Mission: Dachschadensbegrenzung

Mission: Dachschadensbegrenzung

Am Wochenende haben wir noch einmal Post vom Deutschen Presserat bekommen. In dem Schreiben geht es um die fünf Rügen, die der Beschwerdeausschuss vor einer Woche gegen die Regenbogenpresse ausgesprochen hat.

Zum üblichen Prozedere des Presserats gehört zunächst eine Vorprüfung darüber, ob eine Beschwerde begründet ist oder nicht. Ist sie das, dürfen die betroffenen Redaktionen und Verlage Stellung dazu nehmen. Im Beschwerdeausschuss wird dann nochmals darüber entschieden, ob die Beschwerde begründet ist. Anschließend stimmt das Gremium darüber ab, welche Maßnahme (Hinweis, Missbilligung, Rüge) gewählt werden soll.

Im Falle der Regenbogenpresse wird es an einer Stelle natürlich besonders spannend. Und zwar bei den Stellungnahmen der Redaktionen und Verlage. Denn wie kann man völligen Murks rechtfertigen? Genau: mit noch mehr Murks.

Die “Freizeit Express” und die “Meine Freizeit” haben es gar nicht erst versucht und auf eine Stellungnahme verzichtet. Drei andere Blätter waren mutiger. Deren Rechtfertigungen sind äußerst, ähm, interessant. Darum wollen wir sie hier auch vollständig dokumentieren.

Da wäre zum einen die Stellungnahme des Deltapark-Verlags. Wir hatten uns über diesen Artikel beschwert:Steffi Graf - Ihr Absturz in dei Lebenskrise

Steffi Graf hatte in ihrem Blog lediglich nach Tipps gefragt, wie man “das Leben allgemein einen Gang herunterschalten könnte”. Dass man daraus gleich einen “verzweifelten Hilferuf” strickt, der Ex-Sportlerin einen “Absturz in die Lebenskrise” bescheinigt und die wildesten Spekulationen über ihr Privatleben anstellt, gehört für den Verlag ganz einfach zur Presse- und Meinungsfreiheit:

Der Geschäftsführer des DELTApark Verlages teilt mit, dass die Veröffentlichung von der Presse- und Meinungsäußerungsfreiheit gedeckt sei. Das Bundesverfassungsgericht und der Bundesgerichtshof hätten in ständiger Rechtsprechung die Bedeutung auch einer unterhaltenden Presse für die Meinungsbildung betont. Auch mit unterhaltenden Beiträgen finde Meinungsbildung statt. Solche Beiträge könnten die Meinungsbildung u. U. sogar nachhaltiger anregen und beeinflussen als sachbezogene Informationen. Auch überspitzte und spekulative Äußerungen könnten den Schutz der Meinungsäußerungsfreiheit beanspruchen. Die Beiträge gäben die Meinung der Redaktion und des Autors über den zugrunde liegenden Sachverhalt wieder. Sie seien damit Ausdruck der ausgeübten Meinungsäußerungsfreiheit.

Rügen "Promi Welt"
Entscheidung über die Begründetheit der Beschwerde: einstimmig.

Entscheidung über die Art der Maßnahme: viermal Ja, dreimal Nein.


Die “Frau aktuell” musste durfte sich zu diesem Artikel äußern:Stefan Mross - Pikante Enthüllung! Wehe, wenn er zur Flasche greift

Im Innenteil sprach das Blatt von einem “Alkohol-Schock!” und fragte in der Übeschrift: “Wer kann ihm jetzt noch helfen?” Der Hintergrund: Wenn man bei Google “Stefan Mross” eingibt, erscheint als Suchvorschlag angeblich “Stefan Mross Alkohol”.

In ihrer Stellungnahme wirft sich die Chefredakteurin der “Frau aktuell” zwar ebenfalls hinter die schützende Wand der Pressefreiheit, bläst dann aber auch gleich zum Gegenangriff:

Die Chefredakteurin weist darauf hin, dass es sich bei der Beschwerde offenbar um eine Massenaussendung handele, da eine individuelle und annähernd substantielle Begründung für den Vorgang nicht erkennbar sei. Weiterhin betont sie, dass auch Boulevard-Medien uneingeschränkt an der Pressefreiheit teilnähmen. Die von den Beschwerdeführern offenbar monierte Dramatisierung stelle dabei ein übliches Stilmittel dar. Dieses Stilmittel sei durchaus legitim, wie sich aus der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ergebe. Bei der Veröffentlichung sei das Persönlichkeitsrecht der Prominenten nicht betroffen. Die Darstellungen seien zutreffend.

