Post an den Presserat
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Post an den Presserat

Wir wollen uns wieder häufiger über die Regenbogenpresse beschweren — also nicht nur hier im topfvollgold, sondern so richtig offiziell.

In Deutschland ist dafür der Presserat die oberste Anlaufstelle. Deswegen schicken wir ab sofort wieder regelmäßig Beschwerden über einzelne Regenbogenartikel dorthin. Das hat vor etwas mehr als anderthalb Jahren schon einmal ganz gut geklappt.

Unsere Beschwerden, die Reaktionen der Verlage und die Entscheidungen des Presserats dokumentieren wir in unserer neuen Rubrik “Post an den Presserat”. Die ersten drei Beschwerden unseres neuen Anlaufs sind heute rausgegangen:

Der Screenshot zeigt die Sendebestätigung eine E-Mail an den Presserat.

(Draufklicken für eine größere Version)

Und hier könnt Ihr nachlesen, was uns an den Artikeln nicht gepasst hat …


Stefan Mross - Plötzlicher Kindstod! Der Moderator und seine Frau finden keinen Schlaf mehr

1)

Im Artikel schreibt die “Freizeit im Blick” über die allgemeine, theoretische Gefahr eines plötzlichen Säuglingstodes und illustriert diese am Beispiel von Stefan Mross’ wenige Monate alter Tochter:

Seine zweite Tochter Paula-Elise ist 52 Zentimeter groß und 3800 Gramm schwer – und sieht so zerbrechlich aus. Und in gewisser Weise ist sie das auch! Denn vor allem in den ersten Wochen ist so ein kleines Wesen in großer Gefahr. [...] Denn nach wie vor zählt der Plötzliche Säuglingstod zu den häufigsten Todesarten bei Kindern unter zwei Jahren.

Auf der Titelseite kündigt die Redaktion diesen Artikel mit “Stefan Mross — Plötzlicher Kindstod! Der Moderator und seine Frau finden keinen Schlaf mehr” an.

2)

Stefan Mross und seine Tochter haben — abgesehen von der theoretischen Möglichkeit eines plötzlichen Säuglingstodes — rein gar nichts mit dem Thema zu tun. Der Musiker hat sich nicht öffentlich zu diesem Thema geäußert, seine Tochter scheint nicht begründet stärker gefährdet zu sein als andere Säuglinge. Im Gegenteil — die “Freizeit im Blick” schreibt selbst:

Er [Stefan Mross] tut alles, um alle Gefahren und Risiken einzudämmen. Das bedeutet ‘Rückenlage’ zum Schlafen, ‘Rauchfrei’ und ‘Richtig gebettet’. [...] Stefan Mross tut alles, um seine Tochter zu schützen.

Es dürfte Mross’ kleiner Tochter also prächtig gehen. Dennoch erweckt die Redaktion durch Schlag- und Unterzeile auf der Titelseite unserer Meinung nach den Eindruck, als sei Stefan Mross’ Tochter gestorben. Es wirkt, als wolle sie mit der aufsehenerregende Überschrift lediglich mögliche Käufer locken.

Dazu scheint es so, als habe sich die “Freizeit im Blick” die Details zur Art und Weise, wie Mross’ Tochter gebettet ist, schlicht ausgedacht — jedenfalls liefert die Redaktion keine Zitate oder Beweise, die ihre Aussagen bestätigen.

3)

Unseres Erachtens verstößt der Artikel der “Freizeit im Blick” gegen die Ziffern 1, 2 und 8 des Pressekodex.

Die anscheinend erfundenen Details zu den Schlafumständen von Stefan Mross’ Tochter sowie die Überschrift sind keine “wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit”. Diese zählt laut Ziffer 1 des Pressekodex allerdings zu den “oberste[n] Gebote[n] der Presse.” Die Überschrift zielt stattdessen nur darauf ab, die potenzielle Leserschaft zum Kauf zu bewegen, und nimmt eine falsche Information dabei billigend in Kauf.

Außerdem verfälscht die Titelzeile die tatsächlich vorliegenden Informationen. Dabei fordert die Sorgfaltspflicht in Ziffer 2 des Kodex, dass diese Informationen “durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden”.

