Michael Schumacher unter dem Mädchennamen seiner Mutter fährt — also gar nicht als Schumacher startet.

Eben. Daran erkennt man schon, dass sie damit gar nicht in Verbindung gebracht werden wollen, aus welchen Gründen auch immer. Das gelingt leider nur mittelmäßig, wenn die Medien das einfach ignorieren und daraus große Titelgeschichten basteln.


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Bergrettung auf der Landstraße
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Bergrettung auf der Landstraße

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um eine Wunderheilung:

Andrea Berg - Unfall-Drama auf der Landstraße - Ergreifend, wie sie das Mädchen ins Leben zurückholte

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Es war ja mal wieder viel los in der Yellow Press. Wir sprechen heute über Andrea Berg. Die hatte einen Horror-Unfall. Jetzt haben wir hier natürlich alle schon innegehalten und kurz überlegt: Wie geht’s ihr denn? Ist denn noch alles in Ordnung mit Andrea Berg?

Moritz: Ihr könnt wieder aufatmen. Andrea Berg ist nichs passiert und ich muss das auch unbedingt korrigieren, nicht dass das hier noch juristisch interessant wird: Andrea Berg hatte natürlich keinen Unfall. Die “Woche der Frau” behauptet zwar auf ihrer Titelseite: “Andrea Berg — Unfall- Drama auf der Landstraße — Ergreifend, wie sie das Mädchen ins Leben zurückholte”. Und wir dachten auch zuerst: Menschenskinder, vor der Haustür von Andrea Berg, großes “Unfall-Drama”, junge Dame verletzt und Andrea Berg hilft ihr jetzt mit Sofortmaßnahmen, Erste Hilfe und so weiter. Pustekuchen, natürlich überhaupt nicht. Wir befinden uns ja schließlich in der Welt der Regenbogenpresse. Dieses “Unfall-Drama”, das es gab, liegt schon drei Jahre zurück. Hat auch örtlich nichts mit Andrea Berg zu tun: Die junge Dame, 19 Jahre alt, die da von einer Autofahrerin auf ihrem Fahrrad angefahren wurde, kommt aus Leipzig. Ich vermute mal, das war dann auch da in der Ecke. Andrea Berg wohnt im Süden Deutschlands — also auch örtlich überhaupt kein Zusammenhang. Das Einzige, was Andrea Berg mit dieser jungen Dame zu tun hat, ist die Musik. Denn Nadine R., die diesen Unfall hatte, hört gerne Andrea Bergs Musik. Und diese Lieder von der Schlagerkönigin haben ihr dann geholfen, zurück ins Leben zu finden.

Klassische Geschichte, gab’s ja mit Dieter Bohlen, glaube ich, schon in zehnfacher Ausführung in den letzten Jahren. Was mich wirklich interessiert, auch aus journalistischer Sicht: Bei all dem Schrott, den die da zusammenschreiben — Wieso sind die so gut im Recherchieren, dass die noch Jahre später solche Querverbindungen finden, die kleinsten Fitzel, aus denen man doch noch eine Story drehen kann?

In diesem Fall ist das tatsächlich ganz interessant, denn es gibt hier eine Passage, die liest sich so: “Verriet die Leipzigerin drei Jahre nach dem schrecklichen Unfall ‘Woche der Frau’.” Das scheint also wirklich ein spezieller Fall zu sein, dass sich hier jemand an das Heft gewandt hat. So etwas findet eigentlich selten statt, dass die Regenbogenhefte mal mit Protagonisten sprechen. Die lesen dann eher auf einer Facebook-Seite: “Hier, ich hab’ Andrea Berg besucht, weil ich mal einen Unfall hatte und sie hat mich ins Leben zurückgeholt mit ihrer tollen Musik.” Und dann stricken sie sich da irgendetwas raus. Hier behauptet das Heft ja tatsächlich, dass es mit der Leipzigierin gesprochen hat. Ansonsten ist es wirklich ein großer kreativer Akt, diese Querverbindungen zu finden. Denn der Unfall an sich ist ja erstmal nichts, worüber ein Regenbogenheft berichten würde. Wenn da jemand aus dem normalen Leben einen Unfall hat, das ist nichts mit Prominenten, nichts mit Klatsch. Dieser kleine Fitzel, die Aussage: “Ich hab’ Andrea-Berg-Musik gehört”, da wird’s dann spannend. Das ist ein großer kreativer Prozess der Regenbogenhefte und der Leute, die dort arbeiten. Die müssen ja Woche für Woche aus so gut wie nichts eine große Titelgeschichte machen. Die beneiden wir um diesen Job nicht unbedingt.