Die Chefredakteurin betont, dass das Bundesverfassungsgericht im “Caroline”-Urteil vom Dezember 1999 festgestellt habe, dass Meinungsbildung und Unterhaltung keine Gegensätze seien. Auch in unterhaltenden Beiträgen finde Meinungsbildung statt. Sie könnten diese unter Umständen sogar nachhaltiger anregen oder beeinflussen als ausschließlich sachbezogene Informationen. Unterhaltung erfülle insofern auch wichtige gesellschaftliche Funktionen. Daher sei sie in den Grundrechtsschutz einbezogen.

Prominente Personen müssten es hinnehmen, dass Medien ihr Auftreten in der Öffentlichkeit kommentierten. Wertungen von Vorgängen aus ihrer Sozialsphäre würde grundsätzlich nicht in ihr Persönlichkeitsrecht eingreifen.

Die Chefredakteurin betont, dass die Beschwerdeführer die Berichterstattung pauschal angriffen. Eine individualisierte Begründung erfolge nicht. Die Vorwürfe seien unsubstantiiert und nichtssagend. Es sei die Rede davon, dass oft eine Kombination aus Text und Bild etwas suggeriere. Ein Prominenter müsse damit rechnen, dass er “irgendwann” als möglicherweise alkoholkrank dargestellt werde. Demnach sei die Berichterstattung nicht zu rechtfertigen. Weshalb sie nicht zu rechtfertigen sei, stellten die Beschwerdeführer nicht dar. Sie überließen es alleine dem Presserat herauszufinden, worin denn jeweils konkret der Beschwerdegegenstand zu sehen sei.
Zu dem Artikel teilt die Chefredakteurin mit, dass es zutreffend sei, dass wer in Google “Stefan Mross” eingebe, unter den ersten Treffern sofort das Suchergebnis “Stefan Mross Alkohol” angeboten bekomme. Darüber berichte man und überlege, worauf diese Google-Selbstvervollständigung beruhe. Möglicherweise an der Alkoholvergiftung, die Mross 2003 gehabt habe. Das Foto illustriere den Beitrag, der insgesamt gesehen in keiner Weise irgendein Alkoholproblem von Mross behaupte. Die Überschrift “Alkohol-Schock! Stefan Mross — Wer kann ihm jetzt noch helfen?” sei auch nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit dem gesamten Beitrag zu sehen. Diese Ankündigung auf der Titelseite stelle die in der Mediengattung übliche Präsentation dar. Die rein pauschale Behauptung der Beschwerdeführer, in dem Beitrag würde ein Prominenter zu einem Alkoholiker gemacht, sei ohne jeden Bezug zu dem konkreten Beitrag aufgestellt worden.

Dass die Chefredakteurin so argumentiert, liegt wohl daran, dass wir zu diesem Artikel keine separate Beschwerde eingereicht hatten. Er war vielmehr Teil einer Art Sammelbeschwerde, in der es um die unzähligen Artikel ging, in denen irgendwelchen Promis ein Alkoholproblem angedichtet wird.

Sie können aber gewiss sein, liebe Chefredakteurin der “Frau aktuell”, dass wir uns beim nächsten Mal mit besonders viel Elan an Ihre Artikel setzen werden. Dann gibt’s für jeden Verstoß gegen den Pressekodex eine eigene, ausführlich begründete Beschwerde — versprochen! Aber diesmal hat’s ja auch so gereicht:

Rügen "Frau aktuell"
Entscheidung über die Begründetheit der Beschwerde: fünfmal Ja, zwei Enthaltungen.

Entscheidung über die Art der Maßnahme: fünfmal Ja, einmal Nein, eine Enthaltung.


Der größte Knaller aber ist die Stellungnahme aus dem Hause Bauer.

Sie bezieht sich auf diesen Artikel:Dabei war es doch die ganz große Liebe - Josef & Narumol - Scheidungs-Schock!

Dass es nicht Josef und Narumol waren, die sich hatten scheiden lassen, sondern ein ganz anderes Pärchen aus “Bauer sucht Frau”, wurde erst im Innenteil aufgelöst. Aber eigentlich hätte man das auch sofort am Titelblatt erkennen können. Warum? Das erklärt die “Stabstelle Medienrecht des Heinrich Bauer Verlages”:

Die Stabstelle Medienrecht des Heinrich Bauer Verlages teilt mit, dass die Berichterstattung sich mit der Trennung von Markus und Jennifer, einem ehemaligen “Bauer sucht Frau”-Paar, befasse. Die Leser der Zeitschrift interessierten sich für die ehemaligen sowie neuen “Bauer sucht Frau”-Paare und würden daher regelmäßig über die aktuellen Ereignisse im Leben der Paare informiert.