Dazu missachtet die “Freizeit im Blick” durch den in der Schlagzeile auf dem Cover angedeuteten Kindstod “das Privatleben des Menschen und seine informationelle Selbstbestimmung.” Diese zu achten schreibt hingegen Ziffer 8 des Kodex vor. In diesem Fall sind sowohl Stefan Mross als auch seine Tochter und seine Frau betroffen.


Fürstin Charlène - Unfruchtbar! Sie zerbricht daran, keine Kinder bekommen zu können

1)

Auf ihrer Titelseite schreibt die “Freizeit Spezial”, die monegassische Fürstin Charlène sei “Unfruchtbar!” und: “Sie zerbricht daran, keine Kinder bekommen zu können”. Im dazugehörigen Artikel geht es hingegen nur um angebliche Gerüchte aus dem Palast-Umfeld, “dass die Fürstin sich mit dem Gedanken trägt, ihren Kinderwunsch endgültig zu begraben.” Eine Freundin Charlènes soll dem Blatt gesagt haben:

“Sie glaubt, dass diese Erwartungshaltung eine negative Auswirkung auf ihre Fruchtbarkeit hat. Der Druck blockiert ihren Körper, davon ist sie überzeugt. Sie hält es für eine Art Trotz-Reaktion ihres Körpers.”

Allein darauf basiert die “Unfruchtbar!”-Schlagzeile.

2)

Die Tatsachenbehauptung (“Unfruchtbar! Sie zerbricht daran, keine Kinder bekommen zu können”) spiegelt nicht den Inhalt des Artikels wider, in dem lediglich Mutmaßungen geäußert werden. Das Heft schreibt sogar selbst, dass Charlène durchaus noch damit rechne, Kinder zu bekommen:

Wie sehr sich auch Charlène ein Baby wünscht, wurde erst im Interview mit dem schwedischen Magazin “Svensk Damtidning” deutlich. “Ich glaube nicht, dass es noch lange dauern wird, bis wir ein Kind bekommen”, sagte die 36-Jährige damals.

Im Nachhinein stellten sich Schlag- und Unterzeile als unwahr heraus, schließlich verkündete der monegassische Hof am 30. Mai 2014 die Schwangerschaft Charlènes, am 10. Dezember 2014 brachte sie Zwillinge zur Welt. Vermutlich haben die Mitarbeiter der “Freizeit Spezial” die aggressive Titelaufmachung bewusst zur Käuferwerbung eingesetzt.

3)

Unseres Erachtens verstößt der Artikel der “Freizeit Spezial” gegen die Ziffern 1, 2, 8 und 9 des Pressekodex.

Schlag- und Unterzeile können weder als “wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit” noch als “Wahrung der Menschenwürde” gelten. Damit verstoßen sie gegen Ziffer 1 des Kodex: Die Aussagen, Charlène sei unfruchtbar und zerbreche daran, entsprechen erstens nicht der Wahrheit und greifen zweitens — völlig unabhängig vom Wahrheitsgehalt — auf heftige Weise die Intimsphäre der Fürstin an.

Ziffer 2 des Kodex sagt, dass Informationen “durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden” dürfen. Doch genau das macht die “Freizeit Spezial” durch ihre Wahl von Überschrift und Unterzeile auf dem Cover.

In Ziffer 8 ruft der Kodex die Presse dazu auf, “das Privatleben des Menschen und seine informationelle Selbstbestimmung” zu achten. Dem kommt die “Freizeit Spezial” nicht nach. Eine Unfruchtbarkeit fällt wohl in den Bereich der “Erkrankungen”, die Richtlinie 8.6 thematisiert. Da höchstwahrscheinlich keine Zustimmung Charlènes vorlag, dass die “Freizeit Spezial” fälschlicherweise über ihre Unfruchtbarkeit berichten darf, verstößt die Überschrift der Redaktion gegen diese Richtlinie.

Da das Thema Fruchtbarkeit Teil der Intimsphäre ist, eignet sich die sensationslüsterne und inhaltlich falsche Überschrift der “Freizeit Spezial” für eine Verletzung der Ehre der Fürstin. Laut Ziffer 9 des Kodex widerspricht es “journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.” Damit verstößt die Redaktion auch gegen diese Kodex-Ziffer.