Du hast vorhin schon erwähnt: Man muss immer aufpassen, dass es juristisch nicht relevant wird. Ist das so ein Fall, wo jemand wie Andrea Berg dagegen vorgeht? Oder wissen die einfach: Damit muss ich jetzt leben, das lassen wir jetzt so links liegen und nächste Woche ist die Titelseite ja eh wieder vergessen?

Das ist ja grundsätzlich erstmal eine positive Geschichte über Andrea Berg: Ein “Unfall-Drama”, und sie hat geholfen. Das findet das Heft sogar noch “ergreifend, wie sie das Mädchen ins Leben zurückholte”. Nichtsdestotrotz: Auch in positiven Geschichten kann man falsche Tatsachen behaupten. Und da wird’s dann immer interessant. Die Gegendarstellungen, die wir finden, beispielsweise von Günther Jauch, der stark gegen diese Hefte vorgeht, beziehen sich immer nur auf falsche Tatsachenbehauptungen. Da reicht es, wenn ein Alter falsch genannt wird oder wenn gesagt wird: “Er hat für diesen Job Geld bekommen”, und er hat dafür gar nichts bekommen — dann ist das eine falsche Tatsachenbehauptung dieses Heftes. Im Fall von Andrea Berg — ich bin die Geschichte jetzt zwei-, dreimal durchgegangen — handelt es sich um einen sehr glattgebügelten Text. Ein Treffen gab es dann tatsächlich noch zwischen Andrea Berg und dem Mädchen. Die ist nämlich in dem Hotel von Andrea Berg mal vorbeigekommen, hat sich auch mit ihr getroffen und bedankt. Und die Aussagen, dass sie die Musik gerne gehört hat, werden wohl stimmen, denke ich. Deswegen gibt es da nicht viel juristisch zu machen gegen diesen Artikel von der “Woche der Frau”. Wenn Andrea Berg jetzt sagen würde: “Klar, das ist eine positive Geschichte über mich. Trotzdem habe ich keinen Bock, dass das Heft über mich berichtet, vor allem mit einem solchen irren Fantasiegebilde”, da wird sie sehr wahrscheinlich nicht viel gegen machen können.

Gibt diese Geschichte eigentlich genug für so eine Follow-up-Story nächste Woche her? Oder ist die jetzt tot?

Die junge Dame hat ja zum Glück ihren Unfall überlebt. Sie ist zwar noch auf einen Rollstuhl angewiesen, aber sie findet jetzt ins Leben zurück. Klar, wenn sie jetzt noch einmal Andrea Berg besucht und es ihr immer besser geht, dann kann es sicherlich mal passieren, dass da noch was kommt. Aber an sich ziehen die Hefte dann auch immer ganz gerne weiter zum nächsten Schlachtfeld.


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Kleingedrucktes macht auch Mist
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Kleingedrucktes macht auch Mist

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um einen kleinen, aber ganz entscheidenden Zusatz in der Titelgeschichte von “Das Neue”:

Joachim Gauck und seine Daniela - Alle wünschen es sich so! Jetzt wird geheiratet!

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Heute wird’s romantisch …

Moritz: Nicht nur romantisch, sondern richtig romantisch! Es wird nämlich geheiratet. Das verspricht das Blatt “Das Neue” zumindest sehr groß auf der Titelseite — wirklich nicht zu übersehen. Wenn man dann aber mal genauer hinguckt und den Text liest, merkt man doch: Naja, so ganz stimmt das alles nicht.