Um das ehemalige “Bauer sucht Frau”-Paar Narumol und Josef habe sich eine echte Fangemeinschaft unter den Lesern gebildet. Die Fans der beiden verfolgten alle Details über ihr Leben und wüssten daher genau, dass Narumol und Josef glücklich miteinander seien und sich nicht trennen wollten. Die beiden sprächen offen über ihre Gefühle in der Zeitschrift und gewährten auch private Einblicke in ihr Leben. Von daher hätten die Leser eine realistische Vorstellung der Beziehung von Narumol und Josef. Sie wüssten daher, dass die beiden nicht so geartet seien, sich plötzlich zu trennen.

Im Hinblick auf diese Offenheit sei davon auszugehen, dass sich auch ein Auseinanderleben der beiden in den regelmäßigen Berichterstattungen der Zeitschrift angedeutet hätte, bevor eine so schwerwiegende Entscheidung von ihnen getroffen worden wäre. Daher sei die Titelzeile nicht geeignet, bei den Lesern die Fehlvorstellung hervorzurufen, dass über eine Trennung von Josef und Narumol berichtet würde. Die Leser gingen vielmehr davon aus, dass es sich bei dem Scheidungsschock um die Trennung eines anderen Paares handeln müsse, über die Narumol und Josef schockiert seien.

Auch ließe sich der Formulierung “Schock” entnehmen, dass es sich um die Trennung eines anderen Paares handeln müsse, da man über seine eigene Trennung nicht geschockt sein könne, weil man diese Entscheidung bewusst treffe.

Insgesamt sei daher die Berichterstattung nicht geeignet, bei den Lesern einen falschen Eindruck hervorzurufen.

Rügen "Das neue Blatt"
Entscheidung über die Begründetheit der Beschwerde: einstimmig.

Entscheidung über die Art der Maßnahme: fünfmal Ja, einmal Nein.


Wir hatten bisher ja immer gedacht, dass es die Redakteure und Autoren sind, die in diesen Läden am meisten Fantasie haben müssen. Doch die wirklich kreativen Köpfe der Regenbogenpresse sitzen ganz offenbar in den Rechtsabteilungen.


facebooktwitteremail

Rügenregen unterm Regenbogen

Rügenregen unterm Regenbogen

Im Mai haben wir 21 Beschwerden an den Deutschen Presserat geschickt. Sie betrafen allesamt die Regenbogenpresse.

Der Beschwerdeausschuss, der viermal im Jahr tagt, hat sich am 10. September mit unseren Beschwerden befasst. Das Ergebnis: Fünf Regenbogen-Artikel wurden öffentlich gerügt, fünf weitere missbilligt, fünf bekamen einen Hinweis.

Eine Rüge ist das stärkste “Sanktionsmittel” des Presserats. Sie muss vom betroffenen Medium veröffentlicht werden — eigentlich. Tut es dies nicht, hat das aber keine Folgen für die Redaktion oder den Verlag.

Dennoch ist diese Entscheidung des Presserats ein wichtiges Signal. In den vergangenen 27 Jahren (so weit reicht das Rügen-Onlinearchiv des Deutschen Presserats zurück) gab es gerade einmal 21 Rügen für die Regenbogenpresse — wobei allein sieben davon aus dem Jahr 2010 stammen, als eine ganze Reihe Regenbogenhefte wegen mangelnder Trennung von redaktionellem Teil und Werbung Rügen kassierte.

Rügen_1986-2013

Nun sind also fünf neue Rügen dazugekommen. Und für die mussten wir die Regenbogenpresse gerade einmal einen Monat nach Verstößen durchsuchen: Am 11. April dieses Jahres ging der topfvollgold online, am 10. Mai haben wir die Beschwerden an den Deutschen Presserat geschickt.

Das heißt im Umkehrschluss: Wenn man sich mit diesen Heften mal für eine Weile systematisch auseinandersetzt, findet man unweigerlich eine Fülle von Artikeln, die mit dem Pressekodex nicht vereinbar sind. Wir sind uns recht sicher, dass deutlich mehr als fünf Rügen herauskommen werden, wenn wir den nächsten Schwung Beschwerden an den Presserat schicken — dieses Mal für einen deutlich längeren Zeitraum als einen Monat.

Wir verstehen die aktuelle Entscheidung des Presserats also auch als eine offizielle Bestätigung dessen, was wir mit diesem Blog seit April zu zeigen versuchen: Dass die Regenbogenredaktionen Woche für Woche die Kioske des Landes mit Schund fluten, der nichts mit Journalismus zu tun hat.

Im Folgenden fassen wir die gerügten Artikel kurz zusammen. Mit einem Klick auf die dazugehörigen Ausrisse gelangen Sie zu den ausführlichen Blogeinträgen.