Günther Jauch - Entführungs-Drama - Alle Hintergründe der unglaublichen Geschichte

1)

Der “Woche heute”-Artikel greift einen satirischen (und fiktiven!) Roman auf, in dem der Protagonist den Moderator Günther Jauch entführen will.

Da reift in Paul ein furchtbarer Plan: Er wird Günther Jauch entführen, um so über das Lösegeld an die entgangene Million zu kommen! Mit seinem Mitbewohner Herrn Müller und dessen Freundin Katja setzt er diesen Plan tatsächlich um. Günther Jauch wird betäubt und entführt!

… erzählt die “Woche heute” die Roman-Handlung nach.

2)

Die Redaktion erweckt auf der Titelseite den Eindruck, als gebe es ein echtes “Entführungs-Drama” um Günther Jauch. Gut möglich, dass sie mit der knallig-skandalösen Schlagzeile einzig den Verkauf des Heftes ankurbeln will. Ein klarer Hinweis, dass es sich bei der Entführung Jauchs um eine ausgedachte Geschichte handelt, fehlt auf dem Cover komplett. Die “Woche heute” spricht zwar von einer “unglaublichen Geschichte”; dass damit aber “unglaublich” im Sinne von “erfunden” gemeint ist, kann der Leser nicht erkennen. Das erfährt er erst im Innenteil — im vierten Absatz des Artikels.

3)

Unseres Erachtens verstößt der Artikel der “Woche heute” gegen die Ziffern 1, 2 und 8 des Pressekodex.

Die Überschrift auf der Titelseite und zahlreiche Absätze im Artikel entsprechen nicht einer “wahrhaftige[n] Unterrichtung der Öffentlichkeit”, wie es der Kodex in Ziffer 1 fordert. Stattdessen wird die Leserschaft getäuscht, damit sie am Kioskregal zugreift.

Laut Ziffer 2 darf der Sinn von Informationen “durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden.” Durch das suggerierte “Entführungs-Drama” in der Cover-Schlagzeile passiert aber genau das.

Die auf der Titelseite thematisierte, aber nie stattgefundene Entführung greift die “informationelle Selbstbestimmung” Günther Jauchs an. Diese soll die Presse laut Ziffer 8 allerdings achten und nicht torpedieren.

4)

Christian Ritter, der Autor der fiktiven Jauch-Entführung, hat sich mit einem offenen Brief an die “Woche heute” zu Wort gemeldet und gefragt:

Wie viele Gedanken haben Sie sich denn genau darüber gemacht, dass jemand Ihre Titelzeile falsch verstehen könnte?

Außerdem musste die “Woche heute” eine Gegendarstellung von Günther Jauch abdrucken, in der er klarstellt: “Es gibt im Zusammenhang mit meiner Person tatsächlich keinen Entführungsfall.” Da die Redaktion diese erste Gegendarstellung nicht so groß aufs Cover gesetzt hat, wie vom Gericht festgelegt, musste sie sie einige Monate später ein zweites Mal drucken.


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Kommt Zeit, kommt Presserat

Kommt Zeit, kommt Presserat

In der Regenbogenpresse ticken die Uhren anders. Anders im Sinne von: überhaupt nicht. Die Zeit steht einfach still.

Irgendjemand hat vor acht Jahren in einem Interview etwas von sich preisgegeben? Zack! Titelgeschichte! “Pikante Enthüllung! Was XY jetzt verraten hat!”

Der Text über das Ehe-Drama von Angela Merkel ist vor neun Monaten schon mal erschienen? Egal! Raus damit!

Und weil Zeit keine Rolle spielt, werden Themen und Artikel innerhalb der Verlage gnadenlos wiederverwurstet. Was heute in der “Freizeit Bla” erscheint, taucht einige Monate später in der “Freizeit Blubb” wieder auf, ein paar Wochen später im nächsten Blatt und so weiter. Manchmal geht das über Jahre so. Mal wird hier und da ein Satz umgeschrieben oder ein Foto ausgetauscht, aber selbst das bisschen Mühe ist den Redaktionen oft schon zu viel.