Es wird ja öfter mal geheiratet in der Boulevardpresse. Wer soll denn diese Woche heiraten?

Mats: Dieses Mal geht’s um keinen Geringeren als den Bundespräsidenten höchstpersönlich, “Joachim Gauck und seine Daniela”, wie es heißt. Um die beiden geht’s, und da ist die große Titelschlagzeile “Jetzt wird geheiratet!” Grundlage für die Geschichte ist, dass man die beiden eine Zeit lang nicht zusammen gesehen hat — also Herr Gauck war dann auf den Terminen oft alleine unterwegs –, aber in letzter Zeit kommt Daniela Schadt, seine Lebensgefährtin, öfter mal wieder mit. Und das ist auch schon die Grundlage für die Schlagzeile.

Moritz: Jedem, der sich ein bisschen mit dem Bundespräsidenten und vor allem mit der Klatschpresse auskennt, müsste es jetzt eigentlich in den Ohren schrillen. Denn es ist doch bekannt: Joachim Gauck ist aktuell noch verheiratet, es gibt eine Frau Gauck. Die leben zwar nicht mehr zusammen, aber geschieden sind sie auch nicht. Und deswegen ist es in der Regenbogenpresse auch so eine große Überraschung, dass jetzt geheiratet wird.

Also wurde da wieder sehr intensiv recherchiert offenbar.

Moritz: Nee, das ist nämlich genau der Haken: recherchiert wurde gar nicht. Es gibt wirklich kein Anzeichen dafür und es ist auch nicht realistisch, dass jetzt geheiratet wird, denn erstmal muss ja eine Scheidung stattfinden…

Mats: Bis auf ein Anzeichen: Es gibt nämlich ein Foto, auf dem Joachim Gauck und Daniela Schadt Hand in Hand eine Treppe runter gehen. Das ist der größte Beweis für die Theorie, dass jetzt geheiratet wird.

Klar, natürlich.

Moritz: Ein ganz entscheidenden Zusatz haben wir übrigens noch gar nicht erwähnt und den hat “Das Neue” auch sehr bewusst gesetzt. Es prangt auf der Titelseite auch ein kleiner Satz, der sagt: “Alle wünschen es sich so!” Das erklärt dann auch, warum das Blatt so forsch behaupten kann, dass jetzt geheiratet wird. Egal, dass es gar keine Anzeichen gibt, sie sprechen ja nur von einem großen Wunsch, dass Daniela Schadt und Joachim Gauck jetzt endlich mal heiraten sollten. Das ist natürlich ein Freifahrtsschein für jegliche Spekulation und jegliches Gerücht, zu behaupten, dass sich jeder das so wünscht, und über diesen Wunsch dann zu berichten.

Die Regenbogenpresse ist sich also offenbar sicher, dass ganz Deutschland darauf wartet. Da stellt sich die Frage: Auf wie viele Hochzeiten warten die Deutschen gerade eigentlich so?

Moritz: Auf eine ganze Menge. Auf eine Menge Hochzeiten und auf eine Menge Babys. Diese Maßnahme der Regenbogenpresse, dieser kleine Trick, zu sagen: “Die Fans wünschen es sich so!”, “Ganz Monaco redet schon drüber!”, “Wann kann sie endlich diese Nachricht verkünden?” — das begegnet uns immer wieder bei der Arbeit mit den Heften und ist wirklich ein ganz, ganz billiger Trick, irgendeine wilde Schlagzeile zu legitimieren. Dementsprechend könnte jeder heiraten und jeder könnte sich scheiden lassen und jeder könnte ein Baby erwarten.

Mats: Und nicht nur heiraten oder Kinder bekommen. Das kann man ja mit allem machen. Das ist so, als würde die “Bild” groß auf die Titelseite schreiben: “In Berlin ist eine Atombombe explodiert” und dann einen kleinen Zusatz: “Aber es war nur im Film”. So macht es sich die Regenbogenpresse richtig einfach, indem sie eine ganz kleine Schlagzeile bringt, die die große Schlagzeile relativiert.