Eine Rüge ging an die “Frau aktuell”. Das Blatt hatte auf der Titelseite angekündigt:

Stefan Mross - Pikante Enthüllung! Wehe, wenn er zur Flasche greift

Innen lautete die Überschrift: “Alkohol-Schock! Stefan Mross — Wer kann ihm jetzt noch helfen?” Im Text ging es dann aber lediglich um Folgendes: Wenn man bei Google “Stefan Mross” eingibt, erscheint als Suchvorschlag manchmal “Stefan Mross Alkohol”. Das war alles. Der Presserat erkannte daher eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht (Ziffer 2) und des Persönlichkeitsschutzes (Ziffer 8).

Ebenfalls gegen die Sorgfaltspflicht verstieß nach Ansicht des Presserats die “Freizeit Express”, weil sie getitelt hatte:

Kate & William - Sensationelle Baby-Fotos! Es nuckelt schon am Daumen...

In Wirklichkeit handelte es sich dabei jedoch um Symbolfotos. Als solche hätten sie nach Ansicht des Presserats auch gekennzeichnet werden müssen.

Unter der Überschrift “Angela Merkel — Verheimlichte Scheidungstragödie” versprach die “Meine Freizeit” auf der Titelseite “Alles über die unbekannte Vergangenheit der Kanzlerin”:

Angela Merkel - Verheimlichte Scheidungs-Tragödie - Alles über die unbekannte Vergangenheit der Kanzlerin

Im Innenteil wurden dann aber lediglich ein paar banale und seit Jahren bekannte Fakten aus dem Leben Angela Merkels mitgeteilt. Die Schlagzeilen beurteilte der Presserat daher als grobe Irreführung der Leser.

Um eine andere angebliche Scheidungstragödie ging es in der Zeitschrift “Das neue Blatt”. Auf dem Cover hieß es über das “Bauer sucht Frau”-Pärchen Josef und Narumol:

Dabei war es doch die ganz große Liebe - Josef & Narumol - Scheidungs-Schock!

Erst im Artikel wurde klar, dass sich nicht Bauer Josef, sondern ein anderer Bauer aus der RTL-Sendung hatte scheiden lassen. Auch hier stellte der Presserat Verstöße gegen die Ziffern 1 und 2 des Pressekodex fest. Die Schlagzeilen seien grob irreführend.

Die “Promi Welt”, die neuerdings (warum auch immer) “Woche exklusiv” heißt, kassierte schließlich eine Rüge für einen Artikel über Steffi Graf. Die hatte zum Jahrenbeginn die Leser ihres Blogs um Rat gefragt, wie man “das Leben allgemein einen Gang herunterschalten könnte”. Die “Promi Welt” sprach daraufhin gleich von einem “verzweifelten Hilferuf” und bescheinigte Steffi Graf einen “Absturz in die Lebenskrise”:

Steffi Graf - Ihr Absturz in dei Lebenskrise

Das Blatt nahm den Blogeintrag sogar zum Anlass, über eine mögliche Krebserkrankung von Steffi Grafs Mutter zu spekulieren. Der Presserat bewertete den Artikel als “eine unwahrhaftige Berichterstattung, bei der jegliche Sorgfaltspflichtaspekte außer Acht gelassen wurden.”

Dass die Regenbogenredaktionen nun endlich eine Quittung für diesen Mist bekommen, finden wir gut. Ein wenig überrascht haben uns die einzelnen Entscheidungen aber doch. Denn einige der Artikel, die wir besonders verwerflich fanden, hat der Presserat seltsamerweise nicht mit Rügen bedacht. Unserer Meinung nach wäre zum Beispiel die — nachweislich falsche — Behauptung, Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit hätte in Indien zwei Kinder entführt, viel eher ein Rügen-Kandidat gewesen als etwa die suggerierte Scheidung von Josef und Narumol.

Insgesamt behandelte der Presserat 125 Beschwerden. Zehn Veröffentlichungen wurden gerügt.


Nachtrag, 16. September, 15:12 Uhr:

Infos zu den fünf weiteren Rügen gibt’s beim BILDblog.


facebooktwitteremail

Endlich Freizeit

Endlich Freizeit

Wenn ein Medienhaus wie der SCG Verlag eine neue Zeitschrift auf den Markt bringen will, muss es so sein, als würden die Wollnys noch einmal Nachwuchs bekommen: Man findet einfach keinen Namen für das neue Kind, der nicht schon für ein anderes verwendet wurde.

Die Sarafinas, Estefanias , Lavinias und Loredanas heißen beim SCG Verlag “Deine beste Freizeit”, “Frau und Freizeit”, “Freizeit erleben”, “Freizeit für die Frau”, “Freizeit für uns”, “Freizeit live”, “Freizeit kompakt”, “Freizeit mit Herz” und “Hallo Freizeit”.