Der Wahrheitsgehalt der Texte wird auf Dauer natürlich auch nicht größer. Und gerade das kann dazu führen, dass die Regenbogenpresse selbst dann gegen journalistische Grundsätze verstößt, wenn ein Artikel auf den ersten Blick völlig harmlos erscheint.

Der Deutsche Presserat hat sich in der vergangenen Woche mit einem solchen Fall beschäftigt. Es ging um einen Artikel, der im vergangenen September in “Das goldene Blatt” erschienen war, und zwar in der Rubrik “Geschichten mit Herz”. Darin schwärmt eine Frau — nennen wir sie Angelika — von ihrem Leben im Wohnmobil.

Erstmals veröffentlicht wurde der Artikel (in sehr ähnlicher Form) schon vier Jahre zuvor. Eine freie Journalistin hatte Angelika damals interviewt und den Artikel verschiedenen Verlagen angeboten. Inzwischen haben sich Angelikas Lebensumstände aber grundlegend geändert — unter anderem lebt sie schon lange nicht mehr im Wohnmobil (die Überschrift lautet “‘Ich lebe im Wohnmobil’”).

Sie selbst hat die Beschwerde an den Presserat geschickt, weil sie der Meinung ist, der aktuelle Artikel verletze ihre Persönlichkeitsrechte, verbreite unwahre Tatsachen und verletze sie in ihrer Ehre.

Der Verlag verwies in seiner Stellungnahme auf die freie Mitarbeiterin, die daraufhin mitteilte, sie habe das Interview damals autorisieren lassen und Angelika erklärt, dass sie noch nicht wisse, wann, wo und wie oft die geplante Reportage erscheinen würde.

Der Presserat sieht in der Veröffentlichung dennoch einen schwerwiegenden Verstoß gegen den Pressekodex. Auch wenn die Frau damals zugestimmt hatte, musste sie aus Sicht des Beschwerdeausschusses vier Jahre später nicht mehr mit einer Veröffentlichung rechnen. Vielmehr hätte die Redaktion die aktuelle Lebenssituation der Frau prüfen und ihre Einwilligung erneut einholen müssen, befand das Gremium. Die Redaktion des “goldenen Blatts” habe die journalistische Sorgfaltspflicht missachtet und die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen verletzt — darum hat der Presserat die höchstmögliche “Sanktion” verhängt: eine öffentliche Rüge.

Die Redaktion wurde “gebeten”, diese Rüge “zeitnah” abzudrucken. Aber was heißt das schon, dort, wo die Zeit stillsteht?


Mehr zu den anderen Rügen des Presserats gibt’s im BILDblog.


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Mission: Dachschadensbegrenzung

Mission: Dachschadensbegrenzung

Am Wochenende haben wir noch einmal Post vom Deutschen Presserat bekommen. In dem Schreiben geht es um die fünf Rügen, die der Beschwerdeausschuss vor einer Woche gegen die Regenbogenpresse ausgesprochen hat.

Zum üblichen Prozedere des Presserats gehört zunächst eine Vorprüfung darüber, ob eine Beschwerde begründet ist oder nicht. Ist sie das, dürfen die betroffenen Redaktionen und Verlage Stellung dazu nehmen. Im Beschwerdeausschuss wird dann nochmals darüber entschieden, ob die Beschwerde begründet ist. Anschließend stimmt das Gremium darüber ab, welche Maßnahme (Hinweis, Missbilligung, Rüge) gewählt werden soll.

Im Falle der Regenbogenpresse wird es an einer Stelle natürlich besonders spannend. Und zwar bei den Stellungnahmen der Redaktionen und Verlage. Denn wie kann man völligen Murks rechtfertigen? Genau: mit noch mehr Murks.

Die “Freizeit Express” und die “Meine Freizeit” haben es gar nicht erst versucht und auf eine Stellungnahme verzichtet. Drei andere Blätter waren mutiger. Deren Rechtfertigungen sind äußerst, ähm, interessant. Darum wollen wir sie hier auch vollständig dokumentieren.