Da können einem die Kollegen ja fast leid tun. Gibt’s denn nicht genügend prominente Paare, die tatsächlich heiraten?

Moritz: Vielleicht gibt es nicht genügend prominente Paare, bei denen es so spannend wäre. Denn was auffällt bei Joachim Gauck: In den Leserbrief-Spalten dieser Hefte — also zum Beispiel “Die Aktuelle” druckt sehr gerne Leserbriefe — geht’s oft um Joachim Gauck und Daniela Schadt. Da echauffieren sich die Leute immer stark, dass sie überhaupt nicht seine Frau ist und eigentlich auch gar nicht seine Lebensgefährtin, sondern allerhöchstens eine Mätresse. Die sind überhaupt nicht einverstanden mit Gaucks Lebensgebilde, dass er irgendwo noch eine Frau hat und jetzt aber den Staat repräsentieren soll. Dementsprechend wäre diese Nachricht, dass tatsächlich geheiratetwird, wäre die große Erlösung für all diese Leserbriefschreiber. “Das Neue” dürfte sich also sehr bewusst Joachim Gauck für diese Schlagzeile ausgesucht.


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Laufendes Unheil
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Laufendes Unheil

In unserem wöchentlichen Gespräch mit detektor.fm ging es dieses Mal um eine “Sensationelle Prognose” in der “Freizeitwoche”:

Fernheilung? Michael Schumacher - Sensationelle Prognose - Kann dieser Arzt ihn wirklich ganz gesund machen?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Moritz, heute hast Du nicht weniger als ein Wunder mitgebracht. Was ist da los?

Tatsächlich ein großes Wunder. Die “Freizeitwoche”, ein Heft, das jede Woche auf dem Regenbogenmarkt erscheint, hat eine Wunderheilung bei Michael Schumacher ausmachen können. Sie steht noch nicht ganz fest, aber die Chancen stehen nicht schlecht und, ja, es könnte bald soweit sein, dass er komplett geheilt ist.

Daran Anteil hatte vor allen Dingen eine interessante Person, möchte ich mal sagen.

Der Artikel hat eine ganz zentrale Person, nämlich Dr. Wolfgang Krüll. Das ist jemand, den man so erstmal nicht kennt, aber die “Freizeitwoche” stellt ihn uns gerne vor. Denn Dr. Krüll ist in gewisser Weise ein Wunderheiler, indem er jeden Tag im Schnitt bis zu 50 Kilometer läuft, also eine längere Strecke als einen Marathon jeden Tag.

Wer kann, der kann …

Genau, der sieht auch fit aus auf dem Foto, ein drahtiger Typ. Und das Ganze nennt er den “‘Healing-Run’”, übersetzt also in etwa “Genesungslauf”. Dr. Krüll sagt selber, er setzt beim Laufen so viel Energie frei, die kann er ohne Probleme Michael Schumacher schicken. Und das hilft dann richtig beim Genesungsprozess des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters.

Also die Energien werden dann rübergesendet, wenn er läuft.

Ob das nun permanent geschieht, also direkt parallel rübergesendet wird, oder ob er sie während des Laufens sammelt und dann als eine Ladung schickt — das weiß ich nicht. So sehr geht der Artikel auch nicht ins Detail. Aber eine wichtige Voraussetzung hat Dr. Krüll schon geschaffen: Er hat auch Michael Schumacher Bescheid gesagt, dass er ihm diese Energie schicken wird. Denn das, sagt Krüll, ist eine wichtige Voraussetzung, dass derjenige, der die Energie gesendet bekommen soll, auch weiß, dass da was kommt, und das dann auch annehmen kann.

Kennen sich die beiden denn gut, Schumi und der Zauber-Arzt?