Also, Leute, alle mal nachdenken: Wir brauchen einen Namen! Einen, mit dem wir uns vom restlichen Markt abheben können. Irgendwie was Spezielles.

Und das kommt dann dabei raus, wenn die SCG-Kreativabteilung an einen solchen Fall gelassen wird:Cover der "Freizeit Spezial"Aber was macht man, wenn beim Brainstorming noch ein Knaller-Titel vorgeschlagen wurde?

Genau: Man wirft noch ein neues Heft auf den Markt. Endlich kümmert sich eine Redaktion im SCG Verlag mal um das wichtige Thema, ach, was soll’s:Cover der "Freizeit für meinen Tag"Letztendlich sind Namen ja aber sowieso wie Schall und Rauch. Das sieht man an den Beispielen “Promi Welt” und “die exklusive”. Die heißen jetzt nämlich “Woche exklusiv” und nur noch “exklusive”.

Was für ein doppelter Griff ins Klo!

Wenn schon ändern, dann doch bitte in “Freizeit Promi Welt” und “die Freizeit exklusive”.


facebooktwitteremail

Ihre fatale Lügen-Lügen-Welt

Ihre fatale Lügen-Lügen-Welt

Heidi Klum hat ein paar turbulente Tage hinter sich.

Zuerst gab es einen “Familienstreit” und “neuen Stress mit Seal”, dann “schwänzte” ihr Freund den “Familien-Tag”, dann redete sie “endlich wieder mit ihren Eltern”, dann spottete ihr Jury-Kollege “fies” über sie, dann drohte ihrer “Liebe ein Ende”, dann doch nicht, dann gab’s wieder Streit mit der Familie (diesmal sogar “Krieg”), dann ein “Todes-Drama um ihren kleinen Sohn”, dann einen “Topmodel-Skandal”, dann “Streit ums Sorgerecht” und zu guter Letzt noch ein “Baby-Geheimnis”. All das in weniger als zwei Wochen.

Um’s nur mal grob zusammenzufassen.

Die “Promi Welt” aber hat mal wieder eine besonders spektakuläre Geschichte zu bieten.Heidi Klum - Rasend vor Eifersucht - Das Drama hinter den TV-KulissenWir machen’s kurz: Hinter dem “Drama” steckt nichts weiter, als dass “Germany’s Next Topmodel” die Produktionsfirma gewechselt hat — weil die bisherige auf einem anderen Sender eine ähnliche Show produziert hatte. Oder anders gesagt:

Langjährige Mitarbeiter, die Heidi sicher ans Herz gewachsen waren, wurden einfach abserviert! […] Konkurrenz duldet Heidi offenbar nicht – SIE will die Nr. 1 sein, auch privat.

Und als wäre das alles nicht schon bescheuert genug, liegt der Wechsel der Produktionsfirma, dieses banale Ereignis, auf dem der gesamte, zweiseitige Artikel beruht, auch noch über zehn Monate zurück.

Etwas aktueller ist hingegen der Heidi-Klum-Skandal, den “die exklusive” sich – “exklusiv” – zusammenreimt:exklusiv - Heidi Klum - Ihre fatale Lügen-Welt

Strahlende Augen, ein bezauberndes Lächeln, jugendliche Haut und ein straffer Busen – Top-Model Heidi Klum sieht auf den Fotos der neuen Werbekampagne von Astor aus wie eine 20-Jährige! Doch nicht die Beauty-Produkte des Kosmetik-Riesen haben die 39-Jährige zur Zwillingsschwester ihrer jungen “Germany’s Next Topmodel”-Kandidatinnen […] gemacht, sondern ein perfektes digitales Bildbearbeitungs-Programm! Heidis fatale Lügen-Welt!

“die exklusive”, die in ein und derselben Ausgabe Boris Becker samt Gattin zu Alkoholikern macht und Bettina Wulff zur Rabenmutter erklärt — ohne auch nur ansatzweise Beweise vorlegen zu können –, die wirft Heidi Klum jetzt also eine “fatale Lügen-Welt” vor, weil deren Kosmetik-Werbefoto bearbeitet wurde.

So viel Chuzpe muss man erst mal haben.


facebooktwitteremail

Ein Baby! Ein Baby! (…wäre toll)

Ein Baby! Ein Baby! (…wäre toll)

Was haben Charlène & Albert von Monaco, Victoria & Daniel von Schweden sowie Lilly, Boris, Yvonne, Oliver, Christine und José vom Fernsehen gemeinsam?

Richtig: Sie bekommen alle kein Baby.