Da wäre zum einen die Stellungnahme des Deltapark-Verlags. Wir hatten uns über diesen Artikel beschwert:Steffi Graf - Ihr Absturz in dei Lebenskrise

Steffi Graf hatte in ihrem Blog lediglich nach Tipps gefragt, wie man “das Leben allgemein einen Gang herunterschalten könnte”. Dass man daraus gleich einen “verzweifelten Hilferuf” strickt, der Ex-Sportlerin einen “Absturz in die Lebenskrise” bescheinigt und die wildesten Spekulationen über ihr Privatleben anstellt, gehört für den Verlag ganz einfach zur Presse- und Meinungsfreiheit:

Der Geschäftsführer des DELTApark Verlages teilt mit, dass die Veröffentlichung von der Presse- und Meinungsäußerungsfreiheit gedeckt sei. Das Bundesverfassungsgericht und der Bundesgerichtshof hätten in ständiger Rechtsprechung die Bedeutung auch einer unterhaltenden Presse für die Meinungsbildung betont. Auch mit unterhaltenden Beiträgen finde Meinungsbildung statt. Solche Beiträge könnten die Meinungsbildung u. U. sogar nachhaltiger anregen und beeinflussen als sachbezogene Informationen. Auch überspitzte und spekulative Äußerungen könnten den Schutz der Meinungsäußerungsfreiheit beanspruchen. Die Beiträge gäben die Meinung der Redaktion und des Autors über den zugrunde liegenden Sachverhalt wieder. Sie seien damit Ausdruck der ausgeübten Meinungsäußerungsfreiheit.

Rügen "Promi Welt"
Entscheidung über die Begründetheit der Beschwerde: einstimmig.

Entscheidung über die Art der Maßnahme: viermal Ja, dreimal Nein.


Die “Frau aktuell” musste durfte sich zu diesem Artikel äußern:Stefan Mross - Pikante Enthüllung! Wehe, wenn er zur Flasche greift

Im Innenteil sprach das Blatt von einem “Alkohol-Schock!” und fragte in der Übeschrift: “Wer kann ihm jetzt noch helfen?” Der Hintergrund: Wenn man bei Google “Stefan Mross” eingibt, erscheint als Suchvorschlag angeblich “Stefan Mross Alkohol”.

In ihrer Stellungnahme wirft sich die Chefredakteurin der “Frau aktuell” zwar ebenfalls hinter die schützende Wand der Pressefreiheit, bläst dann aber auch gleich zum Gegenangriff:

Die Chefredakteurin weist darauf hin, dass es sich bei der Beschwerde offenbar um eine Massenaussendung handele, da eine individuelle und annähernd substantielle Begründung für den Vorgang nicht erkennbar sei. Weiterhin betont sie, dass auch Boulevard-Medien uneingeschränkt an der Pressefreiheit teilnähmen. Die von den Beschwerdeführern offenbar monierte Dramatisierung stelle dabei ein übliches Stilmittel dar. Dieses Stilmittel sei durchaus legitim, wie sich aus der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ergebe. Bei der Veröffentlichung sei das Persönlichkeitsrecht der Prominenten nicht betroffen. Die Darstellungen seien zutreffend.

Die Chefredakteurin betont, dass das Bundesverfassungsgericht im “Caroline”-Urteil vom Dezember 1999 festgestellt habe, dass Meinungsbildung und Unterhaltung keine Gegensätze seien. Auch in unterhaltenden Beiträgen finde Meinungsbildung statt. Sie könnten diese unter Umständen sogar nachhaltiger anregen oder beeinflussen als ausschließlich sachbezogene Informationen. Unterhaltung erfülle insofern auch wichtige gesellschaftliche Funktionen. Daher sei sie in den Grundrechtsschutz einbezogen.

Prominente Personen müssten es hinnehmen, dass Medien ihr Auftreten in der Öffentlichkeit kommentierten. Wertungen von Vorgängen aus ihrer Sozialsphäre würde grundsätzlich nicht in ihr Persönlichkeitsrecht eingreifen.