Nun ja, das kann ich von meiner Position aus schwer einschätzen. Der Zauber-Arzt selber sagt “ja”. Er meint auch, schon seit einer ganzen Weile Michael Schumacher zu kennen, als er nämlich mal beim “Westdeutschen Rundfunk” war. Da hat er den Nürburgring besucht und dort Schumi getroffen. Und er sagt, daraus habe sich “‘eine Art Freundschaft entwickelt’”. Das ist vielleicht etwas fragwürdig, weil er direkt im Anschluss erzählt, dass er sich ins Klinikum in Grenoble in gewisser Weise als Arzt einschleichen musste, um Schumi vom “Healing-Run” zu erzählen. Ein richtiger Freund, denke ich, dürfte auch so ans Krankenbett kommen. Aber Herr Krüll musste sich dort einschleichen. Also so ganz geheuer ist mir das nicht.

Gibt es denn irgendwelche Belege für diese innige und enge Freundschaft — ein Foto der beiden gemeinsam, ein Zitat von Schumi, irgendwas?

Weder noch. Also wenn es so etwas gibt, dann hat die “Freizeitwoche” es nicht dokumentiert. Nein, vermutlich gibt’s das nicht. Im Gegenteil: Auf mich wirkt die Beziehung sehr einseitig. Auch wenn man sich den Twitter-Account dieses Arztes mal anguckt. Da dokumentiert er nämlich den “Healing-Run” jeden Tag. Und das wirkt ansatzweise etwas fanatisch. Er malt auch Bilder für Michael und Corinna Schumacher, schreibt dann “ewige Liebe” und “Leidenschaft” drauf. Er scheint Michael Schumacher sehr zu verehren und freut sich dann wohl, mit seinem “Genesungslauf” einiges beitragen zu können, dass es Schumi bald besser geht.

Normalerweise besprechen wir hier oft Fälle, in denen unmittelbar jemandem geschadet wird, Lügen, Intrigen verbreitet, Gerüchte oder auch Sachen aus der Privatsphäre. Der Artikel ist schon besonders interessant, weil das hier nun alles nicht der Fall ist. Ist es deswegen vielleicht besonders perfide?

Wir finden immer, dass diese Lügengebilde der Regenbogenpresse direkt erstmal den Prominenten schaden, um die es da geht und über die falsche Sachen behauptet werden. In diesem Fall ist es jetzt nichts Rufschädigendes über Michael Schumacher. Man darf aber auch nicht vergessen, dass ein permanenter Betrug am Leser stattfindet, dass der Leser und die Leserin übers Ohr gehauen werden. Bei diesem Artikel muss man bedenken, dass die “Freizeitwoche” die Geschichte zur großen Titelgeschichte macht, “Sensationelle Prognose” rüberschreibt und der geneigten Leserin vermittelt: Hier, wir haben eine tolle Geschichte über Michael Schumacher, greif mal zu, kauf mal — und wieder ein bisschen was von der Rente weg. Das ist unserer Meinung nach wieder ein typischer Fall vom Betrug am Leser, den wir gern dokumentieren wollen.

Jetzt geht es Michael Schumacher zwar besser, aber noch lange nicht gut. Vor seinem Unfall, wie ist der denn so mit der Boulevardpresse umgegangen? War er eher ein schwieriger oder ein dankbarer Promi?

Ich vermute mal, aus Sicht der Boulevardpresse und der Regenbogenblätter: eher schwierig, weil sie früher nichts über ihn gebracht haben. Das ist ein Prominenter, der etwas zurückgezogener in der Schweiz lebt und da keine großen Skandale hat. Dementsprechend taugt er nicht für die großen Schlagzeilen. Wir haben in der Zeit, in der wir die Regenbogenpresse beobachtet haben, vor dem Ski-Unfall von Michael Schumacher ihn nie so richtig wahrgenommen. Er ist eigentlich erst mit seinem Unfall Ende Dezember in der Regenbogenpresse aufgetaucht.


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Ultraschall und Rauch
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Ultraschall und Rauch

Am Freitag haben wir uns mit detektor.fm über die “7 Tage” unterhalten. Und zwar ging es um diese Geschichte:

Fürstin Charlene - Erste Baby-Aufnahmen - Zeigen die Ultraschall-Fotos wirklich zwei Söhne?

Das Gespräch könnt Ihr hier nachhören …

detektor.fm: Diese Woche, da wird’s mal wieder Royal. Was habt Ihr denn ausgebuddelt?