Dennoch geben sich die Regenbogenredaktionen größte Mühe, es so klingen zu lassen, als ob. Manchmal lassen sie die Mühe aber auch weg.Ihre kleine Estelle bekommt ein Brüderchen - Victoria & DanielFür den entscheidenden Teil dieser Aussage war in der Überschrift leider kein Platz mehr. Im Text aber schon:

Estelle bekommt ein Brüderchen! Wäre das nicht toll?

Au ja, liebe “Super Freizeit” – da müsstest Du nicht mal mehr einen neuen Artikel schreiben, sondern könntest den hier sofort nochmal nehmen und “wäre” einfach mit “ist” ersetzen. Toll!

Die “Neue Post” könnte sogar gleich ihr ganzes Titelbild wiederverwerten, wenn, in diesem Fall Charlène von Monaco, wirklich mal ein Kind kriegen sollte:Endlich ein Thron-Erbe - Ganz Monaco freut sich für Carolines Familie - Albert & Charlene: Das Baby ändert alles!Damit hat das Heft nicht mal ganz Unrecht: Es wurde tatsächlich ein Kind zur Welt gebracht. Allerdings nicht von Charlène, sondern von der Verlobten des Sohnes der Schwester ihres Mannes. Das Baby ist also Charlènes (Schwieger-)Großneffe.

Und jetzt raten Sie mal, welches Baby “Das neue Blatt” meint, wenn es schreibt:Caroline & Charlene - Endlich Babyglück in MonacoOder die “frau aktuell”:Caroline - Die Baby-Sensation! - Ganz Monaco steht KopfAuch die “Promi Welt” kann es kaum erwarten. Und vertreibt sich die Zeit wie eine Sechsjährige auf der Fahrt in den Italienurlaub: Bis es so weit ist, fragt sie, wann es so weit ist.Christine Neubauer - Ein Baby von José? - Die Krönung ihrer Liebe: Ärzte geben grünes LichtImmerhin hat José seiner Christine auf irgendeinem roten Teppich immer wieder den Bauch gestreichelt. Und “eine Geste sagt oft mehr als 1000 Worte”, weiß die “Promi Welt”.

Und sie weiß sogar noch mehr. Zum Beispiel, dass Christine Neubauer mindestens 50 Jahre alt ist und ein Professor gesagt hat, das sei überhaupt kein Problem fürs Kinderkriegen. Wenn’s auf natürlichem Wege dennoch nicht klappen sollte, keine Sorge — daran hat die “Promi Welt” nämlich auch schon gedacht:

Es besteht auch die Möglichkeit, sich Eizellen von einer jüngeren Spenderin zu kaufen und sie mit dem Samen des Partners befruchten zu lassen! Ein Verfahren, das in Deutschland verboten, aber etwa in Spanien legal ist: Christine Neubauer lebt mit José hauptsächlich auf Mallorca. Wir werden gewiss bald mehr erfahren – unter gewissen Umständen jedenfalls …

Bemerkenswert, wie die “Promi Welt” mit Hilfe des Doppelpunktes versucht, so zu tun, als würde sie einfach nur logisch schlussfolgern. Und sich nicht wahllos irgendwelchen Mist zusammenreimen.

Womit wir bei der “Freizeit Spaß” wären.Yvonne Catterfeld & Oliver Wnuk - Traumhochzeit - Er spricht sogar von einem BabyMan könnte jetzt vermuten, dass er wirklich von einem Baby gesprochen hat. Die Passage des “Bunte”-Interviews, aus der die “Freizeit Spaß” ihre komplette Titelgeschichte gebastelt hat, lautet allerdings folgendermaßen:

Noch ein Kind, heiraten? “Alles ist möglich”, sagt Oliver Wnuk.

“Alles ist möglich.” Könnte auch das Geschäftsmotto der “Freizeit Spaß” sein.

Die “Neue Pause” gönnt sich derweil eine kleine Auszeit von den Schwangerschaftsgerüchten. Über Nachwuchs spekulieren kann man schließlich auch auf andere Weise:Boris & Lilly Becker - Adoptieren sie ein Mädchen?Für die “Neue Pause” ist es nur noch eine Frage der Zeit.

Wie gerne würde [Lilly] das junge Mädchen adoptieren. Jetzt muss nur noch Boris zustimmen!

Ihre Theorie macht die Redaktion an zwei Dingen fest. Erstens: Lilly wollte das Mädchen – das sie während einer “Charity-Reise nach Afrika” kennenlernte – “gar nicht mehr loslassen”.