Die Chefredakteurin betont, dass die Beschwerdeführer die Berichterstattung pauschal angriffen. Eine individualisierte Begründung erfolge nicht. Die Vorwürfe seien unsubstantiiert und nichtssagend. Es sei die Rede davon, dass oft eine Kombination aus Text und Bild etwas suggeriere. Ein Prominenter müsse damit rechnen, dass er “irgendwann” als möglicherweise alkoholkrank dargestellt werde. Demnach sei die Berichterstattung nicht zu rechtfertigen. Weshalb sie nicht zu rechtfertigen sei, stellten die Beschwerdeführer nicht dar. Sie überließen es alleine dem Presserat herauszufinden, worin denn jeweils konkret der Beschwerdegegenstand zu sehen sei.
Zu dem Artikel teilt die Chefredakteurin mit, dass es zutreffend sei, dass wer in Google “Stefan Mross” eingebe, unter den ersten Treffern sofort das Suchergebnis “Stefan Mross Alkohol” angeboten bekomme. Darüber berichte man und überlege, worauf diese Google-Selbstvervollständigung beruhe. Möglicherweise an der Alkoholvergiftung, die Mross 2003 gehabt habe. Das Foto illustriere den Beitrag, der insgesamt gesehen in keiner Weise irgendein Alkoholproblem von Mross behaupte. Die Überschrift “Alkohol-Schock! Stefan Mross — Wer kann ihm jetzt noch helfen?” sei auch nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit dem gesamten Beitrag zu sehen. Diese Ankündigung auf der Titelseite stelle die in der Mediengattung übliche Präsentation dar. Die rein pauschale Behauptung der Beschwerdeführer, in dem Beitrag würde ein Prominenter zu einem Alkoholiker gemacht, sei ohne jeden Bezug zu dem konkreten Beitrag aufgestellt worden.

Dass die Chefredakteurin so argumentiert, liegt wohl daran, dass wir zu diesem Artikel keine separate Beschwerde eingereicht hatten. Er war vielmehr Teil einer Art Sammelbeschwerde, in der es um die unzähligen Artikel ging, in denen irgendwelchen Promis ein Alkoholproblem angedichtet wird.

Sie können aber gewiss sein, liebe Chefredakteurin der “Frau aktuell”, dass wir uns beim nächsten Mal mit besonders viel Elan an Ihre Artikel setzen werden. Dann gibt’s für jeden Verstoß gegen den Pressekodex eine eigene, ausführlich begründete Beschwerde — versprochen! Aber diesmal hat’s ja auch so gereicht:

Rügen "Frau aktuell"
Entscheidung über die Begründetheit der Beschwerde: fünfmal Ja, zwei Enthaltungen.

Entscheidung über die Art der Maßnahme: fünfmal Ja, einmal Nein, eine Enthaltung.


Der größte Knaller aber ist die Stellungnahme aus dem Hause Bauer.

Sie bezieht sich auf diesen Artikel:Dabei war es doch die ganz große Liebe - Josef & Narumol - Scheidungs-Schock!

Dass es nicht Josef und Narumol waren, die sich hatten scheiden lassen, sondern ein ganz anderes Pärchen aus “Bauer sucht Frau”, wurde erst im Innenteil aufgelöst. Aber eigentlich hätte man das auch sofort am Titelblatt erkennen können. Warum? Das erklärt die “Stabstelle Medienrecht des Heinrich Bauer Verlages”:

Die Stabstelle Medienrecht des Heinrich Bauer Verlages teilt mit, dass die Berichterstattung sich mit der Trennung von Markus und Jennifer, einem ehemaligen “Bauer sucht Frau”-Paar, befasse. Die Leser der Zeitschrift interessierten sich für die ehemaligen sowie neuen “Bauer sucht Frau”-Paare und würden daher regelmäßig über die aktuellen Ereignisse im Leben der Paare informiert.

Um das ehemalige “Bauer sucht Frau”-Paar Narumol und Josef habe sich eine echte Fangemeinschaft unter den Lesern gebildet. Die Fans der beiden verfolgten alle Details über ihr Leben und wüssten daher genau, dass Narumol und Josef glücklich miteinander seien und sich nicht trennen wollten. Die beiden sprächen offen über ihre Gefühle in der Zeitschrift und gewährten auch private Einblicke in ihr Leben. Von daher hätten die Leser eine realistische Vorstellung der Beziehung von Narumol und Josef. Sie wüssten daher, dass die beiden nicht so geartet seien, sich plötzlich zu trennen.