Mats: Dieses Mal ist es eine Geschichte über Charlène von Monaco. Die ist ja schwanger, wie wir mittlerweile alle wissen, und da geht es jetzt auch so langsam auf die Zielgerade. Und deswegen wir nur da ganz besonders wild spekuliert momentan.

Moritz: Und die Spekulationen treiben da wirklich wilde Blüten. Man findet auf den Titelseiten immer wieder die Vermutung, dass sie gar nicht schwanger ist, sondern vielleicht eine Leihmutterschaft macht, weil sie noch recht durchtrainiert ist. Charlène, das muss man dazu wissen, ist eine ehemalige Profi-Schwimmerin, immer schon sehr sportlich, sehr durchtrainiert gewesen. Nun gibt’s die Gerüchte, dass sie Zwillinge haben soll, und trotzdem sieht man noch nicht so einen richtigen Babybauch. Das ist also die grundlegende Situation in Monaco. Und die Geschichte, die wir uns für diese Woche rausgesucht haben, stammt von der “7 Tage”. Die verspricht auf der Titelseite nämlich, “erste Baby-Aufnahmen” irgendwie in der Geschichte zu haben.

Und dann, wie geht’s weiter? Das kann ja nicht alles sein.

Mats: Die Unterzeile ist: “Zeigen die Ultraschall-Fotos wirklich zwei Söhne?” Da wird schonmal auf dem Titel der Eindruck erweckt, die Redaktion hätte exklusive Ultraschall-Fotos ausgebuddelt. Was aber natürlich gar nicht stimmt, sondern: Es ist tatsächlich ein Ultraschall-Foto von Zwillingen, aber nur irgendeins. Das geben sie auch zu, denn in der Bildunterschrift steht: “Nicht Charlenes Baby — aber so sieht ein Ultraschall-Foto von Zwillingen aus”. Das ist im Grunde schon die Grundlage der Geschichte.

Ist das jetzt eine beliebte Taktik von Boulevardmedien zu sagen, wir haben etwas nicht und deshalb kauft uns?

Moritz: Dass sie es nicht haben, sagen sie ja zumindest nicht auf der Titelseite. Da wird ja tatsächlich der Eindruck erweckt, als gäbe es jetzt irgendwie erste Baby-Aufnahmen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das schonmal die erste Kaufhürde überschreitet. Die geneigte Leserin wird sich dann denken: “Ach, hier, erste Baby-Aufnahmen — wie süß! Da greife ich mal zu” und legt es dann in den Einkaufswagen. Und schon sind wieder 1,60 Euro weg. Innendrin wird es dann ja aufgelöst, und uns hat die Geschichte tatsächlich an eine bestimmte Methode erinnert. Denn vor gar nicht allzu langer Zeit hatte schon einmal die “Freizeit Express” eine ganz ähnliche Geschichte. Das war, als Kate noch mit Baby George schwanger war. Und auch dort wurde auf der Titelseite versprochen: Ach, wie süß — Ultraschall-Babyfotos. Und das kleine Kind nuckelt sogar schon am Daumen. Das soll man angeblich sehen auf den Ultraschall-Bildern. Genauso wie jetzt bei der “7 Tage” die Auflösung: Pustekuchen! Die Bilder haben wir gar nicht.

Reagieren denn die Promis eigentlich auf sowas?

Mats: Bei Promis im Ausland ist es eher selten, dass sie reagieren. Aber es kommt durchaus vor. Vor Kurzem war es, glaube ich, Madeleine von Schweden, die mit Hilfe eines deutschen Anwalts gegen eine Redaktion vorgegangen ist. Aber ich würde mal bezweifeln, dass Charlène dagegen vorgeht, wenn sie überhaupt davon mitbekommen hat. Was ich aber noch interessant finde an der Geschichte: Dass die Redaktion sich schon fast darüber beschwert oder empört, dass es so viele Spekulationen gibt momentan — ob es Drillinge sind, ob es Zwillinge sind, ob sie überhaupt schwanger ist. Sie beschweren sich also ein bisschen darüber, aber im Grunde machen sie mit der Geschichte nichts anderes, als zu den Spekulationen beizutragen. Gerade mit der Titelseite, wo sie die Frage stellen “Zeigen die Ultraschall-Fotos wirklich zwei Söhne?” — das ist einfach nur eine weitere Spekulation.