Zweitens: “Die Eltern der Kleinen sind beide HIV-positiv, sie selbst ist gesund”. Und: “Lillys Mutter starb bei einem Verkehrsunfall, die damals Deijährige wuchs bei ihren Großeltern auf.” Ergo: “Sie weiß, wie wichtig es ist, einer verlorenen Seele ein neues Zuhause und neue Hoffnung zu geben – wie gerne würde sie das junge Mädchen adoptieren.” Dann muss ja jetzt nur noch Boris zustimmen.


facebooktwitteremail

Die erfundene Entführung
1

Die erfundene Entführung

In der Regenbogenpresse liegt auf der Wahrheit meist eine dicke Kruste aus Dreck. Kratzt man genug davon ab, kommt mit etwas Glück der letzte, unspektakuläre Rest dessen zum Vorschein, was die Blättchen ihren Lesern in den Schlagzeilen noch vollmundig versprochen haben. Dieses Ausreizen presserechtlicher Grenzen gehört in vielen Redaktionen schlichtweg zum Job.

Doch einige Regenbogenautoren belassen es nicht bei solchen irreführenden Verdrehungen. Sie gehen noch einen Schritt weiter. Und machen dabei nicht mal vor rechtlichen Schranken Halt.

In ihrer aktuellen Ausgabe schreit die “Promi Welt”:Prinzessin Mette-Marit - Jetzt ist das Maß aber voll! - Das Volk ist empört - kosten ihre jüngsten Eskapaden sie die Krone?Der Artikel beginnt gewohnt krawallig:

Da ist was faul im Staate Norwegen. Sie hat keine Lust zu arbeiten, versäumt wichtige Termine und rückt das norwegische Königshaus mit ihrem unroyalen Verhalten erneut in ein schlechtes Licht: Kronprinzessin Mette-Marit (39) sorgt mal wieder für Unmut im Volk.

Nun ja, das kann man unter Umständen so sehen — auch wenn es doch eine sehr, sagen wir, polemische Interpretation der Faktenlage ist.

Im nächsten Satz verliert die “Promi Welt” dann aber vollends den Bezug zur Realität.Dabei ist der Bayb-Skandal von Indien, als sie in einer Nacht- und Nebelaktion zwei Säuglinge aus einer Kinderklinik entführte, noch nicht einmal ganz verdaut.

(Markierung von uns.)

Es kann ja sein, dass wir da irgendwas verpasst haben. Aber der einzige “Baby-Skandal von Indien”, den wir gefunden haben, klingt ein wenig anders.

Die “Huffington Post” berichtete im Dezember 2012, dass Mette-Marit nach Indien geflogen sei, um einer Geburt von Zwillingen beizuwohnen. Ein befreundetes Paar hatte dort eine Leihmutter beauftragt, die Kinder auszutragen. Weil die Freunde von Mette-Marit aufgrund von Visa-Problemen nicht selbst nach Indien reisen konnten, sei die Prinzessin persönlich und auf eigene Kosten hingeflogen, um die Neugeborenen “in der Welt willkommen zu heißen”.

Die Aktion erntete einerseits Zuspruch, einigen Norwegern stieß sie jedoch übel auf. Unter anderem, weil Leihmutterschaft in Norwegen illegal ist und Mette-Marit, so der Vorwurf, ihre diplomatischen Privilegien ausgenutzt habe. Einige Stimmen kritisierten zudem generell das Vorgehen, Kinder aus der “Dritten Welt” nach Europa zu holen.

Man mag davon halten, was man will. Doch die Behauptung, Mette-Marit habe “in einer Nacht- und Nebelaktion zwei Säuglinge aus einer Kinderklinik [entführt]“, geht dann doch ein paar Kilometer über die Grenzen der Interpretationsfreiheit hinaus.

Und auch über die des Presserechts. Betreiben wir mal ein bisschen Paragraphenreiterei. Denn im Grunde ist die Sache ganz einfach.

Entweder: Der Entführungs-Vorwurf der “Promi Welt” ist falsch. Dann macht sie sich mindestens der üblen Nachrede (§ 186 StGB) schuldig, weil ihre Tatsachenbehauptung dazu geeignet ist, Mette-Marit “verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen”. Verbreitet die “Promi Welt” die Behauptung sogar “wider besseres Wissen” würde das sogar den Straftatbestand der Verleumdung (§ 187 StGB) erfüllen.

Die andere Möglichkeit ist: “Promi Welt” kann beweisen, dass Mette-Marit in Indien tatsächlich zwei Säuglinge entführt hat. Davon wären wir aber ehrlich gesagt überrascht.


facebooktwitteremail

Oh, oh – das klingt verdächtig

Oh, oh – das klingt verdächtig

Man muss ein äußerst fantasiebegabter Mensch sein, wenn man bei der “Promi Welt” arbeiten will. Und man muss die Fähigkeit besitzen, Zitate so zu zerhacken, dass sie ihren ursprünglichen Sinn verlieren – damit man selbst entscheiden kann, welche Bedeutung sie haben sollen.