Im Hinblick auf diese Offenheit sei davon auszugehen, dass sich auch ein Auseinanderleben der beiden in den regelmäßigen Berichterstattungen der Zeitschrift angedeutet hätte, bevor eine so schwerwiegende Entscheidung von ihnen getroffen worden wäre. Daher sei die Titelzeile nicht geeignet, bei den Lesern die Fehlvorstellung hervorzurufen, dass über eine Trennung von Josef und Narumol berichtet würde. Die Leser gingen vielmehr davon aus, dass es sich bei dem Scheidungsschock um die Trennung eines anderen Paares handeln müsse, über die Narumol und Josef schockiert seien.

Auch ließe sich der Formulierung “Schock” entnehmen, dass es sich um die Trennung eines anderen Paares handeln müsse, da man über seine eigene Trennung nicht geschockt sein könne, weil man diese Entscheidung bewusst treffe.

Insgesamt sei daher die Berichterstattung nicht geeignet, bei den Lesern einen falschen Eindruck hervorzurufen.

Rügen "Das neue Blatt"
Entscheidung über die Begründetheit der Beschwerde: einstimmig.

Entscheidung über die Art der Maßnahme: fünfmal Ja, einmal Nein.


Wir hatten bisher ja immer gedacht, dass es die Redakteure und Autoren sind, die in diesen Läden am meisten Fantasie haben müssen. Doch die wirklich kreativen Köpfe der Regenbogenpresse sitzen ganz offenbar in den Rechtsabteilungen.


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Rügenregen unterm Regenbogen

Rügenregen unterm Regenbogen

Im Mai haben wir 21 Beschwerden an den Deutschen Presserat geschickt. Sie betrafen allesamt die Regenbogenpresse.

Der Beschwerdeausschuss, der viermal im Jahr tagt, hat sich am 10. September mit unseren Beschwerden befasst. Das Ergebnis: Fünf Regenbogen-Artikel wurden öffentlich gerügt, fünf weitere missbilligt, fünf bekamen einen Hinweis.

Eine Rüge ist das stärkste “Sanktionsmittel” des Presserats. Sie muss vom betroffenen Medium veröffentlicht werden — eigentlich. Tut es dies nicht, hat das aber keine Folgen für die Redaktion oder den Verlag.

Dennoch ist diese Entscheidung des Presserats ein wichtiges Signal. In den vergangenen 27 Jahren (so weit reicht das Rügen-Onlinearchiv des Deutschen Presserats zurück) gab es gerade einmal 21 Rügen für die Regenbogenpresse — wobei allein sieben davon aus dem Jahr 2010 stammen, als eine ganze Reihe Regenbogenhefte wegen mangelnder Trennung von redaktionellem Teil und Werbung Rügen kassierte.

Rügen_1986-2013

Nun sind also fünf neue Rügen dazugekommen. Und für die mussten wir die Regenbogenpresse gerade einmal einen Monat nach Verstößen durchsuchen: Am 11. April dieses Jahres ging der topfvollgold online, am 10. Mai haben wir die Beschwerden an den Deutschen Presserat geschickt.

Das heißt im Umkehrschluss: Wenn man sich mit diesen Heften mal für eine Weile systematisch auseinandersetzt, findet man unweigerlich eine Fülle von Artikeln, die mit dem Pressekodex nicht vereinbar sind. Wir sind uns recht sicher, dass deutlich mehr als fünf Rügen herauskommen werden, wenn wir den nächsten Schwung Beschwerden an den Presserat schicken — dieses Mal für einen deutlich längeren Zeitraum als einen Monat.

Wir verstehen die aktuelle Entscheidung des Presserats also auch als eine offizielle Bestätigung dessen, was wir mit diesem Blog seit April zu zeigen versuchen: Dass die Regenbogenredaktionen Woche für Woche die Kioske des Landes mit Schund fluten, der nichts mit Journalismus zu tun hat.

Im Folgenden fassen wir die gerügten Artikel kurz zusammen. Mit einem Klick auf die dazugehörigen Ausrisse gelangen Sie zu den ausführlichen Blogeinträgen.