Moritz: Und diese Bigotterie wird noch auf die Spitze getrieben, wenn man sich den Artikel dann mal durchliest. Denn dort geht es um eine Journalistin namens Tiffany Cantero, und die soll die Ultraschall-Babyfotos überhaupt erst ins Spiel gebracht haben, weil sie in einem Radiointerview wohl gesagt hat, dass sie diese Fotos tatsächlich besitzt. Gezeigt hat sie die noch nie. Und deswegen vermutet die “7 Tage”, dass diese Tiffany sich eigentlich doch nur wichtig machen will und den kurzen Ruhm sucht. Naja, das könnte man auch sehr schnell auf die “7 Tage” ummünzen, wenn man auf der Titelseite schon verspricht, Babyfotos zu haben, und die gar nicht zeigt — das ist ganz genau das, was Tiffany Cantero auch macht.


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Boris Becker in der Regenbogenhölle
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Boris Becker in der Regenbogenhölle

Die Asse der “neuen Frau” haben ihre Tennisschläger ausgepackt und mal wieder drauflosgeknüppelt:

Boris Becker - Diese Frau macht ihm das Leben zu Hölle - Verliert er jetzt auch noch seinen kleinen Sohn?

Dass es sich bei der Frau, die Boris Becker “das Leben zur Hölle” machen soll, nicht um seine Gattin Lilly handelt, sondern um die “exotische Schönheit” im kleinen Foto unten rechts, und was Beckers Sohn damit zu tun hat — darüber haben wir uns mit detektor.fm unterhalten:

Inzwischen ist es übrigens möglich, unsere wöchentlichen Regenbogen-Gespräche auch als Podscast zu abonnieren. Hier der nötige RSS-Link.

Und da wir keine Podcast-Experten sind: Sagt uns gern Bescheid, sollte da etwas nicht funktionieren.


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Sozialer Brennpunkt Potsdam
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Sozialer Brennpunkt Potsdam

Das Team der “Woche der Frau” hat einen Ausflug nach Potsdam unternommen. Und ist mit dieser Frage in die Redaktion zurückgekehrt:

Günther Jauch - Wie lange hält es seine Frau noch zu Hause aus? So wüst geht es in Potsdam zu

Was hinter diesem Murks steckt, haben wir versucht, im Gespräch mit detektor.fm zu erklären — hier zum Nachhören:

Wie “wüst” es bei Günther Jauch vor der Haustür zugeht, hat übrigens vor über einem Jahr “Die Aktuelle” schon einmal berichtet.


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Das Geschäft mit der Freizeit (4)
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Das Geschäft mit der Freizeit (4)

Wer wann welche neuen Hefte auf den Markt geschmissen hat, haben wir hier mehrfach dokumentiert. Und so, nun ja, innovativ sehen die allerneuesten “Freizeit”-Kreationen des SCG Verlags aus:

Cover von "Freizeit Heimat", "Freizeit Blatt", "Freizeit eins" und "Freizeit Punkt"


Jeden Freitag unterhalten wir uns mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Dämlichkeiten der deutschen Regenbogenpresse. Diese Gespräche gibt’s am Wochenende immer hier bei uns im Blog zum Nachhören.

Wir arbeiten momentan daran, dass Ihr sie bald auch als Podcasts abonnieren könnt.


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topfvollgold zum Hören
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topfvollgold zum Hören

Seit rund zwei Monaten unterhalten wir uns einmal wöchentlich mit dem Internetradiosender detektor.fm über die Regenbogenpresse. Die daraus entstehenden Gespräche wollen wir ab sofort auch hier bei uns im Blog präsentieren — und starten mit der Ausgabe vom vergangenen Freitag:

Und damit alles fein säuberlich archiviert ist, gibt’s hier auch noch die Gespräche der vergangenen Wochen zum Nachhören:


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