Vor allem aber darf man eines nicht haben: Skrupel. Denn nur so können in der “Promi Welt” Artikel erscheinen wie der über Steffi Graf: Steffi Graf - Ihr Absturz in die Lebenskrise

Aber fangen wir vorne an.

Zum Jahresbeginn hat Steffi Graf in ihrem Blog einige “Questions & Answers” veröffentlicht. Darin beantwortet sie Fragen, die ihr offenbar von Fans gestellt wurden. Fragen wie: “Wer sind deine Favoriten für das Tennisjahr 2013?” Oder: “Was vermisst du am meisten an Deutschland?”

Irgendjemand wollte wissen: “Hast du Ziele oder Vorsätze für das neue Jahr?”

Steffi Graf antwortete:

Mein Ziel ist es nicht nur im neuen Jahr, sondern konsequenterweise auf meinen Körper zu hören, gesund zu leben und die bestmögliche Balance zwischen Körper und Seele zu finden. Ich freue mich immer auf das, was das neue Jahr mit sich bringt und möchte jeden Tag so gut es geht auskosten. Am meisten freue ich mich im kommenden Jahr wieder auf die besonderen Momente mit meiner Familie und Freunden, in denen ich die kostbare Zeit mit ihnen verbringen darf. Und falls jemand von euch einen Tipp hat, wie der Tag noch mehr Stunden haben und wie man das Leben allgemein einen Gang herunterschalten könnte, bin ich für Anregungen offen :-)

Nun stellen Sie sich vor, Sie sind Mitarbeiter der “Promi Welt”. Ihre Aufgabe: Stricken Sie aus diesem Zitat eine schockierende Schlagzeile. Und einen Artikel, in dem möglichst irgendetwas mit Lebenskrise, Krebs, Ehe-Drama oder Burn-out vorkommt. Oder noch besser: Einen Artikel, in dem irgendetwas mit Lebenskrise und Krebs und Ehe-Drama und Burn-out vorkommt.

Unmöglich? Nicht für den (anonymen) Autor der “Promi Welt”. Der schreibt über Steffi Graf:

[…] Nach außen sah ihr Leben immer so perfekt aus – doch jetzt machen sich alle auf einmal Sorgen!

Für Aufregung sorgt ein alarmierender Hilferuf von Steffi Graf auf ihrer Internetseite.

Ausgerechnet die ehemalige Spitzensportlerin, die doch sonst immer Gelassenheit ausstrahlt, fragt plötzlich nach Tipps, “wie man das Leben allgemein einen Gang runterschalten könnte.” Ein Hilferuf an Millionen Fans. Zudem erklärt sie, dass sie in Zukunft versuchen werde, konsequenterweise auf ihren Körper zu hören.

Oh, oh – das klingt verdächtig nach Burn-Out!

Tja — vielleicht im Kosmos der “Promi Welt”. Womöglich steckt aber auch etwas ganz anderes dahinter.

Womöglich steckt aber auch etwas ganz anderes dahinter. Denn Steffi Graf schreibt auch: “Ich möchte jeden Tag so gut es geht auskosten” – und das am liebsten mit ihrer Familie. Hoffentlich ist nicht etwas mit ihren Kindern! Oder bedroht ein anderer Schicksalsschlag Steffis Glück? Ihre Mutter Heidi (70), Andres Mama Elizabeth (73) sowie seine Schwester Tami (43) besiegten den Brustkrebs – schrecklich, wenn die Krankheit wieder zugeschlagen hätte!

Und so schlägt die “Promi Welt” den unfassbaren Bogen von Steffi Grafs Vorsätzen für das neue Jahr bis zum Brustkrebs ihrer Mutter.

Steffi Graf, stellt der Autor fest, habe sich bislang nicht dazu geäußert, “was sie derzeit wirklich so aufwühlt.” Dass sie aber so öffentlich um Hilfe bitte, sei “ungewöhnlich”.

Schließlich bringt es die “Promi Welt” sogar fertig, auch noch Spekulationen über das Eheleben der Sportlerin unterzubringen:

Dachte man bislang doch immer, dass Ehemann Andre ihr in allen Lebenslagen wie ein Fels in der Brandung zur Seite steht. Steckt das Liebesglück des Traumpaars etwa in der Krise? Eine Frage, die man kaum auszusprechen wagt.

Die “Promi Welt” wagt es. Und beantwortet die Frage kurzerhand selbst:Verzweifelter Hilferuf - Steffi Graf - Plötzlich wackelt ihre Traum-Ehe

Wie gesagt: Fantasiereich sein. Zitate zerstückeln können. Keine Skrupel haben. Gute Voraussetzungen für eine Anstellung bei der “Promi Welt”.


facebooktwitteremail