Eine Rüge ging an die “Frau aktuell”. Das Blatt hatte auf der Titelseite angekündigt:

Stefan Mross - Pikante Enthüllung! Wehe, wenn er zur Flasche greift

Innen lautete die Überschrift: “Alkohol-Schock! Stefan Mross — Wer kann ihm jetzt noch helfen?” Im Text ging es dann aber lediglich um Folgendes: Wenn man bei Google “Stefan Mross” eingibt, erscheint als Suchvorschlag manchmal “Stefan Mross Alkohol”. Das war alles. Der Presserat erkannte daher eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht (Ziffer 2) und des Persönlichkeitsschutzes (Ziffer 8).

Ebenfalls gegen die Sorgfaltspflicht verstieß nach Ansicht des Presserats die “Freizeit Express”, weil sie getitelt hatte:

Kate & William - Sensationelle Baby-Fotos! Es nuckelt schon am Daumen...

In Wirklichkeit handelte es sich dabei jedoch um Symbolfotos. Als solche hätten sie nach Ansicht des Presserats auch gekennzeichnet werden müssen.

Unter der Überschrift “Angela Merkel — Verheimlichte Scheidungstragödie” versprach die “Meine Freizeit” auf der Titelseite “Alles über die unbekannte Vergangenheit der Kanzlerin”:

Angela Merkel - Verheimlichte Scheidungs-Tragödie - Alles über die unbekannte Vergangenheit der Kanzlerin

Im Innenteil wurden dann aber lediglich ein paar banale und seit Jahren bekannte Fakten aus dem Leben Angela Merkels mitgeteilt. Die Schlagzeilen beurteilte der Presserat daher als grobe Irreführung der Leser.

Um eine andere angebliche Scheidungstragödie ging es in der Zeitschrift “Das neue Blatt”. Auf dem Cover hieß es über das “Bauer sucht Frau”-Pärchen Josef und Narumol:

Dabei war es doch die ganz große Liebe - Josef & Narumol - Scheidungs-Schock!

Erst im Artikel wurde klar, dass sich nicht Bauer Josef, sondern ein anderer Bauer aus der RTL-Sendung hatte scheiden lassen. Auch hier stellte der Presserat Verstöße gegen die Ziffern 1 und 2 des Pressekodex fest. Die Schlagzeilen seien grob irreführend.

Die “Promi Welt”, die neuerdings (warum auch immer) “Woche exklusiv” heißt, kassierte schließlich eine Rüge für einen Artikel über Steffi Graf. Die hatte zum Jahrenbeginn die Leser ihres Blogs um Rat gefragt, wie man “das Leben allgemein einen Gang herunterschalten könnte”. Die “Promi Welt” sprach daraufhin gleich von einem “verzweifelten Hilferuf” und bescheinigte Steffi Graf einen “Absturz in die Lebenskrise”:

Steffi Graf - Ihr Absturz in dei Lebenskrise

Das Blatt nahm den Blogeintrag sogar zum Anlass, über eine mögliche Krebserkrankung von Steffi Grafs Mutter zu spekulieren. Der Presserat bewertete den Artikel als “eine unwahrhaftige Berichterstattung, bei der jegliche Sorgfaltspflichtaspekte außer Acht gelassen wurden.”

Dass die Regenbogenredaktionen nun endlich eine Quittung für diesen Mist bekommen, finden wir gut. Ein wenig überrascht haben uns die einzelnen Entscheidungen aber doch. Denn einige der Artikel, die wir besonders verwerflich fanden, hat der Presserat seltsamerweise nicht mit Rügen bedacht. Unserer Meinung nach wäre zum Beispiel die — nachweislich falsche — Behauptung, Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit hätte in Indien zwei Kinder entführt, viel eher ein Rügen-Kandidat gewesen als etwa die suggerierte Scheidung von Josef und Narumol.

Insgesamt behandelte der Presserat 125 Beschwerden. Zehn Veröffentlichungen wurden gerügt.


Nachtrag, 16. September, 15:12 Uhr:

Infos zu den fünf weiteren Rügen gibt’s beim BILDblog.


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